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February 15, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 7/2018

In der Wikimedia:Woche 7/2018 gibt es unter anderem gleich drei neue Wikimedia User Groups, einen Forschungsauftrag der Wikimedia Foundation und sechs Ansätze wie Wikimedia-Organisationen zur Motivation von Ehrenamtlichen beitragen können. Außerdem akzeptiert Wikimedia Commons nun 3D-Dateien im .stl-Format.

Zur Wikimedia:Woche 7/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at February 15, 2018 03:26 PM

February 14, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Das EduCamp: Petrischale für Bildung und Digitales

Christian Leschke from Ilmenau, Germany, EduCamp2008 Ilmenau-Foyer, CC BY-SA 3.0

Die Mutter der Bildungs-Barcamps wird 10 Jahre alt und findet im März 2018 bereits zum 21. Mal statt. Im Jahr 2012 postulierte Co-Organisator Jöran Muuß-Merholz, das EduCamp, damals im zarten Alter von fünf Jahren, sei nun erwachsen. EduPunks seien Mainstream und das EduCamp habe Platz für damals Neues, wie die Bewegung der OER-Camps, geschaffen.

So berichtete Elly Köpf im Wikimedia Blog schon 2012 davon, wie Ideen und Ansätze um Open Educational Resources von dem OERcamp in Bremen auf dem EduCamp in Ilmenau weiterentwickelt wurden. Wenig später, im September 2013, fand das OERcamp in Berlin unter dem Dach der OER-Konferenz der Wikimedia Deutschland statt.

Zum zehnjährigen Jubiläum unterstützt Wikimedia Deutschland den EduCamp e.V. bei der Durchführung des 21. EduCamps. Dieses #educampX findet vom 09. bis 11. März in Neuharlingersiel (Ostfriesland) statt. Zu diesem Anlass an dieser Stelle ein Interview mit Jöran und Kristin Narr, die Teil des Veranstalter-Teams des EduCampX sind. Das Interview führte Christian Friedrich, Referent für Bildung und Wissenschaft bei Wikimedia Deutschland.

Vielleicht sollten wir damit beginnen, in zwei kurzen Sätzen zu erklären, was ein Barcamp von anderen Veranstaltungen und Formaten unterscheidet. Was sind die Besonderheiten aus eurer Sicht?

Kristin: Bei einem Barcamp entsteht das Programm ja erst durch das, was vor Ort von den Teilnehmenden auf die Agenda gesetzt wird. Deswegen sprechen wir gerne von „Teilgebenden“ statt von „Teilnehmenden“.

Jöran: … und deswegen darf sich niemand danach beschweren, dass ihm oder ihr Themen gefehlt haben. Man hätte es ja selbst machen können.

Wie kam es 2008 zum ersten EduCamp? Wer war dabei, was war der Anlass? Gab es einen inhaltlichen Fokus?

Kristin: Es gab Ende 2007 eine Gruppe von Menschen, die sich mit Lernen und digitalen Medien beschäftigte. Man kannte sich vor allem aus der Kommunikation im Netz. Bei diesen Menschen war das Bedürfnis entstanden, sich auch in real life zu treffen und auszutauschen.

Jöran: Maßgeblich muss man im Rückblick auf jeden Fall Thomas Bernhardt, Marcel Kirchner und Steffen Büffel nennen, die quasi die Eltern des EduCamps sind.

Kristin: Im Vergleich zu heute gab es damals einen größeren Schwerpunkt auf das Lernen in Unternehmen und in der Hochschule. Mit der Zeit ist dann der Bereich Schule gewachsen.

In 2016 hat Kristin Narr das EduCamp die „Mutter der Bildungs-Barcamps” genannt. Was steht dahinter?

Kristin: Die Geschichte von 2016 beginnt eigentlich bei Jörans Anrufen …

Jöran: Ich habe eine kleine Podcast-Reihe und hatte dafür mal die Gastgeberinnen und Gastgeber von 10 Bildungs-Barcamps angerufen und sie um eine Vorstellung ihrer Barcamps gebeten. Und die haben fast alle gesagt, dass sie früher auf einem EduCamp waren und dort die Inspiration für ein eigenes Bildungs-Barcamp bekommen haben.

Kristin: … daher die Formulierung mit der „Mutter“: Das EduCamp ist immer da geblieben, aber die Leute haben ganz viele Abkömmlinge gegründet und in alle Richtungen getragen.

Jöran: Das ist schon interessant, weil das EduCamp selbst nicht stark gewachsen ist. Seit 10 Jahren gibt es das zweimal im Jahr, und es kommen immer zwischen 100 und 200 Menschen. Aber von dort aus gehen offenbar viele weitere Aktivitäten aus.

Hat sich die Struktur der Teilgebenden im Laufe der letzten Jahre merklich verändert? Welche Konstanten seht ihr in den behandelten Themen der EduCamps, was ist über die Jahre neu dazugekommen?

Kristin: Ich glaube, es gibt so Wellenbewegungen. In den letzten Jahren ist der Bereich Schule immer stärker geworden.

Jöran: Definitiv. Allerdings sind immer noch alle anderen Bildungsbereiche stark geblieben. Es kommen auch Leute aus Hochschule und Unternehmen, aus der politischen Bildung und der Medienpädagogik, in den letzten Jahren häufig mit Schwerpunkten wie Maker-Bewegung, Gaming, Outdoor etc.

In euren Beiträgen zum EduCamp aus den letzten Jahren schreibt ihr beide darüber, wie das EduCamp auch eine Art zentraler Knotenpunkt wurde, ein Vorbild und Orientierungspunkt für andere Ideen und Trends in der Bildung. Wie und wo seht ihr den Bezug des EduCamps und seiner Community etwa im Kontext der Öffnung von Bildung?

Kristin: Man kann schon ruhig so etwas wie „Avantgarde“ sagen. Bei den EduCamps werden manchen Themen diskutiert, die erst Jahre später in den Mainstream kommen. Es gibt offenbar ein experimentelles Umfeld.

Jöran: Ja, beim EduCamp treffen sich so etwas wie „Early Adopter“. Dazu gehört selbstverständlich, dass Freies Wissen und offene Bildung sehr früh diskutiert wurden. Und es hat wohl auch mit grundsätzlichen Einstellungen zu tun: Für die meisten Menschen beim EduCamp ist selbstverständlich, dass man das Web, Wissen und die Welt gestalten kann, nicht nur konsumieren. Und so ist es auch selbstverständlich, dass von Anfang an die Sessions öffentlich dokumentiert und seit Jahren auch mit freier Lizenz versehen werden.

Könnt ihr das konkreter beschreiben?

Jöran: Ich würde sagen, dass das EduCamp 2011 in Bielefeld einen entscheidenden Anstoß für die Bewegung rund um freie Bildungsmaterialien (Open Educational Resources, OER) gegeben hat. Damals hat netzpolitik.org gerade Planungen für einen „Schultrojaner“ aufgedeckt, der Schulrechner nach urheberrechtlich problematischen Materialien durchsuchen sollte. Viele Menschen hatten damals in Bielefeld gesagt: „Es reicht! Wir brauchen solche Verlage nicht, wir können das mit den Unterrichtsmaterialien selbst in die Hand nehmen.“ Es gab Planungen für eine gemeinsame Initiative zur Produktion und Verbreitung von OER in Deutschland.

Kristin: Ein Jahr später kam dann das erste OERcamp, das war 2012 an der Uni Bremen. Der EduCamps e.V. war sogar Mit-Veranstalter und sehr viele der Teilgebenden kamen aus der EduCamp-Community. Da hat das EduCamp sehr stark zur Geburt dieser Tochter (oder des Sohnes?) beigetragen.

Jöran: Die OERcamps sind dann zu einem wichtigen Kristallisationspunkt der OER-Bewegung in Deutschland geworden. Ohne das EduCamp hätte OER in Deutschland vielleicht nie so einen Schwung gewonnen.

Wenn alles wie erhofft läuft: was wäre aus eurer Sicht das ideale Teilgebenden-Feedback nach dem 21. EduCamp im März in Neuharlingersiel? Was würde euch nach dem EduCamp mit einem Lächeln einschlafen lassen?

Kristin:  …dass die Leute eine gute Zeit zusammen hatten. „Wir fahren ans Meer“ ist ein bisschen zum Slogan für dieses EduCamp geworden. Und gemeint ist, dass möglichst viele Menschen, die ähnliche Sachen umtreiben, einmal ein paar Tage zusammen Urlaub machen. Die Location, das DJH Resort in Neuharlingersiel, und die Umgebung insgesamt bieten so viele (Gestaltungs)Möglichkeiten – tolle Räume, vielfältige Kinderangebote, Rundum-Essensversorgung, Spaziergänge auf den Dünen, Partys am Abend etc.

Wenn dieser Beitrag Interesse geweckt hat dabei zu sein: Wie geht das, was muss getan werden? Braucht es Vorbereitung und eine dicke Geldbörse?

Jöran: Alle sind willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos bzw. wird über Kooperations-, Sponsoren- und Spendengelder abgedeckt. Unterkunft und Fahrt wird von den Teilgebenden selbst getragen.

Kristin: Alles zur Anmeldung findet man auf unserer Website: x.educamps.org

 

Weiter Infos zum EduCamp und Anmeldung: https://x.educamps.org/

Weiterführende Links:

https://www.joeran.de/das-educamp-die-mutter-unter-den-barcamps-im-bildungsbereich/

https://www.joeran.de/jra075-educampx/

http://pb21.de/2012/10/das-10-educamp-ein-barcamp-wird-erwachsen/

 

by Christian Friedrich at February 14, 2018 05:07 PM

February 12, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Fellow-Programm Freies Wissen: Podiumsdiskussion zu Offener Wissenschaft

Erkenntnis kommt durch teilen! Wie Offene Wissenschaft dazu einen Beitrag leisten kann, darum geht es bei der Podiumsdiskussion der TIB Hannover. Bild: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 177, CC BY-SA 4.0

“Wissen ist das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt,” schrieb schon im 19. Jahrhundert die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach. Dass Offene Wissenschaft damit eigentlich eine Tautologie ist, ist jedoch noch nicht überall in der Realität wissenschaftlicher Praxis angekommen. Auch wenn mehr und mehr Forschende ihre eigene wissenschaftliche Arbeit öffnen, indem sie z. B. Forschungsdaten und -ergebnisse frei verfügbar machen, gilt es noch viele Hürden auf institutioneller und wissenschaftskultureller Ebene zu überwinden. Zudem ist nicht zwangsläufig klar, wie offen Wissenschaft wirklich sein kann und wie sich das praxisnah in den eigenen Forschungsalltag integrieren lässt. Deswegen wird im Rahmen einer öffentlichen Podiumsdiskussion diskutiert:

Wie können (junge) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Arbeit offener gestalten und damit für andere zugänglich und nachnutzbar machen?

Die Teilnehmenden des FOSTER-Booksprints, der vom 12. bis 16. Februar an der TIB Hannover stattfindet, geben einen Einblick in das von ihnen erstellte “Handbuch Open Science” und diskutieren mit den Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern, die im Rahmen des Fellow-Programms Freies Wissen von Wikimedia Deutschland, dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung gefördert werden, über ihre Erfahrungen mit offener wissenschaftlicher Praxis. Die Diskussion wird moderiert von Dr. Christina Riesenweber (Open-Access-Beauftragte der Freien Universität Berlin).

* Veranstaltungsort: Technische Informationsbibliothek in Hannover (Lesesaal Patente und Normen (PIN))
* Adresse: Welfengarten 1 B, Marstallgebäude, 30167 Hannover
* Datum und Uhrzeit: 15. Februar, Beginn: 19:00 Uhr und gemeinsamer Ausklang ab 20:30 Uhr

Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, daher bitten wir um Anmeldung vorab. Bitte die Anmeldung mit Vorname, Name und Institut/Unternehmen an wissenschaft@wikimedia.de

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

by Denis Schroeder at February 12, 2018 02:16 PM

February 08, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 6/2018

Mit der Wikimedia:Woche 6/2018 können wir eine neue Wikimedia-Nutzergruppen begrüßen. Außerdem steht nun fest, in welchem Land 2019 die Wikimania stattfinden wird, und es werden zwei neue Podcast-Serien vorgestellt. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, SPD und CSU wurde im Hinblick auf mögliche Auswirkungen auf Freies Wissen analysiert.

Zur Wikimedia:Woche 6/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at February 08, 2018 02:26 PM

Barcamp Open Science: Wie FAIR ist Wissenschaft?

Logo of the Barcamp Open Science by ZBW (Own work), CC0 1.0 , via Wikimedia Commons

Am 12. März richtet der Leibniz-Forschungsverbund Science 2.0 erneut das Barcamp Open Science (ganztägig) bei Wikimedia Deutschland aus. Das Barcamp richtet sich an alle, die sich über Offene Wissenschaft austauschen möchten. Es sind 5 Plätze für Interessierte aus der Wikimedia Community bis zum 28. Februar reserviert. Die Anmeldung ist ab sofort möglich.   

Forschende sowie Praktikerinnen und Praktiker sind herzlich eingeladen, ihre Erfahrungen rundum Open Science einzubringen und das Barcamp aktiv mit eigenen Themen zu gestalten.

Da die Veranstaltung im Vorfeld der Open Science Conference (13. und 14. März) stattfindet, orientiert sich der thematische Fokus an dem diesjährigen Themenschwerpunkt der Konferenz. Der Schwerpunkt liegt auf FAIR-Prinzipien (findable, accessible, interoperable, reusable) für Forschungsdaten und den damit verbundenen Forschungsdateninfrastrukturen. Daher werden besonders Beiträge zu diesem Themenschwerpunkt begrüßt.

Das Barcamp wird vom Leibniz Forschungsverbund Science 2.0 (in welchem Wikimedia Deutschland Mitglied ist) und dem Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) ausgerichtet und gemeinsam mit Wikimedia Deutschland und weiteren Unterstützern umgesetzt. Wikimedia Deutschland wird sich mit einem Beitrag zum Fellow-Programm Freies Wissen am Barcamp beteiligen.

Die Anzahl der reservierten Plätze ist auf 5 für Interessierte aus der Wikimedia Community begrenzt, daher bitten wir um zeitnahe Anmeldung an wissenschaft@wikimedia.de bis zum 28. Februar.

  • Datum: 12. März 2018
  • Zeit: 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr
  • Veranstaltungsort: Wikimedia Deutschland e. V.
  • Barcamp-Sprache: Englisch

by Sarah Behrens at February 08, 2018 09:36 AM

February 07, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Fahrplan Digitalpolitik – Was planen Union und SPD für Freies Wissen?

Was bringt der Koalitionsvertrag für Freies Wissen? Foto: Bernd Fiedler (WMDE) [CC BY-SA 4.0]

Gut beschlossen ist noch lange nicht umgesetzt. Trotzdem sind im Koalitionsvertrag von SPD und CDU/CSU einige vielversprechende Punkte für Freies Wissen eingeflossen, von denen wir hoffen, dass sie auch tatsächlich bald in die Praxis umgesetzt werden.

Den größten Raum bei allen Digitalisierungs-Diskussionen nehmen die Themen Netz-Infrastruktur, Breitband-Ausbau und Netzabdeckung ein. Das sind wichtige Faktoren für den Zugang zu Freiem Wissen. Größeres Augenmerk legen wir jedoch auf einen guten Regelungsrahmen, der den freien Zugang zu Informationen für alle Menschen gewährleistet.

Dies sind die Anliegen, die uns im Koalitionsvertrag besonders am Herzen lagen:

  1. Bildungsgerechtigkeit durch freie, das heißt nachnutzbare Materialien
  2. Klare Regelung zu amtlichen Werken
  3. Ausdrückliche Festlegung des Grundsatzes “Öffentliches Geld – Öffentliches Gut”

Was davon findet sich im vorliegenden Koalitionsvertrag wieder?

Gute Punkte:

  • Stärkung von OER: Geplant ist die Entwicklung einer umfassenden Open-Educational-Resources-Strategie für Deutschland. Die Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren soll mit Kompetenzzentren für Digitalisierung vorangetrieben werden. OER sollen in Verbreitung und Qualität gefördert werden. Hier gibt es viel Potenzial, gerade was die Anpassbarkeit von Lehrinhalten an die sich ständig verändernden gesellschaftlichen Bedingungen angeht.
  • Lehrplattformen: Im Vertrag werden hochschulübergreifende, vernetzte Konzepte wie Lehr- und Lernplattformen für die universitäre Lehre skizziert sowie eine nationale Bildungsplattform. Leider entwickeln sich auch im digitalen Raum geschlossene Systeme für Bildungsangebote, die trotz bestehender Infrastrukturen der Bildungsserver und ähnlicher Einrichtungen eine Systemabhängigkeit von einzelnen großen Anbietern herbeiführen können. Wir hoffen insoweit auf die Weitsicht der neuen Regierung, sich hier nicht auf Produkte bestimmter Hersteller festlegen zu lassen. Immerhin ist an dieser Stelle die Förderung offener Schnittstellen vorgesehen.

Foto: Hofec, Switzerland (Own work) [CC BY-SA 3.0]

  • Data Science soll als Forschungsschwerpunkt und der Umgang mit Daten besser als eigenes Wissenschaftsfeld etabliert werden.
  • Open-Access-Strategie in der Forschung: Offene wissenschaftliche Publikationsmodelle sollen gefördert und die Verwendung freier Lizenzen für Empfängerinnen und Empfänger von Bundesmitteln verpflichtend werden. Das ist Teil unserer Forderung “Öffentliches Geld – Öffentliches Gut” und wir sind sehr froh, dass die Verhandlungsgruppen hier die Vorteile erkannt haben. Freies Wissen ist Innovationsmotor, nicht nur in der Wissenschaft. Der Bundesgesetzgeber sollte generell die Grundlinie festlegen, dass öffentlich finanzierte Inhalte auch frei nutzbar sein müssen.
  • Förderung außerschulischer Medien- und Digitalisierungsprojekte für Kinder sind geplant, und diese Projekte sollen sich in einem Wettbewerb beweisen.
  • Privacy by Default und Privacy by Design auf Seiten der Anbieter und Kompetenzen auf Seiten der Nutzerinnen und Nutzer sollen gefördert werden. Die Willensbekundung ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch die geplante Daten-Ethikkommission hat das Potenzial, sehr komplexe Fragen rund um Daten beantworten zu helfen. Eine Enquetekommission mit weitreichenden Befugnissen wäre hierbei mächtiger, aber wohl auch weniger effizient gewesen. Wir sind gespannt, was innerhalb des selbst gesteckten Zeitrahmens von einem Jahr erreicht werden kann.
  • Open Data: Der von der SPD geforderte Rechtsanspruch auf Open Data taucht nicht im finalen Papier auf. Dennoch wird Open Data an vier Stellen Explizit erwähnt. Auch das ist aus unserer Sicht ein Teil des Grundsatzes “Öffentliches Geld – Öffentliches Gut”. Die mögliche Koalition nennt es jetzt so: “Die Daten der öffentlichen Verwaltung sollen der Bevölkerung grundsätzlich kostenfrei zur Verfügung stehen. Damit kann auch ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung innovativer Technologien und neuer Geschäftsmodelle geleistet werden”. Wir begrüßen das sehr, auch wenn betont werden muss: Kostenfrei reicht nicht, um Open Content im Sinne der Open Definition zu schaffen. Auf das geplante “2. Open Data Gesetz” sind wir entsprechend gespannt. Weiter heißt es: “Die mit öffentlichen Mitteln erzeugten Daten müssen kostenlos und in geeigneten Formaten zur Verfügung gestellt werden”, unter Berücksichtigung von Schnittstellen. Hier will man sogar “internationaler Vorreiter werden” – das wäre schön. Wenn tatsächlich “‘Open by Default’ Teil des täglichen Verwaltungshandelns” wird, sind wir in dieser Frage schon ein ganzes Stück weiter.
  • Digitales Ehrenamt: Geplant sind ein “Zivilgesellschaftliches Digitalisierungsprogramm” und ein “Freiwilliges Soziales Jahr Digital” sowie digitale Beteiligung in Parteien unabhängig vom Ortsprinzip – alles sehr vielversprechend. An der Seite der größten Netz-Community von Freiwilligen in Deutschland schauen wir mit Neugier auf alles, was da kommt und teilen mit der Politik gerne die vielfältigen Erfahrungen, die onwiki aber auch offline in den lokalen Community-Räumen Tag für Tag gesammelt werden.
  • WLAN-Initiativen: Eine Anerkennung der Gemeinnützigkeit von Freifunkern wird in Aussicht gestellt. Das ist Teil auch unserer Forderung nach einem digitalen Ehrenamt auf Augenhöhe mit dem klassischen Ehrenamt in Vereinen und Initiativen. Hier fordern wir aber vor allem eine größere Wertschätzung und Anerkennungskultur in Deutschland, während das Koalitionspapier sich leider eher auf Technikfragen beschränkt und von offenen und kostenfreien WLAN-Hotspots an öffentlichen Einrichtungen des Bundes und in der Deutschen Bahn spricht.
  • Netzneutralität und diskriminierungsfreier Netzzugang. Wir sehen dies als Grundvoraussetzung für die freie Verbreitung von Informationen und Wissen. Dass der Schutz der Netzneutralität nicht selbstverständlich ist, sehen wir in den USA.

    #NoUploadFilter-Verteilaktion. Foto: Christian Schneider [CC BY-SA 4.0]

  • Upload-Filter werden ausdrücklich als “unverhältnismäßig” abgelehnt, am abgestuften Haftungsprivileg für Seitenbetreiber bzw. Anbieter von Online-Dienstleistungen wird festgehalten. Hintergrund dieser Aussagen im Koalitionspapier ist die Richtlinie für einen digitalen EU-Binnenmarkt, die derzeit beim Europaparlament und beim Rat der EU zur Beratung liegt. Wir freuen uns sehr, dass die Verhandelnden der Koalition in spe es wie wir sehen: Netzweite Filterung sämtlicher Nutzer-Uploads geht zu weit. Die Position der Kreativen gegenüber mächtigen Netzunternehmen zu stärken, ist richtig, aber die Nebeneffekte von Filtern wären zu massiv.Stattdessen sieht das Koalitionspapier vor, das Notice- und Takedown-Verfahren (also die Eingriffsmöglichkeiten bei Rechtsverletzungen im Netz) weiter zu entwickeln und so die Stellung von Rechteinhabern zu verbessern. Konkret wird zudem ein “starkes Urheberrecht zum Schutz des geistigen Eigentums” gefordert, was leider oft die Chiffre für unflexible und damit unzeitgemäße Regelungen ist. Immerhin: “Rahmenbedingungen für kreatives Schaffen, Verwerten und Nutzen” werden als legitimes Interesse erkannt. Gerade die Nennung der Nutzenden an dieser Stelle ist bemerkenswert, da diese Dimension der Debatte sonst oft ausgeblendet wird. Hier werden im Koalitionspapier unterm Strich mehr richtige als falsche Wege eingeschlagen, genauso mit der Modernisierung des Kartellrechts und verbesserter Handlungsfähigkeit für die Wettbewerbsbehörden.

Problematisch:

  • NetzDG: Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) bleibt. Das Spannungsfeld zwischen Schutz der Meinungsfreiheit und Wahrung der Persönlichkeitsrechte von Opfern wird erkannt, es soll aber nur das NetzDG weiterentwickelt werden. Gerade von zivilgesellschaftlicher Seite wird dagegen nach wie vor eine Rüchnahme des NetzDG gefordert.
    Die Betreiber sozialer Netzwerke befinden sich durch das Gesetz in dem Dilemma, bei drohenden hohen Bußgeldern höchst komplexe Rechtsfragen entscheiden zu müssen. Dies führt unweigerlich zu einem übermäßigen Löschen von Inhalten und damit zu möglichen ungerechtfertigten Verkürzungen der Meinungs- und Informationsfreiheit sowie der Kunst- und Pressefreiheit. Denn bei einer Entscheidung für das Löschen eines zweifelhaften Posts riskiert das Unternehmen kein Bußgeld, das heißt der Gesetzgeber setzt einseitig Anreize hin zu „Im Zweifel für die Löschung“.
  • Urheberrechts-Wissenschaftsgesetz: Das im März 2018 in Kraft tretende Gesetz soll evaluiert werden, über seine Verstetigung sei dann zu entscheiden. Mit diesem Gesetz wurde einiges verbessert und vieles übersichtlicher gestaltet (siehe auch Blogbeitrag). Schade nur: Gerade für die Wissenschaft, Bildung und Kulturinstitutionen wichtigsten Teile des Gesetzes sind von vornherein bis 2023 befristet. Ob das Gesetz aber in dieser Form weiter bestehen bleibt? Die schwachen Formulierungen im Koalitionsvertrag sorgen nicht für die nachhaltige Rechtssicherheit, die sich die Praktikerinnen und Praktiker  wünschen und die sie verlangen können.
  • Presseverleger-Leistungsschutzrecht auch in Europa. Hier positioniert sich das Koalitionspapier dahingehend, dass das vor einigen Jahren in Deutschland eingeführte Sonderschutzrecht für Presseverleger, das seither vor allem für Rechtsunsicherheit bei der Verlinkung von Presse-Quellen sorgt und von vielen als nicht funktionierend angesehen wird, auch EU-weit einzuführen ist. Warum ein solcher gesetzgeberischer Fehlschuss europaweit wiederholt werden sollte, ist nicht ersichtlich.
  • Eigentum an Daten” hat es in den Koalitionsvertrag geschafft – wir hatten sehr gehofft, dass es ganz draußen bleibt (siehe dazu Pressemitteilung). Wir finden den Ansatz eines alternativen Zuordnungssystems neben der bereits bestehenden, grundgesetzlich fundierten informationellen Selbstbestimmung gefährlich, weil sie dadurch geschwächt wird. Das passt auch nicht dazu, dass wir gerade erst eine grundlegende Stärkung des Datenschutzes auf EU-Ebene erleben, nämlich die bald in Kraft tretende Datenschutz-Grundverordnung der EU. Immerhin sieht der Koalitionsvertrag einen Prüfauftrag zu diesem problematischen Eigentumsbegriff vor: Auch das Ob eines „Dateneigentums“ solle zügig geprüft werden, heißt es. Es bleibt also ein Ausweg offen.
  • „Datensouveränität“ – noch ein Wort, das wir in der Debatte ungern sehen, kommt im Koalitionspapier vor. Auch hier wird der Datenschutz zur Seite geschoben, diesmal allerdings als Begriff. Das ist jedoch häufig nur Vorbereitung einer Änderung auch der eigentlichen Regeln. Insofern sollten alle an Datenschutz Interessierten wachsam sein, ob mit unter dem Begriff „Datensouveränität“ nicht doch eher ein Datenschutz Light daherkommt.

Hier ist eine Übersicht der inhaltlichen Positionen von Wikimedia Deutschland e.V. zu verschiedenen vereinsrelevanten Themen und politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen zu finden.

by Lilli Iliev at February 07, 2018 03:39 PM

February 01, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 5/2018

Themen der Wikimedia:Woche 5/2018 sind unter anderem: die Vorstellung der Mitglieder der Ombudsperson-Kommission, ein Projekt zwischen Wiki Loves Monuments und Wikivoyage und eine intensivierte Kontaktaufnahme des Teams für Politik und Recht bei WMDE mit Beteiligten der Koalitionsgespräche

Zur Wikimedia:Woche 5/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at February 01, 2018 01:38 PM

January 25, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 4/2018

In der Wikimedia:Woche 4/2018 sind unter anderem Hintergründe zur neuen Webseite von Wikimedia Deutschland und der Jahresbericht 2016-2017 der Wikimedia Foundation zu finden. Darüber hinaus gibt es Tipps und Hinweise zum Umgang mit Abmahnungen und einen Forderungskatalog an die Fraktionen CDU, CSU und SPD. Mehrere neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Wikimedia Deutschland werden vorgestellt, und wer wissen möchte was es mit den WikiUilen aus den Niederlanden auf sich hat und in welchen neuen Sprachen der Lizenzhinweisgenerator ab sofort verfügbar ist, sollte ebenfalls einen Blick in diese Ausgabe werfen.

Mit der letzten Ausgaben der Wikimedia:Woche verschwanden bereits die vollständigen URLs unterhalb der einzelnen Meldungen. Mit einer weiteren kleinen Änderung soll das Format jetzt noch kompakter werden. So wird zukünftig auf Zwischenüberschriften zu jeder Nachricht verzichtet. Die einzelnen Themenbereiche bleiben weiterhin in einzelne Blöcke unterteilt.

Zur Wikimedia:Woche 4/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at January 25, 2018 01:04 PM

January 22, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

800 Mio. potentiell Nutzende mehr: Den Lizenzhinweisgenerator gibt es nun in zwei neuen Sprachen

Dies ist ein Beitrag der beiden Communitymitglieder Santamarcanda und Ivanhercaz von Wikimedia España. Der Beitrag liegt auch auf Spanisch und Portugiesisch vor.

Wir sind Santamarcanda und Ivanhercaz – wir versuchen beide von den Kanarischen Inseln aus unseren Teil zur Wikimedia-Bewegung beizutragen. Wir haben vor ein paar Jahren angefangen, uns an diesem Gemeinschaftsprojekt zu beteiligen, inspiriert von der Wikipedia-Idee, der größten Enzyklopädie der Welt, mitzuarbeiten. Unsere Leidenschaft hat uns auch dazu motiviert, uns bei der spanischen Wikimedia-Organisation Wikimedia España zu engagieren. Wir arbeiten vor allem bei Wikipedia, Wikimedia Commons und Wikidata mit und versuchen, unsere Zeit in diese Projekte zu investieren. Als Mitglieder und Ehrenamtliche von Wikimedia España wollen wir vor allem die Idee des Freien Wissens auf den Kanarischen Inseln verbreiten, ohne uns dabei ausschließlich auf die Wikimedia-Projekte zu beschränken. Wir sind beide auch Nutzer von OpenStreetMap, wo wir ebenfalls unser lokales Wissens einbringen, um das Kartenmaterial der Orte, die wir kennen, zu verbessern. Zweifellos ist es eine tolle Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen, ihnen zu erklären, wie diese Projekte funktionieren und sie zum Mitmachen zu motivieren.

Im letzten Jahr beschlossen wir, uns für Stipendien der Wikimedia Foundation bzw. der anderen Wikimedia-Organisationen zu bewerben, um an der Wikimania 2017, der globalen Wikimedia-Konferenz, teilzunehmen. Wir hatten Erfolg und erhielten ein Stipendium von Wikimedia España! Wir konnten unsere Koffer für eine Reise nach Montréal packen! Auf dieser Konferenz trafen wir viele tolle Menschen, die die gleiche Leidenschaft wie wir haben, und die uns von anderen Projekten erzählten, wie z. B. WikiTongue und die Bildungsprojekte von Wikimedia Israel.

Poster zur Veranschaulichung des Lizenzhinweisgenerators, gestaltet von Valerie Schandl (WMDE), bearbeitet von Katja Ullrich (WMDE), https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode

In der Posterausstellung trafen wir Katja, die uns vom Lizenzhinweisgenerator erzählte, ein Projekt von Wikimedia Deutschland. Wir schauten uns das Poster an und waren begeistert von diesem Tool! Endlich ein Werkzeug, das dabei hilft, freie Bilder korrekt weiterzunutzen! Zu dem Zeitpunkt gab es den Lizenzhinweisgenerator lediglich auf Deutsch und Englisch. Wir boten sofort an, Übersetzungen ins Portugiesische (Santamarcanda) und Spanische (Ivanhercaz) zu erstellen. Um die Reichweite zu erhöhen, ist es natürlich besser, die Anwendung auch in anderen Sprachen nutzen zu können. Nicht nur, weil viele Menschen kein Englisch oder Deutsch verstehen, sondern auch, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ein Werkzeug in der eigenen Sprache zu nutzen. Der Lizenzhinweisgenerator ist sehr praktisch, denn er vereinfacht nicht nur die Nutzung von Fotos, die auf Wikimedia Commons zu finden sind, sondern erklärt auch, wie diese mit der entsprechenden Lizenz genutzt werden können. Letztendlich erspart dieses Werkzeug viel Zeit und verhindert, die Lizenzbedingungen der Creative Commons-Lizenzen zu verletzen. Mit nur ein paar Klicks steht der korrekte Lizenzhinweis zur Verfügung.

