Zentralafrikanische Republik, Honduras, Burundi – das sind nur einige Regionen der Welt, die bislang ungenau kartographiert sind. Sollte hier eine Naturkatastrophe, ein Konflikt oder eine Epidemie ausbrechen, stellen fehlenden oder ungenaue Karten die Einsatzkräfte vor große Probleme.  

Beim Missing Maps Mapathon in Berlin haben jetzt über 40 Freiwillige gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen, dem Deutschen Roten Kreuz und Wikimedia Deutschland Kartenmaterial für eine Region in Zentralasien ausgebaut. Im Fokus standen dabei Gebiete in Kirgistan und Tadschikistan, die durch den Klimawandel besonders von Naturkatastrophen wie Hitze- und Kältewellen, Erdrutschen oder Überschwemmungen betroffen sind. Sollte dort ein Notfall eintreten, können die Einsatzkräfte die neuen Karten sofort nutzen und so schneller zu den Menschen vordringen. 

Erstellen der Karten vom Laptop aus möglich

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist in vielen Gebieten der Welt mit so genannten „Outreach-Teams“ im Einsatz, die in entlegene Dörfer fahren, um sich dort um die Gesundheitsversorgung zu kümmern. Je besser die Karten sind, die die Hilfskräfte bei der Hand haben, umso leichter gestaltet sich ihr Einsatz. Auch können Impfkampagnen in entlegenen Gebieten besser geplant werden. 

Um die neuen Karten zu erstellen, braucht es keine aufwendigen Reisen in die Gebiete. Alles was die Freiwilligen beim Mapathon mitbrachten, waren ein Computer, eine Maus und aufmerksame Augen. Nach einer kurzen Einweisung in das Projekt und die verwendete Software, wurden bisher noch nicht erfasste Gebäude von einem Satellitenbild abgezeichnet und in die Datenbank von OpenStreetMap eingetragen. Dort stehen sie ab sofort allen Menschen für jegliche Zwecke frei zur Verfügung und können im Krisenfall von Hilfsorganisationen genutzt werden.  

Missing Maps Project: Alle können mitmachen

Der Großteil der Freiwilligen, die beim Mapathon in Berlin mit dabei waren, hat vorher noch nie eine Karte erstellt oder Geodaten für eine Karte beigetragen. Genau das ist das Besondere an diesem Projekt: Es bedarf keiner Spezialfähigkeit oder -wissen, alle können mitmachen, egal ob bei einem Mapathon oder jederzeit von zuhause aus. 

Möchten auch Sie die medizinische Nothilfe der humanitären Hilfsorganisationen unterstützen? Mehr zum Missing Maps Project hier.

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Nach fast drei Jahren: Wikipedia in der Türkei entsperrt

09:12, Thursday, 16 2020 January UTC

Zum 19. Geburtstag von Wikipedia hat die Wikimedia Foundation Berichte erhalten, dass der Zugang zu Wikipedia in der Türkei wiederhergestellt wird. Diese jüngste Entwicklung folgt auf ein Urteil des türkischen Verfassungsgerichts vom 26. Dezember 2019, das die mehr als zweieinhalbjährige Sperre der türkischen Regierung für verfassungswidrig erklärt hat. Heute hat das türkische Verfassungsgericht den vollständigen Text dieses Urteils der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und kurz danach erhielten wir Berichte, dass der Zugang zu Wikipedia wiederhergestellt wurde.

Wir freuen uns, dass die Menschen in der Türkei wieder am größten globalen Austausch über die Kultur und Geschichte der Türkei online teilnehmen können und Wikipedia weiterhin zu einer lebendigen Informationsquelle über die Türkei und die Welt machen werden.

„Wir sind glücklich, wieder mit den Menschen in der Türkei vereint zu sein“, sagte Katherine Maher, Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation. „Bei Wikimedia setzen wir uns dafür ein, das Grundrecht eines jeden Menschen auf Zugang zu Informationen zu schützen. Wir freuen uns, diesen wichtigen Moment im Namen der Wissenssuchenden überall mit unserer türkischen Freiwilligen-Community zu teilen“.

Wir überprüfen nun den vollständigen Wortlaut des Urteils des türkischen Verfassungsgerichts. In der Zwischenzeit wird unser Fall vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte noch vom Gerichtshof geprüft. Wir haben im Frühjahr letzten Jahres eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht, und im Juli hat der Gerichtshof unserem Fall Priorität eingeräumt. Wir werden uns weiterhin für einen starken Schutz der freien Meinungsäußerung im Internet in der Türkei und weltweit einsetzen.

Wikipedia ist eine globale freie Wissensressource, die von Menschen auf der ganzen Welt geschrieben und bearbeitet wird. Aufgrund dieses offenen Entstehungsmodells ist Wikipedia auch eine Ressource, die alle Menschen aktiv mitgestalten können – indem sie Wissen über die eigene Kultur, Land, Interessen, Studium und vieles mehr zu Wikipedia beitragen. Freiwillige arbeiten zusammen, um Artikel über viele verschiedene Themen aus den Bereichen Geschichte, Popkultur, Wissenschaft, Sport und mehr zu schreiben und dabei zuverlässige Quellen zur Überprüfung der Fakten zu nutzen. Durch diesen kollektiven Prozess des Schreibens, Diskutierens und Debattierens wird Wikipedia neutraler, umfassender und repräsentativer für das Wissen der Welt.

Mehr als 85 Prozent der Artikel auf Wikipedia sind in anderen Sprachen als Englisch verfasst, darunter die mehr als 335.000 Artikel der türkischsprachigen Wikipedia, die von türkischsprachigen Freiwilligen für türkischsprachige Menschen weltweit geschrieben wurden.

In der Zeit, als die Sperre in Kraft war, hörten wir von Studierenden, Lehrerinnen und Lehrern und Fachleuten in der Türkei, wie die Blockade ihr tägliches Leben beeinflusst hat. Für viele Schülerinnen und Schüler war sie nur wenige Tage vor ihren Abschlussprüfungen aufgetreten. In den sozialen Medien tauschten sich Mitglieder der internationalen Freiwilligen-Community und unzählige Interessierte unter dem Hashtag #WeMissTurkey aus und äußerten ihren Wunsch, wieder mit den Menschen in der Türkei bei Wikipedia zusammenzuarbeiten.

Mit der heutigen Entscheidung werden unsere Aktiven in der Türkei wieder in der Lage sein, sich voll und ganz am Austausch und an der Verbreitung von Freiem Wissen online zu beteiligen.

Hier geht es zur englischen Originalversion des Textes der Wikimedia Foundation. 

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10 Regeln für den eigenen Wikipedia-Artikel

11:25, Saturday, 11 2020 January UTC

Wikipedia ist nicht nur eine Enzyklopädie mit dem Anspruch auf Ewigkeit, sondern auch ein Nachschlagewerk für Ephemeres und zeitgemäß Aktuelles. In der Wikipedia stehen nicht nur Artikel über Themen von Bach und Barock bis zu Bismarck oder zur Binomialverteilung. Im Bastelbrockhaus stehen auch Einträge über lebende Künstler, Sänger, Sportler, Unternehmen, Vereine und Stiftungen.

Nun können diese Künstler, Sänger und andere diese Einträge auch lesen und sind – mal zu Recht mal zu Unrecht – nicht glücklich mit diesen Artikeln. Mal sind die Artikel eigenwillig gewichtet, mal lassen sie das Wesentliche aus, mal sind Daten veraltet und ab und an enthalten die Artikel auch echte inhaltliche Fehler.

Artikel über sich selbst oder seine Organisation zu ändern, ist nicht einfach. Manchmal ist es aber für Wikipedia und die Betroffenen hilfreich. Deshalb hier einige Regeln zum Umgang mit dem eigenen Wikipedia-Artikel.

Maze 01
Auf den ersten Blick wirkt Wikipedia unübersichtlich. Bild: Maze01. Von Nevit Dilmen Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

(0) Vorweg: Wikipedia-Artikel sind böse

Die Grundregeln für den Umgang mit der eigenen Person oder Organisation in Wikipedia ist einfach: existiert noch kein Artikel, so ist das gut. Wikipedianer schätzen es gar nicht, wenn Betroffene über sich selbst Artikel anlegen. Die geschriebenen Regeln verbieten die Artikelanlage in eigener Sache nicht explizit. Die - wichtigeren - ungeschriebenen Regeln sprechen sich stark dagegen aus. Umso kritischer werden Wikipedianer die neuen Artikel begutachten, nach Schwächen und Fehlern suchen. Umso schlimmer wird das Spießrutenlaufen für denjenigen, der diesen Artikel anlegt.

Selbst wenn der Artikel durchrutscht, zumindest am Anfang keine Kritik erfährt: Viele der Ersteller und Objekte von Artikeln rechnen nicht damit, was für eine eindrückliche Erfahrung es sein kann, die Kontrolle aus der Hand zu geben, einer anonymen Gruppe von Menschen eine große Bühne zu geben, das eigene Leben oder die eigene Organisation darzustellen. Eine eigene Website oder ein Facebookauftritt kann dasselbe wie ein Wikipedia-Artikel. Aber man behält die Kontrolle.

Wenn eine Person oder Organisation keinen Wikipedia-Artikel hat, dann sollte sie eine Flasche Sekt öffnen, dankbar sein und sich auf andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit verlegen. In vielen Fällen allerdings existiert der Artikel schon, oftmals nicht zur Zufriedenheit der betroffenen Person. Manchmal muss die Person oder Organisation halt damit leben, dass die eigene Existenz nicht nur Feiernswertes enthält. Manchmal hat sie aber auch legitime Gründe zur Kritik: Veraltetes, Unvollständiges, Fehlerhaftes oder eigentümlich Gewichtetes findet sich in vielen Wikipedia-Artikel. Es gibt die Möglichkeit, etwas daran zu ändern.


(1) Transparenz 


Wikipedia ist überaus kritisch gegenüber Bearbeitungen in eigener Sache. Jeder, der Artikel über sich selbst bearbeitet, muss Grundmisstrauen überwinden und Vertrauen gewinnen.Vertrauen gewinnt man durch Offenheit.

(2) Verifizierung 


Speziell für Bearbeiter in eigener Sache und ganz speziell für Menschen, die professionell unterwegs sind, existiert in der deutschen Wikipedia das Mittel der Verifizierung. Bearbeiter melden sich unter dem Namen ihrer Organisation/ ihrer Person an und stellen damit eine Grundtransparenz her. Danach schicken Sie eine Mail an  info-de-v@wikimedia.org und werden dann von Freiwilligen verifiziert. Weitere Details finden sich unter: Wikipedia:Benutzerverifizierung

(3) Diskussionsseiten 

Zu jedem Eintrag in der Wikipedia gehört eine Diskussionsseite, auf der dieser Eintrag diskutiert wird. Um Konflikte und Konfrontationen zu vermeiden, empfiehlt es sich, jede größere Änderung erst auf der Diskussionsseite mit einigen Tagen Vorlaufzeit anzusprechen. Erst wenn dort kein Widerspruch, oder gar Zustimmung, gekommen ist, sollte der Artikel selbst geändert werden. Taucht auf der Diskussionsseite Widerstand auf, so ist die Diskussionsseite zur Diskussion zu nutzen.


(4) Belegen 


Wikipedia ist eine Enzyklopädie, die verlässlich sein will, die aber jeder anonym bearbeiten kann. Zum Ausgleich legt die Community starken Wert darauf, dass jeder inhaltliche Beitrag belegt wird. Als Belege gelten nur Fakten, die anderswo veröffentlicht sind. Sei es in Büchern, Zeitschriften oder Websites. Diese Pflicht geht soweit, dass selbst Aussagen der Person selbst oder amtliche Dokumente nicht akzeptiert werden – sofern diese nicht an einer externen Stelle veröffentlicht wurden.

Belege im Artikel zur Wikipedia (kleiner Ausschnitt)
Dies klingt auf den ersten Blick aufwendiger als es ist. Zumindest in heutiger Zeit. So gut wie jede Wikipedia-relevante Person oder Organisation wird Zugriff auf eine Website haben, auf der sie etwas veröffentlichen kann. Im Zweifel besitzt zwar eine externe Veröffentlichung eine höhere Reputation. Aber gültig sind auch Inhalte auf eigenen Websiten. Wenn also Wikipedia ihren zweiten Vornamen falsch schreibt: beginnen Sie keine Diskussion mit der Community, sondern schreiben Sie ihn richtig auf der eigenen Website. Wenn die Community nicht glaubt, dass die Rolling Stones ihr größter literarischer Einfluss sind - schreiben Sie es auf der eigenen Website.

(5) Klare, harte Fakten. Keine Adjektive 


Artikel über sich selbst zu ändern, ist selbst unter den besten Umständen ein Drahtseilakt. Die Gefahr besteht, auf andere Autoren zu treffen, die dies aus Prinzip ablehnen und versuchen gegen die Edits zu arbeiten. Aber auch diese Autoren sind an Regeln gebunden. Je besser eine Bearbeitung nachgeprüft werden kann und je eindeutiger diese ist, desto höher sind die Chancen, dass sie bestehen bleibt.

Am besten hierfür eigenen sich unstreitige Zahlen und Fakten. Während Fakten einfach und erwünscht sind, ist dies mit Interpretationen schwierig. Diese sind generell in der Wikipedia verpönt. Je niedriger das Vertrauen ist, das ein Autor genießt, desto schwieriger wird es, Text einzubauen, der auch nur entfernt nach Interpretation aussieht. Adjektive sehen immer nach Interpretation und Wertung aus. Sie haben in einem Artikel über einen selbst nichts verloren.

(6) Verständlich bleiben 


Nun gibt es nicht nur die Community, für die ein Text geschrieben wird, sondern auch die Leser. Leser lieben Wikipedia, weil er hier klare, verständliche Informationen gibt, die sich beim ersten Lesen erschließen. Buzzwords, unverständliches, aber auch Fachsprache und Insiderlingo sind verpönt. Die Community achtet darauf dies durchzusetzen. „Geschwurbel“ ist einer der liebsten Begründungen innerhalb der Community um Text zu streichen.

Gerade professonelle PR-Personen stellt dies oft vor besondere Herausforderungen. So ist nicht ratsam zu schreiben, dass ein Unternehmen "Verbindungen herstellt zwischen den Grundbesteilen der Industrieproduktion", sondern es stellt Schrauben her. Jemand "entführt nicht in Welten der zwei Sonnen" sondern schreibt Fantasy-Romane. Am besten haben Leserin oder Leser bereits beim ersten Lesen eine klare Vorstellung davon, um was es geht. 

(7) Mit der Community zusammen 


Wikipedia ist ein grundsätzlich offenes System, das von zahlreichen Vandalen, Trollen und Manipulatoren heimgesucht wird. Dementsprechend ausgebildet und etabliert sind mittlerweile die Mechanismen, unerwünschte Bearbeitungen fernzuhalten. Die etablierte Community hat die informellen, formalen und technischen Mittel Text zu verhindern, kann aber auch unglaublich Großartiges vollbringen. Jede Mitarbeit in Wikipedia, die von Erfolg gekrönt sein soll, funktioniert nur im gegenseitigen Vertrauen mit der Community.

Leider hat die Community die Eigenschaft die unkooperativsten und unfreundlichsten Mitarbeiter vorzuschicken, wenn es um das Sichten neuer Artikel geht. Oder anders gesagt: die unfreundlichsten Mitarbeiter sind besonders motiviert darin, sich auf Neulinge zu stoßen. Warum das so ist, darüber kann ich spekulieren, möchte es aber nicht. Aber nicht aufgeben: es gibt nette und freundliche Wikipedianerinnen und Wikipedianer. Mit etwas Ausdauer lassen sie sich finden. 

(8) Zu vermeiden: Freunde holen 


Manche Autoren fühlen sich von der Wikipedia-Community übermannt oder ungerecht behandelt und versuchen, Freunde zu motivieren, ihnen beizustehen. Kaum etwas ist schlimmer. Die reine Anzahl von Teilnehmenden in der Diskussion hat kaum ein Gewicht. Wesentlich bedeutender ist das Vertrauen, dass den einzelnen Beteiligten in der Community beigebracht wird. Die Community hat ein eingebautes internes Vertrauenssystem, das maßgeblich auf bisherigen Beiträgen beruht. Wenn aus heiterem Himmel plötzlich eine größere Anzahl neuer Nutzer bei einem Thema auftaucht, lässt das bei vielen erfahrenen Wikipedianern Alarmglocken schrillen. Sie reagieren skeptischer und aggressiver. Dabei gilt: gegen eine skeptisch und aggressive Community zu agieren, hat nie Erfolg. Der Versuch, Freunde zu mobilisieren ist bisher immer nach hinten losgegangen.

(9) Das Sichtungsproblem 


Speziell die deutsche Wikipedia hat das Instrument der Sichtungen eingeführt. Das bedeutet: Änderungen an Artikeln werden sofort gespeichert. Wenn diese Änderungen von einem neuen Autor stammen, sind sie aber nicht sofort für die Öffentlichkeit sichtbar. Dafür muss erst ein erfahrener Wikipedianer sein Ok geben. Je einfacher die Edits sind und je einfacher sich ihr Inhalt extern überprüfen lässt, desto schneller wird die Freigabe erfolgen.

Übersicht über die Seiten, die am längsten nicht gesichtet wurden.

(10) Fotos unter freier Lizenz 


Ein einfacher Weg, das Vertrauen der Community zu gewinnen, Inhalte beizutragen und es Wikipedia zu ermöglichen eigene Inhalte zu nutzen, ist das Bereitstellen von Fotos unter freier Lizenz. Das bedeutet, dass diese Fotos im Nachhinein genutzt, verändert und eingebaut werden können. Allerdings muss dabei der Autor genannt werden ebenso wie der Titel des Fotos. So in Wikipedia und von dort aus dann viral durch das halbe Netz.

Rose Stanwell Perpetual バラ スタンウェル パーペチュアル (7887553466)
Ist ein Foto unter freier Lizenz hochgeladen, kann es unter Autoren-Nennung quer durch das Internet gesehen werden. Bild: Rose Stanwell Perpetual バラ スタンウェル パーペチュアル von: T.Kiya Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Weiterlesen


Der Wikipedia mangelt es nicht an Seiten mit Regeln, Vorschriften und Anleitungen. Auch zu diesem Themenkomplex gibt es eher zuviel als zu wenig zu lesen. Als Einstieg empfiehlt sich: Wikipedia:Interessenkonflikt  und die dortigen Links.

Bei Rückfragen zu bestimmten Einzelfällen, gerne auch eine Mail an mich, dirkingofranke@gmail.com

Alle Iberty-Posts zu Netz- und Kulturthemen finden sich unter. Kultur in Iberty! Eine Übersicht.

Das Projekt: Autorinnen und Autoren hinter der Publikation sichtbar machen

Wissenschaft ist ein soziales Feld. Doch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler spielen in bibliometrischen Auswertungen immer noch eine zu geringe Rolle. Was in den Sozial- und Geisteswissenschaften längst Mainstream ist, steht in der Bibliometrie noch aus: der Perspektivwechsel von Publikationen auf die Autorinnen und Autoren. 

In meinem Projekt „Nachnutzung von strukturierten Daten aus Wikidata für bibliometrische Analysen“, unterstützt durch das Fellow-Programm Freies Wissen, beschäftige ich mich daher mit der Anreicherung von bibliographischen Metadaten um Informationen zu den Autorinnen und Autoren der Publikationen (Wikiversity 2019). Auf diesem Weg wird es möglich, in scientometrischen Projekten besser zu verstehen, warum wer mit wem zusammenarbeitet, wer wessen Forschung rezipiert und darauf referiert. Ebenso werden mögliche Zusammenhänge zwischen Metadaten und Forschungsthemen sichtbar.

Daten von Individuen

Doch dieses Vorhaben bedeutet die Auswertung von Daten von Individuen. Und diese ermöglicht gegebenenfalls auch missbräuchliche Fragestellungen, z. B. nach sozialen Zugehörigkeiten. Das Anliegen des Projekts, soziale Mechanismen in der Wissenschaft aufzudecken, auch um Argumente zu liefern, marginalisierten Gruppen mehr Relevanz zu verschaffen, kann somit ungewollt ihrer Kontinuität Vorschub leisten.

Zumindest auf juristischer Ebene ist der Zugriff auf Daten immerhin für dieses Projekt unproblematisch, da keine Daten erhoben oder gespeichert werden, sondern lediglich eigene oder frei verfügbare Datenbestände etwa von Wikidata, der Gemeinsamen Normdatei (GND) der Nationalbibliothek, oder ORCID  nachgenutzt werden. Doch moralisch geht es immerhin um Individuen, die eigentlich nur mit ihrer Forschung in die Öffentlichkeit getreten waren und nun selbst Objekt der Forschung werden. 

Forschungsdesign und Datengrundlage ausschlaggebend. Beispiel Gender

Dabei ist der Erkenntnisgewinn, den quantitative Analysen beanspruchen können, ohnehin extrem abhängig von den eingehenden Daten. Dies wird zum Beispiel relevant beim Thema Gender. In Zeiten, in denen das Dritte Geschlecht gleichberechtigt neben „weiblich“ und „männlich“ steht, greift die heteronormative Matrix auch in der Bibliometrie zu kurz. Analysen, die sich schon in ihrer Datengrundlage auf eine heteronormative Perspektive von Akteurinnen und Akteuren in der Wissenschaft festgelegt haben, können nur schwerlich Ergebnisse produzieren, die über diese Voraussetzung hinausgehen oder quer zu ihr liegen. Wikidata lässt neben “männlich” und “weiblich” auch andere Beschreibungen oder keine zu. Um zusätzlich dem Problem einer Zuschreibung durch Dritte zu entgehen, nutzt das Projekt Datenbanken wie Wikidata und ORCID als zentrale Grundlagen, die von den Betroffenen selbst kuratiert und korrigiert werden können. 

Am Beispiel von Gender zeigt sich, dass Daten und Analysen immer auch durch das Forschungsdesign und damit durch ihre Zwecke geprägt sind. Darüber hinaus wirkt sich  auch die Größe des Datensatzes aus, die einzelne Abweichungen herausstellt oder einhegt. Quantitative Datenanalyse – auch wenn sie auf offenen Ressourcen aufbaut und den Code offenlegt, ist damit immer eine Dual-Use-Technik

Datenanalyse: Dual-Use-Technik

Dass Datenanalysen eingesetzt werden, um personalisierte, nicht gekennzeichnete politische Werbung zu platzieren (Kreysler et al. 2019), dürfte niemanden mehr wundern. Doch dass nicht nur totalitäre Staaten wie China Datenauswertungen nutzen, um ihre Bevölkerung zu lenken, sondern auch Demokratien, die wie die USA anhand solcher Informationen etwa über staatliche Zuwendungen entscheiden (Eubanks 2017), stimmt mindestens nachdenklich. Läuft auch das hier erarbeitete Tool zur Anreicherung bibliometrischer Daten Gefahr, von einem Überwachungsstaat gegen die Interessen der eigenen Bürger genutzt zu werden? 

Wir agieren in dieser „brave new data world“ jedoch nicht nur als Produzierende von Daten, die ihre Datenspur hinterlassen. Wir können uns auch selbst an der Auswertung von Daten beteiligen und in unseren Fragestellungen von den neuen Verfahren profitieren. Und dies ist genau, warum ich die Erstellung eines Tools zur „Nachnutzung von strukturierten Daten aus Wikidata für bibliometrische Analysen“ trotz aller Schwierigkeiten für progressiv halte. Auch wenn Datenschutz und Datengrundlage reflektiert werden müssen und zudem die gleichen Datengrundlage abhängig von ihrem Zweck zu einem konstruktiven oder destruktiven Werkzeug werden kann, ist die Erarbeitung von Tools und das Erlernen von Techniken unterm Strich ein Beitrag zur Ermächtigung der Gegenöffentlichkeit. Diese wird immer notwendig bleiben, um bestehende Strukturen zu überprüfen und zum Korrektiv werden zu können. 

Denn wenn die quantitativen Daten soziale Realitäten statistisch abzubilden versuchen, um politische Entscheidungen zu beeinflussen und zur Stabilisierung sozialer Realitäten beizutragen (Angermuller/van Leeuwen 2019), dann können sie auch mit anderen Fragestellungen quantitative Argumente liefern für die Rechtfertigung einer Entwicklung zu einer gerechteren Gesellschaft. Das Spiel mitzuspielen und zu verstehen, wie quantitative Methoden arbeiten, kann damit einer Selbstermächtigung gleichkommen, weil es ermöglicht, Argumente zu kritisieren und ihnen etwas entgegenzusetzen. 

Einwände und Hinweise zu dieser Position dürfen gerne auch auf dem Blog (Seidlmayer 2019) gepostet werden, zu dem ich in Diskussionen mit Mentorinnen des Fellow-Programms Freies Wissen ermuntert worden bin und auf dem ich solche Fragen zu reflektieren versuche.

