September 20, 2018

Die Veröffentlichung des Positionspapiers zeigt auf, dass sich der Blick des Bündnis Freie Bildung (BFB) geweitet hat. Die Empfehlungen und Lösungsansätze der Mitglieder im BFB beziehen sich jetzt auf mehr als die Förderung und Forderung von freien Bildungsmaterialien (Open Educational Resources, kurz: OER). Das BFB hat erkannt, dass es für eine Freie Bildung ebenso wichtig ist, ein Augenmerk auf die Förderung offener Praktiken in Lehre und Lernen, die Qualifizierung von Lehrpersonen sowie Freie Software zu fordern und zu fördern.

Bündnis Freie Bildung, Positionspapier 2018, CC BY 4.0

Die Welt der Freien und offenen Bildung hat sich seit der Gründung weiterentwickelt: OER finden sich im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wieder und im Rahmen einer Förderlinie des BMBF wurden verschiedene einzelne Projekte rund um OER gefördert. Dies hat zu einer gestiegenen Aufmerksamkeit geführt – das frühere Nischenthema freie Bildung hat an Bedeutung gewonnen. Doch obwohl die Begrifflichkeit einer Öffnung von Bildung im Zusammenhang mit der Frage einer Digitalisierung des Bildungssystems immer häufiger auf dem politischen Parkett fällt, wird das Thema bislang eher als Wirtschaftsfaktor verhandelt. Digitalisierung in der Bildung wird zu kurz gedacht: Kompetenzvermittlung in der Ausbildung von Lehrkräften, aber auch in Bezug auf Lernende wird selten ganzheitlich angestrebt.

Hier hat das Bündnis genauer hingeschaut:

Im Rahmen eines mehrmonatigen Prozesses erarbeiteten die Expertinnen und Experten des Bündnisses gemeinsam ein Positionspapier, dass sich sowohl auf die aktuelle Situation im Bildungssystem bezieht als auch die Vielfalt der Mitglieder und ihre fachlichen Kompetenzen widerspiegelt. Nach einer Phase der Analyse der Bedarfe und wichtiger Themenfelder im Plenum, konzentrierten sich die einzelnen Mitglieder innerhalb von Arbeitsgruppen auf die Erarbeitung von Lösungsansätzen auf ihrem Spezialgebiet, welche abschließend erneut mit allen abgestimmt und diskutiert wurden. Das Ergebnis ist ein Papier, das von Medienpädagoginnen und -pädagogen, Lehrerinnen und Lehrern, Menschen aus Hochschullehre und -verwaltung, Entwicklerinnen und Entwicklern, Aktivistinnen und Aktivisten und vielen mehr angereichert wurde und unterstützt wird.

Die Vielseitigkeit des Papiers spiegelt sich bereits in den Grundforderungen des Positionspapiers wider, die sich sowohl auf die Bildungsinhalte als auch auf Praktiken und Technik beziehen:

  1. Bildungsmaterialien, die aus öffentlichen Mitteln (ko-)finanziert werden, sollen standardmäßig als OER freigegeben sowie in offenen Formaten bereitgestellt werden.
  2. Lehrpersonen an Bildungsinstitutionen sollen optimalerweise durch offene Praktiken kontinuierlich (weiter-)qualifiziert werden.
  3. Software, die im Bereich öffentlicher Bildung eingesetzt wird, soll stets Open-Source-Software sein.

Aus der Umsetzung dieser Empfehlungen verspricht sich das Bündnis ein besseres Gelingen von Bildung in der heutigen offenen, digitalen Welt. Sogleich ist es sich bewusst, dass das aktuelle Positionspapier nicht als Allheilmittel verstanden werden kann. Es soll der Politik eine Richtung geben und vielmehr zum Austausch und zur Diskussion anregen.

Am Freitag, den 21. September diskutiert das Bündnis bereits um 12:20 Uhr bei “Das ist Netzpolitik!” im Grünen Salon über die erarbeiteten Positionen und lädt herzlich dazu ein!

Hier geht es zum Positionspapier!


DOMINIK THEIS ist seit November 2017 Teil des Teams Politik und Recht bei Wikimedia Deutschland e. V. und koordiniert seit Mitte des Jahres das Bündnis Freie Bildung (BFB). Er setzt sich für die Öffnung von Lehren, Lernen und Bildung sowie die Förderung Freien Wissens ein. Gemeinsam mit den Mitgliedern des BFB setzt er Impulse für einen politischen Wandel mit dem Ziel der zeitgemäßen Bildung in einer offenen, digitalen Gesellschaft.

September 19, 2018

Über 65.000 Menschen unterstützen Wikimedia mittlerweile mit einer Mitgliedschaft – und von Jahr zu Jahr werden es mehr. Eine der größten Möglichkeiten, wie Mitglieder Einfluss auf die Arbeit des Vereins nehmen können, ist die Wahl des Präsidiums. Als ehrenamtliches Leitungs- und Kontrollorgan beaufsichtigt das Präsidium nicht nur die Arbeit des Vorstands über das Jahr hinweg, sondern prägt über seine strategische Arbeit mit dem Vorstand auch maßgeblich die Ausrichtung von Wikimedia Deutschland. Dass durch das Präsidium wichtige Weichen für die Zukunft der Organisation gestellt werden, wird am Beispiel des amtierenden 5. Präsidiums deutlich. So hebt der Präsidiumsvorsitzende Tim Moritz Hector als zukunftsweisende Entscheidungen der bisherigen Amtszeit hervor:

Gleich zu Beginn der Amtszeit standen wir vor der Aufgabe, einen neuen geschäftsführenden Vorstand für den Verein zu bestellen. Über eineinhalb Jahre haben wir den internationalen Strategieprozess für das weltweite Wikimedia Movement begleitet, der eine gemeinsame strategische Ausrichtung für unsere globale Bewegung hervorgebracht hat. Um Wikimedia Deutschland für die Zukunft gut aufzustellen, haben wir gemeinsam mit dem Vorstand Strategien entwickelt, die wir auf der kommenden Mitgliederversammlung auch vorstellen werden. Ein weiterer Fokus unserer bisherigen Amtszeit bestand darin, die finanzielle und organisationale Stabilität des Vereins nachhaltig zu verbessern: hier haben wir bereits eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt und eine Prüfung möglicher neuer Finanzierungsquellen angestoßen.”  

Das 5. Präsidium mit dem Geschäftsführenden Vorstand Abraham Taherivand, CC BY-SA 4.0

Eine Mitgliedschaft im Präsidium verlangt aber nicht nur einiges an Arbeit ab, sondern bietet auch viele wertvolle Erfahrungen. „Ich habe selten in so kurzer Zeit so viele neue Eindrücke und Erkenntnisse gewinnen können, mir ist erst jetzt die Komplexität von Wikimedia deutlich geworden, erklärt Gabriele Theren, die vor einem Jahr zusammen mit Peter Dewald ins Präsidium kooptiert wurde. Wichtig, und vielleicht das Wichtigste, sind aber die unglaublich interessanten, aufgeschlossenen und freundlichen Menschen, mit denen ich zusammen kam.

Die 23. Mitgliederversammlung am 1. Dezember in Berlin

Die Wahl des 6. Präsidiums ist somit zweifelsohne ein Highlight der 23. Mitgliederversammlung am 1. Dezember 2018 in Berlin. Wahl- und Kandidaturberechtigt sind alle aktiven Vereinsmitglieder. Wer es nicht nach Berlin schafft, erhält zwei Wochen vor der Mitgliederversammlung die Möglichkeit zur Online-Wahl. Neben der Präsidiumswahl stehen auf der Mitgliederversammlung aber auch noch weitere wichtige Themen an: Unter anderem wird sich in Berlin entscheiden, ob es künftig statt zwei nur noch eine Mitgliederversammlung im Jahr geben wird, die dafür um einen ganztägigen Tag des Freien Wissens erweitert wird. Ebenfalls auf dem Programm stehen die weitere strategische Ausrichtung des Vereins, die Entscheidung über den Wirtschaftsplan 2019 sowie der Rückblick des 5. Präsidiums auf dessen zweijährige Amtszeit und die Entlastung des Gremiums. Zudem wird durch die Vereinsmitglieder auch noch ein Teil der Kassenprüferinnen und Kassenprüfer neu gewählt.

Preisverleihung „Wiki Loves Monuments“ 

Zum Abschluss der 23. Mitgliederversammlung wird es bildgewaltig: Am Abend werden die Gewinnerinnen und Gewinner der deutschen Ausgabe des Fotowettbewerbs „Wiki Loves Monuments“ gekürt. Der Wettbewerb läuft noch bis Ende September, wer mitmachen möchte, findet alle Informationen unter wmde.org/WLM18.

Weitere Informationen:

  • Die offizielle Einladung zur Mitgliederversammlung mit ausführlichen Informationen zum Programm und Anmeldemöglichkeit wird Mitte Oktober an alle Mitglieder des Vereins geschickt.
  • Alle Informationen zur Wahl des neuen Präsidiums und der Kassenprüfenden gibt es hier.
  • Mitglieder, die nicht an der Versammlung teilnehmen können, erhalten die Möglichkeit, an den Wahlen im Vorfeld per Online-Wahl teilzunehmen.

September 18, 2018

Am Freitag werden wieder die netzpolitischen Fails des Jahres durchbuchstabiert… Foto: Jason Krüger (Konferenz „Das ist Netzpolitik!“ 2017), CC BY-SA 4.0

Bei der Konferenz „Das ist Netzpolitik!“ wird es auf der Hauptbühne der Volksbühne um 12 Uhr grundsätzlich:

Keynote: Das freie Internet ist nicht tot. Wie können wir gemeinsam dafür kämpfen? 

Warum ist das freie Internet heute wichtiger denn je? Wie können Informationen und Wissen frei bleiben, wenn die Begehrlichkeiten von kommerziellen Firmen immer größer werden? Wie verteidigen wir unsere Meinungsfreiheit im Netz? Was können wir tun?
Spoiler: Viel und viele unterschiedliche Dinge. Lasst uns zusammen dafür kämpfen! Abraham Taherivand, Geschäftsführender Vorstand bei Wikimedia Deutschland e. V., spricht über die Entwicklung des Internets und zeigt auf, was alle dafür tun können, um gute Rahmenbedingungen für Freies Wissen zu fördern.

Später, um 17 Uhr, fordern wir in unserer juristischen Veranstaltungsreihe „Monsters of Law“:

Monsters of Law: Öffentliches Geld? Öffentliches Gut!

By Heinrich-Böll-Stiftung (Flickr: Constanze Kurz), CC BY-SA 2.0

Was von Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern finanziert wird, sollte ihnen auch grundsätzlich frei zur Verfügung stehen – oder?

Gäste:

  • Leonhard Dobusch, Professor für Organisation, Jurist, für das Internet im ZDF-Rundfunkrat
  • Constanze Kurz, promovierte Informatikerin, ehrenamtliche Sprecherin für den Chaos Computer Club
  • John Weitzmann, Syndikus und Leiter Politik & Recht, Wikimedia Deutschland e. V.

Moderation: Geraldine de Bastion, Global Digital Advisor, u.a. Heinrich Böll Stiftung (angefragt)

Unter der Devise “Public Money – Public Code” forderten verschiedene Organisationen 2017, dass öffentlich finanzierte Softwareprojekte grundsätzlich Open Source-basiert sein müssen. Warum diesen Grundsatz nicht ausweiten auf alle staatlich produzierten Inhalte und Werke, die maßgeblich oder vollständig mit Steuergeld bezahlt werden?

Es ist an der Zeit, hier mit dem Stückwerk der Teilhaberechte von Bürgerinnen und Bürgern aufzuräumen und die Forderung “Öffentliches Geld – Öffentliches Gut!” auf die politische Agenda zu bringen. Im Rahmen der Konferenz „Das ist Netzpolitik!“ sprechen wir darüber, was sich politisch bewegen muss, damit dieser Grundsatz etwa bei der Auftragsvergabe für Software, im Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und bei staatlichen Kulturinstitutionen durchgesetzt wird. Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und als Video verfügbar gemacht.

Präsentation: Daten sind das neue Grundwasser!

Die Datenpumpe in Aktion.

Mit einer neuen Daten-Metaphorik möchten wir in der politischen Kommunikation mehr Raum für Gemeinwohl ermöglichen. Mehr dazu gibt’s im Blogbeitrag, siehe auch Beitrag „Wikimedia: Daten sind das neue Grundwasser“ auf sueddeutsche online. Um das neue Sprachbild erlebbar zu machen, haben wir die Daten-Pumpe mitgebracht, die im Foyer der Volksbühne ausprobiert werden kann.

Im Grünen Salon geht es um Freie Bildung: Vortrag und Workshop zu freier Bildung

12:00 – 12:20 Uhr Einführender Talk „Netzpolitik ist Bildungspolitik“ von Christian Friedrich
Vorhaben wie Schulclouds und übergreifende Kurs-Plattformen für die Lehre werden in verschiedenen Formen und Schattierungen entwickelt. Mit Plattformen und geschlossenen Ökosystemen soll das bestehende Bildungssystem verändert und Bildungseinrichtungen „fit für das 21. Jahrhundert“ gemacht werden. Zu befürchten ist aber nicht eine Revolution, sondern eine Zementierung des bestehenden Bildungssystems, dessen Schwächen und Stärken nur verstärkt werden. Infrastruktur und Software werden nicht zur Unterstützung bestehender Visionen von Bildung entwickelt, sondern aktuell bestehende Formate und Konzepte werden virtualisiert. Christian Friedrich, Referent für Bildung und Wissenschaft bei Wikimedia Deutschland e. V., spricht über den Status Quo freier Bildung innerhalb der aktuellen Bildungspolitik und zeigt auf, was sich verändern muss.

12:20 – 13:00 Uhr Workshop „Das Bündnis Freie Bildung – So gelingt Bildung für eine offene, digitale Gesellschaft“ mit Christine Kolbe und Dominik Theis

Christine Kolbe, Foto: Harald Krichel, CC BY-SA 4.0

2014 hat sich das Bündnis Freie Bildung (BFB) gegründet, ein Zusammenschluss verschiedener Akteure aus dem Kontext Freier Bildung und Open Educational Resources (OER). Wir möchten die Debatte um zeitgemäßes Lehren und Lernen voranbringen, stellen Forderungen an Entscheiderinnen und Entscheider und erklären, wie Bildung in einer offenen digitalen Gesellschaft aussehen kann. Über die Jahre hat sich diese weiterentwickelt und die Aufmerksamkeit für offene und Freie Bildung ist gestiegen; Offene Unterrichtsmaterialien werden nun sogar im Koalitionsvertrag angestrebt.
Doch nach wie vor wird Digitalisierung in der Bildung zu kurz gedacht, eine nachhaltige Kompetenzvermittlung meist gar nicht angestrebt. Hier wollen und müssen wir genauer hinschauen!
In der Session stellen Christine Kolbe, die an den Schnittfeldern von angewandter Ethik, Technikphilosophie und Mediengeschichte forscht, und Dominik Theis, Wikimedia Deutschland, die politischen Positionen des Bündnisses vor, die sie mit den Teilnehmenden und dem netzpolitischen Blick diskutieren und schärfen möchten.

 

 

September 15, 2018

Digitalpolitik ist heute auch Datenpolitik. Die Einberufung der Datenethikkommission zur Beratung der Bundesregierung und Vorstöße etwa für ein Daten-für-alle-Gesetz zeigen: Der Umgang mit Daten wird immer mehr zur zentralen politischen Zukunftsfrage und ist auf dem Radar gesellschaftspolitischer Debatten angekommen.

Mit jedem Pumpen füllt sich das Becken – und auf dem Monitor erscheinen Daten aus der freien Datenbank Wikidata. Datenpumpe von Wikimedia Deutschland. CC BY-SA 4.0

Es gibt jedoch eine problematische Fixierung innerhalb datenpolitischer Debatten: Sie drehen sich meist um die Frage, wer wie mit Daten Geld verdienen darf. Unvermeidlich ist dabei seit Jahren die Metapher von Daten als Rohstoff der Zukunft. Die Konzentration auf wirtschaftliche Aspekte von Datenpolitik bewirkt eine Verengung der Thematik, die wichtige Fragen für das freie Wissen schlicht ausblendet: Wann sind Daten Gemeingut? Wem sollen öffentliche Daten und ihre Verarbeitung eigentlich zu Gute kommen? Wem “gehören” sie? Wie können Schutz und Bewahrung von Daten sichergestellt werden?

Das Bild von Daten als dem Öl des 21. Jahrhunderts (das auch Wikimedia Deutschland mit der Datentankstelle teils bedient hat) ist über die Jahre in eine arge Schieflage geraten. Gleichwohl wird es von Politikerinnen und Politikern weiterhin bemüht, wodurch eine einseitige Bildsprache und eine problematische Grundlage für datenpolitische Entscheidungen verfestigt wird.

Wikimedia Deutschland setzt sich für vernünftige Nutzbarkeit von Daten als Grundlage Freien Wissens ein

Je häufiger Metaphern in der politischen Kommunikation genutzt werden, umso wirkmächtiger werden sie. Wer von Daten als dem neuen Öl spricht, liefert einen ganzes Bilderspektrum mit: Preis- und Verteilungskämpfe, Goldgräberstimmung, Monopolbildung und ein unvermeidlicher Machtkampf um Ressourcen, geführt von Staaten und mächtigen Unternehmen. Daten werden medial meist als potenzielle Ware dargestellt, von der einerseits jegliche wirtschaftliche Innovation und Zukunft abhängen soll, gegen deren Extraktion aber zugleich überall die Privatsphäre der Menschen verteidigt werden muss.

Das Bild von Daten als „neuem Öl“ befeuert diese viel zu simple Dichotomie. Es verspricht unermesslichen Reichtum für diejenigen, die erfolgreich in die Datenwirtschaft einsteigen, und Datendiktatur für den Rest der Menschheit. Gerade bei Debatten rund um Datenpolitik und -ökonomie ist die dazugehörige Bildsprache also essentiell, um Tragweite und Bedeutung datenpolitischer Entscheidungen zu verstehen und sie aktiv zu gestalten.

Wir meinen, das Bild von Daten als Öl braucht dringend ein Update. In der Datenpolitik muss es viel mehr um Gemeinwohl gehen. Dafür schlagen wir eine neue Daten-Metapher vor: Daten sind das neue Grundwasser!

Erlebbares bleibt in Erinnerung: Die Datenpumpe in Action. Lisa Dittmer für WMDE. CC BY-SA 4.0

Daten über die Welt sollten der Allgemeinheit grundsätzlich frei zur Verfügung stehen, wie Grundwasser sollten sie allen Menschen nützen. Daten entstehen jederzeit neu, wandeln sich, ohne sich zu verbrauchen und dürfen nur unter bestimmten Bedingungen zur Ware werden. Für die Informationsgesellschaft sind Daten daher viel eher wie Grundwasser. Genau wie eine Welt ohne Wasser nicht denkbar ist, bilden Daten die Grundlage für Freies Wissen wie z. B. in der Wikipedia.

Moderne Datenpolitik braucht passende Bilder: Die Daten-Grundwasserpumpe

Um den Zugang zu Freiem Wissen erlebbar zu machen, hat Wikimedia Deutschland 2014 die Datentankstelle gebaut, an der freie Daten “getankt” werden konnten. Diese erfreut sich seitdem großer Beliebtheit als Ausstellungsstück bei Konferenzen wie der re:publica oder Zugang gestalten.

Daher möchten wir ein neues Bild für Daten und Informationen setzen – Daten als Grundwasser – und dafür wieder ein physisches Objekt als Mittler unserer Botschaft realisieren: die Datenpumpe. Als international und intuitiv verständliches Objekt, das Grundwasser für alle verfügbar machen kann, bietet sich dafür eine Schwengelpumpe an. Eine solche Pumpe dient in vielen Ländern noch immer der Wasserversorgung und ist in regionaler Nähe noch häufig am Wegesrand zu finden.

Ertüftelt, gebaut und programmiert wurde die Datenpumpe im Auftrag durch die Berliner Medienkünstler und Netzbastler Georg Werner, Moritz Metz und Kaspar Metz. Unsere Daten-Grundwasserpumpe zeigt bei jedem Pumpvorgang zufällig ausgewählte Daten der freien Wissensdatenbank Wikidata. Das macht erlebbar: Daten über unsere Welt (wie Wetter- oder Verkehrsdaten) sollten politisch nicht allein als Ware behandelt werden, sondern als Gemeingut allen Menschen frei zur Verfügung stehen.

Berühmte Katzen oder Flaggen mit Sternen: All diese Daten sind als Freies Wissen in Wikidata zu finden. Datenpumpe von Wikimedia Deutschland. CC BY-SA 4.0

Die umgebaute Garten-Wasserpumpe steht auf einem manövrierbaren und feststellbaren Podest. Davor steht ein Eimer, auf dem per LED ein Wasserstand angezeigt wird. Ein in den Eimer eingelassener Bildschirm zeigt Ergebnisse von Datenabfragen an. Wer die Pumpe betätigt, hört ein typisches Wasserpump-Geräusch, kombiniert mit dem Modem-Einwähl-Sound, den viele von uns noch in Erinnerung haben. Mit jedem Pumpstoß füllt sich ein Wassereimer mit Daten aus der freien Datenbank Wikidata.

