12 Jahre Bastelbrockhaus

13:55, Tuesday, 05 2016 January UTC

Ich schreibe gerade für ein Blog nebenan ein paar Kleinigkeiten zum baldigen 15-jährigen Jubiläum der Wikipedia. Dabei fiel mir auf, dass genau heute ja mein 12-jähriges ist. Und auf meinen allerersten Beitrag bin ich immer noch stolz. Es war eine Erweiterung des Artikels zum liberalen Denker John Stuart Mill:

Werk
Mills schriftstellerische und politische Tätigkeit sollte vor allem dazu dienen, die Menschen zu moralisch höherwertigen Wesen zu entwickeln. Dabei suchte er nach verschiedenen Ansätzen, deren innere Kohärenz mehr der Suche des Interpreten unterliegt, als dass er sie explizit macht. Ideengeschichtlich wirksam wurden vor allem drei Aspekte:
Mill-Limit
In seiner bekanntesten Schrift „On Liberty“ (dt: „Über die Freiheit“) setzt Mill das Limit „… dass der einzige Grund, aus dem die Menschheit, einzeln oder vereint, sich in die Handlungsfreiheit eines ihrer Mitglieder einzumischen befugt ist: sich selbst zu schützen. Daß der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gesellschaft rechtmäßig ausüben darf: die Schädigung anderer zu verhüten.“ Das Mill-Limit gilt heute noch, besonders in angloamerikanischen Ländern, als Grundlage des Liberalismus.
Utilitarismus
Im Gegensatz zu Jeremy Bentham oder seinem Vater James Mill entwickelt JS Mill den Utilitarismus weiter. Wo es bei ersteren rein quantitativ um das „größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl“ ging, avisiert JS Mill eine qualitative Vorgehensweise, die „höhere“ von „niederen“ Genüssen unterscheidet und entsprechend gewichtet. Er kann damit einige der Haupteinwände gegen den Utilitarismus umgehen, bleibt selbst aber relativ unkonkret dabei, wie „höhere“ und „niedere“ Genüsse zu unterscheiden sind.
Feminismus
Ungewöhnlich für seine Zeit und wahrscheinlich beeinflusst durch seine spätere Frau Harriot Taylor (Mill), vertritt JS Mill feministische Ansichten. Er fordert ebenso das Frauenwahlrecht wie ein Scheidungsrecht. Auch untersucht er als einer der ersten sozialwissenschaftlich die Unterdrückung der Frau.

Old sheep face

Bild: Old sheep face. Von: By Roger Green from UK (Old Sheep) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

"Ich habe Zeit gespendet, und zwar nicht zu knapp! "

10:00, Tuesday, 22 2015 December UTC

Wer es noch nicht gesehen hat. Ein schönes Interview von Geolina im Deutschlandfunk zum Thema Wikipedia, Wikimedia, Spenden und Wertschätzung:

Wikipedia-Autorin wünscht sich mehr Wertschätzung



Finnish anti-vegetation task force on a Baltic sea island
Bild: Finnish anti-vegetation task force on a Baltic sea island. These sheep, owned by the government of Finland, keep the meadows from turning to thickets. By Hansenit [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

#GLAM – wo stehen wir?

20:49, Thursday, 10 2015 December UTC

Seit mindestens 2007 Jahren schon bin ich als Wikipedianer im Umfeld der GLAMs (Galleries, Libraries, Archives and Museums) in NRW und speziell in Köln aktiv. Angefangen mit der Bilderspende vom Bundesarchiv. In den Folgejahren dann Vorträge über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen GLAMs und Wikipedia (inkl. Wikimedia Commons, Wikisource, Wikidata) oder der richtigen Anwendung von #GLAM – wo stehen wir? weiterlesen

Transparenz geht auch mit Anonymität

18:23, Friday, 06 2015 November UTC

Die Möglichkeit, anonym auf der Wikipedia agieren zu können, ist ein hoher Wert, der vielleicht auch zum beispiellosen Erfolg des Projekts beigetragen hat. Daher rufe ich dazu auf, die Petition

https://www.change.org/p/transparenz-auf-wikipedia-wikitransparenz

NICHT zu unterschreiben.

Wikipedia als Lügenpresse

20:31, Monday, 02 2015 November UTC

Russia Today (sic) interviewt den Filmemacher von "Die dunkle Seite der Wikipedia":

https://deutsch.rt.com/35392/gesellschaft/interview-mit-filmemacher-markus-fiedler-die-dunkle-seite-der-wikipedia/

Votez pour une liberté de panorama en France!

15:35, Sunday, 18 2015 October UTC

http://blog.wikimedia.fr/votez-pour-une-liberte-de-panorama-en-france-7883

Frankreich hat leider keine Panoramafreiheit, was unter anderem die Bebilderungsmöglichkeiten der französischen Wikipedia extrem einschränkt.

http://archiv.twoday.net/search?q=panoramafreiheit

The Louvre Pyramid (7308371254).jpg
The Louvre Pyramid (7308371254)“ von Lies Thru a Lens - The Louvre, Paris. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons.

Steht auf Commons zur Löschung an und wird auf Flickr als Adult Content ohne Einbettungslink bezeichnet.

https://www.flickr.com/photos/44133834@N02/7308371254

Ekelhafter Löschwahn

13:32, Sunday, 18 2015 October UTC

Durch Zufall stieß ich auf die Löschung (2013) von

Friedrich Carl von Savigny (1903–1944)

Löschdiskussion

Ein informativer Artikel zur NS-Geschichte wurde wahnhaften "Relevanzkriterien" geopfert, wie man sich im

Marjorie-Wiki

überzeugen kann.

Wiki loves monuments hat es nicht so mit der Aktualität

18:53, Thursday, 15 2015 October UTC

Man muss sich schon auf den ungepflegten Websites ein wenig umschauen, bis man auf Informationen zu den Resultaten von Wiki loves monuments 2015 stößt.

https://tools.wmflabs.org/wlm-stats/

"228909 files by 6629 uploaders from 33 countries"

Stift Altenburg Bibliothek 03.JPG
"Stift Altenburg Bibliothek 03" by Uoaei1 - Own work. Licensed under CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons.

San Juan de Busa, Oliván, Huesca, España, 2015-01-07, DD 13-20 PAN.JPG
"San Juan de Busa, Oliván, Huesca, España, 2015-01-07, DD 13-20 PAN" by Diego Delso. Licensed under CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons.

2014 Prowincja Armawir, Wagharszapat, Trzy chaczkary na dziedzińcu przed seminarium duchownym.JPG
"2014 Prowincja Armawir, Wagharszapat, Trzy chaczkary na dziedzińcu przed seminarium duchownym" by Photo: Hons084 / Wikimedia Commons. Licensed under CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons.

Apples Sprachassistentin Siri bezeichnete Angela Merkel für einige Stunden in einem unflätigen Text als Ferkel und Sklavin der USA.

Es ist mir nicht gelungen, bei der Lektüre einiger Meldungen, allen voran von SPIEGEL ONLINE

http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/siri-beleidigt-angela-merkel-gefaelschter-wikipedia-eintrag-a-1054790.html (Kommentare sind nicht möglich)

eine korrekte Darstellung zu finden, auch nicht bei der Suche nach gesichtet bzw. ungesichtet in Kombination mit Merkel Ferkel bei Google News. Ich bin davon ausgegangen, dass wenigstens Heise, wo Torsten Kleinz üblicherweise gut unterrichtet ist, den Mist nicht kolportiert, aber nicht Heinze schrieb den Artikel, sondern ein lbe.

http://heise.de/-2826323

Richtig ist: Die deutschsprachige Wikipedia zeigte in der Normalansicht zu keinem Zeitpunkt den kurzfristig als ungesichtete Version eingebrachten Vandalismus. Genau um solche Pannen zu verhindern, hat die deutschsprachige Wikipedia die sogenannten gesichteten Versionen eingeführt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Gesichtete_Versionen

Das Merkel-Ferkel war natürlich nie gesichtet.

Unangemeldete Benutzer sehen bei Aufruf einer Seite die letzte gesichtete Version, können aber über eine grafische Benutzeroberfläche die aktuelle Version ansteuern und editieren. Gibt es in dem betrachteten Artikel keine als „gesichtet“ markierte Version, so wird die aktuelle angezeigt. Angemeldete Benutzer sehen bei Aufruf einer Seite gleich die aktuellste Version, können aber auch einfach über den Artikel-Reiter zur letzten als „gesichtet“ markierten Version wechseln.

Der Fehler liegt also ausschließlich bei Apple, das den Siri speisenden Bot offenbar als angemeldeten Nutzer agieren lässt und so Inhalte sieht, die dem normalen unangemeldeten Nutzer aus gutem Grund NIE gezeigt werden. Diese entscheidende Information fehlt in allen Medien, die die Merkel-Ferkel-Panne aufgegriffen haben!