Zur Autorin: Eva Seidlmayer hat in der Philosophie promoviert und anschließend Informationswissenschaft studiert. Derzeit arbeitet sie im Projekt Q-Aktiv und beschäftigt sich dabei mit Konvergenzprozessen unterschiedlicher Wissensbereiche innerhalb von Wissenschaftsdynamiken. Gegenstand der Untersuchung sind wissenschaftliche Artikel und Patentschriften aus Publikationsdatenbanken der Lebenswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften, die mehr als 50 Mio. Metadaten und 10 Mio. Volltexte umfassen. Grundlegend für das Verstehen wissenschaftlicher Dynamiken ist die Anreicherung der Publikationsdaten um soziale Informationen zu den Autor*innen. Diese kann Eva Seidlmayer in einer Python Library auf Basis von Wikidata nun mit Unterstützung des Fellowship Freies-Wissen über die Anwendung von Q-Aktiv hinaus generisch realisieren.

Bild: Ralf Rebmann, Eva SeidlmayerCC BY-SA 4.0

Bibliografie

Angermuller, Johannes/Thed van Leeuwen. 2019. “On the Social Uses of Scientometrics: The Quantification of Academic Evaluation and the Rise of Numerocracy in Higher Education.” In Quantifying Approaches to Discourse for Social Scientists, ed. Ronny Scholz. Cham: Springer International Publishing, 89–119. http://link.springer.com/10.1007/978-3-319-97370-8_4 (September 27, 2019).

Eubanks, Virginia 2017. Automating inequality: how high-tech tools profile, police, and punish the poor, New York.

Kreysler, Peter, Kapohl, Matthias, and Schiller, Wolfgang. 2019. “Digitale Brandbeschleuniger Der unregulierte Wahlkampf im Netz.” Deutschlandfunk. https://www.deutschlandfunkkultur.de/der-unregulierte-wahlkampf-im-netz-digitale.3720.de.html?dram:article_id=456530.

Seidlmayer, Eva 2019. On the edge of the data knife, https://dualusedata.hypotheses.org/author/dualusedata

Wikiversity. 2019: Fellow-Programm Freies Wissen/Einreichungen/Nachnutzung von strukturierten Daten aus Wikidata für bibliometrische Analysen, https://de.wikiversity.org/wiki/Wikiversity:Fellow-Programm_Freies_Wissen/Fellows2019

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Der Congress war wieder ein Gesamtkunstwerk aus kommunenhaftem Rumgenerde, dem Aufdecken politischer Versäumnisse, veritabler Skandale und ganz viel Feenstaub. Atemberaubend war für Viele, was der CCC öffentlich machte: Eine Analyse von 28 Überwachungsprogrammen ergab, dass diese wohl vom umstrittenen Hersteller Finfisher in Deutschland stammt, u.a. in die Türkei verkauft und dort zur Bespitzelung Oppositioneller genutzt wurde. Auch wurden massive Sicherheitslücken des Prozesses rund um die digitale Patientenakte öffentlich gemacht. Hier ein Überblick der besten Momente und wichtigsten Themen aus Sicht des Freien Wissens.

Anti-Terror-Regeln als Vorboten umfassender Netzregulierung?

Mit den Vorschlägen der EU-Kommission zum Bann terroristischer Inhalte aus dem Netz beschäftigte sich Anna Mazgal, Projektmanagerin für EU-Politik bei Wikimedia. Diese sind so unklar formuliert, dass neben den Inhalten der Terroristen auch journalistische Berichterstattung oder gar Initiativen zu Terror-Bekämpfung betroffen sein könnten. Auch basieren die Vorschläge weitgehend auf Annahmen, nicht auf wissenschaftlicher Forschung. Das geplante, eilige Vorgehen gegen Radikalisierung etwa entbehrt jeglicher Kenntnisse, wie diese vor sich geht. So geben etwa 94% der Befragten einer Studie des Statistischen Amtes der Europäischen Union an, niemals in Kontakt mit terroristischen Inhalten gekommen zu sein. Auf entsprechende Nachfrage, wie es dennoch zu dieser Eile und hohen Priorität des Themas komme, hat ein Vertreter der EU-Kommission sein Handy gezückt und angeboten, ein Video einer Köpfung zu zeigen. Das Vorgehen zur Entfernung von Inhalten aus dem Netz besorgt Bürgerrechtsorganisationen EU-weit. Siehe dazu auch Artikel bei heise.

Saskia Esken auf Besuch in der WikiPaka-WG

Große Aufmerksamkeit gab es zum Besuch der SPD-Parteivorsitzenden Saskia Esken, die als Informatikerin und Digitalexpertin mit Wohlwollen aufgenommen wurde. In der Wikipaka-WG schaute sie vorbei und machte sich ein Bild, woran Junghackerinnen und -hacker so arbeiten und wie das WG-Leben bei Open Knowledge Foundation und Wikimedia aussieht. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk machte sie sich sogleich für eine stärkere Rolle von NGOs und Zivilgesellschaft in netzpolitischen Entscheidungsprozessen – von Anfang an – stark. Ein Plädoyer, das wir sehr begrüßen. Gerade in Fragen der konkreten Ausrichtung auf Gemeinwohlinteressen bei Datenzugangs- und poolingmodellen ist es ratsam, über partizipative Formate diejenigen wirksam in die Debatte zu holen, die von Internetregulierung betroffen sein werden. Mehr zum Thema? Schaut mal in unseren Politikbrief!

Talks zu Wikidata, Amateurfunk, SPARQL & Co.

Neben Community-Treffen von Initiativen wie Frag den Staat oder Prototype Fund gab es auch jede Menge praktische Einführungen und vertiefende Vorträge. Eine Auswahl:

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In den vergangenen Wochen wurde den Lesenden der freien Enzyklopädie Wikipedia bei Besuch der Website ein Spendenbanner angezeigt, das zur Unterstützung des Wissensprojektes aufrief. Dabei konnte der aktuelle Stand der Kampagne jeweils tagesaktuell nachvollzogen werden. Das Spendenziel ist von Anfang an klar benannt und nach Erreichen des Betrags wird die Kampagne umgehend beendet. Wikimedia Deutschland, der gemeinnützige Verein hinter Wikipedia, leistet hiermit einen wichtigen Beitrag zur Transparenz. Alle Interessierten können jederzeit nachvollziehen, wofür die Mittel verwendet werden.

Das frühe Ende der Kampagne unterstreicht das Bedürfnis der 403.966 Spendenden, unabhängige Wissensquellen in Zeiten von Desinformation und politischer Einflussnahme zu unterstützen. 

“Freies Wissen, überall auf der Welt, für jeden verfügbar. Das ist eine große und wichtige Idee. Wikipedia ist nicht nur für mich persönlich tagtäglich relevant, sondern es ist auch unendlich wichtig Zugang zu Wissen und Bildung für alle Menschen zu ermöglichen und auszubauen. Wikipedia kann man deshalb aus Nächstenliebe UND/ODER Eigennutz unterstützen. Was gibt es Besseres? Mein Dank gilt auch den vielen Menschen, die sich so engagiert am Erstellen der Artikel beteiligen. Wikipedia macht mir immer wieder gute Laune und gibt mir Hoffnung für die Menschheit.”

Spendenkommentar

Insbesondere die hohe Zahl an Einzelspenden von 5, 10 und 15 € , verkörpert das Credo des Projektes „von allen für alle“. Dies spiegelte sich auch in Kommentaren der Unterstützenden wider:

“Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin schon Spender und sehe trotzdem die Notwendigkeit, weitere Spenden zuzusichern, weil ich es für unabdingbar halte, Wissen jedermann jederzeit zugänglich zu machen und zu halten, jenseits von Interessenlagen. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der dies über Bibliotheken eine Selbstverständlichkeit war, ebenso der freie Zugang in Museen; dass es in Frage gestellt werden könnte oder ist, ist für mich unfaßbar. Ihnen ein Frohes Fest und uns allen Alles Gute für die Zukunft und Danke für Ihre Initiativkraft!”

Spendenkommentar

“Für eine der letzten werbefreien, unabhängigen Bastionen.”

Spendenkommentar

“Wikipedia hat mir im Leben so oft geholfen, sei es bei Referaten oder in meiner Ausbildung… wenn ich für all das Fachliteratur hätte kaufen müssen… unvorstellbar. Natürlich ist nicht alles immer korrekt was in Wikipedia steht, in Fachliteratur ist das aber auch nicht der Fall. Danke Wikipedia!”

Spendenkommentar

Ein großes Dankeschön vonseiten Wikimedia Deutschlands richtet sich neben den Spenderinnen und Spendern insbesondere an die Community von Freiwilligen, die mit ihrer Initiative und ihrem Einsatz für Freies Wissen die Aktualität und Qualität der Wikipedia sichern. Ebenso danken wir den mehr als 75.000 Mitgliedern sowie den über 60.000 periodischen Spendern, die mit ihrem jährlichen Mitgliedsbeitrag eine finanzielle Sicherheit bieten. Gemeinsam wissen wir mehr – Ihr Einsatz trägt einen enormen Teil zur freien Verfügbarkeit von zuverlässigen Informationen im Netz bei!

Der Beitrag So schnell wie noch nie: Spendenkampagne erfolgreich beendet erschien zuerst auf Wikimedia Deutschland Blog.

Die Rakete startet wieder! Bild: Freddy2001 [CC BY-SA 3.0]

Unsere ca. 900qm große gemeinsame Assembly beim Chaos Communication Congress, liebevoll WikiPaka-WG genannt, dient als Treffpunkt für Wikipedia-Community, die OK-Labs von Code for Germany und alle, die sich der Idee des Freien Wissens verbunden fühlen. Mit Wohnzimmer, Küche, Jugendzimmer, Bibliothek und Park des Freien Wissens gibt es Raum für Meetups, entspannte Gespräche, kleine Workshops oder einfach zum Ausruhen. Auf unserer WG-eigenen Bühne gibt es Nerdiges, Informatives und Unterhaltsames, von “Live querying: let’s explore Wikidata together!” bis “Verwaltungsdigitalisierer aller föderalen Ebenen, versammelt euch!” Schaut gern mal ins Programm. Alle Beiträge werden wie im letzten Jahr von media.ccc.de aufgezeichnet.

Internet als öffentlicher Park, Daten als Grundwasser

Datenpumpe in Aktion. Bild: Leonhard Lenz [CC BY-SA 4.0]

Im Park des Freien Wissens machen wir erlebbar, wie wir uns das Internet wünschen: Als öffentlichen Raum, der allen gehört, von allen genutzt und gepflegt werden kann und für den die Gemeinschaft Verantwortung übernimmt. Mit unserer Datenpumpe möchten wir zeigen, dass Daten politisch nicht vordergründig als Ware, sondern als Gemeingut verhandelt werden sollten. Daher schlagen wir die Metapher vor: Daten sind das neue Grundwasser!

Wikimedia unterstützt Volksentscheid Transparenz

Wer derzeit von Behörden Informationen erfragt, muss nach dem Gesetz dafür Gebühren zahlen. Sogar E-Mails von Behörden sind kostenpflichtig. Wir meinen, Gebühren für öffentliche Auskünfte gehören abgeschafft. Informationen des Staates müssen für alle zugänglich sein, getreu unserer Kernforderung “Öffentliches Geld? Öffentliches Gut!” Darum unterstützen wir die Initiative Volksentscheid Transparenz, getragen u.a. von Open Knowledge Foundation und Mehr Demokratie. Mit einem Transparenzgesetz müssen auch Unternehmen, die öffentliche Aufgaben wahrnehmen, wichtige Informationen offenlegen. Außerdem muss der Senat transparent machen, welche Organisationen und Lobbygruppen Einfluss auf Gesetze haben und mit welchen Interessenvertretungen sich Verwaltungsmitarbeitende treffen.

Wir freuen uns auf den Congress!!!
Alle Videos der WikiPakaWG 2018

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Coding da Vinci bietet Museen, Bibliotheken, Archiven etc. eine Möglichkeit, ihre umfangreichen Datensammlungen miteinander und der Öffentlichkeit zu teilen, sie auf unterschiedliche Art nutzbar zu machen, aufzubereiten, und digital und kreativ zu verknüpfen.

Auf Süd folgt Westfalen-Ruhrgebiet

Nach Coding da Vinci Süd im Mai diesen Jahres war es nun an der Zeit für Coding da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet. Mehr als zwanzig unterschiedliche Institutionen öffneten ihre Archive und Depots. So bildeten fast 2.000 Gigabyte Daten u. a. aus dem LWL-Industriemuseum, dem Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Marta Herford Museum für Kunst, Architektur, Design, dem LWL-Freilichtmuseum Detmold und dem Archiv der behindertenpolitischen Selbsthilfe die Grundlage für neun Projekte.
Knapp zwei Monate nach dem Kick-Off im Oktober tüftelten Entwicklerinnen und Entwickler, Kreative und Kulturbegeisterte an Webseiten, Apps und Spielen. Anfang Dezember stellten sie ihre Ergebnisse im Dortmunder U zur Preisverleihung vor.

VR trifft AR, zerstreuende Geräusche, Kinderrepubliken und weiterentwickelte Ideen

Gewonnen haben ein Virtual und Augmented Reality-Projekt über ein Bürgerhaus in Detmold, ein Online-Spiel zum Thema Jugendbewegung der 1920er Jahre, eine digitale Plattform, die ein kommunales Stadtarchiv für die Bürgerinnen und Bürger öffnet und eine App, die Industrieklänge und Bilder miteinander verknüpft.  

Die hochkarätige Jury setzte sich aus Dr. Lucy Patterson (Projektmanagerin bei Wikimedia Deutschland), Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund), Claudia Jericho (Leiterin der Geschäftsstelle, CREATIVE.NRW), Harald Opel (Künstlerischer Leiter des kiU der FH Dortmund) und Katja Grawinkel-Claassen (Dramaturgin am FFT Düsseldorf) zusammen.
Diese Fachleute beurteilten u. a. Kreativität, Design und technische Umsetzung der Ideen und zeichnete Gewinnerinnen und Gewinner in drei verschiedenen Kategorien aus.

Die Preise; Bild: Annette Hudemann (LWL) CC-BY 4.0

Das Publikum konnte nach der Vorstellung aller Projekte die Apps und Spiele ausprobieren und wählte dann auch noch den vierten Preis, everybody’s darling.

Die Gewinner der vier Kategorien:

Most technical: (Blomberg) VARsetzen
Das Haus Blomberg, das im LWL-Freilichtmuseums Detmold wieder aufgebaut wurde, lässt sich mit einer Virtual Reality-Brille an seinem ursprünglichen Platz in dem Ort Blomberg erleben. Augmented Reality ermöglicht zusätzlich eine Visualisierung der Fachwerkstruktur des Gebäudes und eine Vermittlung der Translokation des Hauses.

(Blomberg) VARsetzen. Coding da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet. CC-BY 4.0

Best design: Demokratie erLeben
Diese Website vermittelt auf spielerische Weise die Themen Kinderrepublik und Demokratiebildung. Zwei junge Protagonisten befragen verschiedene Verwandte und setzen sich auf unterschiedlichen Wegen mit der Politik ihrer Zeit (1927) auseinander.

Demokratie erLeben. Coding da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet. CC-BY 4.0

Most useful: Mein Stadtarchiv
Die persönlichen Geschichten der Bewohnerinnen und Bewohner einer Stadt werden auf einer Plattform allen zur Verfügung gestellt. Das 2017 entstandene digitale Stadtarchiv wurde weiterentwickelt und ermöglicht nun u.a. eine schnelle Volltextsuche durch alle Dokumente und Medien und eine Rückmelde-Funktion.

Mein Stadtarchiv. Coding da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet. CC-BY 4.0

Der Publikumspreis: Sounds without meaning
Diese Anwendung komponiert mithilfe einfacher Algorithmen einen unendlichen Strom akustischer und visueller Eindrücke aus verschmolzenen industriellen Geräuschen und Bildern.

sounds without meaning. Coding da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet. CC-BY 4.0

Coding da Vinci zeigt das große Potential offener Kulturdaten. Kulturinstitutionen und Bildungseinrichtungen stellen ihre Daten dauerhaft unter einer offenen Lizenz zur uneingeschränkten Nutzung zur Verfügung. Auch die Ergebnisse werden unter einer offenen Lizenz zur weiteren Nachnutzung veröffentlicht, die Projekte dieses und vorheriger Hackathons können frei genutzt und weiterentwickelt werden.

Die Coding da Vinci-Stipendien sind da

Mit den CdV-Stipendien werden Teilnehmende gezielt dabei unterstützt, ihre im Rahmen von CdV-Hackathons entstandenen Projektideen weiterzuentwickeln – im Team oder als Einzelperson. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten dazu drei Monate lang jeweils 1.250€/Monat als Unterstützung für die Weiterentwicklung ihrer CdV-Projekte. Sie nehmen auch an individuell zugeschnittenen Workshops und Coachings teil, die ihnen neue Skills im Hinblick auf ihre Projekte vermitteln. Gefördert werden die CdV-Stipendien im Programm Kultur Digital der Kulturstiftung des Bundes. Bewerbungen für die Coding da Vinci-Stipendien sind bis 17. Januar 2020 möglich.

Auf Westfalen-Ruhrgebiet folgt Saar_Lor_Lux

Und im nächsten Jahr geht es für Coding da Vinci erstmals in die Region Saar_Lor_Lux – wir freuen uns darauf! Neuigkeiten finden sich auf der Website.

Ausblick auf 2020; Bild: Annette Hudemann (LWL) CC-BY 4.0

Der Kultur-Hackathon Coding da Vinci wird von der Kulturstiftung des Bundes als gemeinsames Projekt der Deutschen Digitalen Bibliothek, des Forschungs- und Kompetenzzentrums Digitalisierung Berlin (digiS), der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland gefördert. Das Projekt unterstützt Kulturinstitutionen auf ihren ersten Schritten in Richtung Open Data.

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Endspurt für Spendenkampagne in der Wikipedia

09:00, Friday, 13 2019 December UTC

Jeden Tag nutzen Millionen Menschen die Wikipedia. Allein die deutschsprachige Seite wird über 30 Millionen Mal pro Tag aufgerufen. Eine Welt ohne die Online-Enzyklopädie? Kaum vorstellbar. 

Dabei gelingt Wikipedia etwas, das kaum einer anderen Internetseite dieser Größe möglich ist: Sie kommt komplett ohne Werbung aus und ist dadurch vor kommerziellen Einflüssen geschützt. Das ist nur möglich, weil zum einen engagierte Freiwillige auf ehrenamtlicher Basis mitarbeiten und ihr Wissen teilen und zum anderen jedes Jahr tausende Menschen dieses gemeinnützige Engagement mit Spenden oder als Vereinsmitglied unterstützen. 

Spendenziel: 8,7 Millionen Euro bis Jahresende 

Die Spendenkampagne 2019 läuft seit Mitte November und es sind wichtige Wochen für Wikipedia und die vielen weiteren Projekte für Freies Wissen. Bis zum Jahreswechsel soll das Spendenziel von 8,7 Millionen Euro erreicht werden (wofür das Geld eingesetzt wird, lesen Sie weiter unten). Sobald dies der Fall ist, wird die Kampagne beendet. Letztes Jahr geschah dies in Rekordzeit: In nur 46 Tagen spendeten rund 360.000 Menschen die anvisierten 8,1 Millionen Euro. 

Das Spendenbanner wird den Besuchenden der Wikipedia übrigens maximal zehn Mal angezeigt und kann natürlich jederzeit mit einem Klick auf das Kreuz rechts oben ausgeschaltet werden. Dann ist es für einen Zeitraum von zwei Wochen deaktiviert. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, sich ein kostenloses Benutzerkonto in der Wikipedia einzurichten, bzw. sich mit dem schon bestehenden Konto einzuloggen. Wer eingeloggt ist, bekommt das Spendenbanner nicht angezeigt.  Nach dem Abschluss einer Spende über dieses Spendenformular wird ein Cookie gesetzt, welches verhindern soll, dass das Spendenbanner weiterhin sichtbar ist.

Das passiert mit den Spenden 

Auch wenn die Wikipedia von ehrenamtlichen Autorinnen und Autoren geschrieben wird, gibt es doch viele Kosten, die zu tragen sind. Die Wikipedia-Server beispielsweise stehen in den USA und den Niederlanden und werden von der Wikimedia Foundation (WMF) betrieben. Sie bekommt einen Großteil der Spenden, vor allem für die Unterstützung der vielen weiteren Länderorganisationen und Freiwilligengruppen weltweit. Bei Wikimedia Deutschland kümmern sich rund 130 hauptamtliche Mitarbeitende um zahlreiche Projekte für Freies Wissen, fördern die Freiwilligen in ihrem digitalen Ehrenamt, entwickeln und verbessern die Software, mit der die Wiki-Seiten betrieben werden und sind auf politischer, kultureller und wissenschaftlicher Ebene für Freies Wissen aktiv.

Das Ziel der jährlichen Spendenkampagne resultiert übrigens aus den jeweiligen Jahresplänen von Wikimedia Deutschland und der Wikimedia Foundation, in denen festgelegt ist, welche Projekte und Ziele umgesetzt werden sollen. Informationen zur Mittelverwendung gibt es hier

“Weiter so” – “Ist es wert” – “Chapeau an die zahlreichen Ehrenamtlichen”

Ein Blick in die Spendenkommentare zeigt auf besonders schöne Weise, wie sehr Menschen die Wikipedia wertschätzen und warum sie durch eine Spende Danke sagen wollen: “Für mich ist Wikipedia eine soooo wichtige Informationsquelle, dass ich regelmäßig spende. Macht alle (!) miteinander weiter so. Tolle Arbeit”, schreibt zum Beispiel ein Spender anonym. In einem anderen Kommentar heißt es: “Derart nützliche Dienste wie Wikipedia müssen zum Wohle aller unabhängig und kostenlos bleiben. Zur Erreichung dieses Ziels bin ich gerne bereit, meinen (wenn auch bescheidenen) Beitrag zu leisten.” Und natürlich gibt es auch Einträge zum Schmunzeln: “Unsere Familie liebt Wiki! Bei jedem Infostreit seid ihr die Rettung bei Hausaufgaben oder Erinnerungslücken.” 

Möchten auch Sie für die Wikipedia spenden oder Mitglied im Verein Wikimedia Deutschland werden? Dann besuchen Sie uns auf wikimedia.de. Hier finden Sie auch weitere Fragen und Antworten rund um die aktuelle Spendenkampagne. 

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Wiki Loves Earth, der Fotowettbewerb der Wikimedia-Projekte rund um Naturdenkmale, Naturschutzgebiete, Nationalparks und Geotope, findet alljährlich im Mai und Juni statt. 2013 als Pilotprojekt und Pendant zu Wiki Loves Monuments, dem Fotowettbewerb rund um Bau- und Kulturdenkmale, in der Ukraine gestartet, beteiligten sich bei der siebten Auflage des Wettbewerbs mehr als 9.500 Fotografinnen und Fotografen mit mehr als 90.000 hochgeladenen Fotos. Allein in Deutschland beteiligten sich 1.398 Fotografinnen und Fotografen mit insgesamt 26.721 Fotos.

Die hochgeladenen Bilder des Wettbewerbs, der von der Ehrenamtlichkeit der Organisierenden, Teilnehmenden und Jury-Mitglieder lebt, stehen nicht nur der Bebilderung der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte, sondern unter einer freien Lizenz allen Menschen zur kostenfreien Weiternutzung zur Verfügung. Dabei gilt es lediglich, die Lizenzbestimmungen einzuhalten. Hierbei hilft der Lizenzhinweisgenerator, der in wenigen Klicks von der URL des Fotos zum korrekten Lizenzhinweis führt.

Die internationalen Siegerbilder

Jährlich prämiert eine Jurygruppe, die aus Ehrenamtlichen der Wikimedia-Projekte und Fotografieexpertinnen und -experten besteht, die besten Bilder des Wettbewerbs. Die internationale Jury gab mit ihrem umfassenden Bericht nun die Siegerbilder des diesjährigen Wettbewerbs bekannt.

Das Siegerbild des Jahres 2019 entstand in Deutschland und belegte im deutschen Wettbewerb den 5. Platz. Das Foto der Gebänderten Prachtlibelle (siehe oben) auf einer Pusteblume im brandenburgischen Naturschutzgebiet Gülper See von Fotograf Sven Damerow überzeugte die Jury durch eine herausragende Schärfe und gute Bildkomposition.

Aboubakrhadnine, -تيناكاشاكير- الحضيرة الوطنية لطاسيلي الهقار – تامنراست – الجزائر, CC BY-SA 4.0

Die Hoggar Mountains im Ahaggar Cultural Park des Tamanrasset National Reserve bilden das Motiv des zweiten Platzes. Fotograf Aboubakrhadnine sei es nach Meinung der Jury gelungen, ein Bild zu erstellen, welches sich durch großartige Farb- und Lichtspiele auszeichne.

Misha Reme, Рододендронний світанок на Вухатому Камені, CC BY-SA 4.0

Schöne Blüten im Vordergrund, die den Blick auf die Bergschichten lenken, und eine Sonneneinstrahlung, die für ein perfektes Landschaftsbild sorgt. So beschreibt die Jury den dritten Platz von Wiki Loves Earth 2019, ein Bild aus dem Nationalpark Karpaten von Fotograf Misha Reme.

