de.planet.wikimedia

October 16, 2017

Iberty

10 Regeln für den eigenen Wikipedia-Artikel

Wikipedia ist nicht nur eine Enzyklopädie mit dem Anspruch auf Ewigkeit, sondern auch ein Nachschlagewerk für Ephemeres und zeitgemäß Aktuelles. In der Wikipedia stehen nicht nur Artikel über Themen von Bach und Barock bis zu Bismarck oder zur Binomialverteilung. Im Bastelbrockhaus stehen auch Einträge über lebende Künstler, Sänger, Sportler, Unternehmen, Vereine und Stiftungen.

Nun können diese Künstler, Sänger und andere diese Einträge auch lesen und sind – mal zu Recht mal zu Unrecht – nicht glücklich mit diesen Artikeln. Mal sind die Artikel eigenwillig gewichtet, mal lassen sie das Wesentliche aus, mal sind Daten veraltet und ab und an enthalten die Artikel auch echte inhaltliche Fehler.

Artikel über sich selbst oder seine Organisation zu ändern, ist nicht einfach. Manchmal ist es aber für Wikipedia und die Betroffenen hilfreich. Deshalb hier einige Regeln zum Umgang mit dem eigenen Wikipedia-Artikel.

Maze 01
Auf den ersten Blick wirkt Wikipedia unübersichtlich. Bild: Maze01. Von Nevit Dilmen Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

(0) Vorweg: Wikipedia-Artikel sind böse

Die Grundregeln für den Umgang mit der eigenen Person oder Organisation in Wikipedia ist einfach: existiert noch kein Artikel, so ist das gut. Wikipedianer schätzen es gar nicht, wenn Betroffene über sich selbst Artikel anlegen. Die geschriebenen Regeln verbieten die Artikelanlage in eigener Sache nicht explizit. Die - wichtigeren - ungeschriebenen Regeln sprechen sich stark dagegen aus. Umso kritischer werden Wikipedianer die neuen Artikel begutachten, nach Schwächen und Fehlern suchen. Umso schlimmer wird das Spießrutenlaufen für denjenigen, der diesen Artikel anlegt.

Selbst wenn der Artikel durchrutscht, zumindest am Anfang keine Kritik erfährt: Viele der Ersteller und Objekte von Artikeln rechnen nicht damit, was für eine eindrückliche Erfahrung es sein kann, die Kontrolle aus der Hand zu geben, einer anonymen Gruppe von Menschen eine große Bühne zu geben, das eigene Leben oder die eigene Organisation darzustellen. Eine eigene Website oder ein Facebookauftritt kann dasselbe wie ein Wikipedia-Artikel. Aber man behält die Kontrolle.

Wenn eine Person oder Organisation keinen Wikipedia-Artikel hat, dann sollte sie eine Flasche Sekt öffnen, dankbar sein und sich auf andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit verlegen. In vielen Fällen allerdings existiert der Artikel schon, oftmals nicht zur Zufriedenheit der betroffenen Person. Manchmal muss die Person oder Organisation halt damit leben, dass die eigene Existenz nicht nur Feiernswertes enthält. Manchmal hat sie aber auch legitime Gründe zur Kritik: Veraltetes, Unvollständiges, Fehlerhaftes oder eigentümlich Gewichtetes findet sich in vielen Wikipedia-Artikel. Es gibt die Möglichkeit, etwas daran zu ändern.


(1) Transparenz 


Wikipedia ist überaus kritisch gegenüber Bearbeitungen in eigener Sache. Jeder, der Artikel über sich selbst bearbeitet, muss Grundmisstrauen überwinden und Vertrauen gewinnen.Vertrauen gewinnt man durch Offenheit.

(2) Verifizierung 


Speziell für Bearbeiter in eigener Sache und ganz speziell für Menschen, die professionell unterwegs sind, existiert in der deutschen Wikipedia das Mittel der Verifizierung. Bearbeiter melden sich unter dem Namen ihrer Organisation/ ihrer Person an und stellen damit eine Grundtransparenz her. Danach schicken Sie eine Mail an  info-de-v@wikimedia.org und werden dann von Freiwilligen verifiziert. Weitere Details finden sich unter: Wikipedia:Benutzerverifizierung

(3) Diskussionsseiten 

Zu jedem Eintrag in der Wikipedia gehört eine Diskussionsseite, auf der dieser Eintrag diskutiert wird. Um Konflikte und Konfrontationen zu vermeiden, empfiehlt es sich, jede größere Änderung erst auf der Diskussionsseite mit einigen Tagen Vorlaufzeit anzusprechen. Erst wenn dort kein Widerspruch, oder gar Zustimmung, gekommen ist, sollte der Artikel selbst geändert werden. Taucht auf der Diskussionsseite Widerstand auf, so ist die Diskussionsseite zur Diskussion zu nutzen.


(4) Belegen 


Wikipedia ist eine Enzyklopädie, die verlässlich sein will, die aber jeder anonym bearbeiten kann. Zum Ausgleich legt die Community starken Wert darauf, dass jeder inhaltliche Beitrag belegt wird. Als Belege gelten nur Fakten, die anderswo veröffentlicht sind. Sei es in Büchern, Zeitschriften oder Websites. Diese Pflicht geht soweit, dass selbst Aussagen der Person selbst oder amtliche Dokumente nicht akzeptiert werden – sofern diese nicht an einer externen Stelle veröffentlicht wurden.

Belege im Artikel zur Wikipedia (kleiner Ausschnitt)

(5) Klare, harte Fakten. Keine Adjektive 


Artikel über sich selbst zu ändern, ist selbst unter den besten Umständen ein Drahtseilakt. Die Gefahr besteht, auf andere Autoren zu treffen, die dies aus Prinzip ablehnen und versuchen gegen die Edits zu arbeiten. Aber auch diese Autoren sind an Regeln gebunden. Je besser eine Bearbeitung nachgeprüft werden kann und je eindeutiger diese ist, desto höher sind die Chancen, dass sie bestehen bleibt.

Am besten hierfür eigenen sich unstreitige Zahlen und Fakten. Während Fakten einfach und erwünscht sind, ist dies mit Interpretationen schwierig. Diese sind generell in der Wikipedia verpönt. Je niedriger das Vertrauen ist, das ein Autor genießt, desto schwieriger wird es, Text einzubauen, der auch nur entfernt nach Interpretation aussieht. Adjektive sehen immer nach Interpretation und Wertung aus. Sie haben in einem Artikel über einen selbst nichts verloren.

(6) Verständlich bleiben 


Nun gibt es nicht nur die Community, für die ein Text geschrieben wird, sondern auch die Leser. Leser lieben Wikipedia, weil er hier klare, verständliche Informationen gibt, die sich beim ersten Lesen erschließen. Buzzwords, unverständliches, aber auch Fachsprache und Insiderlingo sind verpönt. Die Community achtet darauf dies durchzusetzen. „Geschwurbel“ ist einer der liebsten Begründungen innerhalb der Community um Text zu streichen.

(7) Mit der Community zusammen 


Wikipedia ist ein grundsätzlich offenes System, das von zahlreichen Vandalen, Trollen und Manipulatoren heimgesucht wird. Dementsprechend ausgebildet und etabliert sind mittlerweile die Mechanismen, unerwünschte Bearbeitungen fernzuhalten. Die etablierte Community hat die informellen, formalen und technischen Mittel Text zu verhindern, kann aber auch unglaublich Großartiges vollbringen. Jede Mitarbeit in Wikipedia, die von Erfolg gekrönt sein soll, funktioniert nur im gegenseitigen Vertrauen mit der Community.

(8) Zu vermeiden: Freunde holen 


Manche Autoren fühlen sich von der Wikipedia-Community übermannt oder ungerecht behandelt und versuchen, Freunde zu motivieren, ihnen beizustehen. Kaum etwas ist schlimmer. Die reine Anzahl von Teilnehmenden in der Diskussion hat kaum ein Gewicht. Wesentlich bedeutender ist das Vertrauen, dass den einzelnen Beteiligten in der Community beigebracht wird. Die Community hat ein eingebautes internes Vertrauenssystem, das maßgeblich auf bisherigen Beiträgen beruht. Wenn aus heiterem Himmel plötzlich eine größere Anzahl neuer Nutzer bei einem Thema auftaucht, lässt das bei vielen erfahrenen Wikipedianern Alarmglocken schrillen. Sie reagieren skeptischer und aggressiver. Dabei gilt: gegen eine skeptisch und aggressive Community zu agieren, hat nie Erfolg. Der Versuch, Freunde zu mobilisieren ist bisher immer nach hinten losgegangen.

(9) Das Sichtungsproblem 


Speziell die deutsche Wikipedia hat das Instrument der Sichtungen eingeführt. Das bedeutet: Änderungen an Artikeln werden sofort gespeichert. Wenn diese Änderungen von einem neuen Autor stammen, sind sie aber nicht sofort für die Öffentlichkeit sichtbar. Dafür muss erst ein erfahrener Wikipedianer sein Ok geben. Je einfacher die Edits sind und je einfacher sich ihr Inhalt extern überprüfen lässt, desto schneller wird die Freigabe erfolgen.

Übersicht über die Seiten, die am längsten nicht gesichtet wurden.

(10) Fotos unter freier Lizenz 


Ein einfacher Weg, das Vertrauen der Community zu gewinnen, Inhalte beizutragen und es Wikipedia zu ermöglichen eigene Inhalte zu nutzen, ist das Bereitstellen von Fotos unter freier Lizenz. Das bedeutet, dass diese Fotos im Nachhinein genutzt, verändert und eingebaut werden können. Allerdings muss dabei der Autor genannt werden ebenso wie der Titel des Fotos. So in Wikipedia und von dort aus dann viral durch das halbe Netz.

Rose Stanwell Perpetual バラ スタンウェル パーペチュアル (7887553466)
Ist ein Foto unter freier Lizenz hochgeladen, kann es unter Autoren-Nennung quer durch das Internet gesehen werden. Bild: Rose Stanwell Perpetual バラ スタンウェル パーペチュアル von: T.Kiya Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Weiterlesen


Der Wikipedia mangelt es nicht an Seiten mit Regeln, Vorschriften und Anleitungen. Auch zu diesem Themenkomplex gibt es eher zuviel als zu wenig zu lesen. Als Einstieg empfiehlt sich: Wikipedia:Interessenkonflikt  und die dortigen Links.

Bei Rückfragen zu bestimmten Einzelfällen, gerne auch eine Mail an mich, dirkingofranke@gmail.com

Alle Iberty-Posts zu Netz- und Kulturthemen finden sich unter. Kultur in Iberty! Eine Übersicht.
<noscript>
</noscript>

by dirk franke (noreply@blogger.com) at October 16, 2017 09:51 AM

October 14, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Coding da Vinci oder worauf ich mich schon freue

Am 21. Oktober startet zum vierten Mal Coding da Vinci. In diesem Jahr in der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin-Schönweide (HTW). Gemeinsam mit unseren Partnern, Deutsche Digitale Bibliothek, Servicestelle Digitalisierung, Open Knowledge Foundation Deutschland, Deutsches Nationalkomitee für Denkmalpflege, HTW, Jüdisches Museum Berlin und den Unterstützern Museum für Naturkunde sowie Anynines, freue ich mich auf den Kultur-Hackathon Coding da Vinci, der schon jetzt ein offizieller Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 in Deutschland ist.

Ich freue mich auf den Spaß

Der Austausch macht Spaß. Bild von OKF.de Heiko Marquardt, Coding da Vinci 2015 – Auftakt CC-BY 2.0 via Flickr Commons

Über die Grenzen des beruflichen Alltags hinweg treffen sich bei Coding da Vinci Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen kommen. Die Welt des bewahrenden Kulturerbes trifft auf die Community der Informationstechnologie.  Mitarbeiter/innen aus Museen, Archiven und Bibliotheken stellen ihre Kulturdaten vor. Coder/innen, Designer/innen und Kulturerbefans kommen neugierig aus den Hörsälen, aus der Schule und aus ihren IT-Jobs in ihrer Freizeit nach Schöneweide, um das digitalisierte Kulturgut zu entdecken. Alle reden von der notwendigen digitalen Transformation. Bei Coding da Vinci hat sie schon angefangen. Denn es geht nicht nur um Technik, nicht allein um urheberrechtliche Schranken, nicht nur um Formate und Schnittstellen. Vor allem geht es darum sich gegenseitig kennen zu lernen. Zu verstehen, welche Perspektiven für den jeweils anderen anregend und wichtig sind. Im Austausch gemeinsame Ideen wachsen zu lassen. Die Digitalisierung der Museumswelt ist kein einmaliger Vorgang, der mit dem Digitalfoto des Artefaktes abgeschlossen ist. Eine App allein reicht nicht, um dauerhaft Türen zwischen den Welten des Kulturerbes und der Informationstechnologie offen zu halten. Es braucht Menschen, die Spaß daran haben, miteinander zu arbeiten. Genau dafür bieten wir bei Coding da Vinci einen Raum. An zwei Tagen, auf geschätzt 500 Quadratmetern gestärkt durch insgesamt ca. 500 Essensportionen werden 200 Teilnehmende aufeinander zugehen und sich austauschen. Ich freue mich darauf, diesen Spaß am kommenden Samstag miterleben zu dürfen.

Ich freue mich auf ungewöhnliche Nullen und Einsen

Eines von 31 Datensets für Coding da Vinci 2017 kommt von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften: die aufgearbeiteten Mitschriften von Alexander v Humboldts “Kosmos”- Vorträgen. Bild von BBAW CC BY

2017 legen wir den Schwerpunkt auf das in Nullen und Einsen digitalisierte Kulturgut der Region Berlin-Brandenburg. Ich freue mich, dass 19 Kultureinrichtungen, vom Wegemuseum in Wusterhausen-Dosse bis zur Berliner Staatsbibliothek unserem Aufruf im Frühjahr gefolgt sind. Sie stellen 31 Datensets bereit. Das Förderprogramm Digitalisierung des Landes Berlin unterstützte 9 Einrichtungen bei der Bereitstellung der Daten. Ich bin gespannt, wie die Mitarbeiter/innen der Daten gebenden Institutionen, ihre Faszination für zum Beispiel zehn Jahre Konzertprogramme des Konzerthauses deutlich machen. Wo liegt der Reiz von ca. 50.000 historischen Fahrscheinen aus aller Welt, die ein Opernsänger über Jahrzehnte sammelte und die heute vom Deutschen Technikmuseum bewahrt werden?  Die Berlinische Galerie und das Stadtmuseum Berlin lenken unseren Blick auf die hundert Jahre alten Fotos und Zeichnungen des Berliners Heinrich Zille oder auf historische Ansichten von Berlin auf Gemälden. Das Museum für Naturkunde lockt mit 3D-Schlangen, Tierstimmen und Fotos. Warum man doch Zeitungen von Vorvorgestern lesen sollte, enthüllt uns der Kollege der Berliner Staatsbibliothek. Welche Münzen fanden sich unter dem Fußboden des alten Berliner Rathauses und was erzählen sie über die Menschen, die sie dort verloren haben, verrät uns das Landesdenkmalamt Berlin. Und wieso dokumentiert das Wegemuseum alte Schusterwerkzeuge, wenn doch heute Schuhe ganz anders aussehen? Wer das wissen will, macht bei Coding da Vinci mit. Hier kann ich nur eine willkürliche Auswahl für die 31 Datensets von Wikidata bis zum Letteverein aufführen. Zusammen laden sie uns ein, die spannenden Geschichten hinter den Daten zu entdecken. Ich freue mich darauf.

Ich freue mich auf das Staunen

Die Selfieapp Zeitblick von Bastian Clausdorff et al. eine der Gewinnerinnen von Coding da Vinci Nord 2016, CCBYSA

Das eigentlich Wunderbare am Kultur-Hackathon Coding da Vinci, neben den Menschen, die sich einbringen, und den Daten, die sie mitbringen, sind die Ideen und Projekte, die in den zwei Tagen des Kick-Offs in Schöneweide entstehen werden. Ich bin da ganz zuversichtlich. Ich werde wieder viel Anlass haben zu staunen. Denn in den letzten drei Jahren sind schon 54 Projekte im Rahmen von Coding da Vinci entstanden, die jedes für sich genommen, beweisen, welches kreative Potenzial das digitalisierte Kulturerbe birgt. Ein Rahmen wie Coding da Vinci, der eine Vielfalt von Daten mit einer Vielfalt von Menschen verknüpft, bietet offenbar einen fruchtbaren Boden für neue Kunstobjekte wie “Klang der Sterne” von Sandra Trostel oder die Selfieapp “Zeitblick” , die schon über 500 Menschen auf ihrem Smartphone haben, um sich zu amüsieren, welches historische Portrait aus der Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe (Hamburg) mit ihrem aktuellen Gesichtsausdruck korrespondiert. Was wird den Coder/innen und Kulturfans zu den Daten aus dem jüdischen Adressbuch der Zentral und Landesbibliothek Berlin oder den Karteikarten des International Tracing Service einfallen? Ich habe keine Ahnung, daher bin ich ja so gespannt. Ca. 120 Coder/innen und Designer/innen stellen sich dem Coding da Vinci Wettbewerb in 5 Herausforderungen. Wir als Veranstalter sorgen nur dafür, dass in den ersten zwei Tagen von Coding da Vinci hoffentliche ideale Bedingungen für außergewöhnliche Kreativität bestehen. Die Ideen vom Kick-Off sammeln wir auf dem Coding da Vinci “hackdash”. Danach liegt es an den Teams der ehrenamtlich Teilnehmenden, in sechs Wochen Entwicklungs-Sprint ihre Ideen so weit zu Projekten und Produkten zu verdichten, dass sie diese am 02. Dezember im Jüdischen Museum dem Publikum und der Jury vorstellen können. Dann wird es wirklich spannend. Wer von den Teams wird einen der fünf ausgelobten Preise gewinnen? Ich freue mich auf das Staunen ab Samstagabend. Freuen Sie sich mit uns. Folgen Sie der Veranstaltung auf Twitter unter dem Hashtag #codingdavinci und natürlich hier im Blog.

by Barbara Fischer at October 14, 2017 01:05 PM

October 12, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Fürstlich tafeln – Besuch im Schloss Fürstenberg

Am vergangenen Wochenende machten sich im Rahmen einer GLAM on Tour-Veranstaltung über 20 Wikipedianerinnen und Wikipedianer auf den Weg ins Weserbergland. Sie wollten wissen: Woher kommt das weiße Gold?

Ein Gastbeitrag von Schlesinger und Holger Plickert (WMDE)

Im Rahmen der GLAM on Tour-Veranstaltung in Fürstenberg im Porzellan-Museum im Schloss Fürstenberg an der Weser trafen sich Wikipedianer vom 6. bis zum 8. Oktober 2017, dazu der Bericht aus der Perspektive eines Freiwilligen.

Das Porzellanmuseum im Schloss Fürstenberg. Bild von Clemensfranz CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Das Sturmtief Xavier sorgte wie alle solche Sturmtiefs arktischen Ursprungs erwartungsgemäß für Chaos bei der Bahn. Es war also für die Teilnehmer der Veranstaltung im Museum Schloss Fürstenberg (Weser) nur eine mittelschwere Herausforderung. Niemand musste die Nacht in einem Hotelzug verbringen, man reiste dann eben individuell per Automitfahrgelegenheit ins durch ergiebigen Dauerregen durchnässte Wesertal. Das Schloss im Stil der Weserrenaissance war aber geheizt, die Atmosphäre entspannt und die Vorfreude auf ein gutes Abendessen stark zu spüren. Die Porzellanmanufaktur und ihr Museum hießen die Wikipedianer herzlich willkommen und stellten stabiles WLAN sowie eine Handbibliothek zur Verfügung und zeigten großes Interesse an der Arbeit der Schreiberlinge und Lichtbildkünstler mit ihrem beeindruckenden Equipment. Der Leiter des Museums, Dr. Christian Lechelt, erklärte anschaulich sein neu entwickeltes Ausstellungs- und Didaktikkonzept für ein modernes Porzellanmuseum und lieferte einen Abriss der Geschichte der Manufaktur. Der Produktionsleiter, Stephan Hofmann, führte die Wikipedianer durch die Produktionshallen, einen Besuch mit Kaffee und Kuchen im Tecta-Kragstuhlmuseum betreute die Leiterin Daniela Drescher und in weiteren Vorträgen klärten der Archäologe Dr. Christian Leiber und der Vorsitzende des Fördervereins des Glasmuseums Boffzen, Walter Waske, über die Glasherstellung in der Region vom Mittelalter bis zur Gegenwart auf – von der Waldglashütte bis zur industriellen Pressglasherstellung. Im Rahmen der Schreibwerkstatt entstanden viele neue Artikel und Fotos zu zwei Kulturthemen, die bislang in der Wikipedia eher schwach behandelt wurden. Viele der von diesem Wochenende begeisterten Wikipedianer werden jetzt Porzellan und Glas mit anderen Augen sehen.

Dies Foto einer Bomse inspirierte den Ausbau des Wikipedia Beitrages zu diesem Fachbegriff. Bild von Michael Kramer CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

 

Vielen Dank an die Organisatoren von Wikimedia Deutschland, den Mitarbeitern der besuchten Institutionen und natürlich dem Kollegen Brunswyk der das ganze Programm bereits im Vorfeld organisiert hatte. Und als am Sonntag dann noch die Sonne mit der ersten winterlichen Frische zum Vorschein kam, erschien das Wesertal mit seinem einst „rauchenden Schloss“ auf einmal in einem ganz anderen Licht, was auch wieder mehr Lust auf Wikipedia macht. Sc, 8. Oktober 2017 im ICE nach Berlin.

GLAM on TourVeranstaltungen sollen die Vernetzung von Wikipedia-Aktiven und Museen auf lokaler Ebene fördern, unterstützen und verstärken. Dabei steht GLAM als englisches Akronym für Aktivitäten von Kunstsammlungen, Bibliotheken, Archiven und Museen im Netz.

Auf Initiative von ehrenamtlichen Wikipedia-Aktiven lernen sich Mitarbeitende von Kultureinrichtungen und Wikipedianerinnen und Wikipedianer kennen. Diese lokal verorteten Freiwilligen organisieren gemeinsam mit den Kulturinstitutionen und mit Unterstützung von Wikimedia Deutschland etwa Sonderführungen für Wikipedianer, wissenschaftliche Vorträge zu aktuellen Ausstellungen und besonderen Exponaten, Fotoexkursionen oder Schreibwerkstätten. Darüber hinaus können Wikipedia-Einführungs- oder Editierworkshops von Ehrenamtlichen für die Kultureinrichtungen angeboten und gemeinsam mit ihnen durchgeführt werden.

Ziel der GLAM on Tour-Veranstaltungen ist es, persönliche Beziehungen zwischen Wikipedia-Gruppen und Kulturinstitutionen aufzubauen und zu pflegen, um eine langfristige Kooperation und Partizipation zu ermöglichen und dazu beizutragen, dass Freie Inhalte für die Wikimedia-Projekte entstehen und verbreitet werden.

Aktuelle Informationen zu den Stationen finden Sie auf der Projektseite. Wenn Sie selbst eine Idee für eine GLAM-on-Tour-Station haben, dann schreiben Sie Ihre Idee gern in die Kommentare oder per E-Mail an kultur@wikimedia.de.

 

Weiterführende Informationen:

 

by Barbara Fischer at October 12, 2017 05:05 PM

Wikimedia:Woche 40/2017

Die Wikimedia:Woche 40/2017 stellt neue Mitarbeitende bei Wikimedia Deutschland vor. Der Wikimedia-Salon zur Digitalen Agenda und das OER-Festival 2017 werfen ihre Schatten voraus. Der zweite Durchlauf des Fellow-Programms Freies Wissen ist gestartet, ein neues Format der Interwikilinks in der Seitenleiste steht vor der Umsetzung und das Team Technische Wünsche bittet um Feedback. Zur Wikimedia:Woche 40/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at October 12, 2017 03:53 PM

“Offene Technologien für eine offene Gesellschaft” – Wikimedia Deutschland und Freie Universität konzipieren offene Vorlesungsreihe

Welchen Einfluss haben offene Technologien und Wissen auf die Gesellschaft? Diese Frage steht im Zentrum der öffentlichen Ringvorlesung Open Technology For An Open Society“, die Wikimedia Deutschland gemeinsam mit dem Institut für für Informatik der Freien Universität Berlin konzipiert hat. Sie findet als Teil des Projekts Offener Hörsaal, welche seit zwei Jahrzehnten erfolgreich wissenschaftliche Forschung öffentlich zugänglich macht, statt.

Die Zusammenarbeit von Akteuren der Forschung mit Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft soll dabei den Ausgangspunkt für eine Debatte bilden, welche das Verhältnis von offenen Technologien und einer offenen Gesellschaft zum Gegenstand haben soll.

Konzipiert wurde die Ringvorlesung von Prof. Dr. Claudia Müller-Birn (Institut für Informatik, Freie Universität Berlin) und Dr. Dominik Scholl (Wikimedia Deutschland e. V.), welche die Reihe am Mittwoch, den 18.10.2017 ebenfalls mit einem gemeinsamen Vortrag zu dem Thema “Der Beitrag von Wissenschaft und Gesellschaft für Freies Wissen — Fallbeispiele und Perspektiven” eröffnen werden.

Die Wikimedia-Projekte sind ein gutes Beispiel dafür, wie offene Technologien und kollaborative Projekte es Menschen ermöglichen, auf dem Wissen und der Arbeit anderer aufzubauen und damit für die Gesellschaft wichtige Ressourcen zu schaffen.

Als weitere Vertreterin von Wikimedia wird Lydia Pintscher, Produktmanagerin von Wikidata, unter dem Titel “Wikidata: Curating Data around the World with 17000 Volunteers” erklären, wie zivilgesellschaftliche Projekte die gesamtgesellschaftliche Schaffung neuen Wissens auf der Grundlage frei zugänglicher und nutzbarer Daten befördern können.

Das Zusammenspiel aus Forschung und Zivilgesellschaft dient nicht nur dazu offene Technologien aus verschiedenen Blickwinkeln darzustellen, sie stellt zugleich die Frage danach, wie offen eine Gesellschaft sein kann und wie dies von der Offenheit ihrer Technologien abhängt?

Die Termine und Themen der einzelnen Vorträge gibt es hier.

Die Pressemitteilung der Freien Universität Berlin gibt es hier.

by Christopher Schwarzkopf at October 12, 2017 03:05 PM

Xavier, Roadmaps und verrückte Objekte – Ein Bericht vom Auftaktwochenende des Fellow-Programms Freies Wissen

Nachdem Ende September die geförderten Projekte im zweiten Programmjahr des Fellow-Programms Freies Wissen bekanntgegeben wurden, kamen am vergangenen Wochenende alle Programmbeteiligten in der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland in Berlin zusammen, um sich kennenzulernen und gemeinsam mit der Arbeit für kommenden acht Monate zu beginnen. Ein Rückblick auf ein spannendes und erfolgreiches Auftaktwochenende.

Die Fellows und Mentorinnen und Mentoren mit dem Programmteam von Wikimedia Deutschland, Bild: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 191, CC BY-SA 4.0

Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde Sturmtief Xavier, welches Ende vergangener Woche über Deutschland hinwegfegte, dem Auftaktwochenende des Fellow-Programms Freies Wissen einen Strich durch die Rechnung machen – immerhin waren nahezu alle Fernverkehrsverbindungen von und nach Berlin vorübergehend außer Betrieb. Entsprechend kompliziert gestaltete sich für einige der Teilnehmenden die Anreise zum geplanten Auftaktwochenende in der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland. Letztendlich fanden jedoch fast alle Fellows und Mentorinnen und Mentoren ihren Weg ans Tempelhofer Ufer und konnten gemeinsam mit der Arbeit im Rahmen des Fellow-Programms beginnen.

Anhand von Symbolgegenständen veranschaulichten die Fellows ihre Forschungsprojekte im Rahmen des Programms, Foto: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 160, CC BY-SA 4.0

Der Freitagabend stand ganz im Zeichen des gegenseitigen Kennenlernens aller Programmbeteiligten. Nach der Begrüßung durch die Programmpartner stellten die Fellows in kurzen Pitches ihre jeweiligen Forschungsprojekte vor und veranschaulichten diese dabei anhand selbstgewählter Symbolgegenstände. Die insgesamt 20 geförderten Projekte in diesem Jahr reichen von der Etablierung einer offenen Internetplattform zur Ermöglichung von Videokonferenzen zwischen Schulklassen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über die Untersuchung fremdsprachiger Texte in den  Bühnentexten des österreichischen Schriftstellers Peter Handke bis zur Erstellung eines OER-Lehrbuches zum Thema „Open Organizing“. So vielfältig wie die Projekte waren dementsprechend auch die mitgebrachten Objekte, die von einer Gabel über eine VHS-Videokassette bis zum 3D-Druck des Gehirns einer der Stipendiatinnen reichten. 

Am Samstag und Sonntag stand dann die gemeinsame Planung der künftigen Zusammenarbeit zwischen den Fellows und den zehn Mentorinnen und Mentoren im Fokus. Neben den Mentorinnen und Mentoren aus dem vergangenen Jahr konnten für die zweite Programmrunde mit Jun.-Prof. Dr. Sandra Hofhues, Benedikt Fecher, Prof. Dr. Isabella Peters, Dr. Jakob Voss und Dr. Katja Mayer fünf weitere Expertinnen und Experten für Offene Wissenschaft dafür gewonnen werden, den Fellows im Rahmen des Programms bei der Umsetzung ihrer Forschungsvorhaben begleitend zur Seite zu stehen. Nachdem die Teams aus Fellows und Mentorinnen und Mentoren gebildet worden waren, machten sich diese daran, gemeinsam die konkrete Umsetzung der Projekte zu planen. Dabei wurden wichtige Meilensteine und Aktivitäten zur Sichtbarmachung in sogenannten Roadmaps festgehalten und Zielvereinbarungen getroffen. 