Wasser und Daten: Alles fließt….

Der Vergleich von Daten und Öl ist hilfreich, um sich die Auswirkungen von Ölpreisen und der Verfügbarkeit von Öl auf die Umwelt sowie weltwirtschaftliche und soziale Ungleichheit zu vergegenwärtigen. Das Bild einer ähnlichen Entwicklung mit Daten an der Stelle von Öl kann als Mahnung fungieren, mit Daten anders umzugehen, Monopole zu vermeiden und allen einen möglichst gleichberechtigten Zugang zu Daten zu ermöglichen.

Die Metapher von Daten als Öl ist jedoch auch in mehrerer Hinsicht problematisch. Zunächst impliziert das Bild von Daten als Öl die Vorstellung eines Rohstoffes als Vorprodukt, das raffiniert werden muss und durch starke Nutzung knapp werden – oder künstlich verknappt werden kann. Während Öl jedoch nur einmal verbrannt werden kann, sind Daten unendlich wiederverwendbar bzw. nachnutzbar.

Während der Zugang zu Rohöl und die Aufstellung der verarbeitenden Industrie von politischen und wirtschaftlichen Interessen gelenkt wird, soll der freie Zugang zu (öffentlichen, nicht-personenbezogenen) Daten eine Selbstverständlichkeit sein, die dem Gemeinwohl dient und dem Individuum die Freiheit lässt, Informationen und Wissen daraus abzuleiten.

Wir möchten, entsprechend der Prämisse von Bildung als Menschenrecht, das Bild von (öffentlichen) Daten als Grundwasser setzen, das zu frei verfügbaren Informationen verarbeitet werden kann. Damit kontern wir die gegenwärtige Daten-Goldgräber-Mentalität und verschieben das entsprechende Framing Richtung Gemeinwohlorientierung. Daten als Grundwasser symbolisieren eine für die Informationsgesellschaft lebensnotwendige und schutzbedürftige Ressource, deren größtmögliche “Reinheit” anzustrebendes Ziel sein soll. Wie Grundwasser sollten Daten jedoch nicht allein dem Profit großer Unternehmen dienen, worauf wir mit dem neuen Framing aufmerksam machen möchten.

 

Lust, sie selbst auszuprobieren? Die Daten-Pumpe stellen wir öffentlich am 21. September 2018 auf der Konferenz „Das ist Netzpolitik!“ vor.

Die Datenpumpe in der Presse: https://www.sueddeutsche.de/news/service/internet-wikimedia-daten-sind-das-neue-grundwasser-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-180914-99-960203

 

September 13, 2018

Ich war 6 Monate lang Praktikantin bei Wikimedia Deutschland.

Zuvor hatte ich bereits in einem 3-monatigen Programmierkurs, einem Praktikum bei einem Start-up und einigen Online-Kurse Programmiererfahrung gesammelt. Ich freute mich also darauf, meine Fähigkeiten zu verbessern, indem ich tiefer ins Programmieren einsteigen und lernen würde, wie eine Softwareabteilung in einer größeren Organisation funktioniert.

Jung-Software-Entwicklerin und Autorin Ebba Aniansson

Gleichzeitig programmieren zu lernen und sicherzustellen, dass man sich ständig entwickelt, ist schwer. Daher kann ich nicht sagen, dass mein Praktikum bei WMDE ohne Höhen und Tiefen verlief. Aber sich dabei wohl zu fühlen, seine Kolleginnen und Kollegen um Hilfe zu bitten und zu wissen, dass immer jemand zur Hilfe bereit ist, hat mir den Lernprozess deutlich unterhaltsamer und angenehmer gemacht.

Meine vorherige Erfahrung an Praktika beschränkte sich auf Startups. Wer mal bei einem Startup gearbeitet hat, weiß vielleicht, dass keine zwei Tage gleich aussehen, die Arbeitsaufgaben variieren, und in konstantem Tempo gearbeitet wird, um sicherzustellen, dass alles ständig läuft und im Fluss bleibt. Als ich mein 6-monatiges Praktikum bei WMDE begann, war ich mir nicht ganz sicher, was mich erwarten würde, da ich keine Ahnung hatte, wie eine große NGO im Alltag funktioniert.

Aber ich war positiv überrascht. Die Atmosphäre im Büro ist eine Mischung aus Spaß und Professionalität. Es fühlt sich an, als ob alle bei WMDE die gleiche Vision davon haben, was die Zukunft von Wikimedia bringen kann und wird.

Die Software-Entwicklungsabteilung arbeitet an verschiedenen Projekten und Produkten und ich konnte Arbeitserfahrung in all diesen Bereichen sammeln: Wikidata, Fundraising-Banner und beim Projekt Technische Wünsche.

Für den ersten Monat stellte mir Christoph Jauera, auch bekannt als Fisch, vor, woran das Technische Wünsche-Team gerade arbeitete. Ich hatte die Möglichkeit, am File Importer zu arbeiten, einer Erweiterung, die das Verschieben von Dateien in Wikimedia Commons erleichtert.

Ungefähr im zweiten Monat wurde die Softwareabteilung umorganisiert, was dazu führte, dass einige Kolleginnen und Kollegen in neue Teams umzogen, darunter auch ich. Ich trat dem technischen Fundraising Team bei. Dessen Hauptaufgabe war es in dieser Zeit, die Spendenseite für WMDE mit Design- und Fehlerbehebungen und neuen Features zu verbessern und damit auch die Erfahrung der Spendenden. Dort haben wir auch an einigen Projekten aus der Technischen Wunschliste gearbeitet, zum Beispiel Advanced Search. Hierbei handelt es sich um eine Funktion, die die Konfiguration von Namensräumen verbessert, indem sie die spezielle Suche verstärkt, die Wikipedia durch erweiterte Parameter bietet.

Ich blieb während des restlichen Praktikums bei dem Team, mit gelegentlichen Paarporgrammierungssitzungen mit einem Kollegen vom Wikidata-Team. Während der ersten Sitzungen konnte ich zum Wikidata Query Service beitragen, indem ich eine neue Ergebnisansicht hinzufügte. Nach unseren Aufwärmsitzungen haben wir uns darauf konzentriert, ein individuelles Projekt zu starten, das mein Nebenprojekt für die letzten Wochen bei WMDE sein sollte. Das Hauptziel des Projekts besteht darin, Benutzenden zu zeigen, welche Nährstoffe der menschliche Körper täglich benötigt, um gesund zu bleiben.

Die Ernährungswebseite verfügt über eine API, die den Abfrageservice von Wikidata aufruft und auf dem von uns erstellten Frontend angezeigt wird. Komplett fertig gestellt haben wir die Website nicht, was bedeutet, dass ich ein spannendes Nebenprojekt habe, an dem ich weiterarbeiten kann, jetzt, wo mein Praktikum beendet ist.

Die 6 Monate, die ich bei WMDE verbracht habe, haben mir die Möglichkeit gegeben, nicht nur mit einer Codebasis oder in einem Team zu arbeiten, sondern mit mehreren. Das Arbeiten in verschiedenen Teams hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, gut zu kommunizieren und zu kooperieren, damit die Arbeit voranschreitet und später zu fertigen Features wird, von denen Benutzende profitieren.

Während meines Praktikums hatte ich auch die Möglichkeit, mich WMDE-Kolleginnen und Kollegen für einen Hackathon in Barcelona anzuschließen. Dies gab mir eine breitere Perspektive darüber, wie Wikimedia als ein großes Movement kommuniziert und arbeitet, anstatt jede Ländervertretung für sich selbst – nämlich indem sie gemeinsam an Projekten arbeiten und Wissen miteinander teilen. Es hat auch viel Spaß gemacht, zu sehen, dass die Vision von Wikimedia auch von den Freiwilligen angestrebt wird.

Wikimedia Hackathon 2018 in Barcelona. Foto: Ckoerner, Wikimedia Hackathon Barcelona 2018 – group photo, CC BY-SA 4.0

Was ich aus meiner Zeit bei WMDE mitnehme, sind die gesammelten Erfahrungen, wie eine große Organisation – mit Ländervertretungen auf der ganzen Welt und Menschen, die mit und für Wikimedia aus der ganzen Welt arbeiten – es schafft, alle Einzelteile zusammenzubringen und tolle Projekte aufbaut und nicht aufhört tolle Projekte zu entwickeln.

Ich möchte allen bei WMDE für eine großartige Zeit danken und dafür, dass sie so freundliche, höfliche und großartige Mentoren sind. Wikimedia Deutschland war bisher einer der besten Orte, an denen ich die Möglichkeit hatte, ein Praktikum zu machen.

 

September 12, 2018

Heute hat das Europäische Parlament über den Entwurf der Urheberrechts-Richtlinie abgestimmt (438 Dafür, 226 Dagegen & 39 Enthaltungen). Mit diesem Text geht das Parlament jetzt in die Verhandlungen mit der Europäischen Kommission und dem Europäischen Rat, den sogenannten Trilog. Bis zur Abstimmung waren noch Änderungen seitens des Parlaments möglich. Nach den Trilog-Verhandlungen wird das Parlament nur noch darüber entscheiden, ob das Ergebnis der Trilogverhandlungen so als Richtlinie verabschiedet werden soll oder nicht.

Unser Geschäftsführender Vorstand Abraham Taherivand erklärt dazu:

„Heute gab es einen herben Rückschlag für alle, die für Meinungsfreiheit und Vielfalt im Netz kämpfen. Statt die Vergütung von Kreativen mit ausgewogenen Mitteln zu erreichen, wird mit dem Holzhammer vorgegangen. Das Freie Wissen wird die Schäden mit zu verkraften haben.“

Panoramafreiheit

Trotz zahlreicher Unterstützerinnen und Unterstützer in Wikipedia-Communitys, Gewerkschaften und der Industrie wurde versäumt, die Panoramafreiheit europaweit zu harmonisieren. Es bleibt vorerst wie es ist, ein europäischer Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen zu Panoramafreiheit. Die Ehrenamtlichen der Wikimedia-Projekte müssen also weiterhin viele verschiedene nationale Regeln zugleich beachten, wenn es um Bilder des Straßenraums geht. Hier wurde eine wichtige Gelegenheit verpasst.

Annkathrin Weis, Straßenaktion Leistungsschutzrechts für Presseverleger, CC BY-SA 4.0

Leistungsschutzrecht

Nach der Europäischen Kommission und dem Europäischen Rat hat sich auch das Europäische Parlament für ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger ausgesprochen. Der Vorschlag wird von uns heftig kritisiert, unter anderem weil er die Belege in der Wikipedia gefährden könnte. Wir wissen noch nicht, wie die Richtlinie, wenn sie erst einmal fertig ist, auf der nationalen Ebene umgesetzt wird. Wir hoffen, dass die Journalistinnen und Journalisten am Ende auch beteiligt werden, falls es Mehreinnahmen durch dieses Leistungsschutzrecht geben sollte.

Christian Schneider, No-Upload-Filter Verteilaktion (6), CC BY-SA 4.0

Upload-Filter

In wichtigen Punkten konnten wir uns trotz sehr guter Mobilisierung nicht durchsetzen. Wir haben Straßenaktionen gestartet, Offene Briefe initiiert, wir haben beraten, Wissen geteilt, informiert, geschrieben, gesprochen und gebangt. Jetzt hat sich nach der Europäischen Kommission und dem Europäischen Rat auch das Europäische Parlament für Upload-Filter ausgesprochen und sie werden wahrscheinlich auf Basis der neuen Richtlinie kommen, in welcher genauen Form auch immer. Die Richtlinie muss zwar erst einmal von den nationalen Parlamenten umgesetzt werden.

Trotzdem: Heute ist ein ziemlich schwarzer Tag für alle, die für ein freies Netz, Vielfalt und Meinungsfreiheit im Internet kämpfen. Wir haben die Fehlentscheidung aufschieben, aber nicht verhindern können. Nun können wir nur hoffen, dass die Implementierung technischer Maßnahmen in der Praxis so schwierig werden wird, dass am Ende alles nicht so schlimm wird, wie es werden könnte. Wie sehr das Ganze letztlich wirklich den Kreativen, den Künstlerinnen und Künstlern zugute kommen wird, muss die Zukunft zeigen.

Die Beteiligten

Eingebunden waren im Europaparlament neben dem Plenum und dem Rechtsausschuss (JURI) auch die Ausschüsse IMCO (Binnenmarkt und Verbraucherschutz), LIBE (bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres), CULT (Kultur und Bildung) und ITRE (Industrie, Forschung und Energie), von denen sich einer (CULT) zum Beispiel für Upload-Filter, zwei andere (LIBE, IMCO) gegen Upload-Filter ausgesprochen haben. Es wollen viele mitreden, denn das Gesetz bedeutet für viele spürbare Veränderung. Im Parlament waren prominente Befürworter der viel kritisierten Versionen von Artikel 11 und 13 insbesondere die Abgeordneten Axel Voss und Jean-Marie Cavada, prominente Gegnerinnen waren Julia Reda und Catherine Stihler. Parteiübergreifend hatten auch weitere Abgeordnete aus Deutschland zu drohenden Konsequenzen der Reform informiert.

Bildschirmaufnahme Abstimmung EU-Parlament am 12.09.2018

Auswirkung auf die Wikipedia und andere Wikimedia-Projekte

Für die Wikipedia haben wir zwar erfolgreich eine Ausnahme von der Filterpflicht erwirkt, die in der Wikipedia eingebundenen Bilder liegen aber auf Wikimedia Commons. Wikimedia Commons wiederum ist zwar eine nicht-kommerzielle Plattform, für die es ebenfalls eine Pauschalausnahme geben soll, aber alle auf Wikimedia Commons liegenden Bilder, Videos, Buch-Scans, Musikstücke und mehr sind unter freien Lizenzen wie CC BY oder CC BY-SA und damit auch für kommerzielle Nutzung freigegeben. Ein Gericht könnte das dahingehend interpretieren, dass Wikimedia Commons im Wettbewerb etwa mit kommerziellen Foto-Plattformen steht und in Sachen Filterpflichten deshalb als kommerzielle Plattform anzusehen sei.

Wer betroffen ist, wird sich im Zweifel vor Gericht klären, wie sogar Berichterstatter Axel Voss (CDU, EPP) bei ZAPP zu Protokoll gibt. Unser Geschäftsführender Vorstand Abraham Taherivand erklärt dazu:

“Upload-Filter wären das Aus für unsere Bilder in der Wikipedia, die alle auf Wikimedia Commons liegen. Selbst wenn wir ausgenommen werden und diesen Schlag überstehen: Wir wollen keine Oase in der Wüste sein. Wir wollen, dass das Internet insgesamt funktioniert.”

Wir machen weiter!

Trotz der schlechten Nachrichten möchten wir uns bei allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern für ihre Unterstützung bedanken. Trotzdem konnten wir zusammen eine Ausnahme und kleine Verbesserungen hinsichtlich der Public Domain erwirken, was ohne das Engagement für eine freies Netz vieler Menschen nicht möglich gewesen wäre. Das Parlament wird nun auf Grundlage des heute verabschiedeten Mandats in den Trilog treten. Wir müssen weiterhin dranbleiben, die erwirkten Verbesserungen hinsichtlich des Schutzes von gemeinfreien Werken aufrecht zu erhalten und noch mehr Ausnahmen für gemeinnützige Plattformen auszuhandeln.

September 11, 2018

Die Autorinnen und Autoren der deutschsprachigen Wikipedia wehren sich damit gegen allzu weitgehende Eingriffe der Politik in die Haftungsregeln des Netzes. Diese sollen Kreativen eine bessere Verhandlungsposition gegenüber großen Plattformen wie YouTube bescheren, können aber je nach Ausgestaltung einschneidende Folgen abseits der kommerziellen Riesen entwickeln und Freiwilligenprojekte wie Wikipedia oder die freie Datenbank Wikidata direkt und indirekt treffen.

Wer heute Wikipedia aufruft, sieht ein Protestbanner und wird aufgerufen, sich für ein freies Netz zu engagieren.

Was wäre das Internet ohne Wikipedia? Wer die größte Online-Enzyklopädie der Welt heute aufruft, findet nicht wie gewohnt schnelle Antworten und erste Informationen aus dem gesammelten Wissen der Welt. Stattdessen wird auf die Gefahren der derzeit laufenden Reform des EU-Urheberrechts aufmerksam gemacht, die in ihrer jetzigen Form weiterhin zum flächendeckenden Einsatz von Upload-Filtern führen könnte und dazu, dass es in der EU zukünftig lizenzpflichtig wird, auf Presse-Quellen zu verweisen.

Die jetzige Zuspitzung geht mit der zweiten Abstimmung zur „EU-Richtlinie zum Urheberrecht im Digitalen Binnenmarkt“ einher, kurz DSM-Richtlinie. Sie steht am morgigen 12. September im Europaparlament in Straßburg an und ist bereits für sich genommen eine kleine Sensation, geht sie doch auf einen höchst seltenen parlamentarischen Vorfall Anfang Juli zurück: Am 5. Juli hatte das Europaparlament erst zum zweiten Mal in seiner Geschichte einem seiner Ausschüsse das Mandat verweigert, mit seinem Beratungsstand in den sogenannten Trilog zu gehen, also in den Vermittlungsausschuss von Europaparlament, EU-Kommission und Rat der EU.

Stattdessen hatte das Parlament die Notbremse gezogen und die Beratungen zur DSM-Richtlinie wieder an sich gezogen, sodass morgen im Plenum noch einmal fast von vorne begonnen und über mehr als 250 Änderungsanträge abgestimmt werden wird. Grund für die hitzige Auseinandersetzung sind die tiefen Eingriffe für die Funktionsweise des Internets, die mit der im Juli durchgefallenen Fassung der neuen Richtlinie gedroht hätten.

Worum geht es genau?

Statt der derzeit gültigen nachlaufenden Haftung, bei der rechtsverletzende Inhalte nach entsprechender Meldung von Plattformen entfernt werden müssen, hätte die im Juli abgelehnte Reformfassung Plattformbetreiber gezwungen, solche Inhalte bereits vor ihrem Sichtbarwerden auf der Plattform „abzufangen“. Das ist nur leistbar, wenn sämtliche Uploads automatisiert vorab durchleuchtet und mit allen bekannten urheberrechtlich geschützten Werken abgeglichen werden. So etwas gibt es bei einigen Plattformen bereits, bei YouTube etwa heißt es „Content ID“, und diese Systeme sind bekannt für ihre Fehleranfälligkeit. Der im Juli abgelehnte Artikel 13 der Reform hätte diese Form der Filterung zur allgemeinen Pflicht gemacht, mit weitreichenden Folgen für die Meinungsfreiheit, die sich oft genug auch über für derartige Scanner schwererkennbare Werkzitate und Parodien wie Memes ausdrückt. Die Meinungsfreiheit wäre auf ebenfalls in der Reform vorgesehe Beschwerdewege verwiesen gewesen, was vielen zu weit ging.

Wikimedia Deutschland hat mit zahlreichen Aktionen auf die Kollateralschäden des im Juli abgelehnten Vorschlags aufmerksam gemacht. Foto: Christian Schneider, CC BY-SA 4.0

Für Wikipedia als Plattform ist zwar eine Ausnahme vorgesehen, aber schon für das dazugehörige Medienarchiv Wikimedia Commons ist alles andere als sicher, ob diese Ausnahme noch so weit reicht, von unzähligen Projekten außerhalb der Wikimedia-Projekte ganz zu schweigen. Wikipedia ist aber ohne ein digitales Umfeld freier und Freiwilligen-getragener Projekte nicht denkbar.

Ein weiterer großer Stein des Anstoßes ist ein neues sogenanntes Leistungsschutzrecht, das für Presseverleger eingeführt werden soll. Damit sollen News-Aggregatoren dazu gezwungen werden, für das Anzeigen kleinster Abschnitte aus Presse-Erzeugnissen zu zahlen. Als Nebeneffekt drohen aber auch alle Fundstellen, die auf Presse hinweisen, kostenpflichtig zu werden. Das wäre weder gerechtfertigt, noch könnten Freiwilligenprojekte wie die Wikipedia solche Zahlungen leisten.

Die Upload-Filter (Artikel 13) und das Verlegerrecht (Artikel 11) sind dabei nur die umstrittensten Stellschrauben im Fokus der Reformvorschläge. Auf sie konzentriert sich auch der Protest der Wikipedianerinnen und Wikipedianer, es gibt aber noch weitere. Gemeinsam mit der Wikimedia Foundation informieren die europäischen Wikimedia-Länderorganisation auf fixcopyright.wikimedia.org über weitere Änderungsvorschläge, die eine Grundlage für ein zeitgemäßes Urheberrecht darstellen.

Gab’s das schonmal?