Auch auf den weiteren Plätzen der internationalen Wertung finden sich auch bildgewaltige Naturaufnahmen, die von der siebenköpfigen Jury aus den 350 nominierten Bildern ausgewählt wurden. Nominiert für den internationalen Wettbewerb waren bis zu 10 Bilder aus den nationalen Wettbewerben der 37 teilnehmenden Ländern. Die Jurys der einzelnen Länderwettbewerbe nahmen die Nominierungen anhand ihrer Wertungen vor.

Wiki Loves Earth 2019 in Deutschland

Im Wettbewerbsmonat Mai wurden mehr als 26.000 Bilder durch rund 1.400 ehrenamtlich Engagierte im freien Medienarchiv Wikimedia Commons hochgeladen. 1.156 von ihnen beteiligten sich zum ersten Mal in den Wikimedia-Projekten. Die deutschen Einreichungen wurden zunächst durch eine Vorjury, die sich aus Aktiven der Wikimedia-Projekte zusammensetzte, mittels eines Online-Tools gesichtet und bewertet. Anschließend bestimmte eine sechsköpfige Jury, bestehend aus ehrenamtlichen Aktiven der Wikimedia-Projekte, im Rahmen einer Präsenzsitzung die Top 100 von Wiki Loves Earth 2019 in Deutschland.

Roman EiseleHessigheim – Felsengärten – die Kluft mit der EicheCC BY-SA 4.0

Dem Fotografen Roman Eisele gelang es mit seiner Aufnahme einer Schlucht im Naturschutzgebiet Hessigheimer Felsengärten die Jurorinnen und Juroren zu überzeugen, was ihm den Sieg im deutschen Wettbewerb einbrachte. Die Jury merkt zu dem Bild an: „An der breitesten Stelle der kleinen Schlucht, die die vorgelagerten Felsen vom Hang trennt, liegen wild aufgetürmte Felsbrocken; dahinter wächst eine Eiche dem Himmel entgegen. Die Felsengärten sind ein beliebtes Ziel für Kletterer. Das Motiv wurde im Abendlicht an einem Herbstabend aufgenommen, was zu den warmen Farben führte.“

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Dieser Blogbeitrag ist auch als Gastbeitrag bei Netzpolitik.org erschienen.

Im November hat die Bundesregierung das Eckpunkte für eine Datenstrategie [PDF] beschlossen. Das Papier zeugt von dem Wunsch, es allen recht zu machen: Einerseits betont die Regierung, die datengetriebene Wirtschaft nebst digitalisierter Verwaltung fördern zu wollen. Andererseits will sie die stets als einmalig hoch gepriesenen Datenschutzstandards Europas und Deutschlands halten.

Doch schon zu Beginn des Papiers schlägt ersichtlich die Realität zu. Dort heißt es, die Datenstrategie sei „ein Baustein zu einer europäischen Vision für das Datenzeitalter“, die es gemeinsam mit den europäischen Partnern erst noch zu entwickeln gelte. Und sogar die Datenstrategie selbst ist nicht etwa schon da, sondern wird im Papier lediglich angekündigt. Insofern fragt sich, ob dies einmal mehr bloße Ankündigungspolitik ist.

Daten-Pool statt Daten-Silo

Die in den Eckpunkten angesprochene Pflicht zur Teilung von Daten für fairen Wettbewerb, für den Zugriff der Forschung sowie für gemeinwohlorientierte Projekte ist keine neue Idee der Bundesregierung. Impulspapiere mehrerer Parteien, aber auch der Stiftung Neue Verantwortung schlagen Wege zum Daten-Pooling vor, also zur Zusammenführung und gemeinsamen Nutzung unterschiedlicher Bestände.

Dies zielt auf große Marktakteure und ihre gesammelten Daten, an die alle anderen nicht herankommen, was derzeit mutmaßlich ganze Branchen gar nicht erst entstehen lässt. Wettbewerb und Chancengleichheit gibt es unter diesen Umständen nicht. Der jüngste Referentenentwurf des Wirtschaftsministeriums [PDF] zur Änderung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen will dieses Problem entsprechend der Empfehlungen der Kommission Wettbewerbsrecht 4.0 angehen. Diese schreibt:

Damit hieraus [aus Datenmonopolen] resultierende Machtpositionen angreifbar bleiben, ist in diesen Fällen ein Zugang zu Daten zu gewährleisten, der wettbewerblichen Druck (wieder)herstellt. Missbräuchliche Datenzugangsverweigerungen können und sollten nach geltendem Recht als Wettbewerbsverstoß identifiziert, Anordnungen zum Datenzugang können getroffen werden.

Die Kommission regt dazu auch eine Art nichtstaatlicher Daten-Treuhänder an. Sie sollen die von Unternehmen bereitgestellten Daten aggregieren, anonymisieren und dann zur Verfügung stellen. Aus Sicht von Wikimedia Deutschland müsste die Aufgabe des Daten-Treuhänders sein, möglichst allgemeine Zugänglich- und Nutzbarkeit sicherzustellen. Das findet sich nun ähnlich auch in den Eckpunkten der Bundesregierung wieder: Daten zu teilen, zu verknüpfen und zu nutzen, sei Grundlage für technologische Innovation, für das Generieren von Wissen und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ziel der (kommenden) Datenstrategie sei daher, Datenmonopole in Zukunft zu verhindern.

Damit liegt man nie falsch, denn niemand mag Monopole. Wer aber erwartet hatte, aus den Eckpunkten zumindest ein klein wenig über das Wie zu erfahren, wird enttäuscht. Es wird nicht im Ansatz erklärt, wie etwa unter einen Hut gebracht werden soll, dass die Silos zwar überwunden werden sollen, viele Daten aber erst durch massive Aggregation und Verknüpfung von Diensten ihren wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Wert erhalten.

Die Antworten müssen dann wohl dem in den Eckpunkten angekündigten „breiten Beteiligungsprozess“ überlassen werden – oder vielleicht auch erst der eigentlichen Datenstrategie, die dieser Prozess „bis Frühjahr 2020“ vorbereiten soll.

Wer zuletzt lacht, überwacht am Besten

Gerade die über Nutzungsverhalten gesammelten Daten sind sensibel. Daten können im Nachhinein von der Forschung, journalistisch, aber auch böswillig de-anonymisiert werden. Manche unverdächtige Datensets können in der richtigen Zusammenstellung Rückschlüsse auf einzelne Personen geben, bis hinein in detaillierte Bewegungsprofile. Das macht gerade Vorratsdatenspeicherung so gefährlich.

Aus diesem Grund hat sich auch über die zivilgesellschaftliche Debatte verständlicherweise eine Art Datenschutz-Mehltau gelegt. Das ist eine unvermeidliche Folge des zunehmenden Bewusstseins über persönliche Datenspuren im Internet und sollte von allen Seiten akzeptiert werden. Aber bitte konkret: Wie hoch soll die im Eckpunktepapier immer wieder genannte „verantwortungsvolle Nutzung“ von Daten gehängt werden gegenüber dem Wunsch nach mehr Innovation? Wie einfach oder aufwendig darf De-Anonymisierung gerade noch sein, um nicht zum grundrechtlichen Show-Stopper zu werden für die schöne neue Innovationswelt?

Öffentliches Geld? Öffentliches Gut!

Verantwortungsvolle Datennutzung, gemeinwohlorientierte Initiativen, Experimentierräume – das Eckpunktepapier zur Datenstrategie liest sich wolkig weich. Es betont in einem eigenen Abschnitt sogar den Plan, den Staat zu einem großen Vorbild in Sachen Datenumgang zu machen. Kanzleramtsminister Braun will sich dabei auch an die höchst eigene Datennase fassen und sagte vor kurzem dem Tagesspiegel, Bürgerinnen und Bürger könnten vom Staat erwarten, dass die mit öffentlicher Finanzierung gesammelten Daten auf gewisse Weise auch öffentlich zur Verfügung stehen.

Das fordern Bürgerrechtsinitiativen, Freiwilligenprojekte und zivilgesellschaftliche Organisationen bereits seit Jahren. Wikimedia Deutschland nennt es: Öffentliches Geld – öffentliches Gut! (#ÖGÖG). Es scheint nun auch bei der Bundesregierung in diese richtige Richtung zu gehen.

Trotzdem bleibt bei der Lektüre der Eckpunkte ein Beigeschmack der zigsten Absichtserklärung ohne sichtbare Konsequenz. In der Praxis drosseln mangelnde Ressourcen, Angst vor Kontrollverlust und fehlender Wille gerade in den Behörden das digitale Frühlingserwachen. Die Eckpunkte lassen allenfalls erahnen, dass man weiß, dass es bei Open Data auf allen Ebenen der öffentlichen Verwaltung hakt. Ob man wohl ebenfalls weiß, dass dies oft genug damit zu tun hat, dass die Öffnung als unverbindliche Option für Behörden gefasst ist und ohne entsprechende Haushaltsmittel daherkommt?

Die Pflicht – noch nicht einmal die Kür

Das Mindeste, was am Ende des vom Eckpunktepapier skizzierten Prozesses stehen muss, ist dreierlei:

  • Das Papier wünscht sich die Entstehung einer „Datenkultur“, wie mit Formulierungen wie „kollaborativen Arbeitsmethoden, auch in genossenschaftlichen wie gemeinwohlorientierten Initiativen“, „agilen Prozessen“ und „Nachnutzung und Transparenz“ umschrieben wird. Dafür braucht es konkrete Vorschläge, wie der dafür notwendige Sinneswandel in der öffentlichen Verwaltung gelingen soll, und wie „Open by Default“ in allen Bereichen staatlichen Handelns etabliert werden kann.
  • Die angekündigte Analyse, „welche Anreize für Unternehmen, zivilgesellschaftliche Akteure und gemeinnützige Träger“ nötig sind, muss die Interessen der Nutzenden, der Bürgerinnen und Bürger, wichtiger nehmen, als die der Wirtschaft. Alles andere gab es schon und hat zu den heutigen Zuständen geführt.
  • In der Digitalisierungsstrategie muss die Bundesregierung endlich deutlich aussprechen, dass Daten als Transportform von Information keine privatisierbare Ressource sind und deshalb keiner Eigentumslogik unterworfen werden dürfen – auch nicht im gut gemeinten Sinne des Datenschutzes. Weil Regulierung von Daten(zugang) immer auch Regulierung von Information ist, muss vielmehr der Schutz der Informationsfreiheit höchste Priorität haben.

Zur Kür würden dann Dinge gehören wie: Ernst gemeinte Experimente mit deliberativen Formaten, ein endgültiger Abschied von staatlichen Großprojekten wie De-Mail und ein unmissverständliches Bekenntnis zu Verschlüsselung als schützenswertem Gut und gegen die Nutzung von Zero-Day-Sicherheitslücken durch staatliche Stellen.

Ob sich das Warten lohnt?

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Dieselben digitalen Technologien, die im besten Fall soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten reduzieren, stellen ohne entsprechende Bemühungen eine enorme Belastung für die Umwelt dar, mit Folgen für eben jene Ungleichheiten, die wir zu verringern suchen. Gemeinsam mit der Wikimedia Foundation setzt sich Wikimedia Deutschland seit geraumer Zeit für eine umweltbewusste Entwicklung der eigenen Projekte ein und konnte im September einen wichtigen Projekterfolg zur Reduktion des Energieverbrauchs von Wikipedia vermelden. 

“Digitale Nachhaltigkeit besagt, dass digitale Wissensgüter ressourcenschonend hergestellt, frei genutzt, kollaborativ weiterentwickelt und langfristig zugänglich gesichert werden”, so die Definition der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit der Universität Bern. Als größte freie Wissenssammlung unserer Zeit leistet Wikipedia einen wichtigen Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen hochwertiger Bildung und des Abbaus von Ungleichheiten. Im Rahmen der globalen Wikimedia 2030-Strategie setzen sich die rund 40 Wikimedia-Organisationen sowie hunderte Freiwilligengruppen darüber hinaus für eine bewusste Bündelung zukünftiger Anstrengungen für Wissen und Gemeinschaften ein, die von Machtstrukturen und Privilegien ausgeschlossen wurden. 

Ein konkreter Schritt in diese Richtung ist der Abbau technischer Hürden: Wikimedia optimiert Wikipedia kontinuierlich für den möglichst datensparenden Gebrauch, sodass Menschen möglichst unabhängig von der Qualität ihres Internetanschlusses Zugang zu Informationen erhalten. In einem einjährigen länderübergreifenden Projekt konnten Softwareentwicklerinnen und -entwickler der Wikimedia Foundation und Wikimedia Deutschlands die Energieeffizienz von Wikipedia drastisch steigern: In dem sie die Menge an Daten verringert haben, die mit jedem Seitenaufruf ausgesendet werden, spart Wikipedia täglich mehr als 4 Terabyte an Internetdatenvolumen. Der dabei eingesparte tägliche Energieverbrauch ist vergleichbar mit einem guten Dutzend Flugreisen von Berlin nach San Francisco. Schon vor Start des Projekts war Wikipedia deutlich energieeffizienter als vergleichbar häufig aufgerufene Websites, bedingt u.a. durch die Werbefreiheit und minimales User Tracking. 

Grafik der Verringerung der Datenübertragungsmengen von Herbst 2018-Herbst 2019. 
Quelle: Timo Tijhof, Wikipedia’s JavaScript initialisation on a budget, https://phabricator.wikimedia.org/phame/live/7/post/175/wikipedia_s_javascript_initialisation_on_a_budget/

Weitere beispielhafte Ansatzpunkte zur Reduktion der Emissionen identifiziert u.a. der kürzlich publizierte Sustainability Report der Wikimedia Foundation: Weiteres energiesparendes Haushalten der Organisation, die zunehmende Umstellung der Serverstandorte auf nachhaltige Energiequellen sowie Aufklärungsarbeit zu umweltfreundlichem Handeln. 

Auch aus der Freiwilligen-Community der Online-Enzyklopädie heraus gibt es seit einiger Zeit Vorschläge zur Verbesserung der ökologischen Bilanz der Wikimedia-Projekte. Weitere Infos dazu auf der Meta-Seite der Sustainability Initiative.

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„Sei mutig!“ ist die Botschaft, welche aktive Wikipedianerinnen und Wikipedianer am Aktionstag Wikipedia vor Ort potenziellen Neuautorinnen und -autoren mit auf den Weg gaben. Ob es darum geht, neue Artikel zu erstellen, Rechtschreibfehler auszubessern oder fehlende Informationen oder aktuelle Bilder einzupflegen – es ist Eigeninitiative gefragt, um dieses wertvolle Projekt am Laufen zu halten.

Wie funktioniert die freie Enzyklopädie Wikipedia? Was ist zu beachten, um Informationen mit der gesamten Menschheit teilen zu können? Wie kann ich gefundene Fehler korrigieren und wie verhält es sich mit dem Urheberrecht? All diese und noch viele weitere Fragen konnten beim zweiten Wikipedia-Aktionstag im persönlichen Austausch beantwortet werden.

Neben Vorträgen zu Themen wie der Neutralität innerhalb der Wikipedia, der Zuverlässigkeit von Informationen oder dem Aufgabenspektrum der Wikipedianerinnen und Wikipedianer  konnten Interessierte jegliche Fragen zu deren Entstehung loswerden und die eigenen Beitragsmöglichkeiten kennenlernen.

Freiwillige in 17 Städten mit dabei

In 17 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten Ehrenamtliche lokale Veranstaltungen organisiert, um das große und stetig wachsende Projekt der Online-Enzyklopädie verständlich und greifbar zu machen. Die Organisation der Räume und die Erarbeitung des Programms lag größtenteils in den Händen der Freiwilligen-Community, deren tatkräftige Eigeninitiative wir den erfolgreichen Ablauf des Aktionstages verdanken. Das breite Spektrum der möglichen Aufgaben und Interessengebiete spiegelte sich im Programm: In Köln gab es beispielsweise ein Fotostudio für Objektfotografie und 360°-Aufnahmen, in Hannover fand eine Vorführung des Projektes OpenStreetMap statt, im Rahmen dessen eine freie internationale Weltkarte erstellt werden soll. In Augsburg organisierten Freiwillige einen Einsteiger-Kurs für die Erstellung von Wikipedia-Artikeln, in Stuttgart eine Station zur Digitalisierung alter Dias und Fotografien sowie eine Einführung in die Bildbearbeitung mit GIMP.

Eine Brücke zu bauen zwischen dem häufig abstrakten Digitalen und den „echten“ Menschen, die hinter den Wikipedia-Beiträgen stehen ist ein zentrales Ziel des Aktionstags Wikipedia vor Ort. Interessierte und neue Autorinnen und Autoren haben so die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und die lokalen Communitys persönlich kennenzulernen. Persönlicher Kontakt beim Einstieg in die Wikipedia kann sehr hilfreich sein und wird von engagierten Wikpedianerinnen und Wikipedianern seit vielen Jahren mit Einführungskursen, offenem Editieren und anderen Veranstaltungen regelmäßig angeboten. Die Idee für den Aktionstag entstand als Aufbau auf diese Angebote, in der Verbindung von On- und Offline-Aktionen, und um lokale Gruppen in der Bewerbung und Durchführung von verschiedenen Ideen und Formaten zu unterstützen. Es ist ein wichtiges und erfreuliches Zeichen, dass so viele interessierte Menschen am Aktionstag zusammengekommen sind, um sich über Wikipedia und freies Wissen auszutauschen.

Wikimedia Deutschland und alle Beteiligten freuen sich über das rege Interesse und die produktive Zusammenarbeit und danken allen Menschen, die tagtäglich daran mitarbeiten, den offenen Raum des Internets aktuell und faktentreu zu gestalten, um das Wissen der Welt anderen zur Verfügung zu stellen!

Eindrücke vom Aktionstag

Weitere Bilder vom Wikipedia-Aktionstag 2019 gibt es hier: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Wikipedia_vor_Ort_2019

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Arbeitsgruppe für mehr Diversität im Präsidium

08:25, Thursday, 14 2019 November UTC

Eine Kandidatin, zehn Kandidaten: Das war die Bilanz bei der letzten Wahl für das Präsidium auf der Mitgliederversammlung (MV) im Jahr 2018. Alle, die sich bereit erklären, Wikimedia ehrenamtlich zu unterstützen, sind ein Gewinn. Aber für einen Verein, der sich für Offenheit und Vielfalt einsetzt, ist es bisher zu wenig divers. Die Mitglieder haben einen klaren Auftrag formuliert: Kümmert euch darum, dass ihr mehr Frauen motiviert, zu kandidieren!

Um den Anteil zu verbessern, hat das Präsidium die Kooptation genutzt und Helene und mich rekrutiert. Die Option gibt es seit 2015, 2019 richtete sich der öffentliche Aufruf erstmals und ausschließlich an Frauen und Diverse. Als wir dann im Präsidium beschlossen haben, welche Arbeitsgruppen es geben soll, stand fest: Diversität gehört dazu. Wir wollen ausloten, wie es gelingen kann, mehr weibliche und überhaupt mehr unterschiedliche Kandidatinnen und Kandidaten zu gewinnen. Wir wissen, dass Diversität mehr bedeutet, als das Verhältnis von Männern und Frauen. Aber es ist ein erster Schritt. Und schließlich haben uns die Mitglieder gebeten, genau das zu tun.

Zusammenarbeit mit dem Institut für Diversity Management

Was haben wir seitdem gemacht? Wir haben im Mai die AG gegründet, im Kern sind wir zu dritt: Johanna Niesyto als ehemaliges Präsidiumsmitglied, Moritz Rahm als Mitarbeiter der Geschäftsstelle und ich als Vertreterin des aktuellen Präsidiums. Wir haben zusammengetragen, was es an Wissen zu Diversität im Ehrenamt gibt, was andere Chapter machen und WMDE in die Wege geleitet oder ausprobiert hat. Wir haben das Institut für Diversity Management beauftragt, uns zu helfen, die Daten auszuwerten, eigene beizusteuern und Interviews zu führen. Alle Ergebnisse haben wir Ende Oktober in einem Workshop diskutiert, an dem sich verschiedene Mitglieder aus der Geschäftsstelle und des Präsidiums beteiligt haben. Aktuell verdichten wir die Ergebnisse und erarbeiten einen Maßnahmenkatalog, über den wir auf der nächsten Präsidiumsklausur im Dezember abstimmen und den wir anschließend allen Mitgliedern vorstellen wollen.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass wir mit zusätzlichen Informationen und einigen organisatorischen Änderungen mehr Frauen motivieren können, sich zur Wahl zu stellen. Ob uns das gelingt, wissen wir nicht. Aber wir wollen es versuchen und sehen es als einen Baustein auf dem Weg zu mehr Diversität im gesamten Verein. Diversität beschäftigt Wikimedia Deutschland, die weltweite Bewegung und die Community. Es ist ein wichtiges Thema im Movement Prozess und bei den Freiwilligen, die sich dafür engagieren, dass Wikipedia nicht mehr überdurchschnittlich von Männern geschrieben und bearbeitet wird. Auch bei den Vereinsmitgliedern von WMDE gibt es (noch) vergleichsweise wenig Frauen. Wir wollen das ändern. Denn unser Verein und die Wikimedia-Projekte stehen für Freies Wissen, Offenheit und damit auch für Diversität. Jeder Schritt zählt, um etwas dafür zu tun. Und wenn es uns gelingt, im Präsidium diverser zu sein, kann das auch ein Zeichen sein, das über das Gremium hinaus ins Wikiversum wirkt.

Mirjam Stegherr

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Was ist OPEN? Hier geht’s zur Broschüre als PDF

Die erste Auflage der Publikation wurde im Jahr 2015 von einem Team aus Expertinnen und Experten rund um Open Knowledge Austria, Wikimedia Österreich, OPEN COMMONS LINZ, AK Vorrat und Austrian Institute of Technology in einem offenen, kollaborativen Schreibprozess erstellt und unter einer freien Lizenz veröffentlicht. Alle Inhalte der Broschüre dürfen kopiert, modifiziert und weiterverwendet werden – genau das haben Wikimedia und OKF getan und gemeinsam an einer Neuauflage gearbeitet.

Die Broschüre bietet einen umfassenden aber dennoch kurzweiligen Einstieg zum Thema Offenheit und ist in drei Teile gegliedert: Nach einer allgemeinen Einleitung ins Thema (A), werden einzelne Teilbereiche vorgestellt, in denen Offenheit praktiziert wird (B). Die wichtigsten Begriffe zum Thema können im Glossar (C) nachgeschlagen werden. 

Konkret beinhaltet die Broschüre Einführungen in die Bereiche Open Knowledge, Open GLAM, Open Science, Open Educational Resources, Open Design, Open Data, Open Government, Open Innovation, Open Budgets und Open Aid. Zudem wird erklärt, welche Vorteile Freie Lizenzen haben, wie Offenheit und Datenschutz zusammenpassen und was alle Menschen selbst tun können, um in ihren Bereichen für mehr Offenheit zu sorgen.

Die Open Definition

Open bzw. offen ist ein Begriff, der viele Assoziationen erlaubt. Wir stellen uns offene Türen oder offene Räume vor oder auch einen weiten Horizont. Vielleicht haben wir schon mit Open-Source-Software gearbeitet. Das „Open“ in Konzepten wie Open Source, Open Data, Open Science oder Open Design benötigt jedoch ein wenig Erklärung. Was heißt also offen in diesem Kontext? Um das zu klären, haben sich weltweit Menschen zusammengefunden, um an einer Definition für „offen“ zu arbeiten – der Open Definition:

Pernillan [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

„Wissen ist offen, wenn jede*r darauf frei zugreifen, es nutzen, verändern und teilen kann – eingeschränkt höchstens durch Maßnahmen, die Ursprung und Offenheit des Wissens bewahren.“ Oft wird statt oder gemeinsam mit „Open“ auch „Free“ bzw. „frei“ als Wort benutzt, so etwa beim Ausdruck „Free and Open Source Software“ [kurz FOSS] bei „freien Lizenzen“ oder „Freiem Wissen“.

Wir können die Begriffe „Open“ und „Free“ auf die verschiedensten Lebens- und  Arbeitsbereiche anwenden: Kultur, Wissen, Daten, Design, Architektur, Wissenschaft, Verwaltung, Gesellschaft und vieles mehr. Das Prinzip dahinter ist immer das gleiche: Die Daten, Entwürfe, Fotos, Musikstücke oder sonstige Inhalte und Wissen werden digital zur Verfügung gestellt, sodass andere diese sehen, nutzen, modifizieren und teilen können. Dadurch kommen wir weg von einem Denken der Verbote hin zu einem Denken der Erlaubnis, durch das viele Projekte und Entwicklungen erst möglich werden.

Der Beitrag Was ist OPEN? Eine neu aufgelegte Broschüre von OKF und Wikimedia erklärt Open Data, Open Education, Open Government etc. erschien zuerst auf Wikimedia Deutschland Blog.

Education, open participation and democracy: critical reflections

Gemeinsam mit der Association for Learning Technology (ALT) lädt Wikimedia Deutschland am 27. November in die Räume am Tempelhofer Ufer 23-24 ein. Die Veranstaltung “Education, open participation and democracy: critical reflections” wird parallel zur OEB Global Konferenz in Berlin stattfinden. Die Veranstaltungssprache wird Englisch sein, mehr Details in deutscher Sprache sind in unserer ersten Ankündigung im Blog zu finden.