Update: Wie sich aus

https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia:Fragen_zur_Wikipedia&oldid=146416784#.22Merkel-Hetze_auf_dem_iPhone.22

ergibt, nutzt Apple wohl eine API, die die aktuellste Version anzeigt. Die meisten Sprachversionen kennen im übrigen keine gesichteten Versionen.


Als Nachtrag zu

http://archiv.twoday.net/stories/1022460901/

sei unterstrichen, dass es dank der Möglichkeit der Größenauswahl nun sehr einfach ist, in einer Online-Publikation einen lizenzkonformen HTML-Code einzubinden. Man muss (siehe den Kommentar dort) allerdings überprüfen, ob tatsächlich der Urheber korrekt genannt wird und entsprechend nachbessern. In der Regel kann man aber den Code unbesehen übernehmen.

Anleitung:

Im Wiki (Wikipedia, Commons) auf das von Commons eingebundene Bild klicken - im schwarzen Bereich des Visual Viewer auf das Sharing-Symbol klicken - die rechte Option (z.B. letzeburgisch: Abannen) wählen - HTML und Größe (häufig ist die mittlere Größe empfehlenswert (letzeburgisch: Mëttel) wählen - HTML-Code in den Quelltext des Beitrags kopieren - fertig!

Wie kommt man am schnellsten zum Visual Viewer auf Commons? Auf "Im Medienbetrachter öffnen" klicken.

Siehe auch
http://archiv.twoday.net/stories/38723599/

Burg Thurant.jpg
Burg Thurant“ von Klaus Graf - Übertragen aus de.Wikipedia nach Commons durch Maksim.. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons.

What I’m thinking about

20:56, Wednesday, 08 2015 July UTC

Although we are a community where sharing is key for what we do and what we want to achieve, we sometimes struggle upon our best intentions. Board work is an area where the nature of discussions is often confidential, sometimes personal or just happening among a small group of Board members. That makes it hard to let anyone outside know what is happening inside that obscure bubble. And there certainly is some risk that the reserve to tell too much results in a concrete or perceived lack of information over all. I’ve experienced that dilemma in several committees I’ve worked on and of course it is also true for the WMF Board of Trustees.

So I’m trying to find a balance, write a short blog post once or twice a month, talk about my personal thoughts and make the bubble less opaque. I’m just starting and I don’t know where it leads me. Stay curious. So do I.

Bibliotheken und Wikipedia

12:21, Sunday, 05 2015 July UTC

"Liebe Listenmitglieder,

im Rahmen eines Praxisprojekts des berufsbegleitenden Masterstudiengangs
Bibliotheks- und Informationswissenschaft "MALIS" an der Fachhochschule Köln

( https://www.fh-koeln.de/studium/bibliotheks--und-informationswissenschaft-master_3202.php )

habe ich eine WikiProjekt-Seite zum Thema

"Bibliothekarinnen, Bibliothekare und Bibliotheken im Nationalsozialismus"

erstellt. Sie finden die Seite hier:

( https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProjekt_Bibliothekarinnen,_Bibliothekare_und_Bibliotheken_im_Nationalsozialismus )

Kurzlink: ( http://tinyurl.com/q4lvsqp )

WikiProjekte sind "themenbezogene Initiativen zu Ausbau und Verbesserung
von Artikeln eines Themenkomplexes innerhalb der Wikipedia"

Siehe ( https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProjekt )

Ich würde mich sehr freuen wenn Interessierte Menschen die Seite zur
Information und zur Pflege der Artikel nutzen. Wenn Sie Anmerkungen oder
Verbesserungsvorschläge haben, dürfen Sie mich gerne per Mail oder auf
Wikipedia kontaktieren. Vielleicht hat ja auch jemand Lust die Artikel weiter zu verbessern?
Melden Sie sich gerne!

Ich habe im Rahmen des Projekts auch folgende Artikel völlig neu angelegt:

( https://de.wikipedia.org/wiki/Herman_Kruk )

( https://de.wikipedia.org/wiki/Dina_Abramowicz )

( https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Rieser )

( https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto-Bibliothek )

Vielleicht kann ja auch insgesamt ein stärkerer Impuls zur
Zusammenarbeit von Bibliotheken in Wikipedia ausgehen.
Projekte wie "Wikipedia loves Libraries"

( https://outreach.wikimedia.org/wiki/Wikipedia_Loves_Libraries )

oder das
niederländische Pendant "wikilovesbieb"

( http://www.wikimedia.nl/project/wikilovesbieb )

sind gute Beispiele und auch in Deutschland gibt es bereits zahlreiche Aktivitäten von
Bibliotheken in Kooperation mit Wikipedia. Mehr Informationen:

( https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:GLAM )

Auf meiner Benutzerseite sammle ich zur Zeit Ideen zur Kooperation von Wikiepdia und Bibliotheken. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf:

( https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Philipp_Maa%C3%9F/Diskussion_Zusammenarbeit_Bib_Wiki )

Mit besten Grüßen,

Philipp Maass

Diese Mail geht an mehrere Listen. Mehrfachempfang bitte ich zu entschuldigen.

--
Philipp Maass " (INETBIB)

Thoughts about Board renewal

18:51, Tuesday, 30 2015 June UTC

The community election results for the Wikimedia Foundation Board of Trustees are already published and it’s great to see DariuszJames and Denny adding their expertise and skills to the Board soon. The result also includes that we lose María, Phoebe and Sam, which means to lose three markedly dedicated, experienced members. And Jan-Bart and Stu are going to finish their long terms at the end of this year.

That’s a huge turnover within only a few months and quite a challenge for group dynamics, working capacity and transfer of knowledge. And it does not only effect our Board’s internal relationships but also the relationship to our ED Lila and to our staff.

There are good reasons to be worried about the situation. There certainly will be some loss in stability and institutional knowledge which probably cause one or another difficulty and confusion. And there will be a lot of things to explain, to discuss and to agree upon. We will find ourselves in a situation where we can’t (and shouldn’t) fall back on our own history, because there won’t be anybody who was actual part of that history. But we won’t find ourselves in the middle of nowhere, since whereever we need to follow legal or organizational requirements we can rely on our dedicated staff and their experience and support.

And there is more than just challenges, there is the chance to fuel ourself with the positive spirit which comes with such a change – the motivation of new members, the innovation capability and the critical reflection of our established habits, methods and procedures. Yes, we have a huge opportunity to renew and update in its best sense. We can take the Board to a next level of supporting the ED and the community. We have to work on it, and we will. So rather than being anxious I’m curious and excited. And I hope you are as well.

Wählen ist besser als nicht wählen

19:14, Tuesday, 26 2015 May UTC

Es ist wieder so weit: Alle zwei Jahre wählt die Community (beziehungsweise die vielen Communities) der unterschiedlichen Wikimedia-Projekte drei Mitglieder des 10-köpfigen Kuratoriums der Wikimedia Foundation. Ein Privileg, das von zu vielen Wikipedianern und Wikimedianern nicht genutzt wird. In den vergangenen Jahren gab es viel und zum Teil durchaus gerechtfertigte Kritik an der Foundation und am Kuratorium. Man kann natürlich weiter meckern und sich als Opfer böser Mächte gefallen, man kann aber auch selbst daran mitwirken, dass sich mit der Wahl geeigneter Personen die Zusammensetzung und Dynamik des Kuratoriums ändert.

Warum wählen besser ist als nicht wählen:

  1. Mehr Perspektiven im Kuratorium für bessere Entscheidungen
    Vielfalt im Kuratorium bedeutet vor allem, dass in der Abwägung unterschiedlicher Optionen und derer Konsequenzen möglichst viele Perspektiven berücksichtigt werden. Die Wikimedia Foundation und deren Kuratorium braucht Mitglieder aus der Community, denn die Community ist es, was unsere Projekte am Leben hält. Die Community ist sensibel, verwundbar, selbstbewusst und manchmal gleichzeitig schreckhaft und voreingenommen, aber im Kuratorium keineswegs stimmlos oder ohne Einfluss. Wer die Bedürfnisse und Vorschläge der Community transportieren und darstellen kann und dabei nicht das jeweilige Einzelinteresse sondern das große Ganze im Blick hat, der hat alle Möglichkeiten, dies in die Entscheidungen einfließen zu lassen. Das sichert keine Mehrheit, natürlich nicht, aber es hilft dem gesamten Kuratorium und der Geschäftsstelle der Foundation, sich ein besseres Bild zu verschaffen.
  2. Die Community-Wahl ist keine Alibi-Veranstaltung
    Echt. Wir brauchen nicht nur Kuratoriums-Mitglieder aus der Community, wir wollen sie auch. Denn sie sind die Spezialisten in dem Feld, das für die Foundation wesentlich ist. Wir wollen und brauchen auch andere Spezialisten, wenn wir sie nicht aus der Community bekommen können. Auch das zählt zur Vielfalt, die wir suchen. Aber wer, wenn nicht die Community selbst, ist am besten in der Lage, geeignete Kandidaten aus den eigenen Reihen festzulegen. Das funktioniert aber nur dann wirklich, wenn ihr auch wählt.
  3. Jede Stimme zählt!
    Und zwar ganz besonders.  Ja – Nein – Enthaltung, und das bei jedem Kandidaten. Was das bedeutet, erläutert Dirk Franke in seinem Blogpost „How to vote for the Wikimedia Foundation board – be negativ„.