Screenshot der Startseite der englischen Wikipedia am 18.1.2012. By Pseudoanonymous at English Wikipedia, CC BY-SA 3.0

2012 wurde der Zugang zu Wikipedia schon einmal symbolisch versperrt. Damals gab es breite Proteste gegen die Gesetzesentwürfe Stop Online Piracy Act (SOPA) und PROTECT IP Act (PIPA), auch von den Ehrenamtlichen der Wikipedia. Auch 2012 ging es im Kern um Gesetze zur Stärkung des Copyrights, die Einschränkungen für die freie Meinungsäußerung und Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten bedeutet hätten.

Wie kann ich aktiv werden?

Auf fixcopyright.wikimedia.org kannst du dich weitergehend informieren und deine Vertreterin oder deinen Vertreter im EU-Parlament dazu aufrufen, ein modernes Urheberrecht im Sinne des Freien Wissens zu schaffen. Mach auch andere darauf aufmerksam mit dem Hashtag #fixcopyright.

Aktiv werden? Gehe auf fixcopyright.wikimedia.org! #fixcopyright

Weiterführende Informationen

Video Pressegespräch EU-Parlament mit Wikipedia-Mitgründer Jimmy Wales:

 

September 06, 2018


Zur Wikimedia:Woche 36/2018 geht es hier.

 

 

August 28, 2018

Eine der schöneren unbekannten Ecken der Wikipedia ist die Seite zur Auskunft. Dort können Menschen mögliche und unmögliche Fragen stellen, die dann mal launisch, mal larmoyant, mal ernsthaft oder auch gar nicht beantwortet werden. Wie im wahren Leben und eine ewige Fundgrube obskuren Wissens, seltsamer Fragestellungen und logischen Extremsports.

Conrad, Giorgio (1827-1889) - n. 102 - Scena di genere
Nicht die DDR. Bild: Giorgio Conrad (1827-1889) - Mangiatori di maccheroni. Numero di catalogo: 102.



Dort nun fragte vor ein paar Tagen ein unangemeldeter Nutzer:

 "Warum gab es in der DDR eigentlich nur Makkaroni (die in Wirklichkeit Maccheroncini waren), aber keine Spaghetti? Das erscheint mir nach Lektüre einiger Bücher aus der DDR so gewesen zu sein und ist mir auch so von meiner aus Ex-DDR-Bürgern bestehenden Verwandtschaft bestätigt worden. Warum?"

Es folgte eine längere und mäandernde ausgiebige Diskussion, die immerhin folgendes ergab:

* Anscheinend gab es in der DDR Spaghetti, zumindest erinnerten sich einige der Diskutanten an derartige Kindheitserlebnisse.
* Ob Spaghetti so verbreitet waren wie Makkaroni oder Spirelli, darüber bestand Uneinigkeit.
* Die Nudelsaucensituation war in Berlin besser als im Rest der DDR.
* Die DDR allgemein pflegte in vielerlei Hinsicht traditionellere Essgewohnheiten als Westdeutschland, die Küche der DDR ähnelte in vielem mehr der deutschen Vorkriegsküche als dies für die westdeutsche Küche gilt.
* In Vorkriegszeiten waren Makkaroni verbreiteter als Spaghetti.
* Schon bei Erich Kästner wurden Makkaroni gegessen
* Der Makkaroni-Spaghetti turn im (west-)deutschen Sprachraum war Mitte der 1960er
* Schuld könnten wahlweise das mangelnde Basilikum, die mangelnde Tomatensauce, überhaupt mangelnde Kräuter, Italienreisen, Gastarbeiter, Miracoli oder auch was ganz anderes sein.
* Klarer Konsens im Rahme: Sahne gehört keineswegs in Sauce Carbonara!


Mirácoli noodles with sauce
Gab es in der DDR nicht: Miracoli. Bild: Miracoli-Nudeln mit Mirácoli-Soße von Kraft. Von: Brian Ammon, Lizenz: CC-BY-SA 3.0
 
Daneben tauchten eine ganze Menge Kindheitserinnerungen auf an exotische Spaghettimahlzeiten mit kleingeschnittenen Spaghetti, Ketchup-basierter Tomatensauce und anderen kulinarischen Exotika des geteilten Deutschlands.

Einige Antworten, viel mehr Fragen:
* seit wann wird in Deutschland überhaupt Pasta gegessen?
* wie lange schon ist Tomatensauce verbreitet?
* seit wann essen westdeutsche Spaghetti?
* Und wer ist Schuld? Die Gastarbeiter? Die Italienurlauber? Miracoli?
* Und wie kommen eigentlich die Löcher in die Makkaroni?

Also verließen wir dann erst einmal die Auskunft und die dortige Diskussion und betrieben etwas weitere Recherche. Das heimische "Kochbuch der Haushaltungs- und Kochschule des Badischen Frauenvereins", veröffentlicht 1913 in Karlsruhe, kennt sowohl Makkaroni wie auch Spaghetti. Ungewohnt für heute: die Makkaroni werden in "halbfingerlange Stückchen gebrochen" und dann 25 bis 30 Minuten gekocht.

Neben den diversen Makkaroni-Gerichten gibt es auch einmal Spaghetti. Die Priorität ist klar. Spaghetti werden erklärt als "Spaghetti ist eine Art feine Makkaronisorte. Beim Einkauf achte man darauf, daß sie nicht hohl sind"

Die "Basler Kochschule. Eine leichtfaßliche Anleitung zur bürgerlichen und feineren Kochkunst" von 1908 kennt keine Spaghetti aber diverse Gericht mit "Maccaronis". Darunter sogar schon die Variante "a la napolitaine" mit Tomatensauce.

Weitere Recherche. Weitere Erkenntnisse bringt das Buch "Meine Suche nach der besten Pasta der Welt: Eine Abenteuerreise durch Italien", das die Ankunft der Makkaroni in Deutschland auf das frühe 18. Jahrhundert verlegt. Die 1701 nachweisbaren "Macronen" waren wohl eher Lasagne, aber Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden in Prag und Wien echte Makkaroni-Fabriken.

Die Pasta folgte anscheinend den jungen Männern der Grand Tour aus Italien in das restliche Europa. Bestimmt waren die Grand Tours für junge Männer, die mal etwas von der Welt sehen und klassische europäische Bildung mitbekommen sollten, die auf der Tour aber anscheinend nicht nur Statuen und Kirchen kennenlernten, sondern auch Pasta.

Philip Dawe, The Macaroni. A Real Character at the Late Masquerade (1773) - 02
Der Macaroni. Der Hipster seiner Zeit. Bild: Philip Dawe: The Macaroni. A Real Character at the Late Masquerade, 1773.

In England gab es sogar einen eigenen Modestil Macaroni für exaltierte junge Männer - "a fashionable fellow who dressed and even spoke in an outlandishly affected and epicene manner". Die englische Wikipedia schreibt dazu lakonisch: "Siehe auch: Hipster. Metrosexuell." Komplett falsch wäre wohl auch die Assoziation zur Toskana-Fraktion nicht.

Nach diesen extravagant und auffallend auftretenden jungen Männern ist nun wiederum im Englischen der Macaroni penguin - auf deutsch der Goldschopfpinguin - benannt.


Macaroni Penguin at Cooper Bay, South Georgia (5892387033)
Makkaroni-Penguin. Benannt nach dem Stil, nicht nach den Nudeln. Bild: Macaroni Penguin at Cooper Bay, South Georgia von Liam Quinn, Lizenz: CC-BY-SA 2.0

Wie aber kommen nun die Löcher in die Makkaroni? Und seit wann? Licht in dieses Dunkel bringt die "Encyclopedia of Pasta." Diese lokalisiert die Entstehung der maschinellen Pastafertigung - die für Makkaroni in zumutbarer Menge unvermeidlich ist - in die Bucht von Neapel in das 16. Jahrhundert. Dort existerte eine Heimindustrie mit Mühlen, an die sich relativ problemlos eine im 16. Jahrhundert aufkommende ’ngegno da maccarun anschließen lies, die es den Neapolitanern ersparte stundenlang im Teig herumzulaufen, um ihn zu kneten: im Wesentlichen Holzpressen mit einem Einsatz aus Kupfer, je nach Form des Einsatzes entstehen verschiedene Nudelsorten und damit unter anderem Makkaroni. Die Makkaroni wurden dann in langen Fäden zum trocknen in die süditalienische Sonne gehängt.


Sommer, Giorgio (1834-1914) - n. 6204 - Napoli - Fabbrica di maccheroni
Neapel, 19. Jahrhundert. Bild: Giorgio Sommer (1834-1914), "Torre Annunziata-Napoli - Fabbrica di maccheroni". Fotografia colorita a mano. Numero di catalogo: 6204. 

Das hat alles nicht mehr wirklich etwas mit Spaghetti und der DDR zu tun, beantwortet nicht, warum die Deutschen in den 1960ern plötzlich lieber Spaghetti als Makkaroni mochten, oder warum die Makkaroni bei ihrem ersten Zug über die Alpen die Tomatensauce in der Schweiz ließen? Warum gibt es in Deutschland kein Äquivalent zu "Macaroni and cheese" (mehr)? Gab es ein Miracoli-Äquivalent in der DDR, bei dem es Pasta, Sauce und Käse schon in einer Packung gab? Warum sind Makkaroni in Deutschland tendenziell lang und dünn in vielen anderen Ländern aber dicker und hörnchenförmig-gebogen? Es ist hochspannend. Und ein Grund, noch viel mehr zu recherchieren.

August 08, 2018

Brockhaus


Die Brockhaus Enzyklopädie ist ein mehrbändiges Nachschlagewerk in deutscher Sprache, das zuletzt von dem zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Wissen Media Verlag herausgegeben wurde. Ist es ein Nachschlagewerk? War es ein Nachschlagewerk? Seit einigen Jahren befindet sich der Brockhaus in einer Art Limbo des Untotseins. Irgendwie existiert er noch. So richtig aber auch nicht mehr. Ohne jetzt die Irrungen und Wirrungen des ehemaligen Goldstandards der deutschen Nachschlagewerke nachzuerzählen, reicht es mir zu erwähnen, dass noch vor 10 Jahren der Brockhaus quasi das unerreichbare Ziel, die große Messlatte und die ferne Vision dessen war, was Wikipedia werden sollte. Genau wie Wikipedia den Brockhaus anscheinend maßlos überschätzte, so war und ist der Brockhaus selbst ratlos wie er mit der Wikipedia umgehen sollte. Man weiß nicht, ob man von vertanen Chancen reden soll. Denn hatte der Brockhaus je Chancen?

Chiara Ohoven


Chiara Ohoven

Chiara Ohoven ist ein deutsches It-Girl. Viel mehr wissen wir nicht, da Wikipedia den zu Chiara gehörigen Artikel permanent löscht. Vor einigen Jahren erlangte sie kurzzeitig deutschlandweite Berühmtheit durch eine Do-it-Yourself Schönheits-OPs mit Schlauchbootlippen als Ergebnis, fand aber vor den Do-it-Yourself-Enzyklopädisten damit keine Gnade. Ansonsten folgt Chiara ihrer Mutter und ihrem Vater auf das Parkett der High Society und des Glamours. Und da kein Wikipedianer je zur High Society gehörte oder gehören wird, gilt sie in Wikipedia weiterhin als nicht-relevant.

Donauturm




Der Donauturm ist ein Aussichtsturm[4] inmitten des Donauparks im 22. Wiener Gemeindebezirk Donaustadt. Darüberhinaus sieht der Donauturm aus wie ein Fernsehturm, was zu einem der erbittertsten Editwars in der Wikipedia-Geschichte führte. Dort der Fachmensch für Fernsehtürme, der sich sehr sicher war, dass Fernsehturm die Bezeichnung eines bestimmten architektonischen Typs ist, dort eine Gruppe Wiener und Österreicher, die darauf verwiesen, dass von diesem Turm kein Fernsehsignal übertragen wird, noch nie ein Fernsehsignal übertragen wurde und niemand je plante von diesem Turm aus ein Fernsehsignal zu übertragen. Beide Seiten standen fester zu ihrem Standpunkt als der Donauturm im Wiener Boden. Schlußendlich führte der Editwar zu einem mehrseitigem Artikel im Spiegel, gebrochenen Herzen, frustrierten Wikipedianern und der Tatsache, dass jeder Wikipedianer weiß wie der Donauturm aussieht.


Elian


Elian ist ein in den 1980er Jahren aus dem Französischen entlehnter männlicher Vorname. Er geht auf den Beinamen Aelianus, eine Ableitung des römischen Geschlechternamens Aelius, zurück. elian (klein geschrieben und gesprochen eher wie Alien) kann auch als weiblicher Internetnickname genutzt werden. Ohne elian keine Wikipedia so wie wir sie kennen.

Gdansk


Glenn Danzig at Wacken Open Air 2013 02

Danzig (polnisch Gdańsk Zum Anhören bitte klicken! [ɡdaɲsk],[3] kaschubisch Gduńsk), die Hauptstadt der Woiwodschaft Pommern im Norden von Polen, liegt an der Ostsee rund 350 km nordwestlich von Warschau und steht mit über 460.000 Einwohnern auf der Liste der bevölkerungsreichsten Städte Polens auf Platz sechs. Außerdem ist Gdansk Anlass des ersten Edit Wars, den ich persönlich mitbekommen habe. Es war 2003. Es war in der englischen Wikipedia. Deutsche und polnische Nationalisten ähnlicher Angestrengtheit konnten sich nicht einigen, ob die Stadt nun Danzig oder Gdansk heißt. Hilflos naive und offensichtlich überforderte Amerikaner versuchten zu vermitteln. Der interessante Moment kam, als der Edit-War zur Frage überging, ob die Band Danzig nun "benannt ist nach der Stadt Gdansk, ehemals Danzig" oder "benannt ist nach der Stadt Danzig, heute Gdansk".


Hubertus


Hubertus ist ein männlicher Vorname. Er wird NICHT Atze abgekürzt.

Kreuz


Curious Myths p 81
Bild: Page of symbols referenced in s:Curious Myths of the Middle Ages. 1868 von Sabine Baring-Gould. Public Domain.

Das Kreuz ist ein weltweit verbreitetes Symbol, das insbesondere religiöse und kulturelle Bedeutung hat. In diesen Bedeutungen hat sich Wikipedia unentrinnbar verheddert. Einerseits ist das Kreuz-Symbol ein wunderbares Beispiel dafür, welche Probleme das Internetprojekt mit Ambivalenzen und Mehrdeutigkeiten jeder Art hat. Andererseits ist der Streit darum ein tragischer Fall epischen Ausmaßes, der die Wikipedia-Community über Jahre in Aufregung hielt, die Nerven dutzender Wikipedianer verschliss und für Verzweiflung und Frustration allüberall sorgte. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: das Kreuz ist natürlich DAS Symbol des Christentums und symbolisiert Jesu Tod. Daraus folgend wurde † zum Symbol für den Tod. Das † kommt in der Wikipedia in Lebensdaten vor. (Beispiel: * 1600 †1666). Nun waren und sind sich die Wikipedianer nicht einig, ob †ein Symbol ohne jede Bedeutung ist, die einfach Standard ist, oder ob es immer noch christlich konnotiert ist. Bei Artikeln zu Menschen nicht-christlichen Glaubens kam und kommt es zum Streit. Ist das Kreuz nun eine christliche Usurpation von Nicht-Christen oder ist der Versuch deren Tod anders darzustellen - beispielsweise durch "gestorben 1666" ein Verbrechen an enzyklopädischer Neutralität und verstößt gegen die Einheitlichkeit der Form, die anzustreben ist? 

Lutz Heilmann


Siehe → Streisand-Effekt

Narrenschiff 


Das Narrenschiff (alternativ: Daß Narrenschyff ad Narragoniam) des Sebastian Brant (1457–1521), 1494 gedruckt von Johann Bergmann von Olpe in Basel, wurde das erfolgreichste deutschsprachige Buch vor der Reformation. Es handelt sich um eine spätmittelalterliche Moralsatire, die eine Typologie von über 100 Narren bei einer Schifffahrt mit Kurs auf das fiktive Land Narragonien entwirft und so der Welt durch eine unterhaltsame Schilderung ihrer Laster und Eigenheiten kritisch und satirisch den Spiegel vorhält. Im Wikipedianischen Zusammenhang war das Narrenschiff eine Art Mitteilungsblatt des Hans Bug, in dem er die Wikipedianer und ihre Laster und Untaten kritisierte. Bugs Narrenschiff war inhaltlich und qualitativ von Sebastian Brants Narrenschiff entfernt, wie es heutige Nachwuchswikipediakritiker von Bugs Narrenschiff sind. Wenn etwas in den letzten Jahren extrem gelitten hat, dann das Niveau der internen Wikipedia-Kritik.

München


Wp-stammtisch-muc-2005-10-27 18
Bild: Wikipediastammtisch München 2005. Von: Hella Breitkopf Linzenz: CC-Attribution-Share Alike 3.0 Unported

München?/i [ˈmʏnçn̩] ( bairisch  Minga?/i) ist die Landeshauptstadt des Freistaates Bayern. Sie ist mit ca. 1,45 Millionen Einwohnern die einwohnerstärkste und flächengrößte Stadt Bayerns und, nach Berlin und Hamburg, die nach Einwohnern drittgrößte Kommune Deutschlands und die zwölftgrößte der Europäischen Union. Wikipedia-historisch ist München wichtig, da hier am 28. Oktober 2003, organisiert von → elian, das allerallererste Wikipedia-Treffen überhaupt stattfand. Und nachdem sich die Münchner einmal getroffen hatten und feststellen, dass es gar nicht so schlimm ist, folgten Treffen in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, Boston, Taipeh, Alexandria bis es dann 2014 zum bisher größten Treffen in London mit knapp 2.000 Teilnehmern kam. Siehe auch → Wikimania, Stammtisch.


Nordsee


Die Nordsee ist ein Mehr, ein teil der Atlant, zwischen Grossbritannien, Skandinavien, und Friesland. Siehe auch Kattegatt, die Niederlanden, Deutschland.


Relevanz 


Relevanz (lat./ital.: re-levare „[den Waagebalken, eine Sache] wieder bzw. erneut in die Höhe heben“) ist eine Bezeichnung für die Bedeutsamkeit und damit sekundär auch eine situationsbezogene Wichtigkeit, die jemand etwas in einem bestimmten Zusammenhang beimisst. Das Wort ist der Bildungssprache zugeordnet[1] und bezieht sich auf Einschätzungen und Vergleiche innerhalb eines Sach- oder Fachgebietes. Das Antonym Irrelevanz (Adjektiv: irrelevant) ist entsprechend eine Bezeichnung für Bedeutungslosigkeit im gegebenen Zusammenhang, umgangssprachlich vereinfacht auch für allgemeine Sinnlosigkeit oder Unwichtigkeit. Das Fremdwort für eine allgemeine, qualitativ messbare Wichtigkeit ist Importanz. Siehe auch → Löschkandidaten, Relevanzkriterien, Inklusionismus, Exklusionismus, Tschunk.

Strecke


Eisenbahnstrecke wird die Verbindung von Orten mit einem Schienenweg genannt. Im Gegensatz dazu bezeichnet der Begriff (Eisen-)Bahnlinie den auf diesen Strecken regelmäßig stattfindenden Verkehr. So können auf einer Strecke mehrere Bahnlinien oder eine Bahnlinie auf mehreren Strecken verkehren. Nach herrschender Meinung in der Wikipedia sind Strecken relevant und Linien irrelevant. Oder umgekehrt. Ich kann es mir nicht wirklich merken. Wobei die Regel zwar grundsätzlich gilt, bei Wiener Straßenbahnlinien gelten allerdings Sonderregeln und es ist andersrum. Und da wundert man sich, warum sich niemand mehr an Artikel zu Eisenbahnen herantraut.

Volker Grassmuck


Volker Grassmuck (* 1961 in Hannover) ist ein deutscher Publizist und Soziologe. Er ist assoziierter Professor für Mediensoziologie an der Leuphana Universität Lüneburg. Wikipediahistorisch ist Grassmuck gleich zweimal wichtig. Zum einen war er auf der Gründungsversammlung von → Wikimedia Deutschland anwesend, was uns ein wunderbares Video bescherte.

Zum anderen veröffentlichte er 2002 ein Buch über Freie Software. Dieses Buch enthielt eine Fußnote, in der Wikipedia erwähnt wurde. Diese Fußnote brachte nicht nur den Verfasser dieser Zeilen zur Wikipedia, sondern auch → elian zur Wikipedia brachte.

Weiterlesen


Längerer Text zu Pokémon in der Wikipedia.

Weitere Texte zu online: Kultur in Iberty!




August 06, 2018

Crossposting eines Posts von mir aus dem Wikipedia Kurier. Erfahrungsgemäß lesen das dort und hier ja doch andere Menschen.

Wikipedistas kommen und gehen. Manchmal gehen mehr, manchmal weniger. Einzelne davon fallen durch ihr Wirken in der gesamten Wikipedia auf oder versuchen sich wenigstens durch einen spektakulären Abgang in Szene zu setzen. Die meisten Autoren und Autorinnen aber gehen genauso still und leise wie sie gekommen sind und gearbeitet haben.