The Association for Learning Technology (ALT) and Wikimedia Deutschland are inviting you to an open evening “Education, open participation and democracy: critical reflections”. The event, inspired by the OER20 Conference theme “The Care in Openness” will focus on the ways in which Openness, individuals and communities can foster a participatory and democratic culture in Open work and in society in general. 

We hope that this event will stimulate discussions that can continue at the OER20 Conference, and encourage participants to consider making a submission for the OER20 Conference.

Recordings now available (Update, 01/20/2020)

Intro and Short Talks
Open discussion

We aim to keep these conversations going online as well. As soon as we have an update regarding the ways to participate remotely, you will find it here in this blog post.

Time, place, and registration

Wednesday, November 27, 2019
5pm – 9pm

Wikimedia Deutschland Offices
Tempelhofer Ufer 23-24
10963 Berlin
Google Maps
Subway: Möckernbrücke (U1 / U3 / U7)

The event’s facilities put a limit on the maximum number of attendees. Registration is free, please use the link below to sign up for the event.

Click here and register by Friday, November 22nd

This event aims to claim and open a space for critical conversations and questions: Who is Open for and who is it open to? How can Open be leveraged as a force for participatory culture in society and education? Which roots of Openness do we need to be especially critical of when we claim that Open is here to save us all from the world of proprietary, industry-driven and techno-solutionist claims around education and participation in society? How do larger narratives around web culture play into the ways in which education, participation and the web are framed? 

We are delighted to have a group of dedicated activists and researchers as guests and contributors to this evening (please scroll down to find more detailed bios and links). If you would like to contribute to this event, please get in touch:

Our preliminary agenda:

5.00 pm Doors open

5.30 pm Welcome and salute to OER20

Nicole Ebber (tbc), Advisor on International Relations at Wikimedia Deutschland

Maren Deepwell, CEO of ALT 

Christian Friedrich, Education and Science Advisor at Wikimedia Deutschland

5.45 pm Short talks

„Principled Pragmatism – Reflections on changing higher education from within“ Laura Czerniewicz, Director of the Centre for Innovation in Teaching and Learning, University of Cape Town

„Openness in the age of surveillance – who is watching what we are doing?“ Martin Hawksey, Chief Innovation, Community and Technology Officer, Association Learning Technology

„Predicting the future (of open) — the stories that we tell about ’the school of tomorrow“ Audrey Watters,  independent scholar and author, best known for her work at hackeducation.com 

6.30 pm Discussion: Open for a cause? Participation in education and society  through the Open

Lorna Campbell, Maren Deepwell and Audrey Watters chaired by Christian Friedrich. We aim to open the discussion for contributions by and exchange with the attendees onsite. 

7.15 pm Closing remarks

Vegetarian snacks and non-alcoholic refreshments

9.00 pm Close of the evening

Our guests and contributors include:

Lorna Campbell

Open education technology, policy & practice at the University of Edinburgh, ALT and Wikimedia UK trustee

Lorna works for the University of Edinburgh’s OER Service within the Learning Teaching and Web Services Directorate. She has a longstanding personal commitment to supporting open education; she founded the Open Scotland initiative and was the driving force behind the Scottish Open Education Declaration, was co-chair of the OER16 Open Culture Conference, and is a regular keynote speaker.  Lorna is also a Trustee of the Association for Learning Technology, and Vice-Chair of Wikimedia UK. Her blog, Open World, features personal reflections on all aspects of open education from a feminist perspective, she regularly live-tweets open education conferences and events at @lornamcampbell, and is an active member of the #femedtech network.

Laura Czerniewicz

Director of the Centre for Innovation in Learning and Teaching (CILT), University of Cape Town in South Africa

Professor Laura Czerniewicz has worked in education in numerous roles including strategist, researcher, educator and publisher. Her research interests include the changing nature of higher education in a digitally-mediated society, changing technological practices and digital inequality. She has also played a key strategic and scholarly role in the areas of blended and online education as well as open education. An NRF-rated researcher, Laura has published widely, both formally and informally. Her research output can be found at  academia.edu and many of her presentations at Slideshare. She can be followed on Twitter at @czernie. For a recent interview with Laura Czerniewicz listen to her podcast.

Maren Deepwell

Chief Executive of ALT, the Association for Learning Technology 

Dr Maren Deepwell has been shaping the direction of education technology and driving the field forward internationally. Maren is a seasoned keynote speaker, conference convener and writes regularly for publications in Higher and Further Education as well as policy development.

With a background in Anthropology, her particular focus is on a critical perspective on the development and future of technology in education, professionalisation and skills in Learning Technology including development of the CMALT accreditation framework and leveraging technology to create greater equity in education.

Recent projects include open policy development, edtech startups and organisational transformation which puts her commitment to open leadership into practice. Her work is bridging Learning Technology discourse across sectors in the UK and internationally.

Christian Friedrich

Education and Science Advisor at Wikimedia Deutschland

Christian Friedrich is the education and science advisor at Wikimedia Deutschland and committed to work towards openness and freedom of education and science. Christian has lead various higher education projects in the context of open connected learning. As Co-Director and Europe Lead Buddy, Christian is also part of the Virtually Connecting community, which aims to provide virtual participation and representation at academic conferences. As an independent consultant, Christian works with organisations to foster change and learning. Within the framework of Towards Openness, Christian co-facilitated various workshops on privacy, security and safety in online learning. Christian blogs erratically at blog.christianfriedrich.org, and tweets as @friedelitis.

Martin Hawksey

Chief Innovation, Community and Technology Officer, Association for Learning Technology

Martin Hawksey’s career began as a learning technologist in the UK Higher Education sector and has gone on to hold advisory roles within the educational technology sector for a number of UK government funded services. In these roles, he has supported staff in the exploration and adoption of innovative approaches to learning and teaching.
Martin has supported a number of open initiatives including the development of ALT’s Open Course in Technology Enhanced Learning (ocTEL),  co-authoring the monthly Virtual Teams blog posts which openly share ALT’s approach to leading distributed organsiations, and creator of TAGS/TAGSExplorer a Twitter visualization tool used by a number of open courses.

Audrey Watters

Education writer at Hack Education, independent scholar and author. 

Audrey Watters is a writer and independent scholar who focuses on education technology – its politics and its pedagogical implications. Although she was two chapters into her Comparative Literature dissertation, she decided to abandon academia, and she now happily fulfills the one job recommended to her by a junior high aptitude test: freelance writer.

She has written for The Baffler, The Atlantic, Vice, Edutopia, Hybrid Pedagogy, Inside Higher Ed, The School Library Journal, and elsewhere across the Web, but she is best known for her work on her own website Hack Education.

Audrey has given keynotes and presentations on education technology around the world and is the author of several books, including The Monsters of Education Technology, The Revenge of the Monsters of Education Technology, The Curse of the Monsters of Education Technology, The Monsters of Education Technology 4, and Claim Your Domain.

She is currently at work on her next book, Teaching Machines, which will be published by MIT Press. Audrey was a recipient of the Spencer Education Journalism Fellowship at Columbia University for the 2017–2018 academic year.

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Das ist ein erster Erfolg des Projekts Wiki Loves TV & Radio und wir freuen uns darauf, wenn weitere Redaktionen diesem Beispiel folgen. Die Wikipedia-Freiwilligen haben sich sofort daran gemacht, die Erklärvideos von Terra X dort, wo es inhaltlich passt, einzubinden und der Redaktion von Terra X in der Wikipedia zur Hand zu gehen.

Gemeinsam mit Gewerkschaften und Sendern werden solche Wissensinhalte verfügbar und nachnutzbar gemacht. Der Wille ist bei denen, die den Content produzieren, auf jeden Fall da. Die Rahmenbedingungen nicht immer – da sind die Gesetze manchmal weiter als die konkreten Richtlinien der Sender.

Deswegen melden wir uns auch zum Änderungskonzept der Telemedienangebote des ZDF. Freie Lizenzen sind hier nicht vorgesehen, dafür aber eine Depublikation von Bildungsinhalten. Das geht besser. Bis zum 28. Oktober können interessierte Dritte Stellung nehmen an fernsehrat.drei-stufen-test@zdf.de. Wir schmieden außerdem Allianzen, da Inhalte, so weit es gesetzlich möglich ist, online unbegrenzt verfügbar gehalten werden sollten, insbesondere Bildungsinhalte und am besten unter freien Lizenzen.

More Good and Open News

Zwei Reden aus dem Deutschen Bundestag haben uns in der letzten Woche besonders bewegt. 

Die Expertenkommission, die von Tabea Rößner im Plenum gefordert wurde und die Bedarfe an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im digitalen Zeitalter wäre ein gutes Instrument. Außerhalb davon melden wir die Bedarfe unserer Community im Namen des Freien Wissens auf allen Ebenen an – offensichtlich mit Erfolg. Auch hier sollte gelten, wie Anke Domscheidt-Berg, eine unserer Forderungen wörtlich (video) in einem Antrag der Linken im Deutschen Bundestag übernehmend, postuliert: Öffentliches Geld –> Öffentliches Gut! #ÖGÖG. 

Unsere Botschaften kommen im Deutschen Bundestag an und inzwischen folgen auch viele Fraktionen und Parteien dem Ansatz, offene Daten zu nutzen. Grüne Bundestagsabgeordnete fordern es ein, ebenso der CDU-Bundesvorstand (Offenheit als Standard, “Open-X”) und der Vorstand der SPD, sogar der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen stellt fest:

  • “Aufgabe der EU sollte sein, öffentlich-rechtliche digitale und digitalisierte Infrastrukturen zu schaffen bzw. zu gewährleisten, um Daten und Informationen im allgemeinen Interesse zugänglich zu machen” 

und 

  • “die Zugänglichkeit und Weiterverwendung (nicht personenbezogener) Daten der Privatwirtschaft sollten verbessert werden, um gemeinschaftlich nutzbare Daten und digitalisierte (Wissens-)Güter zu schaffen”

Die Datenethikkommission der Bundesregierung kommt ebenfalls zu dem Ergebnis: „Es kann unter bestimmten Umständen ein ethisches Gebot geben, Daten zu nutzen“. In den Anforderungen 28-35 führt sie unter anderem zu gemeinwohlverträglicher Datennutzungen auf:

  • Anreizsysteme, aber auch Zugangsgewährungspflichten privater Unternehmen zugunsten gemeinwohlorientierter Zwecke und des öffentlichen Sektors
  • Bewusstseinswandel öffentlicher Stellen und das Teilen von Daten im Rahmen von OGD-Konzepten praktisch erleichtern
  • Standardlizenzen und Modellkonditionen

Freies Wissen ist im Mainstream angekommen. Das sind gute Voraussetzungen für die Evaluierung des Open-Data-Gesetzes und für einen effektiveren Nachfolger und gute Nachrichten für alle, die Bildung und Wissen vernetzt und digital denken. Die gute Nachricht zum Abschluss: Seit August unterstützt uns Justus Dreyling als Projektmanager für Internationale Regelsetzung in unserem Berliner Büro. Er hatte zuvor an der Freien Universität Berlin zu genau diesem Thema promoviert und wird jetzt ganz praktisch auch auf Ebene internationaler Verträge Zugang zu Wissensressourcen sicherstellen.

(In folgenden Wikipedia-Artikeln wurden die Terra X-Beiträge bereits eingebunden:  Klimawandel, Klimamodell, Eisbohrkern, Globale Erwärmung, TreibhauseffektKohlenstoffdioxid, Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre, Strahlungshaushalt der ErdeZDF (en:WP))

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Klippan ist ein klassisches Sofamodell des sich schwedisch gebenden Möbelhauses IKEA. Das Sofa wird dieses Jahr 40 Jahre alt und ist neben Billy vielleicht der Klassiker IKEAs. Klippan steht in den Räumen des MEKs, des Museums Europäischer Kulturen, in Berlin. Dort steht es nicht etwa als Ausstellungsstück, sondern als Möbel.

Aber: wenn man ein Museum für Volkskunde und Alltagskultur mit einer Gruppe Wikipedistas zusammenbringt - dann wird auch das Foyersofa zum Ausstellungsstück - und darüber entstehen Wikipedia-Artikel. 

Berlin, Museum Europäischer Kulturen, GLAM on Tour im Museum Europäischer Kulturen (2018) NIK 6039
Klippan im Museum. Bild: Berlin, Museum Europäischer Kulturen, GLAM on Tour im Museum Europäischer Kulturen (2018) NIK 6039 Von: Nightflyer. Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International license.

Willkommen bei Wiki goes MEK! 2.0. Willkommen bei der zweiten Veranstaltung zwischen Wikipedia, dem MEK und dem Glam-Team von Wikimedia Deutschland.



MEK MEK MEK


Zwei Tage, am 17. und 18. November 2018, lud uns das Museum Europäischer Kulturen (MEK) nach Dahlem ein. Das MEK ist das einzige der Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), das in Dahlem bleiben darf und nicht in die Bierbike- Reisebushölle von Berlin Mitte muss.

Unsere Gruppe zieht vom Ausstellungs- in den Arbeitsteil des Museums Europäischer Kulturen.


Der Bestand des MEKs stammt noch zu größeren Teilen aus den Zeiten, in denen es das Museum für Deutsche Volkskunde war, und dann mit den europäischen Teilen der anderen Volkskunde-Museen vereinigt wurde. Es beschäftigt sich mit dem Leben normaler Menschen.

Das Museum hat einen Fokus auf Alltagskultur aber natürlich auch - dem Fokus der Ethnologie folgend - einen Blickwinkel auf Festtage normaler Menschen. Am konkreten Beispiel heißt das: derzeit laufen Ausstellungen über Wolle als Textil, Hochzeiten und die damit verbundenen Träume sowie Sterne (im Allgemeinen und als Weihnachtsstern im Besonderen).

Weihnachtssterne und Hochzeitskronen


Das MEK hatte eingeladen und etwa 20 Wikipedistas kamen. Es begann mit Kuraturenführungen durch die Stern- und Hochzeitsausstellungen. Wir schimpften, dass der 2. Stock nicht barrierefrei zu erreichen ist - man sollte meinen, eine Welt die den preußischen Museen ein komplettes neues Humboldtforum bauen kann, sollten dem MEK auch einen Fahrstuhl verschaffen können - bewunderten dann aber die atmosphärische Stern-Ausstellung.

Wir würdigten Hochzeitskronen aus dem 19. Jahrhundert ebenso wie Hochzeitskleider aus derselben Zeit. Wir staunten über den Traum in Rosa einer deutsch-türkischen Henna-Nacht und diskutierten die Ausstattung in Millenial Pink eines anderen aktuellen Hochzeitspaares.

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Ein Traum in Rosa. Bild: 2018Eroeffnung003 von: Holger Plickert (WMDE) Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Wir verfolgten nach, wie aktuelle Besucherpaare des MEKs sich kennengelernt hatten.

Tinder - echt jetzt!


Ruhiger wurden wir bei der Hochzeits-Chuppa einer Berliner Synagoge, die vermutlich das erste Mal seit den Nazis wieder öffentlich zu sehen war. Wenig ist über diese bekannt, außer dass sie heute dem Centrum Judaicum gehört und der Gestaltung nach wohl zu Zeiten der Weimarer Republik gefertigt wurde.

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Chuppa / jüdischer Hochzeitsbaldachin in der Ausstellung. Bild: Chuppa. Von: Medea7 Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Alles wurde in einen Kontext gesetzt und mit hinter-den-Kulissen-Informationen versehen von der Kuratorin der Ausstellung.

Derart inspiriert ging es ins Verwaltungsgebäude des MEKs wo schon alles von Kaffee über Büchern bis hin zu fotografierende-Objekte vorbereitet war. Und wir setzten die Inspiration in Artikel um.

Madame ergründete Klippan. Ich, aufmerksam geworden, dass Flachmãnner in angesagten Kreisen zur Hochzeitsausstattung gehörten lernte dann noch, dass sowohl die Wörter Hipster wie auch Bootlegging auf diese Flachmänner zurückgehen. Hipster waren Menschen, die zu Zeiten des amerikanischen Alkoholverbots Flachmänner an der Hüfte trugen; Bootlegger diejenigen, die ihn im Stiefel (englisch Boot) hatten.

Es entstand während des Workshops das Portal Baskenland. Die Artikel zu Ehe und Textilie wurden erweitert. Die Kochbuchautorin des 18. Jahrhunderts - Maria Luisa Schellhammer - bekam einen neuen Artikel. Ebenso bekamen die Artikel zu Hochzeitskronen, Pommerschen Fischerteppichen oder zur Moritat neue Bilder. Und wo wir dann schon dabei waren, wurde der Artikel "Papierkorb" mit einem Bild aus dem Hotel des Fotografen Nightflyer erweitert.

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Pelotaspiel (Ballkorb und Ball) aus der baskischen Sammlung. Bild:

Allerdings zeigt sich, dass ein Wochenende nur begrenzte Zeit bereitstellt, um zu schreiben. Einer meiner Highlight-Artikel würdigt den mechanischen Weihnachtsberg aus der Dauerausstellung des Museums - eine Art mechanische Modelleisenbahn ohne Eisenbahn mit Weihnachten aus dem 19. Jahrhundert - mit einem umfassenden Artikel. Dieser Artikel entstand größtenteils am Freitag vor dem eigentlichen Treffen - offensichtlich in Vorbereitung auf dieses. Und hoffentlich wird mein eigener Text zu den Herrnhuter Sternen auch noch dieses Jahr fertig.

Danke

 

Kaffee am richtigen Ort und viele Kekse. Trotz erschwerter Bedingungen ein funktionierendes Internet. Menschen, die sich auf für die Kultur vermeintlich kleiner Menschen interessieren - ein Traum in Rosa, Moritaten, obskure Bücher, ein Blick hinter die Kulissen eines Museums - und überall eine freundliche, fokussierte Stimmung. Wenig will ich mehr.

Blick in einen der Arbeitsräume.

Zum Abschluss ein großes Danke an alle Beteiligten. Selten erlebte ich eine Veranstaltung, die so stimmte. Nicht nur, dass wir offensichtlich willkommem waren: das Timing war nahezu perfekt, die Mischung aus genug Inspiration und viel Gelegenheit diese gleich umzusetzen war großartig und offensichtlich hatten sich alle Beteiligten viele Gedanken gemacht, was die kommenden Wikipedianer am besten brauchen.

Das wir zum Beispiel auch noch obskurste Bücher im Vorhinein bestellen könnten und dann vor Ort in die Hand bekamen, rundet die Sache ab.

MEK 3.0? Am besten nächste Woche.

Weiterlesen


Die Projektseiten in der Wikipedia: WIKI goes MEK! 2.0

Die Darmstädter Madonna, deren Artikel im Rahmen dieser Veranstaltung verbessert wurde, haben wir in Berlin auch schon einmal besucht: Allein mit der Madonna zum Hasen.

Auch GLAM - ähnlich cool, wenn auch ganz anders, war die Veranstaltung mit der Jules-Verne Gesellschaft in Braunschweig.

Alltagskultur in Dahlem. Da fallen mir als erstes die historischen Tänze der Ü300-Parties ein. Oder natürlich die Schwimmhalle Hüttenweg.

 Alle Kultur-Posts in Iberty. Kultur in Iberty!

Vegan Straight Edge in der Wikipedia

14:25, Saturday, 19 2019 January UTC

Eine gelöschte Schlachteplatte führte mich in die Vergangenheit zu zwei rundlichen Herren mit Schnauzbart auf dem Straight-Edge-Konzert. Der Wikipedia-Schreibwettbewerb sorgte dafür, dass ich nachträglich noch beeindruckt von Nirvana war. Ich verstehe Widersprüche, die ich mit 19 einfach so hingenommen hatte:

„Vegan Straight Edge, Eigenbezeichnung auch xVx, oder VSxE war eine Szene innerhalb der Punk/Hardcoreszene. Leitsätze der Szene waren "kein Alkohol, keine Drogen, keine tierischen Produkte". Sie entwickelte sich Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre aus der Straight-Edge-Szene, als diese zunehmend auch vegane Ernährung propagierte und sich politisch für Tierrechte engagierte.“

Dieser Satz steht seit einigen Wochen in der Wikipedia. Er steht dort als Einleitung zum Artikel [[Vegan Straight Edge]], den ich Anfang März 2018 zu schreiben begann. Der Artikel befindet sich schon länger im Stadium des Unfertigen, denn ich habe Probleme. Gab es Vegan Straight Edge wirklich als abgrenzbare Szene? Oder war es eine Szene oder doch zwei verschiedene in den USA und Europa? Kann man sie klar genug vom restlichen Straight Edge trennen? Um die Frage, auf die Rechtschreibung einzudampfen: war es vegan Straight Edge oder Vegan Straight Edge?


Wurstbruehe
Wurstbrühe beim Kochen (Hausschlachtung) von: Jens Jäpel Lizenz: Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“

Fragen über Fragen, die eigentlich nur entstanden, weil sich in der Wikipedia ein linksbewegter Autor und ein landwirtschaftsnaher Autor in einen epischen Streit über Schlachteplatten und Massentierhaltung hineinbewegten. Schließlich kamen beide zum Schreibwettbewerb. Beim Wikipedia-Schreibwettbewerb schreiben Autoren in einem Zeitraum von einem Monat zu einem bestimmten Thema. Eine Jury aus Wikipedianern bewertet den besten Artikel. Die meisten Preise stammen von anderen Wikipedianern und bewegen sich im Rahmen zwischen selbstgemachter Marmelade und Buch-Gutscheinen.

Youth of Today at SO36 (2010)
Youth of Today (2010). von: Libertinus Yomango Lizenz: r Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch“ (US-amerikanisch)

In diesen Wettbewerb nun gerieten die beiden Autoren und eskalierten beim Schreibwettbewerb weiter. Schließlich führte es dazu, dass der eine Autor eine Schlachteplatte als Preis für den besten Artikel mit Veganismus-Bezug aussetzte. Der andere lief kreischend und hyperventilierend um den virtuellen Block lief. Ich dachte „Hausgemachte Schlachteplatten sind super, Veganismus ist spannend. Gerade den veganen Punk-Tierrechtler bin ich schon oft genug in der Realität über den Weg gelaufen. Es wird Zeit, einen Wikipedia-Artikel zu schreiben!“ Die ersten Recherchen sprachen für das Thema: es gibt Autoren, die Vegan Straight Edge als eigene Szene sehen.



Der Schlachteplatten-Preis für den Schreibwettbewerb verschwand kurz darauf nach Intervention der Wikipedia-Administratoren, und mit dem Thema tue ich mich schwerer als gedachte. Aber nun hänge ich drin.   

Straight Edge? Vegan? Hardcore?


Erst war Punk. Dessen Geschichte wurde viele Male erzählt und soll hier vorausgesetzt werden. Aus Punk entwickelte sich Anfang der 1980er in Washington, D.C. die Musikrichtung Hardcore – oder harDCore: musikalisch schneller als Punk und stilistisch alle Überbleibsel des Glamrocks hinter sich lassend. Junge Männer mit sehr kurzen Haaren, in Kapuzenpullis und Chucks spielen präzise sehr schnelle und sehr kurze Gitarrensongs.


Out of Step - der eine definierende Song auf den sich alle Hardcore-Anhänger einigen können. Man beachte auch das schwarze Schaf ganz am Ende.


Fast gleichzeitig mit Hardcore entwickelte sich die Straight-Edge-Bewegung. Straight Edge heißt mindestens „kein Alkohol und keine Drogen“, konnte aber noch um beliebige "No"s erweitert werden: Kein Sex, kein Kaffee, kein Fleisch, keine Milch, kein Leder, kein was auch immer. Eine Jugendbewegung, deren Hauptmotiv der Verzicht war. Wenig überraschend eigentlich, dass ein signifikanter Teil der Bewegung dann vegan wurde.


Rundliche Männer


Ich persönlich denke bei Straight Edge immer an alte, rundliche Männer, eigentümlich wie es ist. Als Randbewohner des Punk-Hardocre-Universums war mir Straight Edge ein Begriff. Aber mir wirkte es zu elitär. Und auch wenn wir alle in der Gymnasium-Langenhagen-Gang nicht viel tranken und vielleicht alle paar Monate mal kifften – Drogen ablehnen aus Prinzip war nie mein Ding. Straight Edge kannte ich aus den üblichen Szeneheften wie dem ZAP oder all‘ den Punk-Fanzines. Aber wirklich in der Szene war ich nie.

Dann war da dieses Straight-Edge-Konzert im Jugendzentrum Langenhagen. Bands, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere, spielten mittelmäßigen Hardcore. Im Publikum tobten sich hunderte schmächtiger, pickliger Jungen in Hoodies und Turnschuhen aus, die alle ein großes X auf der Hand hatten und so böse schauten wie man mit 17 Jahren und 50 Kilo Lebendgewicht halt schauen kann.

Dann waren noch ein paar Dauer- und Stammgäste des Jugendzentrums anwesend, um die 20.  Und im Gang standen diese beiden Männer, die offensichtlich niemanden kannten. Sie waren um die 40, Schnauzbart, klein, rundlich, Hemd und Jacke. Die Schnauzbartträger hatten sich ein großes X auf die Hand gemalt – als wären Sie direkt einer Comedyserie über schlecht getarnte Zivilpolizisten entstiegen. Seitdem denke ich bei Straight Edge immer an rundliche kleine Männer mit Schnauzbart.