Was ein potentielles Kuratoriumsmitglied aus der Community mitbringen sollte? Möglichst etwas mehr als ausschließlich eine wertvolle Autorin oder ein wertvoller Autor zu sein. Erfahrung in Gremien – gerne auch außerhalb der Wikiversums, meinungsstark aber kompromissfähig, mehr an Lösungen als an Problemen interessiert  – das wäre meine Wunschbesetzung.

In diesem Jahr stellen 20 Kandidaten zur Wahl. 20 Personen, die sich nicht nur selbst vorgestellt haben, sondern auch auf über 30 Fragen aus der Community antworten. Viel zu lesen, aber es lohnt sich. Und es geht um was Wichtiges für die Community.

Bis zum kommenden Sonntag kann noch gewählt werden. Bitte hier entlang!

 

 

1-2-3: Museen & Wikipedia

08:12, Wednesday, 18 2015 March UTC

1 Thema, 2 Vorträge, 3 Stunden: Auf Einladung des Landschaftsverbandes Rheinland und des Verbandes Rheinischer Museen e.V. durfte ich am 16. März 2015 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn (kurz: Bundeskunsthalle) einen Vortrag zum Thema „Museen & Wikipedia“ halten. Aufhänger war die Outer Space-Schreibwerkstatt der Wikipedia 2014 in der Bundeskunsthalle. Gekommen war 1-2-3: Museen & Wikipedia weiterlesen

Während ganz Deutschland vor der Mattscheibe sitzt und mitfiebert, wer in diesem Jahr zum Eurovision Song Contest nach Wien fahren darf, ist der Fotograf MarkusFelix vom Wikipedia:Festivalsommer bereits seit drei Tagen vor Ort in Hannover und hat die Bilder der Proben bereits hochgeladen – und ermöglicht es uns so, bereits Sekunden nach dem Sieg von Ann Sophie nicht nur den Text zu aktualisieren, sondern auch ein Foto von der Siegerperformance gleich hinzuzufügen. Und damit nicht genug – auch vom Clubkonzert in Hamburg, bei dem die Sängerin ihre Wildcard für die Livesendung ''Unser Song für Österreich'' gewann, liegen dank dem Fotografen Huhu Uet Bilder vor. Zwei Highlights des noch jungen Festivalsommers, der in diesem Jahr bereits sehr früh im Januar ordentlich Fahrt aufnahm

Ann Sophie mit ihrer Performance des Siegertitels bei Unser Song für Österreich
(Foto: Markus Felix, CC-by-sa 3.0, Information)


Das erste große Festivalhighlight des Jahres spielt allerdings in einer ganz anderen Gewichtsklasse: 70000 Tons of Metal hieß die Devise der Kreuzfahrt durch die Karibik (!!), auf der unser Fotograf Grywnn teilnahm. An Bord des Kreuzfahrtschiffes genoss er nicht nur ordentlich Power auf die Ohren, Pool und Bier, sondern durfte dank einer Akkreditierung durch das Festivalsommer-Team auch für die Wikipedia fotografieren und brachte uns so einen ganzen Sack sonnige Metalgrüße vom Kreuzfahrtschiff mit.

Soulfly bei ihrem Auftritt beim 70.000 Tons of Metal
(Foto: Grwynn, CC-by-sa 3.0, Information)

Das Schüler-Rockfestival in Wuppertal mag dagegen blass wirken - für die Teilnehmer war es jedoch das Highlight ihres Jahres und vielleicht der Beginn einer Karriere auf größeren Bühnen. Die Schülerbands wurden abgelichtet von Fotandi und standen so zum ersten Mal unserem leibhaftigen Wikipedia-Paparazzo gegenüber, legten sich jedoch nicht nur für ihn recht ordentlich ins Zeug. Doch damit nicht genug: Vor allem Huhu Uet hat das beginnende Jahr bereits sehr intensiv genutzt und Bilder vom Hamburger Skiffle Festival, den Hamburger Motorrad Tagen 2015 und dem Heathen Rock Festival incl. Warm-up-Party gemacht. In Österreich war derweil der Fotograf Tsui aktiv und beim Österreichischen Filmpreis anwesend und dank Sebaso haben wir auch einige Bilder vom Fest der Vielfalt vom Brandenburger Tor und von der Berlinale.

Die Kaliskalyptischen Fighter auf dem Schüler-Rockfestival in Wuppertal
(Foto: Fotandi, CC-by-sa 3.0, Information)

Nicht nur vor den Bühnen gab es allerdings bereits Aktivitäten – beim Festivalsommer-Workshop im Kölner Lokal K trafen sich Organisatoren und Fotografen des Festivalsommers und diskutierten über die weitere Entwicklung des Projekts, etwa die Öffnung gegenüber Einzelkonzerten und deren Aufwand, die technische Ausstattung und potenzielle Unterstützung durch Wikimedia Deutschland sowie Fragen der Akkreditierung, des Verhaltens im Fotograben und der Bildbearbeitung und des Uploads. Keine Frage war allerdings, ob wir weitermachen – die Teilnehmer sind weiterhin hochmotiviert und freuen sich auf die Festivalsaison.

Avanti Dilettanti!

13:01, Sunday, 08 2015 February UTC

Das durch Atamari initiierte und maßgeblich organisierte Pissarro-Wochenende in Wuppertal ist jetzt eine Woche her, mein Husten hat sich einigermaßen verzogen und ich kann uns nicht ersparen, einige persönliche Gedanken dazu zu notieren. Im Vorfeld gab es ja eine Reihe von Kritikern, die Qualitätsmängel befürchteten, wenn man sich für ein Wochenende, von Vorkenntnissen unbeleckt, das Avanti Dilettanti! weiterlesen

Kluge Mitglieder

15:10, Monday, 01 2014 December UTC

Vorgestern fand die 15. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland statt. Sie wird aus vielen Gründen als außergewöhnlich in die Geschichte des Vereins eingehen:

  • Sie war mit Abstand die längste. Erst gegen 23 Uhr war die Auszählung der Beisitzer beendet. Die Zählkommission und etwa 40 Mitglieder sind bis zum bitteren Ende geblieben, um das Ergebnis zu erfahren. Die eigentliche Debatte zu Anträgen etc. war „schon“ gegen 19 Uhr vorbei. Unendlicher Dank gebührt daher den Mitgliedern der Zählkommission, die mit aller gebotenen Vorsicht und Geschwindigkeit weit über 6000 Stimmzettel sortiert und ausgezählt haben.
  • Sie hatte mit Abstand die meisten Kandidaten und die größte Auswahl: 35 Kandidaten (wenn ich mich nicht verzählt habe) standen für insgesamt 14 Positionen zur Verfügung.
  • Sie zeigte den deutlichsten Willen für eine personellen Veränderung: von den 35 Kandidaten traten 10 Amtsinhaber an (8 aus dem Präsidium und 2 Kassenprüfer). Von diesen 10 wurden nur 4 wiedergewählt (Tim Moritz Hector, Anja Ebersbach und Jürgen Friedrich ins Präsidium und Daniel Baur als Kassenprüfer). Steffen Prößdorf (3. Platz von 3 Kandidaten), Sebastian Wallroth (4/7), Jens Best (19/22), Ralf Bösch (15/22), Markus Glaser (11/22) und Olaf Kosinsky (5/6) wurden hingegen nicht wiedergewählt. Das letzte Mal, dass solche Kampfkandidaturen bei Wikimedia Deutschland erfolgreich ausgegangen sind, war 2011, als Delphine Ménard erfolgreich gegen den amtierenden Schatzmeister Olaf Kosinsky und Sebastian Wallroth und Ralf Liebau gegen den amtierenden Schriftführer Attila Albert antraten.
  • Sie hatte den schnellsten Rücktritt bzw. die kürzeste Amtszeit im Präsidium zur Folge: Anja Ebersbach hat am Abend direkt nach Ende der Auszählung inoffiziell erklärt, sie würde vom Amt zurücktreten. Gestern früh hat sie das auch offiziell getan.

Die Ergebnisse


Bei den gewählten Positionen sieht das Ergebnis der Mitgliederversammlung wie folgt aus:

Position Kandidat
Vorsitzender Tim Moritz Hector
Stellvertretender Vorsitzer Kurt Jansson
Anja Ebersbach
Lukas Mezger1
Schatzmeister Sebastian Moleski
Beisitzer Nikolas Becker
Sabria David
Jürgen Friedrich
Harald Krichel
Lukas Mezger1
Catrin Schoneville
Kassenprüfer Daniel Baur
Roland Kern
Stefan Levko
Manuel Schneider

1 Nach Anjas Rücktritt hat das Präsidium Lukas Mezger als ihren Nachfolger zum Stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Die nun leere Beisitzerposition wird auf der nächsten Mitgliederversammlung nachgewählt.