Die unseligen Autorenschwund-Debatten der unseligen Wikimedias kümmern sich ja um Zahlen und nicht um Autorinnen und Autoren. Wie armselig! Den Meta-aktiven Communitymitgliedern - aka Wikifanten - fallen vor allem die anderen Wikifanten auf, die entschwanden. Dabei zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass es um lauter einzelne Individuen mit verschiedenen Vorlieben, Arbeitsstilen und Interessen geht, die in Wikipedia tätig waren und sind. Es gibt vor allem diejenigen, die kommen, einen Beitrag leisten und dann wieder verschwinden. Der größte Teil der tatsächlichen Wikipedia wird von Menschen und Accounts gestaltet, deren Edits fast nur im Artikelnamensraum aufzufinden sind. Manchmal arbeiten sie unermütlich über viele Jahre, manchmal auch nur einige Wochen an einen oder zwei Artikeln. Viele davon sind als IP aktiv, so dass sich fast nichts über sie sagen lässt. Vielleicht sind die Beitragenden per IP auch gar nicht viele, sondern eine einzige sehr fleißige Autorin? Wer weiß?


 Viele Wikipedianerinnen und Wikipedianer sind derzeit inaktiv.

Anlässlich des Projektes WikiWedding und in meinem Bestreben möglichst viele Wedding-Aktive daran zu beteiligen, lese ich ja derzeit viele Artikel zu einem Themengebiet, das mir in den letzten Jahren eher fremd war und an dessen Entstehung ich nicht beteiligt war. Wer sich in den letzten Monaten am Thema beteiligt hat, ist mir bewusst, wer sich von 2001 bis 2014 des Weddings angenommen hat, musste ich nachlesen. Eine spannende Lektüre voller mir unbekannter Namen und Accounts. Neben einigen mir bekannten Wikipedistas waren dort vor allem mir unbekannte Accounts. Accounts, die oft aufgehört haben zu editieren. Meist sind sie still und leise gegangen. Ihre Edits und Kommentare geben keinen Hinweis warum. Aber anscheinend war es anderswo schöner. Oder sie hatten den Einruck, alles in Wikipedia geschrieben zu haben, was sie beitragen wollten. Um diesen Autorinnen und Autoren zumindest nachträglich etwas Aufmerksamkeit zu geben, um ihre Namen kurz aus den Tiefen der Versionsgeschichten zu retten, sollen hier einfach einige Autorinnen(?) und Autoren gewürdigt werden, die sich um den Wedding in Wikpedia bemühten bevor sie verschwanden.



Da ist zum Beispiel der Artikel zur Chausseestraße. Ein Mammutwerk von Gtelloke, dessen Wikipedia-Edits sich von Juni bis Dezember 2012 fast ausschließlich auf diesen Artikel beschränkten.

GWT 45, Chausseestraße 114-118, Juni 2005

Bild: Die Chausseestraße 114-118 in Richtung Invalidenstraße von Gtelloke
Lizenz: CC-BY-SA 3.0



Da ist der Artikel zum Wedding selber. Angelegt 2002 von Otto, dessen letzter Edit aus dem Dezember 2004 stammt. Im November 2004 dann maßgeblich ausgebaut von Nauck, der sich auch sonst dem Ortsteil und seinen Themen widmete. Artikel zu Moabit, den Meyerschen Höfen, Mietskasernen und Schlafgängern waren Teil seines kurzen Werks, das im Wesentlichen nur zwei Wochen im November 2004 dauerte, aber die Grundlagen wichtiger Artikel zur Berliner Sozialgeschichte legte. Ein Blick auf seine Benutzerseite zeigt auch den Geist der Wikipedia-Frühzeit: ''GNU rockt! Der König ist tod, lang lebe das Volk! Lang lebe die Anarchie des Netzes! Licht und Liebe''

Weiterer Ausbau erfolgte durch 87.123.84.64, auch zu wikipedianischen Urzeiten. Dann passierte 500 Edits und acht Jahre im Wesentlichen nichts – mal ein Halbsatz hier, mal die Hinzufügung von drei Bahnstrecken dort, Hinzufügen und Löschen von berühmten Persönlichkeiten bis im Dezember 2014 der erste heute noch aktive Wikipedianer hinzukommt: Fridolin freudenfett verpasst dem Artikel mit „Katastrophalen Artikel etwas verbessert)“ eine Generalüberholung.

Der Leopoldplatz; angelegt von Frerix, der in den immerhin fünf Jahren seiner Wikipedia-Aktivität nie auch nur eine Benutzerseite für nötig hielt und anscheinend auch in keine Diskussion verwickelt wurde.  Zu seinen wenigen Beiträgen gehören neben der Anlage des Leopoldplatzes auch noch die Anlage der englischen Stadt Sandhurst, die Anlage des Kreuzviertels in Münster und des Three Horses Biers. Dann war er/sie wieder weg. Mutter des Artikels ist hier aber 44Pinguine, die den heutigen Inhalt maßgeblich prägt und auch heute noch aktiv ist.

Da wäre das Wahrzeichen des Weddings. Die Alte Nazarethkirche. Der Artikel stammt vor allem von 62.246.210.30.

Alte Nazarethkirche 2

Bild: Leopoldplatz, Ev. Alte Nazarethkirche, 1832–35 von Karl Friedrich Schinkel von Schliwiju
Lizenz CC-BY-SA 4.0

Nichts war für die Entwicklung des Weddings wohl so entscheidend wie die Geschichte der AEG. Dieser Artikel stammte in seiner Frühzeit von WHell, engagiertem Wikifanten, mit ausführlicher Artikelliste und Diskussionsseite, der uns 2007 verließ. Der letzte Eintrag auf seiner Diskussionsseite war „Hallo WHell, ich möchte Dich als den Hauptautor darüber informieren, dass ich den Artikel John Bull (Lokomotive) in die Wiederwahl zum Exzellenten Artikel gestellt habe,“ Größere Beiträge zur WEG folgten in den späteren Jahren durch Peterobst – aktiv von Februar bis April 2006 vor allem mit Beiträgen zur Berliner Industriegeschichte, nach seiner Benutzerseite AEG-Kenner und in Arbeit an einem Buch über den Konzern. Es folgten 80.226.238.197, von Georg Slickers 2006 (auch heute noch aktiv, wenn auch recht unregelmäßig), Flibbertigibbet 2006 , 79.201.110.89 im Jahr 2008 und der unermüdlichen 44Pinguine. Weiter ausgebaut von Onkel Dittmeyer, aktiv von 2009 bis Juli 2015 in Technikthemen und vielleicht immer noch unter neuem Account? Begann seine Karrier mit der Nutzerseite „Hier ist Nichts und das soll so bleiben !“ und hielt sich im Wesentlichen daran.

Da ist der Volkspark Rehberge. Angelegt von Ramiro 2005, aktiv 2005/2006, vor allem zum Thema Fußball. Maßgeblich ausgebaut, umfassend überarbeitet 2007 von 84.190.89.208 und noch einmal 2010 stark erweitert von Katonka. Landschaftsplaner mit unregelmäßigen Edits zwischen 2009 und 2014, die Edits waren wenige, aber die Qualität war hoch.

LSG-6 Volkspark Rehberge Berlin Mitte

Bild: LSG-6 Volkspark Rehberge Berlin Mitte - Panoramabild auf die Wiesen des Volkspark Rehberge in Berlin, Wedding (Mitte). Von: Patrick Franke Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Neben diesen Verschwundenen tauchen glücklicherweise aber auch heute noch aktive Wikifanten auf. Immer wieder 44Pinguine und Fridolin freudenfett. Darüber hinaus Definitiv, Magadan, Flibbertigibbet und Jo.Fruechtnicht.

Die Artikel entstanden durch Wikifanten und IPs. Accounts mit nur einem Thema oder anderen, die über Jahre thematisch sprangen. Während in der Frühzeit aber viele verschiedene Accounts und IPs an den Artikel beteiligt waren, waren in den letzten Jahren deutlich weniger Menschen aktiv. Fast alle inhaltlichen Edits in den von mir angesehenen Artikeln verteilen sich auf 44Pinguine,  Fridolin freudenfett und Definitiv. Wikipedia wird kleiner und noch lebt sie. Aber wir können all‘ den Verschwundenen danken, die vor uns kamen.

June 06, 2018

Das erste mal in der Geschichte der Menschheit trafen sich Wikipedia-interessierte Menschen, um gemeinsam und im Austausch die Cocktail-Artikel in der Online-Enzyklopädie zu verbessern. Erkenntnisse. des Tages: viele neue Teilnehmer; die Cocktail--Interessierten waren unfassbar freundlich; echte Nerds lassen sich auch von einem Raum voller frei-Alkoholika nicht von der Tätigkeit abhalten; ein guter Cocktail ist schon was besonderes. 

Wiki Loves Cocktails logo symbol

Cocktails in der Wikipedia


Was mich an der Wikipedia fasziniert, ist die unglaubliche Vielfältigkeit der Themen und Perspektiven. Was ich sehr schätze, ist, dass dort jedes Thema vom Pizzakarton bis zur UNO-Vollversammlung ernst genommen wird. Die Wikipedia hat den Anspruch hat über alles fair, ausgewogen und mit Hintergrund zu informieren. Dazu gehören auch Nischenthemen wie Cocktails: (fast) jeder trinkt sie, aber die wenigsten kommen über gesundes oder auch seltsames Halbwissen hinaus. Um so dankbarer bin ich dem Benutzer:Mangomix, der sich seit Jahren den Cocktailartikeln annimmt, und versucht diese auf ein lesbares Niveau zu heben. Artikel wie beispielsweise der Old Fashioned sind Mangomix mittlerweile großes Kino. Er schreibt aber nicht nur selbst, sondern hat im Laufe der Zeit ein Projekt in der Wikipedia zu diesem Thema gegründet, dessen erstes Treffen Ende September in Hamburg stattfand: sich über Cocktails austauschen, Cocktails so fotografieren wie sie aussehen sollen und potenziellen Neuautoren Wikipedia vermitteln. Klang spannend, sinnvoll und lecker: also nichts wie hin.

Bildrechte und Tequila


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Royal Bermuda Yacht Club Bild: Ralf Roletschek [FAL], via Wikimedia Commons

Also abends nach der Arbeit in den Zug gefallen und nach Hamburg gefahren. Die Ankunft in der Stadt war irritierend: auf dem Fußweg vom Hauptbahnhof zum Wikipedia-Kontor-Hamburg sind mir mehrfach betrunkene Menschen in Dirndl und/oder Lederhosen entgegengekommen - liebe Bayern, ihr wisst dass der Rest der Menschheit bald nur noch an Saufen denkt, wenn er eine Lederhose sieht?



Aber egal, angekommen im Kontor fühlte ich mich gleich heimisch auf einer Wikipedia-Veranstaltung: es gab einen Powerpoint-Vortrag über Bildrechte; auch wenn es da wenig neues für mich gab, war die Menge der Anwesenden doch spannend: einige Wikipedianer, vor allem aber nicht-Wikipedianer - echte Cocktails-Nerds, die neben ihrem wahrlich enzyklopäidschen Interesse und Wissen über Cocktails auch auszeichnet, dass sie unfassbar nett sind. Es folgt noch ein kleiner Geburtstagschampagner(*) und dann ein Ausflug in den Chug-Club - wie quasi alles an dem Wochenende sehr empfehlenswert - und ein kleiner Mankind (Tequila, Jajapeno, Ananas) zum Abendessen. Um es dann nicht allzuspät werden zu lassen - der Samstag wartete ja schon mit Aufgaben - gingen wir zu halbwegs zivilen Zeiten. Überraschenderweise hatte ich den Eindruck dass wir noch die nüchternsten Anwesenden in einer Freitag-Spätabend-U-Bahn-in Hamburg waren.

Mixen, Schreiben, Fotografieren


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Allzeit bereit. Bild: Ralf Roletschek [FAL], via Wikimedia Commons

Aber wir waren ja nicht zum Feiern da, sondern zum Arbeiten. Am nächsten Morgen folgte der Aufbruch vom Hotel, vorbei an einer nahegelegenen Pferdemetzgerei (hjamm, lecker) und mit der U-Bahn einmal in ein Gewerbegebiet am anderen Ende Hamburgs. In der Bahn dann Unterhaltungen über Dance-Musik, den Salz-/Esseiggurkenäquator quer durch Deutschland und echtes Barbecue in Berlin. Schlußendlich kamen wir bei einem Abfüller und Importeur von Spirituosen und anderen, überwiegend alkoholischen Getränken an, der freundlicherweise die unternehmenseigene Bar und deren Getränkebestand für das Shooting zur Verfügung stellte.

Die Cocktailianer bauten und bastelten, Zutaten wurden gesichtet, Zitronenkisten ausgepackt, Gläser noch einmal abgewischt und kurze Diskussionen über die Relevanz und Wichtigkeit einzelner Cocktails fanden statt. Die Zeit war begrenzt und dank Mangomixes' praktischer Liste der meistgelesenen Cocktailartikel (**) in der Wikipedia wussten wir auch recht gut, wofür die Leserinnen und Leser sich tatsächlich interessieren. Die ersten Cocktails wurden gemixt, nicht ohne Diskussionen über richtige Glaswahl und Garnierung und quasi im Minutentakt durch das Lichtzelt geschoben.

Double straining a cocktail
Doppelt abseihen Bild: von SKopp (Eigenes Werk) [CC BY 4.0], via Wikimedia Commons

Da das Tempo der Fotografen das Tempo der Mixer überstieg, kam bei der Gelegenheit auch noch das gesamte Bar-Equipment vor die Kamera. Fachbücher waren auch noch vorhanden, so dass Menschen wie ich - der ich der Fotografie-Materialschlacht immer so gar nichts abgewinnen kann - auch noch ein paar nette Artikel schrieben konnte, wie der zum Bronx-Cocktail oder zur Cocktailkirsche. Gleichzeitig war dies natürlich eine gute Gelegenheit zur inspirierenden Recherche: ich sah mfangreiche Recherchen zum Tequila und habe mich selbst mal über Martinez und Royal Bermuda Yacht Club kundig gemacht.

Horses Neck
Horse's Neck Bild: von Cocktailmarler (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Cocktails wurden natürlich auch getrunken, es wäre ja zu schade gewesen, alles wegzuschütten. Allerdings sind auch größere Teile im Abfluss gelandet - sei es weil diversen Cocktails nach der Fotografiererei untrinkbar warm geworden waren, sei es weil die Leute ja da waren, um Dinge zu tun - und dabei doch eher nüchtern bleiben wollten. Immerhin, es gab Kostproben, und wie es sich gehörte wurden diese rumgereicht und jeder hat mal probiert. Was mir immerhin einen Schluck vom besten Cuba Libre meines Lebens, einen Ramos Gin Fizz (auch der beste, aber nicht schwer, weil der erste) und den bereits erwähnten Royal Bermuda Yacht Club einbrachte.

Und dann hört es auf 


Leider musste ich dann los. Verpasste den Rest des Samstags-Shootings, ebenso wie den - sicher extrem deliziösen - Abend und die Fortsetzung der Veranstaltung am Sonntag. Ein Wiederholen ist auf jeden Fall sehr angebracht!

Wiki loves cocktails
Bild: von UweRohwedder (Eigenes Werk) [CC BY 4.0], via Wikimedia Commons

(*) Für die Menschen, die sowas interessiert: alle Getränke auf den Abendveranstaltungen waren privat gezahlt.
(**) Wes es interessiert, und wer zu faul ist zum clicken: die Top 3 im August waren Hugo, Mojito und Caipirina. Jetzt im Herbst (September) sieht es schon wieder anders aus mit Airmail, Mexikaner und Martini und über das ganze Jahre gerechnet ist wohl der Martini der absolute Favorit.

I still remember the time when real life meetings for Wikipedians were new and adventurous and a bit scary. Did one really want to meet these strange other people from the Internet? How would they be? Could they even talk in real life or would they just sit behind a laptop screen staring on it for hours?

My first meeting in Hamburg – THE first Wikipedia meeting in Hamburg - would consist of three people (Hi Anneke, Hi Baldhur!) sitting in a pub, and just waiting and seeing what would happen. These meetings were kind of improvised, in a pub, quite private and personal in nature and no talk about projects, collaborations, “the movement” whatever. Just Wikipedia and Wikipedians having a nice evening.

WP15 Germany Berlin 01
Bild: By Sargoth, CC BY-SA 3.0

So what a fitting setting to celebrate this day in Berlin just the old school way. Half improvised, organized by our dearest local troll user:Schlesinger on a talk page, we met in a pub, it was not clear who would come and what would happen except some people having a good time.

And so It was. In the “Matzbach” in the heart of Berlin-Kreuzberg seven people promised to come, in the end we were almost twenty. Long time Wikipedians, long-time-no-see-Wikipedians, a Wikipedian active mostly in Polish and Afrikaans, some newbies and two and a half people from Wikimedia Deutschland. Veronica from Wikimedia Deutschland brought a tiny but wonderful home-baked cake, and we just talked and laughed, talked about history and future.  Actually, mostly we talked about future.

WP15 Germany Berlin 03
Bild: By Sargoth, CC BY-SA 3.0

About the Wikipedian above 30, who has just started a new a university degree in archaeology, the question whether the Berlin community should have its own independent space, industrial beer, craft beer and the differences, the district of Berlin-Wedding, the temporary David-Bowie-memorial in Berlin-Schöneberg, the vending machine for fishing bait in Wedding, new pub meet-ups in the future, who should come to the open editing events, how to work better with libraries, colorful Wikipedians who weren’t there, looking for a new flat, whether perfectionism is helpful or rather not when planning something for Wikipedians, explaining Wikipedia to the newbie, the difficulties of cake-cutting and whatsoever.

No frustration, almost no talk about meta and politics, just Wikipedians interested in the world, Wikipedia and eager to be active in and for Wikipedia and with big plans for the future. Old school. So good.

WP15 Berlin Torte angeschnitten

Eine gelöschte Schlachteplatte führte mich in die Vergangenheit zu zwei rundlichen Herren mit Schnauzbart auf dem Straight-Edge-Konzert. Der Wikipedia-Schreibwettbewerb sorgte dafür, dass ich nachträglich noch beeindruckt von Nirvana war. Ich verstehe Widersprüche, die ich mit 19 einfach so hingenommen hatte:

„Vegan Straight Edge, Eigenbezeichnung auch xVx, oder VSxE war eine Szene innerhalb der Punk/Hardcoreszene. Leitsätze der Szene waren "kein Alkohol, keine Drogen, keine tierischen Produkte". Sie entwickelte sich Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre aus der Straight-Edge-Szene, als diese zunehmend auch vegane Ernährung propagierte und sich politisch für Tierrechte engagierte.“

Dieser Satz steht seit einigen Wochen in der Wikipedia. Er steht dort als Einleitung zum Artikel [[Vegan Straight Edge]], den ich Anfang März 2018 zu schreiben begann. Der Artikel befindet sich schon länger im Stadium des Unfertigen, denn ich habe Probleme. Gab es Vegan Straight Edge wirklich als abgrenzbare Szene? Oder war es eine Szene oder doch zwei verschiedene in den USA und Europa? Kann man sie klar genug vom restlichen Straight Edge trennen? Um die Frage, auf die Rechtschreibung einzudampfen: war es vegan Straight Edge oder Vegan Straight Edge?


Wurstbruehe
Wurstbrühe beim Kochen (Hausschlachtung) von: Jens Jäpel Lizenz: Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“

Fragen über Fragen, die eigentlich nur entstanden, weil sich in der Wikipedia ein linksbewegter Autor und ein landwirtschaftsnaher Autor in einen epischen Streit über Schlachteplatten und Massentierhaltung hineinbewegten. Schließlich kamen beide zum Schreibwettbewerb. Beim Wikipedia-Schreibwettbewerb schreiben Autoren in einem Zeitraum von einem Monat zu einem bestimmten Thema. Eine Jury aus Wikipedianern bewertet den besten Artikel. Die meisten Preise stammen von anderen Wikipedianern und bewegen sich im Rahmen zwischen selbstgemachter Marmelade und Buch-Gutscheinen.

Youth of Today at SO36 (2010)
Youth of Today (2010). von: Libertinus Yomango Lizenz: r Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch“ (US-amerikanisch)

In diesen Wettbewerb nun gerieten die beiden Autoren und eskalierten beim Schreibwettbewerb weiter. Schließlich führte es dazu, dass der eine Autor eine Schlachteplatte als Preis für den besten Artikel mit Veganismus-Bezug aussetzte. Der andere lief kreischend und hyperventilierend um den virtuellen Block lief. Ich dachte „Hausgemachte Schlachteplatten sind super, Veganismus ist spannend. Gerade den veganen Punk-Tierrechtler bin ich schon oft genug in der Realität über den Weg gelaufen. Es wird Zeit, einen Wikipedia-Artikel zu schreiben!“ Die ersten Recherchen sprachen für das Thema: es gibt Autoren, die Vegan Straight Edge als eigene Szene sehen.