Straight Edge und die Polizei


Nun war es nicht überraschend, dass die Polizei auf diesem Konzert auftauchte. Ausgerechnet diese verhärmten Jünglinge standen mindestens im Verdacht, staatsgefährdende Straftaten zu planen. Drogen wurden auf Straight-Edge-Konzerten natürlich weder gehandelt noch konsumiert. Dafür war die Szene weltweit latent gewaltaffin, in Europa auch eng mit Autonomen, Linksradikalen und radikalen Tierbefreiern vernetzt.

Jugendzentrum Glocksee seitlich
Unabhängiges Jugendzentrum Glocksee (2010). Autor: AxelHH Lizenz: Public Domain

Die Auftrittsorte waren hier, wie im Jugendzentrum Langenhagen, fast immer ehemals besetzte Jugendzentren oder autonome Jugendzentren wie das UJZ Kornstraße in Hannover oder das Glocksee in Hannover oder gleich ganz besetzte Häuser. Politik, Hardcore und Straight Edge hingen für mich immer zusammen. (wie dem auch heute noch ist: wie man jedes Jahr auf dem Resist to Exist in Kremmen sehen kann.)

Für mich waren Punk – Autonome – Hardcore – Besetzte Jugendzentren – sXe – Emocore immer eins – mit verschiedenen Abstufungen und verschiedenen Ausprägungen: aber letztlich dieselbe Szene, deren Mitglieder den Anspruch hatten, die Welt so abzulehnen wie sie ist und eine bessere Welt zu schaffen.

Umso mehr verwirrten mich Bands wie Youth of Today, Cro-Mags oder auch Earth Crisis, die zwar auch echte in der Szene anerkannte Hardcore-Bands waren, aber so unpolitisch bis christlich konservativ – deren Message ich nie verstand. Das war musikalisch nicht viel anders als europäischer Straight Edge, auch mit diesem Weltverbesserungsmessianismus, aber auf eine eigenwillige Art unpolitisch. „Wir wollen die Welt verbessern, können aber nicht sagen, was das Problem ist.“ Manchmal erinnert mich das heute an das Silicon Valley. Wahrscheinlich liegt es gar nicht soweit auseinander.


USA und Europa


Für die Wikipedia-Recherche bin ich das erste Mal gründlich in die Geschichte der Hardcore-Szene vorgedrungen. Bisher hatten da neben den eigenen Erfahrungen und den unzähligen gelesenen Fanzines als Buch Martin Büssers „If the Kids are United“ ausreichen müssen. Nun kamen aber diverse Bücher aus der Berliner Stadtbibliothek hinzu, halbveröffentlichte Bücher in Google Books, digitalisierte Fanzines, Doktorarbeiten und sonst noch alles was da Internet zu bieten hatte.

Da ging mir etwas auf: Hardcore ist größer. Während in Europa und Lateinamerika immer der Zusammenhang Politik-Hausbesetzer-Punks-Hardcore existierte, war das in den USA anders. Gerade die prägende Bands Minor Threat und Fugazi waren nun sehr politisch im europäischen Sinn. Aber viele andere Größen des US-Hardcores übten sich in Jock Culture wie es heißt. Männer, die sich selber ausleben wollen und wenig sonst. Mit ungerichteter Aggressivität, sich manchmal gegen industrielle Tierproduktion richtete, oft genug gegen die eigene Szene.

Die Szene in den USA entwickelte sich unter anderen Voraussetzungen. So gab es dort nie wirklich besetzte Häuser. Die Bands spielten in kommerziellen Clubs, oft zusammen mit anderen Rockbands oder in Washington, D.C. mit Go-Go-Bands. Die linke Szene in den USA war kleiner und abgeschotteter. Konnte man in meiner deutschen Schulzeit gar nicht anders, als sich politisch zu positionieren, wäre der Gedanke sich als Jugendlicher ernsthaft mit Politik zu beschäftigen in großen Teilen der USA geradezu bizarr gewesen. US-Punk und dann US-Hardcore entwickelten sich in einem luftleeren Raum, in mehr oder weniger kommerziellen Clubs. Vegetarismus und Veganismus stießen in großen Teilen der Szene auf ein inhaltliches Vakuum, um so mehr und einfacher konnten sie sich als herrschende Ideologien verbreiten.


Veganismus


Vegetarisch und Vegan wurden Straight Edger und Hardcorler Ende der 1980er. Während einzelne Szeneangehörige schon früher vegetarisch waren, thematisierten Youth of Today im Song No More und die Gorilla Biscuits mit dem Song Cats and Dogs das Thema. Danach entwickelte sich die Sache ziemlich schnell. Es gab Bands wie die Cro Mags oder Earth Crisis, die sich als vegan Straight Edge verstanden.

Sie und ihre Anhänger entwickelten sich schnell hin zum Hardline: militante Tierschützer, die auch aggressiv gegen andere Punks und Hardcore’ler vorgingen, solange sie nicht den strikten Lebensvorstellungen der Hardliner folgten. Da war die einst offene, kreative Szene zu einer Art Sekte geworden. Menschen, die sich als Vegan Straight Edge verstanden, gab es. Aber gab es sie lange genug, um von einer eigenen Szene zu sprechen?

In Europa hingegen, war Veganismus in der Szene immer nur ein Teilaspekt, eingebettet in allgemeine Weltrettung und Kapitalismuskritik. Tatsächlich veganes und vegetarisches Essen war wahrscheinlich verbreiteter, da es oft zum Standard wurde. Die Übergänge allerdings waren dadurch auch fließender.

Und nun geht es mir, wie oft, wenn man mehr zu einem Thema weiß: ich bin ahnungsloser als je zuvor. Es gab vegane Straight Edger. Und zumindest zeitweise haben die sich auch bewusst von den Nicht-veganen abgesetzt. Für Wikpedia reicht es: es ausreichend gibt Literatur, die Vegan Straight Edge (mit "V") beschreibt und selbst unangemeldete Wikipedia-Autoren behaupten, dass es es diese Bewegung noch gibt. Aber waren diese wirklich geschlossen genug für eine eigene Szenedefinition und einen guten Wikipedia-Artikel über sie?

Ausblick: Washington, D.C.


Während ich beim Thema Vegan Straigt Edge ratloser bin, als vor dem Beginn der Recherche, hat sie mir auch neue Welten geöffnet. Washington, DC – die Szene, die vermutlich der europäische Szene am ähnlichsten war. Mit Ian MacKaye als Überfigur, der früh begriff, dass man eigene Labels und Strukturen aufbauen muss, mit der Crew um Dischord Records und mit der sozialen Organisation Positive Force, die der Szene nahestand. Washington wies lange Zeit ein lebendige Szene auf, die im engen Austausch mit dem Vor-Grunge-Hype-Seattle stand.

Eine Szene in Washington, die sich früh politisch verstand – sehr ungewöhnlich für US-Punk – früh Frauen in wichtigen Rollen zuließ; eine Szene in der beispielsweise der 15jährige Dave Grohl (von späterem Nirvana und Foo Fighters Fame) seine ersten Auftritte absolvierte, die Bad Brains – als Reggae-beeinflusste Band – prägend war, und in der auch Bikini Kill und die frühen Nirvana zu ständigen Gästen gehörten. Dann auch die Szene in Washington State um Seattle: uns ja eher bekannt als diejenigen, die Grunge kommerziell und populär machten - hier bestand eine echte, kreative, politische Punk-Szene bevor MTV sie entdeckte. Und in beiden Washingtons: eine Szene mit Dutzenden Fanzines, vermutlich hunderten Bands, die in Bewegung war, sich neu formierte, Sachen ausprobierte und sie wieder verwarf.  

Bands, die ich dabei entdeckte, waren:

Scream mit dem damals 15-jährigen Dave Grohl und der faszinierenden Erkenntnis, was für Langhaarmatten man in den 1980ern auch im Hardcore trug:



Oder Bratmobile, die zur ersten Runde gehörten als die Szene endlich auch Frauen zuließ und diese eigene Bands gründeten:



Vor allem aber entdeckte ich die Go-Go-Szene. Man stelle sich eine Art frühen Hip Hop in funky mit Congas und Bläsersätzen vor. Aber dazu später mehr.

Beim Schreibwettbewerg gewann ich zu recht nichts, da der Wikipedia-Artikel in einem Limbo hängt. Aber ich entdeckte mindestens drei spannende Szenen. Und sehe Helden oder Nicht-Helden meiner Jugend mit anderen Augen. Und das alles nur wegen eines Schlachteplattenstreits.

Weiterlesen


Der unfertige Wikipedia-Artikel zum Thema Vegan Straight Edge.

Zwei Bücher, die mir vieles erklärten:



Marc Andresen / Mark Jenkins: Punk, D.C. Ventil Verlag 2006 (im Original: Dance of Days, Akashic Books 19929. Bericht aus der Szene nach Lektüre zahlreicher Poster und Fanzines. Einerseits mit mehr Detailinfos zu Bands und Orten als ich je haben wollte, aber von den selbst-beteiligten Autoren auch stets auf der Suche nach dem Spirit, der alles zusammenhielt.

Roger Gastman "Pump Me Up. DC subCulture of the 1980s". Ausstellungskatalog zu einer Ausstellung über den Graffiti-Sprayer Cool "Disco" Dan - mit einem breiten Rundumschlag zu allem was in den 1980ern subkuturell in Washington los war. R. Rock Enterprises 2013.

Wie es damals war im Jugendzentrum Langenhagen schrieb ich in Kleinstadt Antifa, 1994

Was der Hardcore-Punk heute so macht, lässt sich auf dem Resist to Exist besichtigen.

Alle Posts zu Politik und Kultur in Iberty liegen unter: Kultur in Iberty!

Allein mit der Madonna zum Hasen

11:28, Tuesday, 27 2018 November UTC
Darmstadtmadonna

Darmstädter Madonna
Hans Holbein der Jüngere, 1526/1528
Öl auf Nadelholz (?), 146,5 × 102 cm
Sammlung Würth, Johanniterhalle (Schwäbisch Hall)

Wikipedia-KNORKE erwähnte ich ja an dieser Stelle schon einmal. Berliner Wikipedianerinnen und Wikipedianer treffen sich und erkunden zusammen eine ihnen unbekannte Gegend. Soweit so üblich. Diesmal jedoch gab es etwas besonderes: Auf ins Museum!

In Berlin gastiert gerade die Darmstädter Madonna, ein 1526 entstandenes Gemälde von Hans Holbeim dem Jüngeren. Diese Madonna hat eine bewegte Lebens- und Reisegeschichte, ist eines der bedeutendsten deutschen Gemälde des 16. Jahrhunderts und kann Menschen auch über Jahre faszinieren. Wunderbar, wenn man eine kundige Bilderklärung der Autorin des exzellenten Wikipedia-Artikels dazu bekommt.

Wir trafen uns einige Minuten vor der Öffnung in kleiner Gruppe vor dem Bode-Museum und konnten - da alle Anwesenden über eine Jahreskarte verfügten - auch sofort zur Madonna und zur Sonderausstellung "Holbein in Berlin" begeben. Der Raum war noch leer, die Museumswachmannschaft ließ freundlicherweise die leise aber engagiert redende Gruppe gewähren. Ein einziger Saal, in dessen Mittelpunkt die Madonna hängt. Links davon einige Holbein-Teppiche, ansonsten weitere Bilder und Zeichnungen von Holbein, Inspiratoren und andere Madonnen. Nicht überladen, sinnvoll aufbereitet und mit einem klaren Konzept - eine der besseren Kunstausstellungen.



Und dann ging es los: Es begann mit Schilderungen von der bewegten Entstehungszeit zur Zeit des Basler Bildersturms im Auftrag des Basler Ex-Bürgermeisters Jakob Meyer zum Hasen. Die Aussage des Bildes traditioneller Marienfrömmigkeit in Zeiten der Reformation war Thema, ebenso natürlich wie der Teppich und seine Falte. Wir staunten über die Eigentümlichkeit, dass sich niemand auf dem Gemälde eigentlich anschaut und wurden über dden Unterschied zwischen Schutzmantelmadonnen und Stifterbildern aufgeklärt. Vermutungen tauchten auf, wo das Bild wohl im Original hing - vermutlich in der Martinskirche als Epitaph - und wir verfolgten gedanklich seine Wanderung aus Basel über den Grünen Salon im Berliner Stadtschloss bis hin zum Hause Hessen und das Frankfurter Städelmuseum bis hin zum spektakulären Verkauf an die Privatsammlung Würth. Die Meinungen über die Sammlung Würth in der Gruppe waren durchaus geteilt, ebenso wie die richtige Benennung des Bildes: ist es nun eher die Darmstädter Madonna oder eher die Madonna des Bürgermeisters Jakob Meyer zum Hasen?

Über die Darmstädter Madonna ging es dann zur Dresdner Madonna und einem der prägenden Momente deutscher Kunstgeschichte: dem Dresdner Holbeinstreit. Im 19. Jahrhundert wurde es den Menschen bewusst, dass es zwei fast identische Holbein-Madonnas gab und nur eine die echte sein konnte. In einer großen Ausstellung, unter lebhafter Anteilnahme der Öffentlichkeit und erregten Debatten der Experten entschieden sich die Kunsthistoriker schließlich für das Darmstädter Gemälde. Eine Sensation,  da die Kunstkennerschaft vorher felsenhaft von der Originalität des Dresdner Gemäldes ausging. Hier zeigte sich erstmals das Bemühen, um eine rein sachlich, objektive Abwägung der verschiedenen Gesichtspunkte - der Dresdner Holbeinstreit ist einer der Ausgangspunkte um die Kunstwissenschaft als Wissenschaft zu etablieren. Und - wie sich später herausstellte - lag die Kunstwissenschaft auch in diesem ihren Anfangsurteil richtig; sämtliche mittlerweile vorhandenen naturwissenschaften Verfahren die Darmstädter Madonna als die originale der beiden bestätigten.

Erkenntnisse am Rande: eine weitere Kopie des Gemäldes (beziehungsweise eine Kopie der Kopie - es stellt aus unerfindlichen Gründen das Dresdner Exemplar dar) hat sich in das Set des James-Bond-Filmes "Man lebt nur zweimal verirrt".

Holbein, Hans - Georg Gisze, a German merchant in London
Hans Holbein der Jüngere: Bildnis des Danziger Hansekaufmanns Georg Gisze in London, 1532. Eichenholz, 96,3 × 85,7 cm. Gemäldegalerie Dahlem der Staatlichen Museen zu Berlin – Preussischer Kulturbesitz

Und nachdem wir dann auch noch gerätselt hatten, wer die beiden Knaben unterhalb der Madonna sind, den verschwundenen Haaren der Tochter nachspürten und weiter über den Teppich in der Renaissancemalerei sinniert hatten, kamen wir dann nach knapp einer Stunde noch zu Georg Giesze. Giesze (auch Georg Giese) ist Titelheld in einem anderen Holein-Hauptwerk, das praktischerweise fünf Meter weiter links hing. Wieder mit Teppich und nun auch noch mit Glas, Metall, Bücherregalen und Briefen. Gedanklich begleitete wir Holbein dann weiter von Basel nach Antwerpen und London. Mittlerweile hatte sich der Raum etwas gefüllt. Nachdem wir dann noch den Weg aus dem Museum gefunden hatte (wie immer im Bodemuseum nicht ganz einfach und jedes mal findet man zwischendurch neue Säle) folgte noch ein erschöpfter Abschlusskaffee.

Eine Stunde fast allein mit der Madonna. Und immer noch Neues zu entdecken.

Gab es in der DDR Spaghetti?

09:10, Tuesday, 28 2018 August UTC

Eine der schöneren unbekannten Ecken der Wikipedia ist die Seite zur Auskunft. Dort können Menschen mögliche und unmögliche Fragen stellen, die dann mal launisch, mal larmoyant, mal ernsthaft oder auch gar nicht beantwortet werden. Wie im wahren Leben und eine ewige Fundgrube obskuren Wissens, seltsamer Fragestellungen und logischen Extremsports.

Conrad, Giorgio (1827-1889) - n. 102 - Scena di genere
Nicht die DDR. Bild: Giorgio Conrad (1827-1889) - Mangiatori di maccheroni. Numero di catalogo: 102.



Dort nun fragte vor ein paar Tagen ein unangemeldeter Nutzer:

 "Warum gab es in der DDR eigentlich nur Makkaroni (die in Wirklichkeit Maccheroncini waren), aber keine Spaghetti? Das erscheint mir nach Lektüre einiger Bücher aus der DDR so gewesen zu sein und ist mir auch so von meiner aus Ex-DDR-Bürgern bestehenden Verwandtschaft bestätigt worden. Warum?"

Es folgte eine längere und mäandernde ausgiebige Diskussion, die immerhin folgendes ergab:

* Anscheinend gab es in der DDR Spaghetti, zumindest erinnerten sich einige der Diskutanten an derartige Kindheitserlebnisse.
* Ob Spaghetti so verbreitet waren wie Makkaroni oder Spirelli, darüber bestand Uneinigkeit.
* Die Nudelsaucensituation war in Berlin besser als im Rest der DDR.
* Die DDR allgemein pflegte in vielerlei Hinsicht traditionellere Essgewohnheiten als Westdeutschland, die Küche der DDR ähnelte in vielem mehr der deutschen Vorkriegsküche als dies für die westdeutsche Küche gilt.
* In Vorkriegszeiten waren Makkaroni verbreiteter als Spaghetti.
* Schon bei Erich Kästner wurden Makkaroni gegessen
* Der Makkaroni-Spaghetti turn im (west-)deutschen Sprachraum war Mitte der 1960er
* Schuld könnten wahlweise das mangelnde Basilikum, die mangelnde Tomatensauce, überhaupt mangelnde Kräuter, Italienreisen, Gastarbeiter, Miracoli oder auch was ganz anderes sein.
* Klarer Konsens im Rahme: Sahne gehört keineswegs in Sauce Carbonara!


Mirácoli noodles with sauce
Gab es in der DDR nicht: Miracoli. Bild: Miracoli-Nudeln mit Mirácoli-Soße von Kraft. Von: Brian Ammon, Lizenz: CC-BY-SA 3.0
 
Daneben tauchten eine ganze Menge Kindheitserinnerungen auf an exotische Spaghettimahlzeiten mit kleingeschnittenen Spaghetti, Ketchup-basierter Tomatensauce und anderen kulinarischen Exotika des geteilten Deutschlands.

Einige Antworten, viel mehr Fragen:
* seit wann wird in Deutschland überhaupt Pasta gegessen?
* wie lange schon ist Tomatensauce verbreitet?
* seit wann essen westdeutsche Spaghetti?
* Und wer ist Schuld? Die Gastarbeiter? Die Italienurlauber? Miracoli?
* Und wie kommen eigentlich die Löcher in die Makkaroni?

Also verließen wir dann erst einmal die Auskunft und die dortige Diskussion und betrieben etwas weitere Recherche. Das heimische "Kochbuch der Haushaltungs- und Kochschule des Badischen Frauenvereins", veröffentlicht 1913 in Karlsruhe, kennt sowohl Makkaroni wie auch Spaghetti. Ungewohnt für heute: die Makkaroni werden in "halbfingerlange Stückchen gebrochen" und dann 25 bis 30 Minuten gekocht.

Neben den diversen Makkaroni-Gerichten gibt es auch einmal Spaghetti. Die Priorität ist klar. Spaghetti werden erklärt als "Spaghetti ist eine Art feine Makkaronisorte. Beim Einkauf achte man darauf, daß sie nicht hohl sind"

Die "Basler Kochschule. Eine leichtfaßliche Anleitung zur bürgerlichen und feineren Kochkunst" von 1908 kennt keine Spaghetti aber diverse Gericht mit "Maccaronis". Darunter sogar schon die Variante "a la napolitaine" mit Tomatensauce.

Weitere Recherche. Weitere Erkenntnisse bringt das Buch "Meine Suche nach der besten Pasta der Welt: Eine Abenteuerreise durch Italien", das die Ankunft der Makkaroni in Deutschland auf das frühe 18. Jahrhundert verlegt. Die 1701 nachweisbaren "Macronen" waren wohl eher Lasagne, aber Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden in Prag und Wien echte Makkaroni-Fabriken.

Die Pasta folgte anscheinend den jungen Männern der Grand Tour aus Italien in das restliche Europa. Bestimmt waren die Grand Tours für junge Männer, die mal etwas von der Welt sehen und klassische europäische Bildung mitbekommen sollten, die auf der Tour aber anscheinend nicht nur Statuen und Kirchen kennenlernten, sondern auch Pasta.

Philip Dawe, The Macaroni. A Real Character at the Late Masquerade (1773) - 02
Der Macaroni. Der Hipster seiner Zeit. Bild: Philip Dawe: The Macaroni. A Real Character at the Late Masquerade, 1773.

In England gab es sogar einen eigenen Modestil Macaroni für exaltierte junge Männer - "a fashionable fellow who dressed and even spoke in an outlandishly affected and epicene manner". Die englische Wikipedia schreibt dazu lakonisch: "Siehe auch: Hipster. Metrosexuell." Komplett falsch wäre wohl auch die Assoziation zur Toskana-Fraktion nicht.

Nach diesen extravagant und auffallend auftretenden jungen Männern ist nun wiederum im Englischen der Macaroni penguin - auf deutsch der Goldschopfpinguin - benannt.


Macaroni Penguin at Cooper Bay, South Georgia (5892387033)
Makkaroni-Penguin. Benannt nach dem Stil, nicht nach den Nudeln. Bild: Macaroni Penguin at Cooper Bay, South Georgia von Liam Quinn, Lizenz: CC-BY-SA 2.0

Wie aber kommen nun die Löcher in die Makkaroni? Und seit wann? Licht in dieses Dunkel bringt die "Encyclopedia of Pasta." Diese lokalisiert die Entstehung der maschinellen Pastafertigung - die für Makkaroni in zumutbarer Menge unvermeidlich ist - in die Bucht von Neapel in das 16. Jahrhundert. Dort existerte eine Heimindustrie mit Mühlen, an die sich relativ problemlos eine im 16. Jahrhundert aufkommende ’ngegno da maccarun anschließen lies, die es den Neapolitanern ersparte stundenlang im Teig herumzulaufen, um ihn zu kneten: im Wesentlichen Holzpressen mit einem Einsatz aus Kupfer, je nach Form des Einsatzes entstehen verschiedene Nudelsorten und damit unter anderem Makkaroni. Die Makkaroni wurden dann in langen Fäden zum trocknen in die süditalienische Sonne gehängt.


Sommer, Giorgio (1834-1914) - n. 6204 - Napoli - Fabbrica di maccheroni
Neapel, 19. Jahrhundert. Bild: Giorgio Sommer (1834-1914), "Torre Annunziata-Napoli - Fabbrica di maccheroni". Fotografia colorita a mano. Numero di catalogo: 6204. 

Das hat alles nicht mehr wirklich etwas mit Spaghetti und der DDR zu tun, beantwortet nicht, warum die Deutschen in den 1960ern plötzlich lieber Spaghetti als Makkaroni mochten, oder warum die Makkaroni bei ihrem ersten Zug über die Alpen die Tomatensauce in der Schweiz ließen? Warum gibt es in Deutschland kein Äquivalent zu "Macaroni and cheese" (mehr)? Gab es ein Miracoli-Äquivalent in der DDR, bei dem es Pasta, Sauce und Käse schon in einer Packung gab? Warum sind Makkaroni in Deutschland tendenziell lang und dünn in vielen anderen Ländern aber dicker und hörnchenförmig-gebogen? Es ist hochspannend. Und ein Grund, noch viel mehr zu recherchieren.

Wikipedia von A bis Z. Ein Versuch

07:42, Wednesday, 08 2018 August UTC

Brockhaus


Die Brockhaus Enzyklopädie ist ein mehrbändiges Nachschlagewerk in deutscher Sprache, das zuletzt von dem zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Wissen Media Verlag herausgegeben wurde. Ist es ein Nachschlagewerk? War es ein Nachschlagewerk? Seit einigen Jahren befindet sich der Brockhaus in einer Art Limbo des Untotseins. Irgendwie existiert er noch. So richtig aber auch nicht mehr. Ohne jetzt die Irrungen und Wirrungen des ehemaligen Goldstandards der deutschen Nachschlagewerke nachzuerzählen, reicht es mir zu erwähnen, dass noch vor 10 Jahren der Brockhaus quasi das unerreichbare Ziel, die große Messlatte und die ferne Vision dessen war, was Wikipedia werden sollte. Genau wie Wikipedia den Brockhaus anscheinend maßlos überschätzte, so war und ist der Brockhaus selbst ratlos wie er mit der Wikipedia umgehen sollte. Man weiß nicht, ob man von vertanen Chancen reden soll. Denn hatte der Brockhaus je Chancen?

Chiara Ohoven


Chiara Ohoven

Chiara Ohoven ist ein deutsches It-Girl. Viel mehr wissen wir nicht, da Wikipedia den zu Chiara gehörigen Artikel permanent löscht. Vor einigen Jahren erlangte sie kurzzeitig deutschlandweite Berühmtheit durch eine Do-it-Yourself Schönheits-OPs mit Schlauchbootlippen als Ergebnis, fand aber vor den Do-it-Yourself-Enzyklopädisten damit keine Gnade. Ansonsten folgt Chiara ihrer Mutter und ihrem Vater auf das Parkett der High Society und des Glamours. Und da kein Wikipedianer je zur High Society gehörte oder gehören wird, gilt sie in Wikipedia weiterhin als nicht-relevant.