Bei den Anträgen ergibt sich folgendes Bild:

# Inhalt Ergebnis
Briefwahlpflichtige Anträge
S1 nur noch 100 Mitglieder benötigt zur Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung 2/3-Mehrheit erreicht
S2 automatischer Entzug des Wahlrechts bei inaktiven Mitgliedern keine Mehrheit
S3 Einschränkungen bei Vorstands-Abberufung und Nachtragshaushalt 2/3-Mehrheit nicht erreicht
S4 Unvereinbarkeiten für Kassenprüfer keine Mehrheit
W1 Wahlordnung für Online-Wahlen mehrheitlich angenommen
Allgemeine Änträge
G1 Genehmigung der Geschäftsordnung mehrheitlich angenommen
A1 vorläufiger Jahresplan 2015 mehrheitlich angenommen, gilt bis zu einer im ersten Quartal 2015 einzuberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung
A2 Software-Entwicklung im Einklang mit der Community vertagt auf nächste Mitgliederversammlung
A3 Grundsätze für die Aufstellung des Haushalts verwiesen ans Präsidium für die neue Finanzordnung
A4 Arbeitsgruppe zur Erhöhung der Mitgliederpartizipation angenommen
A5 Jahresplanung mit Einbindung aller Stakeholder angenommen
A6 Klage gegen mich Befassung abgelehnt

Die Wahlergebnisse sollen nicht über das beeindruckende ehrenamtliche Engagement des bisherigen Präsidiums hinwegtäuschen. Ungeachtet vieler inhaltlicher Unterschiede ziehe ich meinen Hut vor ihrem Einsatz und ihren Mut, auch mit unpopulären Entscheidungen die Entwicklung des Vereins voranzutreiben. Sie haben auf die Art und Weise gehandelt, die sie für richtig hielten haben und sie bis zum Ende verteidigt. Das verdient meiner Meinung nach durchaus Respekt, denn Gleichgültigkeit ist im Vergleich zum Handeln immer der schlimmere Weg. So einfach er auch ist, aus Gleichgültigkeit kann man nichts lernen. Nur wer handelt und dann die Folgen betrachtet und bewertet, kann daraus Lehren ziehen, die zukünftiges Handeln verbessern können.

Für die kommenden zwei Jahre freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit den Präsidiumskollegen, den Mitarbeitern und den Mitgliedern des Vereins. Wir haben ein paar wirklich schwere Aufgaben vor uns, von denen die mittelfristige Sicherstellung der Vereinsfinanzen wohl die schwerste sein wird. Aber auch die Vorstandssuche, das laufende Governance Review und der Neustart der strategischen Planung sind nicht ohne. Ich bin daher sehr froh, im Präsidium so viele kompetente Menschen zu finden, die sich mit viel Herz, Sachverstand und Pragmatismus für freies Wissen einsetzen. Lasst uns beginnen.

Wo ist das Geld nur geblieben…

07:13, Thursday, 27 2014 November UTC

Im letzten Beitrag habe ich etwas zur Bewertung des Wirtschaftsplans 2015 von Wikimedia Deutschland durch die Mitarbeiter der Wikimedia Foundation geschrieben. Nun geht es weiter in diesem Prozess, der am Ende darüber entscheidet, wieviel Geld der Verein von der Foundation für seine Programme erhält, denn die Empfehlung des FDC ist da. Wer nicht mehr durchblickt, hier der grobe Ablauf:

  1. Der Verein beantragt beim FDC Mittel für seine Programme des nächsten Jahres. Den Antrag für 2015 kann jeder öffentlich einsehen.
  2. Mitglieder der Community sowie Fachexperten kommentieren und bewerten den Antrag öffentlich.
  3. Mitarbeiter der Wikimedia Foundation geben ebenfalls eine Bewertung ab.
  4. Das FDC berät sich und verfasst eine Empfehlung an die Foundation, welche Organisation wieviel Geld erhalten sollte. Diese Empfehlung wurde am 19. November 2014 veröffentlicht.
  5. Das Kuratorium der Wikimedia Foundation fasst dann auf Basis dieser Empfehlungen einen Beschluss zur Mittelverteilung.

Was das FDC empfiehlt

Der Empfehlung des FDCs kommt in diesem Prozess wesentliche Bedeutung zu, und die hat es für Wikimedia Deutschland in sich:

  • Statt der beantragten 1,2 Mio Euro empfiehlt das FDC eine Bewilligung von nur 840.000 Euro, eine Reduzierung um genau 30 %. Gegenüber den geplanten Einnahmen des Vereins für 2015 fehlen also 360.000 Euro, die entweder anders erwirtschaftet oder durch Kostensenkungen gegenfinanziert werden müssen.
  • Das Fehlen von Details zum Haushalt und den Programmen im Projektantrag wird insbesondere im Verhältnis zur Größe des Vereins und zu den Anträgen anderer Organisationen scharf kritisiert.
  • Ebenfalls scharf kritisiert wird die Abberufung des Vorstands mit besonderem Augenmerk auf die damit verbundenen zusätzlichen Kosten. Es ist aus Sicht des FDCs nicht verständlich, wieso der plötzliche Wechsel notwendig war, wenn der Vorstand anschließend weiter als bezahlter Berater für den Verein tätig ist und sich auch aus dem Antrag keine Änderung in der strategischen Ausrichtung der Organisation erkennen lässt. Das FDC mahnt dringend strukturelle Reformen an, die sicherstellen, dass es im Präsidium die nötige fachliche Expertise gibt, um solche Vorstandswechsel zukünftig zu vermeiden.
  • Die Bedeutung von Wikidata für die Wikimedia-Bewegung wird vom FDC besonders geschätzt. Aus Sicht des FDCs sollte für dieses Projekt in Zukunft eine separate mehrjährige Finanzierung eingerichtet werden. Einen entsprechenden Vorschlag wir das FDC beiden Organisationen (WMDE und Foundation) unterbreiten.
  • Angesichts der unklaren Führungssituation und der mangelhaften Qualität des Projektantrags hat das FDC auch überlegt, nur eine Brückenfinanzierung für sechs Monate zu empfehlen, um dann über einen neuen Antrag zu beraten. Diese Überlegungen wurden jedoch zugunsten einer nachhaltigen Unterstützung von Wikidata zurückgestellt.
  • Das FDC drängt beharrlich auf eine stärkere Fokusierung in den Projektanträgen. Obwohl der Antrag von WMDE etwa ein Viertel des gesamten zur Verteilung stehenden Geldtopfs darstellt, ist gerade hier nicht erkennbar, auf welche Weise und für welche Programme diese Mittel konkret verwendet werden sollen.
  • Die im Antrag aufgezeigten Verwaltungskosten werden als viel zu hoch eingestuft. Das Präsidiumsbudget (140.000 Euro) erhält in dem Zusammenhang eine besondere Erwähnung.
  • Analog zur Mitarbeiterbewertung wird die Effektivität der Programme, insbesondere im Bereich der Community-Unterstützung, im Verhältnis zu den hohen Kosten bemängelt.

Was machen wir jetzt damit

Klar ist, dass es bis zur finalen Entscheidung durch die Wikimedia Foundation noch ein Fenster gibt, diese durch eine kluge Reaktion zu beeinflussen. Das Kuratorium folgt in der Regel den Empfehlungen des FDC, ist an diese aber natürlich nicht rechtlich gebunden. Für Wikimedia Deutschland sehe ich drei Schritte, die jetzt gemacht werden müssen:

  • Wir müssen die Kritik des FDC aufgreifen und bewerten.
    Wo sie berechtigt ist, muss sie Einfluss in unsere Arbeit finden. Wo sie unberechtigt ist, müssen wir besser darstellen, welche positiven Auswirkungen die Arbeit des Vereins tatsächlich hat. Das scheint uns beim FDC bisher nicht gelungen zu sein. Hier müssen Vorstand, Präsidium und Mitarbeiter an einem Strang ziehen und konsequent kommunizieren.
  • Wir müssen uns deutlich fragen, welche Ziele wir mit der Community-Unterstützung tatsächlich verfolgen.
    Geht es primär darum, Ideen aus der Community egal welcher Art zu unterstützen? Oder geht es darum, mit Hilfe der Community-Unterstützung konkrete Ziele beispielsweise zur Verbesserung der Inhalte, zur Anwerbung neuer Autoren oder zur Durchführung innovativer Retention-Ansätze zu verfolgen? Persönlich würde ich das Zweite befürworten und Community-Unterstützung gerade nicht als Selbstzweck betrachten.
  • Wir müssen die Struktur des Präsidiums und den Ablauf von Vorstandswechseln verändern.
    Den Hinweis des FDC auf mehr fachliche Expertise im Präsidium unterstütze ich ausdrücklich. Die verlängerte Amtszeit wird einen Teil zur Kontinuität beitragen. Aber nur wenn die Präsidiumsmitglieder auch fachlich in der Lage sind, ihre Aufgabe zu erfüllen, können solch kostspielige und vertrauensauflösende Vorgänge wie dieses Jahr zukünftig verhindert werden. Für die Neubesetzung des Vorstandspostens sowie dem damit verbundenen Übergang müssen wir klare Regeln, Zeiträume und Abläufe festlegen.