Der Schlachteplatten-Preis für den Schreibwettbewerb verschwand kurz darauf nach Intervention der Wikipedia-Administratoren, und mit dem Thema tue ich mich schwerer als gedachte. Aber nun hänge ich drin.   

Straight Edge? Vegan? Hardcore?


Erst war Punk. Dessen Geschichte wurde viele Male erzählt und soll hier vorausgesetzt werden. Aus Punk entwickelte sich Anfang der 1980er in Washington, D.C. die Musikrichtung Hardcore – oder harDCore: musikalisch schneller als Punk und stilistisch alle Überbleibsel des Glamrocks hinter sich lassend. Junge Männer mit sehr kurzen Haaren, in Kapuzenpullis und Chucks spielen präzise sehr schnelle und sehr kurze Gitarrensongs.


Out of Step - der eine definierende Song auf den sich alle Hardcore-Anhänger einigen können. Man beachte auch das schwarze Schaf ganz am Ende.


Fast gleichzeitig mit Hardcore entwickelte sich die Straight-Edge-Bewegung. Straight Edge heißt mindestens „kein Alkohol und keine Drogen“, konnte aber noch um beliebige "No"s erweitert werden: Kein Sex, kein Kaffee, kein Fleisch, keine Milch, kein Leder, kein was auch immer. Eine Jugendbewegung, deren Hauptmotiv der Verzicht war. Wenig überraschend eigentlich, dass ein signifikanter Teil der Bewegung dann vegan wurde.


Rundliche Männer


Ich persönlich denke bei Straight Edge immer an alte, rundliche Männer, eigentümlich wie es ist. Als Randbewohner des Punk-Hardocre-Universums war mir Straight Edge ein Begriff. Aber mir wirkte es zu elitär. Und auch wenn wir alle in der Gymnasium-Langenhagen-Gang nicht viel tranken und vielleicht alle paar Monate mal kifften – Drogen ablehnen aus Prinzip war nie mein Ding. Straight Edge kannte ich aus den üblichen Szeneheften wie dem ZAP oder all‘ den Punk-Fanzines. Aber wirklich in der Szene war ich nie.

Dann war da dieses Straight-Edge-Konzert im Jugendzentrum Langenhagen. Bands, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere, spielten mittelmäßigen Hardcore. Im Publikum tobten sich hunderte schmächtiger, pickliger Jungen in Hoodies und Turnschuhen aus, die alle ein großes X auf der Hand hatten und so böse schauten wie man mit 17 Jahren und 50 Kilo Lebendgewicht halt schauen kann.

Dann waren noch ein paar Dauer- und Stammgäste des Jugendzentrums anwesend, um die 20.  Und im Gang standen diese beiden Männer, die offensichtlich niemanden kannten. Sie waren um die 40, Schnauzbart, klein, rundlich, Hemd und Jacke. Die Schnauzbartträger hatten sich ein großes X auf die Hand gemalt – als wären Sie direkt einer Comedyserie über schlecht getarnte Zivilpolizisten entstiegen. Seitdem denke ich bei Straight Edge immer an rundliche kleine Männer mit Schnauzbart.


Straight Edge und die Polizei


Nun war es nicht überraschend, dass die Polizei auf diesem Konzert auftauchte. Ausgerechnet diese verhärmten Jünglinge standen mindestens im Verdacht, staatsgefährdende Straftaten zu planen. Drogen wurden auf Straight-Edge-Konzerten natürlich weder gehandelt noch konsumiert. Dafür war die Szene weltweit latent gewaltaffin, in Europa auch eng mit Autonomen, Linksradikalen und radikalen Tierbefreiern vernetzt.

Jugendzentrum Glocksee seitlich
Unabhängiges Jugendzentrum Glocksee (2010). Autor: AxelHH Lizenz: Public Domain

Die Auftrittsorte waren hier, wie im Jugendzentrum Langenhagen, fast immer ehemals besetzte Jugendzentren oder autonome Jugendzentren wie das UJZ Kornstraße in Hannover oder das Glocksee in Hannover oder gleich ganz besetzte Häuser. Politik, Hardcore und Straight Edge hingen für mich immer zusammen. (wie dem auch heute noch ist: wie man jedes Jahr auf dem Resist to Exist in Kremmen sehen kann.)

Für mich waren Punk – Autonome – Hardcore – Besetzte Jugendzentren – sXe – Emocore immer eins – mit verschiedenen Abstufungen und verschiedenen Ausprägungen: aber letztlich dieselbe Szene, deren Mitglieder den Anspruch hatten, die Welt so abzulehnen wie sie ist und eine bessere Welt zu schaffen.

Umso mehr verwirrten mich Bands wie Youth of Today, Cro-Mags oder auch Earth Crisis, die zwar auch echte in der Szene anerkannte Hardcore-Bands waren, aber so unpolitisch bis christlich konservativ – deren Message ich nie verstand. Das war musikalisch nicht viel anders als europäischer Straight Edge, auch mit diesem Weltverbesserungsmessianismus, aber auf eine eigenwillige Art unpolitisch. „Wir wollen die Welt verbessern, können aber nicht sagen, was das Problem ist.“ Manchmal erinnert mich das heute an das Silicon Valley. Wahrscheinlich liegt es gar nicht soweit auseinander.


USA und Europa


Für die Wikipedia-Recherche bin ich das erste Mal gründlich in die Geschichte der Hardcore-Szene vorgedrungen. Bisher hatten da neben den eigenen Erfahrungen und den unzähligen gelesenen Fanzines als Buch Martin Büssers „If the Kids are United“ ausreichen müssen. Nun kamen aber diverse Bücher aus der Berliner Stadtbibliothek hinzu, halbveröffentlichte Bücher in Google Books, digitalisierte Fanzines, Doktorarbeiten und sonst noch alles was da Internet zu bieten hatte.

Da ging mir etwas auf: Hardcore ist größer. Während in Europa und Lateinamerika immer der Zusammenhang Politik-Hausbesetzer-Punks-Hardcore existierte, war das in den USA anders. Gerade die prägende Bands Minor Threat und Fugazi waren nun sehr politisch im europäischen Sinn. Aber viele andere Größen des US-Hardcores übten sich in Jock Culture wie es heißt. Männer, die sich selber ausleben wollen und wenig sonst. Mit ungerichteter Aggressivität, sich manchmal gegen industrielle Tierproduktion richtete, oft genug gegen die eigene Szene.

Die Szene in den USA entwickelte sich unter anderen Voraussetzungen. So gab es dort nie wirklich besetzte Häuser. Die Bands spielten in kommerziellen Clubs, oft zusammen mit anderen Rockbands oder in Washington, D.C. mit Go-Go-Bands. Die linke Szene in den USA war kleiner und abgeschotteter. Konnte man in meiner deutschen Schulzeit gar nicht anders, als sich politisch zu positionieren, wäre der Gedanke sich als Jugendlicher ernsthaft mit Politik zu beschäftigen in großen Teilen der USA geradezu bizarr gewesen. US-Punk und dann US-Hardcore entwickelten sich in einem luftleeren Raum, in mehr oder weniger kommerziellen Clubs. Vegetarismus und Veganismus stießen in großen Teilen der Szene auf ein inhaltliches Vakuum, um so mehr und einfacher konnten sie sich als herrschende Ideologien verbreiten.


Veganismus


Vegetarisch und Vegan wurden Straight Edger und Hardcorler Ende der 1980er. Während einzelne Szeneangehörige schon früher vegetarisch waren, thematisierten Youth of Today im Song No More und die Gorilla Biscuits mit dem Song Cats and Dogs das Thema. Danach entwickelte sich die Sache ziemlich schnell. Es gab Bands wie die Cro Mags oder Earth Crisis, die sich als vegan Straight Edge verstanden.

Sie und ihre Anhänger entwickelten sich schnell hin zum Hardline: militante Tierschützer, die auch aggressiv gegen andere Punks und Hardcore’ler vorgingen, solange sie nicht den strikten Lebensvorstellungen der Hardliner folgten. Da war die einst offene, kreative Szene zu einer Art Sekte geworden. Menschen, die sich als Vegan Straight Edge verstanden, gab es. Aber gab es sie lange genug, um von einer eigenen Szene zu sprechen?

In Europa hingegen, war Veganismus in der Szene immer nur ein Teilaspekt, eingebettet in allgemeine Weltrettung und Kapitalismuskritik. Tatsächlich veganes und vegetarisches Essen war wahrscheinlich verbreiteter, da es oft zum Standard wurde. Die Übergänge allerdings waren dadurch auch fließender.

Und nun geht es mir, wie oft, wenn man mehr zu einem Thema weiß: ich bin ahnungsloser als je zuvor. Es gab vegane Straight Edger. Und zumindest zeitweise haben die sich auch bewusst von den Nicht-veganen abgesetzt. Für Wikpedia reicht es: es ausreichend gibt Literatur, die Vegan Straight Edge (mit "V") beschreibt und selbst unangemeldete Wikipedia-Autoren behaupten, dass es es diese Bewegung noch gibt. Aber waren diese wirklich geschlossen genug für eine eigene Szenedefinition und einen guten Wikipedia-Artikel über sie?

Ausblick: Washington, D.C.


Während ich beim Thema Vegan Straigt Edge ratloser bin, als vor dem Beginn der Recherche, hat sie mir auch neue Welten geöffnet. Washington, DC – die Szene, die vermutlich der europäische Szene am ähnlichsten war. Mit Ian MacKaye als Überfigur, der früh begriff, dass man eigene Labels und Strukturen aufbauen muss, mit der Crew um Dischord Records und mit der sozialen Organisation Positive Force, die der Szene nahestand. Washington wies lange Zeit ein lebendige Szene auf, die im engen Austausch mit dem Vor-Grunge-Hype-Seattle stand.

Eine Szene in Washington, die sich früh politisch verstand – sehr ungewöhnlich für US-Punk – früh Frauen in wichtigen Rollen zuließ; eine Szene in der beispielsweise der 15jährige Dave Grohl (von späterem Nirvana und Foo Fighters Fame) seine ersten Auftritte absolvierte, die Bad Brains – als Reggae-beeinflusste Band – prägend war, und in der auch Bikini Kill und die frühen Nirvana zu ständigen Gästen gehörten. Dann auch die Szene in Washington State um Seattle: uns ja eher bekannt als diejenigen, die Grunge kommerziell und populär machten - hier bestand eine echte, kreative, politische Punk-Szene bevor MTV sie entdeckte. Und in beiden Washingtons: eine Szene mit Dutzenden Fanzines, vermutlich hunderten Bands, die in Bewegung war, sich neu formierte, Sachen ausprobierte und sie wieder verwarf.  

Bands, die ich dabei entdeckte, waren:

Scream mit dem damals 15-jährigen Dave Grohl und der faszinierenden Erkenntnis, was für Langhaarmatten man in den 1980ern auch im Hardcore trug:



Oder Bratmobile, die zur ersten Runde gehörten als die Szene endlich auch Frauen zuließ und diese eigene Bands gründeten:



Vor allem aber entdeckte ich die Go-Go-Szene. Man stelle sich eine Art frühen Hip Hop in funky mit Congas und Bläsersätzen vor. Aber dazu später mehr.

Beim Schreibwettbewerg gewann ich zu recht nichts, da der Wikipedia-Artikel in einem Limbo hängt. Aber ich entdeckte mindestens drei spannende Szenen. Und sehe Helden oder Nicht-Helden meiner Jugend mit anderen Augen. Und das alles nur wegen eines Schlachteplattenstreits.

Weiterlesen


Der unfertige Wikipedia-Artikel zum Thema Vegan Straight Edge.

Zwei Bücher, die mir vieles erklärten:



Marc Andresen / Mark Jenkins: Punk, D.C. Ventil Verlag 2006 (im Original: Dance of Days, Akashic Books 19929. Bericht aus der Szene nach Lektüre zahlreicher Poster und Fanzines. Einerseits mit mehr Detailinfos zu Bands und Orten als ich je haben wollte, aber von den selbst-beteiligten Autoren auch stets auf der Suche nach dem Spirit, der alles zusammenhielt.

Roger Gastman "Pump Me Up. DC subCulture of the 1980s". Ausstellungskatalog zu einer Ausstellung über den Graffiti-Sprayer Cool "Disco" Dan - mit einem breiten Rundumschlag zu allem was in den 1980ern subkuturell in Washington los war. R. Rock Enterprises 2013.

Wie es damals war im Jugendzentrum Langenhagen schrieb ich in Kleinstadt Antifa, 1994

Was der Hardcore-Punk heute so macht, lässt sich auf dem Resist to Exist besichtigen.

Alle Posts zu Politik und Kultur in Iberty liegen unter: Kultur in Iberty!

May 29, 2018


Mensch-Maschine Braunschweig


Im ICE ist Deutschland. Der Zug fährt ein und hält. Das Schild am Gleis behauptet tapfer „Zugdurchfahrt“. Die Türen lassen sich öffnen. Am Zug steht nichts geschrieben, außer Wagennummern, die nicht zu den Reservierungen passen. Das Publikum bleibt irritiert. Etwa die Hälfte der Anwesenden geht in den Zug und bleibt im Wageninnern ratlos stehen. Die andere Hälfte steht ratlos am Bahnsteig. 

Schließlich: Lichter gehen an. Der Zug verkündet mittels seiner Anzeigen nun auch, nach Kassel zu fahren.  Eine Frau entschuldigt sich über die Lautsprecheranlage über die falschen Wagennummern, man solle ich immer zehn wegdenken „Also 22 statt der angezeigten 32.“

Ein Mensch mit re:publica-Bändchen am Arm verscheucht die ältere Dame ohne Reservierung von seinem Platz und liest den gedruckten Spiegel. Ich höre ein angeregtes Gespräch zwischen einem Musicaldarsteller und einer Abteilungsleiterin im Innenministerium, die sich gerade kennenlernen über, den relativen Wert von Musikgymnasien in Berlin. Geht es noch deutscher?

Illustration aus dem Buch ""Le tour du monde en quatre-vingts jours" Alphonse de Neuville & Léon Benett


Passenderweise habe ich ein entsprechendes Buch mitgenommen. Nils Minkmars „Mit dem Kopf durch die Welt.“ Das hat schon auf dem Cover ein ICE-Fenster und geht der Frage nach, was Deutschland bewegt. Minkmar lässt sich über deutsche Normalität aus. Der deutsche Ingenieur, lange Jahrzehnte Sinnbild der Normalität, sei nicht mehr normal. Minkmar erzählt aus seiner französisch-deutschen Kindheit:


„Meine Mutter nannte dann immer eine Berufsgruppe, die uns besonders fern war, nämlich les ingenieurs. Wir waren in Deutschland […] und das ganze frisch aufgebaute Land ruhte auf Säulen, die les ingenieurs berechnet, gegossen und zum Schluss noch festgedübelt hatten. […] Viele Jahre später sollte ich die Gelegenheit haben, diese seltene Spezies besser studieren zu können. Sie saßen direkt hinter mir, zwei ausgewachsene Exemplare: Ingenieure, Familienväter, auf der Rückfahrt von einer Dienstreise. Sie plauderten über die sich verändernden Zeiten. […] Fernsehen, Marken, Politiker, auf keinem Gebiet fanden sich diese beiden braven Männer wieder, alles zu grell und bunt, zu aufgeregt. Ihre spezifischen Werte und Tugenden, Sorgfalt und diese stille Freude an der eigenen Biederkeit, das alles war an den Rand gerückt. Ingenieure waren nun Exzentriker. […] Diese Männer fanden sich kulturell kaum zurecht.“

Wenn „der deutsche Ingenieur“ nicht mehr normal in Deutschland ist, sind es jetzt Ministerialbeamtinnen und Musicaldarsteller?




Forschung Maschinenbau Braunschweig


Minkmar war noch nicht in Braunschweig. Oder Braunschweig ist nicht normal. Da steige ich harmlos aus dem Zug und die Stadt schlägt mir „Deutscher Ingenieur“ rechts und links um die Ohren. Braunschweig hebt das Thema "autogerechte Stadt" in Höhen, die selbst mir als gebürtigem Hannoveraner unerreichbar schienen.

Braunschweig. Bahnhofsvorplatz.


VW ist daran beteiligt, ist klar in der Gegend. Aber nicht nur. Ich wandelte also Freitagabend gegen 21 Uhr auf der Suche nach einem Wegbier durch das verlassene Braunschweig, passierte die Stadthalle und wurde prompt begrüßt mit „Tag des Maschinenbaus. Herzlich Willkommen.“



Vor allem aber  fiel mir bei diesem Wandeln auf, wie unglaublich gepflegt diese Stadt aussieht. Ich erblickte  keine einzige Kippe auf dem Weg. Selbst die Großbaustelle, über die irrte, wirkte irgendwie aufgeräumt. Viel verwunderlicher war, dass selbst die in Braunschweig reichlich vorhandenen 1970er-Großbauten gepflegt und sorgsam hergerichtet wirkten. Die Stadthalle selber, offensichtlicher spät 1960er/früh 1970er-Stil wirkte besser gepflegt als Berliner Gebäude nach zwei Jahren. Die Wege und Lampen darum herum: offensichtlich keine zehn Jahre alt. Sie wirkten wie frisch aus der Packung genommen.

Wegbier. In Braunschweig nur schwerlich aufzutreiben, dann aber stilgerecht,


Selbst die Schwimmbäder sind alle gepflegt(*), alle haben gleichzeitig geöffnet und keines ist aus obskuren Gründen gesperrt. Da spielt nicht nur bürgerschaftliches Engagement eine Rolle, sondern offensichtlich ist auch Geld vorhanden.

Auf dem Hotelzimmer, noch so ein sehr gut gepflegter und hergerichteter Bau, der einem „1970er!“ ästhetisch schon ins Gesicht schreit, mit dem Hotel-Wlan (7 Tage, 7 Geräte) nachlesend, wie das nun ist mit Braunschweig. Bekanntes taucht beim Nachlesen auf: Die physikalische-technische Bundesanstalt mit der Atomuhr; geahntes lese ich (Volkswagen – hey, das ist Niedersachsen und die Technische Universität existiert ja auch) und nicht bekanntes:

„Im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) verfügt die Region Braunschweig über die höchste Wissenschaftlerdichte,[103] im bundesweiten Vergleich über eine hohe Ingenieurquote[104] sowie über die höchste Intensität auf dem Gebiet der Ausgaben für Forschung und Entwicklung. In der Region Braunschweig arbeiten und forschen mehr als 16.000 Menschen aus über 80 Ländern[105] in 27 Forschungseinrichtungen sowie 20.000 Beschäftigte in 250 Unternehmen der Hochtechnologie[106]“

Dazu noch „Braunschweig ist die Stadt mit der niedrigsten Verschuldung Deutschlands.“ Und nach einer obskuren EU-Rangliste ist Braunschweig  die innovationsfreudigste Region der EU vor Westschweden und Stuttgart. Hier lebt der deutsche Ingenieur. Hier lebt die deutsche Technik. Was für ein passender Ort für Jules Verne.


Jules Verne


Jules Verne; französischer Erfolgsautor des 19. Jahrhunderts und vor allem bekannt als "Vater der Science Fiction." Von seinem vielfältigen Werk sind vor allem die Abenteuer-Techno-Knaller wie Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer, die Reise Von der Erde zum Mond oder die Reise zum Mittelpunkt der Erde bekannt. Wikipedia und die Deutsche Jules-Verne-Gesellschaft hatten ein gemeinsames Wochenende organisiert mit einer Tagung zu Jules Verne und Gesprächen zu Wikipedia.

Volker Dehs bestreitet das halbe Programm


Jules Verne, mir vor allem bekannt durch vage Erinnerungen an den 1954er Nemo-Film, Weiß-orange Taschenbücher und einen blau eingebunden Robur-Roman, der mich verstörte, weil er so anders war als die großen mir bekannten Abenteuerromane von Jules Verne. Warum ich überhaupt fuhr: Intuition. Ich hätte nur schwerlich begründen können, was genau mich reizte, aber die Mischung aus Vertrauen in die Veranstalter, Science Fiction und Neugier auf diese andere niedersächsische Stadt nach Hannover, trieben mich dorthin.

Verne selber gilt als Begründer Science Fiction. Und so bringt er als Autor frankophile Literaten und Groschenromanfans, Ingenieure und Naturwissenschaftler zusammen. Besessene Bibliographen waren Thema und Anwesend, ebenso wie die phantastische Bibliothek in Wetzlar – die Mischung der Jules-Verne-Aktiven unterscheidet sich gar nicht so sehr von der Mischung der Wikipedia-Aktiven. Die Perspektiven, aus denen Verne hier unter die Lupe genommen wurden, waren vielgestaltiger als sie es in der Literatur sonst sind. Faszinierend hier war die Neigung unterschiedlicher und leicht besessener Menschen sich zu einem Thema auseinanderzusetzen.

Haus der Braunschweigischen Stiftungen - Veranstaltungsort.