Alle Fellows fertigten gemeinsam mit ihren Mentorinnen und Mentoren „Roadmaps“ an, in denen sie die wichtigsten Meilensteine ihrer Vorhaben festhielten, Foto: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 083, CC BY-SA 4.0

Neben der Planung der individuellen Projekte der Fellows blieb auch Raum für die Vertiefung verschiedene Aspekte Offener Wissenschaft beispielsweise durch Vorträge oder Barcamp-Elemente. So zeigte Mentor Jakob Voss auf, wie Offene Wissenschaft und Wikimedia Projekte zusammen passen und welche Projekte dabei besonders relevant sind. Insbesondere wurden in diesem Zusammenhang Wikidata für das Aufbereiten strukturierter Daten und Namen von Entitäten (Personen, Orte etc.), Wikipedia für die Erklärung von Grundbegriffen und Grundlagen sowie Wikimedia Commons für die Veröffentlichung von Mediendateien und Daten hervorgehoben. Peter Kraker zeigte in einem Vortrag auf, wie Scheitern auf hohem Niveau funktioniert und berichtete dabei von seinen Erfahrungen mit dem von ihm initiierten Projekt Open Knowledge Maps.

Wie geht es weiter?

In den kommenden acht Monaten werden die Fellows ihre Forschungsprojekte umsetzen und dabei von ihren Mentorinnen und Mentoren unterstützt und begleitet. Über ihre Erfahrungen mit Offener Wissenschaft werden sie dabei ausführlich berichten, beispielsweise in Form von Vorträgen oder Beiträgen auf dem Wikimedia-Blog und anderen Plattformen.

Mentor Jakob Voss zeigte in seinem Vortrag auf, wie Offene Wissenschaft und die Wikimedia-Projekte zusammenhängen, Foto: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 187, CC BY-SA 4.0

Über die Programmlaufzeit werden von den wissenschaftlichen Partnern — dem Center für Digitale Systeme der Freien Universität Berlin, dem Museum für Naturkunde, der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und der Technischen Informationsbibliothek (TIB) in Hannover — in regelmäßigen Abständen Qualifizierungsangebote rund um Offene Wissenschaft in Form von offenen Webinaren und Workshops angeboten, die offen gestaltet sind, sodass nicht nur die Fellows teilnehmen können und sollen, sondern alle, die sich für Offene Wissenschaft interessieren.

Die Projektseite auf Wikiversity fungiert als zentraler Anlaufpunkt für das Programm. Hier werden unter anderem die einzelnen Projekte der Fellows dargestellt und über Aktivitäten der Fellows im Bereich Offene Wissenschaft berichtet. Auch lädt die Seite explizit dazu ein mitzudiskutieren: Über die Diskussionsseiten können Fragen zu den einzelnen Projekten oder dem Programm an sich gestellt werden und es soll ein Austausch mit Fellows und Mentorinnen und Mentoren über Offene Wissenschaft ermöglicht werden.

Wir freuen uns auf die Arbeit in den kommenden Monaten und über 20 sehr vielversprechende und spannende Projekte zur Förderung Offener Wissenschaft!

 

Das Fellow-Programm auf Twitter: #FellowsFreiesWissen

Mehr Bilder der Veranstaltung finden sich auf Wikimedia Commons.

 

by Christopher Schwarzkopf at October 12, 2017 11:49 AM

October 11, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia ist Partner des OER-Festivals 2017 #OERde17

Vom 27. bis 29. November 2017 dreht sich beim OER-Festival in Berlin alles um freie Bildungsmaterialien (Open Educational Resources, OER). Auch in diesem Jahr ist Wikimedia Deutschland wieder Partner des Festivals #OERde17 und hat fünf Gästelistenplätze zu vergeben.

Thomas Trutschel, Photothek, CC BY 4.0 via https://open-educational-resources.de

Was wird gefeiert?

Das Thema OER hat in den letzten Jahren deutlich an Fahrt aufgenommen und gewann auch auf politischer Ebene an Bedeutung. Im Anschluss an das Projekt Mapping OER von Wikimedia Deutschland e. V. sowie der OER-Machbarkeitsstudie des Deutschen Instituts für Pädagogische Forschung (DIPF) werden seit dem Frühjahr 2017 mehr als 20 Projekte gefördert, um OER nachhaltig in allen Bildungsbereichen zu verankern. Seither engagiert sich eine Vielzahl von Einzelpersonen, Projekten, Initiativen aber auch Institutionen für die weitere Förderung und Verankerung von OER im deutschsprachigen Raum. Das OER-Festival bietet diesem Engagement einen Ort des Austauschs und der weiteren Vernetzung.

Die Veranstaltung ist in verschiedene Formate unterteilt: das OERcamp, der OER-Award und das OER-Fachforum. Die praxisorientierten Workshops im OERcamp richten sich besonders an Menschen, die bereits mit OER arbeiten oder sich dafür interessieren. Auch spontan können noch eigene Themen in Barcamp-Sessions eingebracht werden. Im OER-Fachforum finden Panel-Diskussionen, Vorträge und Präsentationen statt. Das Forum ist eine Dialogplattform für Organisationen, Initiativen und Projekte, die bereits zu OER arbeiten sowie für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Behörden, Ministerien, in Aus- und Fortbildungsverantwortung, in Verbänden und Stiftungen sowie in Bildungsinstitutionen aller Bereiche. Zudem werden im Rahmen des OER-Festivals zum zweiten Mal die OER-Awards verliehen. In neun Kategorien werden die besten OER-Angebote im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet. Als Partner des OER-Festivals ist Wikimedia Deutschland mit einem Sitz in der Jury des OER-Awards sowie mit Workshops und Panel-Sessions auf dem OERcamp und dem Fachforum vertreten. Detaillierte Informationen zum Programm des Fachforums folgen in Kürze.

Anmeldung und Ticketverlosung

Die Anmeldung zum Festival ist ab sofort möglich (hier geht es zur Anmeldung). Die Teilnahmeplätze sind begrenzt und werden in der Reihenfolge des Eingangs vergeben. Unter allen Interessierten, die die Veranstaltung lieber ohne Teilnahmekosten besuchen möchten, verlosen wir Gästelistenplätze an die ersten fünf Einsendungen. Wir freuen uns über eine E-Mail bis zum 16.10.2017 an bildung@wikimedia.de

by Christina Rupprecht at October 11, 2017 04:40 PM

September 29, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Kultur geht nur gemeinsam

Vom 18. und 20. Oktober findet zum siebten Mal die internationale Konferenz Zugang Gestalten! statt, diesmal in den Räumen der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main.

Wikimedia Deutschland ist bereits seit Beginn der Reihe Mitausrichter der Veranstaltung.


Passend zum übergeordneten Motto Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe diskutieren bei Zugang Gestalten! Fachleute aus der ganzen Welt über die Herausforderungen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit im digitalen Zeitalter. Dabei treffen nicht nur Experten aus Kulturinstitutionen zusammen, vielmehr wird der Dialog ebenso geöffnet für Vertreter aus Wirtschaft und Politik sowie für alle sonst am Thema Zugang Interessierten. Am Vorabend des Europäischen Jahres des Kulturerbes 2018 steht in diesem Jahr die Konferenz thematisch unter dem Schwerpunkt “Zusammen Arbeiten”. Schirmherrin ist die Deutsche UNESCO Kommission, Gastgeberin die Deutsche Nationalbibliothek und spiritus rector wie jedes Jahr Dr. Paul Klimpel.

Wikimedia Deutschland setzt mit zwei weltweiten Community-Projekten wichtige Akzente zum diesjährigen Schwerpunkt. Freiwillige im digitalen Ehrenamt der Wikimedia Bewegung stellen die beiden Projekte vor: Zum einen Wikidata, die freie Wissensdatenbank, die für Menschen und Maschinen gleichermaßen lesbar inzwischen schon zu über 37 Mio. Begriffen strukturierte Daten gesammelt hat. Zum anderen Wiki Loves Monuments, den weltweit größten Fotowettbewerb, bei dem Freiwillige in weit über 40 Ländern Fotos unter freier Lizenz von denkmalgeschützen Gebäuden und Objekten einer internationalen Jury präsentieren. Seit 2010 sind so bereits über 1,7 Mio Bilder entstanden und dem Freien Wissen zur Verfügung gestellt worden. Eine Auswahl dieser Bilder wird auch auf der Konferenz ausgestellt werden. An diesen beiden Projekten thematisieren wir verschiedene Ebenen der Zusammenarbeit:

  1. Maarten Dammers wird mit “Wikidata for GLAMs” den Blick auf eine Plattform richten, die die notwendige Infrastruktur für eine globale Zusammenarbeit bilden kann. Marten Dammers stellt in seinem Vortrag dar wie Wikidata für Kultur und Gedächtnis-Institutionen sinnvoll für Wissensim- und -export genutzt werden kann.
  2. Leila Zia zeigt anhand von “Wiki Loves Monuments” wie länder-, sprachen- und spartenübergreifende Zusammenarbeit ohne großen Kostenaufwand, mit viel Spaß und dabei sehr effektiv organisiert werden kann, und dass auch die Zusammenarbeit von Institutionen mit Freiwilligen großes Potenzial bietet.

Es wird eine Keynote von Jens Nymand-Christensen geben, dem stellvertretenden Direktor der Generaldirektion Bildung, Jugend, Sport und Kultur der EU-Kommission, sowie zahlreiche weitere spannende Beiträge unter anderem von Ben White (British Library) zum Thema Text and Data Mining, von Sabine Schrimpf (Deutsche Nationalbibliothek) zum Thema Langzeitarchivierung, von Maximilian von Grafenstein (Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft) zum Thema Infrastrukturen und von Christine Kolbe, Koordinatorin bei Edulabs.de und Initiatorin von „Open Everything“. Sie wird einen Exkurs zur Bedeutung des Paradigmas freier Inhalte für die Arbeit von Gedächtnisinstitutionen unternehmen. Den Themenblock “Geschichte der Zusammenarbeit” mit Beiträgen von Boerries von Notz; Dr. Jakob Voß und Oliver Hinte moderiert am Donnerstag um 13:00 Uhr Barbara Fischer, Kuratorin für Kulturpartnerschaften bei Wikimedia Deutschland.

Das ausführliche Konferenz-Programm finden Sie hier.

Die Konferenz Zugang Gestalten! wird gemeinsam organisiert von: Deutsche Nationalbibliothek, Deutsches Nationalkomitee  für Denkmalschutz, Das Bundesarchiv, Servicestelle Digitalisierung, Jüdisches Museum Frankfurt am Main, Deutsche Digitale Bibliothek, ZKM Karlsruhe, iRights info, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Historische Museen Hamburg, deutsches filminstitut filmmuseum, Wikimedia Deutschland e. V. – und wird unterstützt durch das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main.

by John Weitzmann at September 29, 2017 01:26 PM

Fellow-Programm Freies Wissen: Das sind die Fellows im Programmjahr 2017/2018

Mit dem Fellow-Programm Freies Wissen werden in diesem Jahr erneut Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen dabei unterstützt, ihre wissenschaftliche Arbeit offen zu gestalten. Aus insgesamt 78 Einreichungen für das zweite Programmjahr wurden nun die besten 20 Bewerberinnen und Bewerber ausgewählt. Zum Programmauftakt treffen sie vom 06. bis zum 08. Oktober in Berlin mit den Mentorinnen und Mentoren und dem Programmteam zusammen, um die Umsetzung ihrer Projekte in den kommenden acht Monaten zu beginnen.

Nachdem das Fellow-Programm Freies Wissen im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Stifterverband als neues Konzept zur Förderung Offener Wissenschaft ins Leben gerufen wurde, wird das Programm in diesem Jahr fortgesetzt. In diesem Jahr werden erneut Stipendien an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben, die lernen möchten, die Offene Wissenschaft in der Praxis funktioniert. Im zweiten Programmjahr beteiligt sich neben Wikimedia und dem Stifterverband auch die VolkswagenStiftung als Partner am Fellow-Programm. Darüber hinaus bringen sich mit der Technischen Informationsbibliothek (TIB), dem Museum für Naturkunde Berlin, dem Center für Digitale Systeme (CeDiS) der Freien Universität Berlin und der Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen vier wissenschaftliche Partner mit Qualifizierungsangeboten zu verschiedenen Themen rundum Offene Wissenschaft in das Programm ein.

Die Auswahl der Fellows für das zweite Programmjahr 2017/2018 steht fest

Anfang Juni wurde die Ausschreibung für die zweite Programmrunde veröffentlicht, in der insgesamt 20 Stipendien vergeben werden. Wie schon im vergangenen Jahr stieß die Ausschreibung auf großes Interesse, insgesamt wurden 78 spannende Projektideen eingereicht (im Vorjahr waren es 73 Einreichungen), viele davon können auf Wikiversity eingesehen werden. Die Jury hat aus den eingereichten Projekten nun die 20 besten ausgewählt, die im Rahmen des zweiten Programmjahres gefördert werden. Wie bereits im vergangenen Jahr kommen die Fellows aus ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen.

Die Fellows 2017/2018 und ihre Projekte in der Übersicht:

Programmauftakt vom 06. bis 08. Oktober in Berlin

Anfang Oktober kommen die Fellows in der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland in Berlin zusammen, um sich kennenzulernen und gemeinsam mit ihren Mentorinnen und Mentoren die Umsetzung ihrer Projekte in den kommenden acht Monaten zu planen. Wer die Fellows und und die Mentorinnen und Mentoren näher kennenlernen und einen Einblick in Inhalt und Ablauf des Programms erhalten möchte, ist herzlich eingeladen, an der Abendveranstaltung am 06. Oktober teilzunehmen, die von 18:00 Uhr bis 21:00 Uhr in der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland stattfindet. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, es wird jedoch um eine kurze Anmeldung (per Mail an wissenschaft@wikimedia.de) gebeten.

Evaluation des ersten Programmjahres 2016/2017 veröffentlicht

Der Abschlussbericht fasst die Erkenntnisse und Ergebnisse des ersten Programmjahres 2016/2017 zusammen und kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Das Fellow-Programm wird durch einen einen mehrstufigen Evaluationsprozess begleitet, um die Wirkungen des Programms im Hinblick auf die Förderung Offener Wissenschaft zu erfassen und Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Programms zu sammeln. Die Ergebnisse dieser umfassenden Evaluation der ersten Programmrunde wurden nun in Form eines Abschlussberichtes veröffentlicht, der eine Übersicht über beabsichtigte und tatsächlich erzielte Wirkungen des Programms im vergangenen Jahr gibt. Die Ergebnisse des Abschlussberichtes wurden unter anderem auf der diesjährigen Wikicon in Leipzig vorgestellt und diskutiert. Besonderer Fokus lag hier auf der Integration der Wikimedia Projekte in die offene wissenschaftliche Arbeitspraxis der Fellows im Rahmen der geförderten Forschungsprojekte. Der Abschlussbericht ist als PDF auf Wikimedia Commons zu finden.

 

by Christopher Schwarzkopf at September 29, 2017 12:04 PM

September 28, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 38/2017

Die Wikimedia:Woche 38/2017 beschäftigt sich in der letzten Septemberwoche mit den Ergebnissen aus dem zweiten Auswertungszeitraum des Förderbarometers von Wikimedia Deutschland, dem neugewählten ehrenamtlichen Vorstand von Wikimedia France sowie dem Endspurt beim Fotowettbewerb Wiki Loves Monuments. Die Registrierung zur Konferenz „Zugang gestalten!“ und zum Kultur-Hackathon „Coding da Vinci“ ist gestartet. Zur Wikimedia:Woche 38/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at September 28, 2017 04:23 PM

Quo vadis, Digitalpolitik? Rückschau auf unsere Blogbeitrag-Serie zur Bundestagswahl 2017 – Und neue Entwicklungen.

Wohin steuert die Bundesregierung in der Digitalpolitik? By Alf van Beem [CC0]

Die Wahl ist entschieden, die neue Sortierung der Bundesregierung noch lange nicht; eingedenk zarter Anzeichen einer bürgerrechtsfreundlicheren digitalpolitischen Ausrichtung durch FDP und Grüne im Falle einer Jamaika-Koalition.
Wir bieten an dieser Stelle einen kurzen Rückblick auf unsere Serie „Spezial zur Bundestagswahl 2017“, bei der wir die politische Landschaft programmatisch genauer unter die Lupe genommen haben. In einigen Punkten gibt es Neues zu berichten.

 

Wir fragen den Justizminister: Wäre eine Einführung von Upload-Filtern vereinbar mit Grundrechten?

Die momentan auf EU-Ebene laufende Urheberrechtsreform enthält unter anderem einen Vorschlag zur flächendeckenden Einführung von Upload-Filtern auf allen Plattformen, bei denen Menschen Material hochladen können. Begründet wird das mit einer dadurch verbesserten Durchsetzung des Urheberrechts, das Missbrauchspotenzial ist jedoch unübersehbar. Nachdem nun bekannt geworden war, dass sich die Regierungen von sechs anderen EU-Mitgliedsstaaten an den Juristischen Dienst des EU-Rates mit der Frage gewandt hatten, ob solche Filter überhaupt mit den Grundrechten vereinbar wären, wollten wir von Bundesjustizminister Heiko Maas wissen, wie die Bundesregierung zu dieser Frage steht.

Nun gibt es ein neues Leak: Die deutsche Delegation beim EU-Rat schreibt in einem als vertraulich eingestuften Fragenkatalog an den Juristischen Dienst des EU-Rates, den die britische Bürgerrechtsorganisation Statewatch veröffentlicht hat, es sei „zweifelhaft“, ob der Vorschlag aus Brüssel für Upload-Filter auf Online-Plattformen im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen mit den Haftungsprivilegien aus der E-Commerce-Richtlinie vereinbar sei.

Das sind zwar nicht direkt die Grundrechte, nach denen wir gefragt haben, aber die genannten Regeln der E-Commerce-Richtlinie dienen zumindest auch dem Schutz der Meinungsfreiheit, indem sie Plattformbetreiber bislang von einer Pflicht zur generellen Überwachung ihrer Plattformen freistellen.

Der Gegenwind für die Upload-Filter-Vorschläge wurde noch etwas stärker, als durch eine offizielle Anfrage der Europaabgeordneten Julia Reda bekannt wurde, dass die EU-Kommission eine von ihr selbst beauftrage Piraterie-Studie unter Verschluss gehalten hat. Sie war bereits seit 2015 fertig und stellt keine nennenswerten Verdrängungseffekte kommerzieller Medienangebote durch Netzpiraterie fest – außer bei Blockbustern kurz nach dem Kinostart. Die Ergebnisse der Studie lassen sich als Bestätigung jener Positionen lesen, die komfortable legale Angebote und faire Preise als bestes Mittel gegen Online-Piraterie ansehen. Wie es aussieht hielt die Kommission die Studie bis jetzt unter Verschluss, um strengere Maßnahmen zur Rechtsdurchsetzung wie beispielsweise die angedachten Upload-Filter nicht argumentativ zu untergraben.

Wahlprüfsteine der Koalition Freies Wissen

Die Koalition Freies Wissen, ein Zusammenschluss mehrerer zivilgesellschaftlicher Organisationen, zu dem Wikimedia Deutschland gehört, hat Wahlprüfsteine zu digitalpolitischen Themen an zur Bundestagswahl antretende Parteien verschickt. An die Antworten werden wir die Parteien nach der Wahl bei Bedarf erinnern:

Analyse der Parteiprogramme: Wieviel Open Culture steckt wirklich drin?

In einem Blogbeitrag analysiert Barbara Fischer einige der Programme danach, welchen Stellenwert die Parteien jeweils dem kulturellen Erbe beimessen und wie sie es auch in einer immer mehr digitalisierten Alltagswelt zugänglich machen wollen:

Auch zur Bundestagswahl verfügbar: Der Digital-O-Mat, ein Wahl-O-Mat für digitalpolitische Themen

Am 29.8. hat die Koalition Freies Wissen (wie zuvor bereits zur Landtagswahl in NRW) ein interaktives Vergleichswerkzeug zu den Haltungen der Parteien zu digitalpolitischen Themen veröffentlicht, den „Digital-O-Maten“. Ähnlich dem Wahl-O-Maten der Bundeszentrale für politische Bildung kann man darin die eigenen Positionen durch Klick auswählen und erhält eine Auswertung dazu, mit welcher Partei man am ehesten auf einer Linie liegt.

1 Frage – 1 Antwort: Wie schätzen Netz-Insider digitalpolitische Entwicklungen ein?

Wir haben sechs Personen mit besonderen Einblicken ins Netzgeschehen jeweils eine Frage zur voraussichtlichen Entwicklung der Digitalpolitik gestellt. Mit dabei sind Markus Beckedahl, Julia Kloiber, Arne Semsrott, Peter Bihr, Leonhard Dobusch und Ellen Euler:

Veranstaltung – Networks & Politics „Luciano Floridi and Jeanette Hofmann on Data Ownership“ 10.10.17

Wikimedia Deutschland unterstützt seit 2016 die Veranstaltungsreihe networks&politics, die dazu dient, Akteure aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft mit Interesse an internationaler Internetpolitik und ihrer Auswirkung auf nationaler Ebene besser zu vernetzen. Am 10. Oktober möchten wir über die von der Bundesregierung befeuerte Debatte über ein so genanntes Dateneigentum diskutieren. Die Diskussion beginnt mit einem Gespräch zwischen Luciano Floridi, Professor der Philosophie und Informationsethik an der Universität Oxford und Jeanette Hofmann, Professorin für Internetpolitik und Direktorin des Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.

Veranstaltung – Das ABC des Freien Wissens „P=Politik im Netz. Wohin steuert die Digitale Agenda?“ 02.11.17

Logo „Das ABC des Freien Wissens“, By Markus Büsges, leomaria, CC BY-SA 3.0

In unserer Veranstaltungsreihe rund um Freies Wissen fragen wir am 2. November 2017, wie sich Netzpolitik entwickeln und was vom Komplex „Digitale Agenda“ zu erwarten sein wird. Besonders interessiert uns hierbei natürlich thematisch, ob und wie etwa die Themen Open Government, Open Data und Open Source gestärkt werden können. Als Gäste erwarten wir Vertreterinnen und Vertreter aller Parteien, die im Ausschuss Digitale Agenda vertreten sein werden. Der Salon findet ab 19:00 Uhr diesmal im Veranstaltungssaal von ALEX Offener Kanal Berlin statt.

by Lilli Iliev at September 28, 2017 12:46 PM

September 22, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

1 Frage – 1 Antwort, Teil 3: Was sagen Netz-Insider zur Entwicklung aktueller digitalpolitischer Themen?

Spezial zur Bundestagswahl 2017 – Wohin steuert die Politik zur Förderung des Freien Wissens?

Anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl schauen wir uns in der Blogbeitrag-Serie „Spezial zur Bundestagswahl“ die Wahlprogramme der Parteien, Antworten auf unsere Wahlprüfsteine und Ansichten von Netz-Insidern zur politischen Gestaltung (oder Verwaltung) des Freien Wissens an.

Teil 3 – Institutionen und Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Ellen Euler auf der Konferenz „Das ist Netzpolitik!“ 2017, Foto: Jason Krüger, CC BY-SA 4.0

Ellen Euler
…ist Informationsrechtlerin und begleitete als stellvertretende Geschäftsführerin den Aufbau der Deutschen Digitalen Bibliothek. Im Juli 2017 übernahm sie die Professur für Open Access/ Open Data an der FH Potsdam.

WMDE: Sind die öffentlichen Institutionen in Deutschland eher Treiber oder eher Bremser des digitalen Wandels?

Ellen Euler:

Das ist eine gute Frage, die sich aber schwer beantworten lässt. Wahrscheinlich sind sie eher Getriebene. Die öffentlichen Institution werden in dem was sie tun wollen häufig durch das Recht ausgebremst.

Insbesondere das Urheberrecht entscheidet darüber, was sie dürfen und was nicht. Denn als Ausschließlichkeitsrecht ermächtigt es zunächst die Rechteinhaber, also die Urheber, Verleger, Tonträgerhersteller, Filmproduzenten und Datenbankhersteller, darüber zu entscheiden, was gespeichert, digitalisiert und verfügbar gemacht werden darf.

Dem, was die öffentlichen Institutionen ohne Genehmigung der Rechteinhaber dürfen, sind enge Grenzen gesetzt. Es gibt allerdings Bereiche, in denen die Frage nach Bremser oder Treiber absolut berechtigt ist. Nämlich solche, in denen die Kulturerbe-Institutionen das Recht auf ihrer Seite haben. Da kann man tatsächlich fragen, gestalten sie hier digitalen Wandel tatsächlich progressiv? Wie gehen sie mit den Möglichkeiten der Digitalisierung um? Einerseits betrifft das die Digitalisierung von schon vorhandenem, gemeinfreiem kulturellen Wissen, andererseits den Umgang mit dem Wissen, das sie selbst schaffen und frei verfügbar machen könnten.

Viele Institutionen sind gerade erst dabei, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Es gibt Einrichtungen, die wirklich Treiber sind und sowohl eigens produziertes Wissen, als auch digitalisiertes, schon vorhandenes gemeinfreies kulturelles Wissen ganz großartig und möglichst offen und frei lizenziert verfügbar machen. Andere tun sich damit noch schwer, auch weil sie teilweise eigene kommerzielle Angebote haben. Diese haben einen Turnaround vor sich und müssen oft vollständig umdenken. Das dauert seine Zeit.

Ich denke, in der gleichen Weise, wie von der öffentlich finanzierten Wissenschaft verlangt wird, dass sie alles Wissen auch wieder frei zugänglich macht und damit die digitale Wissensallmende bereichert, sollte ganz klar auch der öffentlich finanzierte Kulturerbe-Bereich, also Archive, Museen, Bibliotheken, Mediatheken und der Rundfunk, seinen Beitrag leisten. Nur frei für alle verfügbares Wissen schafft die Voraussetzung für Innovationen, kulturellen Wandel und demokratische Erneuerungsprozesse.

 

 

Auch Leonhard Dobusch war da. Foto: Jason Krüger (Konferenz „Das ist Netzpolitik!“ 2017), CC BY-SA 4.0

Leonhard Dobusch
…forscht als Professor für Betriebswirtschaft am Institut für Organisation und Lernen der Universität Innsbruck, u.a. zu transnationaler Urheberrechtsregulierung. Er ist Mitglied des ZDF Fernsehrats und bloggt regelmäßig bei netzpolitik.org.

WMDE:
Was muss passieren, damit Öffentlich-Rechtliche nicht nur bei Youtube, sondern auch bei Wikipedia sind?

Leonhard Dobusch:

Es ist ziemlich erstaunlich, dass öffentlich-rechtliche, von der Allgemeinheit finanzierte Inhalte zunehmend bei proprietären, kommerziellen Plattformen wie Youtube und Facebook auftauchen. Wenn man aber bei Wikipedia nach Inhalten sucht, z. B. nach historischen Ereignissen, etwa einer Bundestagswahl, findet man überhaupt keine Videos von öffentlich-rechtlichen Sendern.

Ich halte das für grundfalsch. Die Ursache dafür ist, dass solche Inhalte unter einer offenen Lizenz auf öffentlichen Plattformen wie Wikipedia eingestellt werden müssen. Dazu gibt es in den Anstalten, das weiß ich als Mitglied des ZDF-Fernsehrates, noch sehr unterschiedliche Meinungen. Einige können sich sehr gut vorstellen, zumindest bei Eigenproduktionen, bei denen kein Agenturmaterial verwendet wird, zum Beispiel in der Wahlberichterstattung, Inhalte offen zur Verfügung zu stellen. Es gibt aber andere, die dies zu aufwändig finden und sagen, das bringt uns nichts, die Reichweite ist zu gering, in Wirklichkeit wollen wir uns damit nicht beschäftigen. Und die haben derzeit noch das Sagen.

Ich finde, dass dies dem öffentlich-rechtlichen Auftrag widerspricht. Es ist absolut in Ordnung, dass man auf Drittplattformen wie Youtube oder Facebook präsent ist, ich finde es aber nicht in Ordnung, dass man 100 Prozent der Mittel, die man dafür zur Verfügung hat, ausschließlich für kommerzielle Drittplattformen verwendet und derzeit keine Mittel einsetzt, um Inhalte für gemeinnützige Plattformen verfügbar zu machen.

Bereits bei der Produktion der Inhalte muss mitgedacht werden, ob sich die Inhalte leicht unter einer offenen Lizenz verfügbar machen. Das muss wie selbstverständlich in die Arbeitsabläufe integriert, in die Routine eingefügt werden. Am besten sollte man Inhalte wegklicken, die nicht offen lizenziert ist, quasi offene Lizenzen als default. Zumindest im Bereich von Nachrichten und Magazin-Berichterstattung. Im Bereich von Filmen, beim Tatort, ist die Situation natürlich eine ganz andere. Wenn es um GEMA-Inhalte und Musik geht, stellen sich ganz andere und kompliziertere Fragen. Bei Eigenproduktionen ohne Fremdmaterial aber müssen freie Lizenzen zum Standard werden.

Weitere Beiträge in der Reihe:

 

by Lilli Iliev at September 22, 2017 06:43 AM

September 21, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 37/2017

 

Die Wikimedia:Woche 37/2017 erscheint unter anderem mit folgenden Themen: Wikimedia Deutschland sucht neuen Visiting Wikimedian; Bashkir wird die erste Sprache, die in MediaWiki kollationiert wird; Wiki Loves Monuments 2017 startet in seine letzte Wettbewerbswoche und das Kompetenzzentrums Öffentliche IT von Fraunhofer Fokus, betterplace lab und Wikimedia Deutschland haben im Rahmen einer Studie verschiedene Förderprogramme für digitalen Ehrenamt auf Bundesebene analysiert. Zur Wikimedia:Woche 37/2017 geht es hier.

by Denis Schroeder at September 21, 2017 03:19 PM

Strategie zur Förderung auf Bundesebene des digitalen Engagements empfohlen

Sascha Bierl für WMDE, Digitales Engagement, CC BY 4.0

Das Kompetenzzentrum Öffentliche IT von Fraunhofer Fokus, betterplace lab und Wikimedia Deutschland haben zusammen die Förderung des digitalen Engagements auf Bundesebene analysiert und Handlungsempfehlungen daraus abgeleitet. Die gemeinsame Studie ist jetzt unter einer freien Lizenz (CC BY 4.0) veröffentlicht und kann hier abgerufen werden.