Kurz nachdem wir auf die Kanaren zurückgekehrt waren, kontaktierte uns Katja mit der Bitte, mit der Übersetzung der Anwendung ins Spanische und Portugiesische zu beginnen. Wir entschieden uns GitHub zu nutzen, bietet die Plattform doch eine einfache, flexible und kollaborative Form des Arbeitens für Übersetzungen an. Wir standen die ganze Zeit mit Wikimedia Deutschland in Kontakt, sodass die Arbeit sehr einfach war und viel Spaß machte. Im Rahmen unserer Passion für Freies Wissens ist es immer wieder eine Freude, mit Menschen auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten. Alles lief perfekt – kaum hatten wir die Übersetzungen eingeschickt, standen die Sprachversionen für Spanisch und Portugiesisch innerhalb kurzer Zeit zur Verfügung.

Screenshot von http://geradordeatribucao.org/ (22. Januar 2018)

Der Lizenzhinweisgenerator ist ein sehr nützliches und vollständiges Werkzeug. Unser größter Wunsch ist es, dass das Werkzeug genutzt wird – ob von jemanden, der einen privaten Blogpost veröffentlichen möchte, von Forschern und Forscherinnen oder von Lehrerinnen und Lehrern. Das Werkzeug hilft auf geniale Art und Weise Fehler bei der Nutzung freier Fotos zu vermeiden, wie etwa den Urheber zu vergessen oder eine Unterlizenz zu erstellen, und dabei urheberrechtlich geschützte und nicht frei lizenzierte Fotos zu verwenden.

Dank unserer wunderbaren Erfahrung möchten wir gerne alle motivieren, die glauben, dass der Lizenzhinweisgenerator ein tolles Werkzeug ist, diesen auch in ihre Sprache zu übersetzen. Derzeit gibt es die Wikipedia in 296 Sprachen, viele davon mit sehr aktiven Communitys in der Welt des Freien Wissens. Es wäre schön, wenn das Werkzeug nicht nur in Sprachen wie Französisch oder Italienisch übersetzt werden könnte, sondern auch Sprachen wie Katalanisch oder Arabisch. Alle Sprachen sind willkommen! Alle Sprachen sind wichtig! Jeder auf der Welt kann freie Fotos nutzen,  wieso sollte es nicht auch erleichtert werden, diese in der eigenen Sprache bequem zu verwenden?

Als Mitglieder von Wikimedia España werden wir auch andere Mitglieder unserer Organisationen ansprechen, die die anderen Sprachen Spaniens (Katalanisch, Baskisch, Galicisch, Asturisch, etc.) sprechen, um dieses Tool zu übersetzen. Wir werden auch andere Organisationen – wie Amical Wikimedia – und Freiwillige anderer Sprachen kontaktieren, um weitere Übersetzungen liefern zu können.

by Katja Ullrich at January 22, 2018 01:49 PM

Mais 800 milhões de utilizadores potenciais: o Gerador de Atribuição está disponível em duas novas línguas

Nós somos Santamarcanda e Ivanhercaz, desde Canárias tentamos por da nossa parte para o movimento Wikimedia. Os dois começamos a participar neste projeto coletivo de um par de anos atrás, ambos inspirados pela possibilidade de ajudar na maior enciclopédia, Wikipedia. A paixão que nos move nos motivou a participar em Wikimedia Espanha. Os principais projectos em que participamos são Wikipedia, Commons e Wikidata, colaborando em todo o que o tempo nos permite. Como membros da Wikimedia Espanha, nosso principal objetivo é difundir o conhecimento livre nas Ilhas Canárias, sem limitar-nos apenas aos projetos da Wikimedia. Nós também são usuários do OpenStreetMap, onde nós adicionamos nosso conhecimento local para melhorar os lugares que conhecemos. Sem dúvida, uma das experiências mais emocionantes é conhecer novas pessoas e explicar como funcionam esses projetos, demolir mitos e encorajá-los a participar.

Este ano decidimos aplicar para as bolsas concedidas tanto por a Fundação e por os capítulos para participar da Wikimania 2017. Tivemos sorte que nos deu a Wikimedia Espanha. Fizemos as malas e marchamos para Montreal. Graças a essa oportunidade disfrutamos nossa primeira Wikimania. Em ela encontramos muitas pessoas com quem partilhamos nosso trabalho e aprendemos sobre outros projetos que estão sendo realizados, como WikiTongue e os projetos educacionais da Wikimedia Israel.

Passeando pela área dos pôster, encontramos a Katja Ullrich, que nós falou pela primeira vez do Gerador de Atribuição (Lizenzhinweisgenerator), um projecto de Wikimedia Alemanha. Nós lemos o seu pôster e adoramos a idéia. Finalmente uma ferramenta que facilita a correcta reutilizaçao das imagens livres! Nesses momentos, o Gerador de Atribuição estava apenas em alemão e inglês, pelo que nos oferecemos para traduzi-lo para o português (Santamarcanda) e para o espanhol (Ivanhercaz). Ter a ferramenta em outros idiomas melhora sua utilização e aumenta seu alcance, não só porque há pessoas que não sabem inglês ou alemão, mas para a comodidade de trabalhar em um idioma que cada pessoa controla e seu uso em espaços onde outras línguas são usadas. Esta ferramenta é muito útil, porque não só facilita o uso de imagens disponíveis no Commons, mas também ensina como elas devem ser usados com a sua respectiva licença. Em suma, ela nos poupa problemas de violação de licenças e tempo, porque com apenas alguns cliques tu obtém a sua nota de licença pronto para seu uso.

Pouco depois de retornar para Canárias, Katja contactou-nos para começar com a tradução para o espanhol e português. Decidimos usar GitHub, pois oferece um ambiente flexível, colaborativo e direto com o repositório da ferramenta. A experiência foi ótima, porque sempre estávamos em contato com o equipe da Wikimedia Alemanha. Colaboramos com pessoas de diferentes regiões do mundo para facilitar o uso do conhecimento livre, e isso é sempre um incentivo para continuar. Tudo funcionou corretamente, enquanto nós enviamos as traduções, a versão em espanhol e português estavam disponíveis em pouco tempo.

Neste momento o Gerador de Atribuição é uma ferramenta muito útil e completa. Embora os detalhes são deixados, naqueles que já estão trabalhando, como o seletor de idioma no cabeçalho do site para melhorar sua usabilidade. Nosso maior desejo é que a ferramenta seja usada, tanto pelo escritor de um artigo em seu blog pessoal como pelos pesquisadores e educadores. Pode ser um passo para evitar o uso indevido de imagens livres, como pode ser o uso de uma fotografia licenciada com CC BY-SA 4.0 sem mencionar seu autor e fazer uma sub-licencia acorde a o resto do site ou trabalho onde que usou outra licencia ou tem todos os direitos reservados.

Screenshot http://geradordeatribucao.org/, 22.01.2018

Pela nossa experiência, nós encorajamos aqueles que acreditam que esta ferramenta é útil, traduzi-la para o seu idioma, se não é já. No momento em que escrevemos este artigo Wikipedia está disponível em 296 línguas, muitas delas com uma comunidade de usuários muito ativos no mundo do conhecimento livre. Não só é importante que a ferramenta ser traduzida em francês ou italiano, mas também línguas como o catalão ou árabe. Todas as línguas são bem-vindos! Todas são importantes! O uso de imagens livres abrange todos os cantos do mundo, por que não facilitar seu uso confortavelmente na língua de cada pessoa?

Como membros da Wikimedia Espanha iremos encorajar os outros membros que falam outras línguas da Espanha (catalão, basco, galego, asturiano, etc.) para traduzir esta ferramenta. Também contactaremos com outras organizações, como Amical Wikimedia, e usuários de as respectivas wikis destas línguas.

by Katja Ullrich at January 22, 2018 01:48 PM

Más 800 millones de usuarios potenciales: el Generador de Atribución está disponible en dos nuevos idiomas

Somos Santamarcanda e Ivanhercaz, desde Canarias intentamos aportar nuestro granito de arena al Movimiento Wikimedia. Ambos comenzamos a participar en este proyecto colectivo hace un par de años, ambos inspirados por la posibilidad de ayudar en la mayor enciclopedia libre, Wikipedia. La pasión que nos mueve nos motivó a unirnos a Wikimedia España. Los principales proyectos en los que participamos son Wikipedia, Commons y Wikidata, colaborando en todo lo que el tiempo nos permite. Como miembros de Wikimedia España, nuestro principal objetivo es difundir el conocimiento libre en Canarias, sin ceñirnos únicamente a los proyectos Wikimedia. También somos usuarios de OpenStreetMap, donde volcamos nuestro conocimiento local para mejorar los lugares que conocemos. Sin lugar a dudas, una de las experiencias más emocionantes es conocer personas nuevas y explicarles cómo funcionan estos proyectos, derrumbar mitos y animarles a participar.

Este año decidimos optar a las becas que concedió tanto la Fundación como los capítulos para asistir a la Wikimanía 2017. Tuvimos la suerte de que Wikimedia España nos la concedió. ¡Hicimos las maletas y marchamos rumbo a Montreal! Gracias a esa oportunidad pudimos disfrutar de nuestra primera Wikimanía. En ella pudimos conocer a muchos usuarios, con quienes compartimos aquello en lo que trabajamos y supimos de otros proyectos que se están llevando a cabo, como WikiTongue y los proyectos educativos de Wikimedia Israel.

Paseando por la zona de los pósters, nos encontramos con Katja, quien nos habló por primera vez del Generador de Atribución (Lizenzhinweisgenerator), un proyecto de Wikimedia Alemania. Leímos su póster y la idea nos encantó. ¡Por fin una herramienta que facilita la reutilización correcta de imágenes libres! En esos momentos, el Generador de Atribución solo estaba en alemán e inglés, por lo que nos ofrecimos para traducirlo al portugués (Santamarcanda) y al español (Ivanhercaz). Tener la herramienta en otros idiomas mejora su uso e incrementa su alcance, no solo porque haya personas que no sepan inglés o alemán, sino por la comodidad de trabajar en un idioma que controlas y su uso en espacios en los que se usan otros idiomas. Esta herramienta es muy útil, ya que no solo facilita la utilización de las imágenes disponibles en Commons, sino que también enseña cómo deben ser usadas con su respectiva licencia. En pocas palabras, nos ahorra problemas de incumplimiento de las licencias y tiempo, ya que con un par de clics obtienes tu aviso de licencia listo para ser usado.

Al poco tiempo de volver a Canarias, Katja contactó con nosotros para empezar con la traducción al español y al portugués. Decidimos utilizar GitHub, ya que ofrece un entorno flexible, colaborativo y directo con el repositorio de la herramienta. La experiencia fue estupenda, ya que en todo momento estuvimos en contacto con el equipo de Wikimedia Alemania. Colaboramos con personas de diferentes regiones del mundo para facilitar el uso del conocimiento libre, y eso siempre es un aliciente a continuar. Todo funcionó correctamente. En cuanto enviamos las traducciones, la versión en español y en portugués estuvieron disponibles en poco tiempo.

En estos momentos el Generador de Atribución es una herramienta bastante útil y completa. Aunque le quedan detalles, en los que ya están trabajando, como el selector de idiomas en la cabecera del sitio web para mejorar su usabilidad. Nuestro mayor deseo es que la herramienta sea utilizada, ya sea por quien escribe un artículo en su blog personal como por investigadores y educadores. Puede ser un paso para evitar el mal uso de las imágenes libres, como puede ser el uso de una fotografía con licencia CC BY-SA 4.0 sin mencionar a su autor y sublicenciándola acorde al resto del sitio web u obra en la que se usa otra licencia o tiene todos los derechos reservados.

Screenshot http://generadordeatribucion.org/, 22.01.2018

Por nuestra experiencia, animamos a quienes crean que esta herramienta es útil, a traducirla a su idioma si aún no lo está. En el momento en el que escribimos este artículo Wikipedia está disponible en 296 idiomas, muchos de ellos con una comunidad de usuarios bastante activa en el mundo del conocimiento libre. No solo es importante que la herramienta se traduzca al francés o al italiano, sino también a lenguas como el catalán o el árabe. ¡Todos los idiomas son bienvenidos! El uso de imágenes libres cubre todos los rincones del mundo, ¿por qué no facilitar su uso cómodamente en el idioma de cada persona?

Como miembros de Wikimedia España vamos a animar al resto de integrantes que hablen otros idiomas de España (catalán, euskera, gallego, asturiano, etcétera) a traducir esta herramienta. Contactaremos con otras organizaciones, como Amical Wikimedia, y con usuarios de las respectivas wikis de estos idiomas.

by Katja Ullrich at January 22, 2018 01:47 PM

January 18, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 3/2018

In der Wikimedia:Woche 3/2018 geht es unter anderem um Kritik an den von der EU-Kommission geforderten Upload-Filtern für community-getriebene Projekte, die im Blog von Wikimedia Deutschland erläutert und in der Presse behandelt wurden. Außerdem zu finden ist eine Vorstellung geplanter Aktivitäten zum Europäischen Jahr des Kulturerbes und eine wichtige Deadline für die bevorstehende Wikimania in Südafrika.

Mit den kommenden Ausgaben soll das Format der Wikimedia:Woche etwas kompakter werden. So verschwinden zunächst die vollständigen URLs unterhalb einzelner Nachrichten. Zukünftig werden stattdessen direkt die entsprechenden Textstellen verlinkt sein. Inhaltlich wird sich an der Wikimedia:Woche dagegen nicht viel ändern.

Zur Wikimedia:Woche 3/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at January 18, 2018 02:59 PM

January 17, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Die verantwortungsvolle Community als Alternative zum NetzDG

Wer entscheidet, was im Netz stehen darf? Foto: Aythami Melián Perdomo, CC BY SA 2.5 esp

Ein Beitrag von Dominik Theis, der ein Praktikum im Bereich Politik & Recht absolviert.

Die aktuellen politischen Entwicklungen auf Bundes- und EU-Ebene beeinflussen auch die Rahmenbedingungen für Freies Wissen und die Wikimedia-Projekte. Häufig geht es dabei darum, was im Netz stehen darf und was nicht.
In diesem Beitrag widmen wir uns dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) aus der Perspektive von Community-Prinzipien. Unsere Beiträge zum Thema Uploadfilter sind hier zu finden.

Am 01. Oktober 2017 trat das Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken (Netzwerkdurchsetzungsgesetz – NetzDG) in Kraft. Nach Verstreichen der Übergangszeit zu Beginn des Jahres 2018 entfaltete das Gesetz seine volle Wirksamkeit und ließ die Debatte um seine Sinnhaftigkeit erneut lauter werden. Während sich die Befürwortenden zurzeit mit massiver Kritik aus unterschiedlichen Richtungen auseinandersetzen und sich die Fronten zu verhärten scheinen, möchte Wikimedia Deutschland eine Alternative vorschlagen, einen dritten Weg zwischen versagender Durchsetzung durch Nichtstun und vorauseilender, massenhafter Löschungen auf Basis des NetzDG: Die verantwortungsvolle Community.

Hintergründe des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz formte bereits 2015 eine Arbeitsgruppe zum Umgang mit strafbaren Inhalten in sozialen Netzwerken. 2017 erhöhte sich jedoch der Druck auf die sozialen Netzwerke, als sich Politiker wie Unionsfraktionschef Kauder und Justizminister Maas dafür aussprachen, die Netzwerkbetreibenden noch stärker in die Pflicht zu nehmen und gesetzliche Regelungen zu erlassen.

So verabschiedete der Bundestag am 01. September 2017 das NetzDG als Gesetz gegen Hetze und gefälschte Meldungen (Fake News) in sozialen Netzwerken. Es verpflichtet kommerzielle soziale Netzwerke im Internet mit mindestens 2 Millionen Mitgliedern im Inland, ein „wirksames und transparentes“ Verfahren für Beschwerden über rechtswidrige Inhalte vorzuhalten, das unter anderem „gewährleisten“ muss, dass Anbietende eines Netzwerks „offensichtlich rechtswidrige Inhalte“ grundsätzlich innerhalb von 24 Stunden und alle sonstigen rechtswidrigen Inhalte in der Regel innerhalb von sieben Tagen löschen oder sperren (§ 3 I-III). Der Verstoß gegen die Pflicht, ein solches Verfahren vorzuhalten, kann mit einem Bußgeld von bis zu 5 Millionen Euro geahndet werden (§ 4 II).

Schattenseiten des Gesetzes

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz bezieht sich allein auf rechtswidrige Inhalte und lässt rechtmäßige Beiträge vollständig außen vor. Die Unterscheidung zwischen beiden allerdings – eine oft schwierige Rechtsfrage – wird auf die Netzwerkbetreibenden und damit auf privatwirtschaftlich handelnde Akteure abgewälzt. Ihnen werden dann einzig für den Fall empfindliche finanzielle Bußgelder angedroht, dass ein rechtswidriger Inhalt online bleibt. Im umgekehrten Fall, dass ein rechtmäßiger Inhalt dennoch gelöscht wird, droht dagegen keinerlei Konsequenz. Aus Unternehmenssicht kann es daher nur eine Devise geben: Im Zweifel lieber zuviel löschen als zu wenig, alles andere wäre wirtschaftlicher Irrsinn.

Diese Einseitigkeit bei den Löschanreizen führt bereits direkt nach Inkrafttreten der Regelung sichtbar dazu, dass Netzwerkbetreibende ihre Verfahren so strukturieren, dass vorauseilend zu viel gelöscht wird. Im Netzjargon spricht man auch von Overblocking, was sich gerade in den Grenzbereichen zwischen zulässiger Meinungsäußerung und rechtswidriger Schmähkritik massiv zulasten der Meinungsfreiheit auswirken muss. Beiträge werden dann schon allein aufgrund ihres Potenzials, eventuell rechtswidrig zu sein, zensiert. Aus diesen Erwägungen heraus hat Wikimedia Deutschland gemeinsam mit anderen Institutionen schon nach der Verabschiedung des NetzDG durch das Bundeskabinett im April 2017 die Deklaration für Meinungsfreiheit unterschrieben.

Politisch-öffentlicher Diskurs

Es handelt sich faktisch um die Privatisierung der Entscheidung über ein Grundrecht. Die Ermittlung von Rechtmäßigkeit bzw. Rechtswidrigkeit ist aber von Fall zu Fall stark vom Kontext abhängig, in dem ein Beitrag veröffentlicht wird. Die Grenze zwischen Schmähung und Satire, die Feinheiten der Sprache und des Zusammenhangs sind juristisch nur im Einzelfall sinnvoll ermittelbar. Die Entscheidung darüber an im Zweifel eher wenige, in der Regel schlecht ausgebildete und darüber hinaus nicht wie die Justiz legitimierte Angestellte von Unternehmen abzuschieben, die noch dazu massenhaft Fälle abarbeiten müssen, führt unweigerlich zu Fehlentscheidungen.

Abgesehen von CDU/CSU und der SPD äußerten alle anderen Parteien des derzeitigen Bundestags Kritik oder distanzierten sich vollständig von dem so verabschiedeten Gesetz. Unter anderem die Partei Die Linke nennt es einen “gesetzgeberischen Schnellschuss mit unzureichender Prüfung von Alternativen und Auswirkungen”. Man sehe eine große Gefahr in der “Beeinträchtigung der Meinungsfreiheit durch massenhafte Entfernung zulässiger Inhalte und des Einstiegs in eine Privatisierung der Rechtsdurchsetzung.” Die AfD erklärt, das Gesetz lasse die “Prinzipien des Äußerungsrechtes, wozu etwa die Berücksichtigung subjektiver Tatbestände bei der Bewertung der Zulässigkeit einer Äußerung zählt” unbeachtet.

Befürwortende Stimmen argumentieren hingegen, das Gesetz stelle einen effektiven Schutz für Opfer von Hasskriminalität dar und betreffe laut Paragraf 1, Abs. 1 nur Äußerungen, bei denen es sich offensichtlich um Straftatbestände handle; es beziehe sich also gerade nicht auf einfache Beleidigungen und oder Falschbehauptungen. Minister Maas sieht die Meinungsfreiheit durch das Gesetz sogar gestärkt, da rechtswidrige Angriffe auf Einzelne zu Einschüchterung führten. Elisabeth Winkelmeier-Becker verteidigt als rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion das NetzDG und benennt drei Gruppen, die ihrer Ansicht nach Probleme mit dem neuen Gesetz haben könnten: “Nutzer ohne jede Hemmschwelle zur Verbreitung von Hass und Hetze, jene, die daraus ihren politischen Vorteil ziehen wollen und Plattformen, die sich den Aufwand eines funktionierenden Beschwerdemanagements lieber sparen würden und für die Vorgaben nationaler Rechtsordnungen ohnehin lästig sind.”

Unsere Alternative: Die verantwortungsvolle Community

We can do it! Wikimania 2016 – group photo, By Niccolò Caranti, CC BY-SA 4.0

Natürlich haben wir gesellschaftlich ein Problem mit dem Verfall von Diskussionskultur und mangelnder Rücksichtnahme, auch und gerade im Social Web. Wikimedia Deutschland schlägt vor dem Hintergrund dieser Diskussion jedoch einen Ansatz vor, der den Opfern von Hasskriminalität Schutz bieten kann, ohne die Durchsetzung von Gesetzen in private Hände zu geben und der vorauseilenden Löschung einen Freifahrtschein auszustellen. Hintergrund ist, dass wir selbst sehr viel Erfahrung mit dem gegenseitigen Umgang der Menschen im Netz haben. Zu jedem Wikipedia-Artikel gibt es bekanntlich eine Diskussionsseite, auf welcher es auch nicht immer zimperlich zugeht.

Das Gegenmittel heißt jedoch nicht “Im Zweifel für die Löschung”, und schon gar nicht für die Löschung durch eine zentrale Instanz. Das Gegenmittel heißt: Eintreten anderer Community-Mitglieder für diejenigen, die übermäßig unter Beschuss geraten oder anderweitig jenseits der guten Sitten angegriffen werden. Es sind die Communities der Wikipedia und der anderen Wikimedia-Projekte, die selbst darüber wachen, dass Anstand und gegenseitiger Respekt nicht verloren gehen.

Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass es in den Communities einen zumindest rudimentären Zusammenhalt gibt und sie sich als Mit-Eignende der jeweiligen Plattform sehen. Das wiederum setzt voraus, dass sie überhaupt nennenswerte Mittel zur Selbstorganisation und Sanktionierung von Fehlverhalten in die Hand bekommen. Nur so entsteht eine echte Mitverantwortlichkeit für das, was auf der Plattform passiert. Die Betreibenden sozial vernetzter Plattformen müssen also bereit sein, die Kontrolle wenigstens ein Stück weit an die Nutzenden abzugeben, sonst kann deren Emanzipation nicht gelingen.

In Wikimedia-Projekten ist das schon seit ihrer Entstehung um die Jahrtausendwende gewissermaßen eingeschrieben. Es gibt zwar mit der Wikimedia Foundation formell eine Zentralinstanz, die als letztes Mittel auch in die Inhalte eingreifen kann, doch hält sie sich damit bewusst sehr zurück. Vielmehr ermutigt sie unablässig die Communities von Wikipedia, Wikimedia Commons und den anderen Projekten, ihre Diskussionen eigenverantwortlich zu gestalten. Und diese Communities fordern das ihrerseits auch konsequent ein.

Facebook & Co. sind anders entstanden und folgen als Wirtschaftsunternehmen selbstverständlich anderen Dynamiken. Aber auch bei ihnen gäbe es viele Möglichkeiten, den Nutzenden Mittel zum Umgang mit dem Fehlverhalten anderer zu geben und sie so als Gruppe verantwortungsvoller werden zu lassen. Das muss keineswegs auf Blockwart-Mentalität oder digitale Selbstjustiz hinauslaufen. Es würde schon helfen, wenn verletzende Beiträge moderiert diskutiert oder herunter-gevotet werden könnten. Auch könnte man mehr Wege für ausdrücklichen Dank für zivilcouragiertes Eintreten für andere implementieren oder ganz schlicht auch die Algorithmen zur Bespielung der Timelines danach ausrichten, ob sich jemand für andere stark macht oder auf deren Kosten.

Dass dieser Weg in der Debatte rund um das NetzDG nicht einmal ernsthaft debattiert wurde, ist das eigentliche gesellschaftspolitische Versagen.

 

by Lilli Iliev at January 17, 2018 12:07 PM

January 16, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Monsters of Law „#NoUploadFilter – Die gefilterte Wikipedia?“

Filter kennen keinen Kontext. Community schon. Foto: Christian Schneider, No-Upload-Filter Verteilaktion (6), CC BY-SA 4.0

Wikimedia Deutschland diskutierte mit Fachleuten, welche Auswirkungen die von der EU-Kommission geforderten Upload-Filter für community-getriebene Projekte hätten.

Upload-Filter, Overblocking, Value Gap – es sind keine alltagstauglichen Begriffe, mit denen die Debatte über den Vorstoß der EU-Kommission zur Urheberrechtsreform geführt wird. Wenn Netzpolitik auf juristische Fachdebatten trifft, ist das selten einladend.
Doch geht es hier um Grundrechte, um Meinungs- und Äußerungsfreiheit, und es geht um den Fortbestand eines Internets jenseits der Großkonzerne. Denn mit den von der Kommission vorgeschlagenen automatischen Filtern wird hier eine Maßnahme diskutiert, die die Grundfesten community-betriebener Plattformen wie Wikipedia angreift. Grund für uns, die Debatte in die Öffentlichkeit zu tragen.

 

In der ersten Ausgabe der Wikimedia-Veranstaltungsreihe „Monsters of Law” im Jahr 2018 diskutierte John Weitzmann, Leiter Politik und Recht bei Wikimedia Deutschland, unter dem Titel #NoUploadFilter – Die gefilterte Wikipedia? mit Vertreterinnen und Vertretern des Verbraucherschutzes, der Telekommunikationsbranche und der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) über die Konsequenzen der geplanten Einführung sogenannter Upload-Filter für community-getriebene Internet-Plattformen wie Wikipedia.

Der Hintergrund

Auf Initiative der EU-Kommission wird in der Europäischen Union eine Reform des Urheberrechts vorangetrieben. Es ist der erste solche Vorstoß seit 15 Jahren. Gesetzgeber haben sich lange gescheut, eine europäische Reform des Urheberrechts einzuleiten. Gefordert wird eine Modernisierung des Urheberrechts schon seit einiger Zeit sowohl von gemeinnützigen Organisationen wie Wikimedia, als auch von Seiten betroffener Rechteinhaber z. B. innerhalb der Musikbranche. Ein Gleichgewicht der verschiedenen Interessen zwischen Nutzenden, Rechteinhabern und Giganten der Internetwirtschaft wie YouTube und Facebook zu finden, stellt jedoch eine Herausforderung dar, an der der aktuelle Reformvorschlag bereits zu scheitern droht.

Von links nach rechts: Jan Scharringhausen, GVU, Judith Steinbrecher, Bitkom, John Weitzmann, WMDE, Lina Ehrig, Verbraucherzentrale Bundesverband, Bernd Fiedler, WMDE (Moderation). Foto: Lisa Dittmer (WMDE), Monsters of Law 9 Jan 2018, CC BY-SA 4.0

Zentraler Streitpunkt des Reformvorschlags ist die geplante Einführung von Upload-Filtern für alle Plattformen, auf denen nutzergenerierte Inhalte vorkommen. Automatisierte Filtersysteme sollen sämtliche Inhalte (ob Video, Text, Foto oder Meme, etc.) schon vor dem Hochladen auf potenzielle Rechtsverletzungen scannen und durch Abgleich mit einer Datenbank urheberrechtlich geschützten Materials vermutete illegitime Inhalte blockieren.

In Zeiten zunehmenden Unmuts gegenüber Großplattformen, die enorme Einkünfte generieren ohne zwingend auch die Verantwortung für etwaiges Fehlverhalten ihrer Nutzenden zu übernehmen, sehen die Befürworter der Reform neue technische Schranken als ein effizientes Mittel zur Beseitigung ungewollter Grauzonen. So mahnte Jan Scharringhausen von der GVU, das bisherige System des „notice and take down” (zu deutsch nachlaufender Rechtsschutz), also der nachträglichen, menschlichen Überprüfung einzig solcher Inhalte, die als potenziell rechtsverletzend markiert wurden, möge in Deutschland zwar funktionieren, in den globalen Netzwerken käme man als Rechteinhaber Verstößen aber aufgrund der schieren Masse an Daten nicht mehr hinterher. Die Europaabgeordnete Julia Reda hielt dagegen, teils berechtigte Vorbehalte gegenüber Plattformen wie YouTube und Facebook würden hier „in einen Topf geworfen” mit einer Reformdebatte, die Konsequenzen für die gesamte Bandbreite der Online-Plattformen birgt.

 

Vielfaltsverlust als Kollateralschaden?

Die ganze Veranstaltung zum Nachschauen:

 

Für John Weitzmann, Leiter Politik und Recht bei WMDE, ist die Einführung von Upload-Filtern „nicht verhältnismäßig” zu den Konsequenzen, die eine derartige „Umkehr der Beweislast” mit sich trüge. Auch Wikimedia sehe sich grundsätzlich auf Seiten der Rechteinhaber, zu denen auch die Freiwilligen der Wikimedia-Projekte gehören. Communitybasierte Projekte lebten aber von freiem Zugang und der Möglichkeit kollaborativ zu arbeiten. Derartige Filtersysteme mit Blockaderechten würde Nutzende zwingen, sich bereits „im Vorfeld für jede Äußerung zu rechtfertigen”. Der damit einhergehende „Kollateralschaden” in Hinblick auf europäische Grundrechte und das Potenzial für Missbrauch seien mit dem Zugewinn an Sicherheit für Rechteinhaber nicht zu rechtfertigen.
Auch Lina Ehrig, Leiterin Digitales und Medien im Verbraucherzentrale Bundesverband e. V., stellte die Verhältnismäßigkeit der Mittel „angesichts der durch sie drohenden Gefährdung der Meinungsfreiheit” in Frage. Der Abschreckungseffekt bei Nutzenden könnte zu einem “Vielfaltsverlust” führen, der gerade in Zeiten von Fake News besorgniserregend sei.

Weitzmann und Ehrig stellten in Frage, inwiefern derartige Filter in der Praxis überhaupt in der Lage seien, den Kontext eines Nutzerinhalts zu erkennen und rechtlich zu deuten. So häufen sich Reporte über fehlerhafte Blockierungen durch YouTubes freiwillig installiertes Scansystem „Content ID”, von angeblich urheberrechtlich geschütztem Vogelgezwitscher bis hin zu blockierten Aufnahmen von weißem Rauschen. Bitkom-Referentin Judith Steinbrecher warnte in diesem Kontext vor dem „wahnsinnigen Kostenaufwand”, den die Filter-Verpflichtung mit sich bringen würde. Google hat seit 2007 circa 60 Millionen Euro in die „Content ID”-Software investiert. „Kleinere Plattformen werden so etwas nicht händeln können”.

Blick nach Brüssel

Julia Reda warnte daher, die Pläne der EU-Kommission drohten, die insbesondere von kleinen Plattformen getriebene Innovation im Internet zu hemmen. Bedenken, die auch von Teilen der EU-Mitgliedsstaaten sowie des Parlaments geäußert wurden. Zwei beratende parlamentarische Ausschüsse haben sich bereits gegen die Einführung von Upload-Filtern ausgesprochen, für die letztliche EU-Parlamentsabstimmung ausschlaggebend ist jedoch vor allem das Votum des federführenden Rechtsausschusses. Dies ist nach mehrfachen Verzögerungen für März 2018 angesetzt.