An diesem Samstag findet die 15. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland statt, wo neben der Wahl eines neuen Präsidiums auch die Verabschiedung des Wirtschaftsplans für das nächste Jahr auf dem Programm steht. Ich denke, wenn im Ergebnis dieser Versammlung herauskommt, dass wir diese drei Schritte unternehmen werden, besteht am ehesten die Chance, dass der Verein die für 2015 benötigten Mittel von der Foundation bekommt.

Die bereits herumschwirrenden Gegenvorschläge, insbesondere auch vom aktuellen Schatzmeister, nun gerade bei Wikidata weniger Geld auszugeben oder Gelder dort zurückzuhalten, sind dagegen genau das falsche Signal: Wikidata ist einer der Hauptgründe, warum der Verein nächstes Jahr überhaupt so viel Geld bekommt. Wenn wir jetzt vor der Entscheidung der Foundation demonstrieren, dass wir gerade dort sparen werden, ist eher noch damit zu rechnen, dass der Verein am Ende weitaus weniger als die empfohlenen 840,000 Euro erhält. Das Vertrauen in die professionelle Handlungsfähigkeit des Vereins dürfte sich dann auch restlos in Luft aufgelöst haben.

2- von der Foundation

16:31, Wednesday, 26 2014 November UTC

Seitens der Mitarbeiter der Wikimedia Foundation liegt seit dem 8. November 2014 eine Evaluation des Wirtschaftsplans 2015 von Wikimedia Deutschland vor. Das ist Teil des jährlichen globalen Haushaltsprozesses, aus welchem der Verein einen beachtlichen Teil seines Budgets finanziert. Für 2015 geht es hier um etwa 1.200.000 Euro. Die Entscheidung, wie viel Geld der Verein erhält, trifft das ehrenamtliche Kuratorium der Wikimedia Foundation. Dessen Entscheidung ist maßgeblich von der Empfehlung des ebenfalls ehrenamtlichen FDCs beeinflusst. Die Empfehlung wird nach umfassender Konsultation mit der Community, Bewertung durch sachverständigen Experten und eben der Evaluation durch die Mitarbeiter der Foundation erstellt und veröffentlicht. In diesem Blogbeitrag geht es um diese Evaluation durch die Mitarbeiter.

Das Ergebnis

Die Evaluation gliedert sich in drei Bereiche mit insgesamt 16 separaten Kriterien. Der Einfachheit halber übertrage und übersetze ich hier nur die Darstellung, die man auch unter meta.wikimedia.org findet. Es gibt für jeden Punkt eine Art Schulnote, gefolgt von einer Begründung. Die Schulnoten verteilen sich wie folgt in absteigender Rangfolge:

  • besondere Stärke (major strength)
  • Stärke (strength)
  • Unbestimmt (neither)
  • Bedenken (concern)
  • schwere Bedenken (major concern)

Und nun das Ergebnis:

Kriterium Bewertung Begründung
Programmaufbau und strategische Ausrichtung
Strategie und Ausrichtung besondere Stärke Programmatische Ziele für Wikidata und die politische Arbeit sind besonders stark an den globalen Prioritäten der Wikimedia-Bewegung ausgerichtet. Wikimedia Deutschland hat einen detaillierten strategischen Plan. Dieser Förderantrag passt gut zu diesem Plan.
Ziele und logische Modelle Bedenken Der Förderantrag enthält für die meisten Programme keine SMARTen Ziele. Bei dieser Antragshöhe sollte sich WMDE klare Ziele rund um Inhalte und die Erhaltung von Autoren setzen.
Bedarfsanalyse Unbestimmt Obwohl WMDE Bedarfsanalysen durchführt, hat das Programm zur Community-Unterstützung die tatsächlichen Bedürfnisse der Community bisher nicht erfolgreich bedient.
Potenzial für skalierbare Effekte Stärke Programme wie Wikidata und die politische Arbeit können beachtliche Wirkung zeigen. Die Unterstützung der Community ist hingegen sehr ressourcenintensiv und wahrscheinlich nicht skalierbar.
Bewertungsmethoden Unbestimmt Die Evaluationsabteilung von WMDE zeigt starkes Potenzial, Programm zu entwickeln, zu planen und zu bewerten. Wir schätzen die dort geleistete Arbeit, sehen aber bisher weder die Wirkung noch die Anwendung des Gelernten auf Programme.
Neue Ideen und Ansätze oder sorhfältige Adaptionen Stärke Wikidata ist eines der innovativsten Projekte der Wikimedia-Bewegung.
Vielfalt Stärke WMDE ist in der Bewegung führend darin, die Geschlechterthematik zu adressieren. Trotz dessen würden wir in Zukunft gern deutlich berichtete Ergebnisse dieser Anstrengungen sehen, um deren tatsächlichen Auswirkungen zu verstehen.
Leistungsfähigkeit und Effektivität der Organisation
Historische Ergebnisse Bedenken Während WMDE mit Initiativen wie Wikidata sehr erfolgreich war und die politische Arbeit großes Potenzial für langfristige Auswirkungen zeigt, hat das Programm zur Community-Unterstützung bisher trotz vieler Jahre beachtlicher finanzieller Förderung keine Ergebnisse gezeigt.
Stabilität und Führung Bedenken WMDE befindet sich gerade in Mitten beachtlicher Übergangsprozesse (Mitarbeiter, Präsidium), die wahrscheinlich einen beträchtlichen Einfluss auf die programmatische Aktivität und die Effektivität der Organisation haben werden.
Lernvermögen Stärke WMDE hat sowohl die Ressourcen als auch die Organisationsstrukturen, um aus den Erfahrungen vergangener Programme zu lernen, und schätzt diese Fähigkeit auch. Dennoch verfolgt WMDE weiterhin Strategien zur Community-Unterstützung, deren Ineffektivität bereits bewiesen ist.
Verbesserung von Handlungsweisen in der Bewegung besondere Stärke WMDE ist führend in einigen kollaborativen Projekten wie beispielsweise der politische Arbeit, auch wenn die Berührungspunkte kollaborativer Arbeit über Wikimedia-Organisationen hinweig deutlicher dargestellt werden müssen. WMDE bietet anderen Wikimedia-Organisationen proaktiv Ressourcen und Expertise an und untersucht selbstständig die besonderen Herausforderungen, die sich der Bewegung stellen (z.B. Chapters Dialogue).
Dialog mit der Community Bedenken WMDE sieht sich im Dialog mit der Community Herausforderungen gestellt und überarbeitet seine Strategie, um die Ergebnisse der Community-Arbeit zu verbessern.
Leistungsfähigkeit Stärke WMDE hat solide Expertise und beachtliche personelle Ressourcen, um seine Programme effektiv auszuführen. Dieser Antrag passt zur Größe der Organisation.
Haushalt
Historische Haushaltsplanung Bedenken Für WMDE stellt eine genaue Finanzplanung eine größere Herausforderung dar. Die Organisation hat in der Vergangenheit Budgets wiederholt nicht ausgeschöpft. WMDE hat weiterhin kein System zur buchhalterischen Erfassung von Großzuwendungen und deren Nutzung etabliert.
Haushaltsvorschlag ist realistisch Bedenken Es fällt schwer, den Haushaltsplan von WMDE zu bewerten, da er nicht sehr ausführlich gefasst ist. Es gibt Bedenken hinsichtlich des personellen Wachstums bei gleichzeitiger Verringerung sowohl des Gesamthaushalts als auch der Förderung durch das FDC (bevor andere Finanzierungsquellen gesichert werden konnten).
Fokus des Haushalts auf programmatische Wirkung Bedenken Der Haushalt von WMDE ist unverhältnismäßig stark auf das Programm zur Community-Unterstützung ausgerichtet, welches keine angemessene Wirkung zeigt.

Wenn man sich dieses Ergebnis etwas ansieht, dann sticht besonders das Thema Community-Unterstützung hervor. Es wird immerhin sechs Mal erwähnt, dass Erfolge hier trotz beachtlicher finanzieller Unterstützung bisher ausbleiben. Leider wird in der Bewertung nicht näher dargelegt, wie die Mitarbeiter zu dieser Einschätzung kommen, da angesichts der Vielzahl an Aktivitäten des Vereins zur Unterstützung der Community kaum davon gesprochen werden kann, Wikimedia Deutschland wäre hier nicht hinreichend aktiv. Sie widerspricht auch meinen Erfahrungen der letzten Zeit, wo eigentlich durchweg seitens Community-Mitgliedern von einer beachtlichen Verbesserung in der Förderpraxis des Vereins die Rede ist. Es wäre schön gewesen, wenn die Mitarbeiter hier konkrete Anknüpfungspunkte für ihre Bewertung mitgegeben hätten.