 

 

 

Digitales Engagement wird immer wichtiger

Die Digitalisierung hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche – auch darauf, wie wir uns ehrenamtlich engagieren. In der Bedeutung immer noch unterschätzt, leistet digitales Engagement einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag: von der Wikipedia über mobilfunkgestützte Ersthilfe bis zur Koordinierung von Ehrenamtlichen in Notunterkünften für Flüchtlinge oder OpenStreetMap-Anwendungen. Wikimedia Deutschland hat daher bereits eine Position zur Stärkung des digitalen Engagements veröffentlicht und leistet mit dem White Paper einen analytischen Beitrag im Themenfeld.

 

Es fehlt eine wirksame Förderung

Eine Untersuchung von 34 Fördermaßnahmen auf Bundesebene hat ergeben, dass die Bundespolitik den digitalen Wandel als relevante Einflussgröße und Chance für bürgerschaftliches Engagement zwar anerkennt, in der Förderpraxis jedoch nicht konsequent berücksichtigt. Aus den untersuchten Dokumenten wird nicht deutlich, wie die häufig und zu Recht dargestellten Engagement fördernden Mehrwerte der Digitalisierung praktisch erschlossen werden sollen. Zurzeit adressiert der Bund die Digitalisierung im Engagement weitgehend durch einige kleinere Einzelmaßnahmen, mit denen er auf aktuelle Themen und gesellschaftspolitische Entwicklungen reagiert.

 

Ehrenamtliche der Wikipedia und anderer freier Projekte auf der Konferenz WikiCon, Steffen Prößdorf, Gruppenfoto, CC BY-SA 4.0

 

Über die Analyse des Förderinstrumentariums hinaus haben wir uns mit digital Engagierten zur Förderpolitik auf Bundesebene ausgetauscht.

Ich wünsche mir auch in Deutschland eine Wertschätzungskultur für digitales Engagement“, stellt die Wikipedianerin Geolina163 heraus.

André Gaul, der sich in verschiedenen Projekten digital engagiert, merkt an: „Es herrscht teilweise noch immer ein Misstrauen gegenüber Initiativen wie Freifunk und immer wieder werden kommerzielle Interessen bevorzugt.

Von der Politik wünsche ich mir mehr Unterstützung, indem sie sich für die Veröffentlichung von freien Daten, wie zum Beispiel Grundkarten einsetzten”, so Isabelle K., Ehrenamtliche von OpenStreetMap.

Der Wikipedianer RudolfSimon spricht sich dafür aus, dass die Politik „[…] das Grundrecht auf freies Wissen und auf digitale Infrastruktur vorantreiben“ sollte.

 

Handlungsempfehlungen

Aus der Analyse wird für Wikimedia Deutschland deutlich, dass es an der Zeit ist für eine Förderstrategie auf Bundesebene zur Stärkung des digitalen Engagements. Folgende Aspekte werden im White Paper ausgeführt:

  1. Anerkennung des digitalen Engagements stärken
  2. Digitalen Strukturwandel sowie freie Initiativen und Projekten bei der Vergabe von Fördermitteln berücksichtigen
  3. Digitale Transformation in traditionellen Engagementfeldern unterstützen
  4. Freie Inhalte fördern
  5. Forschung ausbauen

 

Wir freuen uns, wenn die Studie weiterverbreitet wird. Bei Fragen dazu, kannst du dich an community@wikimedia.de wenden.

Link zur Studie

by Julian Fischer at September 21, 2017 12:00 PM

September 20, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

1 Frage – 1 Antwort, Teil 2: Was sagen Netz-Insider zur Entwicklung aktueller digitalpolitischer Themen?

Spezial zur Bundestagswahl 2017 – Wohin steuert die Politik zur Förderung des Freien Wissens?

Anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl schauen wir uns in der Blogbeitrag-Serie „Spezial zur Bundestagswahl“ die Wahlprogramme der Parteien, Antworten auf unsere Wahlprüfsteine und Ansichten von Netz-Insidern zur politischen Gestaltung (oder Verwaltung) des Freien Wissens an.

Transparenz ist schön, macht aber viel Arbeit. Foto: D’Arcy Norman from Calgary, CC BY 2.0

Teil 2 – Zugang zu Daten

Arne Semsrott
ist Politikwissenschaftler und arbeitet u.a. zu den Themen Informationsfreiheit, Transparenz und Lobbyismus. Er arbeitet für Transparency International, Open Knowledge Foundation und FragDenStaat.de.

WMDE: Es gibt immer wieder Kritik, dass eine vollständig offene Aktenführung der öffentlichen Hand zu einem Verlust an Aktenqualität führe, weil z.B. heikle Punkte dann gar nicht mehr dokumentiert würden. Wie kann dieser Effekt vermindert werden?

Arne Semsrott: Das ist tatsächlich ein Problem. Berichten zufolge gibt es Minister, die Notizen in Akten nur noch mit einem Post-It festmachen, um sie bei Bedarf wieder herausnehmen zu können. Es muss hier viel stärker darauf geachtet werden, dass die Aktenqualität gewahrt wird.

 

Zum Beispiel durch Transparenzgesetze, die klare Richtlinien zur Aktenführung geben, damit so etwas nicht mehr erlaubt wird und solchen Vorkommnissen entgegengewirkt wird. Natürlich kann es nicht das Ziel sein, die offene Aktenführung einzustellen, sondern es muss darauf geachtet werden, dass die Qualität von Akten unbedingt bestehen bleibt.

 

Peter Bihr, Foto: Jason Krüger (Konferenz „Das ist Netzpolitik!“ 2017) CC BY-SA 4.0

Peter Bihr
ist Vorsitzender des ThingsCon e.V., der sich für ein verantwortungsvolles und menschen-zentriertes Internet of Things einsetzt. Er hat eine Reihe erfolgreicher Konferenzen rund um neue Technologien gegründet—u.a. ThingsCon, UIKonf und Cognitive Cities Conference.

WMDE: Was würde mit dem Internet of Things geschehen, wenn ein neues “Eigentumsrecht” an allen Arten von Daten eingeführt würde?

Peter Bihr: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, da es Datensätze gibt, bei denen fraglich ist, ob sie überhaupt jemand besitzen kann. Beim Internet der Dinge läuft im Prinzip alles so, dass Datensätze kombiniert und neue Datensätze geschaffen werden. Es ist daher sehr schwer zu sagen, wer diese Datensätze geschaffen hat und/oder wem sie gehören sollten.
Ein Beispiel: Wenn wir im öffentlichen Raum Sensoren haben, und jeder, der vorbei läuft, trägt Daten für diese Sensoren bei; hast du dann das Recht an einem Datum, dass du beigetragen hast? Oder an dem gesamten Datensatz, der entsteht? Auch bei Fitnessdaten besteht die Problematik, dass wir viele aufeinander geschachtelte Datensätze haben, wo es extrem schwer ist, herauszufinden, wer sie geschaffen hat.
Zwar kann man einzelne Beiträge aus den Datensätzen wieder herausnehmen. Aber selbst, wenn man das Recht hätte, beispielsweise einen einzelnen Datensatz wieder zu löschen, würde das nichts daran ändern, dass das gesamte Datenbild erst einmal so bestehen bleibt.
Generell sollten Nutzer viel mehr Rechte an ihren Daten haben. Im Bereich Internet der Dinge passiert das im Moment fast gar nicht. Wir haben keine Datenmobilität, weder Recht auf Einsicht noch auf Löschung von Daten. Das ändert sich demnächst ein bißchen durch die EU-Datenschutzgrundverordnung. Aber ein Dateneigentum stelle ich mir sehr schwierig vor, da gerade vor dem Hintergrund von Big Data so viele Datensätze miteinander kombiniert werden und verknüpfte Daten geschaffen werden, das ist viel zu unübersichtlich.

 

Weitere Beiträge aus der Serie:

by Lilli Iliev at September 20, 2017 09:46 AM

September 14, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 36/2017

 

Die Wikimedia:Woche 36/2017: Die Alpha-Phase zur Planung 2018 geht zu Ende; Wikimedia Mazedonien wird der Chapterstatus aberkannt und die Wiki-Loves-Monuments-Vorjury startet. Es wird die Frage gestellt, warum eBay nicht mehr als Fotoquelle genutzt wird und detektor.fm berichtet über die Zukunft der Wikipedia. Zur Wikimedia:Woche 36/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at September 14, 2017 02:24 PM

1 Frage – 1 Antwort. Was sagen Netz-Insider zur Entwicklung aktueller digitalpolitischer Themen?

Spezial zur Bundestagswahl 2017 – Wohin steuert die Politik zur Förderung des Freien Wissens?

Anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl schauen wir uns in der Blogbeitrag-Serie „Spezial zur Bundestagswahl“ die Wahlprogramme der Parteien, Antworten auf unsere Wahlprüfsteine und Ansichten von Netz-Insidern zur politischen Gestaltung (oder Verwaltung) des Freien Wissens an.

Teil 1 – Communities und Zivilgesellschaft

Julia Kloiber spricht auf der re:publica. By re:publica from Germany, CC BY 2.0

Julia Kloiber
…arbeitet als Projektleiterin bei der Open Knowledge Foundation. Sie hat in den letzten Jahren eine Reihe von Community-Projekten umgesetzt, darunter Code for Germany, ein Civic Tech Netzwerk, das Anwendungen aus offenen Daten entwickelt.

WMDE: Open-Source-Bewegung, Freifunk oder Wikipedia: Digitale Gemeinschaftsprojekte, die Alternativen zum Eigentumsdenken aufzeigen, stehen hinsichtlich Ressourcen, Durchhaltewillen und die Dominanz großer Unternehmen immer wieder unter Druck. Wie können communitybasierte Projekte nachhaltig funktionieren?

Julia Kloiber: Communitybasierte Projekte funktionieren am besten, wenn sie sich auf viele Schultern verteilen. Gerade im Bereich des digitalen Ehrenamts ist es wichtig, die Last von Aufgaben und Verantwortung nicht auf einer einzelnen Person ruhen zu lassen. Für die Nachhaltigkeit von Teams gilt auch der Grundsatz, dass eine Vielfalt an Hintergründen und Skills zu einer besseren Zusammenarbeit beiträgt.

 

Wichtig für gut funktionierende Community-Projekte sind Regeln, ein Code of Conduct, an dem sich Mitglieder orientieren können und auf Basis dessen die Zusammenarbeit geregelt wird. Offenheit kann sich auch positiv auf die Nachhaltigkeit auswirken. Wenn man Open Source entwickelt, können sich andere einklinken und mithelfen, das Projekt weiterzuentwickeln.

 

Markus Beckedahl spricht im Wikimedia-Salon. By Agnieszka Krolik, CC BY-SA 4.0

Markus Beckedahl
…ist Chefredakteur von netzpolitik.org und Gründer der re:publica. Er engagiert sich ehrenamtlich u.a. für Digitale Gesellschaft e. V. und für Creative Commons Deutschland.

WMDE: Auch in der Digitalpolitik scheinen sich auf mittlere bis lange Sicht oft doch die klassischen Lobbies durchzusetzen. Was muss die Zivilgesellschaft ändern, um langfristig Erfolg zu haben?

Markus Beckedahl: Demokratie bedeutet Mitmachen! Um der großen Gegenmacht der Industrie-Lobbys die Interessen der Allgemeinheit entgegen zu setzen, braucht es sowohl vielfältiges Engagement von Vielen als auch eine Professionalisierung und Spezialisierung von Teilen der Zivilgesellschaft. Und dann gemeinsam und vernetzt für eine bessere digitale Gesellschaft kämpfen.

Weitere Beiträge aus der Serie:

by Lilli Iliev at September 14, 2017 09:27 AM

September 12, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wir fragen die Bundesregierung nach Upload-Filtern und Grundrechten

Seit fast einem Jahr läuft in Brüssel und in vielen Ländern der Europäischen Union eine rege Debatte über ein bestimmtes EU-Gesetzgebungsvorhaben: Es soll eine neue Urheberrechtsrichtlinie zum Digitalen Binnenmarkt geben. Bei uns im Blog und anderswo ist das Schlagwort dann meist “EU-Urheberrechtsreform”. Die Regierungen von sechs EU-Mitgliedsstaaten haben sich nun an den Juristischen Dienst gewandt mit der Frage, ob die in den Vorschlägen enthaltene Upload-Filter-Pflicht mit den Grundrechten der EU vereinbar sei. Deutschland scheint sich dagegen eher zurückzuhalten, obwohl man sich hierzulande gern als Wahrer von Grundrechten gibt. Wikimedia Deutschland hat daher nun den Bundesjustizminister gefragt, wie die Bundesregierung die vorgeschlagene Upload-Filter-Pflicht in Bezug auf Grundrechte einschätzt.

Konkret soll eine der Regelungen in Artikel 13 der Richtlinie, so zumindest der ursprüngliche Vorschlag der EU-Kommission, eine Pflicht zum Einsatz von Upload-Filtern schaffen. Alle Betreibenden von Online-Plattformen wären dann verpflichtet, durch “geeignete Maßnahmen” sicherzustellen, dass urheberrechtlich geschütztes Material nur mit Zustimmung der jeweiligen Rechteinhaber bei ihnen online erscheinen kann. Im Einsatz sind solche Systeme bereits unter anderem bei YouTube. Vor allem Musik- und Filmproduktionsfirmen melden Werke bei YouTube an und können bestimmen, ob die Uploads dieser Werke blockiert oder die Firmen an den YouTube-Werbeschaltungen rund um diese Werke beteiligt werden.

Das Problem: Die Upload-Filtersysteme können weder erkennen, ob ein Werk gemäß einer urheberrechtlichen Ausnahme (genannt Schranke) auch ohne Zustimmung der Rechteinhaber erscheinen darf, etwa als Zitat innerhalb eines Erklärvideos, noch ob es aufgrund des Grundrechts der Meinungsfreiheit erscheinen darf, z.B. als Parodie. Das jeweils einzuschätzen, würde eine Abwägungs- und Bewertungsleistung erfordern, die keine künstliche Intelligenz bislang beherrscht und die auch rechtlich nicht durch Automaten durchgeführt werden darf, sondern aus gutem Grund dem Justizsystem vorbehalten ist.

Dass die Meinungsfreiheit durch Upload-Filter massiv beschränkt werden könnte wird klar, wenn man sich vor Augen hält, dass ein großer Teil der zeitgenössisch stattfindenden Kommunikation auf Internetplattformen unter Zuhilfenahme von Bildern, Memes, Videos, Zitaten oder Ausschnitten von Nachrichtenartikeln abläuft. All diese Kommunikation könnte bei automatisierter Filterung erstmal (aus urheberrechtlichen Gründen) hängen bleiben und wäre im Zweifel erst nach erfolgreicher Beschwerde bei der jeweiligen Plattform online sichtbar. Das wäre eine sehr starke Bremse für den Austausch im Netz insgesamt, wofür das Urheberrecht nicht gedacht ist und nie gedacht war. Es wird ohnehin heute schon zu oft missbraucht, um inhaltlich missliebige Inhalte aus dem Netz zu bekommen. Dafür hat sich der Ausdruck “Zensurheberrecht” gebildet.

Wikimedia Deutschland hat sich mit anderen Organisationen gemeinsam klar gegen diese Tendenzen positioniert. Sie gefährden den Informations- und Wissensaustausch insgesamt und damit auch das Freie Wissen in community-basierten Projekten aller Art.

Die Wikimedia-Projekte stehen dabei für den unserer Meinung nach besseren Weg, dem Urheberrecht zur Geltung zu verhelfen: So arbeitet die die Wikipedia seit Jahren mit dem erfolgreich praktizierten Ansatz, das Abstellen von Rechtsverletzungen in die Hände von erfahrenen Freiwilligen, die die erforderlichen Abwägungen vornehmen und mit Betroffenen kommunizieren können. Mit den Upload.Filtern dagegen wird letztlich eine grundsätzliche Abkehr vorgeschlagen von dieser Art Take-Down-Ansatz, bei dem rechtsverletzende Inhalte nachträglich beseitigt werden, hin zu einer Art “Not-even-get-visible”-Regime, bei dem viele rechtmäßige Nutzungen gar nicht oder erst nach erfolgreicher Beschwerde im Netz erscheinen würden.

Dass das zu weit gehen könnte vor dem Hintergrund, dass die Meinungsfreiheit ein Grundrecht nicht nur nach dem Grundgesetz, sondern auch nach der EU-Grundrechte-Charta ist, sehen nicht nur wir so. Sechs Regierungen von EU-Mitgliedsstaaten haben den Juristischen Dienst des Rates der EU, also “ihrer” EU-Institution nach der Grundrechtsverträglichkeit der Upload-Filter gefragt. Deutschland ist nicht in der Gruppe dieser Regierungen, obwohl es bekanntlich zu den beliebtesten Profilierungsfeldern deutscher Politik zählt, die Grundrechte zum wichtigsten Maßstab zu erklären. In seiner Rolle als Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens hat Wikimedia Deutschland daher heute Bundesjustizminister Heiko Maas per Brief gefragt, wie die Bundesregierung die Sache einschätzt.

Wir sind auf die Antwort gespannt, über die wir natürlich ebenfalls berichten werden.

by Denis Schroeder at September 12, 2017 12:46 PM

September 08, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Das war Netzpolitik! Jetzt zum Nachschauen: EU-Urheberrechtsreform, Offene Wissenschaft und Partizipation in Brüssel

Plädoyer für aktives Engagement für digitale Rechte: „Das ist Netzpolitik!“ 2017 Foto: Jason Krüger, CC-BY-SA 4.0

Die 4. „Das ist Netzpolitik!“-Konferenz am vergangenen Freitag startete wütend. Markus Beckedahl, Chefredakteur von netzpolitik.org, zählte auf, welche Themen die Bundesregierung netzpolitisch im letzten Jahr verschlafen hat.

Die Große Koalition betreibt Raubbau an unseren Grundrechten. Markus Beckedahl

Die Abschaltung der linken Plattform Indymedia, die Ausweitung des Einsatzes von Staatstrojanern, die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung und zuletzt die massenhafte Sammlung von Daten beim Bundeskriminalamt zeigen, dass Datenschützerinnen und Aktivisten weiterhin eher damit zu tun haben, Schlimmeres zu verhindern, statt ein freies Netz aktiv und mit allen Akteuren und Institutionen zu gestalten.

Netzpolitisches Weiterbildungsprogramm

Julia Reda (EU-Parlament) und Alexander Sander (digiges) diskutieren über zivilgesellschaftliche Interessenvertretung in Brüssel. Foto: Jason Krüger, CC-BY-SA 4.0

Wie das in der Praxis geht, zeigten die 33 Speakerinnen und Speaker der Konferenz.

Alle Beiträge sind jetzt als Videos abrufbar und als netzpolitisches Weiterbildungsprogramm sehr zu empfehlen. Für Wikimedia Deutschland sprachen Julia Reda, Gregor Hagedorn und Kirsten Fiedler zu folgenden Themen:

Autokraten ein Vorbild sein? Wie die EU über das Urheberrecht die Netzzensur zur Pflicht machen könnte

  • Julia Reda, Vizepräsidentin der Gruppe Grüne/EFA im Europäischen Parlament, gab einen aktuellen Einblick in die laufenden Gespräche rund um Vorschlag von Jetzt-Finanzkommissar Günther Oettinger, alle Plattformen, die User Generated Content beherbergen, zu automatischem Filtern zu verpflichten.
  • Video des Vortrags

Ein Auftrag an die Hochschulen: Berliner Appell für die Offene Wissenschaft

Kirsten Fiedler bohrt mit edri dicke Bretter in Brüssel. Foto: Jason Krüger, CC-BY-SA 4.0

Bursting the Brussels bubble! Wie kann Zivilgesellschaft wirksam Einfluss auf EU-Politik nehmen?

by Lilli Iliev at September 08, 2017 09:36 AM

September 07, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 35/2017

Die Wikimedia:Woche 35/2017 heißt mal wieder neue Gesichter bei Wikimedia Deutschland willkommen und weist auf offene Stellen bei Wikimedia Deutschland hin. Morgen beginnt die WikiCon 2017 in Leipzig, zum Fotowettbewerb Wiki Loves Monuments ist ein Video erschienen und der Digital-O-Mat hat ein Community-Update erhalten. Zur Wikimedia:Woche 35/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at September 07, 2017 03:48 PM

September 06, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

#OpenGLAM? – Bitte warten Sie …

Spezial zur Bundestagswahl 2017 – Wohin steuert die Politik zur Förderung des Freien Wissens?

Anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl schauen wir uns in der Blogbeitrag-Serie „Spezial zur Bundestagswahl“ die Wahlprogramme der Parteien, Antworten auf unsere Wahlprüfsteine und Ansichten von Netz-Insidern zur politischen Gestaltung (oder Verwaltung) des Freien Wissens an.

Offener Zugang zu kulturellem Erbe – Blick auf ausgewählte Wahlprogramme

Zieht eine digitale Kulturpolitik am 24.9. in den Bundestag ein? Lizenzhinweis: Jürgen Matern, Reichstag building Berlin view from west before sunset, CC BY-SA 3.0

IN WENIGER als drei Wochen sind Bundestagswahlen. Zeit für Versprechungen und Zukunftsszenarien. Kulturpolitik ist in Deutschland eine der letzten Bastionen der Länder. Wikimedia Deutschland setzt sich für die Förderung des Freien Wissens ein. Danach soll digitalisiertes Kulturgut – zumal wenn es bereits gemeinfrei ist – frei nachnutzbar sein, sowohl für die Verwendung in Wikimedia-Projekten wie Wikipedia, aber auch darüber hinaus. Dazu braucht es in den Institutionen: Finanzinvestitionen, Ressourcen für die Klärung rechtlicher Rahmenbedingungen, spezielles IT-Know-How und neue Arbeitsprozesse. Ohne Unterstützung der Bundespolitik ist das von den Ländern und in den Institutionen allein nicht zu stemmen. Daher haben wir uns die Parteiprogramme aller im Bundestag vertretenen Parteien sowie der aussichtsreicheren Aspiranten für den Bundestag angeschaut, ob und wie hier über die Zukunft des Kulturerbes im Sinne von #openGLAM nachgedacht wird. Wobei der englische Hashtag #openGLAM für eine weitestgehende offene Nachnutzung digitalisierter Kulturgüter aus den Archiven, Bibliotheken, Museen und Kunstsammlungen im Netz steht.

Die Wahlaussagen der Außenseiter

In den Wahlprogrammen der hier untersuchten sieben Parteien steht grundsätzlich wenig zu Kultur. In der Verknüpfung mit dem Thema der Digitalisierung scheint es, als wäre #OpenGLAM  immer noch “Neuland”. Beginnen wir mit den Außenseitern. Die Piraten, angetreten die digitale Transformation von der Zukunft in die Gegenwart zu holen, fordern: “Die Schaffung von Gemeingütern (Commons), wie beispielsweise Freie Software, freie Kulturgüter… freie Bildungsangebote, muss durch geeignete rechtliche Rahmenbedingungen abgesichert und gefördert werden.” Dazu brauche es eine digitale Agenda für Europa, die durch Fair-Use-Klauseln die Interessen der Allgemeinheit und deren zunehmend in “digitalen Räumen sich abspielende Sozialleben” in Balance zu den Interessen von Urhebern und Verwerten brächten (Seite 89). Das heißt, der Fokus liegt auf: Keine Abmahnung mehr bei der Nachnutzung von Bildmaterial aus dem Museum beim Teilen auf Twitter & Co. Okay, aber die Problemstellungen in den Institutionen, wie fehlende Expertise und Mittel bei der Digitalisierung, bleiben gänzlich unerwähnt.

Die Kulturperspektive der AfD fällt erwartungsgemäß noch enger aus, denn sie will sich allein dafür einsetzen, Kulturförderung von den Fesseln der “politischen Korrektheit” zu befreien (Seite 48).

Digitale Kulturpolitik bei den Juniorpartnern

Die Freien Demokraten schweigen zum Thema Digitalisierung des kulturellen Erbes. Sie fordern zwar “eine Open-Data- und Open-Government-Strategie für Deutschland. Open Data und Open Government bedeuten, dass nicht-unternehmensbezogene oder nicht-personenbezogene Daten der Verwaltung in maschinenlesbarer Form veröffentlicht und frei zugänglich gemacht werden.” Offen bleibt, inwieweit die staatlichen Werke der Archive, Bibliotheken, Museen und Kunstsammlungen hier als mit eingeschlossen gedacht werden sollen (Seite 46). Für die Wahrung der Interessen von Urhebern und Verwertern im digitalen Raum setzt die FDP auf “technische Lösungen” (Seite 47). Auf diese Lösungen dürften wir zu Recht gespannt sein.

Die Linke fokussiert generell den arbeitenden Menschen stärker als die meisten anderen Parteien. Daher fordern sie eine verlässliche finanzielle und personelle Basis für alle Kultureinrichtungen. In den Spiegelstrichen dann eine gesamtstaatliche Digitalisierungsstrategie zur Sicherung und Öffnung der Kulturgüter für alle bei der Veröffentlichungen der Kultureinrichtungen unter freie Lizenz gestellt werden sollten sowie die Zusammenarbeit mit der Deutschen Digitalen Bibliothek ausgebaut werden soll (Seite 58 f.). Details zu dieser Strategie finden sich im Wahlprogramm jedoch nicht. Unklar bleibt auch, ob unter „Veröffentlichungen“ auch das digitalisierte Kulturerbe zählt.

Auch die Grünen erkennen, dass es eine Novelle des Urheberrechtes braucht, dabei sind sie die einzigen, die fordern, die Gemeinfreiheit von digitalisierten Kulturerbe zu schützen (Seite 165 f.). Ansonsten verlangen sie freien Eintritt ins Museum, und wollen allgemein Zugänge zu Kultur fördern. Dazu brauche es eine finanzielle und institutionelle Förderung der Digitalisierung und Konservierung des Kulturerbes (Seite 153 ff.).

Die Volksparteien im Neuland

Die CDU will einen Staatsminister für Digitalpolitik berufen. Ob dieser und wenn in welchem Umfang sich des Themas digitales Kulturerbe annähme, wissen wir nicht. Denn bei 60 Nennungen des Begriffes “digital” im Wahlprogramm findet sich keine Stelle im Kontext mit Kultur. Verwiesen wird in Kulturfragen auf die Länderhoheit (Seite 45 & 49). Ob die Länder sich auch der Novelle des Urheberrechtes widmen sollten, wäre reine Spekulation, da das Wahlprogramm der CDU hierzu schweigt.

Die SPD wird dagegen ziemlich konkret. Sie will das kulturelle Erbe durch Digitalisierung sichern und daher stärker in die Deutsche Digitale Bibliothek investieren (Seite 90). Auch die SPD sucht nach einem Ausgleich zwischen Urhebern, Verwertern und Nutzern im Rahmen des Urheberrechts und setzt auf pauschale Vergütungen (Seite 93).

In keinem Programm fanden sich Aussagen zur aktuellen Debatte zu TTIP, CETA und & Co wie dort transparent für die Sicherung der kulturellen Vielfalt und die Belange der Zivilgesellschaft im Hinblick auf Kultur eingetreten wird.

Zusammengefasst: Für die Aktiven der Wikimedia-Bewegung bleibt noch viel zu tun, um den Gedanken des Freien Wissens in den Köpfen der bundesdeutschen Legislative zu verankern. Jetzt heißt es erst einmal wählen gehen. Dann folgt die Analyse der Koalitionsverträge.

Weitere Informationen:

Bis zum Gipfel ist es ein weiter Weg. Lizenzhinweis: Kira Nerys, Kaskaden1, CC BY-SA 3.0

by Barbara Fischer at September 06, 2017 06:00 AM

September 05, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

„Urheberrecht: Ausreichend und zeitgemäß“ – So antworten die zur Bundestagswahl 2017 antretenden Parteien auf unsere Wahlprüfsteine

Spezial zur Bundestagswahl 2017 – Wohin steuert die Politik zur Förderung des Freien Wissens?

Anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl schauen wir uns in der Blogbeitrag-Serie „Spezial zur Bundestagswahl“ die Wahlprogramme der Parteien, Antworten auf unsere Wahlprüfsteine und Ansichten von Netz-Insidern zur politischen Gestaltung (oder Verwaltung) des Freien Wissens an.

Das Bündnis Freie Bildung, der Digitale Gesellschaft e. V.,  Freifunk, die Free Software Foundation Europe, die Open Knowledge Foundation und Wikimedia Deutschland haben sich wieder zur Koalition Freies Wissen zusammengefunden, um anlässlich der bevorstehenden Wahl des Bundestages am 24. September einige Parteien zu befragen.

Dazu haben wir uns im Sommer 2017 an alle Parteien gewandt, die zur Bundestagswahl antreten und die in allen Umfragen seit letztem Jahr durchgängig die 5%-Schwelle überschritten haben.Die Parteien konnten dabei Stellung nehmen zu aktuellen Themen aus den Bereichen Freie Software, Offene Daten, Freies Wissen, Digitale Bildung und Grundrechten, sowie Zugang zum Digitalen Raum. Geantwortet haben Bündnis 90/Die Grünen, CDU, die Linke, FDP und SPD. Lediglich von der AfD haben wir keine Antwort bekommen.