Dementsprechend hatte der Veranstalter, der Wikipedia-Autor Brunswyk das Programm gestaltet: ist Verne eher katholisch oder eher laizistisch? Kam der Wille zur Aufklärung in seinen Büchern durch seinen Verleger Pierre-Jules Hetzel hinein, während auf Verne eher zurückgeht, dass alles menschliche Streben gegenüber der göttlichen Macht sinnlos bleibt? Wen inspirierte er? Ist es eine sinnvolle Frage, dem nachzugehen, welche seiner Voraussagen, sich bewahrheiten? Dazu kamen dann noch Exkursionen zu Friedrich Gerstäcker, Fenimore Cooper, die Ingenieure, die ihre U-Boote dann nach Jules Verne „Nautilus“ nannten – und stark von diesem beeinflusst waren

Für mich brachte das Treffen interessante Erkenntnisse, wie die Tatsache, dass Verne immer Theaterautor oder – produzent werden wollte und wie sehr der Katholizismus sein Denken beeinflusste. Romancier war er eher gezwungenermaßen – und verdiente mit seinen zwei erfolgreichen Theaterstücken in seinem Leben ein Viertel so viel Geld wie mit etwa 80 bis 100 Romanen.

Interessant das Rätseln aller Anwesenden, warum Vernes Roman "der Grüne Strahl" so ein kommerzieller Erfolg war, was niemand der Anwesenden nachvollziehen konnte. Und dann eine Dreiviertelstunde später kam die Bemerkung in einem anderen Zusammenhang, dass "der Grüne Strahl" quasi Vernes einziges Buch mit einer weiblichen Hauptfigur war. Ich ahne einen Zusammenhang, Update: Es kam wie es kommen musst. Da denke ich mal, ich habe etwas entdeckt, dabei habe ich nur etwas falsch verstanden. Tatsächlich ist Der Grüne Strahl nicht das einzige Werk mit einer Protagonistin. Das prägnanteste Buch ist dabei Mistress Branican, da hier die Titelfigur die komplette Handlung quasi im Alleingang bestreitet. Aber auch in anderen Büchern spielen Frauen eine wichtige Rolle (und dieser Umstand war Jules Verne sogar so wichtig, dass er in Interviews darauf hinwies): Die Kinder des Kapitän Grant, Nord gegen Süd, Reise um die Erde in 80 Tagen, Das Lotterielos ... und einige mehr.

Für mich neu war die Erkenntnis, dass ein Großteil von Vernes Werk gar nicht in den Bereich Science Fiction gehört, sondern es (fiktive) Reisebeschreibungen sind. Und selbst dort wo Verne Maschinen und phantastische Gerätschaften erfindet, dienen diese vor allem dem Zweck zu reisen.

Und jetzt recherchiere ich, natürlich, zum Grünen Strahl.

Die Phantastische Bibliothek


Meine beiden Programmhighlights beschäftigten sich nur mittelbar mit Jules Verne. Sie kamen von der Phantastischen Bibliothek Wetzlar: zum einen der Rückblick von Thomas Le Blanc auf Wolfgang Thadewald. Den großen Phantastik- und Jules-Verne-Sammler. Thadewald verstarb 2014. Er lebte in Langenhagen. Mehrere der Anwesenden hatten ihn noch persönlich gekannt. Und die Schilderung seiner Sammlertätigkeit, seiner Liebe zu Büchern und zu Menschen, aber auch die Besessenheit mit der Thadewald an ein Thema heranging und auch von Krankheit schon schwer gekennzeichnet das Arbeiten an Bibliographien nicht lassen konnte – es ließ sich nicht anders beschreiben als bewegend. Sicher war dieser Vortrag mein emotionaler Vortrag des Programms.

Wer auch immer aber auf die Idee kam, den Vortrag von Klaudia Seibel zu Future Life: Wie (nicht nur) Jules Verne dabei hilft, die Zukunft zu gestalten an Ende der Konferenz zu legen: Chapeau! Das Projekt ist, kurz gesagt, ein Projekt der Phantastischen Bibliothek. Die stellt zu bestimmten Themen Dossiers zusammen, wie Science-Fiction-Autoren sie sich vorstellen. Die Berichte  werden manchmal von öffentlichen Stellen, öfter von Großunternehmen bestellt, die damit selber zukunftsfähig werden wollen und in die Zukunft denken.

So als Beispiel: Nanotechnische Ideen in der Science Fiction



Wobei Auftraggeber von Staats wegen selten sind. Die meisten Aufträge kommen aus der Privatwirtschaft. Die allerdings meist gleich umfangreiche Verschwiegenheitsklauseln verlangt, weshalb die Phantastische Bibliothek da wenig zu sagen kann.

Da haben also Autoren und Mitarbeiter der Bibliothek ein profundes Wissen über die Science-Fiction-Literatur und die größte Bibliothek ihrer Art im Hintergrund und seit mittlerweile einigen Jahren eine große Datenbank aufgebaut, was Autoren zu verschiedenen Themen schreiben.

Als jemand, der ich selbst weiß, wie viele Situationen ich durch gelesene Bücher interpretiere – Bilder aus diesen Büchern im Hinterkopf habe und mir immer wieder mal sagen muss, dass ein Roman nur bedingt real ist, glaube ich sofort, dass es nichts gibt, was so sehr Denkprozesse auslösen und Kreativität triggern kann, wie Romane. Der befreit das Hirn gerade vom strikt logisch-folgerichtigen Denken, verrückt die Perspektive etwas nach links oder oben, und schon öffnen sich vollkommen neue Gedankenwege. Die Idee ist so brillant, dass es überraschend ist, dass sie wirklich angenommen wird. Anscheinend wird sie das.


Mensch Maschine Normal


Und nachdem ich dann wieder im Zug saß und das erste Handy-Ticket meines Lebens gekauft hatte, fragte ich mich wieder. Ist diese Stadt – die mir in vieler Hinsicht – so unfassbar „normal“ vorkommt, vielleicht die große Ausnahme? Sind die Musicaldarsteller, die mit „dem Alex“ [Alexander Klaws] telefonieren, normal? Die Menschen im Ministerium? Die größten Jules-Verne-Experten des Landes, die alle noch einen anderen Brotjob haben? Oder eher die Normalität vieler Menschen, die darin besteht, am Ende des Monats zu überlegen, wie denn die letzten 10 Tage mit dem leeren Konto noch überbrückt werden können?





Brauschweig ist die verstädterte Mensch-Maschine-Kopplung. In seiner Normalität sicher schon wieder ein Ausnahmefall in Deutschland. Aber ich sah die Zukunft: sie sitzt in einer Bibliothek in Wetzlar und liest Science-Fiction-Romane.

Weiterlesen


Mit Wikipedianern kann man nicht nur Verne lesen, sondern auch Cocktails mischen: Ramos Gin Fizz für die Enzyklopädie.

Oder man läuft mit Wikipedianern durch den Wedding:Tanz auf dem Guglhupf, Automatenmaden und die „brutalism appreciation society“ im #wedding

Mehr zu Future Life bei der phantastischen Bibliothek: Future Life. 

Zum Jules-Verne-Club

Die Wikipedia-Seiten zur Veranstaltung: Wikipedia:Wiki Loves Jules Verne

Beiträge zur Veranstaltung im Wikipedia-Kurier und im Blog von Wikimedia Deutschland.

Der grüne Strahl im Gesamttext bei zeno.org: Der grüne Strahl

Alle Iberty-Posts zur Kultur stehen unter: Kultur in Iberty!

Anmerkungen


Auch zu Schwimmbädern ein schönes Minkmar-Zitat aus dem Mit-dem-Kopf-durch-die-Welt.Buch:

„Nichts gegen das große Geld und die wenigen, die es genießen können, aber die Stärke mitteleuropäischer Gesellschaften liegt gerade in der Mischung. Für Reiche ist es in Singapur, Russland und Malaysia ideal. […]Glaspaläste und Shopping Malls gibt es auf der ganzen Welt, bald vermutlich auch unter Wasser und auf dem Mond. Öffentliche Freibäder, Stadtteilfeste oder Fußgängerzonen, in denen sich Reiche und Arme, Helle und Dunkle, Christen und Muslime mit ihren Kindern vergnügen und drängeln, gibt es nur hier. Ich fand es immer erstaunlich, dass es in Algerien beispielsweise keine öffentlichen Schwimmbäder gibt oder dass man in den USA oder in Brasilien Mitglied in einem Club werden muss. Das ist eine teure und in vieler Hinsicht sozial sehr voraussetzungsreiche Angelegenheit, nur um mit den Kindern mal schwimmen zu gehen, es sei denn natürlich, jeder hat seinen eigenen Pool im Garten, was, für mich zumindest, wie eine Definition von struktureller Langeweile klingt.“ (s. 104)

May 27, 2018

Für Wikipedia/Wikimedia reise ich mehrmals pro Jahr durch die Gegend. Dabei muss ich muss ich natürlich auch irgendwo übernachten. Daraus entstand diese Serie.

Die Frühlings-Mitgliederversammlung des Vereins fand diese Jahr in Karlsruhe statt. Die Geschäftsstelle quartierte uns dafür im Schloßhotel Karlsruhe ein. Das Schloßhotel liegt direkt am Bahnhof bzw. am Zoo. Warum die Deutsche Bahn glaubte mich für die max. 200m zwischen Bahnhof und Hotel mit dem Bus fahren zu müssen (beim Rückweg sogar mit 1x Umsteigen) wird für ewig ihr Geheimnis bleiben.

Die Aufmachung des Hotels ist so edel wie der Name klingt. Ein repräsentativer Bau aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Das merkt man auch gleich, wenn man den Aufzug betritt: Er ist ein Denkmal und stammt von 1914. Hohe Räume und Teppichboden fanden sich überall. Die Preise des Hotelrestaurants ließen schlucken, auch wenn die Beschreibung der Gerichte sehr gut klang.

Am Empfang war nichts los und so kam ich direkt dran. Der Zutritt zu den Zimmern wird über Nearfunk Chipkarten gelöst: Hat den Vorteil das man keinen Schlüssel mit sich herumschleppen muss. Das Zimmer war schön eingerichtet: Bett, Schranknische, Schreibtisch, Stuhl, Hocker und Sessel. Das Zimmer war vollklimatisiert, verfügte aber trotzdem über einen großen Heizkörper und man konnte das Fenster – vom Typ französischer Balkon – öffnen. Leider war die Straße vor meinem Zimmer so laut das mit offenem Fenster zu schlafen kein Option war – zum Lüftern aber durchaus geeignet.

Das Bett kam mir etwas schmäler als normal vor, war aber durchaus ok. Ein großes und ein kleines Kissen warteten bereits auf mich. Laut Zimmermappe können diverse andere Kissen dazubestellt werden; auf Wunsch kann auch die Bettwäsche täglich gewechselt werden.

Das Bad scheint ein Teilnehmer um den Preis für die kleinste Bad-Grundfläche zu sein. In den ca. 1,5x1,5m großen Raum wurden eine Dusche, ein WC und ein kleines Waschbecken gequetscht – die Tür ließ sich dabei nur halb öffnen und blieb dann an der Klöschüssel hängen. Bei der letzten Modernisierung wurde die die Duscharmatur wohl falsch herum angeschlossen: Ein Schild weißt auf die Vertauschung hin.

Das Zimmermädchen kommt früh – für meine Verhältnisse zu früh. Am Samstag wollte man schon gegen 9:30 saubermachen: Da lag ich noch im Bett. Als ich am Abend ins Hotel zurück kam, war mein Zimmer aber gereinigt worden. Am Sonntag hatte ich vorsichtshalber das Bitte-nicht-stören-Schild an die Türklinke gehängt – als ich gegen 10:45 das Zimmer zum Auschecken verließ war der Herr von der Zimmerreinigung schon da.

Das Frühstück war auch am Wochenende nur bis 10 Uhr. Für mich war die Auswahl mehr als ausreichend: Verschiedene Arten von Brötchen (auch Sesambrötchen), der übliche Wurstaufschnitt, Käse, Cornflakes und die üblichen Frühstück-Getränke eben.

Das Personal, mit dem ich gesprochen habe, war freundlichen und hilfsbereit.

Alles in Allem kann ich mit dem Aufenthalt nur zufrieden sein. Kann WMDE wieder buchen.

May 25, 2018

Berlin ist groß; deutlich größer als alle anderen deutschen Städte. Berlin bietet seinen Bewohnerinnen und Bewohnern immer wieder neue Straßen, Stadtviertel und ganze Bezirke von denen sie noch nie gehört haben. So fand sich dann vor 10 Jahren eine Gruppe Wikipedistas zusammen, die im Rahmen der KNORKE-Touren Berlin erkundete. (Für mehr Hintergrund, hier der Iberty-Artikel) Einige oder viele Wikipedianer treffen sich, neugierig auf die Stadt um sie herum und erkunden sie. Die Treffen finden dabei unregelmäßig statt. Mal sind sie monatlich, mal alle anderthalb Jahre.

Im Januar 2016 traf sich die erste KNORKE-Runde nach über einem Jahr Pause seit zur Tour entlang der Müllerstraße, dem „Ku’damm des Weddings“. Vom Startpunkt aus, dem Angelgeschäft Koss, beziehungsweise dessen Madenautomaten, ging es weiter zu Gänsen, Enten und Schweinen in der Kinderfarm Wedding. Leider überlebten die Maden im Sägemehl nicht den Gang bis zu den Enten und konnten so nicht mehr als Futterspende dienen. Zwischendurch warfen wir einen Blick auf den Abenteuerspielplatz Telux, laut einem der Knorkisten der erste Abenteuerspielplatz Deutschlands.[citation needed]

Wedding Automatenmaden
Berlin-Weddinger Automatenmaden.

Nach dem Besuch der Schweineställe in der Kinderfarm folgte die Innenbesichtigung des Ernst-Reuter-Hauses mit kurzem Blick auf den Biergarten Eschenbräu, bevor es nach Süden Richtung Bayer Health Care (ehemals : Schering) ging. Am Beispiel des Schering-Parkhauses erörterten wir die Existenz der "brutalism appreciation society" und diskutierten die Frage ob Bauwerken des Brutalismus die Fassadengestaltung mit knalligen Farben eher nutzt oder schadet. An der Dankeskirche am Weddingplatz lebten die wilden Zeiten des Roten Weddings wieder auf, Erich Kästner verewigte den Platz mit seinen wilden Straßenschlachten in seinem Roman Fabian.

Berlin Wedding bayer parkhaus 14.11.2015 13-40-01
Ein Fall fur die brutalism appreciation society.

Danach ging es an der Panke entlang zu einem der ungeplanten Höhepunkte der Tour: dem Tanz auf dem Guglhupf. Das Kunstwerk mit dem offiziellen Namen „Tanz auf dem Vulkan“, das offensichtlich von einer engagierten Kunststudentin im ersten Semester geschaffen wurde, regte auf jeden Fall zur intensiven Diskussion an.

Nachdem einem Blick auf das Stadtbad/Stattbad Wedding - das wegen des Brandschutzes geschlossen werden musste - überlegten wir wann es dem Krematorium Wedding wohl genauso geht. Beide Sightseeingpunkte wurden noch mit Geschichten der jetzigen und ehemaligen Bewohner des Weddings abgerundet. Schnee und Kälte zwangen uns dann zu einem Kaffeestop in einem der zahlreichen inhabergeführten migrantischen Geschäfte der Müllerstraße.

Tanz auf dem guglhupf
Kunst im öffentlichen Raum. Der Tanz auf dem Guglhupf.

Dann noch schnell ein Schinkel-Bau, am interkulturellen Garten Himmelbeet die Überlegung ob es ein nicht nur eines Lokals B in Berlin bedarf, sondern auch eines Lokalen Beets B, noch schnell eine weitere Kirche abgehakt, das Rathaus Wedding auf dem ehemaligen Gelände von Onkel Pelles Rummelplatz - auch dieser mit einer Würdigung durch Kästner. Ob die neu eraute Schiller-Bibliothek schick war oder eher nicht, daran schieden sich die Geister. Am Platz des unscheinbaren AOK-Gebäudes erbargen sich die Pharus-Säle, einst das "Wohnzimmer der KPD" im Wedding und die Schiller-Bibliothek. Abschluss für die frierende Gruppe dann schließlich beim exzellenten "Rebel Burger" mit Coleslaw, Pommes-Twister im stilechten denkmalgeschützten 50er-Jahre-Kiosk. KNORKE kommt wieder. Im Jahr 2016 bestimmt.

Krematorium wedding
This is friend is not the end (anymore): Das ehemalige Krematorium Wedding

May 16, 2018


Nach Wacken geht’s zum Kacken.
Der Antifaschist fährt zum Resist.
Auch wenn es pisst. (Henne, Sänger von Rawside)

Junge Männer klettern auf den Bühnenzaun, schwenken die Fahne der Antifaschistischen Aktion. Die Ordnerin mit Union-Berlin-Käppi rennt herbei, versucht sie wieder herunter zu bewegen. Die dünne junge Frau mit der Rockabilly-Frisur, den Docs und dem „No Pasaran“-Tattoo bindet sich derweil die Haare, während zwei andere junge Frauen mit blonden bzw. blauen Haaren dem Typ mit dem halbnackten Oberkörper Schlamm ins Gesicht schmieren. Auf der Bühne rührt ein Russe mit Eishockeytorwartmaske, weißen Markenturnschuhen (wie hat er die in diesem Schlamm so weiß gehalten) irgendwas über Widerstand.

Nebenan, im Kuhstall, die Punks in den Polizeiuniformen, lassen es sich im Backstagebereich gutgehen.  Verkaufsstände verkaufen „NZS BXN!“-T-Shirts, der Drugstore von der Potse in Berlin Schöneberg verkauft Solischnapps und die tschechische Antifa hat einen eigenen Merchandise-Stand.
Willkommen im Dorfe in Brandenburg.




Resist to Exist, existiert seit 2003. 2.500 Punks und Freunde aus Deutschland und Europa hören Punk, Hardcore, Streetcore, HC-Rap und Ska. Ursprünglich aus Berlin-Marzahn,  findet das Festival mittlerweile in Kremmen statt: 3000 Einwohner, zwischen Berlin und Neuruppin, umgeben von Rhinluch mit Kremmener See, Schloss Schwante, Schloss Grossziethen, viel Lehm, viel Sand ein wenig Wald, ein Spargelhof und ein Selbstpflücker-Gemüsefeld.


Leicht touristisch erschlossen, aber dann auch ein Brandenburger Kleinstädtchen mit einer Kirche, einer Stadtbibliothek die Dienstags und Donnerstags einige Stunden geöffnet hat. Das größte Ereignis im Kremmener Jahr ist das Erntefest mit Traktorparade. Und hier: Punks. Mehrere tausend, so viele wie ich sie zuletzt bei den Chaostagen 1994 sah. Antifas in Mengen, die mich an Großdemos in der sächsischen Provinz um die Jahrtausendwende erinnern. Und in der Nähe liegt unser Kleinsttierzoo/Garten.




2016 im August


Es war letztes Jahr im August. Friedlich im Garten Buttermilch-Margaritas trinkend hörten wir trommeln und röhren. So vage von gegenüber? War die Tochter der Nachbarin mal wieder da und hörte jetzt bei voller Lautstärke im Zimmer Tote Hosen? Nachdem es nach drei Stunden nicht besser geworden war, begannen wir uns Sorgen zu machen – nicht dass die Tochter mittlerweile taub geworden war. Wir wandelten die Straße entlang, auf der Suche nach der Geräuschquelle. Am Ende der Straße. Alles unverändert. Okay, die Geräuschquelle ist von wesentlich weiter weg,  dann aber wohl sehr laut.
.


Deutschpunk? Nazirock? Die Musikrichtung ist, wenn man nur die Drums hört und ein unspezifisches Gebrüll des Sängers, nicht immer leicht zu unterscheiden. Und in Brandenburg auf dem Dorfe? Die Musik kommt vage aus Richtung Kremmen. Ein Ort, der sich musikalisch bisher dadurch hervortat, dass in der "Musikantenscheune" der Brandenburger Landesparteitag der AfD stattfand. Lässt sich was zum Konzert googeln?



Madame fand etwas in Kremmen: Resist to Exist, die Bands kannte sie alle nicht, uneindeutig. Ich schaute. Okay, Sham69, Total Chaos. Das ist kein Nazirock. Aber Oi? So in der Brandenburger Provinz geht vieles. Zweiter Blick: Rasta Knast, Fuckin‘ Faces, Distemper,  ganz sicher kein Nazirock. Eher im Gegenteil. Klingt spannend. Aber ein paar der Bands waren ja schon alt als ich noch jung war. Eine Traditionsveranstaltung? Egal, es gilt Lehmberge zu versetzen, keine Zeit für.Festivals, die eh schon halb vorbei sind. .

2017 


Es ließ mich nicht das ganze Jahr über nicht los. Die Bands klangen spannend. Der Lehmberg ist mittlerweile versetzt. Das Lineup 2017 ist meins. Ach, Rawside, war auch meine Jugend und ist mittlerweile ein Kandidat für Nostalgietreffen; aber die waren hammergeil. Und viele Bands kenne ich nicht. Vielleicht sind die U40. Klingt so. Das sieht groß aus, das sieht cool aus. Ich will da hin. Aber nur als Besucher? Langweilig. Wenn, dann richtig. Eintritte für Konzerte habe ich schon 1998 nicht mehr bezahlt. Gut, dass es diese Internetenzyklopädie gibt.