Mein persönlicher Eindruck nach Betrachtung der Evaluation ist, dass es dem Verein schlicht nicht gelungen ist, die Erfolge der Community-Unterstützung ausreichend sichtbar zu machen. Hier wird man wohl nicht umhin kommen, zukünftig mehr Aufwand in die Darstellung der eigenen Arbeit zu stecken.

Die Bewertung durch die Mitarbeiter ist nur ein Teil des Puzzles, der letztlich in die Entscheidung der Foundation fließt, wieviel Geld der Verein nächstes Jahr für seine Programme bekommt. Als nächster Schritt steht die eigentliche Empfehlung des FDCs an, die ich im nächsten Beitrag betrachten werde.

Satzungsänderungen in Hülle und Fülle

09:01, Tuesday, 18 2014 November UTC

Zur 15. Mitgliederversammlung in zwei Wochen stehen insgesamt vier Satzungsänderungen sowie eine Genehmigung der Wahlordnung zur Entscheidung an. In diesem Beitrag möchte ich die vier Anträge kurz vorstellen, meine Interpretation dazu abgeben und darüber Auskunft geben, wie ich warum abstimmen werde. Satzungsänderungen sind einerseits auf Grund ihres technischen Inhalts und Aufbaus meist recht dröge, spielen aber auch durch ihre weitreichende und oft langjährige Wirkung eine entscheidene Rolle in der Entwicklung von Wikimedia Deutschland. Ich hoffe, dieser Blogbeitrag hilft dem Leser dabei, eine informierte Entscheidung zu treffen.

Überblick


Zur Info: die Links in den Überschriften führen allesamt ins Wikimedia-Forum, das zwar eine Registrierung verlangt, grundsätzlich aber jedem offen steht. Dort gibt es neben dem eigentlichen Antragstext auch Stellungnahmen von Präsidium und Vorstand sowie weitere Diskussionen.

S1 – Kriterien außerordentliche Mitgliederversammlung

Vereinfacht gesagt geht es darum, dass die Hürden zur Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gesenkt werden sollen. Die aktuelle Satzung sieht hierfür ein Quroum von 10% aller Mitglieder vor. Das heißt: um die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zu erzwingen müssen 10% aller Mitglieder eine entsprechende Petition unterschreiben. Aktuell hat der Verein etwa 12.000 Mitglieder, es müssten also 1.200 Unterschriften gesammelt werden. Der Antragsteller möchte die Anforderungen so reduzieren, dass zukünftig nur noch 100 Mitglieder unterschreiben müssten.

Durch Mitglieder erzwungene außerordentliche Mitgliederversammlungen spielen in der Geschichte des Vereins bisher keine große Rolle. Es gab eine erfolgreiche Petition dafür im Jahr 2010, die zum Ziel hatte, über eine Ablösung des (damals ehrenamtlichen) Vorstands abzustimmen, zu dem ich auch gehörte. Der Sinn dieser Regelung dient dabei auch weniger, sie auch zu nutzen, sondern vielmehr damit drohen zu können. Wenn die Chance der Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung tatsächlich gegeben ist, sind Präsidium und Vorstand wesentlich eher gehalten, sich in ihren Aktionen am Mitgliederwillen zu orientieren bzw. diesen in Erfahrung zu bringen.

Zugunsten einer stärkeren Beteiligung der Mitglieder und Berücksichtigung des Mitgliederwillens unterstütze ich diesen Antrag und werde ihm zustimmen.

S2 – Kriterien Mitglieder

Im Verein gibt es drei Arten von Mitgliedern: aktive Mitglieder, Fördermitglieder und Ehrenmitglieder. Mit dieser Satzungsänderung ist beabsichtigt, dass aus aktiven Mitgliedern Fördermitglieder werden, wenn sie ein gewisses Mindestmaß an Aktivität vermissen lassen. Konkret versteht der Antrag unter diesem Mindestmaß die Teilnahme an mindestens einer Mitgliederversammlung oder die Beantragung der Fernwahl in den letzten zwei Jahren. Ist dieses Mindestmaß nicht erfüllt, soll die Mitgliedsart automatisch wechseln. Relevant ist das Ganze, weil nur aktive Mitglieder abstimmen und sich wählen lassen dürfen. Fördermitglieder haben hingegen kein Stimmrecht.

Der Antrag ist aus vielerlei Hinsicht problematisch, nicht zuletzt weil die Zielsetzung völlig unklar ist. Der Antragsteller, der auch die vorherige Satzungsänderung verfasst hat, scheint hier ein wahrgenommenes Ungleichgewicht zwischen den Teilnehmern an Mitgliederversammlungen (historisch seit Jahren so 50-60 Leute) und der wachsenden Zahl aktiver Mitglieder (aktuell um die 2000) korrigieren zu wollen. Statt aber den meiner Meinung nach sinnvolleren Weg zu gehen, die Beteiligung von Mitgliedern an der Versammlung zu erhöhen, würde sein Antrag dazu führen, dass der Verein weniger aktive Mitglieder hat. Prozentual gesehen nähmen dann tatsächlich mehr aktive Mitglieder an der Versammlung teil, besser an Inhalten oder an demokratischer Legitimation wird sie dadurch aber keineswegs.

Neben der problematischen Zielsetzung störe ich mich aber auch an der undemokratischen Vorgehensweise, Mitgliedern ihr Stimmrecht zu entziehen, sowie an der Notwendigkeit einer zukünftigen Überwachung aller Mitglieder, welche bzw. wie oft sie Mitgliederversammlungen besucht oder per Fernwahl abgestimmt haben. Auch die rechtliche Stellungnahme, nach der so eine Satzungsänderung nur mit Zustimmung aller aktiven Mitglieder gültig wäre, gibt reichlich Anlass zum Zweifel.

Analog zum vorherigen werde ich diesen Antrag zugunsten einer stärkeren Beteiligung der Mitglieder nicht unterstützen und daher dagegen stimmen.

S3 – Stärkung der Stabilität von Wikimedia Deutschland

Dieser Antrag ist bemerkenswert, weil die vorgeschlagenen Änderungen an für sich recht kurz ausfallen, die Antragsbegründung dafür aber mehrere Druckseiten ausmacht. Inhaltlich besteht er aus zwei Vorschlägen:

  • Die vorzeitige Abberufung des Vorstands soll nur noch aus wichtigem Grund möglich sein (vorher war jeder beliebige Grund oder auch gar kein Grund notwendig)
  • Das Recht des Präsidiums, den Wirtschaftsplan unterjährig zu ändern, wird massivst eingeschränkt

Um diese Vorschläge zu verstehen, kann man sich die Mühe machen, die Geschehnisse der letzten Monate zu recherchieren, wozu primär die vorzeitige, kostspielige Abberufung des bisherigen Vorstands Pavel Richter im Mai 2014 gehört. Sie sind, so kann man die lange Begründung nur interpretieren, jedenfalls direkte Reaktionen darauf. Ich denke aber, dass man diese Anträge auch ohne die Vorgeschichte betrachten kann. Damit komme ich für mich zumindest zu einem klaren Ergebnis, was die Unterstützung angeht.

Der erste Vorschlag würde bedeuten, dass die feste Amtszeit des Vorstands tatsächlich fest ist. Zur Erinnerung: Wikimedia Deutschland hat einen hauptamtlichen, also bezahlten Vorstand und ein ehrenamtliches, von den aktiven Mitgliedern auf zwei Jahre gewähltes Präsidium. Der Vorstand ist für die Geschäftsführung des Vereins verantwortlich, das Präsidium primär für dessen Kontrolle sowie die langfristige Strategie. Bestellt wird der Vorstand vom Präsdium für eine feste Amtszeit, die laut Satzung 5 Jahre nicht übersteigen darf.

Die aktuelle Satzung gibt dem Präsidium die Möglichkeit, den Vorstand vorzeitig abzuberufen. Dazu bedarf es einer 2/3-Mehrheit der Stimmen, aber gerade keiner Begründung und damit auch keiner weiteren inhaltlichen Hürden. Ist das sinnvoll?

Unsere Satzung ist so gestrickt, dass die drei Vereinsorgane (Mitgliederversammlung, Präsidium, Vorstand) im Sinne einer effektiven Gewaltenteilung voneinander getrennte Verantwortungsbereiche und Zuständigkeiten haben, aber stets miteinander kooperieren müssen. Sie sind aufeinander angewiesen. Im Verhältnis zwischen Präsidium und Vorstand soll es zwar durch die befristete Amtszeit regelmäßige Gelegenheiten zur personellen Neuorientierung geben. Gleichwohl soll die Steuerung während der Amtszeit aber primär über das unterjährige Berichtswesen, die jährliche Bewertung des Vorstands, die vom Präsidium erarbeitete strategische Planung sowie die Zusammenarbeit bei den Wirtschaftsplänen erreicht werden. Das Verhältnis zwischen Präsidium und Vorstand ist bewusst auf Augenhöhe konzipiert, weswegen gerade nicht der Rauswurf der Weg aus möglichen Konflikten sein soll, sondern die gemeinsame, konstruktive Lösung derselben (notfalls über die Einschaltung der Mitgliederversammlung als endgültige Entscheidungsinstanz). Mit dem Vorschlag, die vorzeitige Abberufung nur noch im Falle eines wichtigen Grundes zuzulassen, wird dieser Grundsatz noch gestärkt, was ich persönlich mit Nachdruck unterstütze.