Die Fragen haben wir versendet, da sich eine Auswertung der Wahlprogramme als für unsere digitalpolitischen Themen zu unkonkret erwiesen hat.  In diesem Beitrag nehmen wir die Antworten der Parteien auf die Fragen des Wikimedia Deutschland e. V. unter die Lupe. 

 

Dateneigentum

Zuerst haben wir die Parteien gefragt, wie sie sich in der Debatte um die Schaffung eines neuen Eigentumsrechtes an Daten positionieren.

Sollte ein dem Sacheigentum gleichgestelltes Eigentumsrecht an solchen faktischen Daten geschaffen werden, wie sie etwa aggregiert bei der Nutzung von vernetzten Kraftfahrzeugen anfallen, um die Nutzung dieser Daten zu einem handelbaren Gut werden zu lassen? Ließe sich eine sachgerechte Regelung auch unabhängig von Sonderschutzrechten auf vertraglicher Basis erreichen?

Hier zeigt sich zuallererst ein Konflikt zwischen den zur Zeit regierenden Parteien und der Opposition. Sowohl die Linke als auch die Grünen lehnen die Einführung eines neuen “Dateneigentums” ab. Die Große Koalition, bestehend aus CDU/CSU und SPD, verweist hingegen darauf, dass die Möglichkeit der Einführung eines Dateneigentums zur Zeit diskutiert wird. Von der FDP wird dem Dateneigentum das Konzept der Daten-Souveränität gegenübergestellt, wobei Daten als “eine Art Eigentum der Menschen” beschrieben werden und die Trennung zu dem noch unbestimmten Konzept des Dateneigentums unklar bleibt.

Als Wikimedia Deutschland e. V. lehnen wir die Einführung eines Eigentumsrechtes an nicht personenbezogenen Daten ab, da die damit einhergehenden Nachteile die kaum vorhandenen Vorteile klar übersteigen. So würde die Schaffung eines “Dateneigentums” unter anderem bedeuten, dass bei jeder Art von Datensammlung zusätzlich zu den legitimen Datenschutzfragen immer auch noch Eigentumsverhältnisse zu klären wären. Die Rechtssicherheit bezüglich der Verwendung selbst von anonymisierten Daten wäre dahin.

Das verhindert nicht nur das Entstehen neuer Wissensinhalte auf der Basis frei zugänglicher Informationen, sondern gefährdet auch die bereits bestehenden Projekte, wie etwa die vielen Datenprojekte rund um Open Street Map und diverse andere Arten von Linked-Open-Data-Projekten wie auch Wikidata sie ermöglicht. Zudem würden auch personenbezogene Daten durch ein Eigentumsrecht nicht etwa besser geschützt, sondern endgültig zum Handelsgut, da das Eigentum endgültig und vollständig auf andere übergehen kann. Der Personenbezug im Datenschutzrecht dagegen bleibt immer bestehen und ist insofern auch in Sachen Privatheit die sicherere Alternative.

Hier die Ansichten der Parteien zum “Dateneigentum” im Einzelnen:

Die CDU/CSU deutet in ihrer Antwort an, dass ein mit dem Sacheigentum und dem geistigen Eigentum vergleichbares Eigentumsrecht an Daten, das im Rahmen der Datenschutzgrundverordnung in ein sogenanntes “Datenregelwerk” integriert werden könnte, als wünschenswert angesehen wird. Der Zugang für wirtschaftliche Zwecke und Sicherheitsbehörden soll dabei genauso im Vordergrund stehen wie die „berechtigten Datenschutzinteressen der Bürgerinnen und Bürger“.

Auch die SPD bezieht sich in ihrer Antwort stark auf das Innovationspotential von wirtschaftlich relevanten anonymisierten Daten, für welche sie das Datenschutzrecht als nicht anwendbar befindet. Fraglich bleibt bei ihrer Antwort, wie beispielsweise “wettbewerbshemmende Ausschließlichkeitsrechte” durch die Schaffung eines Dateneigentums verhindert werden sollen und ob nicht eher die Gefahr besteht, diese damit zu ermöglichen.

Dem gegenüber stehen die Antworten der Grünen und der Linkspartei, welche ein Dateneigentum kategorisch ablehnen:

Die Linke bezieht sich dabei ausdrücklich auf die auch von der SPD angemerkte Tatsache, dass anonymisierte Daten nicht in den regelungsbereich der Datenschutzgrundverordnung fallen und fordert eine Anpassung selbiger. Dies wird damit begründet, dass die rechtliche Zuordnung des Eigentums an Daten nicht davor schützt, dass deren Offenlegung zur Grundvoraussetzung digitaler Partizipation wird.

Die Grünen hingegen sehen in einem Recht auf “Dateneigentum” eine unnötige zivilrechtliche Ausprägung der bereits existierenden informationellen Selbstbestimmung. Sie bemängeln (unserer Ansicht nach zu Recht), dass die aktuelle Diskussion eher die Gefahr birgt, zu einer Monopolisierung von Informationen und damit Wissen beizutragen.

Zuletzt stellt die FDP dem Dateneigentum, wie eingangs angedeutet, das Konzept der Datensouveränität gegenüber, wobei sie sich entgegen der von uns gestellten Frage jedoch auf personenbezogene Daten bezieht. Nach Aussage der FDP sollten Menschen, die ihre Daten beispielsweise bei der Nutzung eines intelligenten Fahrzeugs preisgeben, weiterhin ein Auskunftsrecht über die von ihnen gesammelten Daten haben sowie über deren Löschung verfügen können.

Fazit

Insgesamt zeigt sich somit bei den Parteien das gesamte Spektrum der Debatte über den Begriff des “Dateneigentums”. Während die Regierungsparteien sich zurückhaltend positiv äußern, lehnen die Oppositionsparteien die Schaffung eines Dateneigentums ab. Als gemeinnütziger Verein, der sich der Förderung Freien Wissens und freier Daten verschrieben hat, sehen wir hier die Haltung der Oppositionsparteien positiv. Die Gefahr, die bei der Einführung eines solchen Rechtes besteht, übertrifft aus unserer Sicht dessen kaum vorhandenen Nutzen.

So kann die Idee der “Datensouveränität” das Interesse der Bürgerinnen und Bürger nach Kontrolle der von ihnen produzierten Daten gewährleisten und meint letztlich nichts anderes als das bereits existierende Recht auf informationelle Selbstbestimmung und die daraus folgenden Datenschutzregeln von BDSG (Bundesdatenschutzgesetz) und DS-GVO (Datenschutz-Grundverordnung). Es entsteht bei der Einführung eines echten Eigentumsrechts an Daten hingegen die Möglichkeit der Schaffung von Datenmonopolen verbunden mit einer Hemmung der wirtschaftlichen Innovationskraft freier Daten, vor allem durch die entstehende Rechtsunsicherheit und Rechteklärungskosten. Daher sollte aus unserer Sicht der Zugang zu Informationen sowie die Datensouveränität – verstanden als verbessertes Datenschutzregime – im Mittelpunkt der Debatte stehen.

Amtliche Werke

In unserer zweiten Frage haben wir die Parteien gefragt, wie “sonstige amtliche Werke” im Sinne des Urheberrechts definiert werden sollten.

Abgesehen von Gesetzen, Erlassen, Verordnungen und Gerichtsentscheidungen, da insoweit keine Zweifel bestehen: Wie sollten sonstige „amtliche Werke“ im Sinne des § 5 Absatz 2 Urheberrechtsgesetz zeitgemäß definiert sein? Käme eine entsprechende gesetzliche Aktualisierung auf Bundesebene in Frage, etwa parallel zur anstehenden Umsetzung der im Entstehen befindlichen EU-Urheberrechtsrichtlinie in nationales Recht?

Hierbei geht es uns vor allem darum, dass im Sinne von Transparenz und Freiem Wissen möglichst alle durch öffentliche Gelder finanzierten Inhalte generell für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten – es also abgesehen von beispielsweise sicherheitspolitischen Überlegungen keine Begrenzungen beim Zugang zu amtlichen Werken geben sollte. Gerade bei den “sonstigen amtlichen Werken” ist jedoch über Jahrzehnte eine Kasuistik entstanden, die kaum jemand noch versteht. Daher ist beispielsweise bei Publikationen wie Ratgebern, die aus Ministerien stammen, fast nie ersichtlich, ob es sich dabei um ein amtliches und damit frei nutzbares Werk handelt oder nicht. Auch ist völlig unklar, inwieweit öffentliche Register wie etwa das Unternehmensregister darunter fallen und nutzbar sind.

Die Antworten der Parteien auf diese Frage sind weitestgehend einheitlich ausgefallen. So bezeichnen bis auf die FDP alle Parteien den Status quo des Urheberrechts als ausreichend und zeitgemäß.

Hier die Ansichten der Parteien zu amtlichen Werken im Einzelnen:

Lediglich die FDP kritisiert die Verortung amtlicher Werke im Urheberrecht, da dies nicht dazu dienen darf, die “Informationsfreiheit der Bürgerinnen und Bürger oder der Presse einzuschränken”. Wir begrüßen den in ihrer Antwort vorgebrachten Lösungsvorschlag, dies über eine Ausweitung des Begriffs “amtlicher Werke” beizulegen.

In ähnlicher Weise kann die Antwort von Bündnis90/Die Grünen verstanden werden, welche eine stärkere Ausschöpfung des Rahmens der Informationsfreiheit für eine erhöhte Zugänglichkeit amtlicher Werke fordern. Dabei ist jedoch anzumerken, dass gerade der (urheberrechts-)gesetzlich abgesteckte Rahmen – wie er zur Zeit existiert – die Verfügbarkeit amtlicher Werke unangemessen weit einschränkt. Ihn will die Partei nicht angehen, sondern eher stärkere Veröffentlichungspflichten für staatliche Stellen schaffen.

Die Linke sieht keinen Änderungsbedarf bei der Definition von amtlichen Werken. Das wird mit der Umsetzung des Transparenzgesetzes begründet, welches die nicht unter die Definition der amtlichen Werke im Sinne des Urheberrechtes fallenden Dokumente umfassen sollte. Anders als die Grünen oben und nachfolgend die SPD sagt die Partei Die Linke aber zumindest etwas darüber, wie die aufgrund von Transparenzgesetzen herausgegebenen Informationen dann weitergenutzt werden können, nämlich, dass daran kein urheberrechtlicher Schutz bestehen dürfe.

Ebenso sieht die SPD keinen Handlungsbedarf und verweist auf die Tendenz, dass immer mehr Institutionen von Ihnen erstellte Dokumente frei im Internet zur Verfügung stellen. Als Wikimedia Deutschland e. V. bevorzugen wir zwar die Praxis, dass Inhalte proaktiv von den Behörden zur Verfügung gestellt werden, eine gesetzliche Regelung halten wir trotzdem überall dort für notwendig, wo zugleich auch das Urheberrecht anwendbar ist.

Zuletzt äußert sich die CDU/CSU zu der Definition amtlicher Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes. Die CDU/CSU bezeichnet den dortigen Absatz als “grundsätzlich […] ausreichend und praktikabel”, schränkt in ihrer Begründung die Definition amtlicher Werke jedoch erneut stark ein und begibt sich damit vollständig auf Linie mit der momentanen Unklarheit. Die Union hält die durch Urheberrechtsgesetz und zugehörige Rechtsprechung entstandenen Hürden für sinnvoll und nutzt dabei sogar den Begriff “Verwerterinteressen”, so als würde es um ein Geschäftsmodell der öffentlichen Hand gehen.

Fazit

Bedauerlicherweise geht keine der Parteien in ihrer Antwort darauf ein, dass es Zeit für einen Paradigmenwechsel sein könnte von “im Zweifel nicht nutzbar es sei denn freigegeben” zu “im Zweifel freigegeben außer in besonderen Fällen”. Und selbst wenn Inhalte durch Behörden herausgegeben werden, ist damit noch nicht die Frage der Nachnutzbarkeit beantwortet.

Nur wenn die Öffentlichkeit auch etwas mit den Inhalten tun darf, werden sie zu einem wirklichen Gemeingut. Das auch urheberrechtliche Freisein der Werke, die unser Staat mit unserem Geld produziert, sollte der Normalfall, Ausschließlichkeitsrechte und Geheimhaltung der Sonderfall sein. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass die Ansätze einiger Parteien zumindest in die richtige Richtung gehen. So fordern die Grünen die Ausreizung der Möglichkeiten zur Freigabe amtlicher Werke, die Linke Transparenzgesetze mit urheberrechtlicher Dimension und die FDP eine Ausweitung des Begriffs der amtlichen Werke.

Die ausführlichen Antworten der Parteien auf diese und weitere Fragen der Koalition Freies Wissen gibt es hier.

 

Weitere Informationen:

 

Diesen Beitrag hat Nils Wach verfasst, der ein Praktikum im Bereich Politik & Recht absolviert.

by Lilli Iliev at September 05, 2017 11:00 AM

September 04, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wir suchen: Bis zu zwei weitere Präsidiumsmitglieder mit Finanz- oder Strategieerfahrung

Wikimedia Deutschland e. V. sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt

bis zu zwei Mitglieder für das
ehrenamtliche Aufsichtsgremium des Vereins (Präsidium)

um das von der Mitgliederversammlung gewählte siebenköpfige Gremium als kooptierte Mitglieder zu verstärken. Dadurch soll sichergestellt werden, dass im Präsidium alle benötigten Kompetenzen und Erfahrungen für die Ausübung der Aufgaben vorhanden sind.

Über das Präsidium von Wikimedia Deutschland

Das Präsidium ist das ehrenamtliche Leitungs- und Kontrollorgan des Vereins. Es wird zweijährlich von den Vereinsmitgliedern gewählt und besteht aktuell aus sieben Mitgliedern. Zurzeit amtiert das 5. Präsidium, das im November 2016 gewählt wurde.

Ihre Aufgaben

Gemäß der Satzung des Vereins obliegen dem Präsidium insbesondere die folgenden Aufgaben:

  • Bestellung und Abberufung des hauptamtlichen geschäftsführenden Vorstands
  • Aufsicht über die Arbeit des Vorstands
  • Fortschreibung der strategischen Ausrichtung des Vereins und Formulierung von Zielvorgaben für den Vorstand

Ihr Profil

Sie begeistern sich für freies Wissen und digitale Bildung und verfügen über Erfahrung und Kompetenzen in einem oder mehreren der folgenden Bereiche:

  • ehrenamtliche Gremienarbeit im gemeinnützigen Bereich,
  • Finanzen und Controlling,
  • Strategie- und Organisationsentwicklung,
  • ein umfangreiches persönliches Netzwerk.

Ihr Engagement und Ihre Zeitinvestition

Das Präsidium tagt in der Regel sechsmal im Jahr ein- bis zweitägigen Sitzungen. Daneben arbeiten Sie mit Ihren Präsidiums-Kolleginnen und Kollegen dezentral und eigenständig an Themen in Ausschüssen gemeinsam mit dem Geschäftsführenden Vorstand. Die Kooptation gilt zunächst für die Amtszeit des amtierenden Präsidiums, also bis November 2018.

Weitere Informationen

Wir freuen uns über Empfehlungen und Vorschläge für geeignete und interessierte Kandidatinnen und Kandidaten, die Teil des Präsidiums werden möchten bis einschließlich 22.09.2017. Natürlich steht es Ihnen auch frei, sich selbst zu bewerben.

Wir begrüßen ausdrücklich Kandidaturen, die zu mehr Diversität des Gremiums führen.

Für ausführlichere Informationen zu den Aufgabengebieten und der Arbeit des Präsidiums haben wir eine Informationsseite angelegt. Fragen, Empfehlungen oder Kandidaturen richten Sie bitte an Dr. Lukas Mezger unter kooptation@wikimedia.de.

Über Wikimedia Deutschland

Wikimedia Deutschland e. V. ist ein 2004 gegründeter gemeinnütziger Verein, der sich für die Idee des Freien Wissens einsetzt. Mit heute rund 100 Mitarbeitenden, einem Budget von 7,4 Millionen Euro sowie über 50.000 Mitgliedern ist der Verein die größte der über 40 unabhängigen Länderorganisationen der weltweiten Wikimedia-Bewegung. Das bekannteste Wikimedia-Projekt ist die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia, die Millionen von Menschen täglich nutzen und Zehntausende von ehrenamtlichen Autoren permanent ergänzen und verbessern.

Wikimedia Deutschland fördert aber auch den Grundgedanken jenseits der Enzyklopädie: Unser Ziel ist, das Erstellen, Sammeln und Verbreiten von Freiem Wissen in allen gesellschaftlichen Bereichen zu etablieren und zu stärken. Wir wollen eine Welt, in der das gesammelte Wissen der Menschheit jeder Person frei zugänglich ist. Im Mittelpunkt der hauptamtlichen Arbeit stehen dabei die Unterstützung von Freiwilligen, die Weiterentwicklung von Technik und Software, gesellschaftliche Aufklärung sowie die Zusammenarbeit mit Wissenschafts- und Kulturinstitutionen.

 

 

by Tim Moritz Hector at September 04, 2017 02:12 PM

September 01, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Franziska Heine ist neue Leiterin der Software-Entwicklung

Ich freue mich sehr, verkünden zu können, dass Franziska Heine ab dem 1. September 2017 die Leitung der Software-Entwicklung bei Wikimedia Deutschland übernimmt.

 

Matthias Bauer (flickr: Matthias Bauer), Franziska Heine, CC BY-SA 2.0

Franziska hat Mediengestaltung in Weimar studiert. Sie verfügt über langjährige Erfahrung im Produktmanagement und der Teamführung bei HERE Technologies (ehemals Nokia gate4 GmbH) und als Community Specialist bei EBay International AG. Ihre starke Verhandlungskompetenz hat sie in unterschiedlichsten Partner- und Kundenprojekten, auf Geschäftsführer-Ebene bewiesen. Auch in der Gestaltung und Durchführung von Softwareentwicklungsprozessen und strategischer Produktplanung sowie im Bereich Personalauswahl, Personalentwicklung verfügt sie über tiefgreifende Erfahrungen. Ihr politisches Engagement für freie Software und gegen Internetsperren (u. a. war sie Initiatorin der erfolgreichen Online-Petition gegen die 2009 geplante Regelung zu Sperrungen von Internetinhalten in Deutschland durch das Zugangserschwerungsgesetz) macht sie noch zusätzlich zu einer hervorragenden Ergänzung für unsere Organisation. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mir ihr.

 

„Was für eine einmalige Chance als Leiterin der Software Abteilung ein Teil der Wikimedia Community zu werden! Es ist beeindruckend zu sehen, was in den letzten Jahren von den Kolleg_innen der Softwareentwicklung und der Community mit Wikidata, dem Projekt Technische Wünsche und dem Fundraising Tech Team aufgebaut wurde. Ich freue mich darauf das Wissen, das ich mir in knapp 10 Jahren Softwareentwicklung angeeignet habe, in der Zukunft in den Dienst von Wikimedia Deutschland zu stellen.

 

Um das von Anfang an gemeinsam mit der Wikimedia Community zu tun, werde ich vom 08. bis 10. September in Leipzig bei der WikiCon dabei sein. Ich bin gespannt darauf euch und eure Ideen, Wünsche und Vorstellungen für die Zukunft von Freiem Wissen kennenzulernen und Wege zu finden, wie wir sie gemeinsam verwirklichen können.‟

Die Leitung der Software-Entwicklung war seit Ende Januar als permanente Funktion nicht mehr besetzt, da Abraham zum Vorstand berufen wurde. Er leitete den Bereich bis jetzt übergangsweise weiter.

 

by Abraham Taherivand at September 01, 2017 03:10 PM

August 31, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 34/2017

Die 34. Ausgabe der Wikimedia:Woche 2017 erscheint unter anderem mit folgenden Themen: der Start von Wiki Loves Monuments 2017, Exkursionen im Rahmen der WikiCon, der Digital-O-Mat ist online und der Versionsblätterer erhielt eine Überarbeitung. Zur Wikimedia:Woche 34/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at August 31, 2017 03:47 PM

August 29, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Inside out on Wikimania

I pull out a large cardboard box from under our table in the community village, it is pretty smashed up after its transatlantic journey. Drums start pounding in the conference hall while I put out cups, brochures and t-shirts.

“Hello”, a friendly and careful-looking man stands next to the table, “so you are from Wikimedia Deutschland”, he states.

“Yes, I just started working in the International Relations team a month ago, and here I am, at Wikimania”, I look at his name tag: Magnus Manske, Cambridge… erh, something.

“Are you part of the German community then, or the British?”, I ask. – It is Friday morning, first official day of Wikimania 2017 in Montréal, and I have a steep learning curve in front of me.

To be fair, I started ascending the curve at sea level approximately a month ago when I slowly started wrapping my head around Wikimedia Deutschland: it is a pretty complex organisation, I thought. The slope then started tilting upwards when I spent Thursday on the pre-conference following the WMCON Follow-up day, taking notes. My pencil (yes, pencil) was struggling to keep up with every single word and empty space from those meetings and thus began sketching the first pieces in my Wikimania puzzle:

From organising local volunteer meetups, literature and software access for local Wikipedians; over strategic partnerships with Mozilla, research institutions and government bodies; to how to best facilitate cultural translation in order to get messages across a global movement – while including local communities in the process.

Presently, this Friday morning, someone asks a question and I turn my attention away from the friendly gentleman, Magnus. The next time I see him he is on stage being interviewed for the Wikimedia 2030 Panel, as ‘The Magnus’.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/5a/Wikimania_2017_-_Day_1_(8887).jpg/420px-Wikimania_2017_-_Day_1_(8887).jpg

Gregory Varnum / Wikimedia Foundation, Wikimania 2017 – Day 1 (8887), CC BY-SA 4.0

 

Cuteness, knowledge and the gender goat

As a relative newcomer, and as someone who has mostly been in touch with meta-issues, I spend the three days rather floating around on the surface of Wikimania. I grapple with the paradox of how Wikimania, like Wikimedia, seems to be both somewhat revolving around itself and at the same time inherently dedicated to openness and transparency. How can an organisation include, in random non-hierarchical order, a cuteness association, thousands of volunteers interested in seemingly secluded and very particular topics (examples overheard at breakfast: Russian minority languages, squirrels), a mysterious goat craze, and a dedication to democratize the internet? It is all here, plus more, trying to adjust to conference format.

 

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pookie_at_Wikimania.jpg

Islahaddow, Pookie at Wikimania, CC BY-SA 4.0

 

Saturday, I go to Knowledge, Democracy and the Wikipedian Gender Gap, where the argument put forward is that Wikipedia reflects society: women write on Wikipedia to a lesser degree than men because they do not have time (they are doing laundry and raising children). At the end a woman, she seems upset, questions the ‘lack of time’ argument, asking how then women do have time to volunteer in (analogue, non-wiki) local communities around the world as the most active members in those. The question perplexes the speaker who replies: “I will have to think about that – but I’ll be happy to talk with you now, after the session”. And then it is over, just as it got interesting. On sunday, Moriel Schottlender (software developer, WMF) seems to hit the nail a bit straighter when she presents her ‘concept replacer’ at the Hackathon Showcase: It simply replaces “she” with  “he” in any text, and makes you wonder why the marital status is included in the first paragraph about some important and interesting people, and not others.

 

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Concept_Replacer_demo_-_Wikimania_Hackathon_2017.jpg

Chris Koerner from St. Louis, USA, Concept Replacer demo – Wikimania Hackathon 2017, CC BY-SA 2.0

 

To the Future, and Beyond

At the end, after having bobbed around for three days, the Wikimania themes that most stand out to me are the Strategy Process and Wikidata, giving an impression of Wikimedia being in a phase of new adaptation. Especially Wikidata is mind-blowing in its potential to make a sort of ‘everything is everything’ data map of the world, and somehow the organisational development has a similar quality.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wikidata_items_map_animation_(20141020-20161017).gif

Something that Katherine Maher said during ‘The Big Open: A conversation between Katherine Maher (WMF), Ryan Merkley (Creative Commons), and Mark Surman (Mozilla)’ sticks with me; something about Wikimedia being like the bumble bee that does not know that it cannot fly. I am not sure if this is what she meant, but I am impressed by an organisation that is able to stretch this wide, and not break on the middle and crash. I think the energy and effort invested in the Strategy Space, to include as many people as possible during Wikimania, testifies to the importance of maintaining cohesion within a growing Wikimedia.

 

 

Although we at Wikimania this year mostly consisted of a beige and pink crowd, and although a lot of people were rejected visas, there still was a richness of subcultures, luckily with some inter-marriage and overlaps: The techies, the encyclopedians, the linguists, the entrepreneurs, the strategists. – Necessarily representing different opinions and interests. While pondering on this it hits me, the solution to the self revolving vs. open paradox that Wikimania is to me: exactly because Wikimedia is so all-encompassing within its open knowledge eco-system and rooted in so many different local communities, pointing in every which direction, the inside also is the outside! Like it says in the draft 2030 Strategic Direction: „Wikimedia will welcome people from everywhere to grow fields of knowledge that represent human diversity“ and, by implication, create the infrastructure for open.

by Anne Kierkegaard at August 29, 2017 12:58 PM

Entscheidungshilfe zur Bundestagswahl: Der „Digital-O-Mat“ geht online!

Der Digital-O-Mat hilft dabei, netzpolitische Positionen der Parteien zu vergleichen.

Ab sofort können alle Wahlberechtigten ein neues Online-Tool als Entscheidungshilfe für die Bundestagswahl nutzen: Mit 12 Klicks verrät der Digital-O-Mat Wählerinnen und Wählern, mit welcher Partei sie bei netzpolitischen Themen auf einer Wellenlänge liegen.

Warum ist eine Hilfestellung zu netzpolitischen Themen nötig?

Digitale Themen gewinnen auch im Alltag der Wählerinnen und Wähler zunehmend an Bedeutung, kommen in der allgemeinen Wahlberichterstattung jedoch oft zu kurz. Der Digital-O-Mat macht die jeweiligen Parteipositionen zu netzpolitisch relevanten Themen sichtbar und erleichtert es, sich auf dieser Grundlage eine Meinung zu bilden und eine Wahlentscheidung zu treffen. Die netzpolitischen Standpunkte der Parteien zu den Themen Bildung, staatliches Hacking, „vorhersagende“ Polizeiarbeit, Software, Internetzugang, Open Data, staatliche Informationen und Museen standen dabei im Mittelpunkt.

Entwickelt wurde der Digital-O-Mat von der Koalition Freies Wissen: Wikimedia Deutschland, Bündnis Freie Bildung, Chaos Computer Club, Digitale Gesellschaft, Freifunk, Free Software Foundation Europe, Open Knowledge Foundation Deutschland und unterstützt durch Mozilla Deutschland.

Zuerst zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, steht der Digital-O-Mat nun zur Bundestagswahl 2017 zur Verfügung. Allen kandidierenden Parteien, die eine hohe Wahrscheinlichkeit auf Einzug in den Bundestag haben, wurden dafür vorab wichtige Fragen zu digitalen Themen gestellt. Neben den Antworten sollten die Parteien auch entsprechende Belege für die in ihren Antworten enthaltenen Positionen liefern, etwa aus Parteibeschlüssen, Initiativen oder den Wahlprogrammen.

Wie funktioniert der Digital-O-Mat?

Politikerinnen und Politiker haben geantwortet, nun sind die Wahlberechtigten gefragt: Um die inhaltliche Schnittmenge der Parteien mit der eigenen Haltung abzugleichen, beziehen die Wahlberechtigten zunächst selbst Stellung.
Anhand von 12 Fragen zu verschiedenen Themenbereichen kann per Klick auf ´stimme zu´, `neutral´ oder ´stimme nicht zu` ganz einfach herausgefunden werden, welche Partei am ehesten der eigenen netzpolitischen Haltung entspricht.

Wurde das Häkchen bei allen Fragen gesetzt, wird im Anschluss per Ranking sichtbar, mit welchen Parteien die meisten übereinstimmenden Standpunkte erzielt wurden. In der Auswertung kann man zudem durch einen Klick auf die einzelnen Parteien deren Aussagen zu den jeweiligen Themen nachlesen.

Lizenzhinweis: Digitalomat-Logo von ElioQoshi, CC BY-SA 4.0, Wahlland-Visualisierung CC-0

by Lilli Iliev at August 29, 2017 09:10 AM

August 25, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Digitalisierungsstrategie Baden-Württemberg: OER-Anteil soll ausgeweitet werden, klare Zielsetzung fehlt

Wikipedia-Schulprojekt an der Waldorfschule Düsseldorf (4106) Foto: Franz Glaw, CC BY-SA 3.0

Mit “digital@bw” präsentierte die Landesregierung von Baden-Württemberg im Juli ihre umfassende Digitalisierungsstrategie. Das Bündnis Freie Bildung, bei dem WMDE Partner ist, hat diese im Hinblick auf die Stärkung von Open Educational Resources analysiert. Dieser Text erschien zunächst am 23.8. im Blog des Bündnis Freie Bildung.

Im Vorfeld der Präsentation hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann angekündigt, einen besonderen Schwerpunkt auf die digitale Bildung legen zu wollen. In Hinblick darauf wäre eine stärkere Gewichtung des Kapitels “lernen@bw: Bildung in Zeiten der Digitalisierung” im Gesamtkontext der Strategie wünschenswert gewesen. Auch Open Educational Resources (OER) bilden in diesem Zusammenhang nur ein Randthema. Dass Bildung über den Schul- und Hochschulkontext hinaus im Sinne eines “lebenslangen Lernens” gedacht wird und sowohl Generationsunterschiede als auch Themen der Inklusion berücksichtigt werden, wird vom Bündnis Freie Bildung insgesamt begrüßt.