Auf der Ebene der Mitgliedsstaaten zeichnet sich ebenfalls Uneinigkeit ab. Man schielt deshalb nicht zuletzt auf Entwicklungen hinsichtlich der deutschen Regierungsbildung.

Für Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und Wikimedia bedeutet dies, die Aufklärungsarbeit über Risiken der Upload-Filter geht weiter, in Brüssel und Berlin! So hat sich auch die Wikimedia Foundation in einem offenen Statement an EU-Kommissarin für digitale Wirtschaft und Gesellschaft Mariya Gabriel gewandt.

In unserem Blog informieren wir weiterhin regelmäßig über unsere Kampagnenarbeit und weitere Events im Jahr 2018.

Hier noch ein kleines ABC der Begrifflichkeiten:

Upload-Filter: Automatisierte Filterprogramme, die Inhalte während des Hochladens auf Internetplattformen durchleuchten und den Upload blockieren, wenn sie zum Ergebnis kommen, dass es sich um urheberrechtlich geschütztes Material handelt, das der jeweilige Nutzende nicht hochladen darf. Sie tun dies mithilfe eines Abgleichs des hochzuladenden Materials mit einer durch Rechteinhaber kuratierten Datenbank geschützter Inhalte.

„Notice and takedown”: Nach dem derzeit praktizierten “notice and takedown”-Grundsatz erfolgt eine Löschung nachträglich. Es gilt also: Grundsätzlich darf alles online erscheinen, es sei denn, es stellt sich nachträglich als rechtsverletzend heraus. Upload-Filter würden dies umkehren, Nutzer-Posts und Uploads würden blockiert, außer sie werden von automatisierten Systemen als rechtmäßige Nutzung eingestuft.

Overblocking: Im Fall der Reformdebatte befürchten Kritiker die Schaffung falscher Anreize für Großplattformen, eventuelle Strafen durch das exzessive Blockieren auch legitimer Inhalte zu umgehen.

Value gap: Die Differenz zwischen dem Einkommen, das Plattformen mit eingebetteten Inhalten durch Werbeverträge generieren, und der Vergütung der Rechteinhaber der Inhalte selbst.

by Lisa Dittmer at January 16, 2018 10:05 AM

January 15, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Fellow-Programm Freies Wissen: Webinar zu Open Access am 31. Januar

Erkenntnis kommt durch teilen! Im Rahmen des Fellow-Programms finden mehrere Webinare zu Aspekten Offener Wissenschaft statt, an denen neben den Programmbeteiligten auch andere Interessierte teilnehmen können. Bild: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 177, CC BY-SA 4.0

Das Fellow-Programm Freies Wissen ist eine Initiative von Wikimedia Deutschland, dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Offener Wissenschaft zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. Am 31. Januar findet das dritte von mehreren Webinaren zu verschiedenen Aspekten Offener Wissenschaft statt, die von den wissenschaftlichen Partnern des Programms angeboten werden.

Im zweiten Programmjahr des Fellow-Programms konnten mehrere wissenschaftliche Institutionen dafür gewonnen werden, sich als Partner im Programm zu engagieren. Über die Laufzeit des Programms werden sie für die Programmteilnehmenden ihre Expertise zu verschiedenen Aspekten Offener Wissenschaft im Rahmen von Webinaren einbringen, an denen neben den Fellows auch weitere Interessierte kostenlos teilnehmen können. Die Webinarreihe startete am 29. November mit einem Webinar zum Thema „Open Peer Review“, das von der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen angeboten wurde. Am 6. Dezember folge das Zweite Webinar, welches „Citizen Science“ zum Thema hatte.

Webinar „Open Access“ am 31. Januar, 14:00 – 16:00 Uhr

Das dritte Webinar in der Webinarreihe widmet sich dem Thema „Open Access“ und wird von der Freien Universität Berlin angeboten. Das Webinar stellt die Grundlagen vom freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen dar, erläutert die wichtigsten Open-Access-Begriffe und Varianten. Vorgestellt werden politische Rahmenbedingungen und Finanzierungsmodelle, aber auch praktische Fragen wie Finanzierungsmöglichkeiten für Publikationsgebühren, Auswahl passender OA-Zeitschriften und Einschätzung deren Qualität werden nicht zu kurz kommen. Obwohl gegen freie Teilhabe an den wissenschaftlichen Erkenntnissen kaum jemand Einwände erhebt, ist Open Access in den verschiedenen Disziplinen unterschiedlich weit vorangekommen. Wo liegen die Gründe dafür und welche Vorbehalte gibt es? Wie sehen die grundsätzlichen Forderungen und Ideale der Bewegung in deren Realität? Wie ist es um die Gerechtigkeit des APC-Modells bestellt? Zur Diskussion dieser und weiterer Fragen bietet das Webinar ebenfalls Gelegenheit.

Das Webinar richtet sich an alle, die mehr über Open-Access-Publizieren erfahren und ihre eigenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen frei zugänglich publizieren möchten. Neben den Open Science Fellows und Mentoren sind weitere Interessierte herzlich eingeladen, am Webinar teilzunehmen.


by Christopher Schwarzkopf at January 15, 2018 11:43 AM

January 11, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 2/2018

In der Wikimedia:Woche 2/2017 gibt es interessante Gedanken vom 34c3 über den gefühlten Beteiligungsrückgang im Internet zu lesen, ein Interview mit dem neuen Board-Mitglied der Wikimedia Foundation Raju Narisetti und die neueste Auswertung der Umfrage zur Förderung von Wikimedia Deutschland. Außerdem unter anderem in der Wikimedia:Woche: Die Aufzeichnung von Monsters of Law zum Thema „#NoUploadFilter – Die gefilterte Wikipedia?“, eine personelle Änderung bei der Wikimedia Foundation und ein Wikipedia-Projekt in den schwedischen Botschaften.

Zur Wikimedia:Woche 2/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at January 11, 2018 03:22 PM

January 10, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Diskussionsrunde auf dem 34C3: Warum haben wir aufgehört, Dinge ins Internet zu schreiben?

Auf dem 34. Chaos Communication Congress in Leipzig beteiligte sich auch Wikimedia Deutschland an einer Assembly mit einem kleinen selbstorganisierten Programm von Workshops und Vorträgen zu Themen wie Wikidata und SPARQL.

Am letzten Tag organisierten wir eine kleine Diskussionsrunde mit der bewusst provokativen Frage nach dem (gefühlten?) Rückgang von Benutzendenbeiträgen beim Freien Wissen oder einfach gesagt: Was wurde eigentlich aus dem Wikipedia-Account, den du 2007 hattest? Warum schreibst du nichts mehr auf dein Blog?

Beiträge aus der Diskussion haben wir notiert und möchten sie hier zusammenfassen.

Immer wieder wurde Facebook als der Ort genannt, wohin die Aufmerksamkeit und Produktivität abfließt. Kommerzielle Webseiten seien gut darin, Aufmerksamkeit zu binden. Möglicherweise hat ein kultureller Wandel hin zu (Bewegt-)Bildern und weg vom Text im Web stattgefunden, was sich auf die Produktion von Texten für Wikipedia oder auch das eigene Blog auswirkt.  Facebook sei auch der Ort, wo die selbst gemachten Fotos am Ende landen, anstatt sie unter freien Lizenzen auf Wikimedia Commons oder auch Flickr zu veröffentlichen.

Ein Diskussionsteilnehmer aus Taiwan merkte an, dass auf Facebook dort auch Politikerinnen und Politiker oder allgemein Influencer zu finden seien. Das mache die Beteiligung alternativlos, wenn man zum Diskurs beitragen möchte. Dazu käme die Möglichkeit, direkt Feedback zu bekommen — auf Facebook gäbe es Likes und Kommentare, bei Wikipedia manchmal gar keine Reaktion oder Inhalte würden entfernt. Einstiegshürden beschäftigten die Runde ebenfalls — selbst bei großer Motivation fiel es einem Teilnehmer schwer zu erkennen, was genau er beitragen kann und ob seine Beiträge wertvoll sind.

Technologische Gründe wurden auch angeführt: Seitdem sich der Internetzugriff auf das Smartphone verlagert hat, sei es weniger attraktiv, Texte beizutragen — die winzige On-Screen-Tastatur sei viel weniger praktisch bei der Eingabe von Texten als eine richtige Tastatur auf einem ausgewachsenen Computer. Ein Teilnehmer gab einen praktischen Grund für den Rückgang seiner Beiträge zu OpenStreetMap an: Seitdem die Abdeckung in Deutschland nahezu komplett ist, blieben nur noch Änderungen wie Ladenöffnungszeiten von Geschäften übrig.

Die Tatsache, dass Benutzendenbeiträge im Web eine eindeutige Adresse haben (einen Uniform Resource Locator, URL) verschwimmt immer mehr; zwar haben auch Facebookbeiträge einen Link, aber dieser ist kompliziert zu finden und wird selten geteilt — es verschwimmt alles im Strom der Nachrichten. „Facebook killed the Hyperlink“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt. Vielleicht brauche es eine Kampagne, um eindeutige Webadressen für Inhalte neu zu beleben.

Technische und gesellschaftliche Aspekte scheinen beide eine Rolle dabei zu spielen, warum weniger selbst produziertes Wissen im offenen und freien Web landet. Die Lösung für dieses Problem konnte in der einstündigen Diskussion nicht gefunden werden — was auch nicht zu erwarten war — aber etliche interessante Aspekte konnten gesammelt werden. Eine Fortsetzung oder Wiederholung dieser Diskussionsrunde mit einem anderen Publikum ist auf jeden Fall wünschenswert, um noch mehr Sichtweisen zu sammeln.

by Jens Ohlig at January 10, 2018 11:57 AM

January 04, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 1/2018

Zu Beginn des neuen Jahres sind in der Wikimedia:Woche 1/2018 unter anderem der aktuelle Research-Newsletter, eine FAQ zum berühmten Affen-Selfie und Berichte des Jungwikipedianer-Treffens, der GLAM-on-Tour-Station im Museum Europäischer Kulturen und der WikidataCon zu finden.

Zur Wikimedia:Woche 1/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at January 04, 2018 03:38 PM

December 22, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Jungwikipedianer-Treffen in Düsseldorf

In diesem Gastbeitrag schaut Benutzer:Zenith4237 auf das erfolgreiche Treffen der Jungwikipedianer in Düsseldorf zurück.

Die Jungwikipedianer (kurz JWP) sind eine Gemeinschaft von und für jüngere Benutzer. Vom 15. bis zum 17. Dezember trafen sich 25 aktuelle und ehemalige Mitglieder in Düsseldorf, um dort insbesondere den jüngeren Wiki-Nutzern zu ermöglichen, sich in einer entspannten Atmosphäre untereinander auszutauschen. Auf dem Programm standen mehrere Diskussionsrunden sowie eine Reihe von „Lightning Talks“, in denen die Mitglieder in Kurzvorträgen über selbst gewählte Themen referierten.

Zentraler Aspekt war zum einen die Altersgrenze, die momentan bei 18 Jahren liegt. Weil „jung“ teilweise bis 24 Jahre definiert ist und die Altersgruppe der U16 bei den JWP mittlerweile unterrepräsentiert ist, gab es Vorschläge zu einem Alumni-Programm für JWP über 18 Jahren. Im Rahmen der Lightning Talks wurde zum Beispiel neben Commons-Uploadern auch über Bot-Frameworks, das OTRS oder Schülervertretungen berichtet. Um das Besprochene aus den Diskussionsrunden schriftlich festzuhalten und auszuarbeiten, wurden mehrere Arbeitsgruppen gebildet, die sich nun mit den Fragen „Obere Altersgrenze der JWP“ und „Einbindung der jüngeren Wikimedianer“ näher beschäftigen. Es geht gezielt darum, jüngere Wikimedianer zu fördern und auch im Verlauf die Jungwikipedianer zu einer Wikimedia-weiten Gruppe zu erweitern sowie von internationaler Seite anerkannt und für unseren Beitrag zu freiem Wissen respektiert zu werden. Versuche gab es dafür schon, jedoch ohne folgende Aktionen oder Handlungen. Ein erster Schritt war es für uns, in Düsseldorf mit Pratyya Ghosh aus Bangladesch per Videochat über eine internationale Gruppe der „Young Wikimedians“ zu diskutieren und sich darüber zu einigen, dass diese Gruppe sehr sinnvoll wäre.

Neben den Programmpunkten wurde in den angenehmen Tagungsräumlichkeiten gemeinsam gegessen, editiert und gescherzt. Dabei wurden neue Kontakte geknüpft und bestehende vertieft. Dies war speziell für die neue(re)n Nutzer von Bedeutung, da sie so enger in die Community eingebunden wurden. Ich (Zenith) selbst habe über ein JWP-Treffen in die Wikipedia-Community gefunden und mich sehr gefreut, dass es dieses Mal für abermals ganz neue Benutzer die gleiche Möglichkeit gab.

by Sandro Halank at December 22, 2017 02:24 PM

2018 wird politisch: Wir laden ein zu Monsters of Law „#NoUploadFilter“ und Wikimedia-Salon „Q=Quellen“

Filtertüten-Verteilaktion beim SPD-Parteitag am 7.12. in Berlin. Foto: Bernd Fiedler (WMDE), CC BY-SA 4.0

Auch im nächsten Jahr gibt es viel über die Verbreitung und den Schutz des Freien Wissens zu diskutieren. Schon vorm Jahreswechsel möchten wir daher herzlich einladen und Vorfreude wecken für zwei Veranstaltungen aus den Reihen „Das ABC des Freien Wissens“ und „Monsters of Law. Die juristische Veranstaltungsreihe rund um Freies Wissen“.


2017 hat gezeigt, wie wichtig es ist, auf dem politischen Parkett sichtbar und laut für Freies Wissen einzutreten. Netzneutralität wird nicht garantiert, Upload-Filter werden nicht verhindert, wenn man nur freundlich genug darum bittet. Es braucht sorgfältige Argumentation, Präsenz auf dem Radar der entscheidenden politischen Akteure und vor allem: Beharrlichkeit.
Ein Instrument dafür sind die WMDE-Veranstaltungsreihen, mit denen der Verein seit 2014 kontinuierlich Gesprächsangebote macht, Diskussionen anstößt und wichtige Personen aus Kultur, Politik, Wissenschaft, Bildung und Zivilgesellschaft zusammenbringt. Hier werden Themen durchbuchstabiert, die zur Produktion und Verbreitung Freien Wissens wichtig sind: Von Schrankenreglungen über das Verhältnis zwischen Grundeinkommen und Urheberrecht bis zur Digitalen Agenda der nächsten Bundesregierung. 


 

Monsters of Law – Juristische Reihe rund um Freies Wissen.

Thema: #NoUploadFilter. Die gefilterte Wikipedia?

Wann: 09. Januar 2018, 18:00 Uhr (Einlass 17:30)

Wo: ALEX Offener Kanal Berlin, Rudolfstraße 1-8, (Eingang Ecke Ehrenbergstraße), 10245 Berlin

Gäste:

  • Lina Ehrig, Leiterin Team Digitales und Medien, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
  • Judith Steinbrecher, Bereichsleiterin Gewerblicher Rechtsschutz & Urheberrecht, Bitkom e.V.
  • Jan Scharringhausen, Geschäftsführer Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen
  • Julia Reda, Europaabgeordnete der Piratenpartei (per Schalte aus Brüssel)
  • John Weitzmann, Leiter Politik und Recht, Wikimedia Deutschland e. V.

In der Reihe „Monsters of Law“ nimmt WMDE rechtliche Fragen rund um Freies Wissen unter die Lupe. Am 9. Januar möchten wir darüber diskutieren, welche Auswirkungen automatisierte Upload-Filter für Community-Projekte hätten und welche Folgen die Einführung für weitere urheberrechtliche Anpassungen auf EU-Ebene haben könnte. Wir haben ein Informationspapier zur möglichen Einführung von Upload-Filtern und deren Auswirkungen auf Community-Plattformen zusammengestellt: Infosheet #Nouploadfilter – Die gefilterte Wikipedia

Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns über eine Anmeldung unter monsters@wikimedia.de


 

Wikimedia-Salon – Das ABC des Freien Wissens.

Thema: „Q=Quellen. Wie umgehen mit „alternativen Fakten“? „

Wann: 13. März 2018, 19:00 Uhr (Einlass: 18:30 Uhr)

Wo: ALEX Offener Kanal Berlin, Rudolfstraße 1-8 (Eingang: Ecke Ehrenbergstraße), 10245 Berlin

Quellen, an die man die Erwartung von Objektivität stellen kann, sind spätestens seit dem Poststrukturalismus zur Fata Morgana geworden. Doch die gesellschaftliche Sehnsucht nach Eindeutigkeit hat Konjunktur – mit beängstigenden Folgen.
Seit die Trump-Administration mit gezielten Falschmeldungen hochwirksam politische Prozesse beeinflusst, müssen sich Politik, Journalismus und Zivilgesellschaft fragen, mit welchen Ansätzen „alternativen Fakten“ am besten beizukommen ist. Können community-basierte Ansätze wie das Wikipedia-Prinzip eine Orientierung bieten?

Gäste:

  • Ingrid Brodnig, Journalistin, Autorin „Lügen im Netz“ (angefragt)
  • Alexander Sängerlaub, Projektleiter „Measuring Fake News“, Stiftung Neue Verantwortung
  • Renate Künast, MdB, Bündnis 90/Die Grünen (angefragt)
  • Dirk von Gehlen, Abteilungsleiter Social Media / Innovation, Süddeutsche Zeitung (angefragt)
  • Kurt Jansson, Gründungsmitglied und stellvertretender Präsidiumsvorsitzender Wikimedia Deutschland e. V. (angefragt)

Moderation: Philip Banse, Journalist (angefragt)

Künstler: Julian Fahrenholz

Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns über eine Anmeldung unter salon@wikimedia.de

Die Veranstaltungen werden von ALEX Offener Kanal Berlin aufgezeichnet und live im Fernsehen sowie auf dieser Webseite gestreamt und danach unter freier Lizenz zur Verfügung gestellt.

by Lilli Iliev at December 22, 2017 11:49 AM

Wiki Loves Monuments 2017: Die internationalen Siegerbilder stehen fest

Es ist bereits zu einer Tradition geworden, dass ehrenamtliche Wikipedianerinnen und Wikipedianer im „Denkmalmonat“ September den Fotowettbewerb Wiki Loves Monuments veranstalten. Der Wettbewerb widmet sich den Bau- und Kulturdenkmalen und ist – laut Guinness World Records – der weltweit größte Fotowettbewerb. Eine Besonderheit des Wettbewerbs ist es, dass alle Beteiligten – Fotografinnen und Fotografen, Organisatorinnen und Organisatoren sowie Jurorinnen und Juroren – ehrenamtlich tätig sind.

 

Die internationalen Siegerbilder
Die besten 489 Bilder aus den 54 teilnehmenden Ländern wurden der internationalen Jury vorgelegt. Die Bilder, welche am internationalen Wettbewerb teilnahmen, hatten sich in den einzelnen Ländern bei den nationalen Jurys durchgesetzt. Alle am internationalen Wettbewerb teilnehmenden Bilder sind hier zu finden. Diese Bilder wurden durch die internationale Jury bewertet und ein Ranking der besten 15 Bilder erstellt.

Das diesjährige Gewinnerbild kommt aus Indien, wurde vom Fotografen PKharote aufgenommen und zeigt den Khandoba-Tempel in Pune. Die Jury urteilte: „The grand prize goes this year to India! The Khandoba temple in Pune, India is a wonderful view in any day, but this photo is an amazing combination of activity, color and history. During the Bhandara festival, celebrants are showering yellow turmeric powder on crowd around the temple. The play with colors makes it that you can almost smell the turmeric through the photo.“1

„The second prize is quite literally a hidden gem: a royal pavilion hidden in a cave in the mountains of Thailand. Janepop travelled for more than 500 km with his friends to arrive at exactly the right moment to make this great shot with the perfect light conditions.“,2 schreibt die Jury in ihrer Bewertung zum zweiten Platz, welcher einen königlichen Pavillion im Nationalpark Khao Sam Roi Yot zeigt und von BerryJ.

Aus Bangladesh stammt der dritte Platz von Wiki Loves Monuments. Abgebildet ist die Bait ul-Mokarram-Moschee, fotografiert von Azim Khan Ronnie. Die Jury schreibt in ihrer Bewertung des Bildes: „The Baitul Mukarram Mosque in Dhaka is the 10th largest mosque in the world, and was here photographed during peak hour, the Jummah prayer in the early afternoon. After many photos, Azim managed to find the exact right angle and moment that shows the magnitude of the mosque in action as well as key architectural elements.“ 3

Die internationalen Top 15 sind hier aufgeführt. Das deutsche Siegerbild (siehe unten) erreichte in diesem Jahr den 12. Platz, die Jury schrieb in ihrer Kritik zum Bild: „This casino hall is located in one of the spa’s in the spa town Wiesbaden in Germany. While gambling is definitely going on in this establishment, it has more the look of a library. The setting is calm, but with plenty of details to discover.“4

Platz 4: Manadily, السلم الداخلى لبرج قصر البارون, CC BY-SA 4.0 Platz 5: Iris.gonelli, La fortezza è un faro che domina la valle, CC BY-SA 4.0 Platz 6: Simone Letari, Fortezza Verrucole Archeopark interno, CC BY-SA 4.0 Platz 7: Jubair1985, বায়তুল মোকাররম, CC BY-SA 4.0 Platz 8: Diego Delso, Basílica de Notre-Dame, Montreal, Canadá, 2017-08-12, DD 01-03 HDR, CC BY-SA 4.0 Platz 9: BerryJ, 01-วัดเบญจมบพิตรดุสิตวนารามราชวรวิหาร, CC BY-SA 4.0 Platz 10: Alphacontrol, Sydneyoperahouse at night, CC BY-SA 4.0 Platz 11: Matthew Hoser, The Derelict West Pier of Brighton, CC BY-SA 4.0 Platz 12: Martin Kraft, MK 30537 Spielbank Wiesbaden, CC BY-SA 3.0 Platz 13: Dmytro Balkhovitin, Mestia, evening, CC BY-SA 4.0 Platz 14: Mostafameraji, The Tabātabāei House - kashan - IRAN خانه طباطبایی های کاشان- ایران 02, CC BY-SA 4.0 Platz 15: Francesco-1978, A spasso nel tempo, CC BY-SA 4.0

Die Geschichte von Wiki Loves Monuments

Erstmals ausgetragen wurde Wiki Loves Monuments 2010 in den Niederlanden. 2011 nahmen bereits 18 europäische Länder teil, im Jahr 2017 waren es 54 – der bisherige Höchstwert.

International haben 2017 rund 10.00 Fotografinnen und Fotografen mehr als 245.000 Bilder von Bau- und Kulturdenkmalen hochgeladen und damit zur Bebilderung insbesondere der Wikipedia beigetragen. Allein in Deutschland haben sich 450 Ehrenamtliche mit mehr als 20.000 Bildern beteiligt. Auch wenn im die Spitzenposition des vergangenen Jahres nicht gehalten werden konnte, haben diese Ehrenamtlichen mit ihren Beiträgen dafür gesorgt, dass Deutschland auch in diesem Jahr im internationalen Vergleich in den Top 5 der Teilnehmerländer zu finden ist.

Wiki Loves Monuments in Deutschland

Die Bilder von deutschen Bau- und Kulturdenkmalen wurden in einem ersten Durchlauf im September und Oktober einer Vorjury von rund 70 Engagierten der Wikimedia-Projekte zur Bewertung vorgelegt. Anschließend wurden durch die Hauptjury – bestehend aus acht ehrenamtlichen Wikipedianern, dem Fotografen Volkmar Billeb, der Denkmalschutzexpertin Nina Schwenke und Martin Rulsch von Wikimedia Deutschland – aus den am besten bewerteten 1113 Bildern in mehreren Durchläufen die Top-100-Bilder ausgewählt und die Sieger bestimmt.

Platz 1 erreichte der Fotograf Martin Kraft mit einem Innenaufnahme der Spielbank im Kurhaus Wiesbaden. Die Jury lobte: „Martin Kraft gelang es unter den nicht einfachen Umgebungsbedingungen, den Saal der Spielbank Wiesbaden im denkmalgeschützten Kurhaus technisch einwandfrei abzulichten. Ein leichtes Rauschen im Bild schmälert diese Leistung nicht.“

Den zweiten Platz belegte Matthias Süßen mit dem Bild eines Haus auf dem Graswarder. Die Jury merkte zu diesem Bild an: „An der Küste von Heiligenhafen finden wir das Naturschutzgebiet Graswarder. Das abgebildete Haus gehört zur historischen Bebauung der Halbinsel. Dem Fotografen Matthias Süßen gelang es, das Haus aus einer interessanten Perspektive aufzunehmen. Die gespannte Wäscheleine mit der farbenfrohen Wäsche verleiht dem Bild seine besondere Note.“

Platz 3 zeigt den Vogelsaal im Naturkundemuseum in Bamberg, aufgenommen durch den Fotografen Ermell. Die Jury schrieb in ihrer Bewertung: „Einen interessanten Einblick in den Vogelsaal des Naturkundemuseums Bamberg zeigt uns der Fotograf Ermell. Das streng symmetrisch geordnete Bild besticht durch den gut gewählten erhöhten Standort des Fotografen und dessen Fähigkeit, eine Innenaufnahme auch bei schwierigen Lichtverhältnissen gekonnt umzusetzen. Die Vögel in der Mittelachse des Bildes scheinen gerade im Moment des Abhebens auf den Betrachter zu zu fliegen.“

Die Top 100 des deutschen Wettbewerbs sind hier zu finden.

 

Ausblick: WLM goes ECHY 2018

Im kommenden Jahr wird der WLM-Fotowettbewerb auf das Europäische Kulturerbejahr 2018 fokussiert: Zur besseren Koordination und für einen intensiveren Austausch zwischen den Ehrenamtlichen der involvierten Länder wird ein Portal im Medienarchiv Wikimedia Commons gegründet. Dort wird zur Teilnahme an einem Sonderpreis für die beste Vermittlung von europäischem Kulturerbe sowie an weiteren Aktivitäten im Rahmen des EU-Jahres wie der Erstellung von 360°-Fotos und Jugendprojekten hingewiesen.

Auch in der Wikipedia selbst wird durch Banner und darüber hinaus durch eine multimediale Begleitkommunikation die Öffentlichkeit zum Mitmachen am Europäischen Kulterbejahr und Wiki Loves Monuments animiert. Für den Dialog mit der Öffentlichkeit sowie für das Aufbauen von Kooperationen werden Interessierte unter anderem von der Deutschen UNESCO-Kommission weitergebildet und als Wikipedia-Botschafter/-innen zertifiziert. Durch die Verwendung Freier Lizenzen, den Ausbau von Partnerschaften mit Institutionen und die Verankerung der Themen in den Wikimedia-Projekten soll dadurch für eine nachhaltige Wirkung des Projektes gesorgt werden.

Wer sich im kommenden Jahr bei Wiki Loves Monuments beteiligen möchte, findet alle Informationen zum internationalen Wettbewerb hier.

 


Übersetzungen

1. Der Hauptpreis geht in diesem Jahr nach Indien! Der Khandoba-Tempel in Pune, Indien sieht jeden Tag wundervoll aus, aber dieses Foto zeigt eine faszinierende Kombination von Lebendigkeit, Farbe und Geschichte. Während des Bhandara-Festivals baden die Zelebranten die Menge, welche sich rings um den Tempel versammelt hat, in gelben Kurkumapulver.

2. Der zweite Preis ist im wahrsten Sinne des Wortes ein verstecktes Juwel: ein königlicher Pavillion, versteckt in einer Höhle in den Bergen von Thailand. Janepop reiste mit seinen Freunden mehr als 500 km, um genau im richtigen Moment diesen Ort zu erreichen und dieses großartige Foto mit perfekten Lichtbedingungen zu machen.

3. Die Bait ul-Mokarram-Moschee in Dhaka ist die zehntgrößte Moschee der Welt und wurde hier zur Spitzenzeit, dem Jummah-Gebet am frühen Nachmittag, fotografiert. Nach vielem Fotos gelang es Azim, den genauen rechten Winkel und Moment zu finden, der sowohl die Größe der Moschee als auch die wichtigsten architektonischen Elemente zeigt.

4. Dieses Casino befindet sich in einem der Kurhäuser der Kurstadt Wiesbaden in Deutschland. Obwohl in dieser Einrichtung definitiv auch Glücksspiele stattfinden, hat es eher den Anschein einer Bibliothek. Die Umgebung ist ruhig, aber es gibt viele Details zu entdecken.

by Sandro Halank at December 22, 2017 08:00 AM

December 21, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 50/2017

Die 50. und gleichzeitig letzte Ausgabe der Wikimedia:Woche 2017 beschäftigt sich mit dem Rückblick auf die GLAM-Veranstaltungen des vergangenen Jahres, den Zusatzinformationen zur Planung von Wikimedia Deutschland für 2018 und dem Jahresbericht 2016 von Wikimedia Italia.

Zur Wikimedia:Woche 50/2017 geht es hier.

by Sandro Halank at December 21, 2017 02:39 PM

Wikipedia und Wissenschaft – eine Erfolgsgeschichte aus Heidelberg

Wikipedia trifft Wissenschaft: Gruppenbild mit Blick auf’s Heidelberger Schloss. Foto: Martin Rulsch, Antikenmuseum der Universität Heidelberg, CC BY-SA 4.0

Es ist noch nicht lange her, da war das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Wikipedia ein eher schwieriges. Jahrgänge von Studierenden bekamen in den Einführungskursen zu hören, die Wikipedia sei für wissenschaftliches Arbeiten nicht zu gebrauchen. Das hatte weniger mit der Qualität der Inhalte zu tun, als vielmehr mit einem Blick auf die Wikipedia, der in der Online-Enzyklopädie in erster Linie eine Quelle für potenzielle Plagiate sah. Dass Copy-and-Paste grundsätzlich ebenso wenig einem wissenschaftlichen Anspruch genügt wie eine Argumentation, die nur auf einer Quelle aufbaut, darüber müssen wir aber ja nicht diskutieren.

In einer Studie des Leibniz-Forschungsverbunds „Science 2.0“ wurde untersucht, welche Online-Werkzeuge und Social-Media-Anwendungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an bundesdeutschen Hochschulen verwenden.1 Sie zeigt, dass 97 Prozent von ihnen die Wikipedia privat nutzen. Das erscheint angesichts der Popularität der in Deutschland auf Rang 7 der am häufigsten besuchten Webseiten rangierenden Online-Enzyklopädie wenig überraschend. Sie ist zu einem zentralen Einstiegspunkt im digitalen Wissenskosmos geworden. Überraschender ist dagegen ein anderes Ergebnis der Befragung: Der Anteil der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Wikipedia auch beruflich nutzen, liegt bei 94 Prozent. Die Wikipedia liegt damit als beliebtestes Werkzeug vor Mailinglisten, Online-Archiven und Datenbanken, Lernmanagementsystemen und anderem mehr. Eingesetzt wird die Wikipedia insbesondere innerhalb der Forschungstätigkeit zu Recherchezwecken. Doch immerhin 10 Prozent der Befragten beteiligen sich auch durch das Erstellen eigener Artikel, ein kleinerer Teil durch das Kommentieren anderer Beiträge. Ebenfalls 10 Prozent nutzen Wikipedia für die Wissenschaftskommunikation, um ihre Inhalte an die Öffentlichkeit zu vermitteln.