Neben dieser strukturellen Sichtweise gibt es aber noch einen finanziellen Aspekt, der hier eine große Rolle spielt. Die Beziehung zwischen Verein und Vorstand basiert aus juristischer Sicht auf zwei parallelen Rechtsgeschäften. Erstens gibt es die Bestellung als Organ, womit die jeweilige Person zum gesetzlichen Vertreter des Vereins wird. Daneben gibt es den Dienstvertrag, in dem die tatsächlich vom Vorstand geschuldete Leistung sowie die dafür vom Verein geschuldete Vergütung festgelegt sind. Endet die Amtszeit ohne wichtigen Grund vorzeitig, so schuldet der Verein ungeachtet der Abberufung weiterhin die Vergütung für die restliche Amtszeit. Das erfolgt regelmäßig in Form einer Abfindung. Anderes gilt jedoch, wenn die Abberufung aus wichtigem Grund erfolgte. Dann kann auch der Dienstvertrag ohne Frist und insbesondere ohne Abfindung gekündigt werden. Der Begriff „wichtiger Grund“ ist dabei mitnichten vage zu verstehen, es gibt eine höchstrichterliche vernünftige Definition dafür: die weitere Zusammenarbeit muss den Vertragspartnern unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls nicht mehr zuzumuten sein. Dass eine vorzeitige Abberufung unter Zahlung einer signifikanten Abfindung innerhalb einer gemeinnützigen Organisation überhaupt in Frage kommt, halte ich mit den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit für kaum vereinbar. Auch moralisch ist mehr als fragwürdig, wenn die Gelder, die unsere Spender dem Verein geben, dafür verwendet werden, ohne triftige Gründe hohe Abfindungen zu zahlen. Daher kann ich den Vorschlag des Antragstellers nur unterstützen, solche Fälle nur in wirklichen Notfällen zuzulassen.

Der erste Vorschlag hat also schon einmal meine Zustimmung. Kommen wir zum zweiten Vorschlag, die Sache mit den Haushaltsänderungen. Hier reicht eigentlich ein Blick in die Entstehungsgeschichte der Regelung, mit der das Präsidium überhaupt ermächtigt wird, solche Änderungen vorzunehmen. Anlass dafür war eine größere Strukturänderung vor drei Jahren, in der beschlossen wurde, dass die Mitgliederversammlung zukünftig über den Wirtschaftsplan beraten und diesen beschließen solle. Aus der Begründung zum damaligen Antrag:

Warum ist es notwendig, unterjährige Änderungen am beschlossenen Wirtschaftsplan zu ermöglichen?

Die Einnahmen des Vereins sind abhängig von den Ergebnissen der jährlichen Spendenkampagne am Jahresende. Dadurch beruht der Wirtschaftsplan auf Annahmen, die der Entwicklung der letzten Jahre folgen. Um die Umsetzung der Vereinsprojekte bei Bedarf an die aktuelle Situation der Einnahmen anpassen zu können, müssen Anpassungsmöglichkeiten geschaffen werden, die unterjährig ohne Einberufung einer zusätzlichen Mitgliederversammlung die Handlungsfähigkeit des Vereins sicherstellen.

Von vornherein war klar, dass unterjährige Änderungen auf der Ebene des Wirtschaftsplans eine Ausnahme sein sollten. Dieser Ausnahmecharakter hat es nie explizit in die Satzung geschafft, weil er wohl auch von den damaligen Autoren der Satzungsänderung als selbstverständlich erachtet wurde. In diesem Jahr kann man geteilter Meinung sein, ob es richtig war, dass das Präsidium sich selbständig die Mittel für die Abfindung freigeben durfte oder nicht. Aus Satzungssicht ist das vielleicht vertretbar, aus inhaltlicher Sicht teile ich die Position des Antragstellers, dass diese Entscheidung durch die Mitgliederversammlung hätte getroffen werden müssen. Wie dem auch sei: die nun vorgeschlagene Regelung macht den Ausnahmecharakter deutlich und forciert eine Entscheidung durch die Mitgliederversammlung in so gut wie allen Fällen. Wie zuvor finde ich diese Vorgehensweise zugunsten einer stärkeren Beteiligung der Mitglieder unterstützenswert.

Insgesamt unterstütze ich damit beide Vorschläge und werde dieser Satzungsänderung zustimmen.

S4 – Unabhängigkeit der Kassenprüfer

Der letzte Vorschlag zur Satzungsänderung besteht tatsächlich aus fünf Teilen, über die jedes Mitglied separat abstimmen kann. Der Sinn und Zweck dieser Aufteilung erschließt sich mir nicht wirklich, zumal alle Änderungen eigentlich in dieselbe Richtung gehen: die Position der Kassenprüfer dahingehend zu stärken, dass ein Verdacht etwaiger Interessenskonflikte gar nicht erst auftreten kann. So interpretiere ich zumindest die Zielsetzung der Antragsteller. Letztlich steht es aber jedem Antragsteller frei, wie er seine Anträge strukturiert.

Konkret wird folgendes vorgeschlagen:

  1. Der erste Antrag verschiebt einen Satz in der Satzung aus einem Absatz in einen neuen.

    Der Sinn erschließt sich mir nicht so recht, außer im Zusammenhang mit Punkt 3 unten.

  2. Der zweite Antrag verlangt, dass Kassenprüfer im Rahmen ihres regelmäßigen Prüfungsberichts auch Interessenkonflikte offenlegen. Was darunter zu verstehen ist, soll in einer Geschäftsordnung festgelegt werden.

    Das ist vernünftig, braucht aber eigentlich keine Satzungsänderung. Der Verein hat bereits Regelungen zu Interessenkonflikten, die sicher dringend überarbeitet werden, die aber dennoch auch für Kassenprüfer gelten. Die Notwendigkeit einer Satzungsänderung an der Stelle erschließt sich mir nicht.

  3. Mit dem dritten Antrag wird das Anstellungsverbot um ein Verbot des Eingangs „gewerblicher Geschäftsbeziehungen“ mit dem Verein ergänzt. Außerdem erstrecken sich beide Verbote auch auf Wikimedia Fördergesellschaft als 100%-ige Tochter des Vereins.

    Ich verstehe die Intention dieser Regelung, schließlich hatte ich einen ähnlichen Vorschlag auch schon im Vorfeld zur Mitgliederversammlung gestellt. Während mein Antrag zu weit ging, greift dieser aber viel zu kurz. Auch wenn ich den Begriff der „gewerblichen Geschäftsbeziehung“ für zu vage halte, so ist offensichtlich dass damit eine der wesentlichsten Formen der Zuwendung seitens des Vereins offensichtlich nicht betrachtet werden soll: die direkte Projektförderung im größeren Stil. Es erschließt sich mir nicht, warum es Personen, die große Projekte mit Mitteln des Vereins aber ohne gewerbliche Absicht umsetzen, erlaubt sein sollte, die Aufgaben von Kassenprüfern zu übernehmen. Hier würde ich mir eine strikte Trennung wünschen, die Empfänger jedweder Art von Projektförderung (ab einer bestimmten Gesamthöhe) kategorisch von diesem Amt ausschließt.

  4. Mit dem vierten Antrag wird ausgeschlossen, dass Personen, die in den zwei Jahren vor der Wahl Vorstand waren oder dem Präsidium angehört haben, Kassenprüfer werden können.

    Beim Vorstand erscheint mir das sinnvoll, wenngleich ein Vebot für ein Jahr nach Tätigkeit ausreichend sein sollte. Beim Präsidium sehe ich den Sinn hingegen überhaupt nicht, da sowohl die Kassenprüfer als auch das Präsidium Aufsichtsfunktionen im Verein ausüben. Ich verstehe nicht, warum es hier ein Betätigungsverbot ehemaliger Präsidiumsmitglieder geben soll.

  5. Mit dem fünften Antrag wird das Verbot der „gewerblichen Geschäftsbeziehung“ auch rückwirkend für zwei Jahre festgelegt. So wie dieser Antrag gebaut ist, funktioniert er aber nur, wenn auch Punkt 3 angenommen wird, da er einen Satz verlängert, der erst mit Punkt 3 eingeführt wird.

    Das Verbot der Rückwirkung kann ich verstehen, würde ich aber auf ein Jahr verringern, da zwei Jahre im Kontext von Wikimedia Deutschland eine lange Zeit sind. Damit wäre gewährleistet, dass es für den Zeitraum der Kassenprüfung (das Wirtschaftsjahr) keine Möglichkeit für Interessenkonflikte geben kann.