Laut Landesregierung soll der OER-Anteil kontinuierlich ausgeweitet werden, bisher jedoch noch ohne konkrete Ziele zu setzen

Wenngleich in einigen Bereichen zu kurz gegriffen wird, bewertet das Bündnis ebenfalls positiv, dass in mehreren Punkten konkret auf einzelne Maßnahmen, wie die “Qualifizierung von Fortbildnern als Multiplikatoren”, die Einrichtung von “Makerspaces” und “FABLabs” sowie von “Blended- und e-Learning”-Formaten eingegangen wird. Diese Maßnahmen sollten aus Sicht des Bündnisses jedoch in jedem Fall mit dem erhöhten  Einsatz von Open Educational Resources (OER) realisiert werden, worauf im Strategiepapier an dieser Stelle aber nicht weiter eingegangen wird. Ebenso wird der Zeitpunkt für die Umsetzung der einzelnen Projekte im Strategiepapier nicht konkret definiert.

Dennoch ist der positive Ansatz erkennbar, dass das Thema Digitalisierung mit der verstärkten Förderung freier Bildungsmaterialien verknüpft wird. So soll in Zusammenarbeit mit dem Landesmedienzentrum eine „offene digitale Bildungsmedieninfrastruktur“ geschaffen werden. Besonders begrüßenswert ist, dass der Anteil offener Bildungsmedien (OER) kontinuierlich ausgeweitet werden soll, auch wenn versäumt wird, Ziele konkret zu benennen.

Mit der Weiterentwicklung der freien Lernplattform “moodle” soll darüber hinaus die Vernetzung der Lehr- und Lernenden gefördert werden. Dies könnte nach Ansicht des Bündnis Freie Bildung einen praktischen Ansatz darstellen, OER ohne zusätzlichen Mehraufwand sogar über die Landesgrenzen hinaus  stärker in den Alltag der Akteurinnen und Akteure einzubinden, sofern entsprechende Entwicklungen für alle frei zur Verfügung gestellt werden. Dass bereits institutions- und hochschulübergreifende Projekte, wie beispielsweise die Gründung des „Hochschulnetzwerks Digitalisierung der Lehre Baden-Württemberg“, angestoßen wurden, ist ein positiver Schritt in die Richtung einer bundesweiten Verständigung bei der Entwicklung von Infrastrukturen und Standards.

Schaffung neuer kultureller Bildungsressourcen

Im Bereich Kunst und Kultur wird die verstärkte Digitalisierung von Kulturgütern mit dem Ziel eingeführt, neue Wissensressourcen für Bildung und Wissenschaft zu produzieren. Gleichzeitig soll das kulturelle Erbe durch die Schaffung neuer Erlebnisräume in die Welt der „digital natives“ transportiert werden und die Teilhabe beispielsweise mobil eingeschränkter Menschen erhöhen. Das Bündnis begrüßt den weit gefassten Ansatz, neue digitale Bildungsressourcen auf Basis kultureller Inhalte zu schaffen, jedoch sollten diese als OER frei zugänglich und nutzbar gemacht werden. Wie schon bei der Planung einer “offenen digitalen Bildungsinfrastruktur” fehlt es auch hier an konkreten Zielen. So bleibt unklar, wie genau OER eine größere Rolle im Rahmen von Fördermaßnahmen und Programmen erhalten könnten. Hinzu kommt, dass mit Blick auf den angestrebten verbesserten Zugang zu kulturellen Gütern derzeit eher gegenteilige Signale aus Baden-Württemberg kommen:

Die staatlich betriebenen Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim verklagen derzeit einen Wikipedia-Autor wegen Uploads mehrerer Bilder von (urheberrechtlich längst gemeinfreien) Kunstwerken aus ihrem Bestand. Die Museumsleitung beruft sich hierbei unter anderem auf Bildrechte an Reproduktionen und strebt deren volle Nutzungskontrolle an. Dieses Ansinnen, noch dazu von einer Institution mit öffentlichem Bildungsauftrag, konterkariert direkt die Aussagen der Landesregierung in der Digitalisierungsstrategie.

Lizenzhinweis
„Digitalisierungsstrategie Baden-Württemberg: OER-Anteil soll ausgeweitet werden, klare Zielsetzung fehlt“ von Janna Schlender und Nils Wach (Wikimedia Deutschland) steht unter der CC-BY-4.0-Lizenz. Für die Nachnutzung reicht als Namensnennung „Bündnis Freie Bildung“. Sofern die Nutzung offline erfolgt, ist an den Hinweis die URL der Lizenz anzufügen: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.

by Lilli Iliev at August 25, 2017 08:52 AM

August 24, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 33/2017

Die Wikimedia:Woche 33/2017 wartet mit folgenden Themen auf: Neue Gesichter und offene Stellen bei Wikimedia Deutschland, in Leipzig werden helfende Hände benötigt und die ALPHA-Tour macht Halt im Lokal K. Das Bündnis Freie Bildung nimmt Stellung zur Landesregierung Baden-Württemberg, die Einreichungen zum Fellow-Programm Freies Wissen können kommentiert werden und die Wiki Education Foundation hat ihren Monatsbericht vorgelegt. Zur Wikimedia:Woche 33/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at August 24, 2017 02:58 PM

August 21, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Datenpartnerschaften mit Wikidata: Projekt Durchblick

This blog post is also available in English.

Dr. Georg Schelbert arbeitet an der  Humboldt-Universität Berlin im Institut für Kunst- und Bildgeschichte (IKB) und ist dort als Leiter der Mediathek tätig. Er beschäftigt sich gleich im mehrfachen Sinne mit Durchblick: zum einen geht es um Dias, durch die man ganz konkret hindurchsehen kann. Zum anderen geht es bei dem Projekt darum, einen Durchblick bei einem großen Kulturschatz zu gewinnen. Dabei setzt das Projekt Durchblick der HU auf Wikidata. In dieser Form ist die Datenpartnerschaft mit Wikidata nicht auf eine Datenspende bezogen, sondern darauf, Wikidata als Dreh- und Angelpunkt für andere Datensammlungen zu benutzen, um für Objekte in Sammlungen gemeinsame Identifikationsnummern zu haben.

Worum geht es bei Durchblick? Was ist das für eine Sammlung und wie ist sie zu Stande gekommen?

Wir haben unser Projekt kurzerhand „Durchblick!“ genannt, weil wir uns die Aufgabe gestellt hatten, eine große Menge von Glasdias, die viele Jahrzehnte lang im Fach Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität verwendet wurden, wieder zugänglich zu machen.

Jedes kunsthistorische Institut hatte und hat mehr oder weniger große Diasammlungen, die in Vorlesungen und Seminaren eingesetzt wurden. Dabei kamen vor allem zwei Formate zum Einsatz: Zunächst die sogenannten Glasdias oder Großdias, die so heißen, weil die schwarzweisse Fotoschicht direkt auf einer 8,5 x 10cm großen Glasplatte aufgebracht ist und die seit dem späten 19. Jahrhundert und bis nach der Mitte des 20. Jahrhunderts produziert wurden. Und dann die sogenannten Kleinbilddias, die letztlich auf farbigen 35mm-Kinofilm zurückgehen und die von den 1940er Jahren bis heute gebräuchlich waren. Im Projekt Durchblick interessieren uns nur die Glasdias. Die Berliner Sammlung ist eine der ältesten und größten Bestände, da einige der Berliner Kunstgeschichtsprofessoren wie Herman Grimm (Sohn von Wilhelm Grimm) oder Heinrich Wölfflin das Potential der projizierten Fotografie früh erkannten und nutzten. Die Sammlung spiegelt damit auch die Interessen berühmter Fachvertreter in Forschung und Lehre. Zwar besteht heute nach Kriegsschäden ein erheblicher Anteil des Bestands aus Ersetzungen und Ergänzungen seit den 1950er Jahren, aber dadurch kamen auch zeitbedingt interessante neuere Bildthemen wie DDR- und Sowjetkunst, Städtebau und sogar Verkehrsplanung hinzu.

Wie kann ich mir so eine Digitalisierung und digitale Erschließung einer Sammlung vorstellen?

Wir haben für die Digitalisierung – wie auch für andere Aspekte des Projekts – einen möglichst effektiven Weg gesucht. Weil uns diese Dias nicht mehr nur als Bild interessieren, sondern auch als Objekt (mit seiner Beschriftung, Gebrauchsspuren, Beschaffenheit), haben wir ein Aufnahmeverfahren entwickelt, das zugleich die Rahmung des Dias, als auch das von unten beleuchtete Transparentbild aufnimmt. Wir verwenden dafür ein klassisches Repro-Stativ, mit Beleuchtung von oben und unten und eine hochauflösende Digitalkamera (36MP). Auf diese Weise konnten wir die ca. 56.000 Dias in rund einem Jahr digitalisieren und zunächst einmal weitgehend ohne Metadaten online stellen. Die einzigen Metadaten sind zu diesem Zeitpunkt nur allgemeine systematische, die auch etwas über die Bildinhalte aussagen (z.B. Italien, Malerei, Renaissance). Über die Beschriftungen der einzelnen Fächer, aus denen die Dias stammen, können Digitalisate noch gezielter aufgerufen werden.

Die Erschließung von Fotografien oder Dias, die Kunstwerke zeigen, erfolgt normalerweise, indem sowohl das abgebildete Kunstwerk als auch – wenn es historisch ist – das Foto oder Dia beschrieben wird. Das erfolgt oft nach bestimmten Standards, die Pflichtfelder und Terminologien vorgeben. Allerdings bedeutet die Beschreibung der auf unseren Dias befindlichen Kunstwerke einen im Grunde überflüssigen Aufwand. Da es sich zumeist um bekannte oder sogar berühmte Kunstwerke handelt, ist anzunehmen, dass diese andernorts bereits beschrieben wurden. Unabhängig davon, mit welcher externen Beschreibung der Kunstwerke wir in Zukunft arbeiten wollen, schien es uns zunächst sinnvoll, sie mit sogenannten Normdaten-Identifiern zu versehen. Bei Personen würde man entweder eine große Normdatendatei wie die GND (Gemeinsame Normdatei der Deutschen der Nationalbibliothek) oder gleich den Meta-Identifier VIAF (Virtual Internet Authority File) verwenden. Für Bau- und Kunstwerke gibt es kein ausreichend umfangreiches Verzeichnis. Die GND ist auf diesem Gebiet viel zu lückenhaft. Daher schien uns Wikidata eine neue Lösung zu sein. Dort gibt es zumindest in manchen Bereichen bereits sehr dichte Bestände an Bau- und Kunstwerken.

Wikidata bringt weitere Vorteile mit sich: Wikidata kann von jedem Nutzer um weitere Items erweitert werden, wenn dort etwas nicht vorhanden ist. Wikidata-Items enthalten weitere Daten und sind zumeist mit mindestens einem Wikipedia-Artikel verbunden. Die Struktur der Daten in Form von Statements verbindet das Item mit einem ständig wachsenden Wissensnetz, dessen Inhalte zukünftig ebenfalls genutzt werden könnten. Etwas unmittelbare Beschreibungsarbeit bleibt dennoch: Alle Eigenschaften des Dias selbst, einschließlich der auf ihm befindlichen Beschriftungen, müssen wir für das Einzelobjekt selbst dokumentieren. In Zukunft stellen wir uns einen Workflow vor, bei dem direkt aus der transkribierten Beschriftung das passende Wikidata-Item gesucht und zur Bestätigung vorgeschlagen wird.

Für das Projekt gab es ja auch einen Preis. Was ist das für ein Preis und wie kam es dazu? Und was sind eigentlich „digital Humanities“?

Man muss wohl mit der letzten Frage anfangen. Digital Humanities wird unterschiedlich definiert. Im weiteren Sinn sind damit jeder methodische Einsatz von Computern in den Geisteswissenschaften gemeint. Reine Digitalisierung, oder die Anwendung von Office-Programmen würde nicht darunter fallen, aber schon die Aufbereitung und Bereitstellung von Digitalisaten mit Metadaten, vor allem wenn dann auch mit diesen Daten geforscht wird. Im engeren Sinn werden unter Digital Humanities Analysen von Textcorpora sowie Herstellung derselben verstanden. Daher hat es uns besonders gefreut, dass ein Projekt, das mit materiellen Objekten und Bildern arbeitet und sich Gedanken über eine möglichst effiziente Erschließung derselben gemacht hat, einen Preis bekommen hat.

Der Digital Humanities-Preis wird seit 2015 vom interdisziplinären Forschungsverbund Digital Humanities für innovative Projekte in den Digital Humanities vergeben. Die Jury setzt sich aus InformatikerInnen, Informationswissenschaftlern und WissenschaftlerInnen anderer Fachrichtungen zusammen. Die Einschätzung, dass man mit Wikidata im GLAM-Bereich noch mehr machen kann, spielte bei der Entscheidung sicherlich eine Rolle.

Wie bewerten Sie die Datenqualität bei Wikidata, die Dokumentation und den technischen Zugriff? Können wir daran etwas verbessern?

Die Datenqualität ist natürlich sehr unterschiedlich. Sowohl können die Statements unzutreffend  sein, als auch nicht die Parameter inkonsistent sein – anscheinend ist es bspw. nicht möglich, nach Selbstporträts zu suchen, weil diese Kategorie kaum vergeben wurde, während jedoch Dutzende Selbstporträts von Rembrandt in Wikidata ein eigenes Item besitzen. Am besten funktioniert Wikidata – wie auch die Wikipedia — meiner Meinung nach dort, wo es um (vergleichsweise) harte Fakten oder den Verweis auf andere Ressourcen geht. Das sind Dinge wie Geburtsdaten vom Personen, Geoordinaten, Zugehörigkeit zu Institutionen etc. Vor allem aber sind es die weiteren Identifier, die in einem Wikidata-Item enthalten sind. Diese sind für uns wichtiger als die Statements selbst. Sicherlich wäre es vorteilhaft, wenn wir bei sämtlichen Kunstwerken, die wir mit Wikidata verknüpft haben, nicht mehr die Künstler, die Maße, die Stilzuordnung, den aktuellen Museumsstandort oder die zugehörigen Literaturtitel heraussuchen müssten. Aber viel wichtiger ist für zunächst einmal, dass wir Werke eindeutig identifiziert haben, etwa die andernfalls schwer unverwechselbar zu bezeichnenden Rembrandtschen Selbstporträts als Apostel Paulus (https://www.wikidata.org/wiki/Q2267759) und als Zeuxis (https://www.wikidata.org/wiki/Q2267594).

Bislang arbeiten wir weitgehend händisch. D.h. wir suchen auf der Basis der Beschriftungen der Dias nach passenden Wikidata-Items und übernehmen dann den Identifier. Einfachere Suchmöglichkeiten (der Query Service mit Query Helper ist ein Anfang), wären hierbei hilfreich. Derzeit ist letztlich immer noch die Google-Suche (die Falschschreibungen ausgleicht) am effektivsten. Sie liefert i.d.R. Wikipedia-Seiten auf einer der ersten Plätze. Von dort aus kann man dann  schnell zur Wikidata-ID gelangen.

In den Fällen, in denen ein Werk fehlt (auch bei den berühmten Rembrandt-Selbstporträts wird Wikidata noch nicht vollständig sein), tragen wir es selten von Hand nach. Um das mit größerer Regelmäßigkeit zu tun, wären Templates, die auf den GLAM-Bereich zugeschnitten sind, hilfreich (z.B. ein Template, mit dem man schnell Item für Gemälde, Skulpturen oder Baudenkmäler anlegen kann); die Quick-Statements sind noch nicht einfach genug. Es wäre auch denkbar, ganze Kataloge oder sonstige Konvolute in Wikidata hochzuladen. Hier scheint mir aber zunehmend das Problem der Doublettenvermeidung zu bestehen. Je mehr Kunstwerke in Wikidata verzeichnet sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmter Anteil eines Massen-Upload aus einer GLAM-Datenbank bereits enthalten ist und Doubletten zur Folge haben würde.

Ein weiterer Punkt ist die Datenübernahme aus Wikidata. Derzeit übernehmen wir noch nicht systematisch Daten aus Wikidata. Jedoch planen wir, auf der Basis der Wikidata-Identifier, einen Teil der (allgemeinen) Informationen zu den Kunstwerken entweder on the fly oder in Form von regelmäßigen Datenimporten aus Wikidata zu holen. Dies, um – wie gesagt – nicht Dinge noch einmal zu sagen, die „die Welt“ bereits weiß.

Wohin rollt der Ball in Sachen Wikidata und GLAM? Kann Wikidata wirklich so etwas wie ein Meta-Vokabular für Sammlungen werden?

So allgemein kann man das schwer sagen wohin der Ball rollt. Aber ich könnte mir vorstellen, dass zumindest das klassische Kulturerbe, also zumindest das was in Museen hängt und auf den Denkmallisten steht, in Wikidata komplett vertreten sein könnte. Andere Communities wie Ethnologie oder Kulturwissenschaft hätten sicher noch eine Reihe weiterer Gegenstände vorzuschlagen. Mit einem umfangreichen Kulturkorpus könnte Wikidata zu einer zentralen, fast schon globalen Referenz für Kulturgut werden. In Bezug auf die sogenannten Normdaten, die entweder national (Nationalbibliotheken, nationale Kulturgutverzeichnisse) oder nach Gegenstand (Museen) organisiert sind, könnte Wikidata auch die Rolle einer Metanormdatenreferenz einnehmen, die auch die anderen Identifier bereithält. Es könnte theoretisch auch eine Art Vokabular werden, indem Kunstwerke mit Wikidata-Items verschlagwortet werden. Dabei würde es sich dann um Begriffe handeln, wie z.B. Kunstgattungen („Gemälde“, „Porträt“), Techniken („Ölmalerei“), Stile („Barock“), oder dergleichen. Allerdings spielt bei Vokabularen auch die innere Systematik eine Rolle (wie die Begriffe voneinander abhängen, z.B. „Malerei – Landschaftsmalerei – Gebirgslandschaft“), so dass hier vielleicht weiterhin Systematiken wie Iconclass oder AAT verwendet werden.

Inwieweit Wikidata auch hinsichtlich der Statements über die Kunstwerke eine zentrale Rolle bekommen könnte, ist mir weniger klar. Grundsätzlich wäre das Datenmodell dafür geeignet, aber der allgemeine Wunsch nach zertifizierter und möglichst originärer Information wird vielleicht eher dazu führen, dass die Informationen zu den Werken (ebenso wie das Digitalisat selbst) bei den Museen gesucht wird. Wikidata könnte dann aber die Funktion bekommen, dort hin zu führen.

Ein weiteres Szenario wäre, dass Wikidata – so wie manchmal schon die Wikipedia – als Repositorium fungiert, in dem die Informationen zu Dingen eingegeben werden, die nirgendwo anders digital dokumentiert sind.

Insgesamt wird sich sicherlich noch einiges bewegen zwischen Wikidata und der GLAM-Welt. Auch der Umstand, dass eines der größten kulturhistorischen Museen der Welt, das British Museum in London, ein Dokumentationssystem (ResearchSpace) entwickelt, das auf der gleichen Software wie Wikidata aufbaut (Metaphacts), scheint mir ein Zeichen dafür zu sein, dass GLAM und Wikidata sich in ähnliche Richtungen bewegen.

by Jens Ohlig at August 21, 2017 08:25 AM

Data Partnerships in Wikidata: Project Durchblick

Dieser Beitrag ist auch auf Deutsch verfügbar.

Dr. Georg Schelbert works at the Humboldt-Universität Berlin at the Institut für Kunst- und Bildgeschichte (IKB) as the head of the media library. His project „Durchblick“ may be translated as „Through the Looking-Glass“ in more than one sense: As it is about glass slides, it literally deals with glass you can see through.  But the project is also about gaining insights from a vast collection of cultural assets, almost like exploring the wonderland hidden in it. Project Durchblick makes extensive use of Wikidata. This kind of data partnership does not come in the form of a data donation, but rather as using Wikidata as a hub for other data collections in order to provide objects in collections with common identifiers.

What is Durchblick all about? What kind of collection is that and how did it start?

We decided to call our project „Durchblick!“, as we faced the task to explore a large number of glass slides that had been in use for many decades in the department for the history of art at the Humboldt-Universität and make them accessible again. 

Every institute for the history of art has more or less large collections of slides that are used in lectures and seminars. Primarily, two formats are used: First, the larger glass slides where a black and white film is applied directly to a pane of the format of 8,5 x 10cm that were produced since the late 19th until the middle of the 20th century. And then the so-called small picture slides that emerged from the 35mm color film format as used in movie theaters that have been in use from the 1940s until today.  We focus only on the glass slides with Durchblick. The Berlin collection is one of the oldest and largest, as some of the Berlin professors of art history like Herman Grimm (son of Wilhelm Grimm) or Heinrich Wölfflin discovered and used the potential of projected photographs quite early. Thus, the collection also reflects the interests of famous representatives of the field in research and teaching. Today, after damages caused by wars, a significant amount consists of replicas and additions made in the 1950s, however over the the time also many interesting new themes were added, such as East German or Soviet art, urban development, or even traffic planning.

How does digitisation and digital opening of a collection actually look like?

For the digitisation we were looking for the most effective way, as we did for all aspects of the project. As we were not only interested in the slides as a depiction of something, but also as an object (with its inscription, traces of usage, and its general state) we developed a photographic process in which we take a picture of the frame at the same time as the transparent picture lightened from behind. We use a classic copypod with lightening from above and below and a high-resolution digicam (36MP). This gave us a chance to digitise the approximately 56,000 slides in less than a year and put them online, preliminarily largely without any metadata. The only metadata at this point are general systematic ones that say something about the picture’s content (e.g. Italy, painting, renaissance). Through the index on the storage of the slides the digital representations can be queried more specifically.

Scientifically opening a collection of photos or slides that depict pieces of art normally means to describe both the art depicted and — if it is historic — the photo or slide itself. This is done using specific standards that provide us with mandatory fields and terminologies. However, this description of the pieces of art on our slides turned out to be an unnecessary burden. As they were all well-known or even famous pieces of art, we can presume that they are already described elsewhere. No matter what choice we make for external descriptions of the pieces of art, it made sense to us to connect them with authority file identifiers. In the case of a person, you would choose an established authority file like the GND (Integrated Authority File by the German National Library) or go straight for the meta-identifiers of VIAF (Virtual Internet Authority File). For pieces of art or architecture, there is no sufficiently comprehensive authority file. The GND is far too incomplete in this field. Thus we saw Wikidata as a new solution. At least in some parts it has reasonably complete collections of pieces of art and architecture.

Wikidata also offers other advantages: New items can be added to Wikidata by every user if something is lacking. Wikidata items contain other data and are at least linked to one Wikipedia article. The structure of data in the form of statements links every item with an ever-growing web of knowledge that provides content which can also be used in the future. We still have to do some immediate work of description, nevertheless: All the properties of the slide, including the inscriptions on it, have to be documented for every single object. We can imagine a future workflow where transcribed inscriptions are matched with Wikidata items and proposed matches can be manually approved.

Your project was awarded with a prize. What kind of prize is it and how come you were chosen? And what are the „digital humanities“ actually?

It makes sense to start with the last question. There are different definitions for digital humanities. In a broader sense, it applies to every methodic use of computers in the humanities. Pure digitisations or using office programs would fall out of the scope of the definition, but processing and preparation of digitised objects with metadata may very well be within the definition, especially if the data are used in research. In a more narrow sense we understand digital humanities as the analysis and compilation of text corpora. This is why we were happy to learn that our project which deals with tangible objects and pictures while thinking about the most efficient way for scientifically opening them was awarded with a prize.

The Prize for Digital Humanities is an annual award given out by the interdisciplinary research network for digital humanities for innovative projects in that field since 2015. The jury consists of computer scientists, information scientists, and scientists in other fields. The jury may have been lead to their decision by the assessment that we will see even more with Wikidata and GLAM in the future.

What is your take on Wikidata’s data quality, its documentation and data access? Are there things we could improve?

Of course the quality of data differs a lot. There are cases of incorrect statements as well as inconsistent use of properties — for instance, it does not seem to be possible to search for self-portraits as this is rarely used as a category while at the same time several self-portraits of Rembrandt have an item of their own. In my opinion, Wikidata — and Wikipedia, too — work best when it’s about comparably hard facts or references to other resources. These are things like a person’s birthdate, geo coordinates, membership in institutions etc. But first and foremost it’s about the identifiers contained in an Wikidata item.  Of course it would be advantageous if we were not forced to look up the artist, the size of the painting, the style, the current museum location or literature references for every piece of art we linked to Wikidata. But for now it is much more important for us to unambiguously identify objects, for instance Rembrandt’s self-portraits as the Apostle Paul (https://www.wikidata.org/wiki/Q2267759) or as Zeuxis (https://www.wikidata.org/wiki/Q2267594) which would otherwise be hard to describe in an unambiguous way.

So far our work is primarily manual. That means based on the inscriptions of the slides we are searching for matching Wikidata items and then use the identifiers. Simpler ways to search would be helpful (the Query Service with its Query Helper are a good start). For the time being, Google search (which adjusts misspelled words) is still the most effective way. Wikipedia pages typically rank very highly. From there it’s easy to get to the Wikidata ID.

In cases where a piece of art is missing (even in the case of the famous Rembrandt self-portraits Wikidata is probably not complete yet) we rarely add it manually. In order to do this in a more orderly fashion it would be helpful to have templates that are tailored to GLAM needs (e.g. a template for quickly adding an item for a painting, a sculpture, or a monument); the Quick Statements tool is simply not easy enough. It is also conceivable to upload whole catalogues and other sets of work to Wikidata. However, here I see the increasing problem of how to avoid duplicates. With more and more pieces of art included in Wikidata the probability rises that a certain amount of a mass upload from a GLAM database is already included and causes duplicates. 

Another aspect would be the re-use of data from Wikidata. For now we don’t systematically re-use Wikidata data. However we are planning to include a part of the general information on the pieces of art based on the Wikidata identifier — either on the fly or through regular data imports from Wikidata.  This we would do, as I said above, to not repeat things that are already known and noted elsewhere.

How does the path ahead for Wikidata and GLAM look like? Can Wikidata truly become something like a meta-vocabulary for collections?

I find it hard to see the path ahead in a general way. But I can imagine the classic cultural heritage, i.e. everything that is on the walls of museums or on monument lists, to be completely included in Wikidata at the very least. I’m sure other communities like ethnology or cultural studies can propose several other items as well. With an extensive cultural corpus Wikidata could become a central if not global reference for cultural assets. In the case of authority files that are either organised nationally (national libraries, national registers of cultural assets) or along items (museums), Wikidata could become a meta authority file that contains all other identifiers. It’s possible that it could also become some kind of vocabulary if pieces of art are tagged with Wikidata. That would mean terms and concepts such as art genres („painting“, „portrait“), techniques („oil painting“), artistic styles („Baroque“) or similar things. However, vocabularies are largely dependant on internal classifications (how terms are related to each other, e.g. „painting — landscape painting —  mountain landscape“) so I expect classifications like Iconclass or AAT to be dominant for the time being.

I am much less sure about how Wikidata could play a central role regarding the statements about the pieces of art. Its data model is fundamentally suitable for that, but the general desire for certified and original information will probably lead people to search for information on works (and the digitised objects of these works) at the museums. Wikidata’s function would be to link there, however.

Another scenario would be that Wikidata becomes a repository for information that is not documented elsewhere — Wikipedia already plays that role to a certain degree.

All in all I expect some powerful impact of Wikidata in the world of GLAM. Given that one of the largest museums of cultural history, the British Museum in London, is in the process of developing a documentation system (ResearchSpace) that is based on the same software as Wikidata itself (Metaphacts) there are clear signs that GLAM and Wikidata move towards a common direction.

by Jens Ohlig at August 21, 2017 08:24 AM

August 17, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 32/2017

Die Wikimedia:Woche 32/2017 ist kurz und bündig: die 2. Präsidiumsklausur von Wikimedia Deutschland kann nun nachverfolgt werden und für die Wiki Science Competition wird tatkräftige Unterstützung gesucht. Wer zur WikiCon nach Leipzig kommen und über Wikimedia Deutschland ein Hotelzimmer gebucht haben möchte, hat nur noch wenige Tage Zeit. Zur Wikimedia:Woche 32/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at August 17, 2017 02:23 PM

August 16, 2017

Iberty

Resist to Exist - The Kids are alright


Nach Wacken geht’s zum Kacken.
Der Antifaschist fährt zum Resist.
Auch wenn es pisst. (Henne, Sänger von Rawside)

Junge Männer klettern auf den Bühnenzaun, schwenken die Fahne der Antifaschistischen Aktion. Die Ordnerin mit Union-Berlin-Käppi rennt herbei, versucht sie wieder herunter zu bewegen. Die dünne junge Frau mit der Rockabilly-Frisur, den Docs und dem „No Pasaran“-Tattoo bindet sich derweil die Haare, während zwei andere junge Frauen mit blonden bzw. blauen Haaren dem Typ mit dem halbnackten Oberkörper Schlamm ins Gesicht schmieren. Auf der Bühne rührt ein Russe mit Eishockeytorwartmaske, weißen Markenturnschuhen (wie hat er die in diesem Schlamm so weiß gehalten) irgendwas über Widerstand.

Nebenan, im Kuhstall, die Punks in den Polizeiuniformen, lassen es sich im Backstagebereich gutgehen.  Verkaufsstände verkaufen „NZS BXN!“-T-Shirts, der Drugstore von der Potse in Berlin Schöneberg verkauft Solischnapps und die tschechische Antifa hat einen eigenen Merchandise-Stand.
Willkommen im Dorfe in Brandenburg.




Resist to Exist, existiert seit 2003. 2.500 Punks und Freunde aus Deutschland und Europa hören Punk, Hardcore, Streetcore, HC-Rap und Ska. Ursprünglich aus Berlin-Marzahn,  findet das Festival mittlerweile in Kremmen statt: 3000 Einwohner, zwischen Berlin und Neuruppin, umgeben von Rhinluch mit Kremmener See, Schloss Schwante, Schloss Grossziethen, viel Lehm, viel Sand ein wenig Wald, ein Spargelhof und ein Selbstpflücker-Gemüsefeld.