 

Die Perspektive eines Wissenschaftlers

Ludger Lieb, Professor für Ältere Deutsche Philologie an der Universität Heidelberg. Foto: Rudolf H. Boettcher (1rhb), Ludger Lieb, CC BY-SA 4.0

Die Wikipedia kann die Kluft zwischen den wissenschaftlichen Spezialdiskursen und dem öffentlichen Diskurs, dem Allgemeinwissen überbrücken. Ich halte Wikipedia inzwischen für die wichtigste Brücke, die der Wissenschaft hierfür zur Verfügung steht.

Diese Einschätzung stammt aus einem Vortrag des Altgermanisten Prof. Dr. Ludger Lieb, den er im Rahmen einer GLAM-on-Tour-Veranstaltung in der Universitätsbibliothek der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg am 10. November 2017 gehalten hat. Er ist Sprecher des Sonderforschungsbereichs (SFB) 933 „Materiale Textkulturen“, der sich mit der materialen Beschaffenheit von Dingen auseinandersetzt, auf denen etwas geschrieben steht – seien es Portale, Grabsteine, Tontafeln, Amulette, Papyri oder Pergamente. Der Forschungsverbund zeichnet sich unter anderem durch das Teilprojekt „Schrifttragende Artefakte in Neuen Medien“ aus, dessen Aufgabe es ist, neue Formen der digitalen Wissenschaftskommunikation zu erproben und einen niedrigschwelligen Wissenstransfer der Arbeitsergebnisse an die interessierte Öffentlichkeit sicherzustellen. Hierzu gehört explizit auch, den Kontakt zur Wikipedia aufzubauen und lebendig zu halten.

Ganz besonders wichtig ist, dass Wissenschaft verständlich präsentiert wird. Auch hier nochmal ein Lob an die Wikipedianer: Ich habe kaum je einen Wikipedia-Artikel gelesen, den ich nicht verstehen konnte, weil er zu kompliziert oder in einem dunklen Stil geschrieben war. Das muss auch mal gesagt sein.2

Aus Sicht des Wissenschaftlers ist die Wikipedia ein riesiger Wissensspeicher, der Wissen nach wissenschaftlichen Standards aufbereitet. Zu diesen Standards gehört das Ordnen, Belegen, Differenzieren und Bewerten des Wissens. Diese Standards korrespondieren mit den Grundprinzipien der Wikipedia: Um sicherzustellen, dass Themen sachlich dargestellt und persönliche Standpunkte aus Artikeln herausgehalten werden, müssen Aussagen mit glaubwürdigen, veröffentlichten Informationsquellen in Fußnoten belegt werden und damit nachprüfbar sein. Wo Aussagen nicht ausreichend belegt sind, wird dies mit Hinweisen transparent und sichtbar gemacht. Hierzu werden sogenannte Bewertungsbausteine verwendet wie „Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.“ Artikel sollen außerdem von einem neutralen Standpunkt aus verfasst werden und unterschiedliche Perspektiven differenziert darstellen. Für Ludger Lieb bleibt es jedoch nicht bei diesen Parallelen:

Wikipedia ist ein kollaboratives Projekt und ich glaube, es weist damit der (Geistes)Wissenschaft den Weg. Die Orientierung unserer Wissenschaft muss gemeinschaftlich sein. […] Ich mag allen Professorinnen und Professoren sagen: Stellt Eure Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinschaft, freut Euch, wenn das Wissen vermehrt wird und die Wikipedia besser wird! Nehmt Euer Amt ernst und werdet zum Diener! Verschenkt Euer Wissen und Eure Ideen! Seid froh, wenn das, was wichtig und spannend und gut ist, auch von anderen erforscht wird! Tut es gemeinsam! Spornt Euch an!3

 

Die Perspektive eines Wikipedianers

Wissenschaft trifft Wikipedia auf der Wikimania in Montreal 2017: Marcus Cyron (rechts) und Christian Vater (links). Foto: Rainer Halama, Wikimania 2017, CC BY-SA 4.0

Marcus Cyron ist seit 12 Jahren in der Wikipedia und anderen Wikimedia-Projekten einer der aktivsten Beiträger. Ihn zeichnet ein starkes wissenschaftliches Interesse im Bereich der Altertumswissenschaften aus. Immer wieder hat er in den letzten Jahren Projekte an der Schnittstelle von Wikipedia und Wissenschaft mit initiiert, so etwa die Tagung „Wikipedia trifft Altertum“, die 2011 in Zusammenarbeit mit allen wichtigen Fachverbänden aus dem Bereich der Altertumswissenschaften an der Universität Göttingen stattfand. 2012 war er der erste „Wikipedian in Residence“ in Deutschland am Deutschen Archäologischen Institut. Mit „Wikidata trifft Archäologie“ folgte 2013 eine Tagung, die Einblicke in die frei bearbeitbare Datenbank für strukturierte Daten und ihre Potenziale ermöglichte, diese als zentralen Verknüpfungspunkt für große Datenmengen zu nutzen.

2015 begann die Zusammenarbeit mit dem SFB „Materiale Textkulturen“. Gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Christian Vater organisierte Marcus Cyron eine erste GLAM-on-Tour-Veranstaltung im Antikenmuseum der Universität Heidelberg. Diese bot am 4. und 5. Oktober 2016 neben einer Schreibwerkstatt und der Möglichkeit, Fotos in der Sammlung zu machen, auch Führungen seitens des Archäologen Prof. Dr. Nikolaus Dietrich und des Sammlungskurators Dr. Hermann Pflug. So war dies eine sehr produktive Veranstaltung, die ihren Höhepunkt am Ende hatte, wie Marcus Cyron sich erinnert:

Kurator Herrmann Pflug war uns ohnehin die ganze Zeit eine stete Hilfe und Ansprechpartner bei allen möglichen Fragen. Und wir hatten Fragen. Das zeigte aber auch, dass wir zum einen wussten, was wir taten und wollten und dass wir zum anderen wirklich Interesse an der Sache hatten. Dennoch hätte sicher Niemand gedacht, dass er gegen Ende der Veranstaltung extra für uns noch einige der Originale aus den Vitrinen nahm, damit wir sie besser fotografieren konnten. Dieses Vertrauen ehrt uns ungemein.4

Dieses Vertrauen ist die Basis für eine inzwischen intensive Zusammenarbeit zwischen Wikipedianer/innen und Wissenschaftler/innen in Heidelberg, die mit einer zweiten GLAM-on-Tour-Veranstaltung am 10. und 11. November 2017 fortgesetzt wurde. Dieses Mal standen die Handschriften aus der Bibliotheca Palatina sowie weitere Exponate aus der historischen Sammlung der Universitätsbibliothek (UB) Heidelberg im Mittelpunkt.

Man merkte bei der ganzen Veranstaltung den Wunsch seitens der UB, uns als ihren Gästen die Schätze der Bibliothek näher zu bringen. Ja mehr noch, zu zeigen, welche Werke, welche Themen in Wikipedia vertreten sein sollten. Und das nicht einfach nur aus Eigennutz, weil man sich gerne gut in der Wikipedia repräsentiert sehen wollte, sondern weil man sich darum bewusst ist, welche Schätze man in der UB hat, die noch nicht einmal im Ansatz gehoben und einer weiteren Öffentlichkeit bekannt sind.5

Und mit dem Stichwort Öffentlichkeit schließt sich der Kreis. „Wikipedia und Wissenschaft“ – das ist ein absolut spannendes Feld der Wissenschaftskommunikation, das wir von Wikimedia Deutschland gemeinsam mit dem SFB „Materiale Textkulturen“ im November auch auf dem Forum Wissenschaftskommunikation 2017 vorgestellt haben. Darüber, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFB Wikipedia auch in die Lehre einbinden, soll es dann ein andermal gehen. Sicher ist: Die Zusammenarbeit geht weiter – darauf freuen wir uns!

 


 

1 Daniela Pscheida, Claudia Minet, Sabrina Herbst, Steffen Albrecht, Thomas Köhler: Nutzung von Social Media und onlinebasierten Anwendungen in der Wissenschaft. Ergebnisse des Science 2.0-Survey 2014, urn:nbn:de:bsz:14-qucosa-163135

2 Ludger Lieb, Wissen und Denken – Potenziale und Grenzen der Wikipedia für die Geisteswissenschaften“, 10.11.2017, https://sfb933.hypotheses.org/363

3 Ebd.

4 Marcus Cyron, Antike in Heidelberg“, wp:kurier, 12.10.2016, https://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=158678283#Antike_in_Heidelberg

5 Marcus Cyron, Herbstliches GLAMmen in Heidelberg“, wp:kurier, 10.12.2017, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia:Kurier&oldid=172121409#Herbstliches_GLAMmen_in_Heidelberg

by Dominik Scholl at December 21, 2017 09:40 AM

December 17, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Von Wikipedianern in Museen, Kulturgut unter Hackern und neuen Ufern.

365 Tage GLAM*- Arbeit und was daraus folgt

Zu dieser Jahreszeit häufen sich Rückblicke. Manch einer schaut voller Wehmut zurück, mancher voller Stolz. Einige messen ihre Erfolge in Zahlen, andere rappen. Rappen werde ich nicht, aber 2017 rockte ganz nett, wenn Sie mir den Kalauer zum Jahresende erlauben.


Die musizierenden Musen im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg inspirierten die Freiwilligen zu vielen neuen Beiträgen zur klassischen Musik. Bild von Nightflyer CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Die Sonnen des Wikiversums

Im Wikiversum strahlt nicht nur eine Sonne. Viele, viele Freiwillige arbeiten hart. Sie strahlen förmlich. Die Wikipedia wird umfangreicher. Mehr als zwei Millionen Artikel. Etliche davon entstanden bei den inzwischen sehr vielfältigen GLAM on Tour Stationen

In diesem Jahr zählte die Tour sechs Stationen. Von einer Museumsbaustelle in Köln, über Wiki loves Music in Hamburg, Tony Craggs Skulpturenpark in Wuppertal, Porzellan in Fürstenberg, alte Manuskripte in der Biblioteca Palatina und schließlich Wiki goes MEK in Berlin. Gleich zweimal drohte ein Sturm die jeweilige Veranstaltung zu torpedieren, doch wir ließen uns nicht bange machen. Im Zuge der beliebten Wochenendausflüge, jeweils von Freiwilligen im Verbund mit einem Museum, Bibliothek oder Archiv geplant und mit Unterstützung von Wikimedia Deutschland durchgeführt, werden nicht nur Wikipedia-Artikel geschrieben, sondern auch viele Fotos gemacht und oft genug der Grundstein für gute Arbeitsbeziehungen gelegt. Wir feierten dieses Jahr die 20. GLAM on Tour Station.

Stets aufs Neue bin ich fasziniert, wie der wissenshungrige Eifer der Freiwilligen die Kollegen in den Kultureinrichtungen so mitreißt, dass jene bereitwillig längere Vorträge halten, noch eine Kostbarkeit aus dem Depot hervor holen und schließlich sich selbst als Wikipedianer/in anmelden. Uns erreichen immer mehr Ideen von Freiwilligen und Anfragen von Kultureinrichtungen für weitere GLAM on Tour Stationen. Daher bin ich froh, mit Holger Plickert jetzt einen wackeren Projektmanager an meiner Seite zu haben. Zu zweit können wir das wunderbare Engagement der Freiwilligen besser unterstützen. Wir überlegen im kommenden Frühjahr mit allen GLAMistas gemeinsam, wie wir die Zusammenarbeit mit den Kultureinrichtungen noch verstärken können. Warum nicht mit einer Kampagne #FotografierenBitte, die Museen einlädt, das oft noch geltende Fotografierverbot in ihren Häusern aufzuheben, damit die Fotos aus den Museen unter freier Lizenz auf Wikimedia Commons hochgeladen werden können. Natürlich um Artikel in der Wikipedia zu illustrieren. Aber mit großen Bilderschätzen kann man auch andere schöne Dinge schaffen.

 

Tanzende Kulturdaten

Ein kleiner Vorgeschmack auf das  Online-Spiel Bombus, eines der diesjährigen Coding da Vinci Projekte. Film von Jem the Misfit CC BY SA auf Vimeo 

Denn großartige Bilderschätze unter freier Lizenz gab es auch dieses Jahr wieder für Coding da Vinci. In einer famosen bestärkenden Partnerschaft mit der Deutschen Digitalen Bibliothek, der Servicestelle Digitalisierung, der Open Knowledge Foundation und dem Deutschen Nationalkomitee Denkmalschutz haben wir zum vierten Mal GLAM-Institutionen und HackerInnen zur Kreation neuer Produkte aus Kulturdaten animiert. Was man alles mit Kulturdaten anstellen kann, zeigten am 2. Dezember ungefähr 100 ProgrammiererInnen, Kulturfans und DesignerInnen bei der Preisverleihung des Kultur-Hackathons. Kurt Jansson, stellvertretender Vorsitzender von Wikimedia Deutschland und zum ersten Mal in der Jury, meldete im Anschluss “Ich fahre gerade sehr beseelt nach Hause.” Berlins Kultursenator Klaus Lederer betonte, Wissen und Kultur, Zugang zu freien Daten und Informationen seien wichtig für die moderne Zivilgesellschaft. Er lobte Coding da Vinci und wünschte sich davon gern noch mehr. Was beide, das Publikum und die Presse begeisterte, war die Professionalität, der Innovationsgeist, der Charme und die Vielfalt der fünfzehn Projekte, die mit den 32 Kulturdatensets von Oktober bis Dezember gearbeitet hatten. Die Preisträger wurden schon gewürdigt. Mein Lieblingsprojekt Bombus hat zwar keinen Preis gewonnen, aber ich hoffe, dass ich es schon bald als fertiges Online Spiel auf meinen Computer herunter laden kann. In wunderbarer Weise schlägt dieses Spiel von Betruchs Kinderenzyklopädie des 18. Jahrhunderts eine Brücke zu den Kids des 21. Jahrhunderts. Denn es vermittelt unterhaltsam die Bedeutung von Hummeln für die Bestäubung vieler Pflanzen, aktuell von Giften wie Glyphostat bedroht, mit den animierten Illustrationen von Bertruch. Im nächsten Jahr wandert Coding da Vinci von Berlin nach Leipzig an die Universitätsbibliothek.

We transform the world with culture

So lautet der Claim von Europeana, der europäischen Digitalplattform für das Kulturerbe dieses Kontinents. Seit einem Jahr bin ich Mitglied des Beirates von Europeana und habe die Arbeit der Plattform begleiten dürfen. Dabei bezeichnet der Claim nicht nur die Mission von Europeana, sondern beschreibt auch gut mein eigenes Verständnis der Förderung des Freien Wissens im Kulturbereich. Denn wir können die Welt nur mit Kultur weiterhin verändern, wenn es uns gelingt, das kulturelle Erbe in den digitalen Raum hinein zu tragen. Es ist unsere Aufgabe Menschen zu ermutigen und zu befähigen, die in den GLAM-Einrichtungen Kulturgut sammeln, bewahren und erforschen, mit uns gemeinsam unser aller Kulturerbe über Wikimedia-Projekten für das Freie Wissen zu öffnen und für eine offene Weiternutzung zu erschließen. Mit Workshops, Beiträgen auf Konferenzen und Publikationen arbeiten wir Wikimedia-GLAMistas für mehr #openGLAM.

2018 ist das Europäische Jahr des Kulturellen Erbes. Das ist eine große Chance für noch effektivere GLAM-Wiki-Arbeit. Wikimedia Deutschland unterstützt daher Initiativen wie die Collection Days der Europeana zum Thema Migration und strebt hier eine Kooperation mit Museum 4.0 an. Wir arbeiten mit Partnern wie dem Deutschen Nationalkomitee Denkmalschutz, dem deutschen Koordinator des Europäischen Jahres,  sowohl in Wiki Loves Monuments als auch bei Coding da Vinci 2018 zusammen. Wir werden das Goethe-Institut bei der Umsetzung eines mehrteiligen internationalen Editathons zu europäischen Erbstücken begleiten. “Auf zu neuen Ufern” ist mein Credo für 2018! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, frohe Feiertage und ein “GLAMouröses” neues Jahr.

Europeana versucht auf unterschiedlicher Weise Menschen für die kreative Auseinandersetzung mit dem digitalen Kulturgut zu gewinnen. Zum Beispiel mit dem Wettbewerb GIF IT UP. Hier einer der Beiträge. Realisiert durch Alicja Podobińska. Klicken Sie auf das Bild, dann startet die Animation.
Europeana versucht auf unterschiedlicher Weise Menschen für die kreative Auseinandersetzung mit dem digitalen Kulturgut zu gewinnen. Zum Beispiel mit dem Wettbewerb GIF IT UP. Hier einer der Beiträge. Realisiert durch Alicja Podobińska. Klicken Sie auf das Bild, dann startet die Animation.

 

Weiterführender Link zur Europeana Reihe „Migration“

*Das Akronym GLAM steht international für IT-Aktionen in und mit Galleries, Libraries, Archives and Museums.

 

by Barbara Fischer at December 17, 2017 02:34 PM

December 15, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 49/2017

Die Wikimedia:Woche 49/2017 berichtet über die internationalen Siegerbilder von Wiki Loves Monuments 2017, den aktuellen Stand in Bezug auf die Einführung von Upload-Filtern auf europäischer Ebene und die geplanten GLAM-Orgatreffen im Jahr 2018.

Zur Wikimedia:Woche 49/2017 geht es hier.

by Sandro Halank at December 15, 2017 07:23 AM

December 13, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Die Vortragsreihe „Offene Technologien für eine offene Gesellschaft“ geht in die zweite Halbzeit

Die Veranstaltungen finden am Institut für Informatik der Freien Universität Berlin statt. Foto: Torinberl, Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik, CC BY-SA 3.0

Gemeinsam mit dem Institut für für Informatik der Freien Universität Berlin veranstalten wir von Wikimedia Deutschland seit Oktober die öffentlichen Ringvorlesung „Open Technology For An Open Society“. Die jeweils mittwochs ab 18:00 Uhr gehaltenen Vorträge gehen der Frage nach, wie die Offenheit von Technologien und die Offenheit einer Gesellschaft einander bedingen. Nun ist die Halbzeit erreicht und das möchte ich zum Anlass für einen kurzen Rück- und Ausblick nehmen auf das, was war und das, was kommt.

Die Idee für diese Ringvorlesung geht auf Claudia Müller-Birn zurück, Professorin für Web Science und Human-Centered Computing. Ihren Ansatz für die gemeinsam konzipierte Reihe beschreibt sie so:

Wir haben einerseits Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingeladen und andererseits Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen und NGOs – etwa der Free Software Foundation, von Wikimedia Deutschland e. V., von der Stiftung Neue Verantwortung oder der Open Knowledge Foundation. Ich würde den Austausch zwischen NGOs und der Wissenschaftsgemeinschaft gern weiter stärken, weil wir häufig ähnliche Ziele verfolgen.

Aus Sicht von Wikimedia als Bewegung, die gegenwärtig an ihrer strategischen Ausrichtung arbeitet, um mit Verbündeten in einem Ökosystem des Freien Wissens gemeinsame Ziele zu erreichen, ist dies ein spannender Ansatz. Überhaupt bietet der aktuelle Strategie-Prozess interessante Anknüpfungspunkte an das Thema der Vortragsreihe, wie eine der Erkenntnisse aus der kollaborativen Arbeit der Wikimedia-Bewegung bereits verdeutlicht, wonach wir davon ausgehen können, dass die einflussreichsten Technologien die sein werden, die den Wandel von der technischen Infrastruktur zur Ökosystem-ermöglichenden Plattform schaffen.

Mit einer solchen Lesart habe ich gemeinsam mit Claudia Müller-Birn die Reihe eröffnet. Es folgten Vorträge zu Fragen, wie sich das Öffentliche im algorithmischen Zeitalter beschreiben lässt (Lorena Jaume-Palasí) oder wie viel Macht wir über unsere Daten haben (Julia Kloiber). Andere Beiträge widmeten sich den Themen, wie der breite Zugang zu Verschlüsselungstechnologien (Sven Herpig) oder Social-Media-Plattformen (Hanna Krasnova) unsere Gesellschaft verändern. Schließlich ging es auch darum, wie Open Science in der Praxis tatsächlich umgesetzt werden kann (Sünje Dallmeier-Tiessen) und welcher Wert in einer frei editierbaren Wissensdatenbank wie Wikidata steckt (Lydia Pintscher). All diese Vorträge lassen sich auf der Website der Veranstaltungsreihe als Videos nachträglich anschauen.

 

 

Auch die zweite Hälfte bietet noch einiges an spannenden Vorträgen mit einem starken Bezug zum Thema Offenheit – Open Technologies, Open Source Software, Open Education, Open Knowledge, Open Science und mehr. Heute – Mittwoch, 13.12. – spricht Matthias Kirschner über die Relevanz von Freier Software für eine freie und offene Gesellschaft. Und dann geht es wie folgt weiter:

  • 20.12.2017: Florian Tschorsch, Trust, but Verify? Technical Constraints of Anonymous Internet Communication
  • 10.01.2018: Matthias Wählisch, Open Technologies are Key for the Success of the Internet?!
  • 17.01.2018: Maria Krieg, Community-Netzwerk Freifunk
  • 24.01.2018: Nils Weichert, Open Education and Digital Citizenship
  • 31.01.2018: Laurent Romary, Data Mining Technologies at the Service of Open Knowledge
  • 07.02.2018: Matthias Katerbow, Openness and Collaboration in Modern Scholarship Based on Digital Information Infrastructures
  • 14.02.2018: Christina Riesenweber, Marion Goller, Konrad Förstner, Jana Hoffmann, Angela Grosse (Moderation), Podiumsdiskussion: Open Science – Offenheit in Zeiten der Konkurrenz

Weitere Informationen zur Ringvorlesung gibt es hier.

by Dominik Scholl at December 13, 2017 03:12 PM

December 11, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Walking the walk – Working together for a global movement

Dieser Beitrag ist auf Deutsch verfügbar.

 

Two international workshops took place at WMDE in November: The “Volunteer Supporters meeting” and the “Partnerships meeting”. The meetings were part of the follow-up work between the annual Wikimedia Conference. The Volunteer Supporters Network meeting was the first of its kind, while the first Partnerships meetup took place last year.

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Volunteer supporters meeting – group photo

 

Despite the local differences across the Wikimedia movement, there are a number of topics that are essential for all affiliates: supporting volunteers and engaging in partnerships are two such topics. The idea behind the meetups is to keep the international exchange alive – also between large international events like Wikimania and the Wikimedia Conference: to exchange best practices, learn from each other, consider joint projects and what it means to be part of global movement.

 

Supporting the volunteer supporters

A growing number of affiliates have employed a person to focus specifically on volunteer support. This can be a demanding job since Wikimedia volunteers are diverse and include people from all walks of life with differing interests and need for support. Being the only staff member for volunteer support can sometimes feel a little lonely in the sense that the volunteer supporters in their own country often are the only ones working with that specific task.

Over the years, a natural cooperation has developed between the volunteer supporters in the chapters related to the German Wikipedia, and the Volunteer Supporters Network (VSN) has grown out of this existing cooperation. Therefore, Veronika Krämer (WMDE) and Raimund Liebert (WMAT) hosted this first VSN meeting. For the past years, the two of them have worked on sharing their own experiences, and learning from others, for example by giving talks at the Wikimedia Conference and Wikimania about their work. In 2016, Veronika also participated in the first WikiConvention Francophone, and in 2017 at the CEE meeting in Warsaw. Through this she got to know her French, Polish and Serbian colleagues, who all turned out to be interested in the idea of a network for volunteer supporters.

The workshop focused on an exchange of experiences and challenges from the participants’ daily work, like how to best reach out to communities. The difficult question of “what is successful volunteer support – and how is it measured?” was discussed. For example: how do you show that you have contributed to motivating volunteers? The participants also worked out a list of tools and skills needed to improve the impact of their work.

About the outcome of the workshop, Veronika says: “The most important thing is probably that people know each other now, and feel comfortable asking each other questions. We know what each other are working on, and can ask for input and help.”

You can find more documentation here. The Volunteer Supporters meetup is planned to take place again next year, possibly in Austria or France.

 

Partnerships and Strategy

Besides participants from different European, northern latitudes, participants from Ghana, Indonesia, Brazil, and Israel had bit the bullet and said yes to travelling all the way to Berlin in November. Thereby the group was geographically more diverse than last year.

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Partnerships meeting – group photo

 

It was clear from the outset that the new Strategic Direction would play the central role in the workshop, because it deals with the Wikimedia movement as part of a wider ecosystem of free knowledge, and thereby speaks directly to working with partners. In 2016, the participants of the Partnerships workshop formulated six visions for Partnerships in the Wikimedia movement. This year, these visions were used as a point of departure for interpreting the Strategic Direction.

The participants all seemed eager to find out what the Strategic Direction will mean for their everyday work, and most importantly: to not only talk about it. As Nikki Zeuner encouraged before the workshop: “you have to put your money where the mouth is, walk the talk – get the boat in the water, climb the mountain! – there’s all kinds of ways to say that”. In other words, the participants were, and are, looking forward to actively influence the change and planning processes of the Movement Strategy Phase II.

Over the two days, the group drafted a statement. It’s currently being finalised and will be published in January, 2018. The statement is intended as an invitation to discuss a number of questions relating to partnerships, and pertaining to four themes distilled from the workshop discussions: ‘Alignment and Diversify’, ‘Resources and Structures’, ‘Collaboration, Learning & Sharing’, and ‘Trust and Culture’.

 

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Partnerships meeting – flipchart

While the main part of the workshop focused on drafting the Partnerships statement and next steps, a couple of topics came up as possible program elements for the Wikimedia Conference 2018. An example of such a topic was the possibility of analyzing the information from the affiliates’ many evaluations and reportings about partnerships, in order to develop a tentative applied research framework on partnerships in the Wikimedia movement. Such a framework would help to develop a shared language, share promising practices and identify what makes free knowledge partnerships work and have impact.

You can find documentation on the work process here. Stay tuned for the Partnerships Statement and Phase 2 Movement Strategy discussions.

 

An outlook to the Wikimedia Conference 2018

The two meetings illustrate the breadth of the Wikimedia Conference program: from the daily experiences of volunteer support to discussions on what role the Wikimedia movement could or should play in the wider knowledge ecosystem.

Cornelius Kibelka, the Program and Engagement Coordinator of the WMCON, who has supported the organisation of the two meetings, says:“My job has been to motivate people and provide some practical support in order to make these meetings happen.” This has been uphill at times because, as Veronika notes, “there are also other things to do…”.

The two meetings prove that it has been worth the climb though: it makes sense to increase the collaboration between affiliates and in turn hopefully strengthen the Wikimedia Movement. Cornelius: “The impact that we’re hoping for is to build trust, stronger connections between affiliates, and stronger cohesion in the long run.”

The Wikimedia Conference 2018 will take place in Berlin, 20-22 April, 2018.

by Anne Kierkegaard at December 11, 2017 09:35 AM

Von Idee zur Praxis – Für eine globale Bewegung zusammenarbeiten

This text is also available in English.

 

Im Herbst fanden bei WMDE zwei internationale Workshops statt: das „Volunteer Supporters Meeting“ und der „Partnerships Workshop“. Die Treffen fanden im Rahmen der Nachbereitung der jährlichen Wikimedia Conference statt. Das Treffen des Volunteer Supporters Network war das erste seiner Art, während der erste Partnerschaft-Workshop bereits im vergangenen Jahr stattfand.

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The volunteer supporters meeting – Gruppenfoto

 

Trotz der lokalen und regionalen Unterschiede in der Wikimedia-Bewegung gibt es eine Reihe von Themen, die für alle Wikimedia-Organisationen von wesentlicher Bedeutung sind: Unterstützung von Freiwilligen und das partnerschaftliche Arbeiten sind zwei solcher Themen. Die Idee hinter den Workshops ist es, den internationalen Austausch aufrecht zu erhalten und auszubauen  – auch in dem Zeitraum zwischen großen internationalen Konferenzen wie der Wikimania und der Wikimedia Conference: Beispiele guten Arbeits („Best Practices“) auszutauschen, voneinander zu lernen, über gemeinsame Projekte nachzudenken und darüber zu sprechen, was es heißt, Teil einer weltweiten Bewegung zu sein.

 

Unterstützung von Freiwilligen

Eine wachsende Zahl von Wikimedia-Organisationen hat mittlerweile eine festangestellte Person, die sich besonders auf die Unterstützung von Freiwilligen konzentriert. Das kann ein anspruchsvoller Job sein, denn Wikimedia-Freiwillige sind vielfältig und umfassen Menschen aus allen Lebensbereichen, mit ganz unterschiedlichen Interessen und Unterstützungsbedarfen. Als einzige Person hauptamtlich für die Unterstützung von Freiwilligen zuständig zu sein kann sich manchmal etwas einsam anfühlen, denn oft sind diese Personen in ihrem eigenen Land bzw. ihrer Organisation die einzigen Mitarbeitenden, die mit dieser speziellen Aufgabe betreut sind.

Im Laufe der letzten Jahre hat sich zwischen den im deutschsprachigen Raum angesiedelten Wikimedia-Organisationen eine natürliche Kooperation zur Unterstützung Freiwilliger entwickelt und aus dieser bestehenden Kooperation ist das Volunteer Supporters Network (VSN) entstanden. Aus diesem Grund haben Veronika Krämer (Wikimedia Deutschland) und Raimund Liebert (Wikimedia Österreich) dieses erste Treffen veranstaltet. In den letzten Jahren haben die beiden daran gearbeitet, ihre Erfahrungen zu teilen und von Anderen zu lernen, zum Beispiel durch Vorträge auf der Wikimedia Conference und Wikimania über ihre Arbeit. Im Jahr 2016 nahm Veronika auch am ersten WikiConvention Francophone und 2017 am CEE Meeting in Warschau teil. Dadurch lernte sie ihre französischen, polnischen und serbischen Kollegen kennen, die sich alle für einen gegenseitigen Austausch von Erfahrungen und Gelerntem interessierten.

Das  „Volunteer Supporters Meeting“ konzentrierte sich daher auf den Austausch von Erfahrungen und Herausforderungen aus der täglichen Arbeit der hauptamtlichen Wikimedia-Mitarbeitenden, zum Beispiel wie man am besten mit Communities in Kontakt tritt. Die schwierige Frage „Was ist erfolgreiche freiwillige Unterstützung – und wie wird sie gemessen?“ wurde diskutiert. Zum Beispiel: Wie misst man, dass zur Motivation von Freiwilligen beigetragen wurde? Die Teilnehmer erarbeiteten auch eine Liste von Instrumenten und Fähigkeiten, die benötigt werden, um die Wirkung der Arbeit zu verbessern.

Über das Ergebnis des Workshops sagt Veronika: „Das Wichtigste ist wahrscheinlich, dass die Leute sich jetzt kennen und sich wohl fühlen, wenn sie sich gegenseitig Fragen stellen. Wir wissen, woran die anderen arbeiten und können um Hilfe bitten.“

Weitere Informationen sind auf Meta verfügbar. Ein weiteres Treffen der Volunteer Supporters ist für nächstes Jahr geplant, möglicherweise in Österreich oder Frankreich.

 

Partnerschaften und Strategie

In der zweiten Novemberhälfte fand der „Partnerschaften-Workshop“ statt. Neben Teilnehmenden aus verschiedenen europäischen, nördlichen Breiten hatten sich Teilnehmer aus Ghana, Indonesien, Brasilien und Israel in den sauren Apfel gebissen und sind im November den ganzen Weg nach Berlin gekommen. Dadurch war die Gruppe geographisch vielfältiger als im letzten Jahr.

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Partnerships meeting – Gruppenfoto

 

Es war von Anfang an klar, dass die neue Strategische Ausrichtung eine zentrale Rolle in dem Workshop spielen würde, da sich die Wikimedia-Bewegung als Teil eines breiteren Ökosystems freien Wissens sieht und es dabei auch direkt um die  Zusammenarbeit mit Partnern geht. Im Jahr 2016 formulierten die Teilnehmenden des Partnerschaftsworkshops sechs Visionen für Partnerschaften in der Wikimedia-Bewegung. In diesem Jahr wurden diese Visionen als Ausgangspunkt für die Interpretation der Strategischen Ausrichtung verwendet.