Der Wikipedia-Festivalsommer


Der Festivalsommer der Wikipedia existiert seit 2013: Wikipedianerinnen und Wikipedianer gehen auf Festivals, die Wikipedia-Spendengelder sorgen dafür, dass es auch professionelles Fotoequipment gibt. Danach laden die Beteiligten Fotos von Festivals und Bands unter Freier Lizenz auf Wikipedia. Mittlerweile entstand eine hohe fünfstellige Zahl an Fotos von über 1.200 Bandauftritten und knapp 100 Artikel über Festivals und Bands. Alles ehrenamtlich, alles DIY, in der Form sehr anders als das Resist im Spirit aber noch so weit voneinander entfernt. Da nehme ich Teil, schieße Fotos, schreibe einige Artikel (das Festival hat noch keinen, diverse relevante Bands auch noch nicht) und laufe durch den Matsch.



Das Resist


Das Resist entstand in Marzahn. Marzahn in den 1990ern war kein angenehmer Ort, wenn man links war. Nazis rannten dort einige herum und die waren wenig zimperlich in ihren Methoden. Punks und Linke - die es in Marzahn immer gab und gibt - trafen sich im geschützten Biesdorfer Park. Bis das Ordnungsamt das nicht mehr wollte und mit massiven Polizeieinsätzen begann zu räumen. Es gründete sich "Resist to Exist" und ein Soli-Festival. In Marzahn ist das Festival nicht mehr, dafür ist es schöner und größer als zuvor.



Die Resistenten mussten mehrfach den Veranstaltungsort wechseln und sind seit 2016 in Kremmen gelandet. Was spontan und ungeplant begann, ist mittlerweile ein eigener Verein, eine Vorbereitung, die fast das ganze Jahre über läuft und trotzdem die Verrückten immer noch alles ehrenamtlich machen, mittlerweile reichlich professionell.



Mehrere tausend Besucher im Jahr, das „größte Festival für DIY-Punk und artverwandtes.“ Autokennzeichen sah ich aus ganz, der Schweiz (u.a. am stylischen schwarzen Anarcho-Wohnmobil), Österreich, Italien, Polen, Tschechien, Berlin, Hamburg, Sachsen und natürlich ganz Deutschland. Das Festival ist bis heute ehrenamtlich organisiert, von einem Verein getragen, und wird größer und größer und professioneller. Anscheinend, für mich – hoffentlich! – bleibt es in Kremmen.


Das Resist 2017


2017. Das Jahr des großen Regens. Dauerregen, Starkregen, Dauerstarkregen. Ich genoss den Luxus des nahegelegenen Bungalows, kam erst nach dem Regen aber zum großen Schlamm. Hinter dem Kremmener Bahnhof gleich rechts, die Feldstraße entlang. Die ersten Punks sind auf dem Weg, meist schlammverspritzt, oft Barfuss. Drei freundliche Jungs im Campingstuhl winken mich irgendwo auf die Wiese zum Parken, neben mir ein Bully mit kleinem Vorzelt. Ein längerer Fußweg. Vorbei an vielen Zelten und Strohballen. Durch die „Winterfütterungsanlage für Mutterkühe“ hindurch, die auch als Backstage dient.



Dann das Festival. Menschen! In Massen! Unbeeindruckt vom Schlamm, sich damit bewerfend, auf Hügel ausweichend. Haarfarben in allen Farbtönen. Die AFD und NZS sind hier nicht beliebt! Bier natürlich. Antifa-Merchandise. Auf der Bühne eine Band in Polizeiuniformen, die über Punks lästert. Das Publikum hat Spaß. Das Publikum: Mein Gott, sind die alle jung. Sehr weiblich auch noch. Nichts mit Traditionsveranstaltung. Nichts mit Alte-Männer-fahren-zum-Camping wie in Wacken. Die Szene lebt. Ist politisch. Die Bands sind politisch. Fast fühle ich mich als ältester Anwesender.  Zum Glück gibt es noch eine handvoll Festivalbesucher, die ihre Originalkuttern von 1977 spazierenführen. Aber nicht viele. Jugend. Mit Energie. Sehr wenig Handies, fast niemand, der auf sein Handy schaut, sehr wenige Leute am Fotografieren, sehr viele Leute am Spaß haben.



Auch der Pressegraben bleibt leer. Wir sind eine handvoll Leute, die versuchen die schlimmsten Pfützen zum umgehen und nicht all zu sehr mit Schlamm beworfen zu werden. Auf der Bühne Siberian Meat Grinder. Sieht geil aus. Aber ich verstehe kein Wort – habe später zu Hause noch mal Videos geschaut, verstehe immer noch kein Wort –aber sie geben coole Interviews. Und ich mag die Musik.

The Kids are alright

Nix mit Traditionsveranstaltung. Junge, politische Menschen mit DIY-Ethos, Hammerbands, viel Spaß, wenig Handies, friedlich und doch entschlossen. Ihr seid super.

Weiteres

Für mehr Hintergrundinformationen gibt es hier und hier Interviews mit den Machern des RTEs. Hier bei Uglypunk.  Der Wikipedia-Artikel ist noch in Arbeit.

Das Festival selbst hat ein umfängliches Archiv über all’die letzten Jahre

Schöne kommentierte Fotostrecke bei Bierschinken.net: Resist to Exist Tag 2

Geradezu niedlich war es wie die Lokalzeitungen über das Treffen der Punker berichteten. Durchaus sympathisch und sympathisierend, aber der kulturele Abgrund den es zu überbrücken galt, war groß. Kein Wunder, dass sich die Zeitungen ganz besonders über das Festivalbaby Silas freuten, das auf dem Festival geboren wurde. "Festival-Baby Silas ist wohlauf."


No Way Back

Und zum Schluss:




March 03, 2018

Pikachu ist ein Pokémon. Nein, Pikachu ist DAS Pokémon. Oder, um es im Wikipedia-deutsch zu sagen:

Das Pikachu (jap. ピカチュウ, Pikachū) ist ein fiktives Wesen und das bekannteste Pokémon aus den gleichnamigen Videospielen der japanischen Spielesoftwarefirma Game Freak, sowie eine Kernfigur im zugehörigen Anime. [...] Japanische Forscher des Osaka Bioscience Institute benannten nach dem Pokémon ein neu entdecktes Protein, Pikachurin, welchem eine Rolle beim Bewegungssehen zugeschrieben wird.

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Bild: Ana.b747.pokemon.arp.750pix Von: Adrian Pingstone Lizenz: Public Domain. Warning: One or more elements in this image are protected by copyrightSome parts of this file are not fully free but believed to be de minimis for this work. Derivatives of this file which focus more on the non-free element(s) may not qualify as de minimis and may be copyright violations. As a direct consequence it might be needed to review the copyright status if you crop the picture.

Außerdem ist Pikachu sehr gelb, sehr niedlich und vermutlich das einzige Pokémon, das auch viele Nicht-Spieler kennen. Pikachu wird seit mittlerweile 11 Jahren in seinem eigenen Wikipedia-Artikel vorgestellt. Pikachu begann sein deutsches Wikipedialeben am 25. Februar 2005.



Pikachu im Jahr 2005


Die damalige Beschreibung in der Wikipedia lautete:

Pikachu (ピカチュウ Pikachu) ist ein sogenanntes Pokémon aus den gleichnamigen Computerspielen der japanischen Spielesoftwarefirma GAME FREAK inc., sowie dem dazugehörigen Anime. Pikachu stellt eine Art Maus dar und besitzt überwiegend elektrische Fähigkeiten.  (Blitze schleudern, etc.) – es gehört deswegen zum Pokémon-Typ Elektro. Seine interne Pokémon-Nummer ist 156 (25 nach alter Zählung).
Damit dauerte es immerhin drei Jahre bis auf den Pokémon-Artikel von 2002 der Pikachu-Artikel folgte. Die Entwicklung des Artikelinhalts von 2005 bis 2016 gestaltete sich typisch für einen Wikipedia-Artikel. Weg von spielinternen Informationen "Blitze schleudern", hin zu Informationen, mit denen auch Außenstehenden etwas anfangen können, wie beispielsweise, die Information über das nach Pikachu benannte ein Protein. Es wird deutlicher, warum Pikachu eine Bedeutung über die enge Pokémon-Welt hinaus hat. 

Es kann nur eines geben


Pikachu bleibt bis heute das einzige Pokémon, der in einem deutschen Wikipedia-Artikel beschrieben wird, weil nach Meinung der deutschen Wikipedianer kein anderes Pokémon die enge Welt des Spielekosmos verlassen hat. Ansonsten blieben Detailinformationen zu den verschiedenen Pokémon-Varianten dort, wo sie die deutsche Wikipedia am liebsten hat. Im - viel zu langen und komplett unlesbaren - Hauptartikel zu Pokémon an sich.

Selbst die "Liste der Pokémon" brauchte acht Jahre vom Entstehen des Pokémon-Artikels bevor sie seit 2010 in der deutschen Wikipedia bestehen blieb. Nicht, dass es nicht Leute versucht hätten und sich die Liste nicht zwischenzeitlich in den Jahren von 2002 bis 2010 immer mal wieder einige Monate halten konnte. Aber sie fiel dann stets einem Löschantrag zum Opfer.

Die erste Löschdiskussion der Liste im Mai 2006 war dramatisch.:

* "Fangeschwurbel", 
* "Wikipedia ist keine Sammlung fiktiver Nerv-Monster", 
* "Gibt es irgendeinen Mehrwert gegenüber der Pokémon-Wiki außer den Pseudoerklärungen des Namens?", 
*"löschen und nirgends einarbeiten, es wird doch wohl genügend Pokemon-Fanseiten im www geben, die solche Listen führen können."

gegen

* "die Informationen machen den Pokémon-Artikel zu lang", 
* "wichtiges Medium um junge Leser an die Enzyklopädie heranzuführen" 
* "hat Zusatzinformationen wie einzelne Namen".

2006 wurde die Liste gelöscht. Vier Jahre nach dieser Löschdiskussion hat sich die Wikipedia anders entschieden. Heute stehen alle Pokémon von Nummer 1 Bisasam bis zum nicht-mehr-nummerieren Lunala (gezählt der 740. Pokémon) nebeneinander in der Liste einschließlich der Bezeichnung auf englisch, französisch, japanisch und koreanisch, der Typ (Bisasam: Pflanze/Gift Lunala: Psycho/Geist) und der Kategorie (Bisasam: Samen Lunala: Mondscheibe). Für Nicht-Pokémonista ist dort nicht erklärt, was Typ und Kategorie bedeuten.

Braucht Bisasam einen Artikel?


Dabei wäre beispielsweise ein Artikel über Bisasam diskutabel. Nach Pikachu ist Bisasam das Pokémon, das auch außerhalb der Szene am bekanntesten ist. In der Szene selbst ist es sogar beliebter als Pikachu selbst. Immerhin heißt das englische Pokémon-Spezial-Wiki Bulbapedia nach Bisasams englischer Bezeichnung Bulbasaur. Im deutschen Pokéwiki wiederum ist Bisasam der einzige Artikel über ein Pokémon, der als lesenswert ausgezeichnet wurde.

Bisasam brachte es in der deutschen Wikipedia hingegen auf 13 Löschungen, bevor die Seite komplett gegen Neuanlagen gesperrt wurde. Hier eine Übersicht über die Löschbegründungen:


Die Begründungen laufen im Wesentlichen auf "Fancruft" hinaus. Oder, länger formuliert, es gibt nichts über Bisasam zu sagen, was außerhalb der Spiele von Relevanz wäre oder für das es andere Quellen als die Spielanleitungen gibt.

Deshalb ist die Frage nicht unspannend, wie Wikipedia-Artikel über Bisasam aussähe. Im Pokéwiki bestehen normale Artikel über einzelne Pokémon vor allem aus langen Listen von Fähigkeiten, Entwicklungen und Stufen, die tatsächlich nur für Spieler relevant sind - und größtenteils auch für diese überhaupt nur verständlich. Bei Bisasam ist der Text länger: Dort erfahre ich zum Beispiel:

Bisasams Knolle ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Fähigkeiten. [...] Da Bisasam seine Knolle kurzzeitig an der Spitze öffnen kann, kann es die in der Knolle enthaltenen Samen auch offensiv nutzen, indem es den Gegner mit Samen bombardiert oder auf den Gegner einen Egelsamen schießt, der ihn bepflanzt und ihm Energie absaugt...

In den Spielen ist Bisasam vor allem bekannt für seine Rolle als Starter-Pokémon, die es in den Spielen Pokémon Rot, Blau, Feuerrot und Blattgrün innehat. Zu Beginn dieser Spiele kann sich der Protagonist bei Professor Eich in Alabastia eines von drei Starter-Pokémon aussuchen, zu denen neben Bisasam auch Glumanda und Schiggy gehören. Wählt der Protagonist Schiggy, wird der Rivale Blau Bisasam als Starter-Pokémon wählen. In diesem Fall kämpft Blau dreimal mit Bisasam gegen den Protagonisten: In Professor Eichs Labor, auf Route 22 und in Azuria City.
Das gibt mir tatsächlich einen ganz guten Eindruck wie Pokémon funktioniert und wie es sich von innen heraus anfühlt. Geschrieben wurde der Text aber deutlich von Spielern für Spieler. Mehr externe Perspektive als in im Pokéwiki sollte es in der Wikipedia geben.

Bisasam in der englischen Wikipedia


Glücklicherweise sieht die englische Wikipedia das anders mit den Pokémon als die deutsche Wikipedia. Ein Blick auf den Text im Englischen lässt den Vergleich zu. Dort hat zwar bei weitem nicht jedes Pokémon seinen eigenen Artikel - die englische Wikipedia kennt 43 Artikel zu Pokémon von denen es über 700 gibt. Aber Bulbasaur schon.

Der Artikel über Bulbasaur existiert in der englischen Wikipedia seit 13 Jahren und hat mittlerweile 25.000 Zeichen. Er ist ein schönes Beispiel, wie es hätte anders laufen können. Dort erfährt der Leser, dass Bulbsaur/Bisasam von Ken Sugimori gestaltet wurde, der Name sich aus "Bulb" (Blumenzwiebel) und "[Dino]saurier" zusammensetzt. Es werden viele Vorkommen in vielen Videospielen nacherzählt, noch mehr Vorkommen als diversestes Werbemittel von Flugzeugbemalungen über McDonalds-Happy Meals aufgezählt und erwähnt, dass es die Insel Niue eine Münze mit Bulbasaur auf der Rückseite ausgegeben hat. Außerdem hat die Games-Fachplattform IGN Bulbasaur zum 52. besten Pokémon aller Zeiten gekürt.

Und ich frage mich: handelt es sich beim englischen Wikipedia-Artikel nicht einfach um eine Nacherzählung von Pressemitteilungen? Steht in der englischen Wikipedia nicht der Pokéwiki-Artikel in schlechter? Menschen drucken/prägen/gießen/virtualisieren ein fiktives Monster um Geld zu verdienen. Das sollen sie machen.. Aber ist es wirklich ein Enzyklopädieartikel nachzuerzählen wann/wo/wer dieses tat? Ist es mehr als eine Rohdatensammlung?

Ist es sinnvoll, eine Spielanleitung nachzuerzählen, die einerseits niemand nutzt, der nicht spielt, andererseits dann doch nicht detailliert genug ist, um als Anleitung zu taugen?

Vermutlich hat die Existenz des Bulbasaur-Artikels in der englischen Wikipedia Leute an Wikipedia gebunden/nicht verschreckt, die sonst gegangen wären. Vermutlich hat es viel internen Streit vermieden, eher offen an das Thema heranzugehen. Die praktische Erfahrung zeigt, dass Artikelschreiben viel einfacher ist, wenn man sich nicht dauernd gedanken machen muss, ob ein Thema relevant ist. Aber ist es das wert, dass Wikipedia sich gleichzeitig als ausgelagerte Pressestelle von Nintendo präsentiert?

Was lässt sich daraus lernen - nicht über Pikachu und Bisasam - sondern über die deutsche Wikipedia?

(1) Der Umgangston in Teilen der deutschen Wikipedia war schon 2006 unterirdisch.

(2) Die deutsche Wikipedia hat ein hohes Grundmisstrauen gegenüber reinen Datensammlungen. Ein Wiki funktioniert mit Text gut, zumindest technisch ist es mit Datensammlungen schwierig.

(3) Die deutsche Wikipedia hat ein hohes Grundmisstrauen gegenüber kontrollierter Information. Bisasam hat das Pokémon-Universum nie verlassen. Alles was je an Information über Bisasam öffentlich wurde und öffentlich werden kann, geht letztlich auf Game Freak und Nintendo zurück. Letztlich läuft jeder Artikel auf eine Umformulierung von Inhalten der Anbieter zurück. Die deutsche Wikipedia versteht sich nicht als Reformulierer von Pressemitteilungen.

(4) Auch in der deutschen Wikipedia ist die Lage seit 2006 deutlich entspannter geworden. Die Liste der Pokémon immerhin steht seit sechs Jahren in der Wikipedia.

Bonus: Pokémon Go


Als Bonus die Aufrufzahlen für den Wikpedia-Artikel zu Pokémon Go. Der Hype ist schon vorbei.



Weiterlesen

Die Iberty-Artikel zur Kultur im engeren und weiteren Sinne stehen unter Kultur in Iberty! 

Mehr zu einzelnen Aspekten der deutschen Wikipedia findet sich beispielsweise unter Wikipedia von A bis Z. Ein Versuch.

Ein kurzer Einwurf dazu, wo Wikipedia politisch steht: Wo steht Wikipedia so politisch.

February 26, 2018

Was waren das für Zeiten im Jahre 2005. Die Wikipedia war klein. Die Welt war groß und aufregend. Dabei ging es in der Wikipedia nicht nur um abstrakte Konzepte, tote alte Männer und den Stoff der Schullehrbücher. Zum Wissen der Welt gehörte auch Wissen über das persönliche Umfeld, das pralle Leben direkt vor der eigenen Haustür oder in U-Bahn-Nähe entfernt.

Hermannstraße (Rixdorf) Apollo-Theater-Garten anno 1900 AK gemeinfrei  
Ort des erstes KNORKES: die Hermannstraße.

Neben den Artikeln über Philosophie und Physik oder Barock und Bariton entstanden in jenen Anfangsjahren auch Wikipedia-Artikel über das eigene Umfeld. Gerade in Berlin präsentiert sich dieses Umfeld nicht immer hübsch und geleckt, sondern auch mal rau und nicht für jeden Stadtführer geeignet.

So um 2005 beschlossen verschiedene Berliner unter den Wikipedianern (unter anderem die Autoren Cornelius, Achim., Lienhard, Rainer) einen Artikel über eine Straße zu schreiben. Die Hermannstraße ist eine Hauptstraße in Neukölln. Sie macht alles aus, was eben auch Neukölln ausmacht: historische Friedhöfe, sozialer Brennpunkt, Fahrradfahren im Slalomverkehr, lebendiges Leben des Kleingewerbes und jede Menge Casinos und Cafés.

Wenn man über eine Straße schreibt, die vor der eigenen Haustür liegt, liegt es nahe, sich diese persönlich anzuschauen. Wenn man zusammen am Thema schreibt, liegt es nahe, sich die Straße zusammen anzuschauen. Der erste wikipedianische Stadtbegehung war geboren. Am 4. Dezember 2005 fand die erste "KNORKE"-Tour der Wikipedia statt. Der Benutzer Marbot war noch nicht als der Meister des perfekten Protokolls dabei, der er später werden sollte, so dass die schriftlichen Überlieferungen spärlich blieben. Was uns im Archiv erhalten blieb, kulminierte in dem Satz:

Im Handwerkerstübchen rund 1 Meter hoher Cappuccino mit zwei Meter Sahne drauf und gefühlten 68 Keksen rundrum für schlappe 1,50 oder so und so weiter ..

Was auch immer bei jener legendären Tour noch geschah: der Artikel über die Hermannstraße wurde zu einem Artikel ausgebaut, der innerhalb der Wikipedia als Qualitätsartikel gilt(*). Die Stadtbegehung fand wieder statt, diesmal an anderen Orten.

Wannsee29
KNORKE on Tour: Hier auf dem Weg zum Wannsee. Bild: Jcornelius CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons

Bereits am 26. Februar 2006 folgte die zweite Tour  am und um den Hackescher Markt und einen Monat später der dritte Anlauf durch die Prenzlauer Allee.


Betreut, gepflegt und koordiniert von den Autoren Cornelius und Lecartia fanden innerhalb des ersten Jahres 10 KNORKE-Wanderungen von Wannsee/Kladow über die "Rote Insel" in Schöneberg, den Beusselkiez in Moabit bis hin zum Osktkreuz statt. In den folgenden Jahren sank und stieg die Begeisterung.