Leicht touristisch erschlossen, aber dann auch ein Brandenburger Kleinstädtchen mit einer Kirche, einer Stadtbibliothek die Dienstags und Donnerstags einige Stunden geöffnet hat. Das größte Ereignis im Kremmener Jahr ist das Erntefest mit Traktorparade. Und hier: Punks. Mehrere tausend, so viele wie ich sie zuletzt bei den Chaostagen 1994 sah. Antifas in Mengen, die mich an Großdemos in der sächsischen Provinz um die Jahrtausendwende erinnern. Und in der Nähe liegt unser Kleinsttierzoo/Garten.




2016 im August


Es war letztes Jahr im August. Friedlich im Garten Buttermilch-Margaritas trinkend hörten wir trommeln und röhren. So vage von gegenüber? War die Tochter der Nachbarin mal wieder da und hörte jetzt bei voller Lautstärke im Zimmer Tote Hosen? Nachdem es nach drei Stunden nicht besser geworden war, begannen wir uns Sorgen zu machen – nicht dass die Tochter mittlerweile taub geworden war. Wir wandelten die Straße entlang, auf der Suche nach der Geräuschquelle. Am Ende der Straße. Alles unverändert. Okay, die Geräuschquelle ist von wesentlich weiter weg,  dann aber wohl sehr laut.
.


Deutschpunk? Nazirock? Die Musikrichtung ist, wenn man nur die Drums hört und ein unspezifisches Gebrüll des Sängers, nicht immer leicht zu unterscheiden. Und in Brandenburg auf dem Dorfe? Die Musik kommt vage aus Richtung Kremmen. Ein Ort, der sich musikalisch bisher dadurch hervortat, dass in der "Musikantenscheune" der Brandenburger Landesparteitag der AfD stattfand. Lässt sich was zum Konzert googeln?



Madame fand etwas in Kremmen: Resist to Exist, die Bands kannte sie alle nicht, uneindeutig. Ich schaute. Okay, Sham69, Total Chaos. Das ist kein Nazirock. Aber Oi? So in der Brandenburger Provinz geht vieles. Zweiter Blick: Rasta Knast, Fuckin‘ Faces, Distemper,  ganz sicher kein Nazirock. Eher im Gegenteil. Klingt spannend. Aber ein paar der Bands waren ja schon alt als ich noch jung war. Eine Traditionsveranstaltung? Egal, es gilt Lehmberge zu versetzen, keine Zeit für.Festivals, die eh schon halb vorbei sind. .

2017 


Es ließ mich nicht das ganze Jahr über nicht los. Die Bands klangen spannend. Der Lehmberg ist mittlerweile versetzt. Das Lineup 2017 ist meins. Ach, Rawside, war auch meine Jugend und ist mittlerweile ein Kandidat für Nostalgietreffen; aber die waren hammergeil. Und viele Bands kenne ich nicht. Vielleicht sind die U40. Klingt so. Das sieht groß aus, das sieht cool aus. Ich will da hin. Aber nur als Besucher? Langweilig. Wenn, dann richtig. Eintritte für Konzerte habe ich schon 1998 nicht mehr bezahlt. Gut, dass es diese Internetenzyklopädie gibt.


Der Wikipedia-Festivalsommer


Der Festivalsommer der Wikipedia existiert seit 2013: Wikipedianerinnen und Wikipedianer gehen auf Festivals, die Wikipedia-Spendengelder sorgen dafür, dass es auch professionelles Fotoequipment gibt. Danach laden die Beteiligten Fotos von Festivals und Bands unter Freier Lizenz auf Wikipedia. Mittlerweile entstand eine hohe fünfstellige Zahl an Fotos von über 1.200 Bandauftritten und knapp 100 Artikel über Festivals und Bands. Alles ehrenamtlich, alles DIY, in der Form sehr anders als das Resist im Spirit aber noch so weit voneinander entfernt. Da nehme ich Teil, schieße Fotos, schreibe einige Artikel (das Festival hat noch keinen, diverse relevante Bands auch noch nicht) und laufe durch den Matsch.



Das Resist


Das Resist entstand in Marzahn. Marzahn in den 1990ern war kein angenehmer Ort, wenn man links war. Nazis rannten dort einige herum und die waren wenig zimperlich in ihren Methoden. Punks und Linke - die es in Marzahn immer gab und gibt - trafen sich im geschützten Biesdorfer Park. Bis das Ordnungsamt das nicht mehr wollte und mit massiven Polizeieinsätzen begann zu räumen. Es gründete sich "Resist to Exist" und ein Soli-Festival. In Marzahn ist das Festival nicht mehr, dafür ist es schöner und größer als zuvor.



Die Resistenten mussten mehrfach den Veranstaltungsort wechseln und sind seit 2016 in Kremmen gelandet. Was spontan und ungeplant begann, ist mittlerweile ein eigener Verein, eine Vorbereitung, die fast das ganze Jahre über läuft und trotzdem die Verrückten immer noch alles ehrenamtlich machen, mittlerweile reichlich professionell.



Mehrere tausend Besucher im Jahr, das „größte Festival für DIY-Punk und artverwandtes.“ Autokennzeichen sah ich aus ganz, der Schweiz (u.a. am stylischen schwarzen Anarcho-Wohnmobil), Österreich, Italien, Polen, Tschechien, Berlin, Hamburg, Sachsen und natürlich ganz Deutschland. Das Festival ist bis heute ehrenamtlich organisiert, von einem Verein getragen, und wird größer und größer und professioneller. Anscheinend, für mich – hoffentlich! – bleibt es in Kremmen.


Das Resist 2017


2017. Das Jahr des großen Regens. Dauerregen, Starkregen, Dauerstarkregen. Ich genoss den Luxus des nahegelegenen Bungalows, kam erst nach dem Regen aber zum großen Schlamm. Hinter dem Kremmener Bahnhof gleich rechts, die Feldstraße entlang. Die ersten Punks sind auf dem Weg, meist schlammverspritzt, oft Barfuss. Drei freundliche Jungs im Campingstuhl winken mich irgendwo auf die Wiese zum Parken, neben mir ein Bully mit kleinem Vorzelt. Ein längerer Fußweg. Vorbei an vielen Zelten und Strohballen. Durch die „Winterfütterungsanlage für Mutterkühe“ hindurch, die auch als Backstage dient.



Dann das Festival. Menschen! In Massen! Unbeeindruckt vom Schlamm, sich damit bewerfend, auf Hügel ausweichend. Haarfarben in allen Farbtönen. Die AFD und NZS sind hier nicht beliebt! Bier natürlich. Antifa-Merchandise. Auf der Bühne eine Band in Polizeiuniformen, die über Punks lästert. Das Publikum hat Spaß. Das Publikum: Mein Gott, sind die alle jung. Sehr weiblich auch noch. Nichts mit Traditionsveranstaltung. Nichts mit Alte-Männer-fahren-zum-Camping wie in Wacken. Die Szene lebt. Ist politisch. Die Bands sind politisch. Fast fühle ich mich als ältester Anwesender.  Zum Glück gibt es noch eine handvoll Festivalbesucher, die ihre Originalkuttern von 1977 spazierenführen. Aber nicht viele. Jugend. Mit Energie. Sehr wenig Handies, fast niemand, der auf sein Handy schaut, sehr wenige Leute am Fotografieren, sehr viele Leute am Spaß haben.



Auch der Pressegraben bleibt leer. Wir sind eine handvoll Leute, die versuchen die schlimmsten Pfützen zum umgehen und nicht all zu sehr mit Schlamm beworfen zu werden. Auf der Bühne Siberian Meat Grinder. Sieht geil aus. Aber ich verstehe kein Wort – habe später zu Hause noch mal Videos geschaut, verstehe immer noch kein Wort –aber sie geben coole Interviews. Und ich mag die Musik.

The Kids are alright

Nix mit Traditionsveranstaltung. Junge, politische Menschen mit DIY-Ethos, Hammerbands, viel Spaß, wenig Handies, friedlich und doch entschlossen. Ihr seid super.

Weiteres

Für mehr Hintergrundinformationen gibt es hier und hier Interviews mit den Machern des RTEs. Hier bei Uglypunk.  Der Wikipedia-Artikel ist noch in Arbeit.

Das Festival selbst hat ein umfängliches Archiv über all’die letzten Jahre

Schöne kommentierte Fotostrecke bei Bierschinken.net: Resist to Exist Tag 2

Geradezu niedlich war es wie die Lokalzeitungen über das Treffen der Punker berichteten. Durchaus sympathisch und sympathisierend, aber der kulturele Abgrund den es zu überbrücken galt, war groß. Kein Wunder, dass sich die Zeitungen ganz besonders über das Festivalbaby Silas freuten, das auf dem Festival geboren wurde. "Festival-Baby Silas ist wohlauf."

<noscript>
</noscript>

No Way Back

Und zum Schluss:


<noscript>
</noscript>

<noscript>
</noscript>

by dirk franke (noreply@blogger.com) at August 16, 2017 07:50 PM

August 15, 2017

WikiAhoi

Wikiwand: Wikipedia endlich bequem und schön lesen

Haben Sie sich für Wikipedia schon einmal ein schöneres Design gewünscht? Vielleicht ein Layout, das nicht an die 80er-Jahre erinnert, eine andere, größere Schrift, vielleicht einfach irgendeine Veränderung?

Dass sich das Design von Wikipedia seit Langem nicht bemerkenswert geändert hat, hat gute Gründe: Eine große, langjährige Community ist mit dem Design gewachsen und hat sich daran gewöhnt. Warum ändern, wenn es so funktioniert? Schwierig wird es, alle in ein Boot zu holen, wenn es darum geht, Veränderungen umzusetzen. Ist anders, neu immer wirklich besser?

Während die Wikimedia Foundation seit 2010 all ihre Projekte auf der Vector Skin laufen lässt, gab es auch Vorschläge wie Athena, die Wikipedia neu zu designen.

Wikipediaredefined.com ist ein externer Vorschlag einer Werbeagentur, Wikipedia von Grund auf umzudesignen. Die Ansätze sind sehr interessant und auch sehr schön und einen Blick wert.

Browser-Reader Wikiwand

Wikiwand ist ein sehr guter Reader für Wikipedia. Als Browserplugin greift er stark in das angezeigte Layout ein und bietet ablenkungsfreies, angenehmes Lesen der Artikel. Manche Detailinformationen von Seiten fehlen hier naturgemäß, es lässt sich aber jederzeit mit einem Klick auf die Originalseite wechseln.

Wikiwand funktioniert auf Chrome, Safari und Firefox, mobil auf iPhone und in beta auch auf Android. Zufälligen Artikel auf Wikiwand lesen.

Alle Bilder: Wikiwand Presskit

Wikiwand Logo Beispielseite NASA Suche Linkvorschau Inhaltsverzeichnis

SaveSave

by Sabine Melnicki at August 15, 2017 11:19 AM

August 11, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia auf der „Das ist Netzpolitik!“-Konferenz am 1. September 2017

Genau. Foto von Melanie Twele, CC BY-SA 2.0

In diesem Jahr findet zum vierten Mal die „Das ist Netzpolitik!“-Konferenz in Berlin statt. Fachleute und Netzcommunity diskutieren hier über die Entwicklung von Netzpolitik in Deutschland und international.
Wir als Verein zur Förderung des Freien Wissens finden den Ansatz gut, im Zuge einer möglichen neuen Regierungskoalition auf Bundesebene ein möglichst breites Spektrum an Diskurs- und Handlungsansätzen vorzustellen. Um Freies Wissen zukünftig für alle zugänglich machen zu können, ist es wichtig, Menschen zu befähigen, dafür selbst aktiv zu werden und einzutreten.

Daher unterstützt Wikimedia Deutschland die Konferenz und ist 2017 mit folgenden Beiträgen dabei:

Zu den weiteren diesjährigen Themen, die ohne Zweifel auch die netzpolitischen Debatten der Zukunft prägen werden, gehören etwa Datenschutz, Regulierung des Internet der Dinge, die E-Privacy-Richtlinie, die Neuordnung des europäischen Telekommunikationsmarktes, die Netzneutralität, Text- und Data-Mining und vieles mehr. Der Vorverkauf zur Konferenz ist gestartet, am Abend wird gefeiert. Wir freuen uns!

by Lilli Iliev at August 11, 2017 11:08 AM

August 10, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 31/2017

Die Wikimedia:Woche 31/2017 wartet mit neuen Gesichtern bei Wikimedia Deutschland auf. Während die eine Konferenz gerade startet, werfen andere Treffen ihre Schatten voraus. Zur Erhebung von Viewzahlen von Video- und Audiodateien auf Commons gibt es nun ein Tool und zur Bundestagswahl 2017 wird es einen Digital-O-Maten geben. Zur Wikimedia:Woche 31/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at August 10, 2017 02:37 PM

August 04, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Die Wikimedia-Bewegung trauert um Bassel Khartabil, Syrischer Wikimedianer und weltweit anerkannter Open-Culture-Aktivist

Die Familie von Bassel erhielt in dieser Woche die Bestätigung von seiner Hinrichtung durch das Syrische Regime im Oktober 2015, also kurz nachdem man ihn aus dem Syrischen Gefängnis verlegt hatte, in dem man ihn gefangen hielt.  Dieser Blogpost von Katherine Maher ist auf englisch im Wikimedia Foundation Blog erschienen. 

Die Wikimedia-Bewegung ist tief getroffen von der Nachricht vom Tod des Community-Mitglieds und Open-Culture-Aktivisten Bassel Khartabil, auch bekannt als Bassel Safadi. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie und seinen Freunden.

Bassel wurde am 15. März 2012 im Rahmen einer Verhaftungswelle zum einjährigen Jahrestag des Syrischen Bürgeraufstandes von der Syrischen Regierung festgenommen. Er galt seit Oktober 2015 als vermisst, nachdem er aus dem Gefängnis von Damaskus verlegt wurde, in dem man ihn gefangen hielt. Wir haben bis zuletzt die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Bassel in Sicherheit sei und schließlich aus seiner Regierungsgeiselhaft befreit würde. Leider teilte seine Frau, die Syrische Menschenrechtsanwältin Noura Ghazi Safadi, in dieser Woche jedoch in einem Statement mit, dass er hingerichtet wurde; bereits kurz nachdem man ihn aus dem Adra-Gefängnis verschleppt hatte. 

Bassil Khartabil, Bild: Joi, Bassel Safadi, CC BY 2.0

Bassel war eine Führungsperson, ein Aktivist und Mitglied zahlreicher Open-Culture-Communitys. Er spielte eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Open-Source-Bewegung in der arabischsprachigen Welt. Neben seinem Engagement und Beiträgen zu Wikimedia-Projekten – viele davon anonym – war er Projektleiter für Creative Commons Syria, Freund der Global Voices community und ein Fürsprecher für freie Software und ein Beitragender bei Mozilla, Gründer des Aiki Lab Hackerspace in Damaskus und vieles mehr.

Vor seiner Verhaftung arbeitete er beispielsweise an einer virtuellen 3D-Rekonstruktion der antiken Stadt Palmyra in Syrien, bevor diese im Jahr 2016 zu großen Teilen von ISIS zerstört wurde. Seine Arbeit, die antike Stadt zu erhalten, digitalisieren und reproduzieren lebt weiter in den Anstrengungen von #NEWPALMYRA, einer Kollabration von 3D-Modellierenden, Archäologinnen und Archäologen, Kunstschaffenden, Kuratierenden, Entwickelnden, Pädagoginnen und Pädagogen, sowie Aktiven aus Wissenschaft, Journalismus und der Wikimedia-Welt.

2014 würdigte das Europäische Parlament Bassel für die “Öffnung des Internets in Syrien und Verbreitung von Online-Zugang und -Wissen an das Syrische Volk”. Im Jahr 2012 nahm das Magazin Foreign Policy Bassel gemeinsam mit Rima Dali auf Platz 19 der Liste “Top 100 Global Thinkers” auf, dafür, dass beide “allen Widrigkeiten zum Trotz an einer friedlichen Syrischen Revolution festhalten.” Am 21. März 2013 erhielt Bassel den Freedom of Expression Award der Organisation Index on Censorship in der Kategorie “Digitale Freiheit”.

Bassel war im Wikimedia-Movement für seinen grenzenlosen Enthusiasmus und Leidenschaft bekannt, und ermutigte andere stets dazu, sich zu vernetzen, gemeinsam Dinge zu erschaffen und mit der Welt um uns herum zu teilen. Im Jahr 2014 arbeitete er mit einem Freund zusammen, um anonym aus dem Gefängnis zu berichten, in dem man ihn gefangen hielt. in seinem ersten Blogpost für den Blog, Me in Syrian Jail, bestätigte er, dass er für seine Schriften und seine Ideen festgenommen wurde. Trotz aller Gefahr und Schwierigkeiten, durchdringt sein Schreiben ein Gefühl von Triumph, denn “Die Regierung wollte mich zum Schweigen bringen, denn sie ist gescheitert und dieser Blog ist der [Beweis]”. Seine Tweets, die von demselben offline Blog-Projekt stammen, erinnerten uns daran, dass man “das Gefängnis nicht ohne Erinnerungen und Vorstellungskraft bezwingen kann”.   

Genau wie Bassel glauben wir an die Kraft des Schreibens, die Kraft von Wörtern und von Erinnerungen. Jeden Tag nutzen hunderte Millionen Menschen Projekte für Freies Wissen wie Wikipedia, um zu lernen, zu erinnern, und um Neues zu schaffen. Wir profitieren von der Großzügigkeit von Wikimedia-Freiwilligen aus aller Welt, doch nur wenige von uns halten inne um die Herausforderungen zu bedenken, denen sich viele dieser Freiwilligen weltweit stellen müssen. Die Nachricht von Bassels Tod ist eine schmerzhafte Mahnung der Risiken und Schwierigkeiten, denen Menschen ausgesetzt sind, nur, weil sie ihr grundlegendes Recht in Anspruch nehmen, zu teilen und zu lernen.  

Wir glauben, dass alle das Recht haben sollten, frei zu sprechen und sich frei auszutauschen. Wir glauben, dass diese Verpflichtung zu freier Meinungsäußerung, Offenheit und Kreativität an unsere gemeinsame Menschlichkeit erinnern sollte und die Grundlage für eine bessere Welt ist. Die globale Bewegung für offene Kulturen und Freies Wissen ist durch Bassels Beitrag stärker geworden. Wir trauern über diesen großen Verlust und wollen gemeinsam mit seiner Familie, seinen Freunden und seinen Communitys sein Andenken in Ehren halten. Auch in Zukunft verpflichten wir uns den Werten, für die Bassel einstand.

Update: In Gedenken an Bassel und seinen Beitrag zur Open-Culture-Bewegung wird die Wikimedia Foundation gemeinsam mit Creative Commons, Mozilla, der Jimmy Wales Foundation, #NEWPALMYRA, and anderen Projekten ab April 2018 das  “Bassel Khartabil Free Culture Fellowship” an herausragende Einzelpersonen vergeben, die den Gedanken freier Kultur trotz widriger Umstände in ihren Communities voranbringen. Alle Details zum Stipendium sind im Blog der Wikimedia Foundation auf Englisch zu finden.

 

by Jan Apel at August 04, 2017 02:27 PM

Wikimedia:Woche 30/2017

Dieses mal in der Wikimedia:Woche 30/2017: Traurige Nachrichten im Fall Bassel Khartabil, Veröffentlichungen von Wikimedia Deutschland zum Halbjahresbericht im Rahmen des Annual Plan Grant program und zum Digitalen Engagement. Außerdem: Freie Portale stellen auf eigene Lizenzen um und wer noch am Fellow-Programm Freies Wissen teilnehmen möchte, sollte sich beeilen.. Zur Wikimedia:Woche 30/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at August 04, 2017 07:48 AM

August 02, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Der Weg zu den Frauen in Rot

Logo Women in Red

Ein Gastbeitrag von IvaBerlin

Die Eine oder der Andere hat es vielleicht schon mitbekommen – es gibt ein neues Frauenprojekt in der Wikipedia: eine Seite, die auflistet, wie viele Biografien über Frauen in anderen Wikipedia-Versionen schon vorhanden sind, die in der deutschsprachigen Wikipedia noch fehlen. Ist es wirklich ein Frauenprojekt? Nun ja. Es ist ein Projekt, welches den Fokus auf besagte Biografien hat. Wer sich einer solchen „Frau in Rot“ annimmt, bleibt dabei bewusst offen. Wikipedia ist ein Gemeinschaftsprojekt. Was nur gemeinsam wirklich gut funktioniert. Ich glaube jedenfalls, dass das so ist. Und ich glaube auch, dass ich mich damit in guter Gesellschaft befinde.

Rückblende: Angefangen hat alles „schon“ Mitte 2016 auf der Wikimania in Esino Lario. Da begegnete ich den Women in Red zum ersten Mal. Der Titel des englischsprachigen Projekts leitet sich vom Beseitigen von Rotlinks ab, allerdings nicht durch Entfernen der Rotlinks, sondern durch Erstellen der entsprechenden Artikel. Das englischsprachige Projekt ist längst ein internationales geworden und bezieht auch andere Länder und Sprachen mit ein. Da war es nur natürlich, dass es so etwas gern auch in der deutschsprachigen Version der Wikipedia geben sollte. Ein Augsburger und eine Berlinerin machten sich auf den Weg, um das Projekt mit Leben zu erfüllen.

Am 8. Juli gab es dann „endlich“ einen Edith-a-thon rund um die „Frauen in Rot“. Alle interessierten Wikipedianer/-innen und Noch-Nicht-Wikipedianer/-innen waren eingeladen, sich zu beteiligen. Dadurch entstanden innerhalb des Tages insgesamt (mindestens) 24 neue Wikipedia-Artikel über Frauen, was für sich genommen schon ein erfreuliches Ergebnis ist. Zusätzlich spannend fand ich, was „drumherum“ für Gespräche auftauchten:

  • Es wurde festgestellt, dass die Kriterien in den unterschiedlichen Sprachversionen der Wikipedia unterschiedlich stark ausgeprägt sind.
  • Wir redeten mit Vorbeikommenden darüber, was es mit dem lokalen Standort in München auf sich hat.
  • Es wurde über Töchter, Söhne und Persönlichkeiten einer Stadt nachgedacht.
  • Wir überlegten gemeinsam, welche Berufsgruppen wie auftauchen sollten.
  • Frauen und Männer beteiligten sich erfreulich paritätisch an der Veranstaltung.

Es wird sicher eine Fortsetzung geben. Wann auch immer und wo auch immer. Erst mal sei dies der Bericht über die bereits erreichten Ergebnisse.

Möglichkeiten zur Mitarbeit in der Wikipedia:

by Jonas Sydow at August 02, 2017 03:01 PM

July 31, 2017

DaB.

Kurier: Kritzolina ist nun Community Advocate

Wie uns CSteigenberger mitteilt, bekleidet sie seit Anfang Juli eine Position als Community Advocate bei der WMF.

by DaB. at July 31, 2017 12:33 PM

July 30, 2017

DaB.

Zukunftsprozess WMDE

Wie uns Tim Moritz Hector als Präsident von WMDE mitteilt hat der Verein begonnen sich – wieder einmal – über die Zukunft von WMDE Gedanken zu machen. Aktuell befragt er dazu externe Dritte, aber in ein paar Monaten dürfen auch wir Normalos uns zu Wort melden.

Meiner Meinung nach sind solch weit-reichende Planungen Zeitverschwendung, weil sie durch die Wirklichkeit eh schnell überholt werden; ich wollte euch aber trotzdem in Kenntnis setzen.

by DaB. at July 30, 2017 12:32 PM

July 27, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia Deutschlands Zukunft gemeinsam gestalten

Präsidium und Vorstand von Wikimedia Deutschland möchten in den nächsten Monaten in einen Dialog über große Zukunftsfragen des Vereins treten– mit allen, die dazu etwas beitragen wollen. Alle Infos und regelmäßige Updates zum Thema veröffentlichen wir im Meta-Wiki.  

Warum ein Zukunftsprozess?

Freies Wissen verändert sich. Fortwährend. Der Konsum und die Produktion von Wissen und die Gründe, aus denen Menschen nach Wissen suchen und Wissen schaffen, verändern sich ebenso wie die Perspektive der Menschen auf dieses Wissen. Im Wandel begriffen sind auch gesellschaftliche Organisationen, die Wissen bereitstellen (Museen, Archive, Bibliotheken), die zunehmend auf die Digitalisierung reagieren. Und, nicht zuletzt, verändern sich Formate, in denen Wissen bereitgestellt wird: Strukturierte Daten, Multimedia und Virtual Reality waren wichtige Entwicklungen der letzten Jahre.

Mit dem Freien Wissen verändern sich auch die Wikimedia-Projekte. Die Wikipedia, ihre Schwester-Projekte – von Wikidata über die Mediendatenbank Wikimedia Commons bis hin zum freien Reiseführer Wikivoyage – und ihre Freiwilligen-Communities wandeln sich. Sie reifen, passen sich dem Umfeld an, werden anders genutzt und reagieren auf Veränderungen. Die gesamte Wikimedia-Bewegung, Wikimedia-Organisationen und Communities aus aller Welt verändern sich und suchen seit diesem Jahr im „Movement Strategy Prozess“ Antworten auf die Frage „Was möchten wir bis zum Jahr 2030 gemeinsam aufbauen und erreichen?“. Und damit verändert sich natürlich auch Wikimedia Deutschland als Organisation. Der Verein entwickelt sich mit dem Umfeld, das er fördert, mit: Er wächst und hat in diesem Jahr die Schwelle von 50.000 Mitgliedern überschritten. Er nimmt neue Beschäftigungsfelder auf, stellt andere, weniger Erfolg versprechende ein und befindet sich so in einem ständigen Wandel.

Wir im Präsidium begreifen Veränderung als etwas Gutes. Wir wollen, dass unsere Organisation gesellschaftliche Veränderung erreichen und nachhaltig wirken kann. Und wir wollen, dass sich Wikimedia Deutschland in einem verändernden Umfeld bewusst positionieren kann – nicht nur reagiert, sondern aktiv gestaltet. Wir wollen, dass wir selbst als Organisation diese Veränderungen steuern. Wir wollen nicht von Veränderungen überrascht werden und passiv sein, sondern aus eigenem Antrieb heraus gemeinsam mit unseren Partnern Dinge bewegen.

Um das zu erreichen, müssen alle Teile der Organisation in den Austausch treten: Präsidium, Vorstand, Hauptamtliche, Ehrenamtliche, Mitglieder und Partner. Wir müssen fragen: Wofür stehen wir als Verein? Welche Kompetenzen haben wir: In welchen Bereichen sind wir exzellent, in welchen haben wir Schwächen? Wohin soll die Reise gehen? Welche Chancen bieten uns die oben beschriebenen Veränderungen, aber welche Risiken sind damit auch verbunden? Wo können wir die größte gesellschaftliche Veränderung erreichen, und dabei gleichzeitig unser Kerngeschäft im Auge behalten?

Was ist schon passiert?

Die strategischen Grundlagen, die durch das Präsidium in der Vergangenheit verabschiedet worden waren (das „Strategiepapier 2014–2018“ und die Leitmotive), haben an Aktualität verloren und geben uns als Präsidium genauso wie der Organisation nicht mehr die Orientierung, die wir alle brauchen, um unsere Kräfte zu bündeln. Sie sind deswegen nicht schlecht oder unbrauchbar und große Teile, die darin enthalten sind, sind auch nach wie vor richtig und wichtig. Die Papiere sind aber in ihrer Gesamtheit aus der Zeit gefallen. Wikimedia Deutschland hat sich seit der Verabschiedung dieser Papiere entwickelt: Wir sind mehr Mitglieder und mehr Mitarbeitende, wir haben teilweise andere Ansätze, wir arbeiten enger mit Partnern innerhalb und außerhalb des internationalen Wikimedia-Movements zusammen, neue Projekte sind hinzugekommen, andere eingestellt worden.

Darum haben wir die Gültigkeit dieser Papiere im Präsidium, nachdem wir sie einem ausführlichen Rückblick unterzogen haben, auf unserer Sitzung im Mai aufgehoben. Gleichzeitig haben wir beschlossen, den Text „Vision, Mission und Werte“, den das das 4. Präsidium zum Ende seiner Amtszeit beschlossen hat, auch für unser Handeln als 5. Präsidium anzunehmen. Daraus kann das Präsidium so lange Orientierung ziehen, bis wir gemeinsam neue Antworten gefunden haben und wir laden euch ein, diesen Text ebenfalls als Orientierung und Gedankenanstoß zu der Vision, der Mission und den Werten des Vereins zu begreifen.

Was kommt jetzt?

Wikimedia Deutschland ist für die nächste Zeit gut aufgestellt, mit Blick auf unsere Ressourcen und auf unsere Ausrichtung für 2018. Die Stimmung im Verein ist positiv – das spüren wir auf den Mitgliederversammlungen und in den Gesprächen, die wir mit euch allen regelmäßig führen. Im Präsidium finden wir, das ist ein guter Zeitpunkt, um Antworten auf die oben aufgeworfenen Fragen für die Zeit danach zu erarbeiten. Wir wollen mit allen gemeinsam vorgehen: Präsidium, Vorstand, Mitarbeitenden, Mitgliedern, Ehrenamtlichen und Partnern, kurz: alle, die etwas beizutragen haben, sollen einbezogen werden.