Die Teilnehmenden waren alle gespannt darauf, was die Strategische Ausrichtung für ihre tägliche Arbeit in Partnerschaften bedeutet. Und vor allem wollten sie nicht nur darüber reden, sondern, wie Nikki Zeuner ermutigte, auch Taten folgen lassen: Das heisst, die resultierenden Veränderungs- und Planungsprozesse aktiv beeinflussen, und sich sich mit der Partnerschafts-Brille auf massgeblich in Phase 2 des Strategie-Prozesses beteiligen.

Während der zwei Tage haben die Teilnehmenden  an einer gemeinsamen Erklärung gearbeitet. Diese Erklärung wird derzeit fertiggestellt und im Januar 2018 veröffentlicht. Die Erklärung soll eine Einladung sein, eine Reihe von Fragen zu diskutieren, die sich auf vier Themen beziehen, die aus den Diskussionen des Workshops abgeleitet wurden: „Ausrichtung und Diversifizierung“, „Ressourcen und Strukturen“, „Zusammenarbeit, Lernen und Teilen“ und „Vertrauen und Kultur“.

 

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Partnerships meeting – flipchart

 

Während der Hauptteil des Workshops sich auf die Ausarbeitung einer gemeinsamen Erklärung und die nächsten Schritte konzentrierte, wurden einige Gedanken  für mögliche Programmelemente der Wikimedia Conference 2018 gesammelt. Ein Beispiel für ein solches Thema war die Möglichkeit, die Informationen der Mitgliedsorganisationen zu analysieren. viele Evaluationen und Berichte über Partnerschaften, um einen vorläufigen angewandten Forschungsrahmen für Partnerschaften in der Wikimedia-Bewegung zu entwickeln, der dann hilft, gemeinsam herauszufinden was Partnerschaften für Freies Wissen erfolgreich macht.

Mehr Dokumentation über den Arbeitsprozess ist hier auf Meta zu finden.

 

Ein Ausblick auf die Wikimedia Conference 2018

Die beiden Workshops veranschaulichen die Bandbreite des Programms der Wikimedia Conference: von den täglichen Erfahrungen der Freiwilligenunterstützung bis hin zu Diskussionen darüber, welche Rolle die Wikimedia-Bewegung im breiteren Wissensökosystem spielen könnte oder sollte.

Cornelius Kibelka, Programm und Engagement-Koordinator der Wikimedia Conference, der die Organisation der beiden Treffen unterstützt hat, sagt: „Meine Aufgabe war es, die Menschen zu motivieren und praktische Unterstützung zu leisten, damit diese Treffen stattfinden können.“ Das war manchmal schwierig weil, wie Veronika bemerkt: „Es gibt noch andere Dinge zu tun …“.

Die zwei Workshops beweisen jedoch, dass es sich gelohnt hat, die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsorganisationen zu verstärken und die Wikimedia Bewegung hoffentlich zu stärken. Cornelius: „Wir hoffen auf den Aufbau von Vertrauen, stärkeren Verbindungen zwischen den Wikimedia-Organisationen und langfristig stärkeren Zusammenhalt.“

Die Wikimedia Conference 2018 findet vom 20. bis 22. April 2018 in Berlin statt.

by Anne Kierkegaard at December 11, 2017 09:32 AM

December 08, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 48/2017

Die Wikimedia:Woche 48/2017 bietet einen Rückblick auf die Preisverleihung zum Kulturhackaton Coding da Vinci sowie GLAM on Tour im Museum Europäischer Kulturen in Berlin und beschäftigt sich mit den geplanten Aktionen von Wikimedia Deutschland gegen die Einführung von Upload-Filtern, der noch bis zum 10. Dezember laufenden Abstimmung zur internationalen Technischen Wunschliste 2017 sowie dem nun möglichen mp3-Upload auf Wikimedia Commons.

Zur Wikimedia:Woche 48/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at December 08, 2017 10:09 AM

December 03, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Hacker bringen Kulturdaten zum Tanzen

Resümee zur Preisverleihung von Coding da Vinci 2017 in Berlin in Zusammenarbeit mit Lars Zimmermann

2017 hat Coding da Vinci wieder viele faszinierende Ergebnisse hervorgebracht. Nach dem Ausflug in die Region mit Coding da Vinci Nord 2016 kehrte der Kultur-Hackathon 2017 zurück nach Berlin mit einem Schwerpunkt auf die Region Berlin-Brandenburg. 19 namhafte Kulturinstitutionen aus Berlin und Umgebung stellten insgesamt 30 neue Datensätze in diesem Jahr zur Verfügung, woraus die 180 anwesenden Teilnehmer bei der Auftaktveranstaltung 25 Projektideen generierten. Bei der gestrigen Preisverleihung im Jüdischen Museum Berlin präsentierten 15 Teams originelle wie technisch hoch ausgereifte Lösungen, die von Spielen über Apps bis hin zu VR- und AR-Realisierungen reichten und sowohl unsere Fachjury als auch die über 200 Besucher der Preisverleihung begeisterten. Damit setzt Coding da Vinci seine Erfolgsgeschichte fort und beweist erneut, welches enorme Potential in offenen Kulturdaten steckt.

Die datengebenden Institutionen zeigten sich durch die Bank beeindruckt von den teils unerwarteten,immer innovativen und oft überraschenden Anwendungen. Neugierig vertieften sich mit den Teams an den Projekt-Vorführtischen in Details und Zukunftspläne. Der Kultursenator von Berlin Klaus Lederer betonte in seiner Rede zur Preisverleihung: „Hier wird deutlich, welchen Wert es hat, Kulturerbe zu digitalisieren und es in einem zweiten Schritt auch noch open zu machen.“ Bettina Gries vom Deutschen Technikmuseum freute sich: „Das war das erste Mal, dass wir als Deutsches Technikmuseum Daten unter einer so freien Lizenz veröffentlicht haben. Diese entstandenen Projekte sind ein Segen für unser Haus. Wir werden sie weiter vorantreiben!“ Mehrfachprojektteilnehmerin bei Coding da Vinci und Motion-Desginerin Sabine Redlich betonte: “Ich war beeindruckt, wie viel man in so kurzer Zeit in einem spontan gegründeten interdisziplinären Team realisieren kann.” 5 Gewinnerteams wurden von der fünfköpfigen Jury gekürt – den 6. Preis „Everybody’s Darling“ vergab das Publikum.

 

21 stolze Gewinner bei Coding da Vinci 2017.
Foto von Wladimir Raizberg (WMDE), CodingdaVinci2017 Preisverleihung, CC BY-SA 4.0.

 

Die Ergebnisse

In der Kategorie “Most Technical” ging der Preis an die Augmented Reality App BERLINER MauAR mit dem Team von Peter Kolski, Maimi von Mirbach, Jörg Reichert, Gottfried von Recum. Berlin Flaneure können mit Hilfe dieser App die Mauer in zeithistorischen Bildokumenten aufbauen und – besonders reizvoll – wieder wegwischen. Die Stiftung Berliner Mauer will die Anwendung mit dem Team gemeinsam weiterentwickeln.

Mit der Kategorie “Best Design” wurde das Online-Buchkreationspiel BERTUCHS BILDERSPIEL des multinationalen Teams mit Audrey Le Tiec, So Young Kim, Norman Mahendra, Niko Joop, und  J. Retman ausgezeichnet. Selten wurde eine so schöne Brücke von einer wundervollen Kinderenzyklopädie des 18. Jahrhunderts bereitgestellt von der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung in die Digitale Kinderstube des 21. Jahrhunderts geschlagen.

Politisch aktuell, kreativ, vielfältig und witzig sind die Anwendungen  des HAXORPODE COLLECTIVE basierend auf den Insektenkästen des Museums für Naturkunde um Michael Scheuerl, Falko Krause und Olivier Wagener. Sie wurden damit zurecht zum “Funniest Hack” gekürt.

Die Kosmos-Vorträge von Alexander von Humboldt waren legendär. Doch für die Nachwelt haben sich nur einige Mitschriften erhalten. Die Textsammlung der  Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften erschließt nun auf unterschiedlichen Ebenen das Webprojekt EXPLORING THE HIDDEN KOSMOS von Petra Weschenfelder, Benjamin Schlüter und Carolin Otto und wurde dafür mit dem Preis “Most Useful” ausgezeichnet.

Es war eine Herausforderung der besonderen Art, der sich das Team zu  MARBLES OF REMEMBRANCE/ MURMELN DER ERINNERUNG mit Leonardo de Araújo, Nina Hentschel, Adrienn Kovács und Nicole Mayorga stellte. Die Daten zu dem Leid der im Nazi-Berlin verfolgten 1200 jüdischen Kinder könnten nicht nüchterner daher kommen. Das Team kombinierte hierfür Datensätze von dem International Tracing Service, der Zentral und Landesbibliothek und anderen. Die Daten für uns heute wieder in Geschichten vor Ort erfahrbar zu machen, ist ein Verdienst, das von der Jury wohl verdient mit der Kategorie “Out Of Competition” gewürdigt wurde.

Fast schon voraussehbar wurde die aufwändige Virtual Realty Anwendung SKELEX von Lisa Ihde, Sebastian Schulz und Joana Bergsiek mit Publikumspreis “Everybody’s Darling” ausgezeichnet. Fragile Schlangenköpfe spielerisch und digital auseinandernehmen und sich als Maus auf den dunklen Weg in die Reptiliengedärme zu begeben begeisterte die Massen. Das Museum für Naturkunde lädt das Projektteam ein, gemeinsam an der Anwendung weiterzuarbeiten.

Der Ausblick

Im nächsten Jahr setzen wir unsere Arbeit an Coding da Vinci als Veranstalter fort. Es wird weitere Ausflüge in die Region geben: Vom 14. April bis zum 16. Juni findet Coding da Vinci Ost an der UB Leipzig statt. Weitere Ausflüge sind in Vorbereitung. Für die Bereitstellung der Räume für die Abschlussveranstaltung danken die Veranstalter dem Jüdischen Museum Berlin. Das engagierte Publikum tat sein Übriges, um den Tag zu einem tollen Erfolg für das Gesamtprojekt Coding da Vinci werden zu lassen. Die positiven Reaktionen der Kulturinstitutionen, die kreativen Projektideen und der gemeinsame Schaffensprozess aller Beteiligten zeigen, wie attraktiv frei nutzbare Kulturdaten sind. Sie nützen letztendlich nicht nur den Entwickler/innen, den Designer/innen und Kulturinstitutionen – sondern bereichern unsere Gesellschaft auf erfrischende Weise.

 

Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB), der Open Knowledge Foundation Germany e.V. (OKF DE), der Servicestelle Digitalisierung Berlin (digiS) und Wikimedia Deutschland e.V. (WMDE) und ein offizieller Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 in Deutschland (SHARING HERITAGE des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz)

by Barbara Fischer at December 03, 2017 12:41 PM

December 01, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

1 Frage – 1 Antwort. Was ändert sich durch das neue Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz?

Freier Zugang zu Wissen? Was ändert die Neureglung des Urheberrechtsgesetzes für Bibliotheken? Foto: Paulis, CC BY-SA 3.0

Am 6. November 2017 war das Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ bei Wikimedia Deutschland zu Gast. Das Bündnis beschäftigte sich in verschiedenen Vorträgen mit dem im März 2018 in Kraft tretenden „Gesetzes zur Angleichung des Urheberrechts an die aktuellen Erfordernisse der Wissensgesellschaft“ (kurz: UrhWissG).

Was bedeutet die neue Reglung konkret für Bildungs- und Wissenschaftsinstitutionen? Wir haben bei 3 Experten des Aktionsbündnisses nachgefragt.

Thomas Hartmann
…ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am FIZ Karlsruhe im Bereich Immaterialgüterrecht, wo er sich vor allem mit der Rechtslage für digitale Forschungsdaten befasst.

WMDE: Zum 1.3.2018 tritt eine Neureglung des Urheberrechtsgesetzes (u. a. neuer §60a) in Kraft. Welche Neuerungen kommen damit etwa auf E-Learning-Plattformen zu und was bedeutet das für die Universitäten?

Thomas Hartmann:

Ohne viel Aufwand und Bürokratie sollen ab März 2018 urheberrechtlich geschützte Fachmaterialien in Unterricht und Lehre genutzt werden dürfen. Bei der Bundestags-Debatte am 30. Juni 2017 bilanzierte Justizminister Heiko Maas (SPD) [https://dbtg.tv/fvid/7125810]: „Wir erleichtern Bildung und Wissenschaft die digitale Nutzung geschützter Werke“.

„Gesetzlich erlaubte Nutzungen für Unterricht, Wissenschaft und Institutionen“ ist der Unterabschnitt betitelt, der zum 01.03.2018 vollständig neu in das deutsche Urheberrechtsgesetz (UrhG) eingefügt wird. Für Lehrveranstaltungen und E-Learning sind die Vorgaben dann in nur einer Gesetzesbestimmung (§ 60a UrhG) gebündelt: Lehrende und Lernende können so auf einen Blick erkennen, was sie beim Kopieren, Verteilen, Bearbeiten oder beim Bereitstellen für E-Learning beachten müssen. Im Hintergrund entrichten für diese Nutzungen die Hochschulen bzw. die Bundesländer pauschal eine Vergütung, welche die Verwertungsgesellschaften an die Rechteinhaber und wissenschaftlichen Urheber/innen ausschütten.

Die neue Regelung soll einen Basiszugang an den Hochschulen absichern. Gerade Lehrende können so ihre Lehre in einem gewissen Umfang kurzfristig und individuell ergänzen, ohne sich um das Einholen einzelner Lizenzen kümmern zu müssen. Regelmäßig verwendete Unterrichts- und andere Fachmaterialien wie Datenbanken müssen wie bislang eingekauft werden. Beim Verhandeln solcher Campuslizenzen werden die Hochschulbibliotheken daher auch bei E-Learning weiterhin eine Schlüsselrolle ausfüllen. Dabei sollten  Bibliotheken, Rechenzentren und Hochschuldidaktik-Zentren alles daran setzen, dass die vor allem in den Bibliothekskatalogen ausgewiesenen Fachresourcen noch deutlich besser mit den E-Learning-Plattformen verzahnt und so sichtbar werden. Mit Spannung wird ferner zu beobachten sein, mit welchem Nachdruck die Hochschulen und Politik „frei“ lizenzierte Bildungsmaterialien (Open Educational Resources) fördern.

 

Oliver Hinte
…ist Geschäftsführer der Fachbibliothek Rechtswissenschaft an der Universität Köln und juristischer Berater des Verbands der Bibliotheken des Landes NRW.

WMDE: Aus Sicht des Bibliothekars: Welche Chancen und Risiken bergen die aktuellen Entwicklungen im Zuge der EU-Urheberrechtsreform? Wer wird nach dem derzeitigen Stand etwas davon haben, wer nicht?

Oliver Hinte:

Die Chancen bestehen darin, dass die Reform das Urheberrecht technologieneutral und technischen Entwicklungen gegenüber offen gestaltet. Der EU-Standard darf nicht hinter das UrhWissG zurück fallen.
Die Bedeutung von Bibliotheken als Gedächtnisinstitutionen wie auch als Wissens-Provider soll stärker zum Ausdruck kommen. Wichtig ist jetzt, dass der Dialog zwischen Urhebern, Verwertern, Handel und Bibliotheken intakt bleibt.

 

 

Prof. Dr. Christoph Bruch
ist für das Open-Science-Koordinationsbüro der Helmholtz-Gemeinschaft tätig; zuvor leitete er die Open-Access-Stelle der Max-Planck-Gesellschaft.

WMDE: Wie geht das Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz mit dem gesetzlichen Verleihrecht für elektronische Medien um? Welche Entwicklungen gibt es dazu auf europäischer Ebene?

Christoph Bruch:

Deutschland: Gesetzliches Verleihrecht für elektronische Medien

Öffentliche Bibliotheken sind ein Eckpfeiler des deutschen Bildungssystems. Sie werden von Leserinnen und Lesern aller Altersstufen für den Zugriff auf Kultur und Fachinformationen genutzt. Um die öffentlichen Bibliotheken bei der Erfüllung dieser Aufgabe zu unterstützen, hat der Gesetzgeber diese mit dem Recht zum Verleih körperlicher Medien (Zeitschriften, Bücher, DVDs etc.) ausgestattet. Ein entsprechendes Recht für das Verleihen elektronischer/unkörperlicher Medien, d.h. Inhalte ohne Bindung an einen Datenträger (z. B. eBook), fehlt den öffentlichen Bibliotheken.

Ihnen bleibt deshalb aktuell nur die Möglichkeit privatrechtlich Lizenzvereinbarungen zu schließen, die ihnen das Verleihen bestimmter Inhalte in unkörperlicher Form erlaubt. Die Rechteinhaber sind jedoch nicht bereit, alle Inhalte ab dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung entsprechend zu lizenzieren und in Fällen, in welchen lizenziert wird, sind die Kosten für die Bibliotheken höher, als sie mutmaßlich wären, würden sie auf Grundlage eines erweiterten Verleihrechtes genutzt.

Die Ausdehnung des Verleihrechtes auf unkörperliche Medien würde für die digitale Welt nachbilden, was in der analogen Welt lange etabliert ist. Verwerter warnen vor wirtschaftlichen Einbußen, die sie bei einer Übertragung des Verleihrechtes von der analogen in die digitale Welt für sich befürchten.

Diese Aussagen sind spekulativ und der Gesetzgeber hat die Möglichkeit, nicht intendierte Auswirkungen von Gesetzgebung zu korrigieren. Im Interesse der Bildungsrepublik Deutschland sollte der neu gewählte Bundestag die öffentlichen Bibliotheken in die Lage versetzten, auch in der digitalen Welt ihre wichtige Rolle wie gewohnt erfüllen zu können und sie deshalb mit dem erweiterten Verleihrecht ausstatten.

EU-Ebene: Neuester Text- und Data Mining-Vorschlag

Auf europäischer Ebene wird derzeit an einer Novellierung des Urheberrechtes gearbeitet. Dazu müssen sich die EU-Kommission, das EU-Parlament und der Europäische Rat auf einen Gesetzestext einigen. Ein Aspekt der Novellierung ist die Einführung einer urheberrechtlichen Schranke, die im Kontext von Text und Data Mining das Anfertigen temporärer Reproduktionen und der Extraktion von wesentlichen Teilen des Inhaltes von durch die Datenbankschutz-Richtlinie geschützter Datenbanken erlauben soll.

Auf den Novellierungsvorschlag der Kommission hat Ende Oktober die EU-Ratspräsidentschaft mit einem Kompromissvorschlag reagiert, der zur Bildung einer gemeinsamen Position der Regierungen der Mitgliedstaaten führen soll. Auf diesen Kompromissvorschlag hat eine Gruppe von Mitgliedstaaten, zu denen auch Deutschland gehört, mit einem Ergänzungsvorschlag reagiert.

Anliegen dieser Staatengruppe ist es, den Kreis der Personen, die durch die vorgeschlagene Schranke für Extraktionen und temporäre Reproduktionen im Zusammenhang mit Text und Data Mining begünstigten werden sollen, zu erweitern. Außerdem soll die mit der Schranke verbundene Zweckbindung gelockert werden. Im Gegenzug sollen die Rechteinhaber ermächtigt werden, eben diese Erweiterung der Schranke vertraglich auszuschließen.

Das Anliegen zur Erweiterung der Schranke ist begrüßenswert. Die Ausgestaltung des Originalvorschlages und des Ergänzungsvorschlages sind jedoch problematisch, weil beide Ansätze davon ausgehen, dass die intendierten Erlaubnisse so wesentlich in die Rechte der Urheber eingreifen, dass die Schranke eng definiert werden müsse und im Ergänzungsvorschlag sogar die Möglichkeit vorgesehen ist, die Schranke vertraglich abzubedingen.

Damit würdigen die Gesetzgeber nicht ausreichend, dass:

a) Text und Data Mining der urheberrechtlich nicht geschützten Nutzungsform, dem Lesen, nachgelagert ist und damit selbst das Urheberrecht nicht tangiert,

b) Text und Data Mining auf den informationellen Gehalt von Werken zielt, der dem urheberrechtlichen Schutz nicht unterfällt,

c) es um einen lediglich temporären Zugriff einschließlich Reproduktion geht, der rein technischen Charakter hat und weder auf den Werkgenuss zielt, noch diesen ersetzt,

d) Informationsfreiheit in der Informationsgesellschaft und die sie kennzeichnende Informationsflut ohne die unbeschränkte Nutzungsmöglichkeit von Text und Data Mining nicht realisiert werden kann,

e) dieser Zusammenhang sich insbesondere auch auf die Möglichkeiten zur gleichberechtigten Teilhabe am demokratischen Willensbildungsprozess auswirkt,

f) im Bereich Wissenschaft eine Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten von Text und Data Mining zu gravierenden Behinderungen und Wettbewerbsnachteilen für Europa führt,

g) mit den jetzt diskutierten und in einigen Jurisdiktion bereits realisierten engen TDM-Schranken rechtsdogmatisch am Aufbau von Eigentumsrechten an Informationen gearbeitet wird, was sich schon bei der Datenbankschutz-Richtlinie als nicht zielführend herausgestellt hat.

Vielen Dank für die Antworten!

by Lilli Iliev at December 01, 2017 09:30 AM

November 30, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Freiwillige zu Gast im Museum Europäischer Kulturen (MEK) in Berlin

Freiwillige bei der Schreibwerkstatt im MEK. Bild von Holger Plickert (WMDE), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Am letzten Wochenende trafen sich Freiwillige im Rahmen einer GLAM on Tour-Veranstaltung in Berlin im Museum Europäischer Kulturen. Ziel der Veranstaltung war es, mit neuem Bildmaterial und einer Schreibwerkstatt die Sichtbarmachung der Alltagskultur in der Wikipedia zu erhöhen.

Gemeinsam mit der Direktorin des MEK, Frau Prof. Elisabeth Tietmeyer und weiteren Mitarbeiterinnen des Museums konnten die Freiwilligen einen umfassenden Blick hinter die Kulissen werfen. Nach einer Führung durch die Dauerausstellung des MEK wurden noch exklusive Blicke in die Depots und Werkstätten des Museums gewährt.

Thematisch beschäftigte sich die Veranstaltung mit der Alltagskultur, exemplarisch dafür wurden am Wochenende historische Brett- und Kartenspiele und Küchenutensilien für die Wikipedia fotografiert.

Das Museum Europäischer Kulturen in Berlin-Dahlem begleitet aktuelle soziale und kulturelle Prozesse und will historische Zusammenhänge aufzeigen. Besonders sehenswert sind u. a. der „Mechanische Weihnachtsberg“ und die historischen Weihnachtskrippen, passend zu Vorweihnachtszeit. Darüber hinaus wird die Vielfalt der europäischen Geschichte und Kultur vermittelt und die europäischen Kulturkontakte und Lebenswelten vom 18. Jahrhundert bis heute beleuchtet. So hat es sogar der Döner, eine Erfindung aus Berlin, bis in die Dauerausstellung geschafft.

Auf diesem Wege an alle beteiligten Organisatoren ganz herzlichen Dank. Es war eine Veranstaltung auf Augenhöhe und hat viel Lust auf mehr gemacht. Die Wikipedia wird in den nächsten Wochen sicherlich um viele Artikel zur Alltagskultur reicher werden. Erste Ergebnisse können schon auf der Dokumentationsseite bewundert werden.

Eine GLAM on TourVeranstaltung soll der Vernetzung von Wikipedia-Aktiven und Museen auf lokaler Ebene dienen und unterstützen. Dabei steht GLAM als englisches Akronym für Aktivitäten von Kunstsammlungen, Bibliotheken, Archiven und Museen im Netz.

Freiwillige fotografieren Objekte zur Bebilderung der Wikipedia. Bild von Holger Plickert (WMDE), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Diese, auf Initiative von ehrenamtlichen Wikipedia-Aktiven ausgehende, Veranstaltung soll die Mitarbeitenden von Kultureinrichtungen und Wikipedianerinnen und Wikipedianer vernetzen. Sonderführungen, wissenschaftliche Vorträge zu aktuellen Ausstellungen und besonderen Exponaten, Fotoexkursionen oder Schreibwerkstätten runden dieses Veranstaltungsformat ab. Darüber hinaus können Wikipedia-Einführungs- oder Editierworkshops von Ehrenamtlichen für die Kultureinrichtungen angeboten und gemeinsam mit ihnen durchgeführt werden.

Ziel der GLAM on Tour-Veranstaltungen ist es, langfristige Kooperationen zu ermöglichen und dazu beizutragen, dass Freie Inhalte für die Wikimedia-Projekte entstehen und verbreitet werden. Auf der Projektseite finden Sie aktuelle Hinweise zu kommenden GLAM on Tour Stationen und weitere Kontaktmöglichkeiten.

by Holger Plickert at November 30, 2017 04:05 PM

Wikimedia:Woche 47/2017

Die 47. Ausgabe der Wikimedia:Woche 2017 berichtet über die Berufung von Peter Dewald und Dr. Gabriele Theren in das Präsidium von Wikimedia Deutschland, die Ergebnisse der Evaluationsumfrage der WikiCon 2017, den ersten Beitrag zur Wikipedia aus dem All und den Einsatz von Wikimedia Deutschland gegen die Einführung von Upload-Filtern im Rahmen der EU-Urheberrechtsreform.

Zur Wikimedia:Woche 46/2017 geht es hier.

by Sandro Halank at November 30, 2017 02:55 PM

Suchanfragen leicht gemacht – Eine spezialisierte Suchmaske für die Wikipedia

Die neue Wikipedia-Suchmaske mit Infoboxen zur erweiterten Suche. Bild: Johanna Strodt (WMDE), Advanced Search DE info popups, CC BY-SA 4.0.

Die Suche in der Wikipedia bietet viele Möglichkeiten um das Wissen aus über 2 Millionen Artikeln, zahlreichen Spezialseiten, Unterseiten und Kategorien auffindbar zu machen. Sowohl neuen als auch erfahrenen Autorinnen und Autoren aber auch Lesenden sind die verschiedenen Such-Parameter häufig aber gar nicht bekannt. Um das zu ändern und die erweiterte Suche für alle verständlich und nutzbar zu machen, hat die Software-Entwicklung bei Wikimedia Deutschland in Zusammenarbeit mit der Community nun eine neue Suchmaske entwickelt, die ab heute in der deutsch- und arabischsprachigen Wikipedia als neue Beta-Funktion zur Verfügung steht: Damit kann man nun ganz einfach differenzierte Suchanfragen durchführen, ohne besondere Ausdrücke (Keywords oder Suchoperatoren) zu kennen.

Mit der neuen Funktion kann man nun noch gezielter nach Wörtern im Titel oder dem Artikeltext suchen, oder Seiten anzeigen lassen, die eine bestimmte Vorlage verwenden. Auch nach Dateityp und Spezial- und Hilfeseiten kann man so auf einen Blick suchen. Die Info-Pop-Ups neben jeder Suchleiste – abrufbar über das ⓘ-Symbol – erklären außerdem, wie man auch über die reguläre Suche die gewünschten Parameter einstellen kann.

Wie genau die neue erweiterte Suche aussehen soll, wurde im vergangenen Jahr auf mehreren Workshops mit aktiven Ehrenamtlichen aus den Wikimedia-Projekten, unter anderem in Köln und München, diskutiert und ausgearbeitet. Dabei sind zahlreiche Ideen und Anregungen entstanden, die die Weiterentwicklung der neuen Oberfläche vorangebracht haben.

Das Beta-Feature steht ab sofort allen eingeloggten Wikipedia-Nutzenden zur Verfügung und wird in den kommenden Wochen und Monaten noch weiter ausgebaut. Wer die erweiterte Suchoberfläche ausprobieren möchte, kann sie ab sofort unter dem Reiter “Beta” in der Leiste am oberen Bildrand auswählen. Neugierig auf die Suche, aber noch nicht bei Wikipedia eingeloggt? Hier kann man sich ein eigenes Wikipedia-Benutzerkonto anlegen.
 
 

by Denis Schroeder at November 30, 2017 02:29 PM

Wir wachsen: Peter Dewald und Dr. Gabriele Theren verstärken das Präsidium von Wikimedia Deutschland

Peter Dewald
Bild: René Zieger CC BY-SA 4.0

Zum ersten Mal sind zwei Präsidiumsmitglieder von Wikimedia Deutschland berufen (kooptiert) worden. Ab sofort bringen Peter Dewald und Dr. Gabriele Theren ihre Erfahrung und Perspektiven in die Arbeit des Präsidiums des Vereins ein. Die beiden freuen sich auf ihre ehrenamtliche Mitarbeit für Freies Wissen.

Bei Personenwahlen wie der Wahl des Präsidiums durch unsere Mitgliederversammlung spielen ganz unterschiedliche Aspekte eine Rolle. In einer Kooptation liegen große Chancen, die Kompetenzen des von den Mitgliedern gewählten Präsidiums zu ergänzen und mit neuen Perspektiven zu bereichern. Deswegen hat die Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland im November 2015 beschlossen, dem Präsidium die Möglichkeit zur Kooptation einzuräumen, um gezielt Kompetenzen hinzufügen zu können und die Diversität des Gremiums zu fördern.

Dr. Gabriele Theren
Bild: René Ziegler, CC BY-SA 4.0

„Um die Idee eines sich verbreitenden freien Zugangs zu Wissen mit unterstützen zu können, möchte ich gerne auch praktisch daran mitarbeiten, wie unabhängig von sozialer Schicht, Bildung, Einkommen, Geschlecht, Beeinträchtigungen oder anderen Faktoren allen Wissensdurstigen diese Chance als gelebter Inklusion eingeräumt werden kann.“ sagt Gabriele Theren. Als Juristin, ausgebildete Mediatorin und Leiterin der Abteilung Soziales und Arbeitsschutz im Ministerium für Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt möchte sie ihre Erfahrungen mit Behörden, zivilgesellschaftlichen und anderen Organisationen einbringen.

Peter Dewald hat 35 Jahre Erfahrung als Führungskraft bei Apple und dem Softwarekonzern Sage, war Mitglied im Hauptvorstand des IT-Branchenverbands Bitkom und ist ehrenamtlich engagiert. Ihn reizt „eine Tätigkeit im Präsidium von Wikimedia Deutschland, da dieser Verein innerhalb weniger Jahre die Basis für den freien Zugang zu einem unglaublich umfangreichen Wissen von Millionen von Menschen im breitesten Sinne geschaffen hat. Ich denke, dass ich hier Erfahrungen aus meiner langjährigen Tätigkeit als Geschäftsführer in großen internationalen IT-Unternehmen einbringen kann, um die Entwicklung verschiedener Initiativen wie auch des Vereins selbst voranzutreiben.“

Im nächsten Jahr sind die weitere Beschäftigung mit der Zukunft von Wikimedia Deutschland – strategisch und finanziell – wichtige Baustellen. Darum haben wir ein Profil entworfen, das Kompetenzen für genau diese Themen mitbringt. Beide Punkte wurden im September in ein entsprechendes Suchprofil gegossen wurden. Direkt im Anschluss wurde per Blogbeitrag aber auch per E-Mail an unsere Vereinsmitglieder dazu aufgerufen, sich zu bewerben oder auf mögliche Kandidatinnen und Kandidaten aufmerksam zu machen. Die Reaktion war überwältigend: Rund 60 Bewerbungen, Interessensbekundungen und Empfehlungen sind eingegangen. Darunter waren sehr viele beeindruckende Profile aus ganz unterschiedlichen Bereichen voller Leidenschaft für Freies Wissen. Das hat uns wieder einmal gezeigt, wie groß der Schatz unserer Mitglieder ist und dass wir ihre Erfahrungen und Kompetenzen in Zukunft mehr einbinden wollen.