Donauturm




Der Donauturm ist ein Aussichtsturm[4] inmitten des Donauparks im 22. Wiener Gemeindebezirk Donaustadt. Darüberhinaus sieht der Donauturm aus wie ein Fernsehturm, was zu einem der erbittertsten Editwars in der Wikipedia-Geschichte führte. Dort der Fachmensch für Fernsehtürme, der sich sehr sicher war, dass Fernsehturm die Bezeichnung eines bestimmten architektonischen Typs ist, dort eine Gruppe Wiener und Österreicher, die darauf verwiesen, dass von diesem Turm kein Fernsehsignal übertragen wird, noch nie ein Fernsehsignal übertragen wurde und niemand je plante von diesem Turm aus ein Fernsehsignal zu übertragen. Beide Seiten standen fester zu ihrem Standpunkt als der Donauturm im Wiener Boden. Schlußendlich führte der Editwar zu einem mehrseitigem Artikel im Spiegel, gebrochenen Herzen, frustrierten Wikipedianern und der Tatsache, dass jeder Wikipedianer weiß wie der Donauturm aussieht.


Elian


Elian ist ein in den 1980er Jahren aus dem Französischen entlehnter männlicher Vorname. Er geht auf den Beinamen Aelianus, eine Ableitung des römischen Geschlechternamens Aelius, zurück. elian (klein geschrieben und gesprochen eher wie Alien) kann auch als weiblicher Internetnickname genutzt werden. Ohne elian keine Wikipedia so wie wir sie kennen.

Gdansk


Glenn Danzig at Wacken Open Air 2013 02

Danzig (polnisch Gdańsk Zum Anhören bitte klicken! [ɡdaɲsk],[3] kaschubisch Gduńsk), die Hauptstadt der Woiwodschaft Pommern im Norden von Polen, liegt an der Ostsee rund 350 km nordwestlich von Warschau und steht mit über 460.000 Einwohnern auf der Liste der bevölkerungsreichsten Städte Polens auf Platz sechs. Außerdem ist Gdansk Anlass des ersten Edit Wars, den ich persönlich mitbekommen habe. Es war 2003. Es war in der englischen Wikipedia. Deutsche und polnische Nationalisten ähnlicher Angestrengtheit konnten sich nicht einigen, ob die Stadt nun Danzig oder Gdansk heißt. Hilflos naive und offensichtlich überforderte Amerikaner versuchten zu vermitteln. Der interessante Moment kam, als der Edit-War zur Frage überging, ob die Band Danzig nun "benannt ist nach der Stadt Gdansk, ehemals Danzig" oder "benannt ist nach der Stadt Danzig, heute Gdansk".


Hubertus


Hubertus ist ein männlicher Vorname. Er wird NICHT Atze abgekürzt.

Kreuz


Curious Myths p 81
Bild: Page of symbols referenced in s:Curious Myths of the Middle Ages. 1868 von Sabine Baring-Gould. Public Domain.

Das Kreuz ist ein weltweit verbreitetes Symbol, das insbesondere religiöse und kulturelle Bedeutung hat. In diesen Bedeutungen hat sich Wikipedia unentrinnbar verheddert. Einerseits ist das Kreuz-Symbol ein wunderbares Beispiel dafür, welche Probleme das Internetprojekt mit Ambivalenzen und Mehrdeutigkeiten jeder Art hat. Andererseits ist der Streit darum ein tragischer Fall epischen Ausmaßes, der die Wikipedia-Community über Jahre in Aufregung hielt, die Nerven dutzender Wikipedianer verschliss und für Verzweiflung und Frustration allüberall sorgte. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: das Kreuz ist natürlich DAS Symbol des Christentums und symbolisiert Jesu Tod. Daraus folgend wurde † zum Symbol für den Tod. Das † kommt in der Wikipedia in Lebensdaten vor. (Beispiel: * 1600 †1666). Nun waren und sind sich die Wikipedianer nicht einig, ob †ein Symbol ohne jede Bedeutung ist, die einfach Standard ist, oder ob es immer noch christlich konnotiert ist. Bei Artikeln zu Menschen nicht-christlichen Glaubens kam und kommt es zum Streit. Ist das Kreuz nun eine christliche Usurpation von Nicht-Christen oder ist der Versuch deren Tod anders darzustellen - beispielsweise durch "gestorben 1666" ein Verbrechen an enzyklopädischer Neutralität und verstößt gegen die Einheitlichkeit der Form, die anzustreben ist? 

Lutz Heilmann


Siehe → Streisand-Effekt

Narrenschiff 


Das Narrenschiff (alternativ: Daß Narrenschyff ad Narragoniam) des Sebastian Brant (1457–1521), 1494 gedruckt von Johann Bergmann von Olpe in Basel, wurde das erfolgreichste deutschsprachige Buch vor der Reformation. Es handelt sich um eine spätmittelalterliche Moralsatire, die eine Typologie von über 100 Narren bei einer Schifffahrt mit Kurs auf das fiktive Land Narragonien entwirft und so der Welt durch eine unterhaltsame Schilderung ihrer Laster und Eigenheiten kritisch und satirisch den Spiegel vorhält. Im Wikipedianischen Zusammenhang war das Narrenschiff eine Art Mitteilungsblatt des Hans Bug, in dem er die Wikipedianer und ihre Laster und Untaten kritisierte. Bugs Narrenschiff war inhaltlich und qualitativ von Sebastian Brants Narrenschiff entfernt, wie es heutige Nachwuchswikipediakritiker von Bugs Narrenschiff sind. Wenn etwas in den letzten Jahren extrem gelitten hat, dann das Niveau der internen Wikipedia-Kritik.

München


Wp-stammtisch-muc-2005-10-27 18
Bild: Wikipediastammtisch München 2005. Von: Hella Breitkopf Linzenz: CC-Attribution-Share Alike 3.0 Unported

München?/i [ˈmʏnçn̩] ( bairisch  Minga?/i) ist die Landeshauptstadt des Freistaates Bayern. Sie ist mit ca. 1,45 Millionen Einwohnern die einwohnerstärkste und flächengrößte Stadt Bayerns und, nach Berlin und Hamburg, die nach Einwohnern drittgrößte Kommune Deutschlands und die zwölftgrößte der Europäischen Union. Wikipedia-historisch ist München wichtig, da hier am 28. Oktober 2003, organisiert von → elian, das allerallererste Wikipedia-Treffen überhaupt stattfand. Und nachdem sich die Münchner einmal getroffen hatten und feststellen, dass es gar nicht so schlimm ist, folgten Treffen in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, Boston, Taipeh, Alexandria bis es dann 2014 zum bisher größten Treffen in London mit knapp 2.000 Teilnehmern kam. Siehe auch → Wikimania, Stammtisch.


Nordsee


Die Nordsee ist ein Mehr, ein teil der Atlant, zwischen Grossbritannien, Skandinavien, und Friesland. Siehe auch Kattegatt, die Niederlanden, Deutschland.


Relevanz 


Relevanz (lat./ital.: re-levare „[den Waagebalken, eine Sache] wieder bzw. erneut in die Höhe heben“) ist eine Bezeichnung für die Bedeutsamkeit und damit sekundär auch eine situationsbezogene Wichtigkeit, die jemand etwas in einem bestimmten Zusammenhang beimisst. Das Wort ist der Bildungssprache zugeordnet[1] und bezieht sich auf Einschätzungen und Vergleiche innerhalb eines Sach- oder Fachgebietes. Das Antonym Irrelevanz (Adjektiv: irrelevant) ist entsprechend eine Bezeichnung für Bedeutungslosigkeit im gegebenen Zusammenhang, umgangssprachlich vereinfacht auch für allgemeine Sinnlosigkeit oder Unwichtigkeit. Das Fremdwort für eine allgemeine, qualitativ messbare Wichtigkeit ist Importanz. Siehe auch → Löschkandidaten, Relevanzkriterien, Inklusionismus, Exklusionismus, Tschunk.

Strecke


Eisenbahnstrecke wird die Verbindung von Orten mit einem Schienenweg genannt. Im Gegensatz dazu bezeichnet der Begriff (Eisen-)Bahnlinie den auf diesen Strecken regelmäßig stattfindenden Verkehr. So können auf einer Strecke mehrere Bahnlinien oder eine Bahnlinie auf mehreren Strecken verkehren. Nach herrschender Meinung in der Wikipedia sind Strecken relevant und Linien irrelevant. Oder umgekehrt. Ich kann es mir nicht wirklich merken. Wobei die Regel zwar grundsätzlich gilt, bei Wiener Straßenbahnlinien gelten allerdings Sonderregeln und es ist andersrum. Und da wundert man sich, warum sich niemand mehr an Artikel zu Eisenbahnen herantraut.

Volker Grassmuck


Volker Grassmuck (* 1961 in Hannover) ist ein deutscher Publizist und Soziologe. Er ist assoziierter Professor für Mediensoziologie an der Leuphana Universität Lüneburg. Wikipediahistorisch ist Grassmuck gleich zweimal wichtig. Zum einen war er auf der Gründungsversammlung von → Wikimedia Deutschland anwesend, was uns ein wunderbares Video bescherte.

Zum anderen veröffentlichte er 2002 ein Buch über Freie Software. Dieses Buch enthielt eine Fußnote, in der Wikipedia erwähnt wurde. Diese Fußnote brachte nicht nur den Verfasser dieser Zeilen zur Wikipedia, sondern auch → elian zur Wikipedia brachte.

Weiterlesen


Längerer Text zu Pokémon in der Wikipedia.

Weitere Texte zu online: Kultur in Iberty!




Die Verschwundenen

18:28, Monday, 06 2018 August UTC

Crossposting eines Posts von mir aus dem Wikipedia Kurier. Erfahrungsgemäß lesen das dort und hier ja doch andere Menschen.

Wikipedistas kommen und gehen. Manchmal gehen mehr, manchmal weniger. Einzelne davon fallen durch ihr Wirken in der gesamten Wikipedia auf oder versuchen sich wenigstens durch einen spektakulären Abgang in Szene zu setzen. Die meisten Autoren und Autorinnen aber gehen genauso still und leise wie sie gekommen sind und gearbeitet haben.

Die unseligen Autorenschwund-Debatten der unseligen Wikimedias kümmern sich ja um Zahlen und nicht um Autorinnen und Autoren. Wie armselig! Den Meta-aktiven Communitymitgliedern - aka Wikifanten - fallen vor allem die anderen Wikifanten auf, die entschwanden. Dabei zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass es um lauter einzelne Individuen mit verschiedenen Vorlieben, Arbeitsstilen und Interessen geht, die in Wikipedia tätig waren und sind. Es gibt vor allem diejenigen, die kommen, einen Beitrag leisten und dann wieder verschwinden. Der größte Teil der tatsächlichen Wikipedia wird von Menschen und Accounts gestaltet, deren Edits fast nur im Artikelnamensraum aufzufinden sind. Manchmal arbeiten sie unermütlich über viele Jahre, manchmal auch nur einige Wochen an einen oder zwei Artikeln. Viele davon sind als IP aktiv, so dass sich fast nichts über sie sagen lässt. Vielleicht sind die Beitragenden per IP auch gar nicht viele, sondern eine einzige sehr fleißige Autorin? Wer weiß?


 Viele Wikipedianerinnen und Wikipedianer sind derzeit inaktiv.

Anlässlich des Projektes WikiWedding und in meinem Bestreben möglichst viele Wedding-Aktive daran zu beteiligen, lese ich ja derzeit viele Artikel zu einem Themengebiet, das mir in den letzten Jahren eher fremd war und an dessen Entstehung ich nicht beteiligt war. Wer sich in den letzten Monaten am Thema beteiligt hat, ist mir bewusst, wer sich von 2001 bis 2014 des Weddings angenommen hat, musste ich nachlesen. Eine spannende Lektüre voller mir unbekannter Namen und Accounts. Neben einigen mir bekannten Wikipedistas waren dort vor allem mir unbekannte Accounts. Accounts, die oft aufgehört haben zu editieren. Meist sind sie still und leise gegangen. Ihre Edits und Kommentare geben keinen Hinweis warum. Aber anscheinend war es anderswo schöner. Oder sie hatten den Einruck, alles in Wikipedia geschrieben zu haben, was sie beitragen wollten. Um diesen Autorinnen und Autoren zumindest nachträglich etwas Aufmerksamkeit zu geben, um ihre Namen kurz aus den Tiefen der Versionsgeschichten zu retten, sollen hier einfach einige Autorinnen(?) und Autoren gewürdigt werden, die sich um den Wedding in Wikpedia bemühten bevor sie verschwanden.



Da ist zum Beispiel der Artikel zur Chausseestraße. Ein Mammutwerk von Gtelloke, dessen Wikipedia-Edits sich von Juni bis Dezember 2012 fast ausschließlich auf diesen Artikel beschränkten.

GWT 45, Chausseestraße 114-118, Juni 2005

Bild: Die Chausseestraße 114-118 in Richtung Invalidenstraße von Gtelloke
Lizenz: CC-BY-SA 3.0



Da ist der Artikel zum Wedding selber. Angelegt 2002 von Otto, dessen letzter Edit aus dem Dezember 2004 stammt. Im November 2004 dann maßgeblich ausgebaut von Nauck, der sich auch sonst dem Ortsteil und seinen Themen widmete. Artikel zu Moabit, den Meyerschen Höfen, Mietskasernen und Schlafgängern waren Teil seines kurzen Werks, das im Wesentlichen nur zwei Wochen im November 2004 dauerte, aber die Grundlagen wichtiger Artikel zur Berliner Sozialgeschichte legte. Ein Blick auf seine Benutzerseite zeigt auch den Geist der Wikipedia-Frühzeit: ''GNU rockt! Der König ist tod, lang lebe das Volk! Lang lebe die Anarchie des Netzes! Licht und Liebe''

Weiterer Ausbau erfolgte durch 87.123.84.64, auch zu wikipedianischen Urzeiten. Dann passierte 500 Edits und acht Jahre im Wesentlichen nichts – mal ein Halbsatz hier, mal die Hinzufügung von drei Bahnstrecken dort, Hinzufügen und Löschen von berühmten Persönlichkeiten bis im Dezember 2014 der erste heute noch aktive Wikipedianer hinzukommt: Fridolin freudenfett verpasst dem Artikel mit „Katastrophalen Artikel etwas verbessert)“ eine Generalüberholung.

Der Leopoldplatz; angelegt von Frerix, der in den immerhin fünf Jahren seiner Wikipedia-Aktivität nie auch nur eine Benutzerseite für nötig hielt und anscheinend auch in keine Diskussion verwickelt wurde.  Zu seinen wenigen Beiträgen gehören neben der Anlage des Leopoldplatzes auch noch die Anlage der englischen Stadt Sandhurst, die Anlage des Kreuzviertels in Münster und des Three Horses Biers. Dann war er/sie wieder weg. Mutter des Artikels ist hier aber 44Pinguine, die den heutigen Inhalt maßgeblich prägt und auch heute noch aktiv ist.

Da wäre das Wahrzeichen des Weddings. Die Alte Nazarethkirche. Der Artikel stammt vor allem von 62.246.210.30.

Alte Nazarethkirche 2

Bild: Leopoldplatz, Ev. Alte Nazarethkirche, 1832–35 von Karl Friedrich Schinkel von Schliwiju
Lizenz CC-BY-SA 4.0

Nichts war für die Entwicklung des Weddings wohl so entscheidend wie die Geschichte der AEG. Dieser Artikel stammte in seiner Frühzeit von WHell, engagiertem Wikifanten, mit ausführlicher Artikelliste und Diskussionsseite, der uns 2007 verließ. Der letzte Eintrag auf seiner Diskussionsseite war „Hallo WHell, ich möchte Dich als den Hauptautor darüber informieren, dass ich den Artikel John Bull (Lokomotive) in die Wiederwahl zum Exzellenten Artikel gestellt habe,“ Größere Beiträge zur WEG folgten in den späteren Jahren durch Peterobst – aktiv von Februar bis April 2006 vor allem mit Beiträgen zur Berliner Industriegeschichte, nach seiner Benutzerseite AEG-Kenner und in Arbeit an einem Buch über den Konzern. Es folgten 80.226.238.197, von Georg Slickers 2006 (auch heute noch aktiv, wenn auch recht unregelmäßig), Flibbertigibbet 2006 , 79.201.110.89 im Jahr 2008 und der unermüdlichen 44Pinguine. Weiter ausgebaut von Onkel Dittmeyer, aktiv von 2009 bis Juli 2015 in Technikthemen und vielleicht immer noch unter neuem Account? Begann seine Karrier mit der Nutzerseite „Hier ist Nichts und das soll so bleiben !“ und hielt sich im Wesentlichen daran.

Da ist der Volkspark Rehberge. Angelegt von Ramiro 2005, aktiv 2005/2006, vor allem zum Thema Fußball. Maßgeblich ausgebaut, umfassend überarbeitet 2007 von 84.190.89.208 und noch einmal 2010 stark erweitert von Katonka. Landschaftsplaner mit unregelmäßigen Edits zwischen 2009 und 2014, die Edits waren wenige, aber die Qualität war hoch.

LSG-6 Volkspark Rehberge Berlin Mitte

Bild: LSG-6 Volkspark Rehberge Berlin Mitte - Panoramabild auf die Wiesen des Volkspark Rehberge in Berlin, Wedding (Mitte). Von: Patrick Franke Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Neben diesen Verschwundenen tauchen glücklicherweise aber auch heute noch aktive Wikifanten auf. Immer wieder 44Pinguine und Fridolin freudenfett. Darüber hinaus Definitiv, Magadan, Flibbertigibbet und Jo.Fruechtnicht.

Die Artikel entstanden durch Wikifanten und IPs. Accounts mit nur einem Thema oder anderen, die über Jahre thematisch sprangen. Während in der Frühzeit aber viele verschiedene Accounts und IPs an den Artikel beteiligt waren, waren in den letzten Jahren deutlich weniger Menschen aktiv. Fast alle inhaltlichen Edits in den von mir angesehenen Artikeln verteilen sich auf 44Pinguine,  Fridolin freudenfett und Definitiv. Wikipedia wird kleiner und noch lebt sie. Aber wir können all‘ den Verschwundenen danken, die vor uns kamen.

Berlin celebrates old school #wikipedia15

14:36, Wednesday, 06 2018 June UTC

I still remember the time when real life meetings for Wikipedians were new and adventurous and a bit scary. Did one really want to meet these strange other people from the Internet? How would they be? Could they even talk in real life or would they just sit behind a laptop screen staring on it for hours?

My first meeting in Hamburg – THE first Wikipedia meeting in Hamburg - would consist of three people (Hi Anneke, Hi Baldhur!) sitting in a pub, and just waiting and seeing what would happen. These meetings were kind of improvised, in a pub, quite private and personal in nature and no talk about projects, collaborations, “the movement” whatever. Just Wikipedia and Wikipedians having a nice evening.

WP15 Germany Berlin 01
Bild: By Sargoth, CC BY-SA 3.0

So what a fitting setting to celebrate this day in Berlin just the old school way. Half improvised, organized by our dearest local troll user:Schlesinger on a talk page, we met in a pub, it was not clear who would come and what would happen except some people having a good time.

And so It was. In the “Matzbach” in the heart of Berlin-Kreuzberg seven people promised to come, in the end we were almost twenty. Long time Wikipedians, long-time-no-see-Wikipedians, a Wikipedian active mostly in Polish and Afrikaans, some newbies and two and a half people from Wikimedia Deutschland. Veronica from Wikimedia Deutschland brought a tiny but wonderful home-baked cake, and we just talked and laughed, talked about history and future.  Actually, mostly we talked about future.

WP15 Germany Berlin 03
Bild: By Sargoth, CC BY-SA 3.0

About the Wikipedian above 30, who has just started a new a university degree in archaeology, the question whether the Berlin community should have its own independent space, industrial beer, craft beer and the differences, the district of Berlin-Wedding, the temporary David-Bowie-memorial in Berlin-Schöneberg, the vending machine for fishing bait in Wedding, new pub meet-ups in the future, who should come to the open editing events, how to work better with libraries, colorful Wikipedians who weren’t there, looking for a new flat, whether perfectionism is helpful or rather not when planning something for Wikipedians, explaining Wikipedia to the newbie, the difficulties of cake-cutting and whatsoever.

No frustration, almost no talk about meta and politics, just Wikipedians interested in the world, Wikipedia and eager to be active in and for Wikipedia and with big plans for the future. Old school. So good.

WP15 Berlin Torte angeschnitten


Mensch-Maschine Braunschweig


Im ICE ist Deutschland. Der Zug fährt ein und hält. Das Schild am Gleis behauptet tapfer „Zugdurchfahrt“. Die Türen lassen sich öffnen. Am Zug steht nichts geschrieben, außer Wagennummern, die nicht zu den Reservierungen passen. Das Publikum bleibt irritiert. Etwa die Hälfte der Anwesenden geht in den Zug und bleibt im Wageninnern ratlos stehen. Die andere Hälfte steht ratlos am Bahnsteig. 

Schließlich: Lichter gehen an. Der Zug verkündet mittels seiner Anzeigen nun auch, nach Kassel zu fahren.  Eine Frau entschuldigt sich über die Lautsprecheranlage über die falschen Wagennummern, man solle ich immer zehn wegdenken „Also 22 statt der angezeigten 32.“

Ein Mensch mit re:publica-Bändchen am Arm verscheucht die ältere Dame ohne Reservierung von seinem Platz und liest den gedruckten Spiegel. Ich höre ein angeregtes Gespräch zwischen einem Musicaldarsteller und einer Abteilungsleiterin im Innenministerium, die sich gerade kennenlernen über, den relativen Wert von Musikgymnasien in Berlin. Geht es noch deutscher?

Illustration aus dem Buch ""Le tour du monde en quatre-vingts jours" Alphonse de Neuville & Léon Benett


Passenderweise habe ich ein entsprechendes Buch mitgenommen. Nils Minkmars „Mit dem Kopf durch die Welt.“ Das hat schon auf dem Cover ein ICE-Fenster und geht der Frage nach, was Deutschland bewegt. Minkmar lässt sich über deutsche Normalität aus. Der deutsche Ingenieur, lange Jahrzehnte Sinnbild der Normalität, sei nicht mehr normal. Minkmar erzählt aus seiner französisch-deutschen Kindheit:


„Meine Mutter nannte dann immer eine Berufsgruppe, die uns besonders fern war, nämlich les ingenieurs. Wir waren in Deutschland […] und das ganze frisch aufgebaute Land ruhte auf Säulen, die les ingenieurs berechnet, gegossen und zum Schluss noch festgedübelt hatten. […] Viele Jahre später sollte ich die Gelegenheit haben, diese seltene Spezies besser studieren zu können. Sie saßen direkt hinter mir, zwei ausgewachsene Exemplare: Ingenieure, Familienväter, auf der Rückfahrt von einer Dienstreise. Sie plauderten über die sich verändernden Zeiten. […] Fernsehen, Marken, Politiker, auf keinem Gebiet fanden sich diese beiden braven Männer wieder, alles zu grell und bunt, zu aufgeregt. Ihre spezifischen Werte und Tugenden, Sorgfalt und diese stille Freude an der eigenen Biederkeit, das alles war an den Rand gerückt. Ingenieure waren nun Exzentriker. […] Diese Männer fanden sich kulturell kaum zurecht.“

Wenn „der deutsche Ingenieur“ nicht mehr normal in Deutschland ist, sind es jetzt Ministerialbeamtinnen und Musicaldarsteller?




Forschung Maschinenbau Braunschweig


Minkmar war noch nicht in Braunschweig. Oder Braunschweig ist nicht normal. Da steige ich harmlos aus dem Zug und die Stadt schlägt mir „Deutscher Ingenieur“ rechts und links um die Ohren. Braunschweig hebt das Thema "autogerechte Stadt" in Höhen, die selbst mir als gebürtigem Hannoveraner unerreichbar schienen.

Braunschweig. Bahnhofsvorplatz.


VW ist daran beteiligt, ist klar in der Gegend. Aber nicht nur. Ich wandelte also Freitagabend gegen 21 Uhr auf der Suche nach einem Wegbier durch das verlassene Braunschweig, passierte die Stadthalle und wurde prompt begrüßt mit „Tag des Maschinenbaus. Herzlich Willkommen.“



Vor allem aber  fiel mir bei diesem Wandeln auf, wie unglaublich gepflegt diese Stadt aussieht. Ich erblickte  keine einzige Kippe auf dem Weg. Selbst die Großbaustelle, über die irrte, wirkte irgendwie aufgeräumt. Viel verwunderlicher war, dass selbst die in Braunschweig reichlich vorhandenen 1970er-Großbauten gepflegt und sorgsam hergerichtet wirkten. Die Stadthalle selber, offensichtlicher spät 1960er/früh 1970er-Stil wirkte besser gepflegt als Berliner Gebäude nach zwei Jahren. Die Wege und Lampen darum herum: offensichtlich keine zehn Jahre alt. Sie wirkten wie frisch aus der Packung genommen.