In eine Diskussion großer Zukunftsfragen einzusteigen und gute Beteiligungsformate für alle wichtigen Gruppen in unserem Verein zu entwickeln, verlangt eine gute Vorbereitung. Der Präsidiumsausschuss Strategie plant aktuell das weitere Vorgehen: Wir vergleichen im Ausschuss gemeinsam mit Abraham, unserem geschäftsführenden Vorstand, und mit Moritz, unserem Präsidiumsreferenten, über den Sommer hinweg verschiedene Vorgehensweisen und sprechen auch mit externen Beraterinnen und Beratern, um das bestmögliche Verfahren für uns zu finden. Sobald wir uns hier für einen Ansatz entschieden haben – voraussichtlich im September – melden wir uns wieder mit neuen Informationen. Das passt dann auch gut zum aktuell laufenden internationalen „Movement-Strategy-Prozess“, der nach der großen jährlichen Wikimedia-Konferenz „Wikimania“ in Montreal erste Ergebnisse vorbringen wird. Dem wollen wir nicht vorgreifen, sondern im Gegenteil dessen Ergebnisse auch für unser Vorgehen nutzen und darin berücksichtigen.

Alle Schritte des weiteren Vorgehens und regelmäßige Updates veröffentlichen wir im Meta-Wiki.

Mit herzlichen Grüßen,

Tim Moritz Hector (für das Präsidium)
Abraham Taherivand (Geschäftsführender Vorstand)

by Tim Moritz Hector at July 27, 2017 04:25 PM

Wikimedia:Woche 29/2017

Die 29. Ausgabe der Wikimedia:Woche des Jahres kommt dieses Mal mit Neuigkeiten aus dem britischen Parlament, zu Frauen in der Wikipedia und zu kleinen Sprachen um die Ecke. Außerdem: Die Wikimedia Foundation setzt auf künstliche Intelligenz, neue Newsletter warten auf Leserschaft und bei Wikimedia Deutschland ist wieder eine offene Stelle zu besetzen. Zur Wikimedia:Woche 28/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at July 27, 2017 03:08 PM

July 26, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Position zur Stärkung des digitalen Engagements

Der folgende Text stellt die Kurzfassung der Position von Wikimedia Deutschland zur Stärkung des digitalen Engagements dar (Link zur Position).

 

Digitales Engagement ist ein noch recht junges Phänomen, ermöglicht durch das Internet und die Digitalisierung weitreichender Bereiche unserer Gesellschaft. So engagieren sich die Ehrenamtlichen der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte in ihrer Freizeit für freie Inhalte, schreiben Artikel oder fotografieren. Leider wissen immer noch zu wenige Menschen außerhalb der Wikimedia-Projekte, dass deren Inhalte durch digital Engagierte geschaffen werden.

Durch die Verbreitungswege des Webs, die Beteiligung vieler Menschen und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit kann durch digitales Engagement Großartiges für die Gesellschaft geleistet werden und häufig auch sehr schnell auf aktuelle Entwicklungen reagiert werden. Hier sind einige Beispiele für die Bedeutung des digitalen Engagements in den Wikimedia-Projekten, stellvertretend für all die anderen wichtigen digitalen Projekte:

  • Auf Wikimedia Commons stehen über 40 Millionen freie Mediendateien zur Verfügung.
  • Wikidata umfasst mehr als 29 Millionen Datensätze.
  • Die deutschsprachige Wikipedia bietet ein umfassendes Wissen mit über 2 Millionen Artikeln.
  • Im Rahmen des weltweit größten Fotowettbewerbs Wiki Loves Monuments wurden 2016 allein innerhalb eines Monats im deutschsprachigen Raum 39.000 Bilder eingereicht.

Es ist an der Zeit, dass nun auch in Politik und Gesellschaft ein Bewusstsein für die große Bedeutung des digitalen Engagements geschaffen wird und Engagierte in diesem Bereich in ihrem Beitrag angemessen gewürdigt und unterstützt werden. Wikimedia Deutschland hat daher in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen der Wikimedia-Projekte die folgenden fünf Forderungen für die Stärkung des digitalen Engagements in Deutschland erarbeitet.

  1. Gleichberechtigte Anerkennung des digitalen Engagements auf Augenhöhe mit anderen Arten ehrenamtlicher Tätigkeiten.
  2. Ermöglichung von Partizipation und Vielfalt im digitalen Raum zur Mitgestaltung der Gesellschaft.
  3. Gewährleistung der Verfügbarkeit freier Inhalte, um offene Zugänge zu Wissen, Mediendateien und Daten zu erreichen und gemeinsames Engagement zu erleichtern.
  4. Ausbau der Forschung, um mehr Wissen darüber zu gewinnen, wie die Entwicklung günstiger Rahmenbedingungen für das digitale Engagement effektiv gestaltet werden kann.
  5. Weiterentwicklung und Aufbau staatlicher Förderprogramme zum digitalen Engagement.

 

Hier geht es zur ausführlichen Fassung der Position.

 

by Julian Fischer at July 26, 2017 07:39 AM

July 25, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Datenpartnerschaften mit Wikidata: beaTunes

This blogpost is also available in English.

Datenpartnerschaften bei Wikidata können verschiedene Formen annehmen. In Form von Datenspenden können Institutionen, Organisationen und Einzelpersonen Inhalte zu der freien Wissensdatenbank beitragen, aber Nachnutzungen von Daten ist genauso interessant, denn auch sie tragen zu dem Ökosystem des Freien Wissens bei und geben mehr Menschen mehr Zugriff zu mehr Wissen.

beaTunes ist eine Anwendung für den Mac, mit der man Playlisten für die eigene Musiksammlung erstellen kann. Die Anwendung benutzt Wikidata auf vielfältige Art und Weise zur Anreicherung der Musikdaten.

Die freie Lizenz von Wikidata erlaubt auch die kommerzielle Nachnutzung. Wir haben mit Hendrik Schreiber von beaTunes darüber gesprochen, wie Wikidata in einem kommerziellen Software-Produkt zum Einsatz kommt.

Kannst du dich kurz vorstellen?

Hendrik Schreiber Foto: Pascal Nordmann CC BY-SA 4.0

Ich bin ein unabhängiger Software-Entwickler mit fast zwanzigjähriger Berufserfahrung. Ich wohne in Köln und habe mich auf Music Information Retrieval (MIR) spezialisiert.

Was ist beaTunes? Wie funktioniert es und welche Probleme löst es?

Vor mehr als zehn Jahren habe ich beaTunes als Projekt zum Spaß angefangen zu schreiben. Zu der Zeit hatte ich mehrere Jahre als selbstständiger Dienstleister in der Software-Entwicklung gearbeitet und fühlte mich vom täglichen Geackere ein bisschen ausgebrannt. Ich wollte einfach mal etwas Kreatives zum Spaß machen. So kam ich auf die Idee, ein Tool für intelligente Musikbibliotheksverwaltung und Audio-Analyse zu schreiben. Die erste Version war nur auf Englisch und lief exklusiv auf OS X. Java war als Programmiersprache erste Wahl für mich. Damals glaubte ich noch an Steve Jobs berühmtes Versprechen, dass der Mac die beste Java-Plattform aller Zeiten werden sollte. Naja, das lief dann irgendwie anders, wie wir wissen.

Mit den Jahren wurde beaTunes dann mehr als ein Hobby und ist mittlerweile zu meinem Hauptberuf geworden.

Wofür kann beaTunes eingesetzt werden?

Mit Konsistenzchecks und als Referenzdatenbank können Metadaten, die in Textform vorliegen (Künstler, Album, Titel) ergänzt werden. Die Datenbank enthält einen Mix aus Benutzerbeiträgen und Daten aus Quellen wie MusicBrainz und Discogs (Identifikationsnummern für MusicBrainz und Discogs sind beide in Wikidata verlinkt). Aber Text-Metadaten sind nur ein Teil der Geschichte. Andere wichtige musikalische Eigenschaften sind Tonart, Tempo (BPM), Klangfarbe, Lautstärke usw. Diese Eigenschaften kann beaTunes direkt aus dem Audiosignal extrahieren. Wenn man Playlisten mit ähnlich klingenden Songs erstellen will, ist das ungemein hilfreich. Und das ist dann auch gleich die dritte Hauptfunktionalität: mit umfassenden Metadaten toll klingende Playlisten erstellen.

Das bedeutet, dass beaTunes eine ziemlich diverse Benutzerschaft anspricht. Allen ist natürlich gemein, dass sie Musik lieben. Aber einige wollen Metadaten vervollständigen, andere brauchen gute Tonart- und Tempoerkennung für ihren nächsten DJ-Auftritt, weil die Beats und Harmonien aufeinander abgestimmt werden müssen. Und dann gibt es noch eine Gruppe, die fit bleiben wollen und Stücke entdecken will, die zu ihrem Lauf- oder Radfahrrhythmus passen.

Welche Probleme löst Wikidata für dich? Wie bist du auf Wikidata gestoßen?

beaTunes benutzt Wikidata in verschiedenerlei Hinsicht.

Wenn Metadaten manuell editiert werden, werden andere Schreibweisen und zusätzliche Daten aus unterschiedlichen Quellen einbezogen. beaTunes ist sozusagen eine Rechtschreibkorrektur, die auf Musik-Metadaten spezialisiert ist. Wikidata ist eine der Referenzquellen. Dadurch, dass Wikidata nach  MusicBrainz- und Discogs-IDs durchsucht werden kann, funktioniert das ziemlich direkt und einfach. Weil Wikidata den Zugriff auf Daten in  DBpedia oder Wikipedia so einfach macht, wird Wikidata auch benutzt, um Zusatzinformationen zu Alben, TV-Sendungen oder Filmen nachzuschlagen — beaTunes zeigt einfach einen Anrisstext aus dem entsprechenden Wikipedia-Artikel an.  Da Informationen in Wikidata typisiert vorliegen, ist das alles ziemlich hilfreich bei der Vermeidung von Mehrdeutigkeiten.

Neben Daten in Textform aus dem Wikiversum verwendet beaTunes auch Datenbeziehungen. Wikidata wird benutzt, um ähnliche Künstler nachzuschlagen, Künstler aus der gleichen Region, die Musik in einem bestimmten Genre produzieren und zu einer bestimmten Zeit aktiv sind oder waren. Zusätzliche Informationen wie Bandmitgliedschaften können ebenfalls herangezogen werden. Um dann abschließend eine Rangliste der Künstler zu erstellen, die nach diesen Kriterien gefunden wurden, benutzt beaTunes einen einfachen Machine-Learning-Algorithmus.

Last but not least: beaTunes benutzt Wikidata, um Fragen zu Genre-Beziehungen zu beantworten. Weil Wikidata eine Subgenre-Beziehung herstellt, kann leicht erschlossen werden, dass Hard Rock ein Subgenre von Rock ist, aber Calypso nicht. Die Genre-Verknüpfungen haben auch dazu geführt, dass ich Wikidata entdeckt habe. Ich habe versucht, Beziehungsgraphen von Genres aus einer anderen Datenbank zu erschließen und brauchte einen „objektiven“ Referenzgraphen.  Bei der Erschließung habe ich sowohl Wikidata als auch DBpedia  benutzt (siehe http://www.tagtraum.com/learned_ontologies.html). Wikidatas klare Struktur sprach mir sehr zu.

Bist du zufrieden mit der API, dem Datenbestand, der Dokumentation? Hast du Wünsche für mögliche Weiterentwicklungen?

Mehr semantische Daten zu Musik fände ich ganz toll. Alle Beatles-Songs liegen zum Beispiel fertig annotiert vor, mit Tonart, Akkorden, Tempo etc.(siehe http://isophonics.net/content/reference-annotations-beatles). Die Daten sind bereits alle da, sie sind nur von Wikidata aus noch nicht abfragbar.

Freies Wissen und kommerzielle Produkte — das muss kein Widerspruch sein, auch wenn es für viele Menschen nicht der erste Gedanke ist, der ihnen in den Sinn kommt. Wie stellt sich für dich die Arbeit mit Materialien unter freien Lizenzen dar? Wie können beide Seiten voneinander profitieren?

Zunächst einmal bin ich unglaublich dankbar für die freien Daten da draußen. Nicht nur Wikidata, auch Projekte wie MusicBrainz und AcousticBrainz. Sie alle sind unglaubliche Schatzkästchen Freien Wissens, die auf Nachnutzung warten. Je mehr interessante Anwendungen wir dafür haben, desto mehr Aufmerksamkeit bekommen sie und desto besser wird auch das Ökosystem des Wissens. Öffentliche Wharnehmung, ob von kommerzieller oder freier Seite, ist notwendig für den Erfolg von freien Daten.

Nebenbei bemerkt kann die Nachnutzung freier Daten in einem Produkt auch zu Verbesserung der Datenbasis beitragen. Für beaTunes habe ich gerade ein kleines Plugin veröffentlicht, mit dem man extrem einfach Beiträge zu AcousticBrainz hinzufügen kann (siehe http://blog.beatunes.com/2017/06/acousticbrainz-plugin-available-now.html). Und für Wikidata hat beaTunes die Funktion “Open in…”  mit der man die Wikidata-Seite zu dem markierten Song oder Künstler öffnen kann. Wenn jemand etwas beitragen will, ist er oder sie damit genau am richtigen Startpunkt. Daten fließen also nicht nur in eine Richtung. Auch eine kommerzielle Anwendung wie beaTunes kann so zu der freien Wissensdatenbank beitragen.

by Jens Ohlig at July 25, 2017 02:09 PM

Data Partnerships with Wikidata: beaTunes

Dieser Beitrag ist auch auf Deutsch verfügbar.

Wikidata data partnerships happen in many ways. While data donations are a way for institutions, organisations or individuals to contribute content to the free knowledge-base, re-use of data in applications is just as interesting as it contributes to the eco system of Free Knowledge and thus gives more people more access to more knowledge.

beaTunes is an application for the Mac that lets you build playlists for your music collection. It uses Wikidata in various ways to enrich the application.

The free license for Wikidata allows commercial re-use as well.  We talked with Hendrik Schreiber of beaTunes about how to use Wikidata in a commercial software product.

Can you introduce yourself?

Hendrik Schreiber Foto: Pascal Nordmann CC BY-SA 4.0

I’m an independent software developer with almost 20 years of professional experience. I live and work in Cologne and my main interest is Music Information Retrieval (MIR).

What is beaTunes? How does it work and what problems does it solve?

I started coding beaTunes more than ten years ago as a just-for-fun-project. At the time I had spent multiple years working as a contractor and felt a little burned out from the daily grind. I just wanted to create something fun. So the idea of a smart music library management and audio analysis tool was born. The first version was in English only and would run exclusively on OS X. The language of choice was Java. Back then I still believed Steve Job’s famous promise that the Mac will be the best Java platform ever. Well, we all know how that turned out.

Over the years, beaTunes became more than just a hobby and is now my main occupation.

So what is beaTunes good for?

It can help fix textual metadata (artist, album, title, etc.) using consistency checks and a reference database. That database is powered by a mixture of user submissions and data from third parties like MusicBrainz and Discogs (both MusicBrainz and Discogs ids can be found in Wikidata). But textual metadata is only half the story. Other important musical features are tonal key, tempo (BPM), timbre, loudness, etc. These are properties that beaTunes can extract straight from the audio signal. They come in handy when you want to build playlists of similar sounding songs. And that’s essentially the third main functionality: using comprehensive metadata to create great playlists.

This means that beaTunes appeals to a quite diverse group of users. Of course they all love music. But some really just want to fix their metadata, others need a good key and tempo detection for their next DJ gig, because they use beatmatching and harmonic mixing. And yet another group likes to work out to music and wants to find tracks that match their running or cycling pace.

What kind of problems does Wikidata solve for you? How did you discover Wikidata?

beaTunes uses Wikidata in multiple ways.

When a user manually edits song metadata, alternative spellings and additional data is fetched from different sources. beaTunes essentially acts like a smart spellchecker specialized on music metadata. Wikidata is one of the reference sources. The fact that Wikidata is searchable via MusicBrainz and Discogs ids makes this very straight forward and easy. Because Wikidata makes it so easy to access DBpedia or Wikipedia data, it is also used when looking up additional a information on albums, TV shows or movies—beaTunes simply displays the first couple of sentences of the corresponding Wikipedia article. The fact that information on Wikidata is typed is very helpful here and helps with disambiguation.

Besides using plain textual data from the Wiki universe, beaTunes also exploits relationships. It can use Wikidata to look up similar artists, by searching for artists from a region, producing music in a certain genre and having been active during a particular time. Additional information like band membership, influencers etc. can also be taken into account. For the final ranking of artists found this way, beaTunes uses a simple machine learning approach.

Last but not least: beaTunes uses Wikidata to answer questions about genre relationships. Because of the subgenre relationship between Wikidata genres, it is easy to reason that Hard Rock is a subgenre of Rock, but Calypso is not. And genre relationships are what helped me discover Wikidata. I was trying to learn genre relationship graphs from another database and needed an “objective” reference graph. In my evaluation I used both Wikidata and DBpedia (see http://www.tagtraum.com/learned_ontologies.html). Wikidata’s clear structure was very appealing to me.

Are you happy with the API, the data we provide, the documentation? Do you have a request for a feature or an improvement we could work on?

I would love to see more semantic data about music. E.g. all Beatles songs are completely annotated with key, chords, tempo, etc. (see http://isophonics.net/content/reference-annotations-beatles) The data exists, it’s just not reachable from Wikidata yet.

Free knowledge and commercial products — it’s not a contradiction, but not what many people may have in mind. How does working with material under a free license work for you? How can both sides benefit from each other?

First of all I’m extremely grateful for all the free data out there. And not just Wikidata, but also projects like MusicBrainz and AcousticBrainz. They are amazing treasure troves of knowledge waiting to be used. And that’s the thing—without someone who actually uses the data, it’s worthless. So the more interesting applications we have out there, the more attention we get, the better the knowledge eco-system works. Publicity, be it from commercial or free products, is important for free data to succeed.

By the way, using free data in your product can benefit the knowledge base. I have just released a little plugin for beaTunes that makes it extremely easy for users to contribute to AcousticBrainz (see http://blog.beatunes.com/2017/06/acousticbrainz-plugin-available-now.html). And for Wikidata, beaTunes has this “Open in…” function, that lets you open a Wikidata page for the selected song/artist. If someone wants to contribute, that’s a perfect starting point. So the data does not only flow in one direction. Even a commercial application like beaTunes can contribute to building open knowledge databases.

by Jens Ohlig at July 25, 2017 02:08 PM

July 21, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Koalitionsvertrag Schleswig Holstein: Vielversprechende Pläne, wenig Konkretes zu freier Bildung

Anlässlich der Landtagswahl in Schleswig-Holstein hat das Bündnis Freie Bildung, bei dem WMDE Partner ist, Wahlprüfsteine mit Fokus auf freie Bildung an alle im Landtag vertretenen Parteien verschickt. Nun hat das Bündnis den Koalitionsvertrag im Hinblick auf die Antworten analysiert. Dieser Text erschien zunächst am 19.7. im Blog des Bündnis Freie Bildung.


Kieler Landtag. Foto: Gerd Seidel (Rob Irgendwer), 1693-1708 crop-19-Kiel, Landtag, Parlamentssaal, SH, CC BY-SA 4.0

Wie schon nach der Wahl in Nordrhein Westfalen, haben wir den Koalitionsvertrag für Schleswig-Holstein aus der Perspektive des Bündnisses Freie Bildung analysiert und schauen damit der ersten “Jamaika-Koalition” auf die Finger. Die neue Landesregierung bekennt sich in der Vereinbarung an einer Stelle dezidiert zu OER und möchte sich für die vermehrte Nutzung offener Bildungsmaterialien einsetzen. Dieses Ergebnis ist zunächst nicht so überraschend, da sich sowohl die Grünen als auch die FDP bei der Beantwortung unserer Wahlprüfsteine positiv in Bezug auf die Implementierung freier Bildungsmaterialien geäußert hatten (von der CDU erhielten wir keine Antworten – mit der Begründung, dass wir keine Organisation aus Schleswig-Holstein seien). Was genau mit vermehrter Nutzung gemeint ist und ob damit auch die Erstellung und Verbreitung freier Bildungsmaterialien konkret angestoßen werden soll, bleibt am Ende der Analyse leider offen.

 

“Digitale Bildungsrevolution” angekündigt.
Der Begriff OER findet sich im Kapitel Digitalisierung im Abschnitt “Digitale Bildungsrevolution” wieder. Unter der Überschrift will die neue Landesregierung Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen technisch erneuern und den Einrichtungen ermöglichen, ihre inhaltliche, technische und organisatorische Entwicklung selbst zu gestalten. Das klingt grundsätzlich nach einer sinnvollen Maßnahme, aber leider wird hier verpasst, OER direkt mit aktuellen Herausforderungen der Lehrenden zu verknüpfen und damit darzulegen, wie sie damit eine konkrete Unterstützung erhalten können.
Dies hätte z. B. im Themenfeld Inklusion, das ein Schwerpunkt im Bildungskapitel des Koalitionsvertrages ist, geschehen können, denn gerade dort sind Lehrende darauf angewiesen, Bildungsmaterialien an das individuelle Lernniveau der Lernenden anzupassen.
Diese Möglichkeit könnten OER bieten, da sie sowohl durch die Lehrenden als auch durch die Lernenden frei ohne zusätzliche Erlaubnis bearbeitet, weiterentwickelt und weitergegeben werden dürfen. Zudem hatten FDP und Grünen in den Wahlprüfsteinen bereits angekündigt, das Aus- und Weiterbildungsangebot für Lehrkräfte auszuweiten – das findet sich relativ unspezifisch formuliert auch im Koalitionsvertrag wieder. Hier hätten OER explizit thematisiert und damit auf die Agenda gesetzt werden können, denn der Fortbildungsbedarf dazu ist offensichtlich vorhanden. Dabei erscheint es sinnvoll, OER nicht als eigenständiges Modul anzubieten, sondern, wie im Praxisrahmen für OER in Deutschland empfohlen, vielmehr als Bestandteil in andere Fortbildungsstränge zu integrieren – z. B. Medienpädagogik.

 

Open Access: Öffentlich finanzierte Forschung soll frei zugänglich sein
Ebenfalls soll – eingebettet in die Open-Access Strategie – „öffentlich finanzierte Forschung […] im Rahmen der urheberrechtlichen Möglichkeiten für alle zugänglich sein“ (S. 24). Offen bleibt dabei, ob das mit einer eindeutigen Richtlinie unterlegt werden soll, die die wissenschaftlichen Angestellten von Hochschulen vertraglich zu Open-Access-Publikationen verpflichtet. Eine solche Richtlinie würde eine sehr vielversprechende Ausgangslage zur weiteren Entwicklung von Open-Science-Ansätzen schaffen.
Auch der kulturpolitische Fahrplan der Landesregierung birgt Chancen für frei zugängliche Bildungsmaterialien, wobei die sogenannten „digitalen Knotenpunkte“ (S. 109) eine entscheidende Rolle spielen sollen. Öffentliche Kultureinrichtungen wie Bibliotheken, ausgestattet mit offenem WLAN, sollen zu „digital-analogen Lernwelten“ werden.

 

Fazit: Gute Ansätze aber wenig konkrete Vorhaben.
Abschließend lässt sich das Befürworten von freien Bildungsmaterialien, die im Vorfeld der Wahl von zwei der Koalitionspartnerinnen geäußerte wurde, im Koalitionsvertrag nicht an konkreten Vorhaben wiederfinden. Natürlich ist es positiv zu bewerten, dass OER im Koalitionsvertrag explizit genannt werden, aber wenn der Eindruck entsteht, dass damit ein zusätzlicher Arbeitsaufwand für die Akteure verbunden ist, könnten die guten Ansätze in Richtung freier Bildungsmaterialien schnell als Belastung angesehen werden.
Hier muss die Regierung zeigen, dass sie auch bereit ist, durch eine langfristige Finanzierung die Lehrenden und die Institutionen dabei zu unterstützen, OER in den Arbeitsalltag zu integrieren.
Das Bündnis Freie Bildung wird kontinuierlich beobachten, welche konkreten Maßnahmen und Fortschritte die Parteien in dieser Legislaturperiode umsetzen.

 

Lizenzhinweis
„Koalitionsvertrag Schleswig Holstein: Vielversprechende Pläne, wenig Konkretes zu freier Bildung“ von Nils Wach, Lilli Iliev und Valentin Münscher (Wikimedia Deutschland) steht unter der CC-BY-4.0-Lizenz. Für die Nachnutzung reicht als Namensnennung „Bündnis Freie Bildung“. Sofern die Nutzung offline erfolgt, ist an den Hinweis die URL der Lizenz anzufügen: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.

 

by Lilli Iliev at July 21, 2017 08:02 AM

July 20, 2017

DaB.

Kurier: Quora als Quelle in deWP

Kuebi hat im Kurier eine Analyse über die Einbindungen von Quora – einer Frageseite ähnlich gutefrage.net oder stackexchange.com – als Quelle in der deutschsprachigen Wikipedia gepostet. Von den elf Verlinkungen ist wohl nur Eine wirklich sinnvoll, und das auch nicht als Quelle sondern als Weblink auf eine Primärquelle.

So praktisch solche Seiten auch sein mögen – als Quelle oder Referenz für die Wikipedia sind sie zumeist ungeeignet; Kuebis Text zeigt wieder einmal sehr deutlich, wieso.

by DaB. at July 20, 2017 03:45 PM

Kurier: Quora als Quelle in deWP

Kuebi hat im Kurier eine Analyse über die Einbindungen von Quora – einer Frageseite ähnlich gutefrage.net oder stackexchange.com – als Quelle in der deutschsprachigen Wikipedia gepostet. Von den elf Verlinkungen ist wohl nur Eine wirklich sinnvoll, und das auch nicht als Quelle sondern als Weblink auf eine Primärquelle.

So praktisch solche Seiten auch sein mögen – als Quelle oder Referenz für die Wikipedia sind sie zumeist ungeeignet; Kuebis Text zeigt wieder einmal sehr deutlich, wieso.

by DaB. at July 20, 2017 03:45 PM

Kurier: Quora als Quelle in deWP

Kuebi hat im Kurier eine Analyse über die Einbindungen von Quora – einer Frageseite ähnlich gutefrage.net oder stackexchange.com – als Quelle in der deutschsprachigen Wikipedia gepostet. Von den elf Verlinkungen ist wohl nur Eine wirklich sinnvoll, und das auch nicht als Quelle sondern als Weblink auf eine Primärquelle.

So praktisch solche Seiten auch sein mögen – als Quelle oder Referenz für die Wikipedia sind sie zumeist ungeeignet; Kuebis Text zeigt wieder einmal sehr deutlich, wieso.

by DaB. at July 20, 2017 03:45 PM

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 28/2017

Die Wikimedia:Woche 28/2017 macht auf viele neue Gesichter bei Wikimedia UK, España und Deutschland aufmerksam. Zudem sind neue Ausgaben der Signpost, des Wikimedia Research Newsletters und des This Month in GLAM Newsletters erschienen. Neuigkeiten vom Bündnis Freie Bildung und zur Konferenz „Zugang gestalten! – Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe“ gibt es auch. Zur Wikimedia:Woche 28/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at July 20, 2017 03:17 PM

July 17, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Online-Konsultation des Telemedienauftrags: Öffentlich-rechtliche Inhalte endlich für alle!

Sag mir, wo die Sendung ist… Bild: Public domain, via Wikimedia Commons

Was hat öffentlich-rechtlicher Rundfunk mit Freiem Wissen zu tun? Wie eine kurze Bestandsaufnahme zeigt, noch immer viel zu wenig – doch das ließe sich ändern. Bei der Verabschiedung des ersten Rundfunkstaatsvertrags im Jahr 1987 war sicherlich nur schwer absehbar, welche Möglichkeiten der Nutzung von Medien heutzutage bestehen würden. Folgerichtig muss die Übereinkunft der 16 Länder über die Aufgaben, Ziele und Grenzen der Arbeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks weiterentwickelt werden. Nachdem auch die internetbasierten Arten der Mediennutzung im März 2007 als Telemedien in den Rundfunkstaatsvertrag aufgenommen wurden, soll dieser auf Antrag der Länder nun erneut reformiert und an die Gegebenheiten einer digitalisierten Welt angepasst werden. Hierfür wurde durch die Rundfunkkommission eine Online-Konsultation zu dem Reformvorschlag angestoßen, auf die wir, als Verein, der die Befreiung von öffentlich finanzierten Medieninhalten vorantreibt, geantwortet haben.

Öffentlich finanzierte Inhalte sollten unbegrenzt und nachnutzbar zur Verfügung stehen

Grundsätzlich begrüßt Wikimedia Deutschland die Idee, die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an die digitale Welt anzupassen. Aus unserer Sicht wird aber an entscheidenden Stellen verpasst, den Interessen der Gebührenzahlerinnen und Gebührenzahler gerecht zu werden. So wurden etwa in Bezug auf die sogenannte Depublikationspflicht (= Sendungen dürfen je nach Art nur sehr kurz über die Mediatheken abrufbar bleiben) Formulierungen gewählt, die von der Öffentlichkeit finanzierte Inhalte verschwinden lassen und zudem zu einer Rechtsunsicherheit in Bezug auf die Nachnutzbarkeit und das Teilen öffentlich-rechtlicher Inhalte führen. Auf lange Sicht erschwert das nicht nur die Weiterentwicklung der Telemedien sowie die Einführung neuer Formate, sondern enthält denjenigen, die die Inhalte mit ihren Gebühren ermöglicht haben, den Zugang dazu vor. Während kommerziellen Plattformen wie Youtube und Facebook bereits Rechte an erstellten Inhalten eingeräumt werden, können kleinere und nicht-kommerzielle Plattformen, wie zum Beispiel Wikipedia, öffentlich-rechtliche Inhalte so bisher nicht rechtskonform nutzen.