Für die Sichtung aller Bewerbungen und Empfehlungen, das Einholen weiterer Informationen und die anschließenden Gespräche haben wir uns viel Zeit genommen und es uns nicht leicht gemacht. Am 19. November war es dann endlich so weit: Auf unserer Präsidiumssitzung haben wir uns für Peter und Gabriele entschieden und diese berufen. Sie sind damit Mitglieder des aktuellen 5. Präsidiums von Wikimedia Deutschland und bis zur nächsten Präsidiumswahl in etwa einem Jahr im Amt.

Beide sind begeistert von Freiem Wissen. Für Peter ist „Wissen die Voraussetzung für Wohlstand, aber für viele Menschen aus unterschiedlichen Gründen nur begrenzt verfügbar. Daher ist Freies Wissen ein wesentliches Element in der Ertüchtigung aller Menschen, Wohlstand zu schaffen und daran zu partizipieren. Daran möchte ich gerne mitwirken.“

Gabriele ergänzt: „Als noch völlig analog sozialisierter Mensch und damals begeisterter Brockhaus-Stöberer bin ich von der Möglichkeit, auf einen derartig gewaltigen Wissensfundus zugreifen zu können absolut fasziniert. Ich hätte mir nie träumen lassen, mich je einmal in einer derart gigantischen Bibliothek bewegen zu dürfen und wünsche mir von Herzen, dass diese Möglichkeit vielen und immer mehr Menschen offen steht.“

Mit Gabriele Theren und Peter Dewald stoßen damit nicht nur zwei Personen mit Strategie- und Finanzerfahrung zu uns, sondern auch zwei ganz neue Perspektiven auf Wikimedia. Wir werden von ihren Kenntnissen und Sichtweisen lernen können und ich bin sicher, dass sie die Arbeit des Vereins bereichern werden. Ich freue mich sehr darauf, die Arbeit für Freies Wissen nun gemeinsam mit unseren beiden „Neuen“ fortzusetzen.

by Tim Moritz Hector at November 30, 2017 12:44 PM

November 29, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Fellow-Programm Freies Wissen: Webinar zu Citizen Science am 06. Dezember

Erkenntnis kommt durch teilen! Im Rahmen des Fellow-Programms finden mehrere Webinare zu Aspekten Offener Wissenschaft statt, an denen neben den Programmbeteiligten auch andere Interessierte teilnehmen können. Bild: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 177, CC BY-SA 4.0

Das Fellow-Programm Freies Wissen ist eine Initiative von Wikimedia Deutschland, dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Offener Wissenschaft zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. Am 06. Dezember findet das zweite von mehreren Webinaren zu verschiedenen Aspekten Offener Wissenschaft statt, die von den wissenschaftlichen Partnern des Programms angeboten werden.

Im zweiten Programmjahr des Fellow-Programms konnten mehrere wissenschaftliche Institutionen dafür gewonnen werden, sich als Partner im Programm zu engagieren. Über die Laufzeit des Programms werden sie für die Programmteilnehmenden ihre Expertise zu verschiedenen Aspekten Offener Wissenschaft im Rahmen von Webinaren einbringen, an denen neben den Fellows auch weitere Interessierte kostenlos teilnehmen können. Die Webinarreihe startete am heutigen Mittwoch mit einem Webinar zum Thema „Open Peer Review“, das von der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen angeboten wurde. 

Webinar „Citizen Science“ am 06. Dezember, 15:00 Uhr

Unser zweites Webinar, angeboten vom Museum für Naturkunde Berlin und organisiert von Claudia Göbel (MfN und European Citizen Science Association), beschäftigt sich mit dem Thema „Citizen Science. Zur Frage „Wie forscht man gemeinsam mit Menschen außerhalb der institutionellen Wissenschaft?“ werden Alexandra Albert und Mirela Alistar ihre Erfahrungen aus eigenen sozial- und biowissenschaftlichen Projekten teilen. David Ziegler von der Plattform bürgerschaffenwissen.de ergänzt einen Überblick über die Citizen Science Landschaft in Deutschland und wo man weitere Ressourcen findet. Im Anschluss freuen wir uns auf die Diskussion mit den Teilnehmenden.

Das Webinar richtet sich an alle, die Interesse daran haben, mehr über Citizen Science zu erfahren und überlegen, partizipative Ansätze in ihre eigene wissenschaftliche Arbeit zu integrieren. Neben den Open Science Fellows und Mentoren sind weitere Interessierte herzlich eingeladen, am Webinar teilzunehmen und mit den Sprechenden und Teilnehmenden zu diskutieren.

  • Datum und Uhrzeit: 06. Dezember 2017, 15:00 bis 16:30 Uhr
  • Referenten und Referentinnen:Alexandra Albert, Mirela Alistar, Claudia Göbel & David Ziegler
  • Anmeldung: per Mail an wissenschaft@wikimedia.de (Teilnahmelink und Ablaufplan werden nach Anmeldung zugeschickt)
  • Sprache: Das Webinar wird in englischer Sprache abgehalten.

by Christopher Schwarzkopf at November 29, 2017 12:32 PM

November 26, 2017

DaB.

OT: Ein Hoch auf die Bahn

Mehrfach in der Woche fahre ich mit der Deutschen Bahn (Regionalbahn) und für den Verein und für die Wikipedia fahre ich auch mehrmals im Jahr weite Strecken. Dabei bin ich natürlich auch von Verspätungen und sonstigen Ärgernissen nicht gefeilt – man kennt es ja, und ja, ich schimpfe auch oft.

Heute aber möchte ich die Deutsche Bahn einmal ausdrücklich loben; und zwar dafür, das sie meinen Laptop gerettet haben.

Was war passiert? Ich bin heute vor einer Woche von der Mitgliederversammlung aus Berlin nach Hause gefahren und in Hanau ausgestiegen. Und als ich gerade die Treppe zum Querbahnsteig runtergehen wollte, fiel mir auf, das ich alles mitgenommen hatte – nur die Laptop-Tasche stand noch im Abteil. Zugtüren waren schon zu, der Schaffner hatte schon gepfiffen, der Zug fuhr ohne Erbarmen ab – und mit ihm mein Laptop.

Bahn-Hotline angerufen, relativ schnell jemand am Telefon gehabt. Die haben mich an die 3S-Zentrale in Frankfurt verwiesen. Dort angerufen, gleich jemand dran gehabt. Die haben jemand an den Bahnsteig in Frankfurt (nächster Halt des ICEs) geschickt und den Schaffner informiert. Banges Warten. Dann die Rückinfo: War kein Durchkommen, Zugpersonal hatte Wechsel, Laptop noch im Zug. Nächste Möglichkeit: Mannheim. Dort angerufen, wieder gleich jemand dran gehabt. Gleiches Vorgehen wie in Frankfurt angekündigt. Nach zähen Warten dann der Rückruf: Laptop-Tasche wurde gefunden, und ein Dell-Laptop wäre auch noch drin. Jackpot!

Bin dann am Montag gleich nach Mannheim gefahren. Die Dame im Bahn-Fundbüro war nett, und nach kurzem Suchen hatte sie auch meine Tasche. Die Bahn hatte Inventur gemacht (was man so Alles in so ’ner Tasche hat…), und 5€ später hatte ich meinen Laptop wieder.

Also egal wie sehr ich das nächste Mal wieder fluchen werde, wenn mir ein Anschlusszug vor der Nase wegfährt: Die DB hat wirklich was gut bei mir. Das war echt gute Arbeit.

by DaB. at November 26, 2017 09:31 PM

November 23, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 46/2017

Die Wikimedia:Woche 46/2017 berichtet über die Empfehlungen des Funds Dissemination Committee der Wikimedia Foundation und den Endspurt beim Fotowettbewerb Wiki Science Competetition.

Zur Wikimedia:Woche 46/2017 geht es hier.

by Sandro Halank at November 23, 2017 08:48 PM

Öffentlich finanzierte Daten sollten frei zugänglich sein! Aufruf zur Beteiligung an Konsultation zur Public-Sector-Information-Richtlinie

Die Europäische Kommission lädt zur Konsultation. Foto: Sébastien Bertrand, CC BY 2.0

Ein Beitrag von Dimitar Dimitrov, Koordinator für EU-Politik und der “Free Knowledge Advocacy Group EU”.

Die Europäische Kommission hat eine Konsultation über die mögliche Reform der so genannten PSI-Richtlinie (nach dem englischen Titel „Re-use of Public Sector Information“) eingeleitet. Diese Richtlinie soll die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors regeln. Ziel ist es, öffentliche und öffentlich finanzierte Daten möglichst unbürokratisch zugänglich zu machen.
Wikimedia hat einen Leitfaden für die Beteiligung an der Konsultation (EN) geschrieben. Wir möchten alle dazu aufrufen, sich auf diesem Weg an der Konsultation zu beteiligen, die mehr Zugang zu öffentlichen Informationen haben möchten oder glauben, dass öffentliche Informationen frei zugänglich sein sollten. Die Beteiligung ist bis zum 12. Dezember 2017 möglich.

Vorspiel

Wie in der Überprüfung der Strategie für einen digitalen Binnenmarkt im Mai 2017 vorgesehen, bereitet die Europäische Kommission im Hinblick auf die Verwirklichung der Ziele im Bereich der Datenwirtschaft eine Initiative zur Zugänglichkeit und Wiederverwendung öffentlicher und öffentlich finanzierter Daten vor. Gleichzeitig untersucht sie die Frage, ob und wann Daten privat bleiben müssen, die von öffentlichem Interesse sind.

Auch sollen Wettbewerbsnachteile, die europäische Unternehmen gegenüber ihren amerikanischen Konkurrenten haben, die sich auf ein hoch entwickeltes, gut funktionierendes System öffentlicher Informationen stützen können, ausgeglichen werden.

Ein mittelklassiges Spiel

Allerdings hat selbst die revidierte Richtlinie nicht wirklich den ganz großen Wurf erzielt. Gut ist, dass die neuere Version von 2013 z. B. Museen, Büchereien und Archiven in ihren Geltungsbereich einschließt. So dürfen nun sämtliche bereitgestellten öffentlichen Daten zu jedem Zwecke weiterverwendet werden, vorausgesetzt, die Urheberrechte Dritter werden dadurch nicht verletzt. Im Gegensatz zur alten Version der Richtlinie gilt dies auch explizit für Museen, Bibliotheken und Archive. Auch die Nachnutzungsklausel wurde umgekehrt. Während diese vorher in einigen aufgezählten Fällen erlaubt war, gilt sie nun als Vorgabe.

Trotzdem bleiben sehr viele ungeklärte Fragen, die in Alltagshürden münden. Auch die neue Richtlinienversion nennt keine Lizenz, die zu benutzen wäre oder empfiehlt gar eine offene Lizenz. Das führt oft dazu, dass Regierungen und Behörden sich einige Lizenzen mit eigenen Bedingungen zusammenstellen, die nicht immer kompatibel sind und manchmal sogar die Nachnutzung deutlich erschweren.

Während Mitgliedstaaten dazu aufgefordert werden, eher keine Gebühren für die Bereitstellung und Nachnutzung zu verlangen, gibt es eine Reihe von weitgehenden Ausnahmen, die diese Aufforderung praktisch aushebelt.

Zwei-Zettel-Spiel

Ein zusätzliches Problem ist, dass bestimmte andere Richtlinien der Europäischen Kommission mit der PSI-Richtlinie im Konflikt stehen. Ganz besonders deutlich wird das anhand der Datenbank-Richtlinie, die ein eigenes Nachbarrecht auf Datenbanken schafft. (Siehe auch Datenbankherstellerrecht) Dieses Nachbarrecht wurde in den vergangenen Jahren von Behörden als Vorwand benutzt, um Informationen nicht öffentlich und nachnutzbar zu machen. Der wohl bekannteste Fall stammt aus Frankreich. Ein anderer Fall ist der öffentliche Verkehr der Stadt Sofia, der die Freigabe der Fahrpläne in das nationale Open-Data-Portal mit dem Hinweis auf das Datenbankrecht seit Jahren blockiert.

Selbst die Kommission hat mittlerweile den Widerspruch erkannt. In einem durch eine IFG -Anfrage herausgegebenen Briefings der neuen Digitalkommissarin Mariya Gabriel lässt sich das klar herauslesen. Auch ist die Tatsache, dass die Novellierungen dieser zwei Richtlinien im Paket vorgeschlagen werden soll ist ein klares Zeichen für die legislativen Absichten des EU-Gesetzgebers.

Zwischenspiel

Die Verfehlungen der novellierten PSI-Richtlinie haben nicht nur zivilgesellschaftliche Organisationen aufgebracht. Viele öffentliche Einrichtungen in Europa haben die Kommission gebeten, Leitlinien für die institutionelle Umsetzung zu verfassen. Nach ausgiebigen Konsultationen, an denen u.a. Wikimedia Deutschland sehr aktiv mitgewirkt hat, ist ein solches Dokument erschienen. Es empfiehlt offene Lizenzen und insbesondere CC-0 und legt den Null-Tarif für die Bereitstellung der Informationen nahe. In einer perfekten Welt wären diese Leitlinien Teil der eigentlichen Richtlinie.

Zusammenspiel

Genau das können und sollen wir jetzt verlangen. Die Kommission bittet zur Konsultation und hat einen Fragebogen online gestellt, der bis zum 12. Dezember von jedem ausgefüllt werden kann. Wikimedia hat einen Leitfaden für dessen Beantwortung (englisch) geschrieben und empfiehlt dessen Nutzung.

Nachspiel

In der ersten Hälfte 2018 soll die Reform der PSI-Richtlinie dem Europäischen Parlament und dem Rat vorgeschlagen werden. Darauf folgt eine langwierige Entscheidungsfindung, bis das neue EU-Rahmengesetz steht. Danach muss es natürlich nochmals in nationales Recht umgesetzt werden. Trotzdem lohnt sich der Aufwand und das Durchhalten, denn eine flächen- und standardmäßige Freistellung aller öffentlichen Informationen wartet am Ende als mögliches Schmankerl.

Eine gute, vergleichende Übersicht gibt es hier: https://blog.okfn.org/2013/04/19/the-new-psi-directive-as-good-as-it-seems/

by Lilli Iliev at November 23, 2017 05:18 PM

Von der Frosch- in die Vogelperspektive: Bei Networks & Politics wurde über nationale Digitalpolitik vs. Internet Governance diskutiert

Wolfgang Kleinwächter, Max Hösl, Geraldine de Bastion, Bernd Fiedler. Foto: Dominik Theis (WMDE), CC BY-SA 4.0

Ein Beitrag von Dominik Theis, der ein Praktikum im Bereich Politik & Recht absolviert.

Zwischen Internet Governance und nationaler Digitalpolitik: Geraldine de Bastion, internationale Politikberaterin, Prof. em. Dr. Wolfgang Kleinwächter, Kommunikationswissenschaftler und Internet-Governance-Experte und Maximilian Hösl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der WZB Projektgruppe „Politikfeld Internet“, stellten sich am 14. November bei Wikimedia Deutschland in der Reihe Networks & Politics der Frage, ob und wie eine Politik des digitalen Zeitalters noch national gedacht werden kann. Das Video der Veranstaltung ist online.

Am Vorabend des diesjährigen Internet Governance Forums (IGF) Deutschland tauschten sich die drei Gäste darüber aus, welche Themen zurzeit im Vordergrund der digitalen Debatte stehen, wie Deutschland mit den Herausforderungen im digitalen Bereich umgeht und welche Vorteile ein Multi-Stakeholder-Ansatz in Hinblick auf die Schnelllebigkeit des Internets und der Digitalisierung haben könnte.

Forderungen der Jugend an das Internet Governance Forum

Das Panel begann mit einem Input des deutschen Jugend IGF, der seine am selben Tag in einem Workshop erarbeiteten Forderungen an die deutsche Digitalpolitik vorstellte und den Einstieg in die Diskussion lieferte. Der Kurzvortrag gab einen Überblick über die Themen, die gerade im Vordergrund der digitalen Debatte stehen oder nach Meinung des Jugendverbandes noch mehr Beachtung verdienten: Hierbei lag der Fokus im Speziellen auf den Stichworten Datensouveränität und Transparenz, eGovernance, Digitalisierung und Urheberrecht und dem Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit. Die Jugendlichen forderten unter anderem:

  • Die Einrichtung eines netzpolitischen Ethikrats, der langfristig verbindliche Leitlinien etwa für den Bereich Algorithmen entwirft
  • Transparenz über persönliche Daten durch datensammelnde Institutionen, nach privacy by design-Prinzip
  • Staatliche Unterstützung zivilgesellschaftlicher Initiativen, die etwa durch counternarratives und Aufdeckung von Fake News korrektive Funktion einnehmen
  • Verstärkter Einsatz von EGovernment-Prozessen auf kommunaler- Landes- und Bundesebene, unter Berücksichtigung des Datenschutzes
  • Generationenübergreifende digitale Kompetenzbildung, um gesellschaftliche Mündigkeit zu digitalpolitischen Themen zu gewährleisten
  • Anpassung des Urheberrechts an digitalen Kontext, Vorsorgeprinzip für Softwarehaftung, Hersteller sollen Wartbarkeit sicherstellen, Sourcecode offenlegen
  • Stärkung unabhängiger Kontrollinstanzen im Bereich innerer Sicherheit, Einsatz von Staatstrojanern ausschließlich bei Gefahr für Leib und Leben

Die Rolle Deutschlands innerhalb der internationalen Internet Governance

Die Podiumsdiskussion startete daraufhin mit einer Einordnung der aktuellen Themen der Digital- und Netzpolitik in den historischen Kontext durch Maximilian Hösl, wobei klar wurde, dass einige Themen immer wieder im Fokus der Politik stehen, wobei sich lediglich der Kontext von Zeit zu Zeit verändere. Geraldine de Bastion zweifelte die international angenommene Vorreiterrolle Deutschlands an; es gebe zwar vergleichsweise umfassende gesetzliche Grundlagen zu Privatsphäre und Datenschutz, Deutschland fehle es jedoch an zeitgemäßer Infrastruktur und Technik. Diese Einschätzungen zum Anlass nehmend vertritt Prof. em. Dr. Wolfgang Kleinwächter die These, man dürfe in Bezug auf das Internet und die globalisierte Welt nicht mehr nur als einzelner Staat denken und agieren: Um mit der Zeit zu gehen und sich den Herausforderungen von Heute zu stellen, müsse man global handeln. Er ruft Deutschland dazu auf, sich von der Frosch- in die Vogelperspektive zu begeben, internationale Problemlösungsprozesse anzuregen und die Möglichkeiten, die das „globale Phänomen“ Internet mit sich bringt, zu erkennen und wahrzunehmen.

Der Multi-Stakeholder-Ansatz als Idee für eine moderne und integrative Digitalpolitik

Darüber hinaus sprach sich Kleinwächter dafür aus, dass neben den staatlichen Institutionen auch andere Akteure in den Prozess der digitalen Politikentwicklung integriert werden sollten. Der vom IGF vorgelebte Multi-Stakeholder-Ansatz biete ein gutes Beispiel dafür, wie wichtige Akteure aus dem zivilen, wirtschaftlichen, technischen und staatlichen Bereich ziel- und zukunftsorientiert kompetente Lösungen für Probleme finden können, die über den Kompetenzbereich der Regierungen hinausgehen, so Prof. em. Dr. Kleinwächter. Hier stimmten die übrigen Diskussionsteilnehmenden überein und Geraldine de Bastion ergänzte zudem, dass ein solches Konstrukt an Akteuren und die Schaffung eines offenen Forums zudem auch den Kontrolltendenzen autoritärer Regime im Sinne einer offenen und demokratischen Gesellschaft entgegenwirken könne.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs gingen die Panelisten auf die Voraussetzungen ein, die benötigt werden, um in Deutschland den Multi-Stakeholder-Ansatz umzusetzen. Das Wichtigste hierbei sei Transparenz und Offenheit; die Bürger und Bürgerinnen sollten über die Gespräche und Verhandlungen informiert und ihre Meinung repräsentiert werden. Dazu sei es besonders wichtig, dass vor allem auch die Zivilgesellschaften und Vereine zu Wort kommen und mehr Unterstützung und Anerkennung erfahren. Prof. em. Dr. Kleinwächter betont, dass ein Multi-Stakeholder-Forum nicht nur aus Vertretern der Wirtschaft und der Regierung zusammengesetzt sein darf, jedes Interesse müsse in die Diskussion eingebracht, vertreten und diskutiert werden. Das Internet und die Digitalisierung betreffe ja nun das Leben eines jeden Einzelnen. Geraldine de Bastion unterstützt dessen Aussagen, äußert jedoch auch Bedenken an einem solchen Konstrukt: Vor allem auf internationaler Ebene werde es sehr schwierig sein, die verschiedenen Stakeholder gleichrangig an einen Tisch zu bringen und ein so geartetes Forum zu verstetigen.

Deutschland wird zugeschriebener Vorreiterrolle noch nicht gerecht

In Bezug auf die nationale Ebene befassten sich die Drei mit der Frage, wie sich Deutschland als ein Staat denn in Zukunft mit digitalen Themen befassen beziehungsweise welche Rolle es innerhalb des Multi-Stakeholder-Ansatzes spielen sollte. Die Einrichtung eines Digitalministeriums sei zu komplex und allumfassend, da zu viele Bereiche von der Digitalisierung betroffen seien und immer mehr Abhängigkeiten zum Internet entstünden. Weitere Ideen wie die Einsetzung eines Koordinators, der die verschiedenen Anliegen der einzelnen Ministerien zusammenbringt oder der Einrichtung einer Ethikkommission wurden auch kurz umrissen und mit Hinblick auf die Schwierigkeiten in Bezug auf Kompetenzverteilung und Neutralität diskutiert.

Letztlich konnten Geraldine de Bastion, Prof. em. Dr. Wolfgang Kleinwächter und Maximilian Hösl sich darauf verständigen, dass Deutschland zwar schon einige Expertise aufweist, jedoch noch einen langen Weg vor sich hat, um der Rolle als Vorreiter im digitalen Bereich gerecht zu werden. Es sei an der Zeit, Strukturen zu überdenken und zu verändern, um klassische Prozesse dem digitalen Zeitalter anzupassen und mit den Veränderungen innerhalb der Digitalisierung mitzukommen. Die Digitalpolitik dürfe nicht mehr nur bei den einzelnen Regierungen liegen, andere Akteure und Betroffene müssten in den Diskurs auf nationaler und internationaler Ebene mit eingebunden und gehört werden.

 

by Lilli Iliev at November 23, 2017 09:27 AM

November 20, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Fellow-Programm Freies Wissen: Offenes Webinar zu Open Peer Review am 29. November

Erkenntnis kommt durch teilen! Im Rahmen des Fellow-Programms finden mehrere Webinare zu Aspekten Offener Wissenschaft statt, an denen neben den Programmbeteiligten auch andere Interessierte teilnehmen können. Bild: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 177, CC BY-SA 4.0

Das Fellow-Programm Freies Wissen ist eine Initiative von Wikimedia Deutschland, dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Offener Wissenschaft zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. Am 29.11. findet das erste von mehreren Webinaren zu verschiedenen Aspekten Offener Wissenschaft statt, die von den wissenschaftlichen Partnern des Programms angeboten werden.

Das Fellow-Programm bietet in seinem zweiten Programmjahr einige Neuerungen im Vergleich zum ersten Programmdurchlauf im vergangenen Jahr. So hat sich nicht nur die Zahl der Fellows und Mentoren verdoppelt, sondern es konnten auch mehrere wissenschaftliche Institutionen dafür gewonnen werden, sich als Partner im Programm zu engagieren. Über die Laufzeit des Programms werden sie für die Programmteilnehmenden ihre Expertise zu verschiedenen Aspekten Offener Wissenschaft im Rahmen von Webinaren einbringen, an denen neben den Fellows auch weitere Interessierte kostenlos teilnehmen können.

Webinar „Open Peer Review“ am 29. November, 11:00 Uhr

Die Webinarreihe startet mit einem Webinar zum Thema „Open Peer Review“, das von der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen angeboten wird. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie alternative Peer-Review-Methoden die traditionellen Prozesse der Forschungsevaluation und Wissenschaftskommunikation öffnen und damit transparenter und kollaborativer gestalten können. Das Webinar stellt verschiedene Modelle von offenen Peer-Review-Verfahren vor und thematisiert deren technische Umsetzung. Darüber hinaus kommen Vorbehalte gegenüber einer Öffnung von Begutachtungsverfahren zur Sprache und es wird diskutiert, wie man mit diesen umgehen kann.

Das Webinar richtet sich an alle, die Interesse daran haben, mehr über offene Peer-Review-Verfahren zu erfahren und überlegen, diese in ihre eigene wissenschaftliche Arbeit zu integrieren. Neben den Open Science Fellows und Mentoren sind weitere Interessierte herzlich eingeladen, am Webinar teilzunehmen und mit den Sprechenden und Teilnehmenden zu diskutieren.

  • Datum und Uhrzeit: 29. November 2017, 11:00 – 12:30 Uhr
  • Referenten und ReferentinnenTony Ross-HellauerDr. Edit Görögh
  • Anmeldung: per Mail an wissenschaft@wikimedia.de (Teilnahmelink und Ablaufplan werden nach Anmeldung zugeschickt)
  • Sprache: Das Webinar wird in englischer Sprache abgehalten.

Abstract (englisch): New models of open peer review (OPR) are emerging that open up traditional, closed processes, making them more transparent, collaborative and/or network-based. This webinar will describe recent work conducted by the OpenAIRE and OpenUP projects to define models of OPR, gauge stakeholder attitudes and lay out a roadmap for future OPR implementation. It will focus on how OPR can potentially strengthen research evaluation, describing how alternative peer review tools and methods could better shape scholarly communication and how they contribute to the strengthening Open Science agenda. Specific issues included in the presentations are the variety of models; barriers/drivers for moving OPR mainstream; attitudes to OPR (what reviewers, authors and editors actually want); how to motivate and credit review work; technical infrastructure and platforms; and the next steps for researching the efficacy of different OPR models. The webinar will be of interest to all with an interest in how research evaluation can better meet the aims of Open Science.

Weitere Webinare im Dezember 2017 und Januar 2018

Webinare zu weiteren Aspekten Offener Wissenschaft sind für die folgenden Monate geplant: Anfang Dezember wird ein Webinar zum Thema „Citizen Science“ angeboten, welches vom Naturkundemuseum Berlin durchgeführt wird, Ende Januar bietet dann das Center für Digitale Systeme der Freien Universität Berlin ein Webinar zum Thema „Open Access“ an. Weitere Informationen zu den beiden Webinaren folgen in Kürze.


by Christopher Schwarzkopf at November 20, 2017 12:47 PM

#No(Upload)Filter – Bedrohen geplante Upload-Filter die Wikipedia?

Kaffee oder Blumenerde? Filter kennen keinen Kontext, Communitys schon. Foto: Elya, CC-BY-SA-3.0

Auf Initiative der EU-Kommission wird in der Europäischen Union eine Reform des Urheberrechts vorangetrieben. Ein Knackpunkt ist die geplante Einführung so genannter Uploadfilter für alle Plattformen, die auf nutzergenerierten Inhalten beruhen. Sollten sie EU-weit vorgeschrieben werden, können auf communitygetriebene Projekte wie die Wikipedia große Probleme zukommen.

Zuletzt berichteten verschiedene Medien (u.a. hier), dass Wikipedia von Uploadfiltern existenziell bedroht sei. Wir beleuchten im Folgenden den Hintergrund der geplanten Regelung – und möchten gemeinsam weiterdiskutieren.

Was sind Uploadfilter und was sollen sie tun?

Uploadfilter können hochgeladene Dateien durchleuchten und den Upload blockieren, wenn sie zum Ergebnis kommen, dass es sich um urheberrechtlich geschütztes Material handelt. Sie tun dies mithilfe einer automatischen Erkennungssoftware durch einen Abgleich von Ähnlichkeit mit einer Datenbank. Urheberrechtlich geschützte Werke sollen so schlicht nicht mehr hochgeladen werden können.

Aber: Gesetzlich gibt es viele Fälle, in denen Material trotz Urheberrechtsschutz genutzt werden darf, z. B. als Parodie, im Rahmen von Zitaten und weiteren Fällen. Und oft ist ohne gerichtliche Prüfung auch nicht eindeutig zu sagen, ob eine Nutzung erlaubt ist oder nicht, denn abstrakte rechtliche Regeln müssen auf eine komplexe Wirklichkeit angewendet werden. Filter würden all diese Fälle im Zweifel schon beim Upload ausbremsen und die Nutzenden müssten über Beschwerden jeweils einzeln versuchen, ihr Nutzungsrecht zu belegen.

Publikum bei „Monsters of Law – Die juristische Veranstaltungsreihe rund um Freies Wissen“. Foto: Katja Ullrich (WMDE), CC BY-SA 3.0

Bisher gilt das Flagging-Prinzip. Das heißt: Wenn ein Werk von einer Nutzerin oder einem Nutzer unrechtmäßig eingestellt wurde, wird der Betreiber informiert. Entfernt er oder sie das Werk dann nicht umgehend, ist er oder sie haftbar zu machen.

Einen Uploadfilter einzustellen bedeutet großen technischen Aufwand. Das heißt auch: Es wird teuer. Viele Projekte müssten daher wahrscheinlich in die Knie gehen – oder den Grafikupload ganz abstellen. Es gibt auch rechtmäßige Verwendungsmöglichkeiten von urheberrechtlich geschützten Werken – im Rahmen eines Zitats, einer Besprechung oder auch Berichterstattung zum Beispiel. Das kann ein Filter nicht ohne weiteres erkennen. Er verhindert sie einfach.

Community kann Kontext. Filter nicht.

Für die Wikipedia kann das heißen, dass Autorinnen und Autoren mit großen Hindernissen zu kämpfen hätten. Die Wikipedia-Community müsste Filter installieren, die sie nicht will. Sie müsste Autorinnen und Autoren vorab kontrollieren, was sie noch weniger will.

Die Wikipedia-Community selbst ist der beste Schutz vor Rechtsverletzungen, wie sie seit 2001 unter Beweis stellt. Menschen sind bei Abwägungen schlicht besser als Maschinen. Menschen können den Kontext erkennen, sie können argumentieren und differenzierte Entscheidungen treffen. So können Rechteinhaberinnen und -inhaber ihre Interessen durchsetzen, ohne dass Maschinen den Upload von vornherein abwürgen.

Wird gerade die Büchse der Pandora geöffnet?

Schon heute wird das Urheberrecht oft dazu missbraucht, anderweitig störende Inhalte aus dem Netz zu bekommen. Uploadfilter würden das so vereinfachen, dass man dann wirklich von einem “Zensurheberrecht” sprechen müsste. Sind Uploadfilter erst einmal für alle Online-Plattformen vorgeschrieben, sind auch weitere Rechtsbereiche jenseits des Urheberrechts denkbar, für die sie eingesetzt werden könnten, Stichwort: Salamitaktik.

Wir brauchen keine Uploadfilter, sondern für möglichst viele Online-Plattformen verantwortungsvolle, aktive Communitys, die den Kontext einer Nutzung bewerten, etwaigen Missbrauch einhegen und “schwarze Schafe” aktiv bekämpfen können. Ein lebendiges Netzwerk sorgt selbst für fairen Umgang miteinander. Ein Zwang zu Uploadfiltern dagegen ist eine Gefahr nicht nur für ungehinderte Aushandlung und Verbreitung von Freiem Wissen, sondern beim Blick auf das Netz insgesamt für die Meinungsäußerungsfreiheit einer digital erschlossenen Gesellschaft.

Darum setzt sich Wikimedia Deutschland für eine Streichung des Artikels 13 aus dem Vorschlag für eine neue Urheberrechtsrichtline ein.