Wegbier. In Braunschweig nur schwerlich aufzutreiben, dann aber stilgerecht,


Selbst die Schwimmbäder sind alle gepflegt(*), alle haben gleichzeitig geöffnet und keines ist aus obskuren Gründen gesperrt. Da spielt nicht nur bürgerschaftliches Engagement eine Rolle, sondern offensichtlich ist auch Geld vorhanden.

Auf dem Hotelzimmer, noch so ein sehr gut gepflegter und hergerichteter Bau, der einem „1970er!“ ästhetisch schon ins Gesicht schreit, mit dem Hotel-Wlan (7 Tage, 7 Geräte) nachlesend, wie das nun ist mit Braunschweig. Bekanntes taucht beim Nachlesen auf: Die physikalische-technische Bundesanstalt mit der Atomuhr; geahntes lese ich (Volkswagen – hey, das ist Niedersachsen und die Technische Universität existiert ja auch) und nicht bekanntes:

„Im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) verfügt die Region Braunschweig über die höchste Wissenschaftlerdichte,[103] im bundesweiten Vergleich über eine hohe Ingenieurquote[104] sowie über die höchste Intensität auf dem Gebiet der Ausgaben für Forschung und Entwicklung. In der Region Braunschweig arbeiten und forschen mehr als 16.000 Menschen aus über 80 Ländern[105] in 27 Forschungseinrichtungen sowie 20.000 Beschäftigte in 250 Unternehmen der Hochtechnologie[106]“

Dazu noch „Braunschweig ist die Stadt mit der niedrigsten Verschuldung Deutschlands.“ Und nach einer obskuren EU-Rangliste ist Braunschweig  die innovationsfreudigste Region der EU vor Westschweden und Stuttgart. Hier lebt der deutsche Ingenieur. Hier lebt die deutsche Technik. Was für ein passender Ort für Jules Verne.


Jules Verne


Jules Verne; französischer Erfolgsautor des 19. Jahrhunderts und vor allem bekannt als "Vater der Science Fiction." Von seinem vielfältigen Werk sind vor allem die Abenteuer-Techno-Knaller wie Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer, die Reise Von der Erde zum Mond oder die Reise zum Mittelpunkt der Erde bekannt. Wikipedia und die Deutsche Jules-Verne-Gesellschaft hatten ein gemeinsames Wochenende organisiert mit einer Tagung zu Jules Verne und Gesprächen zu Wikipedia.

Volker Dehs bestreitet das halbe Programm


Jules Verne, mir vor allem bekannt durch vage Erinnerungen an den 1954er Nemo-Film, Weiß-orange Taschenbücher und einen blau eingebunden Robur-Roman, der mich verstörte, weil er so anders war als die großen mir bekannten Abenteuerromane von Jules Verne. Warum ich überhaupt fuhr: Intuition. Ich hätte nur schwerlich begründen können, was genau mich reizte, aber die Mischung aus Vertrauen in die Veranstalter, Science Fiction und Neugier auf diese andere niedersächsische Stadt nach Hannover, trieben mich dorthin.

Verne selber gilt als Begründer Science Fiction. Und so bringt er als Autor frankophile Literaten und Groschenromanfans, Ingenieure und Naturwissenschaftler zusammen. Besessene Bibliographen waren Thema und Anwesend, ebenso wie die phantastische Bibliothek in Wetzlar – die Mischung der Jules-Verne-Aktiven unterscheidet sich gar nicht so sehr von der Mischung der Wikipedia-Aktiven. Die Perspektiven, aus denen Verne hier unter die Lupe genommen wurden, waren vielgestaltiger als sie es in der Literatur sonst sind. Faszinierend hier war die Neigung unterschiedlicher und leicht besessener Menschen sich zu einem Thema auseinanderzusetzen.

Haus der Braunschweigischen Stiftungen - Veranstaltungsort.



Dementsprechend hatte der Veranstalter, der Wikipedia-Autor Brunswyk das Programm gestaltet: ist Verne eher katholisch oder eher laizistisch? Kam der Wille zur Aufklärung in seinen Büchern durch seinen Verleger Pierre-Jules Hetzel hinein, während auf Verne eher zurückgeht, dass alles menschliche Streben gegenüber der göttlichen Macht sinnlos bleibt? Wen inspirierte er? Ist es eine sinnvolle Frage, dem nachzugehen, welche seiner Voraussagen, sich bewahrheiten? Dazu kamen dann noch Exkursionen zu Friedrich Gerstäcker, Fenimore Cooper, die Ingenieure, die ihre U-Boote dann nach Jules Verne „Nautilus“ nannten – und stark von diesem beeinflusst waren

Für mich brachte das Treffen interessante Erkenntnisse, wie die Tatsache, dass Verne immer Theaterautor oder – produzent werden wollte und wie sehr der Katholizismus sein Denken beeinflusste. Romancier war er eher gezwungenermaßen – und verdiente mit seinen zwei erfolgreichen Theaterstücken in seinem Leben ein Viertel so viel Geld wie mit etwa 80 bis 100 Romanen.

Interessant das Rätseln aller Anwesenden, warum Vernes Roman "der Grüne Strahl" so ein kommerzieller Erfolg war, was niemand der Anwesenden nachvollziehen konnte. Und dann eine Dreiviertelstunde später kam die Bemerkung in einem anderen Zusammenhang, dass "der Grüne Strahl" quasi Vernes einziges Buch mit einer weiblichen Hauptfigur war. Ich ahne einen Zusammenhang, Update: Es kam wie es kommen musst. Da denke ich mal, ich habe etwas entdeckt, dabei habe ich nur etwas falsch verstanden. Tatsächlich ist Der Grüne Strahl nicht das einzige Werk mit einer Protagonistin. Das prägnanteste Buch ist dabei Mistress Branican, da hier die Titelfigur die komplette Handlung quasi im Alleingang bestreitet. Aber auch in anderen Büchern spielen Frauen eine wichtige Rolle (und dieser Umstand war Jules Verne sogar so wichtig, dass er in Interviews darauf hinwies): Die Kinder des Kapitän Grant, Nord gegen Süd, Reise um die Erde in 80 Tagen, Das Lotterielos ... und einige mehr.

Für mich neu war die Erkenntnis, dass ein Großteil von Vernes Werk gar nicht in den Bereich Science Fiction gehört, sondern es (fiktive) Reisebeschreibungen sind. Und selbst dort wo Verne Maschinen und phantastische Gerätschaften erfindet, dienen diese vor allem dem Zweck zu reisen.

Und jetzt recherchiere ich, natürlich, zum Grünen Strahl.

Die Phantastische Bibliothek


Meine beiden Programmhighlights beschäftigten sich nur mittelbar mit Jules Verne. Sie kamen von der Phantastischen Bibliothek Wetzlar: zum einen der Rückblick von Thomas Le Blanc auf Wolfgang Thadewald. Den großen Phantastik- und Jules-Verne-Sammler. Thadewald verstarb 2014. Er lebte in Langenhagen. Mehrere der Anwesenden hatten ihn noch persönlich gekannt. Und die Schilderung seiner Sammlertätigkeit, seiner Liebe zu Büchern und zu Menschen, aber auch die Besessenheit mit der Thadewald an ein Thema heranging und auch von Krankheit schon schwer gekennzeichnet das Arbeiten an Bibliographien nicht lassen konnte – es ließ sich nicht anders beschreiben als bewegend. Sicher war dieser Vortrag mein emotionaler Vortrag des Programms.

Wer auch immer aber auf die Idee kam, den Vortrag von Klaudia Seibel zu Future Life: Wie (nicht nur) Jules Verne dabei hilft, die Zukunft zu gestalten an Ende der Konferenz zu legen: Chapeau! Das Projekt ist, kurz gesagt, ein Projekt der Phantastischen Bibliothek. Die stellt zu bestimmten Themen Dossiers zusammen, wie Science-Fiction-Autoren sie sich vorstellen. Die Berichte  werden manchmal von öffentlichen Stellen, öfter von Großunternehmen bestellt, die damit selber zukunftsfähig werden wollen und in die Zukunft denken.

So als Beispiel: Nanotechnische Ideen in der Science Fiction



Wobei Auftraggeber von Staats wegen selten sind. Die meisten Aufträge kommen aus der Privatwirtschaft. Die allerdings meist gleich umfangreiche Verschwiegenheitsklauseln verlangt, weshalb die Phantastische Bibliothek da wenig zu sagen kann.

Da haben also Autoren und Mitarbeiter der Bibliothek ein profundes Wissen über die Science-Fiction-Literatur und die größte Bibliothek ihrer Art im Hintergrund und seit mittlerweile einigen Jahren eine große Datenbank aufgebaut, was Autoren zu verschiedenen Themen schreiben.

Als jemand, der ich selbst weiß, wie viele Situationen ich durch gelesene Bücher interpretiere – Bilder aus diesen Büchern im Hinterkopf habe und mir immer wieder mal sagen muss, dass ein Roman nur bedingt real ist, glaube ich sofort, dass es nichts gibt, was so sehr Denkprozesse auslösen und Kreativität triggern kann, wie Romane. Der befreit das Hirn gerade vom strikt logisch-folgerichtigen Denken, verrückt die Perspektive etwas nach links oder oben, und schon öffnen sich vollkommen neue Gedankenwege. Die Idee ist so brillant, dass es überraschend ist, dass sie wirklich angenommen wird. Anscheinend wird sie das.


Mensch Maschine Normal


Und nachdem ich dann wieder im Zug saß und das erste Handy-Ticket meines Lebens gekauft hatte, fragte ich mich wieder. Ist diese Stadt – die mir in vieler Hinsicht – so unfassbar „normal“ vorkommt, vielleicht die große Ausnahme? Sind die Musicaldarsteller, die mit „dem Alex“ [Alexander Klaws] telefonieren, normal? Die Menschen im Ministerium? Die größten Jules-Verne-Experten des Landes, die alle noch einen anderen Brotjob haben? Oder eher die Normalität vieler Menschen, die darin besteht, am Ende des Monats zu überlegen, wie denn die letzten 10 Tage mit dem leeren Konto noch überbrückt werden können?





Brauschweig ist die verstädterte Mensch-Maschine-Kopplung. In seiner Normalität sicher schon wieder ein Ausnahmefall in Deutschland. Aber ich sah die Zukunft: sie sitzt in einer Bibliothek in Wetzlar und liest Science-Fiction-Romane.

Weiterlesen


Mit Wikipedianern kann man nicht nur Verne lesen, sondern auch Cocktails mischen: Ramos Gin Fizz für die Enzyklopädie.

Oder man läuft mit Wikipedianern durch den Wedding:Tanz auf dem Guglhupf, Automatenmaden und die „brutalism appreciation society“ im #wedding

Mehr zu Future Life bei der phantastischen Bibliothek: Future Life. 

Zum Jules-Verne-Club

Die Wikipedia-Seiten zur Veranstaltung: Wikipedia:Wiki Loves Jules Verne

Beiträge zur Veranstaltung im Wikipedia-Kurier und im Blog von Wikimedia Deutschland.

Der grüne Strahl im Gesamttext bei zeno.org: Der grüne Strahl

Alle Iberty-Posts zur Kultur stehen unter: Kultur in Iberty!

Anmerkungen


Auch zu Schwimmbädern ein schönes Minkmar-Zitat aus dem Mit-dem-Kopf-durch-die-Welt.Buch:

„Nichts gegen das große Geld und die wenigen, die es genießen können, aber die Stärke mitteleuropäischer Gesellschaften liegt gerade in der Mischung. Für Reiche ist es in Singapur, Russland und Malaysia ideal. […]Glaspaläste und Shopping Malls gibt es auf der ganzen Welt, bald vermutlich auch unter Wasser und auf dem Mond. Öffentliche Freibäder, Stadtteilfeste oder Fußgängerzonen, in denen sich Reiche und Arme, Helle und Dunkle, Christen und Muslime mit ihren Kindern vergnügen und drängeln, gibt es nur hier. Ich fand es immer erstaunlich, dass es in Algerien beispielsweise keine öffentlichen Schwimmbäder gibt oder dass man in den USA oder in Brasilien Mitglied in einem Club werden muss. Das ist eine teure und in vieler Hinsicht sozial sehr voraussetzungsreiche Angelegenheit, nur um mit den Kindern mal schwimmen zu gehen, es sei denn natürlich, jeder hat seinen eigenen Pool im Garten, was, für mich zumindest, wie eine Definition von struktureller Langeweile klingt.“ (s. 104)

Reisen mit WP: Schloßhotel Karlsruhe

10:27, Sunday, 27 2018 May UTC

Für Wikipedia/Wikimedia reise ich mehrmals pro Jahr durch die Gegend. Dabei muss ich muss ich natürlich auch irgendwo übernachten. Daraus entstand diese Serie.

Die Frühlings-Mitgliederversammlung des Vereins fand diese Jahr in Karlsruhe statt. Die Geschäftsstelle quartierte uns dafür im Schloßhotel Karlsruhe ein. Das Schloßhotel liegt direkt am Bahnhof bzw. am Zoo. Warum die Deutsche Bahn glaubte mich für die max. 200m zwischen Bahnhof und Hotel mit dem Bus fahren zu müssen (beim Rückweg sogar mit 1x Umsteigen) wird für ewig ihr Geheimnis bleiben.

Die Aufmachung des Hotels ist so edel wie der Name klingt. Ein repräsentativer Bau aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Das merkt man auch gleich, wenn man den Aufzug betritt: Er ist ein Denkmal und stammt von 1914. Hohe Räume und Teppichboden fanden sich überall. Die Preise des Hotelrestaurants ließen schlucken, auch wenn die Beschreibung der Gerichte sehr gut klang.

Am Empfang war nichts los und so kam ich direkt dran. Der Zutritt zu den Zimmern wird über Nearfunk Chipkarten gelöst: Hat den Vorteil das man keinen Schlüssel mit sich herumschleppen muss. Das Zimmer war schön eingerichtet: Bett, Schranknische, Schreibtisch, Stuhl, Hocker und Sessel. Das Zimmer war vollklimatisiert, verfügte aber trotzdem über einen großen Heizkörper und man konnte das Fenster – vom Typ französischer Balkon – öffnen. Leider war die Straße vor meinem Zimmer so laut das mit offenem Fenster zu schlafen kein Option war – zum Lüftern aber durchaus geeignet.

Das Bett kam mir etwas schmäler als normal vor, war aber durchaus ok. Ein großes und ein kleines Kissen warteten bereits auf mich. Laut Zimmermappe können diverse andere Kissen dazubestellt werden; auf Wunsch kann auch die Bettwäsche täglich gewechselt werden.

Das Bad scheint ein Teilnehmer um den Preis für die kleinste Bad-Grundfläche zu sein. In den ca. 1,5x1,5m großen Raum wurden eine Dusche, ein WC und ein kleines Waschbecken gequetscht – die Tür ließ sich dabei nur halb öffnen und blieb dann an der Klöschüssel hängen. Bei der letzten Modernisierung wurde die die Duscharmatur wohl falsch herum angeschlossen: Ein Schild weißt auf die Vertauschung hin.

Das Zimmermädchen kommt früh – für meine Verhältnisse zu früh. Am Samstag wollte man schon gegen 9:30 saubermachen: Da lag ich noch im Bett. Als ich am Abend ins Hotel zurück kam, war mein Zimmer aber gereinigt worden. Am Sonntag hatte ich vorsichtshalber das Bitte-nicht-stören-Schild an die Türklinke gehängt – als ich gegen 10:45 das Zimmer zum Auschecken verließ war der Herr von der Zimmerreinigung schon da.

Das Frühstück war auch am Wochenende nur bis 10 Uhr. Für mich war die Auswahl mehr als ausreichend: Verschiedene Arten von Brötchen (auch Sesambrötchen), der übliche Wurstaufschnitt, Käse, Cornflakes und die üblichen Frühstück-Getränke eben.

Das Personal, mit dem ich gesprochen habe, war freundlichen und hilfsbereit.

Alles in Allem kann ich mit dem Aufenthalt nur zufrieden sein. Kann WMDE wieder buchen.

Berlin ist groß; deutlich größer als alle anderen deutschen Städte. Berlin bietet seinen Bewohnerinnen und Bewohnern immer wieder neue Straßen, Stadtviertel und ganze Bezirke von denen sie noch nie gehört haben. So fand sich dann vor 10 Jahren eine Gruppe Wikipedistas zusammen, die im Rahmen der KNORKE-Touren Berlin erkundete. (Für mehr Hintergrund, hier der Iberty-Artikel) Einige oder viele Wikipedianer treffen sich, neugierig auf die Stadt um sie herum und erkunden sie. Die Treffen finden dabei unregelmäßig statt. Mal sind sie monatlich, mal alle anderthalb Jahre.

Im Januar 2016 traf sich die erste KNORKE-Runde nach über einem Jahr Pause seit zur Tour entlang der Müllerstraße, dem „Ku’damm des Weddings“. Vom Startpunkt aus, dem Angelgeschäft Koss, beziehungsweise dessen Madenautomaten, ging es weiter zu Gänsen, Enten und Schweinen in der Kinderfarm Wedding. Leider überlebten die Maden im Sägemehl nicht den Gang bis zu den Enten und konnten so nicht mehr als Futterspende dienen. Zwischendurch warfen wir einen Blick auf den Abenteuerspielplatz Telux, laut einem der Knorkisten der erste Abenteuerspielplatz Deutschlands.[citation needed]

Wedding Automatenmaden
Berlin-Weddinger Automatenmaden.

Nach dem Besuch der Schweineställe in der Kinderfarm folgte die Innenbesichtigung des Ernst-Reuter-Hauses mit kurzem Blick auf den Biergarten Eschenbräu, bevor es nach Süden Richtung Bayer Health Care (ehemals : Schering) ging. Am Beispiel des Schering-Parkhauses erörterten wir die Existenz der "brutalism appreciation society" und diskutierten die Frage ob Bauwerken des Brutalismus die Fassadengestaltung mit knalligen Farben eher nutzt oder schadet. An der Dankeskirche am Weddingplatz lebten die wilden Zeiten des Roten Weddings wieder auf, Erich Kästner verewigte den Platz mit seinen wilden Straßenschlachten in seinem Roman Fabian.

Berlin Wedding bayer parkhaus 14.11.2015 13-40-01
Ein Fall fur die brutalism appreciation society.

Danach ging es an der Panke entlang zu einem der ungeplanten Höhepunkte der Tour: dem Tanz auf dem Guglhupf. Das Kunstwerk mit dem offiziellen Namen „Tanz auf dem Vulkan“, das offensichtlich von einer engagierten Kunststudentin im ersten Semester geschaffen wurde, regte auf jeden Fall zur intensiven Diskussion an.

Nachdem einem Blick auf das Stadtbad/Stattbad Wedding - das wegen des Brandschutzes geschlossen werden musste - überlegten wir wann es dem Krematorium Wedding wohl genauso geht. Beide Sightseeingpunkte wurden noch mit Geschichten der jetzigen und ehemaligen Bewohner des Weddings abgerundet. Schnee und Kälte zwangen uns dann zu einem Kaffeestop in einem der zahlreichen inhabergeführten migrantischen Geschäfte der Müllerstraße.

Tanz auf dem guglhupf
Kunst im öffentlichen Raum. Der Tanz auf dem Guglhupf.

Dann noch schnell ein Schinkel-Bau, am interkulturellen Garten Himmelbeet die Überlegung ob es ein nicht nur eines Lokals B in Berlin bedarf, sondern auch eines Lokalen Beets B, noch schnell eine weitere Kirche abgehakt, das Rathaus Wedding auf dem ehemaligen Gelände von Onkel Pelles Rummelplatz - auch dieser mit einer Würdigung durch Kästner. Ob die neu eraute Schiller-Bibliothek schick war oder eher nicht, daran schieden sich die Geister. Am Platz des unscheinbaren AOK-Gebäudes erbargen sich die Pharus-Säle, einst das "Wohnzimmer der KPD" im Wedding und die Schiller-Bibliothek. Abschluss für die frierende Gruppe dann schließlich beim exzellenten "Rebel Burger" mit Coleslaw, Pommes-Twister im stilechten denkmalgeschützten 50er-Jahre-Kiosk. KNORKE kommt wieder. Im Jahr 2016 bestimmt.

Krematorium wedding
This is friend is not the end (anymore): Das ehemalige Krematorium Wedding

Resist to Exist - The Kids are alright

15:15, Wednesday, 16 2018 May UTC


Nach Wacken geht’s zum Kacken.
Der Antifaschist fährt zum Resist.
Auch wenn es pisst. (Henne, Sänger von Rawside)

Junge Männer klettern auf den Bühnenzaun, schwenken die Fahne der Antifaschistischen Aktion. Die Ordnerin mit Union-Berlin-Käppi rennt herbei, versucht sie wieder herunter zu bewegen. Die dünne junge Frau mit der Rockabilly-Frisur, den Docs und dem „No Pasaran“-Tattoo bindet sich derweil die Haare, während zwei andere junge Frauen mit blonden bzw. blauen Haaren dem Typ mit dem halbnackten Oberkörper Schlamm ins Gesicht schmieren. Auf der Bühne rührt ein Russe mit Eishockeytorwartmaske, weißen Markenturnschuhen (wie hat er die in diesem Schlamm so weiß gehalten) irgendwas über Widerstand.

Nebenan, im Kuhstall, die Punks in den Polizeiuniformen, lassen es sich im Backstagebereich gutgehen.  Verkaufsstände verkaufen „NZS BXN!“-T-Shirts, der Drugstore von der Potse in Berlin Schöneberg verkauft Solischnapps und die tschechische Antifa hat einen eigenen Merchandise-Stand.
Willkommen im Dorfe in Brandenburg.




Resist to Exist, existiert seit 2003. 2.500 Punks und Freunde aus Deutschland und Europa hören Punk, Hardcore, Streetcore, HC-Rap und Ska. Ursprünglich aus Berlin-Marzahn,  findet das Festival mittlerweile in Kremmen statt: 3000 Einwohner, zwischen Berlin und Neuruppin, umgeben von Rhinluch mit Kremmener See, Schloss Schwante, Schloss Grossziethen, viel Lehm, viel Sand ein wenig Wald, ein Spargelhof und ein Selbstpflücker-Gemüsefeld.


Leicht touristisch erschlossen, aber dann auch ein Brandenburger Kleinstädtchen mit einer Kirche, einer Stadtbibliothek die Dienstags und Donnerstags einige Stunden geöffnet hat. Das größte Ereignis im Kremmener Jahr ist das Erntefest mit Traktorparade. Und hier: Punks. Mehrere tausend, so viele wie ich sie zuletzt bei den Chaostagen 1994 sah. Antifas in Mengen, die mich an Großdemos in der sächsischen Provinz um die Jahrtausendwende erinnern. Und in der Nähe liegt unser Kleinsttierzoo/Garten.




2016 im August


Es war letztes Jahr im August. Friedlich im Garten Buttermilch-Margaritas trinkend hörten wir trommeln und röhren. So vage von gegenüber? War die Tochter der Nachbarin mal wieder da und hörte jetzt bei voller Lautstärke im Zimmer Tote Hosen? Nachdem es nach drei Stunden nicht besser geworden war, begannen wir uns Sorgen zu machen – nicht dass die Tochter mittlerweile taub geworden war. Wir wandelten die Straße entlang, auf der Suche nach der Geräuschquelle. Am Ende der Straße. Alles unverändert. Okay, die Geräuschquelle ist von wesentlich weiter weg,  dann aber wohl sehr laut.
.


Deutschpunk? Nazirock? Die Musikrichtung ist, wenn man nur die Drums hört und ein unspezifisches Gebrüll des Sängers, nicht immer leicht zu unterscheiden. Und in Brandenburg auf dem Dorfe? Die Musik kommt vage aus Richtung Kremmen. Ein Ort, der sich musikalisch bisher dadurch hervortat, dass in der "Musikantenscheune" der Brandenburger Landesparteitag der AfD stattfand. Lässt sich was zum Konzert googeln?



Madame fand etwas in Kremmen: Resist to Exist, die Bands kannte sie alle nicht, uneindeutig. Ich schaute. Okay, Sham69, Total Chaos. Das ist kein Nazirock. Aber Oi? So in der Brandenburger Provinz geht vieles. Zweiter Blick: Rasta Knast, Fuckin‘ Faces, Distemper,  ganz sicher kein Nazirock. Eher im Gegenteil. Klingt spannend. Aber ein paar der Bands waren ja schon alt als ich noch jung war. Eine Traditionsveranstaltung? Egal, es gilt Lehmberge zu versetzen, keine Zeit für.Festivals, die eh schon halb vorbei sind. .

2017 


Es ließ mich nicht das ganze Jahr über nicht los. Die Bands klangen spannend. Der Lehmberg ist mittlerweile versetzt. Das Lineup 2017 ist meins. Ach, Rawside, war auch meine Jugend und ist mittlerweile ein Kandidat für Nostalgietreffen; aber die waren hammergeil. Und viele Bands kenne ich nicht. Vielleicht sind die U40. Klingt so. Das sieht groß aus, das sieht cool aus. Ich will da hin. Aber nur als Besucher? Langweilig. Wenn, dann richtig. Eintritte für Konzerte habe ich schon 1998 nicht mehr bezahlt. Gut, dass es diese Internetenzyklopädie gibt.