KNORKE-Touren gab es unter anderem im Bayerischen Viertel, im Zillekiez, Links und Rechts vom Ku'damm, zu den AEG-Fabriken auf dem Wedding/Humboldthain, nach Friedrichshagen und durch das Botschaftsviertel. WIr gingen rund um das Autobahnkreuz Schöneberg, wir folgten den 1920ern in Schöneberg-Nord und erkundeten zuletzt Mariendorf. Zusätzlich fanden Sonder-KNORKES mit Adventsessen oder Spieleabend statt.

Der KNORKE-Enthusiasmus folgte dabei dem Rhythmus der Wikipedia. Nach enthusiastischen Aufbruchsjahren und schneller Expansion, spielte es sich danach etwas ein und verlor etwas an Energie. Insgesamt gab es 48 KNORKES in stark wechselnder Frequenz:

2005: 1 Tour
2006: 9 Touren
2007: 8
2008: 12
2009: 6
2010: 2
2011: 2
2012: 4
2013: 2
2014: 2
2015: 0
2016: 1 (bisher geplant)

Karte Berlin Landnutzung
Berlin, Berlin, wir laufen durch Berlin. Bild: By Maximilian Dörrbecker (Chumwa) CC BY-SA 2.0 or ODbL, via Wikimedia Commons

Die Touren verliefen recht unterschiedlich. Allen gemein ist: jemand lädt auf der KNORKE-Hauptseite ein, dann kommen Menschen und man läuft zusammen offenen Auges und wachen Geistes durch die Stadt. Mal sind es lange Waldwanderungen mit seltenen Kurzpausen wie bei Lienhards Tour durch die Morellenberge im Berliner Westend. Mal gibt es historisch erschlossenes in dichter Folge wie beispielsweise die Tour durch das Schloss Charlottenburg mit Achim, Cornelius und Ralf.

Mal sind es Touren ins wahre Leben selbst, "Berlin in your face" geradezu wie die KNORKE-Pioniertat in der Hermannstraße, Ralfs Führung durch die Potsdamer Straße oder Denis' Tour durch den szenigen Schöneberger Norden. Auf jeden Fall wird viel geschaut, viel geredet und für eine Gruppe von 5 bis 15 Leuten auch überraschend viel gelaufen.

Ab und an werden in Folge oder Vorbereitung der Tour Wikipedia-Artikel geschrieben und verbessert. Anfangs dokumentierten die Knorkisten, welche Artikel und Bilder entstanden, im Laufe der Gewöhnung an den Event ließ der Enthusiasmus bei der Dokumentation allerdings nach.

Mal sind die Touren minutiös vorbereitet und geplant, mal gehen alle aus davon aus, dass sie nichts wissen, aber neugierig sind (wie zum Beispiel in Reinickendorf) und mal wissen die Mitlaufenden auch deutlich mehr als derjenige der die Tour plante. Manchmal glauben die Mitlaufenden nur mehr zu wissen als die Person, die vorbereitete. Das wird anstrengend.

Berlin Wedding bayer parkhaus 14.11.2015 13-40-01
Für das 49. KNORKE folgt die Müllerstraße im Wedding.

10 Jahre - KNORKE ist nicht tot. Im Januar geht es weiter mit einer Tour entlang der Müllerstraße im Wedding. Vielleicht klappt im Februar ja zum 50. mal die Jubiläumsausgabe wieder durch die Hermannstraße.

Berlin ist groß, jeder Berliner entdeckt wohl immer noch regelmäßig komplett neue Stadtteile. Und die Stadt verändert sich: Neukölln 2015 ist nicht mehr Neukölln 2005. Es bleibt spannend.

Weiterlesen


Der Bericht der angesprochenen Tour durch den Wedding findet sich unter Tanz auf dem Guglhupf, Automatenmaden und die „brutalism appreciation society“ im #wedding

Daraus entwickelte sich das WikiWedding-Projekt, um den Wedding mehr in die Wikipedia zu bringen: Randlage.

Zum KNORKE-Jubiläum veranstaltete ich eine Wiederholungswanderung durch die Hermannstraße - die unter anderem zur Erkenntnis führte, dass die Straße kaum besichtigt wurde: Wikipedistas ignorieren wiederholt die Hermannstraße

Alle Posts zu KNORKE und sonstigen kulturellen Aktivitäten liegen unter: Kultur in Iberty. 



November 26, 2017

Mehrfach in der Woche fahre ich mit der Deutschen Bahn (Regionalbahn) und für den Verein und für die Wikipedia fahre ich auch mehrmals im Jahr weite Strecken. Dabei bin ich natürlich auch von Verspätungen und sonstigen Ärgernissen nicht gefeilt – man kennt es ja, und ja, ich schimpfe auch oft.

Heute aber möchte ich die Deutsche Bahn einmal ausdrücklich loben; und zwar dafür, das sie meinen Laptop gerettet haben.

Was war passiert? Ich bin heute vor einer Woche von der Mitgliederversammlung aus Berlin nach Hause gefahren und in Hanau ausgestiegen. Und als ich gerade die Treppe zum Querbahnsteig runtergehen wollte, fiel mir auf, das ich alles mitgenommen hatte – nur die Laptop-Tasche stand noch im Abteil. Zugtüren waren schon zu, der Schaffner hatte schon gepfiffen, der Zug fuhr ohne Erbarmen ab – und mit ihm mein Laptop.

Bahn-Hotline angerufen, relativ schnell jemand am Telefon gehabt. Die haben mich an die 3S-Zentrale in Frankfurt verwiesen. Dort angerufen, gleich jemand dran gehabt. Die haben jemand an den Bahnsteig in Frankfurt (nächster Halt des ICEs) geschickt und den Schaffner informiert. Banges Warten. Dann die Rückinfo: War kein Durchkommen, Zugpersonal hatte Wechsel, Laptop noch im Zug. Nächste Möglichkeit: Mannheim. Dort angerufen, wieder gleich jemand dran gehabt. Gleiches Vorgehen wie in Frankfurt angekündigt. Nach zähen Warten dann der Rückruf: Laptop-Tasche wurde gefunden, und ein Dell-Laptop wäre auch noch drin. Jackpot!

Bin dann am Montag gleich nach Mannheim gefahren. Die Dame im Bahn-Fundbüro war nett, und nach kurzem Suchen hatte sie auch meine Tasche. Die Bahn hatte Inventur gemacht (was man so Alles in so ’ner Tasche hat…), und 5€ später hatte ich meinen Laptop wieder.

Also egal wie sehr ich das nächste Mal wieder fluchen werde, wenn mir ein Anschlusszug vor der Nase wegfährt: Die DB hat wirklich was gut bei mir. Das war echt gute Arbeit.

November 02, 2017

Wie heise bereits gestern meldete, ist Jimbo Wales neues Projekt Wikitribune online gegangen (aktuell wohl noch beta). Ähnlich wie bei wikinews sollen dort wohl Nachrichten entstehen – wobei dort wohl auch neue Nachrichten erstellt werden sollen.

Größtes Problem in meinen Augen ist die Real-Namens-Pflicht – zwar soll es Ausnahmen geben, aber zumindest mein Versuch mich mit Nick anzumelden, wurde von einem Admin abgelehnt; ausgedachte Namen gehen aber durch.

Ob die Welt wirklich noch eine Nachrichten-Seite braucht, bleibt abzuwarten – aber der Lexikon-Markt war ja auch schon mal befriedigt ;-).

October 16, 2017

Wikipedia ist nicht nur eine Enzyklopädie mit dem Anspruch auf Ewigkeit, sondern auch ein Nachschlagewerk für Ephemeres und zeitgemäß Aktuelles. In der Wikipedia stehen nicht nur Artikel über Themen von Bach und Barock bis zu Bismarck oder zur Binomialverteilung. Im Bastelbrockhaus stehen auch Einträge über lebende Künstler, Sänger, Sportler, Unternehmen, Vereine und Stiftungen.

Nun können diese Künstler, Sänger und andere diese Einträge auch lesen und sind – mal zu Recht mal zu Unrecht – nicht glücklich mit diesen Artikeln. Mal sind die Artikel eigenwillig gewichtet, mal lassen sie das Wesentliche aus, mal sind Daten veraltet und ab und an enthalten die Artikel auch echte inhaltliche Fehler.

Artikel über sich selbst oder seine Organisation zu ändern, ist nicht einfach. Manchmal ist es aber für Wikipedia und die Betroffenen hilfreich. Deshalb hier einige Regeln zum Umgang mit dem eigenen Wikipedia-Artikel.

Maze 01
Auf den ersten Blick wirkt Wikipedia unübersichtlich. Bild: Maze01. Von Nevit Dilmen Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

(0) Vorweg: Wikipedia-Artikel sind böse

Die Grundregeln für den Umgang mit der eigenen Person oder Organisation in Wikipedia ist einfach: existiert noch kein Artikel, so ist das gut. Wikipedianer schätzen es gar nicht, wenn Betroffene über sich selbst Artikel anlegen. Die geschriebenen Regeln verbieten die Artikelanlage in eigener Sache nicht explizit. Die - wichtigeren - ungeschriebenen Regeln sprechen sich stark dagegen aus. Umso kritischer werden Wikipedianer die neuen Artikel begutachten, nach Schwächen und Fehlern suchen. Umso schlimmer wird das Spießrutenlaufen für denjenigen, der diesen Artikel anlegt.

Selbst wenn der Artikel durchrutscht, zumindest am Anfang keine Kritik erfährt: Viele der Ersteller und Objekte von Artikeln rechnen nicht damit, was für eine eindrückliche Erfahrung es sein kann, die Kontrolle aus der Hand zu geben, einer anonymen Gruppe von Menschen eine große Bühne zu geben, das eigene Leben oder die eigene Organisation darzustellen. Eine eigene Website oder ein Facebookauftritt kann dasselbe wie ein Wikipedia-Artikel. Aber man behält die Kontrolle.

Wenn eine Person oder Organisation keinen Wikipedia-Artikel hat, dann sollte sie eine Flasche Sekt öffnen, dankbar sein und sich auf andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit verlegen. In vielen Fällen allerdings existiert der Artikel schon, oftmals nicht zur Zufriedenheit der betroffenen Person. Manchmal muss die Person oder Organisation halt damit leben, dass die eigene Existenz nicht nur Feiernswertes enthält. Manchmal hat sie aber auch legitime Gründe zur Kritik: Veraltetes, Unvollständiges, Fehlerhaftes oder eigentümlich Gewichtetes findet sich in vielen Wikipedia-Artikel. Es gibt die Möglichkeit, etwas daran zu ändern.


(1) Transparenz 


Wikipedia ist überaus kritisch gegenüber Bearbeitungen in eigener Sache. Jeder, der Artikel über sich selbst bearbeitet, muss Grundmisstrauen überwinden und Vertrauen gewinnen.Vertrauen gewinnt man durch Offenheit.

(2) Verifizierung 


Speziell für Bearbeiter in eigener Sache und ganz speziell für Menschen, die professionell unterwegs sind, existiert in der deutschen Wikipedia das Mittel der Verifizierung. Bearbeiter melden sich unter dem Namen ihrer Organisation/ ihrer Person an und stellen damit eine Grundtransparenz her. Danach schicken Sie eine Mail an  info-de-v@wikimedia.org und werden dann von Freiwilligen verifiziert. Weitere Details finden sich unter: Wikipedia:Benutzerverifizierung

(3) Diskussionsseiten 

Zu jedem Eintrag in der Wikipedia gehört eine Diskussionsseite, auf der dieser Eintrag diskutiert wird. Um Konflikte und Konfrontationen zu vermeiden, empfiehlt es sich, jede größere Änderung erst auf der Diskussionsseite mit einigen Tagen Vorlaufzeit anzusprechen. Erst wenn dort kein Widerspruch, oder gar Zustimmung, gekommen ist, sollte der Artikel selbst geändert werden. Taucht auf der Diskussionsseite Widerstand auf, so ist die Diskussionsseite zur Diskussion zu nutzen.


(4) Belegen 


Wikipedia ist eine Enzyklopädie, die verlässlich sein will, die aber jeder anonym bearbeiten kann. Zum Ausgleich legt die Community starken Wert darauf, dass jeder inhaltliche Beitrag belegt wird. Als Belege gelten nur Fakten, die anderswo veröffentlicht sind. Sei es in Büchern, Zeitschriften oder Websites. Diese Pflicht geht soweit, dass selbst Aussagen der Person selbst oder amtliche Dokumente nicht akzeptiert werden – sofern diese nicht an einer externen Stelle veröffentlicht wurden.

Belege im Artikel zur Wikipedia (kleiner Ausschnitt)

(5) Klare, harte Fakten. Keine Adjektive 


Artikel über sich selbst zu ändern, ist selbst unter den besten Umständen ein Drahtseilakt. Die Gefahr besteht, auf andere Autoren zu treffen, die dies aus Prinzip ablehnen und versuchen gegen die Edits zu arbeiten. Aber auch diese Autoren sind an Regeln gebunden. Je besser eine Bearbeitung nachgeprüft werden kann und je eindeutiger diese ist, desto höher sind die Chancen, dass sie bestehen bleibt.

Am besten hierfür eigenen sich unstreitige Zahlen und Fakten. Während Fakten einfach und erwünscht sind, ist dies mit Interpretationen schwierig. Diese sind generell in der Wikipedia verpönt. Je niedriger das Vertrauen ist, das ein Autor genießt, desto schwieriger wird es, Text einzubauen, der auch nur entfernt nach Interpretation aussieht. Adjektive sehen immer nach Interpretation und Wertung aus. Sie haben in einem Artikel über einen selbst nichts verloren.

(6) Verständlich bleiben 


Nun gibt es nicht nur die Community, für die ein Text geschrieben wird, sondern auch die Leser. Leser lieben Wikipedia, weil er hier klare, verständliche Informationen gibt, die sich beim ersten Lesen erschließen. Buzzwords, unverständliches, aber auch Fachsprache und Insiderlingo sind verpönt. Die Community achtet darauf dies durchzusetzen. „Geschwurbel“ ist einer der liebsten Begründungen innerhalb der Community um Text zu streichen.

(7) Mit der Community zusammen 


Wikipedia ist ein grundsätzlich offenes System, das von zahlreichen Vandalen, Trollen und Manipulatoren heimgesucht wird. Dementsprechend ausgebildet und etabliert sind mittlerweile die Mechanismen, unerwünschte Bearbeitungen fernzuhalten. Die etablierte Community hat die informellen, formalen und technischen Mittel Text zu verhindern, kann aber auch unglaublich Großartiges vollbringen. Jede Mitarbeit in Wikipedia, die von Erfolg gekrönt sein soll, funktioniert nur im gegenseitigen Vertrauen mit der Community.

(8) Zu vermeiden: Freunde holen 


Manche Autoren fühlen sich von der Wikipedia-Community übermannt oder ungerecht behandelt und versuchen, Freunde zu motivieren, ihnen beizustehen. Kaum etwas ist schlimmer. Die reine Anzahl von Teilnehmenden in der Diskussion hat kaum ein Gewicht. Wesentlich bedeutender ist das Vertrauen, dass den einzelnen Beteiligten in der Community beigebracht wird. Die Community hat ein eingebautes internes Vertrauenssystem, das maßgeblich auf bisherigen Beiträgen beruht. Wenn aus heiterem Himmel plötzlich eine größere Anzahl neuer Nutzer bei einem Thema auftaucht, lässt das bei vielen erfahrenen Wikipedianern Alarmglocken schrillen. Sie reagieren skeptischer und aggressiver. Dabei gilt: gegen eine skeptisch und aggressive Community zu agieren, hat nie Erfolg. Der Versuch, Freunde zu mobilisieren ist bisher immer nach hinten losgegangen.

(9) Das Sichtungsproblem 


Speziell die deutsche Wikipedia hat das Instrument der Sichtungen eingeführt. Das bedeutet: Änderungen an Artikeln werden sofort gespeichert. Wenn diese Änderungen von einem neuen Autor stammen, sind sie aber nicht sofort für die Öffentlichkeit sichtbar. Dafür muss erst ein erfahrener Wikipedianer sein Ok geben. Je einfacher die Edits sind und je einfacher sich ihr Inhalt extern überprüfen lässt, desto schneller wird die Freigabe erfolgen.

Übersicht über die Seiten, die am längsten nicht gesichtet wurden.

(10) Fotos unter freier Lizenz 


Ein einfacher Weg, das Vertrauen der Community zu gewinnen, Inhalte beizutragen und es Wikipedia zu ermöglichen eigene Inhalte zu nutzen, ist das Bereitstellen von Fotos unter freier Lizenz. Das bedeutet, dass diese Fotos im Nachhinein genutzt, verändert und eingebaut werden können. Allerdings muss dabei der Autor genannt werden ebenso wie der Titel des Fotos. So in Wikipedia und von dort aus dann viral durch das halbe Netz.

Rose Stanwell Perpetual バラ スタンウェル パーペチュアル (7887553466)
Ist ein Foto unter freier Lizenz hochgeladen, kann es unter Autoren-Nennung quer durch das Internet gesehen werden. Bild: Rose Stanwell Perpetual バラ スタンウェル パーペチュアル von: T.Kiya Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Weiterlesen


Der Wikipedia mangelt es nicht an Seiten mit Regeln, Vorschriften und Anleitungen. Auch zu diesem Themenkomplex gibt es eher zuviel als zu wenig zu lesen. Als Einstieg empfiehlt sich: Wikipedia:Interessenkonflikt  und die dortigen Links.

Bei Rückfragen zu bestimmten Einzelfällen, gerne auch eine Mail an mich, dirkingofranke@gmail.com

Alle Iberty-Posts zu Netz- und Kulturthemen finden sich unter. Kultur in Iberty! Eine Übersicht.

August 15, 2017

Haben Sie sich für Wikipedia schon einmal ein schöneres Design gewünscht? Vielleicht ein Layout, das nicht an die 80er-Jahre erinnert, eine andere, größere Schrift, vielleicht einfach irgendeine Veränderung?

Dass sich das Design von Wikipedia seit Langem nicht bemerkenswert geändert hat, hat gute Gründe: Eine große, langjährige Community ist mit dem Design gewachsen und hat sich daran gewöhnt. Warum ändern, wenn es so funktioniert? Schwierig wird es, alle in ein Boot zu holen, wenn es darum geht, Veränderungen umzusetzen. Ist anders, neu immer wirklich besser?

Während die Wikimedia Foundation seit 2010 all ihre Projekte auf der Vector Skin laufen lässt, gab es auch Vorschläge wie Athena, die Wikipedia neu zu designen.

Wikipediaredefined.com ist ein externer Vorschlag einer Werbeagentur, Wikipedia von Grund auf umzudesignen. Die Ansätze sind sehr interessant und auch sehr schön und einen Blick wert.

Browser-Reader Wikiwand

Wikiwand ist ein sehr guter Reader für Wikipedia. Als Browserplugin greift er stark in das angezeigte Layout ein und bietet ablenkungsfreies, angenehmes Lesen der Artikel. Manche Detailinformationen von Seiten fehlen hier naturgemäß, es lässt sich aber jederzeit mit einem Klick auf die Originalseite wechseln.

Wikiwand funktioniert auf Chrome, Safari und Firefox, mobil auf iPhone und in beta auch auf Android. Zufälligen Artikel auf Wikiwand lesen.

Alle Bilder: Wikiwand Presskit

Wikiwand Logo Beispielseite NASA Suche Linkvorschau Inhaltsverzeichnis

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July 31, 2017

Wie uns CSteigenberger mitteilt, bekleidet sie seit Anfang Juli eine Position als Community Advocate bei der WMF.

July 30, 2017

Wie uns Tim Moritz Hector als Präsident von WMDE mitteilt hat der Verein begonnen sich – wieder einmal – über die Zukunft von WMDE Gedanken zu machen. Aktuell befragt er dazu externe Dritte, aber in ein paar Monaten dürfen auch wir Normalos uns zu Wort melden.

Meiner Meinung nach sind solch weit-reichende Planungen Zeitverschwendung, weil sie durch die Wirklichkeit eh schnell überholt werden; ich wollte euch aber trotzdem in Kenntnis setzen.

July 20, 2017

Kuebi hat im Kurier eine Analyse über die Einbindungen von Quora – einer Frageseite ähnlich gutefrage.net oder stackexchange.com – als Quelle in der deutschsprachigen Wikipedia gepostet. Von den elf Verlinkungen ist wohl nur Eine wirklich sinnvoll, und das auch nicht als Quelle sondern als Weblink auf eine Primärquelle.

So praktisch solche Seiten auch sein mögen – als Quelle oder Referenz für die Wikipedia sind sie zumeist ungeeignet; Kuebis Text zeigt wieder einmal sehr deutlich, wieso.

July 13, 2017

Heute kam die Reisekostenübernahme-Bestätigung für die WikiCon: Ihr könnt also quasi damit rechnen, mich in Leipzig zu sehen. Für das Programm habe ich die übliche PGP-Keysigning-Party und zwei Vorträge eingereicht; mal sehen, was durchkommt.

Freue mich auf jeden Fall schon 😃.

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