Weiterdiskutieren? Wir laden ein zu Monsters of Law

Monsters of Law. By Valerie Schandl (WMDE), CC BY-SA 4.0

Wir laden alle Interessierten dazu ein, sich zum Thema weiter zu informieren und weiter zu diskutieren.
Am 09. Januar 2018, 18 Uhr, bei Wikimedia Deutschland e. V.:
Monsters of Law – #NoFilter. Die gefilterte Wikipedia?

Die Gäste des Abends werden demnächst auf der Webseite bekannt gegeben, die Veranstaltung wird als Video verfügbar gemacht.

by Lilli Iliev at November 20, 2017 12:08 PM

November 18, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

So war die 21. Mitgliederversammlung in Berlin

Blick ins Plenum (Elisabeth Mandl, CC-BY-SA 4.0)

 

Heute fand in Berlin die 21. Mitgliederversammlung unseres Vereins statt. Der Tag war zweigeteilt in die offizielle Versammlung mit formalen Punkten am Vormittag und in ein offenes Rahmenprogramm, in dem an vielen Stationen die Arbeit des Vereins im Detail kennengelernt werden konnte. Auf der Tagesordnung am Vormittag standen richtungsweisende Entscheidungen – mit Wahlen, dem Wirtschaftsplan 2018 und eine Positionierung zur langfristigen Zukunft der Wikimedia-Bewegung.

Wahlen und Beschlüsse

Die Welt dreht sich weiter. Im Jahr 2001 wurde Wikipedia gegründet. Das mag einerseits gar nicht lange her scheinen, andererseits ist viel passiert in 15, 16 Jahren. Das wurde gleich zu Anfang auf der Bühne deutlich, als mit alten Modem-Einwahltönen lautstark (und lange) das Geburtsjahr von Wikipedia ins Gedächtnis gerufen wurde. Wenn wir ebenso lang in die Zukunft blicken, welche Herausforderungen drängen sich für Wikipedia und Freies Wissen auf? Das war das erste Thema am Morgen der Mitgliederversammlung. Tim Moritz Hector und Abraham Taherivand skizzierten, was 1,2 Milliarden Gerätezugriffe auf Wikimedia-Projekte eigentlich im mobilen Zeitalter bedeuten. Unter anderem nämlich, dass Smartphones und Co. das schnelle Konsumieren von Inhalten vorantreiben, nicht unbedingt aber das Produzieren. Mitmachen und selber Wissen für Andere beitragen ist aber Kern freier Inhalte. Eine Herausforderung für die Zukunft aller Wikimedia-Projekte – und letztlich der Gesellschaft, wenn es um die Vielfalt des Wissens der Menschheit geht. Darum waren die Mitglieder von Wikimedia Deutschland später am Tag gefragt, per Beschluss eine strategische Ausrichtung für die internationale Bewegung zu unterstützen, die international bereits von knapp 80 der beinahe 120 Wikimedia-Gruppen und -Organisationen weltweit gezeichnet worden ist. Die Mitgliederversammlung beschloss in Berlin, dass Wikimedia Deutschland ebenfalls die gemeinsame Ausrichtung unterstützt.

Ein weiterer großer Punkt auf der Tagesordnung war der Wirtschaftsplan 2018.  Dieser wurde seit Mai entwickelt, seine Entstehung wurde unter anderem online dokumentiert und in verschiedenen Städten in Deutschland vorgestellt. Die Mitgliederversammlung beschloss mit dem Wirtschaftsplan heute die finanzielle Seite um Einnahmen und Ausgaben, die für die Umsetzung der Ziele des nächsten Jahres geplant sind.

Mit Sebastian Dürr und Daniel Reisener wurden zudem zwei neue Kassenprüfer für eine zweijährige Amtszeit gewählt. Wir sagen Herzlichen Glückwunsch!

 

Das “Haus des Freien Wissens”

Am Nachmittag wurde es wieder bunt: Das „Haus des Freien Wissens“ öffnete auf drei Etagen des Tagungswerks seine Türen. Und der Andrang war groß: Neben den Mitgliedern kamen auch viele weitere Interessierte, um sich an den verschiedenen Stationen über die abwechslungsreiche Arbeit von Wikimedia Deutschland zu informieren. Es gab viel zu entdecken: Im „Wikipedia-Testlabor“ konnten sich die Besucher zum Beispiel jede Menge Tipps und Tricks für die Wikipedia holen, es wurden die zehn Gewinnerbilder des Fotowettbewerbs “Wiki Loves Monuments” gezeigt, außerdem gab es ein “Politisches Positionenraten”, einen User-Experience-Test und einen gemütlichen Videoraum mit Popcorn.

Großen Anklang fanden auch die beiden Einführungskurse in die Wikipedia und in das freie Medienarchiv Wikimedia Commons sowie unser erster Workshop zu den Beteiligungsmöglichkeiten für Mitglieder. Über den Tag verteilt waren heute rund 150 Mitglieder und Interessierte mit dabei.

Vielen Dank an alle, die diese 21. Mitgliederversammlung zu einem solch großen Erfolg gemacht haben.

by Corinna Schuster at November 18, 2017 06:17 PM

November 17, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 45/2017

Die Wikimedia:Woche 45/2017 berichtet über die Möglichkeit noch bis zum 19. November technische Verbesserungsvorschläge in der „Community Wishlist Survey“ einzureichen, eine Vorlesung vom Thema „Wikidata: Curating Data about the World with 17000 Volunteers“ im Rahmen der Vorlesungsreihe „Offener Hörsaal: Open Technology for an Open Society“ sowie die GLAM-on-Tour-Stationen in Heidelberg und Berlin.

Zur Wikimedia:Woche 45/2017 geht es hier.

by Sandro Halank at November 17, 2017 12:19 PM

November 13, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

WikidataCon 2017

WikidataCon, the first conference dedicated to the Wikidata community took place in Berlin on October 28th and 29th. How to summarize this event? It was a huge success, both from the point of view of the community and the organization team, and we hope that you enjoyed the event as much as we did.

We can already deliver some amazing numbers: 200 attendees, including 50 helpers, 78 speakers, 50 scholars, not including 20+ plushies. We had more than one hundred sessions with a total of 40 hours of video recorded, we had 20 birthday presents, we had 43 countries represented and almost as much sweets on the sweets table!

We are especially happy that WikidataCon may very well be one of the best documented Wikimedia events. Thanks to the wonderful people at C3VOC, recordings of presentations were online just hours after they were given! The list of all recordings is impressive.

Topics that were discussed at the weekend include:

  • An overview of Wikidata’s past, present and future
  • Wikidata for culture and heritage (GLAM)
  • Wikidata for education and science
  • Improving the quality of Wikidata
  • The Query Service, an open door to Wikidata
  • Diving to the technical deeps: the tools around Wikidata
  • Wikidata and the Wikimedia projects

Keep watching the ever-growing documentation!

Apart from making WikidataCon a well documented event, we focussed on making it your event in as many ways as possible: a programme created by the community with a high level of participation (almost half of the attendees also gave talks or presentations) — all in all a conference to give more access to more knowledge to more people.

Giving more people more access also means the little things like inclusiveness and a friendly atmosphere for everyone. We are happy that 200 people came to Berlin to celebrate Wikidata with us.

WikidataCon will return in 2019. In 2018, celebrations of Wikidata’s 6th birthday will be organized by the community. One thing that WikidataCon has shown us all, that this community is excellent. Thank you, Dankeschön, Merci, Q2728730!

by Jens Ohlig at November 13, 2017 04:17 PM

November 09, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 44/2017

Neben einem Blick auf die Gewinner des 27. Wikipedia-Schreibwettbewerbs und die Berichterstattung anlässlich der Jurysitzung dieses Wettbewerbs sowie einem Rückblick auf den Wikimedia-Salon zur Digitalen Agenda, informiert die Wikimedia:Woche 44/2017 unter anderem über neue Mitarbeitende bei Wikimedia Deutschland und eine neue Studie zu Perspektiven von Open Educational Resources an Schulen.

Zur Wikimedia:Woche 44/2017 geht es hier.

by Sandro Halank at November 09, 2017 02:17 PM

Herzlich willkommen, Holger Plickert!

Wir freuen uns sehr, dass wir mit Holger Plickert seit Anfang Oktober einen neuen Kollegen in unserem Team Bildung, Wissenschaft und Kultur haben. Er arbeitet schwerpunktmäßig an der Schnittstelle zwischen Ehrenamtlichen und Kultur- und Gedächtnisinstitutionen. Dafür bringt er nicht nur Erfahrungen aus der Museumsarbeit – zuletzt im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz – mit, sondern er ist sogar bereits mit unserem Projektformat GLAM on Tour vertraut, wie er selbst erzählt:

„Betreute ich die GLAM-on-Tour-Station in Caputh noch als Vertreter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, habe ich nun die Freude, euch bei der Planung und Durchführung weiterer Veranstaltungen dieser Art als Mitarbeiter von Wikimedia Deutschland e. V. unterstützen zu dürfen. Euer Engagement und eure Tatkraft bei GLAM on Tour sind für mich immer wieder beeindruckend.“

Gleich am ersten Wochenende bei Wikimedia Deutschland machte er sich trotz Sturmtief Xavier auf den Weg ins Weserbergland, um gemeinsam mit etwa 20 Wikipedianerinnen und Wikipedianern im Museum Schloss Fürstenberg ein modernes Porzellanmuseum kennenzulernen. Und die nächsten GLAM-on-Tour-Stationen folgen schon gleich ab morgen. Am 10. und 11. November 2017 könnt Ihr Holger in der Universitätsbibliothek Heidelberg bei der Wikipedia-Schreibwerkstatt Bibliotheca Palatina kennenlernen. Vom 24. bis 26. November 2017 findet am Museum Europäischer Kulturen Berlin dann die nächste Veranstaltung dieser Art statt: “Wiki goes MEK!” widmet sich insbesondere dem Thema Alltagskultur.

Auch beim Barcamp WikiDACH vom 17. bis 19. November 2017 in Mannheim wird Holger dabei sein und freut sich darauf, viele von euch kennenzulernen.

Herzlich willkommen, Holger!

by Dominik Scholl at November 09, 2017 09:59 AM

November 08, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Coding da Vinci – Die Preisverleihung kommt

Ein kleiner Ausschnitt des Hackdash auf dem sich die im entstehen begriffenen Projekte von Coding da Vinci vorstellen. Schauen Sie rein.

Es ist soweit. In wenigen Wochen enthüllen wir die Gewinner des diesjährigen Kultur-Hackathons Coding da Vinci. Der Programmierwettbewerb um die digitalisierten Kulturdaten des Landes läuft auf der Zielgeraden ein. Apps für das Smartphone, Twitterfeeds, Big-Data Visualisierung, interaktive Websites, Virtual Reality. Hochgesteckte Ambitionen der gut 100 Teilnehmer, die in ihrer Freizeit aus Fotos, 3D-Scans, Textdigitalisaten und Gemälden Neues erschaffen. Wir laden Sie ein, mit uns gemeinsam ca. zwanzig Digitalprojekte live zu erleben. Sie stehen im Wettstreit um die begehrten sechs Coding da Vinci Preise in den Kategorien:

  • The most technical
  • The most useful
  • The best design
  • The funniest hack
  • Out of competition
  • Everybody’s darling

Innovative Entwickler und Entwicklerinnen, Kulturinteressierte, Designer und Designerinnen haben dann 6 Wochen lang hart gearbeitet. Getragen allein von ihrem Wunsch aus den digitalisierten Kulturgut Berlins und Umgebung neue Produkte zu schaffen. Vielleicht reisen Sie in einem neuen Onlinespiel mit uns mit 80 historischen Fahrkarten um die Welt. Oder prüfen Sie, wieviel Spaß es macht, mit der App wOgus 1000 Käfer am Bildschirm nach Farbe zu sortieren. Der Algorithmus Deep Water verspricht, die Wasserzeichen der Papiersammlung der UB Leipzig in Ihr Lieblingsfotomotiv zu mendeln. Drei von 24 Ideen, die am 21. Oktober zum Kick-Off von Coding da Vinci an der HTW gepitcht wurden. Im Augenblick sind es nur ein paar Zeilen Code, kleine Skizzen und ein Menge Enthusiasmus. Der Hackdash gleicht einer Blackbox. Mit Spannung erwarten wir daher die Präsentation der fertigen Projekte. Welche Idee hat das Zeug ein Produkt zu werden? Wer hat im Sprint durchgehalten? Welches Projekt wird die Jury begeistern und welches das Publikum? Wer wird in einer der sechs Kategorien den Preis gewinnen? Fiebern Sie am 2. Dezember im Jüdischen Museum mit uns mit. 

Bitte vormerken:

  1. Dezember 2017, Samstag 12:00 bis 18:00 Uhr im Jüdischen Museum Berlin

Lindenstraße 9 – 14, 10969 Berlin

Der Eintritt ist frei. Bitte registrieren Sie sich hier. Die Plätze sind beschränkt.

 

Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB), der Open Knowledge Foundation Germany e.V. (OKF DE), der Servicestelle Digitalisierung Berlin (digiS) und Wikimedia Deutschland e.V. (WMDE) und ein offizieller Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 in Deutschland (SHARING HERITAGE).

by Barbara Fischer at November 08, 2017 11:24 PM

Transparenz in qualitativer Forschung: Kollaborativ online-Interpretieren

Das Fellow-Programm Freies Wissen ist eine Initiative von Wikimedia Deutschland, dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Open Science zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. In diesem Gastbeitrag berichtet die Stipendiatin Isabel Steinhardt über ihr Projekt im Rahmen des Fellow-Programms.

Transparenz und das Interpretieren in Gruppen sind zentrale Gütekriterien bei hermeneutischen Verfahren. In meinem Projekt möchte ich ausprobieren, ob beides durch kollaboratives online-Interpretieren von Datenmaterial im Sinne von Open Method weiterentwickelt werden kann.


So der Tweet für das Programm „Freies Wissen“ des Stifterverbandes, Wikimedia und VolkswagenStiftung. „Freies Wissen“, das weckte in mir sofort zwei Assoziationen: Erstens Wissen zu befreien, aus dem Elfenbeinturm, aus den Büros der einzelnen Forscherin, des einzelnen Forschers. Und die zweite Assoziation war Wissen transparent zu machen. Transparenz ist in meinen Augen das wichtigste Gütekriterium qualitativer Sozialforschung und mir schon seit Längerem ein Anliegen (vgl. Steinhardt 2015). Meine Bewerbung war entsprechend der Motivation geschuldet Wissen zu befreien und transparent zu machen. Dies möchte ich mit meinem Projekt „kollaborativ online-Interpretieren“ anstoßen und weiter ausprobieren.

Stipendiatin Isabel Steinhardt mit ihrer Mentorin Katja Mayer bei der Erarbeitung der Roadmap für ihr Projekt im Rahmen des Fellow-Programms, Foto: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 054, CC BY-SA 4.0

Kollaboratives online-Interpretieren

Was aber ist unter kollaborativem online-Interpretieren zu verstehen? Hier muss ich zur Erklärung einen Schritt zurückgehen. An der Universität Kassel biete ich seit nunmehr fast zwei Jahren Beratungen für qualitative Forschungsmethoden im Rahmen des „Kompetenzzentrums für empirische Forschungsmethoden“ an. In diesen zeigt sich, dass das Interpretieren von Datenmaterial (wie z.B. Interviewmaterial) nur durch die praktische Erfahrung erlernbar ist und durch Beratung höchstens unterstützt werden kann. Diese praktische Erfahrung wird bisher in geschlossenen Seminaren für Studierende oder Workshops für Promovierende weitergegeben (wenn an den jeweiligen Universitäten hermeneutische Verfahren überhaupt vermittelt werden). Eine Weitergabe im Sinne von offenem Wissen findet im Bereich von qualitativen Methoden, besonders bei hermeneutischen Verfahren (wie der objektiven Hermeneutik, Dokumentarischen Methode oder Habitushermeneutik), bisher kaum statt. Deshalb besteht mein Interesse darin eine Möglichkeit zu finden hermeneutische Verfahren und hier besonders den Vorgang des Interpretierens von Datenmaterial online öffentlich zugänglich und angeleitet online erlernbar zu machen. Damit möchte ich einen Beitrag zu Open Science leisten mit der Hoffnung, dass dadurch auch die Transparenz qualitativer Forschung eingelöst werden kann.

Um kollaboratives online-Interpretieren möglich zu machen muss als erster Schritt ein Open-Access-Tool gefunden werden. Neben der Suche und Testung des Tools ist eine wissenschaftliche Recherche zum Forschungsstand des kollaborativen (online) Interpretierens geplant. Meine momentane Annahme ist, dass es Literatur zu kollaborativem Interpretieren gibt, aber nicht zu online-gestütztem Interpretieren, deshalb die Klammern. Sowohl die Suche, die Testung des Tools als auch die wissenschaftliche Recherche und Aufarbeitung zu kollaborativen (online) Interpretieren werden auf meinem Blog (sozmethode.hyptheses.org) und über Twitter (@sozmethode) transparent gemacht und die Daten zur Verfügung gestellt, sowie der Forschungsplan und die Forschungsfortschritte aufgezeigt (der bisherige Forschungsplan findet sich hier, für wertvolle Anregungen bei der Erstellung des Plans gilt mein Dank meiner Mentorin Katja Mayer). Ich möchte durch diese Transparenz alle zur Diskussion der Forschungsschritte, Erkenntnisse und Ergebnisse anregen und erhoffe mir zugleich vielfältige Anregungen.

Roadmap des Forschungsprojektes „kollaborativ online-Interpretieren“ Foto: Isabel Steinhardt, CC-BY 4.0

Sollte sich bei diesem Projekt herausstellen, dass es noch kein Open-Access-Tool für das kollaborative online-Interpretieren gibt, oder eine Adaption eines Tools für andere Zwecke nicht möglich ist, dann soll auch das „Scheitern“ des Projektes – das ja nur eine Laufzeit bis Ende Mai hat – transparent gemacht werden. Denn auch das Scheitern gehört zu wissenschaftlichen Projekten dazu und wird meiner Ansicht nach noch zu selten thematisiert und transparent gemacht.

Damit aber überhaupt etwas kollaborativ interpretiert werden kann, bedarf es Interpretationsmaterials. Dieses werde ich in Form von Interviewmaterial in den nächsten Monaten erheben. Das Forschungsprojekt, das ich dabei beginne, geht der Frage nach, ob sich die Nutzung digitaler Technologien für das Studium je nach Habitus der Studierenden unterscheidet.

Projektbeschreibung „Nutzung digitaler Technologien für das Studium und Habitus von Studierenden“

Digitale Technologien haben Einzug in den Studienalltag gehalten, wenig ist bisher aber über die Praktiken des Umgangs von Studierenden mit diesen Technologien bekannt (siehe hierzu das Forschungsprojekt „You(r) Study“). Diese Forschung ist meines Erachtens von Bedeutung, da digitale Technologien als die Möglichkeit angesehen werden Ungleichheit im Bildungssystem abzubauen. Doch ist das tatsächlich der Fall? Profitieren wirklich die Studierenden von digitalen und vor allem offenen Bildungsangeboten, die bisher von struktureller Ungleichbehandlung betroffen sind? Bisherige Studien zur digitalen Spaltung (digital divide) zeigen, dass sich die sozialen Unterschiede auch in der Nutzung digitaler Angebote widerspiegeln.

Ich will hier keinesfalls sagen, dass offene Bildungsangebote nicht dringend notwendig sind und nicht weiter ausgebaut werden sollten – wie hilfreich offene Bildungsangebote sind, zeigen eindrucksvoll die Tweets der „14th Annual Open Education Conference“ unter dem Hashtag #opened17. Aber es ist zentral, wie bei allen Bildungsangeboten, zu ermitteln, wie und mit welchen Herausforderungen digitale Technologien und digitale Bildungsangebote von Studierenden genutzt werden.

Diesem Thema nähere ich mich über die Frage nach einem möglichen Zusammenhang zwischen den Praktiken der Nutzung digitaler Technologien und digitaler Bildungsangebote im Studium und dem Habitus (Bourdieu 1987) von Studierenden. Anschließend an die Habitustheorie von Bourdieu wird in meinem Forschungsprojekt gefragt, wie sich die Praktiken je nach Habitus und Milieu der Studierenden unterscheiden und inwieweit digitale Technologien zu einer neuen/andauernden strukturellen Ungleichheit im Studium beitragen könnten.

Zur Beantwortung dieser Fragestellungen werden lebensweltliche Interviews (Bremer/Teiwes-Kügler 2013) durchgeführt, die mit der Habitushermeneutik (ebd.) ausgewertet werden. Durchgeführt wird die Habitushermeneutik als Sequenzanalysen, das heißt einzelnen Textpassagen werden nacheinander analysiert, ohne das Gesamtmaterial zu kennen. Die Sequenzanalyse dient dem Aufbrechen der Daten und dient dazu erste Spuren von Habitusmustern der befragten Person zu finden. Die gefundenen Spuren werden im weiteren Verlauf der Analyse überprüft und Fragen an das Material aufgeworfen. Die Fragen und Hinweise sowie Interpretationen werden pro Sequenz festgehalten und in den weiteren Analysen überprüft und ergänzt (Bremer/Teiwes-Kügler 2013). Ziel der Analyse ist die Rekonstruktion des Habitus und damit verbunden der „Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata“ (Bourdieu 1987, S. 101) in Bezug auf die Nutzung neuer Technologien durch Studierende.

Eine Anforderung der Habitushermeneutik (wie bei allen hermeneutischen Verfahren) ist die Interpretation von Datenmaterial in Gruppen. Ziel der Interpretation in Gruppen ist die Erweiterung des Spektrums möglicher Lesarten des Materials, da davon ausgegangen wird, dass die Interpretation immer auf Grundlage der eigenen Erfahrungen und Perspektive erfolgt. Insofern wird die Lesart und damit die Interpretation von Datenmaterial vielfältiger, wenn Personen unterschiedlicher sozialer Herkunft, Geschlecht und Alter an der Auswertung beteiligt werden.

Hier schließt sich der Kreis, da genau die Beteiligung von unterschiedlichsten Personen an der Interpretation durch ein Tool zur online-Interpretation ermöglicht werden soll. Wenn dies gelingt, dann wäre dies ein Schritt hin zu mehr Transparenz der Methode, der Interpretation des Datenmaterials, des Forschungsprozesses und damit meines Erachtens auch eine Befreiung des Wissens.

Literatur:


Zur Autorin:

Isabel Steinhardt ist Soziologin und arbeitet als Postdoc am International Centre for Higher Education Research (INCHER-Kassel). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen zum einen in der Studiengangsforschung mit den Themen Qualitätssicherung von Studium und Lehre, Organisation und Mikropolitik sowie Habitus von Studierenden und Nutzung digitaler Technologien. Und zum anderen in der Weiterentwicklung qualitativer Methoden der Sozialforschung. Als Fellow widmet sie sich dem Thema der Methodenweiterentwicklung hermeneutischer Interpretationsverfahren und geht der Frage nach, ob es möglich ist kollaborativ online zu interpretieren. Dazu verwendet sie Datenmaterial aus ihrer Forschung zu „Nutzung digitaler Technologien für das Studium und Habitus von Studierenden“.

 

by Christopher Schwarzkopf at November 08, 2017 08:58 AM

November 03, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Modernes Datenrecht – Für die Wirtschaft oder für die Menschen? Im Wikimedia-Salon wurde über die Digitalpolitik der Zukunft diskutiert.

Ein Beitrag von Nils Wach, der ein Praktikum im Bereich Politik & Recht absolviert.

Vera Linß, John Weitzmann, Konstantin von Notz, Saskia Esken. Foto: ALEX Berlin, CC BY-SA 4.0

Die Digitalisierung aller gesellschaftlichen Bereiche wurde während des Wahlkampfes zur Bundestagswahl 2017 von allen Parteien als eine der wichtigsten Herausforderungen in der nächsten Legislaturperiode bezeichnet. Verhältnismäßig gering fällt dem entgegen die Aufmerksamkeit für die Sondierungsrunde zum Thema Digitalisierung aus, nicht zuletzt aus dem Grund, dass Themen der Digitalisierung weiterhin auch in anderen Sondierungsrunden besprochen werden.

Am Donnerstag, den 02.11.17, durften wir Konstantin von Notz, Experte für Netzpolitik bei Bündnis90/Die Grünen und Mitglied der sich zur Zeit bildenden Regierungskoalition sowie Saskia Esken, stellvertretende netzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion und Mitglied der Oppositionsführung im Wikimedia-Salon „Das ABC des Freien Wissens“ begrüßen. Ergänzt wurde die Runde von John Weitzmann, Referent für Politik und Recht bei Wikimedia Deutschland und moderiert von der Medienjournalistin Vera Linß. Der Salon fand in den Räumen von ALEX Berlin statt und ist als Video abrufbar.

Das ABC des Freien Wissens: P = Politik im Netz

Unter dem Prinzip Das ABC des Freien Wissens buchstabiert Wikimedia Deutschland Fragen zur vernetzten Gesellschaft durch. Anlässlich des neu gewählten Bundestages fand die Ausgabe am gestrigen Abend unter dem Titel “P=Politik im Netz. Wohin steuert die Digitale Agenda?” statt. Dabei wurde nicht nur die Frage nach dem zukünftig für die Netzpolitik verantwortlichen Ministerium, sondern auch nach der Entwicklung in den Bereichen Open Data, Open Government, Open Source und der EU-Urheberrechtsreform diskutiert.

A = Ausschuss Digitale Agenda

Eröffnet wurde die Diskussion mit einem Rückblick auf die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, die von Mai 2010 bis April 2013 die zentrale Instanz zur Findung netzpolitischer Positionen darstellte und den Weg für die konstituierende Sitzung des Ausschusses Digitale Agenda am 19. Februar 2014 bereitete. Die Antwort auf die Frage, warum ein ständiger Ausschuss des Bundestages weitaus weniger medial in Erscheinung getreten ist als die vergangene Enquete Kommission, wurde von Saskia Esken, Mitglied des Ausschusses Digitale Agenda, in der vergangenen Legislaturperiode, eindeutig mit der fehlenden Zuständigkeit beantwortet, welche dem Ausschuss lediglich eine beratende Funktion ermöglichte.

Der Einwurf von John Weitzmann, dass der dadurch ermöglichte Einfluss des AdA auf die verschiedenen federführenden Gremien seine Wirkung entgegen der medialen Sichtbarkeit erhöht, mochte Konstantin von Notz jedoch nicht gelten lassen, da dieser in den letzten acht Jahren keinen Fortschritt in der Digitalpolitik der Bundesregierung erkennen konnte. Seine Forderung, die Kompetenzen im Bereich der Digitalpolitik bei einer “Koordinatorenrolle” zu bündeln, ohne dabei jedoch ein “Digitalministerium” zu schaffen, wurde von Saskia Esken als unwahrscheinlich bezeichnet und mit der Idee eines Digitalkabinetts nach Rheinland-pfälzischem Vorbild konterkariert. Abgeschlossen wurde der Themenblock durch eine Einschätzung von John Weitzmann, der “das Rausziehen der Kompetenzen” aus den verschiedenen Ministerien als keine Lösung bezeichnete und im Antreiben über eine Koordinatorenrolle zumindest einen Schritt nach vorn erkennen kann.

D = Datenrecht, Datensouveränität und “Dateneigentum”

Den größten Themenblock der Veranstaltung bildete die nachfolgende Diskussion zum zur Zeit in den Sondierungen beratenen Datenrecht. Diese Formulierung, welche bereits im Wahlkampf der CDU/CSU den Fokus ihrer Digitalpolitik ausmachte, wurde so auch in die Sondierungsgruppe Digitalisierung übernommen. Im Rahmen dessen wurden folgende Fragen in den Raum gestellt:

Wie verhält sich das Datenrecht zum Recht auf informationelle Selbstbestimmung? Wie beeinflusst die Umsetzung der europäischen Datenschutzgrundverordnung das Datenrecht und vice versa? Und welche Auswirkungen kann der vorrangig von der FDP vorangetriebene Begriff der Datensouveränität auf das Datenrecht haben?

Dabei wurde der Schutz der Menschenwürde und Privatsphäre von allen Beteiligten als unveränderlicher Mittelpunkt einer Debatte über das Datenrecht anerkannt, wobei die in dem veröffentlichten Papier zum Sondierungsstand beschriebene Balance zwischen den Datenschutzinteressen der Bürgerinnen und Bürger mit wirtschaftlichen Interessen einen großen Spielraum für gefährliche Einschnitte in das Datenschutzrecht zulässt. Bevor das Gespräch auf die europäischen Bestrebungen zur Regulierung des Datenschutzes eingehen konnte, musste danach noch das Thema der Datensouveränität und der Gefahr eine “Dateneigentums” besprochen werden.
Die Kritik von John Weitzmann ist, dass die Diskussion um die Datensouveränität die Gefahr birgt, über Umwege ein sogenanntes “Dateneigentum” zu etablieren, welches öffentlich zugängliche Daten als die “letzte große Gemeinressource” zu privatisieren droht (ähnlich wie es schon 2013 zu der Einführung des gescheiterten Leistungsschutzrechtes für Presseverleger geschehen ist).

Zwar bekräftigte auch Konstantin von Notz als einzig anwesender Vertreter der möglichen Regierungskoalition, dass die Grünen einem Dateneigentum kritisch gegenüberstehen, gleichzeitig bezeichnete er den Druck aus der Industrie jedoch als enorm. Merklich entspannt bei dieser Frage in der Opposition zu sein, merkte auch Saskia Esken an, dass es bei dieser Frage unterschiedliche Positionen in der SPD gibt.

E = Europäischer Weg

Die Hoffnung, dass eine Ausweitung der EU-Datenschutzgrundverordnung die Einführung eines Dateneigentums verhindern könnte, leitete direkt über zum letzten Thema des gestrigen Abends, dem europäischen Blick auf die Digitalpolitik. Dabei waren sich zumindest alle Beteiligten einig dabei, dass ein “europäischer Weg” für die Digitalwirtschaft geschaffen werden müsse, welcher den europäischen Gegebenheiten wie dem Datenschutz Rechnung trägt und ansässigen Unternehmen gleichzeitig einen zur angloamerikanischen Konkurrenz wettbewerbsfähigen Rahmen zur Verfügung stellt.

Die Position der zukünftigen Bundesregierung im Rat der Europäischen Union konnte, so Konstantin von Notz, in den bisherigen Sondierungsrunden noch nicht besprochen werden. Nachdem die Podiumsgäste auf Grund der wenigen verbliebenen Minuten nur kurz auf das Verhältnis von Urheber- und Kartellrecht zu sprechen kommen konnten, wurde der Salon mit der Möglichkeit zur Einbringung von Zuschauerfragen beendet.

Z = Zuschauerfragen

Dabei ging es noch einmal um das kürzlich verabschiedete Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), digitale Altersvorsorge, digitalen Umweltschutz und den digitalen Arbeitsmarkt.

 

Weitere Informationen:

 

by Lilli Iliev at November 03, 2017 12:53 PM

Wikimedia:Woche 43/2017

Mit der Wikimedia:Woche 43/2017 und den folgenden Themen startet der November: Die Sieger der deutschen Ausgabe von Wiki Loves Monuments wurden durch die nationale Jury bekanntgegeben, die internationale Ausgabe der Umfrage Technische Wünsche startet am 6. November und aus Sicht von Wikimedia Deutschland besteht dringender Klärungsbedarf zum Begriff der „Datensouveränität“ bei den Sondierungsgesprächen zu einer möglichen Jamaika-Koalition. Zur Wikimedia:Woche 43/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at November 03, 2017 08:40 AM

November 02, 2017

DaB.

Jimbos Neue: Wikitribune

Wie heise bereits gestern meldete, ist Jimbo Wales neues Projekt Wikitribune online gegangen (aktuell wohl noch beta). Ähnlich wie bei wikinews sollen dort wohl Nachrichten entstehen – wobei dort wohl auch neue Nachrichten erstellt werden sollen.