Insgesamt kann ich diesen Antrag auf Grund der vielen fragwürdigen Punkte nicht unterstützen und werde daher dagegen stimmen. Aber: Aktuell werden mit externer Hilfe die Strukturen und Regelungen des Vereins geprüft. Dabei sollen auch Änderungsvorschläge erarbeitet werden, die den Verein fit für die Zukunft machen. Ich fände es gut, wenn da auch Vorschläge rauskämen, mit denen die Unabhängigkeit der Kassenprüfern gestärkt werden.

Warum ich (wieder) als Schatzmeister kandidiere

14:50, Tuesday, 28 2014 October UTC

Bei Wikimedia Deutschland läuft vieles nicht mehr rund. Das Präsidium beschließt eine neue Strategie, die eigentlich nur die alte Strategie in neuen Schläuchen ist. Auf den Sitzungen geht es so hitzig zu (kostenlose Registrierung notwendig), dass sie manchmal „auf Grund intensiver verbaler Angriffe von Jens für 15 Minuten unterbrochen“ werden müssen. Mit Verweisen auf die angeblich neue Strategie wird der hauptamtliche Vorstand unzeremoniell vor die Tür gesetzt. Die Kosten dafür, immerhin 183.000 Euro, müssen die Spender und Mitglieder aufbringen. Im hektisch zusammengeschriebenen Wirtschaftsplan 2015, der letztlich auch aufgrund des abrupten Vorstandswechsels nicht die eigentlich nötige Vorbereitungszeit genossen hat, wird ohne nachvollziehbare Begründung ein Schwerpunkt von der bisherigen Community-Begleitung hin zur Software-Entwicklung verlagert. Wie unrund der Plan auch sonst ist, zeigt Ireas in seiner sehr treffenen Analyse (samt Follow-up). Damit einher gehen umfangreiche Umstrukturierungsmaßnahmen in der Geschäftsstelle, obwohl ein neuer permanenter Vorstand, der oder die das operative Tagesgeschäft des Vereins maßgeblich gestalten soll, noch gar nicht gefunden wurde. Gleichzeitig läuft der Fundraising-Vertrag mit der Wikimedia Foundation aus, der für einen erheblichen Teil der Finanzierung von Wikimedia Deutschland verantwortlich ist. Bemühungen, die Einnahmen zu diversifizieren und damit Abhängigkeiten von einzelnen Institutionen wie der Foundation zu redzuieren, sind im nur überschaubaren Umfang erfolgreich.

Die Querelen der letzten sechs Monate haben den Verein gelähmt und viel Aufmerksamkeit auf interne Themen und Prozesse gelenkt. Es wird nun Zeit, mit Sachverstand und Kompetenz wieder die wichtigen Sachthemen des Vereins in den Vordergrund zu stellen. Mit eurer Unterstützung werde ich mich dafür einsetzen, dass Wikimedia Deutschland wieder als vertrauenswürdiger, professioneller Verein zur Förderung Freien Wissens wahrgenommen wird.

Ich kandidiere dieses Jahr, weil es nie reicht, sich nur darüber aufzuregen, was einem nicht passt. Meine Mutter hat immer gesagt: mach es besser oder halt die Klappe. Also, mit eurer Unterstützung, verspreche ich, dass wir es besser machen werden. Ganz konkret:

  • Wir müssen Vertrauen zurückgewinnen:
    Mit den Aktionen der letzten Monate hat das aktuelle Präsidium viel vom Vertrauen in den Verein verspielt. Wikimedia Deutschland galt immer als leuchtendes Vorbild dafür, wie eine aus der Wikimedia-Community gegründete Organisation Großartiges bewerkstelligen kann. Diese Vorbildfunktion für Freies Wissen werden wir im nächsten Präsidium erneut aufbauen müssen, nachdem sie durch die völlig unerwartete Absetzung des Vorstands, das komplette Ignorieren des genehmigten Wirtschaftsplans und der dilettantischen Gestaltung der Übergangssituation weitestgehend verschwunden ist.
  • Wir müssen einen kompetenten und engagierten Vorstand finden:
    Mit Pavel Richter als nun ehemaligen hauptamtlichen Vorstand verlässt uns ein Wikipedianer, der wie kein anderer seit 2009 den Erfolg des Vereins in den letzten Jahren geprägt hat. Nun gilt es, den Posten des Vorstands so neu zu besetzen, dass Wikimedia Deutschland sich auch in den kommenden Jahren weiter entwickelt, sein Profil schärft, die großen Themen angeht und Freies Wissen in der Gesellschaft verankert. Die Wikimedia Foundation hat mit ihrem Wechsel in der Geschäftsführung vorgemacht, wie so ein Übergangsprozess erfolgreich ablaufen kann. Nun gilt es zu zeigen, dass wir das auch können.
  • Wir müssen im Verein ein sicheres, produktives Umfeld schaffen:
    Wikimedia Deutschland hat die besten Mitarbeiter der Welt, die sich für Freies Wissen, Wikimedia und alles, was dazu gehört, weit über das Maß hinaus engagieren, was üblicherweise zu erwarten ist. Im Austausch dafür bieten wir ihnen aktuell einen Scherbenhaufen der Unsicherheit. Dem nächsten Schatzmeister als Verantwortlicher für das Ressort Personal wird die Aufgabe zuteil, mittels Taten, nicht nur Worten und Ankündigungen, zu zeigen, dass Wikimedia Deutschland das besser kann.
  • Der Verein muss wieder als professioneller Partner wahrgenommen werden:
    Innerhalb der internationalen Wikimedia-Gemeinschaft haben die vielen nicht nachvollziehbaren Geschehnisse in unserem Verein für Entsetzen gesorgt. Wir werden nun beweisen müssen, dass wir diese Krise überwunden haben, dass Selbstverständlichkeiten wie die Einhaltung von Verträgen und etablierten Prozessen nicht in Zweifel stehen. Dazu gehört, dass die Beteiligung von Mitgliedern und Mitarbeitern nicht mehr Lippenbekenntnis bleibt, sondern wieder aktiv gelebt wird. Dazu gehört, dass wir ein solides finanzielles Fundament schaffen, damit die vielen guten Ideen aus der Wikipedia und ihren Schwesterprojekten umgesetzt werden und nachhaltig Wirkung zeigen können. Und dazu gehört insbesondere, der Wikimedia Foundation, die noch über 70 % des Vereinshaushalts finanziert, zu zeigen, dass wir die gemeinsam gesteckten Ziele auch erreichen können.

Was in unserem Verein in diesem Jahr vorgefallen ist, kann sich eine Organisation unserer Größenordnung nicht leisten. Im nächsten Jahr sollen laut Plan etwa 14 Mio. Euro durch den Verein und die Fördergesellschaft fließen, gestützt von fast 70 Mitarbeitern. Das verlangt nach einem verlässlichen, vertrauenswürdigen, professionell geführten und vor allem handlungsfähigen Verein. Es verlangt nach einer Vereinsführung und -aufsicht, die das meiste aus dem herausholen kann, was so viele Spender, Mitglieder, Mitarbeiter und weitere Unterstützer bereit sind zu geben.

Durch mein Engagement bei Wikimedia Deutschland möchte ich dazu beitragen, dass wir wieder dieser Verein werden. In der Rolle des Schatzmeisters und in meiner Verantwortung für das Ressort Personal & Finanzen kann ich mit meiner Fähigkeiten und Erfahrungen in den nächsten zwei Jahren am besten dazu beitragen.

Ich bin zuversichtlich, dass es dem neugewählten Präsidium trotz aller Widrigkeiten gelingen wird, gemeinsam mit dem neuen Vorstand, den Mitarbeitern und insbesondere mit den Mitgliedern und der Community eine solide Zukunft für den Verein aufzubauen. Mit eurer Stimme bei dieser Wahl werde ich meinen Beitrag dazu leisten.

Die Trennung der Wikipedia

12:25, Tuesday, 26 2014 August UTC

Angesichts des Beharrungsvermögens einiger Wikipedia-Benutzer an ihrer alten Oberfläche und der fast völligen Verweigerung von Design- und Softwareveränderungen sollte die Wikimedia Foundation die Projekte und vor allem die Software-Lösung noch mal neu durchdenken.

Meine radikale Idee ist die totale Trennung zwischen Inhalt und Design. Durch die Wikimedia wird nur noch ein Datenzugang für jeden angeboten. Drittanbieter oder auch Wikimedia selbst bieten dann eigenständige Oberflächen an. So könnte dann Wikimedia neben der derzeitigen Oberfläche auch eine neue Oberfläche anbieten. Oder auch ein Projekt wie „WikiWand“ könnte dann nicht nur zur Anzeige sondern auch zur Bearbeitung der Artikel dienen.

Eine solche radikale Lösung wird zwar im ersten Moment zu ein paar Problemchen führen, da ein „gestalteter“ Artikel je nach Anwendung anders aussehen könnte und sich dann Nutzer in die Haare bekommen. Aber das haben wir ja jetzt auch schon.

Schwieriger wird es höchstens, wenn es Fragen zu einzelnen Anwendungsfunktionen gibt. Hier gibt es keine für alle verbindlichen Auskünfte mehr, sondern nur noch für die spezielle Endanwendung.

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