Die Verantwortlichen bleiben eine Rechtfertigung schuldig, warum öffentlich finanzierte Inhalte der Öffentlichkeit nur zeitlich begrenzt und in nicht-nachnutzbarer Form in den Mediatheken zur Verfügung gestellt werden sollen. Dass hiermit unter anderem Rücksicht auf die Interessen großer Medienkonzerne genommen werden soll, ist weithin bekannt. Belegt ist allerdings aus unserer Sicht nicht ausreichend, dass eine dauerhafte Verfügbarkeit der öffentlich-rechtlichen Medieninhalte eine übermäßige Konkurrenz zu privatwirtschaftlichen Medienangeboten darstellen würde. Wir fordern daher eine Abschaffung der Depublikationspflicht für öffentlich-rechtliche Inhalte sowie ihre Veröffentlichung unter freien Lizenzen, um der Allgemeinheit die Möglichkeit zu geben, auf Grundlage der durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk produzierten Inhalte neue Wissensinhalte erstellen und die bestehenden legal teilen zu können.

Unsere ausführliche Stellungnahme kann hier nachgelesen werden.

Dieser Beitrag wurde von Nils Wach verfasst, der bei WMDE ein Praktikum im Bereich Politik & Recht absolviert.

by Lilli Iliev at July 17, 2017 12:08 PM

July 14, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Datenfitness für Coding-da-Vinci-Datengeber

Wie kommen Kulturdaten in die Coding-da-Vinci-Apps?

Im Herbst startet Coding da Vinci, der Kultur-Hackathon. Wir erwarten viele neue spannende digitalisierte Kulturgüter aus den Museen, Archiven, Bibliotheken und Kunstsammlungen des Landes und sind ganz neugierig auf die Software-Projekte, die aus ihnen gebaut werden. Das kann man sich vorher gar nicht so vielfältig und fantastisch ausdenken, wie es nachher kommt. Das muss man erleben! Veranstaltet wird der diesjährige Programmierwettbewerb von der Deutschen Digitalen Bibliothek, der Servicestelle Digitalisierung des Landes Berlin und Wikimedia Deutschland. Unsere Partner sind DNK Sharing Heritage, die HTW, das JMB und die OKF. Kulturinteressierte Coder*innen, Entwickler*innen und Designer*innen treffen sich mit Museolog*innen, Archivar*innen und Bibliothekar*innen. Sie entwickeln gemeinsam neue Anwendungen auf der Grundlage der vorliegenden digitalisierten Kulturgüter. Das macht viel Freude und zeitigt erstaunliche Ergebnisse. Aber auch viel Arbeit.

Erst die Arbeit – dann das Vergnügen

Daten putzen ist harte Arbeit. Aber sie macht Spaß, mit Anna-Lena Nowicki von @digisBerlin. Lizenzhinweis: Jonas Sydow (WMDE) (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Daten für Coding da Vinci bereitzustellen, ist nicht so einfach. Sie sollen ja nachnutzbar sein. Das heißt nicht Bilder zum Anschauen, sondern Rohmaterial, mit dem man arbeiten kann. Nutzen kann man Sachen, wenn man es darf. Das Urheberrecht regelt den Zugang zu den Werken. Meist verhindert es aber gerade die Nutzung. Daher haben wir uns am ersten Tag des Workshops Prepare Your Data for Coding da Vinci  Ready for Download ganz auf die rechtlichen Aspekte konzentriert. Das Recht gilt es zu interpretieren, und schließlich hat eine Institution erstaunlich große Spielräume, um die digitalisierten Kulturgüter unter eine Freie Lizenz zu stellen und so nachnutzbar zu machen. Eben diese zeigten wir im Workshop ©© Change Your Mind auf. Erst die Kennzeichnung der Daten mit Freien Lizenzen macht es möglich, dass Menschen, Maschinen und Softwareprogramme die Daten einfach und ohne aufwändige Kontaktaufnahme zum Datengeber verwenden können. Die Quelle der Daten anzugeben versteht sich dabei eigentlich von selbst. Sie birgt für Qualität und verspricht mehr Information. Unterstützt von Cosina Berta, Mitarbeiterin der Deutschen Digitalen Bibliothek, Christoph Jackel, langjähriger Wikipedianer, und John Weitzmann, Syndikus von Wikimedia Deutschland, erarbeiteten sich Mitarbeiter*innen aus 14 Institutionen aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern die notwendige Medienkompetenz, um im eigenen Haus möglichst umfassend frei lizenzieren zu können.

Daten putzen

Am zweiten Tag ging es um die technische Aufbereitung der beschreibenden Daten zu den Dateien, die für Coding da Vinci zur Verfügung gestellt werden sollen. Wer kennt nicht das Phänomen? Die Datenbank ist über die Jahre gewachsen, unterschiedliche Kollegen haben sie mit Informationen befüllt und nun sollen Dritte sich in den Daten zurechtfinden? Schwierig, denn das hausinterne Datenbankformat erweist sich oft als relativ singulär. Coder*innen arbeiten mit anderen standardisierten Formaten als Museen oder Archive. Bevor sie mit den Daten neue Anwendungen kreieren können, müssen die Dateneinträge daher oft umformatiert  und vereinheitlicht werden. Nur eine konforme Darstellung von Jahreszahlen z. B. stellt sicher, dass die App, die auf diesen Daten aufbaut, nur Bilder von 1900 bis 1999 anzeigt, wenn dies gewünscht ist, nicht die davor oder danach. Zum Glück muss man solche Datenbereinigungen nicht händisch vornehmen. Man kann sich, wie uns Anna-Lena Nowicki von der Servicestelle Digitalisierung des Landes Berlin zeigte, mit dem Software-Programm Open Refine viele lästige Details abnehmen lassen. Wenn alle Daten “befreit”, “geputzt” und neu “geordnet” sind, dann sind sie “Ready for Download”.

Datentransfer nach Wikimedia Commons

Mitte September folgt der zweite Workshop von Prepare Your Data for Coding da Vinci. Da geht es um “Ready for Upload”. Mediendateien und möglichst viel der beschreibenden Metadaten werden von den Kolleg*innen aus den Kulturinstitutionen, unterstützt von Coder*innen und Wikimedianer*innen, in das Medienarchiv Wikimedia Commons hochgeladen. Wir freuen uns auf u. a. historische Fahrkarten aus dem Deutschen Technikmuseum Berlin. Dort können sie dann nicht nur von den Teilnehmern von Coding da Vinci nachgenutzt werden, sondern auch von Wikipedia-Autor*innen, von Blogger*innen, von Verleger*innen und Lehrenden. Mit dem Lizenzhinweisgenerator ist sogar das wiederum erforderliche urheberrechtliche Kennzeichnen ein Kinderspiel.

Mit dem Zug nach Patagonien – historische Fahrkarten aus dem Berliner Technikmuseum – vielleicht ein Datensatz für Coding da Vinci. Lizenzhinweis:  by SDTMB [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

Wir danken der Medienanstalt Berlin-Brandenburg für die finanzielle Unterstützung des Medienkompetenzworkshops und Infoport für die Dokumentation.

 

Informationen:

Prepare Your Data Ready for Upload (Anmeldung)

Coding da Vinci Berlin Kick-Off 21. & 22. Oktober in der HTW Berlin-Schönweide

Der Lizenzworkshop CC-Change Your mind

by Barbara Fischer at July 14, 2017 03:22 PM

Bericht vom Wikidata-Wahldaten-Workshop

Folgender Blogbeitrag basiert auf dem Bericht von Matti Blume, den er im Wikipedia:Kurier veröffentlichte und einem Erfahrungsbericht von Andrea Knabe-Schönemann.

Vom 23. bis 26. Juni fand in Ulm der zweite von Wikimedia Deutschland veranstaltete Wikidata-Workshop statt. Diesmal drehte sich alles um das Thema Wahldaten. Eine bunte Mischung aus Wikipedianern, Open-Data-Aktivisten (u. a. von FragDenStaat.de, Freiwilligen hinter dem offenen Standard OParl und Offene Wahlen Österreich) und Entwicklern (Wikidata und Code for Germany) war dazu im Verschwörhaus in der historischen Altstadt von Ulm zusammengekommen. Im Mittelpunkt des Workshops stand folgende Frage: Wie kann Wikidata helfen, Daten aus Politik und Verwaltung besser zugänglich zu machen?

Nach einleitenden Vorträgen wurden zunächst kurze Einführungen in Wikidata, SPARQL und Live Coding mit Wikidata angeboten. Parallel dazu wurden bereits erste Ideen entwickelt und ausgetauscht. Während sich einige Teilnehmer auf die Auswertung vorhandener Daten konzentrierten, kümmerten sich mehrere andere Gruppen um das Einpflegen neuer Daten in Wikidata. Dabei stellte sich schnell heraus, dass manche der zunächst formulierten Ziele deutlich zu groß für ein Wochenende waren. Zunächst mussten erstmal die vorhandenen Strukturen und Eigenschaften erforscht und ggf. neue Strukturen erdacht werden. Als zweite Herausforderung stellte sich das Zusammensuchen und Aufbereiten der Daten heraus. Wahlergebnisse und Abgeordnetenlisten werden zwar inzwischen automatisch und selbstverständlich von offizieller Seite im Internet veröffentlicht, jedoch bei vielen verschiedenen Stellen (Bundeswahlleiter, Landeswahlleiter, etc.) in jeweils eigenen Formaten und beinahe nie in maschinenlesbaren Formaten. Das Zusammenstellen und Vorbereiten einer Liste von „nur“ 598 Wahlkandidaten kann so schon mal einen halben Tag in Anspruch nehmen.

Dank großer Beharrlichkeit wurden schließlich doch erste zählbare Ergebnisse erzielt: so wurden z.B. die Daten aller Mitglieder des Thüringischen Landtags seit 1990, vieler österreichischen Nationalratsabgeordneten sowie die Wahlergebnisse aller erfolgreichen Direktkandidaten bei der Bundestagswahl 2013 (und inzwischen auch der meisten Zweitplatzierten) in Wikidata eingetragen.

 

Eine Teilnehmerin aus der Gruppe, die sich um die Daten des Thüringischen Landtags gekümmert hat, ergänzt:

Meine Motivation für den Workshop war das Thema Offene Daten, Wahldaten, Workshops (SPARQL), Hoffnung auf bessere Vernetzung und die Möglichkeit sich netto 2 Tage mit Wikidata zu beschäftigen (die Zeit habe ich zusammenhängend sonst nie dafür). Erwartet habe ich die Möglichkeit beim Projekt einer Gruppe unterstützend mitzuwirken (Daten reinigen o.ä.) und zu ernen (Auswertung, automatisiertes Einlesen von Daten etc.)

Vor Ort habe ich ein unscheinbares Projekt aus einem Workshop mitgenommen — ich habe in einem Screenshot während eines Workshops gesehen, dass die Angaben zu den konkreten Wahlperioden in Parlamenten unvollständig sind bzw. fehlen; die Daten sind m. E. eine Grundlage, wenn mit Wahldaten gearbeitet werden soll. Ein weiterer Schritt wäre dann die Verknüpfung der Daten zu den Wahlperioden mit anderen Daten zu den Parlamenten. Thüringen bot sich als Beispiel an: wenige Wahlperioden, eigene Kenntnisse, da von Anfang an in diesem Bundesland dabei gewesen. Es folgten Recherche (Auswertung der Parlamentsprotokolle der konstituierenden Landtagssitzungen), Daten sichten und bekommen, maschinenlesbar machen (in Thüringen gibt es offene Daten nur als PDF-Dokumente), Daten angleichen, Daten zusammenführen, Qualitätskontrolle.

Das Ergebnis nach zwei Tagen kann sich sehen lassen. Wikidata umfasst jetzt alle aktuellen und ehemaligen Mitgliedern des Thüringer Landtages, die im Parlamentsprotokoll der konstituierenden Sitzung aufgeführt sind.  Zugeordnet sind die Wahlperioden, in denen sie Mitglied des Landtags waren. Das waren nicht „ein paar Edits, die man schnell manuell erledigt“, sondern von mir exakt 1.091 (habe gerade nachgesehen), insgesamt wesentlich mehr, die die bereits in der Wikipedia vorhanden Einträge zu den Abgeordneten anreichern.

Die in der Wikipedia vorhandenen Informationen zu Abgeordneten sind jetzt strukturiert auswertbar; meine Testabfrage der Datenbank ergab z.B., dass die Parlamentarier 1990 ein geringeres Durchschnittsalter aufwiesen als zu Beginn der aktuellen Legislaturperiode — gefühlt ist das genau andersherum. Der Thüringische Landtag hat sich seit 1990 also nicht verjüngt, sondern ist im Durchschnitt älter geworden.

Im Projekt bleibt noch einiges zu tun: weitere Qualitätssicherung, recherchieren und einarbeiten der Bewegungsdaten in den einzelnen Legislaturperioden, Prozess zur weiteren Datenpflege überleben, eventuell auf andere Parlamente übertragen.

Einen mehrtägigen Workshop zu dem Thema fand ich sehr hilfreich. Wir konnten Ideen entwickeln, mit Hilfe anderer Werkzeuge einsetzen, an denen ich mir bislang die Zähne ausbiss, einfach nach nebenan gehen und jemanden finden, der ein Stück Code schreibt, um eine Aufgabe zu automatisieren, einfach nach nebenan gehen und jemanden finden, der einem zu den Strukturen von Wikidata Auskunft geben kann, überhaupt nur jemanden finden, der sich aus Interesse an den Arbeitsabläufen und der Zusammenarbeit für so ein wenig strahlendes Projekt begeistert, sich überhaupt erst mal trauen, mitzumachen (ich bin von fast null auf ziemlich hoch). Nicht zu vergessen: einfach nach nebenan gehen und essen und trinken können, und dann einfach weiterzumachen, also keine Zeit mit den trivialen Alltagsdingen verschwenden müssen.

MB-one, Ideas Board, Wikidata-Wahldaten-Workshop 17, Ulm, CC BY-SA 4.0

Darum, dass auch der Spaß nicht zu kurz kommt, wurde sich natürlich auch gekümmert: Auf http://guessr.morr.cc/?Q7138926 kann man nun sein Geografiewissen testen und versuchen zu erraten, wo auf der Welt welches Parlamentsgebäude steht; natürlich powered by Wikidata.

Ein besonderer Dank gebührt dem Verschwörhaus als perfekten Gastgeber für dieses Wochenende. Wir kommen gerne wieder.

Zum Schluss möchte sich der Autor noch eine persönliche Betrachtung erlauben: Interessanterweise sind die Wahlergebnisse der letzten drei Bundestagswahlen in bewundernswerter Vollständigkeit und Präzision in den Wikipedia-Artikeln der jeweiligen Wahlkreise eingetragen, während eine Wikidata-Abfrage zu den Kandidaten der letzten Bundestagswahl bis vor wenigen Tagen genau ein Ergebnis lieferte (Q567). Wenn man nun überlegt, um wieviel größer der positive Effekt ist, wenn die Ergebnisse der anstehenden Wahl direkt in Wikidata eingetragen werden, wäre es fast schade, wenn diese Kleinarbeit erneut nur einer einzigen Sprachversion der Wikipedia zugute kommt.

by Jonas Sydow at July 14, 2017 09:59 AM

July 13, 2017

DaB.

IeS: WikiCon-Teilnahme

Heute kam die Reisekostenübernahme-Bestätigung für die WikiCon: Ihr könnt also quasi damit rechnen, mich in Leipzig zu sehen. Für das Programm habe ich die übliche PGP-Keysigning-Party und zwei Vorträge eingereicht; mal sehen, was durchkommt.

Freue mich auf jeden Fall schon 😃.

by DaB. at July 13, 2017 06:45 PM

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 27/2017

Die Wikimedia:Woche 27/2017 bringt in dieser Ausgabe Neuigkeiten zu Wiki Loves Butterflies und einer Stellungnahme zum Telemedienauftrag. Auch das Bündnis Freie Bildung hat sich der Reform des Telemedienauftrags beschäftigt. Zudem läuft momentan eine Feedbackrunde zur Spezialisierten Suche.

Zur Wikimedia:Woche 26/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at July 13, 2017 02:17 PM

DaB.

Kurier: Suchfelder-Bezeichnung

Die Suchfunktion der Wikipedia war über die Jahre immer wieder Änderungen unterworfen. Mal ging sie jahrelang gar nicht, dann hatte sie mal zwei Buttons, dann wieder nur einen – und wirklich gut suchen kann sie immer noch nicht. Obwohl die Suche mittlerweile diverse Keywords versteht, die die Suche optimieren, sind diese recht unbekannt. Daher gab es auf der letzten WikiCon einen Workshop zu diesem Thema, wo angeregt wurde, die Bedienbarkeit der Suche zu verbessern.

Johanna Strodt ruft nun im Kurier dazu auf, bis zum 20. Juli beim Gestalten der neuen Suchfelder zu helfen. Beteiligt euch, oder meckert nicht, wenn’s euch am Ende nicht gefällt ;-).

by DaB. at July 13, 2017 12:30 PM

July 12, 2017

DaB.

Kurier: Zensur der trwiki

Holder hat im Kurier Zahlen gepostet die zeigen, wie stark die türkischsprachige Wikipedia unter ihrer Sperrung leidet. Die Zugriffszahlen z.B. fielen von 158 Millionen auf 30,6 Millionen – das ist schon erschreckend.

Und das Alles nur um den Ego-Trip eines Einzelnen zu unterstützen :-(.

by DaB. at July 12, 2017 08:21 PM

Wikimedia Deutschland Blog

Koalitionsvertrag Nordrhein-Westfalen: Schulfreiheitsgesetz geplant – freie Bildung und Open Source ausgespart!

Anlässlich der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat das Bündnis Freie Bildung, bei dem WMDE Partner ist, Wahlprüfsteine mit Fokus auf freie Bildung an alle im Landtag vertretenen Parteien verschickt. Nun hat das Bündnis den Koalitionsvertrag im Hinblick auf die Antworten analysiert. Dieser Text erschien zunächst am 11.7. im Blog des Bündnis Freie Bildung.

Die Köpfe der schwarz-gelben Koalition: Achim Laschet (CDU) & Christian Lindner (FDP) Foto: 2017-05-14 NRW Landtagswahl by Olaf Kosinsky-248, CC BY-SA 3.0

Bereits die Auswertung unserer Wahlprüfsteine zur Landtagswahl in NRW hat deutlich gemacht, dass weder die CDU noch die FDP die Weiterverbreitung von OER und Open Software im Bildungsbereich als besonders wichtiges Thema ansehen. Auch wenn die Antworten der CDU in NRW verhältnismäßig kurz ausgefallen sind, bleibt festzuhalten, dass sich beide Parteien zwar in einem gewissen Maß mit der Einführung freier Bildungsmaterialien beschäftigen. Die “grundlegende Befürwortung” freier Bildungsmaterialien beider Parteien ist aber wenig stichhaltig unterfüttert. Konkrete Maßnahmen, wie Lehrende bei der Erstellung und Verbreitung von OER unterstützt werden können, fehlen. Um OER und damit Freies Wissen jedoch praktisch in der Bildung zu verankern, bedarf es ressourcenunterlegter Projekte und eines konkreten Auftrags an Verwaltung und landeseigene Bildungsinstitutionen.

Keine konkreten Anreize für Erstellung freier Bildungsmaterialien

Es überrascht wenig, dass die Themen OER, Open Software und Open Science in dem bildungspolitischen Konzept der Landesregierung kaum eine  Rolle spielen, wie es in dem am 13.06.17 vorgestellten Koalitionsvertrag für NRW nachzulesen ist. In einem Blogbeitrag hat auch netzpolitik.org ausführlich die Punkte mit Digitalbezug herausgearbeitet und stellt fest, dass Digitalpolitik vor allem als Wirtschaftspolitik verstanden wird. Für die Bildung kommt eine sehr starke Fokussierung auf technische Infrastruktur hinzu.

Die Modernisierung von (Hoch-)Schulen und Weiterbildungszentren wird als vorrangig angesehen und soll hauptsächlich im technischen Bereich stattfinden. Ein Verweis auf den vermehrten Einsatz von Freier und Open Software ist hierbei nicht zu finden. Es sollen digitale Endgeräte im Unterricht genutzt und das Programmieren sowie die Fähigkeit zur souveränen Nutzung digitaler Medien als eine elementaren Kompetenz anerkannt werden. Ohne Zweifel sind eine gute technische Infrastruktur und Medienkompetenz nicht zu unterschätzen, aber dazu bedarf es auch entsprechender medienpädagogischer Weiterbildungen der Lehrenden und vor allem Materialien, die sich nachnutzen und verändern lassen.

Die eingangs beschriebene Offenheit für freie Bildungsressourcen spiegelt sich allein in der Planung eines Schulfreiheitsgesetzes wieder, welches Lehrenden einen größeren Spielraum in organisatorischen und pädagogischen Fragen geben soll. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, aber ohne konkrete Anreize wie z. B. Freistunden für die Erstellung von OER, ist es unwahrscheinlich und naiv anzunehmen, dass die bereits stark ausgelasteten Lehrkräfte des Landes aus eigener Motivation heraus freie Bildungsmaterialien schaffen und weiterentwickeln.

Kein Konzept für freie Zugänglichkeit zu Kultur

Der Koalitionsvertrag beinhaltet ebenfalls die Planung eines digitalen Kunstregisters, welches die Verfügbarkeit von Kulturgütern erhöhen könnte. Kulturelle Einrichtungen wie Museen, Bibliotheken und Archive können mit ihren Inhalten viele sinnvolle Möglichkeiten für die Erstellung von OER bieten – aber nur, wenn die Inhalte nachnutzbar und veränderbar sind. Der Koalitionsvertrag lässt allerdings offen, ob und gegebenenfalls in welchem Maße die digitalen Bilder von Museums-Exponaten, Büchern und Archivbeständen wirklich frei zugänglich gemacht werden sollen, also unter einer freien Lizenz im Sinne der Open Definition stehen. Nur frei lizenzierte Inhalte können als Grundlage für freie Lehr- und Lernmaterialien dienen. Partnerschaftsmodelle zwischen privaten und öffentlichen Trägern werden stark in den Fokus gerückt, was die Befürchtung zulässt, dass die Offenheit kultureller Angebote unter Beteiligung profitorientierter privater Träger weniger wahrscheinlich wird.

Fazit

CDU und FDP begrüßten beide in ihren Antworten auf die Wahlprüfsteine OER und Open Source, aber der Koalitionsvertrag macht deutlich, dass das alleine nicht reicht. Es fehlt ein ernsthaftes Bekenntnis, das mit finanziellen Ressourcen unterfüttert ist. Es braucht Anreize für Lehrende wie Stundenkontigente oder Freistellungen für die Arbeit mit freien Inhalten und OER. Dies ist mit diesem Koalitionsvertrag nicht abzusehen.

Lizenzhinweis
„Koalitionsvertrag Nordrhein-Westfalen: Schulfreiheitsgesetz geplant – freie Bildung und Open Source ausgespart“ von Nils Wach, Lilli Iliev und Valentin Münscher (Wikimedia Deutschland) steht unter der CC-BY-4.0-Lizenz. Für die Nachnutzung reicht als Namensnennung „Bündnis Freie Bildung“. Sofern die Nutzung offline erfolgt, ist an den Hinweis die URL der Lizenz anzufügen: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.

by Lilli Iliev at July 12, 2017 09:02 AM

July 11, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Die Kunst, sich modernen Kunstwerken zu nähern.

Wie kommen Wikipedianer in ein Museum und was machen sie dort?

Förmlich entrückt von der Enge des Wuppertales schwebt die Villa Herberts über der alten Industriestadt. Hier fand der seit Jahrzehnten an der Düsseldorfer Kunstakademie wirkende britische Bildhauer Tony Cragg einen geeigneten Rahmen für seine großen, organisch gedrängten Skulpturen und lädt seit 2008 andere Künstler in den Skulpturenpark Waldfrieden zu Ausstellungen ein.

Plastik nach einem Entwurf von Tony Cragg (* 1949), umgesetzt vom Künstler Joachim Eckl (* 1962) mit der Werkstatt Kollerschlag, 1994 auf dem Parkplatz der Merkurcity in Wiener Neustadt situiert Lizenzangabe: Anton-kurt, Tägliches Brot Wiener Neustadt 04, CC BY-SA 3.0

Im kommenden Jahr steht das zehnjährige Jubiläum des Skulpturenparks an. Herr Mader, Geschäftsführer der Stiftung Skulpturenpark Waldfrieden, plant die Feierlichkeiten. Zeit für einen prüfenden Blick auf den Wikipediaeintrag zum Skulpturenpark, der ebenfalls 2008 begann. Wikipedia-Einträge sind in Bewegung und veränderlich. Wer in den kommenden Tagen und Wochen den Eintrag häufiger besucht, wird feststellen, wie intensiv gerade jetzt an ihm gearbeitet wird. Doch nicht nur am Artikel zum Park, sondern auch zur Villa, mit ihrer harmonischen organischen Architektur, zu den Werken Tony Craggs und zu ihm selbst oder den anderen Kunstwerken im Park wird Hand angelegt. So kann der interessierte Wikipedia-Leser live miterleben, wie nach und nach Informationen aus unterschiedlichen publizierten Quellen und Sekundärliteratur von den freiwilligen Autorinnen und Autoren über die Enzyklopädie Wikipedia in Freies Wissen verwandelt werden. Ein scheinbar magischer Prozess.

Gemeinsam arbeiten macht den Zauber aus

Doch tatsächlich ist dieser Prozess weniger Zauberei denn Frucht der Programmarbeit “GLAM on Tour”. In diesem Kooperationsformat arbeiten Freiwillige aus den Wikimedia-Projekten, unterstützt von Wikimedia Deutschland, mit einer Institution aus dem GLAM-Bereich zusammen. Dabei steht GLAM als englisches Akronym für Aktivitäten von Kunstsammlungen, Bibliotheken, Archiven und Museen im Netz. Gemeinsam erarbeiten die drei Parteien ein Wochenendprogramm. Wesentliche Bestandteile sind Führungen durch die Kultureinrichtung, eine Schreibwerkstatt für neue Wikipedia-Artikel, ein Wikipedia-Editier-Workshop für die Kollegen aus der Institution und natürlich die Chance, Fotos von Objekten zu machen, die bislang noch nicht im Medienarchiv der Wikipedia, Wikimedia Commons, vertreten sind. Dabei ist es unerheblich, ob der Impuls von einem Freiwilligen der Region oder von der Kultureinrichtung selbst ausgeht. Entscheidend ist letztlich nur die Bereitschaft zur fundierten Zusammenarbeit.

 

Der Film erklärt das Prinzip der GLAM-on-Tour-Stationen, Wikimedia Deutschland 2014 CC BY.

Die Kunst, sich modernen Kunstwerken zu nähern

Und so war es auch an jenem sonnigen Wochenende in Wuppertal Anfang Juli. Für den Samstag hatten wir ein dichtes Programm mit einer langen Führung durch den 14 ha großen Skulpturenpark. Es folgte die Schreibwerkstatt und ein Einführungsworkshop für die Mitarbeiter. Für einige der Teilnehmer war es ein neues Feld enzyklopädische Artikel zu einzelnen Kunstwerken zu schreiben. Aber mit Unterstützung der “Silvernecks” gelang die Annäherung an die moderne Kunst immer besser.

Auf der Dachterrasse der Villa Herberts im Gruppenfoto geeint. Lizenzangabe: Atamari, Wuppertal Skulpturenpark Waldfrieden 2017 078, CC BY-SA 4.0

Die Freiwilligen waren begeistert von dem großen Interesse der Mitarbeiter am digitalen Ehrenamt der Wikipedianer und Wikipedianerinnen , der gut sortierten Handbibliothek und der Großzügigkeit der Bewirtung. In den kommenden Wochen kann man auf der Projektseite den Fortschritt verfolgen. Es gilt möglichst viele der so genannten “redlinks” in blaue zu verwandeln. Blaue Links zeigen existierende Wikipedia-Einträge an. Vielleicht schließen sich auch Freiwillige aus den anderen 295 Sprachversionen der Wikipedia an. Herr Mader, Geschäftsführer des Skulpturenparks Waldfrieden, versprach seine frisch gewonnenen Editierkenntnisse gleich einzusetzen, um die Bearbeiter aller Tony-Cragg-Artikel auf die neuen Artikel auf Deutsch zu dessen Werken hinzuweisen. Doch bei aller Freude über die gelungene Zusammenarbeit teilten wir auch ein Bedauern. Viele der im Park ausgestellten Werke konnten zwar fotografiert werden, nur unter einen freien Lizenz im Netz veröffentlichen können die Freiwilligen sie nicht. Urheberrecht und die Interessen der Verwertungsgesellschaften stehen dem Interesse an Sichtbarkeit und allgemeiner Zugänglichkeit der Allgemeinheit entgegen. Zum Glück stehen viele Werke Tony Craggs im öffentlichen Raum, in Wuppertal, aber auch in Málaga und London. Diese Werke darf man fotografieren und im Netz veröffentlichen. So erklären sich die Bilder in diesem Blog. Danke an das Team im Skulpturenpark Waldfrieden, danke an Atamari und alle Freiwilligen bei GLAM on Tour Wuppertal. Es hat Spaß gemacht.

Think-Thing-Skulptur von Tony Cragg in Stockholm. Lizenzangabe: Bengt Oberger, Tony Cragg Thing thing AlbaNova, CC BY-SA 3.0

Informationen

Weitere GLAM-on-Tour-Stationen in 2017:

  • GLAM on Tour Fürstenberg
  • GLAM on Tour Heidelberg
  • GLAM on Tour Berlin

Aktuelle Informationen zu den Stationen finden Sie auf der Projektseite. Wenn Sie eine Idee für eine kommende GLAM-on-Tour-Station haben, dann schreiben Sie Ihre Idee gern in die Kommentare oder per Email an kultur@wikimedia.de

by Barbara Fischer at July 11, 2017 04:08 PM