Der Wikipedia-Festivalsommer


Der Festivalsommer der Wikipedia existiert seit 2013: Wikipedianerinnen und Wikipedianer gehen auf Festivals, die Wikipedia-Spendengelder sorgen dafür, dass es auch professionelles Fotoequipment gibt. Danach laden die Beteiligten Fotos von Festivals und Bands unter Freier Lizenz auf Wikipedia. Mittlerweile entstand eine hohe fünfstellige Zahl an Fotos von über 1.200 Bandauftritten und knapp 100 Artikel über Festivals und Bands. Alles ehrenamtlich, alles DIY, in der Form sehr anders als das Resist im Spirit aber noch so weit voneinander entfernt. Da nehme ich Teil, schieße Fotos, schreibe einige Artikel (das Festival hat noch keinen, diverse relevante Bands auch noch nicht) und laufe durch den Matsch.



Das Resist


Das Resist entstand in Marzahn. Marzahn in den 1990ern war kein angenehmer Ort, wenn man links war. Nazis rannten dort einige herum und die waren wenig zimperlich in ihren Methoden. Punks und Linke - die es in Marzahn immer gab und gibt - trafen sich im geschützten Biesdorfer Park. Bis das Ordnungsamt das nicht mehr wollte und mit massiven Polizeieinsätzen begann zu räumen. Es gründete sich "Resist to Exist" und ein Soli-Festival. In Marzahn ist das Festival nicht mehr, dafür ist es schöner und größer als zuvor.



Die Resistenten mussten mehrfach den Veranstaltungsort wechseln und sind seit 2016 in Kremmen gelandet. Was spontan und ungeplant begann, ist mittlerweile ein eigener Verein, eine Vorbereitung, die fast das ganze Jahre über läuft und trotzdem die Verrückten immer noch alles ehrenamtlich machen, mittlerweile reichlich professionell.



Mehrere tausend Besucher im Jahr, das „größte Festival für DIY-Punk und artverwandtes.“ Autokennzeichen sah ich aus ganz, der Schweiz (u.a. am stylischen schwarzen Anarcho-Wohnmobil), Österreich, Italien, Polen, Tschechien, Berlin, Hamburg, Sachsen und natürlich ganz Deutschland. Das Festival ist bis heute ehrenamtlich organisiert, von einem Verein getragen, und wird größer und größer und professioneller. Anscheinend, für mich – hoffentlich! – bleibt es in Kremmen.


Das Resist 2017


2017. Das Jahr des großen Regens. Dauerregen, Starkregen, Dauerstarkregen. Ich genoss den Luxus des nahegelegenen Bungalows, kam erst nach dem Regen aber zum großen Schlamm. Hinter dem Kremmener Bahnhof gleich rechts, die Feldstraße entlang. Die ersten Punks sind auf dem Weg, meist schlammverspritzt, oft Barfuss. Drei freundliche Jungs im Campingstuhl winken mich irgendwo auf die Wiese zum Parken, neben mir ein Bully mit kleinem Vorzelt. Ein längerer Fußweg. Vorbei an vielen Zelten und Strohballen. Durch die „Winterfütterungsanlage für Mutterkühe“ hindurch, die auch als Backstage dient.



Dann das Festival. Menschen! In Massen! Unbeeindruckt vom Schlamm, sich damit bewerfend, auf Hügel ausweichend. Haarfarben in allen Farbtönen. Die AFD und NZS sind hier nicht beliebt! Bier natürlich. Antifa-Merchandise. Auf der Bühne eine Band in Polizeiuniformen, die über Punks lästert. Das Publikum hat Spaß. Das Publikum: Mein Gott, sind die alle jung. Sehr weiblich auch noch. Nichts mit Traditionsveranstaltung. Nichts mit Alte-Männer-fahren-zum-Camping wie in Wacken. Die Szene lebt. Ist politisch. Die Bands sind politisch. Fast fühle ich mich als ältester Anwesender.  Zum Glück gibt es noch eine handvoll Festivalbesucher, die ihre Originalkuttern von 1977 spazierenführen. Aber nicht viele. Jugend. Mit Energie. Sehr wenig Handies, fast niemand, der auf sein Handy schaut, sehr wenige Leute am Fotografieren, sehr viele Leute am Spaß haben.



Auch der Pressegraben bleibt leer. Wir sind eine handvoll Leute, die versuchen die schlimmsten Pfützen zum umgehen und nicht all zu sehr mit Schlamm beworfen zu werden. Auf der Bühne Siberian Meat Grinder. Sieht geil aus. Aber ich verstehe kein Wort – habe später zu Hause noch mal Videos geschaut, verstehe immer noch kein Wort –aber sie geben coole Interviews. Und ich mag die Musik.

The Kids are alright

Nix mit Traditionsveranstaltung. Junge, politische Menschen mit DIY-Ethos, Hammerbands, viel Spaß, wenig Handies, friedlich und doch entschlossen. Ihr seid super.

Weiteres

Für mehr Hintergrundinformationen gibt es hier und hier Interviews mit den Machern des RTEs. Hier bei Uglypunk.  Der Wikipedia-Artikel ist noch in Arbeit.

Das Festival selbst hat ein umfängliches Archiv über all’die letzten Jahre

Schöne kommentierte Fotostrecke bei Bierschinken.net: Resist to Exist Tag 2

Geradezu niedlich war es wie die Lokalzeitungen über das Treffen der Punker berichteten. Durchaus sympathisch und sympathisierend, aber der kulturele Abgrund den es zu überbrücken galt, war groß. Kein Wunder, dass sich die Zeitungen ganz besonders über das Festivalbaby Silas freuten, das auf dem Festival geboren wurde. "Festival-Baby Silas ist wohlauf."


No Way Back

Und zum Schluss:




Pokémon in der Wikipedia

12:09, Saturday, 03 2018 March UTC

Pikachu ist ein Pokémon. Nein, Pikachu ist DAS Pokémon. Oder, um es im Wikipedia-deutsch zu sagen:

Das Pikachu (jap. ピカチュウ, Pikachū) ist ein fiktives Wesen und das bekannteste Pokémon aus den gleichnamigen Videospielen der japanischen Spielesoftwarefirma Game Freak, sowie eine Kernfigur im zugehörigen Anime. [...] Japanische Forscher des Osaka Bioscience Institute benannten nach dem Pokémon ein neu entdecktes Protein, Pikachurin, welchem eine Rolle beim Bewegungssehen zugeschrieben wird.

Ana.b747.pokemon.arp.750pix
Bild: Ana.b747.pokemon.arp.750pix Von: Adrian Pingstone Lizenz: Public Domain. Warning: One or more elements in this image are protected by copyrightSome parts of this file are not fully free but believed to be de minimis for this work. Derivatives of this file which focus more on the non-free element(s) may not qualify as de minimis and may be copyright violations. As a direct consequence it might be needed to review the copyright status if you crop the picture.

Außerdem ist Pikachu sehr gelb, sehr niedlich und vermutlich das einzige Pokémon, das auch viele Nicht-Spieler kennen. Pikachu wird seit mittlerweile 11 Jahren in seinem eigenen Wikipedia-Artikel vorgestellt. Pikachu begann sein deutsches Wikipedialeben am 25. Februar 2005.



Pikachu im Jahr 2005


Die damalige Beschreibung in der Wikipedia lautete:

Pikachu (ピカチュウ Pikachu) ist ein sogenanntes Pokémon aus den gleichnamigen Computerspielen der japanischen Spielesoftwarefirma GAME FREAK inc., sowie dem dazugehörigen Anime. Pikachu stellt eine Art Maus dar und besitzt überwiegend elektrische Fähigkeiten.  (Blitze schleudern, etc.) – es gehört deswegen zum Pokémon-Typ Elektro. Seine interne Pokémon-Nummer ist 156 (25 nach alter Zählung).
Damit dauerte es immerhin drei Jahre bis auf den Pokémon-Artikel von 2002 der Pikachu-Artikel folgte. Die Entwicklung des Artikelinhalts von 2005 bis 2016 gestaltete sich typisch für einen Wikipedia-Artikel. Weg von spielinternen Informationen "Blitze schleudern", hin zu Informationen, mit denen auch Außenstehenden etwas anfangen können, wie beispielsweise, die Information über das nach Pikachu benannte ein Protein. Es wird deutlicher, warum Pikachu eine Bedeutung über die enge Pokémon-Welt hinaus hat. 

Es kann nur eines geben


Pikachu bleibt bis heute das einzige Pokémon, der in einem deutschen Wikipedia-Artikel beschrieben wird, weil nach Meinung der deutschen Wikipedianer kein anderes Pokémon die enge Welt des Spielekosmos verlassen hat. Ansonsten blieben Detailinformationen zu den verschiedenen Pokémon-Varianten dort, wo sie die deutsche Wikipedia am liebsten hat. Im - viel zu langen und komplett unlesbaren - Hauptartikel zu Pokémon an sich.

Selbst die "Liste der Pokémon" brauchte acht Jahre vom Entstehen des Pokémon-Artikels bevor sie seit 2010 in der deutschen Wikipedia bestehen blieb. Nicht, dass es nicht Leute versucht hätten und sich die Liste nicht zwischenzeitlich in den Jahren von 2002 bis 2010 immer mal wieder einige Monate halten konnte. Aber sie fiel dann stets einem Löschantrag zum Opfer.

Die erste Löschdiskussion der Liste im Mai 2006 war dramatisch.:

* "Fangeschwurbel", 
* "Wikipedia ist keine Sammlung fiktiver Nerv-Monster", 
* "Gibt es irgendeinen Mehrwert gegenüber der Pokémon-Wiki außer den Pseudoerklärungen des Namens?", 
*"löschen und nirgends einarbeiten, es wird doch wohl genügend Pokemon-Fanseiten im www geben, die solche Listen führen können."

gegen

* "die Informationen machen den Pokémon-Artikel zu lang", 
* "wichtiges Medium um junge Leser an die Enzyklopädie heranzuführen" 
* "hat Zusatzinformationen wie einzelne Namen".

2006 wurde die Liste gelöscht. Vier Jahre nach dieser Löschdiskussion hat sich die Wikipedia anders entschieden. Heute stehen alle Pokémon von Nummer 1 Bisasam bis zum nicht-mehr-nummerieren Lunala (gezählt der 740. Pokémon) nebeneinander in der Liste einschließlich der Bezeichnung auf englisch, französisch, japanisch und koreanisch, der Typ (Bisasam: Pflanze/Gift Lunala: Psycho/Geist) und der Kategorie (Bisasam: Samen Lunala: Mondscheibe). Für Nicht-Pokémonista ist dort nicht erklärt, was Typ und Kategorie bedeuten.

Braucht Bisasam einen Artikel?


Dabei wäre beispielsweise ein Artikel über Bisasam diskutabel. Nach Pikachu ist Bisasam das Pokémon, das auch außerhalb der Szene am bekanntesten ist. In der Szene selbst ist es sogar beliebter als Pikachu selbst. Immerhin heißt das englische Pokémon-Spezial-Wiki Bulbapedia nach Bisasams englischer Bezeichnung Bulbasaur. Im deutschen Pokéwiki wiederum ist Bisasam der einzige Artikel über ein Pokémon, der als lesenswert ausgezeichnet wurde.

Bisasam brachte es in der deutschen Wikipedia hingegen auf 13 Löschungen, bevor die Seite komplett gegen Neuanlagen gesperrt wurde. Hier eine Übersicht über die Löschbegründungen:


Die Begründungen laufen im Wesentlichen auf "Fancruft" hinaus. Oder, länger formuliert, es gibt nichts über Bisasam zu sagen, was außerhalb der Spiele von Relevanz wäre oder für das es andere Quellen als die Spielanleitungen gibt.

Deshalb ist die Frage nicht unspannend, wie Wikipedia-Artikel über Bisasam aussähe. Im Pokéwiki bestehen normale Artikel über einzelne Pokémon vor allem aus langen Listen von Fähigkeiten, Entwicklungen und Stufen, die tatsächlich nur für Spieler relevant sind - und größtenteils auch für diese überhaupt nur verständlich. Bei Bisasam ist der Text länger: Dort erfahre ich zum Beispiel:

Bisasams Knolle ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Fähigkeiten. [...] Da Bisasam seine Knolle kurzzeitig an der Spitze öffnen kann, kann es die in der Knolle enthaltenen Samen auch offensiv nutzen, indem es den Gegner mit Samen bombardiert oder auf den Gegner einen Egelsamen schießt, der ihn bepflanzt und ihm Energie absaugt...

In den Spielen ist Bisasam vor allem bekannt für seine Rolle als Starter-Pokémon, die es in den Spielen Pokémon Rot, Blau, Feuerrot und Blattgrün innehat. Zu Beginn dieser Spiele kann sich der Protagonist bei Professor Eich in Alabastia eines von drei Starter-Pokémon aussuchen, zu denen neben Bisasam auch Glumanda und Schiggy gehören. Wählt der Protagonist Schiggy, wird der Rivale Blau Bisasam als Starter-Pokémon wählen. In diesem Fall kämpft Blau dreimal mit Bisasam gegen den Protagonisten: In Professor Eichs Labor, auf Route 22 und in Azuria City.
Das gibt mir tatsächlich einen ganz guten Eindruck wie Pokémon funktioniert und wie es sich von innen heraus anfühlt. Geschrieben wurde der Text aber deutlich von Spielern für Spieler. Mehr externe Perspektive als in im Pokéwiki sollte es in der Wikipedia geben.

Bisasam in der englischen Wikipedia


Glücklicherweise sieht die englische Wikipedia das anders mit den Pokémon als die deutsche Wikipedia. Ein Blick auf den Text im Englischen lässt den Vergleich zu. Dort hat zwar bei weitem nicht jedes Pokémon seinen eigenen Artikel - die englische Wikipedia kennt 43 Artikel zu Pokémon von denen es über 700 gibt. Aber Bulbasaur schon.

Der Artikel über Bulbasaur existiert in der englischen Wikipedia seit 13 Jahren und hat mittlerweile 25.000 Zeichen. Er ist ein schönes Beispiel, wie es hätte anders laufen können. Dort erfährt der Leser, dass Bulbsaur/Bisasam von Ken Sugimori gestaltet wurde, der Name sich aus "Bulb" (Blumenzwiebel) und "[Dino]saurier" zusammensetzt. Es werden viele Vorkommen in vielen Videospielen nacherzählt, noch mehr Vorkommen als diversestes Werbemittel von Flugzeugbemalungen über McDonalds-Happy Meals aufgezählt und erwähnt, dass es die Insel Niue eine Münze mit Bulbasaur auf der Rückseite ausgegeben hat. Außerdem hat die Games-Fachplattform IGN Bulbasaur zum 52. besten Pokémon aller Zeiten gekürt.

Und ich frage mich: handelt es sich beim englischen Wikipedia-Artikel nicht einfach um eine Nacherzählung von Pressemitteilungen? Steht in der englischen Wikipedia nicht der Pokéwiki-Artikel in schlechter? Menschen drucken/prägen/gießen/virtualisieren ein fiktives Monster um Geld zu verdienen. Das sollen sie machen.. Aber ist es wirklich ein Enzyklopädieartikel nachzuerzählen wann/wo/wer dieses tat? Ist es mehr als eine Rohdatensammlung?

Ist es sinnvoll, eine Spielanleitung nachzuerzählen, die einerseits niemand nutzt, der nicht spielt, andererseits dann doch nicht detailliert genug ist, um als Anleitung zu taugen?

Vermutlich hat die Existenz des Bulbasaur-Artikels in der englischen Wikipedia Leute an Wikipedia gebunden/nicht verschreckt, die sonst gegangen wären. Vermutlich hat es viel internen Streit vermieden, eher offen an das Thema heranzugehen. Die praktische Erfahrung zeigt, dass Artikelschreiben viel einfacher ist, wenn man sich nicht dauernd gedanken machen muss, ob ein Thema relevant ist. Aber ist es das wert, dass Wikipedia sich gleichzeitig als ausgelagerte Pressestelle von Nintendo präsentiert?

Was lässt sich daraus lernen - nicht über Pikachu und Bisasam - sondern über die deutsche Wikipedia?

(1) Der Umgangston in Teilen der deutschen Wikipedia war schon 2006 unterirdisch.

(2) Die deutsche Wikipedia hat ein hohes Grundmisstrauen gegenüber reinen Datensammlungen. Ein Wiki funktioniert mit Text gut, zumindest technisch ist es mit Datensammlungen schwierig.

(3) Die deutsche Wikipedia hat ein hohes Grundmisstrauen gegenüber kontrollierter Information. Bisasam hat das Pokémon-Universum nie verlassen. Alles was je an Information über Bisasam öffentlich wurde und öffentlich werden kann, geht letztlich auf Game Freak und Nintendo zurück. Letztlich läuft jeder Artikel auf eine Umformulierung von Inhalten der Anbieter zurück. Die deutsche Wikipedia versteht sich nicht als Reformulierer von Pressemitteilungen.

(4) Auch in der deutschen Wikipedia ist die Lage seit 2006 deutlich entspannter geworden. Die Liste der Pokémon immerhin steht seit sechs Jahren in der Wikipedia.

Bonus: Pokémon Go


Als Bonus die Aufrufzahlen für den Wikpedia-Artikel zu Pokémon Go. Der Hype ist schon vorbei.



Weiterlesen

Die Iberty-Artikel zur Kultur im engeren und weiteren Sinne stehen unter Kultur in Iberty! 

Mehr zu einzelnen Aspekten der deutschen Wikipedia findet sich beispielsweise unter Wikipedia von A bis Z. Ein Versuch.

Ein kurzer Einwurf dazu, wo Wikipedia politisch steht: Wo steht Wikipedia so politisch.

10 Jahre KNORKE 2005-2015 Stadtrundgang mit Wikipedia

21:14, Monday, 26 2018 February UTC

Was waren das für Zeiten im Jahre 2005. Die Wikipedia war klein. Die Welt war groß und aufregend. Dabei ging es in der Wikipedia nicht nur um abstrakte Konzepte, tote alte Männer und den Stoff der Schullehrbücher. Zum Wissen der Welt gehörte auch Wissen über das persönliche Umfeld, das pralle Leben direkt vor der eigenen Haustür oder in U-Bahn-Nähe entfernt.

Hermannstraße (Rixdorf) Apollo-Theater-Garten anno 1900 AK gemeinfrei  
Ort des erstes KNORKES: die Hermannstraße.

Neben den Artikeln über Philosophie und Physik oder Barock und Bariton entstanden in jenen Anfangsjahren auch Wikipedia-Artikel über das eigene Umfeld. Gerade in Berlin präsentiert sich dieses Umfeld nicht immer hübsch und geleckt, sondern auch mal rau und nicht für jeden Stadtführer geeignet.

So um 2005 beschlossen verschiedene Berliner unter den Wikipedianern (unter anderem die Autoren Cornelius, Achim., Lienhard, Rainer) einen Artikel über eine Straße zu schreiben. Die Hermannstraße ist eine Hauptstraße in Neukölln. Sie macht alles aus, was eben auch Neukölln ausmacht: historische Friedhöfe, sozialer Brennpunkt, Fahrradfahren im Slalomverkehr, lebendiges Leben des Kleingewerbes und jede Menge Casinos und Cafés.

Wenn man über eine Straße schreibt, die vor der eigenen Haustür liegt, liegt es nahe, sich diese persönlich anzuschauen. Wenn man zusammen am Thema schreibt, liegt es nahe, sich die Straße zusammen anzuschauen. Der erste wikipedianische Stadtbegehung war geboren. Am 4. Dezember 2005 fand die erste "KNORKE"-Tour der Wikipedia statt. Der Benutzer Marbot war noch nicht als der Meister des perfekten Protokolls dabei, der er später werden sollte, so dass die schriftlichen Überlieferungen spärlich blieben. Was uns im Archiv erhalten blieb, kulminierte in dem Satz:

Im Handwerkerstübchen rund 1 Meter hoher Cappuccino mit zwei Meter Sahne drauf und gefühlten 68 Keksen rundrum für schlappe 1,50 oder so und so weiter ..

Was auch immer bei jener legendären Tour noch geschah: der Artikel über die Hermannstraße wurde zu einem Artikel ausgebaut, der innerhalb der Wikipedia als Qualitätsartikel gilt(*). Die Stadtbegehung fand wieder statt, diesmal an anderen Orten.

Wannsee29
KNORKE on Tour: Hier auf dem Weg zum Wannsee. Bild: Jcornelius CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons

Bereits am 26. Februar 2006 folgte die zweite Tour  am und um den Hackescher Markt und einen Monat später der dritte Anlauf durch die Prenzlauer Allee.


Betreut, gepflegt und koordiniert von den Autoren Cornelius und Lecartia fanden innerhalb des ersten Jahres 10 KNORKE-Wanderungen von Wannsee/Kladow über die "Rote Insel" in Schöneberg, den Beusselkiez in Moabit bis hin zum Osktkreuz statt. In den folgenden Jahren sank und stieg die Begeisterung.

KNORKE-Touren gab es unter anderem im Bayerischen Viertel, im Zillekiez, Links und Rechts vom Ku'damm, zu den AEG-Fabriken auf dem Wedding/Humboldthain, nach Friedrichshagen und durch das Botschaftsviertel. WIr gingen rund um das Autobahnkreuz Schöneberg, wir folgten den 1920ern in Schöneberg-Nord und erkundeten zuletzt Mariendorf. Zusätzlich fanden Sonder-KNORKES mit Adventsessen oder Spieleabend statt.

Der KNORKE-Enthusiasmus folgte dabei dem Rhythmus der Wikipedia. Nach enthusiastischen Aufbruchsjahren und schneller Expansion, spielte es sich danach etwas ein und verlor etwas an Energie. Insgesamt gab es 48 KNORKES in stark wechselnder Frequenz:

2005: 1 Tour
2006: 9 Touren
2007: 8
2008: 12
2009: 6
2010: 2
2011: 2
2012: 4
2013: 2
2014: 2
2015: 0
2016: 1 (bisher geplant)

Karte Berlin Landnutzung
Berlin, Berlin, wir laufen durch Berlin. Bild: By Maximilian Dörrbecker (Chumwa) CC BY-SA 2.0 or ODbL, via Wikimedia Commons

Die Touren verliefen recht unterschiedlich. Allen gemein ist: jemand lädt auf der KNORKE-Hauptseite ein, dann kommen Menschen und man läuft zusammen offenen Auges und wachen Geistes durch die Stadt. Mal sind es lange Waldwanderungen mit seltenen Kurzpausen wie bei Lienhards Tour durch die Morellenberge im Berliner Westend. Mal gibt es historisch erschlossenes in dichter Folge wie beispielsweise die Tour durch das Schloss Charlottenburg mit Achim, Cornelius und Ralf.

Mal sind es Touren ins wahre Leben selbst, "Berlin in your face" geradezu wie die KNORKE-Pioniertat in der Hermannstraße, Ralfs Führung durch die Potsdamer Straße oder Denis' Tour durch den szenigen Schöneberger Norden. Auf jeden Fall wird viel geschaut, viel geredet und für eine Gruppe von 5 bis 15 Leuten auch überraschend viel gelaufen.

Ab und an werden in Folge oder Vorbereitung der Tour Wikipedia-Artikel geschrieben und verbessert. Anfangs dokumentierten die Knorkisten, welche Artikel und Bilder entstanden, im Laufe der Gewöhnung an den Event ließ der Enthusiasmus bei der Dokumentation allerdings nach.

Mal sind die Touren minutiös vorbereitet und geplant, mal gehen alle aus davon aus, dass sie nichts wissen, aber neugierig sind (wie zum Beispiel in Reinickendorf) und mal wissen die Mitlaufenden auch deutlich mehr als derjenige der die Tour plante. Manchmal glauben die Mitlaufenden nur mehr zu wissen als die Person, die vorbereitete. Das wird anstrengend.

Berlin Wedding bayer parkhaus 14.11.2015 13-40-01
Für das 49. KNORKE folgt die Müllerstraße im Wedding.

10 Jahre - KNORKE ist nicht tot. Im Januar geht es weiter mit einer Tour entlang der Müllerstraße im Wedding. Vielleicht klappt im Februar ja zum 50. mal die Jubiläumsausgabe wieder durch die Hermannstraße.

Berlin ist groß, jeder Berliner entdeckt wohl immer noch regelmäßig komplett neue Stadtteile. Und die Stadt verändert sich: Neukölln 2015 ist nicht mehr Neukölln 2005. Es bleibt spannend.

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Der Bericht der angesprochenen Tour durch den Wedding findet sich unter Tanz auf dem Guglhupf, Automatenmaden und die „brutalism appreciation society“ im #wedding

Daraus entwickelte sich das WikiWedding-Projekt, um den Wedding mehr in die Wikipedia zu bringen: Randlage.

Zum KNORKE-Jubiläum veranstaltete ich eine Wiederholungswanderung durch die Hermannstraße - die unter anderem zur Erkenntnis führte, dass die Straße kaum besichtigt wurde: Wikipedistas ignorieren wiederholt die Hermannstraße

Alle Posts zu KNORKE und sonstigen kulturellen Aktivitäten liegen unter: Kultur in Iberty. 



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