Größtes Problem in meinen Augen ist die Real-Namens-Pflicht – zwar soll es Ausnahmen geben, aber zumindest mein Versuch mich mit Nick anzumelden, wurde von einem Admin abgelehnt; ausgedachte Namen gehen aber durch.

Ob die Welt wirklich noch eine Nachrichten-Seite braucht, bleibt abzuwarten – aber der Lexikon-Markt war ja auch schon mal befriedigt ;-).

by DaB. at November 02, 2017 10:35 AM

October 27, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Open Paradigm – Die Konferenz „Zugang gestalten!“ diskutierte einen Paradigmenwechsel beim Zugang zu Kultur & Bildung

Dr. Christine Kolbe, Foto: Harald Krichel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Gastbeitrag von Christine Kolbe, die bei medialepfade.org – Verein für Medienbildung e.V. das Projekt edulabs.de – Lernen im Digitalen Wandel koordiniert. Zusammen mit der Open Knowledge Foundation Deutschland sollen Labore für OER und neue Projektideen in der digitalen Bildung entstehen. Der Beitrag wurde als Vortrag bei der Konferenz „Zugang gestalten! Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe“ am 20.10.2017 gehalten.

Seit einigen Jahren begleitet und fasziniert mich ein zentraler Teil des gesellschaftlichen Wandels in meiner Arbeit als Projektentwicklerin unterschiedlicher zivilgesellschaftlicher Initiativen: Ich nenne es Open Culture, Openeverything. Es geht um das Open Paradigm.

Als ich vor 9 Jahren mit meiner gerade publizierten Dissertation über die Digitalisierung im Gepäck nach Berlin zog, zog ich zugleich in eine Stadt in der die Digitalisierung in einer ihrer zentralen Dimensionen für mich überhaupt erst verstehbar wurde: Facebook lief gerade so warm, Twitter war ein sehr überschaubares Community-Tool, die re:publica mauserte sich zu einer Diskursplattform für Digitalkultur. Ich traf auf sehr netzaffine Menschen, die viel ausprobierten, erforschten, neue Ideen voranbrachten und vor allem teilten: in Blogs, auf offenen Konferenzen, an offenen Arbeitsorten. Das digitale Format wurde für mich zum Schlüssel einer Empfehlungskultur, die mich durch ihre Passgenauigkeit kulturell bereicherte politisierte (man sprach noch nicht abfällig von einer Filterbubble).

Mit einer Gruppe Gleichgesinnter begannen wir auf Initiative von Andrea Goetzke dieser Kultur des Teilens auf den Grund zu gehen und uns dem kleinen aber feinen globalen Eventformat Openeverything anzuschließen, um auch in Berlin die Kunst, Wissenschaft und den Geist all jener Initiativen zu durchdenken, die sich die Bezeichnung ‚free‘ oder ‘open‘ auf die Fahnen schrieben. Wir wollten der Frage nachgehen, ob Offenheit – ein neues Skill-set für das 21. Jahrhundert sei. Und herausfinden, welche Ideen offener Ansätze wir sinnvoll finden, um unser soziales, ökonomisches und kulturelles Leben zu gestalten. Einige dieser Überlegungen aus dieser Zeit habe ich heute mitgebracht, angereichert durch weitere Betrachtungen, die ich in den letzten Monaten durch meine aktuellen Projekte im Bereich offener Bildungsressourcen anstellen konnte.

Bereits vor zehn Jahren war deutlich: ein völlig neues Ordnungs- und Handlungsmuster im Umgang mit Wissen, Information und kreativen Ausdrucksformen begann sich im Internet auszubreiten – sich in einigen Feldern deutlich zu etablieren, in anderen zaghaft zu erproben. Was mit der Offenlegung des Quellcodes für das gemeinsame Bearbeiten und Weiterentwickeln von Computerprogrammen in den 1980er Jahren begann, setzte sich mit einiger Verzögerung auch in anderen Bereichen als Open-Source-Praxis durch. Eng verkoppelt mit einem Umdenken von Urheberschaft und Nutzungsrechten in der digitalisierten Welt. In irgendeiner Weise mit dem Merkmal der Offenheit, mit ‘open’ assoziiert werden fortan so unterschiedliche Initiativen und Projekte wie Open Access, Open Data, Open Knowledge, Open Education, Open Government, nicht zu vergessen die offene Enzyklopädie Wikipedia, bis hin zu Open Design, sowie Kunst und Kultur Initiativen für frei verfügbare Musik, Bilder und Filme. Eine Reihe neuer Geschäfts- und Organisationsmodelle entstehen, die darauf abzielen, durch offene Beteiligungsstrukturen Wissen zu bündeln, Informationen zu verwalten und aufzubereiten, Aufmerksamkeit für bestimmte Werke und Themen zu generieren. Oder einfach soziale Ziele verfolgten.

Was ist das Open Paradigm?

Die Konferenz „Zugang gestalten!“ fragt jährlich nach der Verantwortung von Kultur- und Gedächtnisinstitutionen in der vernetzten Gesellschaft. Foto: David Jacob, CC BY-SA 3.0

Doch was ist es genau, was diese Modelle und Strategien verbindet? Ist es überhaupt gerechtfertigt, nach einem einheitlichen Fokus zu suchen? Gibt es einen konstitutiven Zusammenhang zwischen den Entwicklungen in den verschiedenen Anwendungsbereichen, in denen ein Konzept von Offenheit verfolgt wird? Auf der Suche nach Grundprinzipien, die in allen offenen Ansätzen – gleichwohl in unterschiedlichem Maße – eine Rolle spielen könnten, eröffnet sich zunächst einmal eine diffuses Begriffsfeld mit Schnittmengen zwischen, offener Zugang, Zusammenlegen, gemeinschaftlich Nutzen, Teilen, Kollaboration und Vernetzung.

Eine prägnantere Bestimmung verspricht die Annäherung über den Eigentumsbegriff: Offene Initiativen brechen ein Eigentumsverständnis auf, das uns in abendländischen Gesellschaften, seit Jahrhunderten prägt und alle wesentlichen Bereichen des öffentlichen Lebens über viele Jahrhunderte hinweg bestimmte. Die Zuweisung von Besitz und Vermögen, die Bezugnahme auf Eigentum – insbesondere auch geistiger Werke und das Bemühen um seinen Schutz dominieren unseren Praktiken des Haushaltens und Wirtschaftens, unsere Rechtsformen und Modelle der gesellschaftlichen Organisation.
Zieht man den Eigentumsbegriff heran, um das Wesen offenen Engagements zu verstehen, scheint es zunächst hilfreich, einen Schritt zurück zu gehen und nach den Ursprüngen der Eigentumsidee und ihrer deutlichen Vorrangstellung im gesellschaftlichen Gefüge zu fragen. Spätestens seit der Fixierung eines Katalogs individueller Freiheitsrechte in der Neuzeit wird dem Eigentum – in materieller aber auch geistiger Form – der größtmögliche Schutz garantiert. Der Hintergrund, vor dem sich eine solche Eigentumsordnung etablieren konnte und bis heute unverzichtbar erscheint, ist klar zu ersehen: zur Befriedigung seiner Grundbedürfnisse ist der Mensch auf Gebrauchsgüter angewiesen, die nicht in ausreichendem Maße verfügbar sind.

Ganz anders gelagert scheint jedoch die Frage, wenn man Herkunft und Begründung von Eigentumsrechten in den Blick nimmt, die sich auf solche Güter beziehen, die über die rein existenzielle Grundsicherung hinausgehen – insbesondere diejenigen die seit der Neuzeit als geistiges Eigentum bezeichnet werden. Hierzu setzen sich offene Strategien immer noch in eine überraschende Opposition: Der Gedanke nach einem freiwilligen Abtreten der zentralen Schutzrechte von geistigem oder materiellem Eigentum begegnet vielen, die in ganz unterschiedlichen Kontexten mit den beschriebenen Initiativen in Berührung kommen, bei aller Faszination immer noch kontraintuitiv und fremd. Warum gibt ein Designer Baupläne, Anleitungen oder Schnittmuster seiner Objekte preis, hält sie nicht unter Verschluss und verkauft das Endprodukt, wenn er sich doch eine Nachfrage auf konventionellem Wege verspricht? Warum fühlen sich weltweit Hundertausende dazu berufen, eine Enzyklopädie zu schreiben und zu überarbeiten, hierfür Wissen, Zeit und Energie zu investieren? Ein derart gemeinschaftliches und geradezu gemeinwohlorientiertes offenes Handeln erscheint den meisten zunächst einmal als die fernere Handlungsoption – es begegnet als Ausnahme, als etwas geradezu Exotisches.

Entsprechend geraten die Akteure der Open-Culture-Szene nach wie vor eher in die Rolle sich rechtfertigen zu müssen, als dass das, was sie tun als selbstverständlich aufgenommen wird. Warum ist das so? Und warum ist es nicht gerade umgekehrt, dass wir das Abschotten, Schützen und Zurückhalten von Dingen, die sich im Prozess des Teilens nicht vernutzen – von Ideen, Wissen und Werken –, nicht als merkwürdig empfinden? Warum wird ihr Beitrag für die Gemeinschaft allzu oft nicht gesehen. Nicht erkannt?
Interessant ist es, an diesem Punkt noch einmal zurück zu fragen: wie tief wurzelt eigentlich das etablierte herkömmliche Eigentumsverständnis, inwieweit prägt es unser Denken und Handeln und die Weisen gemeinschaftlicher Gestaltung? Es scheint kein Zufall, dass die Eigentumsordnung liberaler Marktwirtschaften mit der Herausbildung des modernen Individuums und seinem Selbstverständnis als autonome Person, zusammengeht. Dabei liegt der Gedanke nahe, dass eine Person erst aufgrund einer gewissen Verfügungsmasse an Besitztümern in die Lage versetzt wird, durch Tauchgeschäfte in rechtliche Beziehungen zu anderen Personen einzutreten. Indem sich die Menschen im Europa der liberalisierten Märkte und bei gleichzeitiger Überwindung der ständischen Gesellschaft im 18. Jahrhundert in einer Eigentumsordnung wiederfinden, innerhalb derer sie freien Handel treiben können, wird ihnen also überhaupt erst die Möglichkeit gegeben, sich als autonome Rechtssubjekte zu erfahren. [Habermas 1990: Strukturwandel der Öffentlichkeit] Eigentum – auch geistiges – hat also ganz viel damit zu tun wie wir uns als Person herausbilden und wahrnehmen. Dies spiegelt speziell das deutsche Urheberrecht in besonderem Maße – der starke Rekurs auf das persönlichkeitskonstitutive Moment einer Urheberschaft macht dies deutlich.

Zusätzlich zu dieser Bedeutung für das Individuum wird auch die gesellschaftliche Kommunikation in hohem Maße durch Tauschverhältnisse vermittelt. Der Sozialstaat setzt in diesem Gefüge das Recht auf Sicherung der Grundbedürfnisse nicht bloß über Schutzrechte um, sondern wirkt auf der Ebene der Güterverteilung. Er wird zum Wirtschaftsakteur der zwar durch jeden seiner Teilhaber autorisiert ist, gleichzeitig aber einen bürokratischen Apparat erforderlich macht, der die Teilhabe nur noch am Rande erfahrbar macht und die Identifikation mit dem Gemeinwesen erschwert: Was mir nicht gehört, dafür fühle ich mich nicht verantwortlich.
Der Trend zu einer neuen Offenheit und ein wieder erstarkendes Bewusstsein für die Commons, die Gemeingüter gerät vermutlich gerade deshalb ins Blickfeld, weil die rein zweckrationale Perspektive in Bereichen verlassen wird, die ursprünglich nur innerhalb dieser Kategorien gedacht werden konnte:
Nutzungsrechte abzutreten, scheint auf den ersten Blick nicht rational. Diese Ansicht versuchen die offenen Formate in Frage zu stellen und zu widerlegen: nicht allein der Markt nützt der Gemeinschaft, sondern zusätzliche Kategorie wie geteiltes Wissen, zusammengeführte Schaffenskraft, Austausch und gleiche Zugangschancen.

Über den Fokus eines veränderten Eigentumsbegriff hinaus, scheint hieran anschließend ein weiteres Merkmal einer Open Culture, an Kontur zu gewinnen: Überall dort, wo sich offene Initiativen etablieren, ist ein deutlicher Aufforderungscharakter mit im Spiel. Wenn Werke und Ideen von ihrem Urheber freigegeben werden, ergeht an den Nutzer der Appell, sich in irgendeiner Weise mit einzubringen und sich zum Teilhaber an der gemeinsamen Sache zu machen. Projekte, die sich von ihrem Selbstverständnis her als open bezeichnen, geht es nicht um das reine Verkonsumieren, sondern darum, den Nutzer zum Mitgestalter zu machen. Er soll das erhaltene Gut oder Werk, weiterentwickeln, eigene Beiträge zur Verfügung stellen oder an Ideen weiterdenken.
Der Blick auf solche Austauschformen, die sich bewusst mit dem Zusatz open identifizieren zeigt: Im Mittelpunkt stehen Foren der Partizipation, des Bereitstellens und Teilens, die nicht nur als allgemeiner Handlungsappell für einen bestimmten Bereich Geltung beanspruchen, sondern ganz konkrete Räume bereitstellen, in denen sich der Gedanke der Openess realisieren kann. Der optimale Raum hierfür ist der digitale. Er schafft die Bedingungen, dass sich Personen ohne die Grenzen raum-zeitlicher Distanz begegnen und durch die digitalisierte Form zugleich auch ihre Werke und Ideen in den offenen Austausch eingeben können. Er birgt die Möglichkeiten der unendlichen Kopie ohne Qualitätseinbußen, strukturiert Wissen durch Hyperlinksstandards als rhizomatisches Gebilde, die Kompression von Daten auf immer kleinere Datenträger und wachsender Rechenleistung realisiert ins Unermessliche wachsende Datensammlung. Der Wikis-Standard bringt den Prosumenten hervor. Hat man diese Paradigmenwechesel im Blick, verwundert es nicht, dass auch eine bestimmte Form der Vergemeinschaftung im Netz entsteht.

Besondere Herausforderungen von offenen Strategien für die Bereiche Bildung und Kultur

Der Blick auf die verschiedenen Anwendungsfelder, in denen das Open Paradigm zum Tragen kommt, macht deutlich, dass die technischen Kriterien zentral, aber nicht hinreichend sind, damit offene Prozesse angestoßen werden, Sharing-Ökonomien greifen und soziale Wirkung entfalten.
Gerade im Bereich Kultur/Bildung geht es in der Frage um die Gestaltung offener Zugänge und nicht ausschließlich um die Garantie eines Open Access im Sinne von rein technischen Zugriffsmöglichkeiten und die Vermeidung proprietärer Beschränkungen. Geht es um Teilhabe an Kultur und Bildung müssen weitere Zugangskriterien in den Blick genommen werden: An erster Stelle ist sicherlich die Auffindbarkeit und Bedienbarkeit zu nennen, in die ganz konkrete Kriterien wie zielgruppengerechte Ansprache/Sprache, das Usability-Design eines Zugangs mit hineinfallen.

Weiterer Punkt ist die Nachnutzbarkeit. Oder Remixbarkeit. Die Möglichkeit, Neues und Eigenes zu destillieren. Ins-Machen-Kommen. Teilhabe an Kultur im eigentlichen Sinne bedeutet ja nicht ein reines Konsumieren sondern ein Mit-Ihnen-In-Beziehung-Treten. Es ist eine Nutzung dieser Art von Gemeingüter, welche die eigenen Potentiale anregt, sich zu entfalten. Es scheint eng mit einem Recht auf Persönlichkeitsentwicklung und adäquaten Ausdrucksmöglichkeiten verknüpft.
Und auch wenn wir vom kulturellen Erbe sprechen, seinem Schutzanspruch und den Maßnahmen es zu schützen, spielt die Nachnutzbarkeit eine große Rolle: Sie ist eine Form der Nutzung – über die rein rezeptiv-konsumierende Haltung hinaus – welche vielleicht am stärksten den verbindenden Charakter kultureller Güter hervorhebt: In der aktiven Sammlung, Neuzusammenstellung, Interpretation, im Re-Mix haben gemeinschaftliche Erfahrungen ihren Ort. Hier entfaltet das kulturelle Erbe sein volles Potential und wächst weiter. Es ist ein gemeinschaftliches Handeln, das sich außerhalb zweckrationaler Kategorien bewegt und zielt mehr auf das gute Zusammenleben als auf das bloße Funktionieren von Gesellschaft.

Wie gelingt der Paradigmenwechsel hin zu diesem ‚open‘ beim Zugang zu Kultur und Bildung?

Wie öffnen sich mehr Einrichtungen, Bildungs-, Kultur- und Gedächtnisinstitutionen und passen ihre Strategien zur Bereitstellung Content, den Prinzipien freien Wissens an? Für einige Ausblicke auf die Frage, möchte ich mich schwerpunktmäßig auf den Bereich Bildung beziehen – da ich hier in den letzten Jahren am meisten gelernt habe. Aber auch weil ich denke, dass sich aus ihm einiges Gehaltvolles für das kulturelle Erbe und ihre Gedächtnisinstitutionen ableiten lässt.
Gerade in Deutschland finden wir eine Situation vor, in der – anders als in anderen Teilen Welt – Bildung immer noch nicht selbstverständlich als Gemeingut angesehen wird. Das ist eigentlich ein bisschen seltsam, da wir bei der formalen Bildung auf eine lange Tradition staatlich verankerter Teilhabe und Organisation blicken. Bildung für alle! Durchlässig, ‚zweiter Bildungsweg‘, ‚lebenslanges Lernen‘. Doch in der Wiege des Buchdrucks hat sich gleichzeitig ein geschlossenes System für die Bereitstellung von Bildungsressourcen etabliert, das durch ökonomische Interessen getrieben wird – das Verlagswesen.
Die Forderung, diesen Widerspruch aufzuheben und Bildungsressourcen stärker zu öffnen liegt auf der Hand. Sie ist dabei nicht etwa aus einem überschwänglichen Enthusiasmus für Open Culture motiviert, sondern ein dringliches Gebot auch im Angesicht der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Bildung kann durch eine größere Offenheit und Vielfalt ihrer Zugänge besser in der Breite wirken.

Ich möchte hier noch einmal auf die sehr klar formulierte Open Definition , ein Projekt der Open Knowledge International verweisen: „Wissen ist offen, wenn jeder darauf frei zugreifen, es nutzen, verändern und teilen kann – eingeschränkt höchstens durch Maßnahmen, die Ursprung und Offenheit des Wissens bewahren.“
Durch freie Nachnutzbarkeit von Ressourcen, mit denen sich der Lernende Kompetenzen und Wissen aneignen kann, wird sie besser und nachhaltiger. (Ich werde diese Art von Bildungsressourcen im Folgenden als Open Educational Ressources, kurz als OER bezeichnen)
Wie dies gelingen kann? Dazu fallen mir zwei Hauptstrategien ein: Erstens, den praktischen Alltagsnutzung von OER für Lernende und Lehrende erfahrbar machen. Zweitens, gute Geschichten darüber erzählen, wie aus Offenheit Neues und Besseres wird. Wo gibt es bereits gute Beispiele für die Bereitstellung und Nutzung von OER. Was entsteht wenn, etwa das Amsterdamer Rijksmuseum 190.000 Bilder in höchster Qualität und unter gemeinfreier Lizenz im Netz zur Verfügung stellt? Was machen die Menschen damit? Was passiert, wenn die Macher der europeana collections dazu aufrufen die bereitgestellten Bildmaterialien in animierte Gifs zu verwandeln. Also mit altehrwürdiger Kunst einem Internethype zu folgen?

Auch mit dem Projekt edulabs.de, wollen wir gute Geschichten von dieser Kultur des Teilens, von Nachnutzbarkeit und Bildung als Gemeingut – kurz: OER – erzählen. Edulabs ist eine Engagementinitiative, die an verschiedenen Standorten Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammenbringen möchte, um Ideen für #zeitgemäßeBildung umzusetzen: in den Edulabs Berlin, Köln und Karlsruhe entstehen durch freiwillig Engagierte aus den Bereichen Pädagogik, Programmierung, Design und Making Unterrichtsmaterialien und Methoden, die einem mündigen Lernen in digitalen Lebenswelten gerecht werden. Sie werden nach hohen Open-Sourcen-Standards aufbereitet und im Internet zu Verfügung gestellt. Neben den Kriterien der Open Definition, soll besonderes Augenmerk auch auf den niedrigschwelligen Zugang durch ein unterstützendes Design und Usability eine Rolle spielen.

Fazit

Für Bildungs- und Kultureinrichtungen, also jene Stellen, die Wissen kuratieren und verwalten gilt im gleichen Maße, der Blick muss geöffnet werden für eine Perspektive, die ihre Angebote, Sammlungen Exponate als Gemeingüter denkt, also als Bildungsressourcen im weitesten Sinne. Je mehr sie geöffnet werde, umso mehr setzen sie etwas in Bewegung. Beim Einzelnen und als Verfügungsmasse gelingender, guter Vergemeinschaftung.
Abschließen möchte ich ein paar Wünsche loswerden: Ich wünsche den Einrichtungen Mut, sich auf den Weg zu machen und weiterzudenken, ihren Akteuren Elan und Energie, die in ihrer Verantwortung liegenden Sammlungen und Ressourcen mithilfe kluger Strategien zu öffnen. Klar ist für einen gelingenden Paradigmenwechsel muss die öffentlichen Hand unterstützen: Es müssen Ressourcen und Mittel bereitgestellt werden, um die Gedächtnis-institutionen hierbei zu unterstützen, im Sinne von Beratung, konkrete Mittel für gute OER-Publikationen, die sich wie alle Publikationen durch ein gutes Informationsdesign auszeichnen. In diesem Sinne: open up!

 

by Lilli Iliev at October 27, 2017 10:04 AM

October 26, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 42/2017

 

Die Wikimedia:Woche 42/2017 erscheint mit folgenden Themen: Abgelehnte Beschwerden, Endorsement der Strategischen Ausrichtung der Wikimedia-Bewegung und ein Bericht zum Kultur-Hackathon Coding da Vinci. Zudem gibt es einen Rückblick auf eine Diskussionsrunde in der letzten Woche und Einladungen zu vielen Veranstaltungen in der nächsten Woche. Zur Wikimedia:Woche 42/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at October 26, 2017 02:56 PM

October 24, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Zwischen Marktwirtschaft und Menschenwürde – Luciano Floridi und Jeanette Hofmann sprachen bei Wikimedia Deutschland über „Dateneigentum“

Ein Beitrag von Leon Klein, der ein Praktikum im Bereich Politik und Recht absolviert.

Am Dienstag, den 10.10.2017, durften wir zahlreiche Gäste zu einer ganz besonderen Veranstaltung in der Reihe Networks & Politics bei uns in Berlin begrüßen: Jeanette Hofmann, Professorin für Internetpolitik an der FU Berlin und Direktorin des Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft, diskutierte mit dem Philosophen Luciano Floridi von der Oxford-Universität über den Begriff des Dateneigentums. Floridi ist Professor der Philosophie und der Informationsethik, außerdem leitet er das “Digital Ethics Lab” des Oxford-Internet-Instituts. Hier das Video der Veranstaltung (englisch).

Eigentumsrecht an Daten? Große Akteure profitieren, unkalkulierbare Zahl an Rechteklärungen resultiert

Eines der umfassendsten digitalen Gemeingüter droht zu Ware zu werden: Daten. Wo heute „nur“ der Zugang zu Daten als handelbares Gut existiert, könnte zukünftig ein vollwertiges Eigentum an den Daten selbst etabliert werden – und damit letztlich an Information. Eine akademische Diskussion darüber wurde bereits vor über einem Jahrzehnt geführt und die Idee eines „Dateneigentums“ seinerzeit verworfen.

Als zu groß wurden die negativen Nebeneffekte gesehen, sodass das gesellschaftliche Bedürfnis, Daten nicht bestimmten Akteuren als ihr Eigentum zuzuordnen, sondern sie im Sinne aller freizuhalten, überwog. Gemeint sind hier wohlgemerkt Daten schlechthin, von denen die personenbezogenen Daten nur einen Teil darstellen und für die mit den Datenschutzregeln eigene Schutzmechanismen bereits bestehen.

Doch die Goldgräberstimmung rund um den Big-Data-Hype hat die alten Begehrlichkeiten neu geweckt, vor allem in den Wirtschaftsbereichen Mobilität und Kommunikation. Und auch unter den Datenschutz-Hardlinern sind manche der bisherigen, auf informierter Einwilligung fußenden Mechanismen müde. Dabei ist für die informationelle Selbstbestimmung gerade erst europaweit eine neue Rechtsgrundlage geschaffen worden, die EU-Datenschutzgrundverordnung. Auch für die übrigen, nicht personenbezogenen Daten gibt es mit dem Datenbankherstellerrecht in Europa bereits einen Exklusivschutz zumindest für die elektronischen Behälter, in denen fast alle Daten aufbewahrt werden.

Wenn nun zusätzlich auch noch die Daten selbst, also etwa das Datum [Durchschnittstemperatur in Berlin im Herbst], einen Eigentümer bekämen, würde das eine unkalkulierbar große Zahl an Rechteklärungen und neuen Zuordnungskonflikten bringen, wodurch alle bis auf die ganz großen Akteure von der Landkarte der datennutzenden Wissensgesellschaft verschwinden würden. Wikimedia Deutschland setzt sich deshalb dafür ein, Daten als Träger von Information und Wissen frei von Eigentumsrechten zu halten und die informationelle Selbstbestimmung zu stärken.

Networks & Politics zu „Dateneigentum“

Im Rahmen der von WMDE unterstützten Veranstaltungsreihe Networks & Poltitics sprachen nun Luciano Floridi undt Jeanette Hofmann über die ethische Dimension des Dateneigentums. Ausgehend von Floridis bekanntem Buch “Die 4. Revolution. Wie die Infosphäre unser Leben verändert” führte der Informationsethiker aus, dass sich durch die Digitalisierung und die damit entstehenden neuen Technologien das Selbstverständnis des Menschen ändert und sie daher noch bedeutender ist als die meisten anderen technologischen Revolutionen, die wir erlebt haben. Durch diese 4. Revolution sind wir auch nicht mehr das Zentrum der Sphäre der Information, z. B. sind wir nicht mehr die einzigen, die Schach spielen oder ein Auto parken können und müssen eventuell erkennen, dass wir als Menschen überhaupt nicht im Zentrum von etwas stehen.

digital public space

Floridi nimmt an, dass man den digitalen Raum beim Entstehen noch anpassen, gestalten und regulieren hätte können. Hätte man von Beginn an einen anderen Weg gewählt, hätte z.B. auch Facebook wie die Wikimedia-Projekte als ein communitybasiertes Netzwerk entstehen können. Fälschlicherweise wurde angenommen, dass hier ein normaler neuer Markt, wie bei Strom, Öl etc. entstehe, den man nach der Entstehung dann regulieren könne. Dieser Irrtum sei jedoch aufgrund der Komplexität des Digitalisierungsprozesses niemandem vorzuwerfen. Denn es sind nicht nur digitale Dienstleistungen entstanden, sondern mit dem digital public space (vergleichbar mit dem nicht-digitalen öffentlichen Raum) ein tatsächlicher sozialer Raum, in dem wir unsere Zeit verbringen. So konnte der digital public space nicht gezielt durch die Gesamtgesellschaft, sondern durch (Internet-)Unternehmen nach marktwirtschaftlichen Vorstellungen gestaltet werden.

Was sind Daten?

Bevor in der Diskussion nochmal konkret auf das Dateneigentum eingegangen wurde, wurde zunächst definiert, was genau Daten überhaupt sind. Floridi definiert Daten als eine Sammlung von Unterschieden. Ohne Unterschiede hat man also auch keine Daten. Wenn diese Unterschiede eine bestimmte Ordnung erhalten und nicht zufällig kommen, so bekommen sie eine Bedeutung und erst dann kann man auch Informationen aus ihnen ziehen. Diese Informationen sind Teil der Welt, für die Welt oder über die Welt.

Privatsphäre und Dateneigentum

Menschen betrachtet Floridi u. A. als “informational organisms”, Informationen sind zwar nicht alles was den Menschen ausmacht, aber eine Möglichkeit, ihn zu betrachten. Der Mensch besteht also aus Informationen, einige davon sind mehr oder weniger privat, einige kann man ohne weiteres mit der Öffentlichkeit teilen, aber es gibt einen Kern, der ausmacht wer man ist, das Ich. Über diesen Kern will man selbst entscheiden, wem man wie viele Informationen über sich preisgibt. Diese Informationen besitzt man wie seine Hand oder Organe, nicht wie z. B. eine Krawatte.

Wenn es um Privatsphäre geht und darum, diese zu begründen, hat Floridi jedoch einen anderen Ansatz als einige Datenschützer, er geht den Weg nämlich nicht über Eigentum, sondern über Menschenwürde. Denn wenn man etwas besitzt, wie z. B. ein Auto, kann man zwar bestimmen was damit passiert, wie es genutzt wird etc., aber man kann es eben auch verkaufen und so den Besitz abtreten.
Deswegen verfolgt Floridi den Ansatz über die Menschenwürde. Genauso, wie wir unsere Körperteile keinesfalls zum Verkauf stellen können, egal wie viel Druck ein Markt ausübt, da es entgegen der Menschenwürde ist, sollten wir auch diesen Kern an Informationen behandeln und so Privatsphäre begründen.

Zum Abschluss der Diskussion stellte Floridi, angesprochen auf die Frage, was er denn z. B. einer EU-Regulierungsbehörde raten würde, was in diesem Bereich zu tun sei. Zum einen sollen wir “benefit-share” betreiben und Daten sozial nutzen. Sie gehören allen, wir sollten sie also auch verwerten und einen Nutzen daraus ziehen, der allen zu Gute kommt. Als Beispiel nennt er den Bereich Medizin: Mit Hilfe von geteilten medizinischen Forschungsdaten könnten große Fortschritte erreicht werden, deshalb sollten diese auch viel stärker genutzt werden dürfen.

Was den Menschen im Innersten zusammenhält

Als zweites stellte Floridi klar, dass es einige personenbezogene Daten geben muss, eben diesen Kern der uns ausmacht, die niemals gehandelt oder in anderer Form genutzt werden dürfe, egal welchen Nutzen diese evtl. für die Gesellschaft haben könnten.

Als drittes würde er raten, dass wir uns deutlich mehr auf nicht-personenbezogene Daten konzentrieren. Dort gibt es so viele Daten, die genutzt werden können und ein enormes Potential haben, daher sollten diese viel mehr im Mittelpunkt stehen und nicht die personenbezogenen Daten, die nur aufgrund ihres kommerziellen Nutzens in Werbung o. Ä. so im Fokus sind. Auf die Frage, was die Regulierungsbehörde wohl antworten würde, sagte Floridi: “Oh jetzt nicht. Wir haben gerade Wahlen”…

by Lilli Iliev at October 24, 2017 02:16 PM

October 23, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Die Alten wissen es nicht immer besser oder coding da Vinci

Am Donnerstag letzte Woche in Frankfurt  beeindruckte mich Börries von Notz, Direktor der Historischen Museen Hamburgs, auf der Konferenz “Zugang gestalten” mit einem Seneca-Zitat (frei übersetzt): Wer den Hafen nicht kennt, dem weht kein günstiger Wind. Einleuchtende Weisheit der Altvorderen, dachte ich da noch. Doch nur Tage später wurde ich in Berlin Schöneweide eines Besseren belehrt: Wer dem Wind vertrauen kann, der wird mit Neuem belohnt. Denn wir, die Veranstaltenden des Kultur-Hackathons “Coding da Vinci”, können nie wissen, wohin die Reise geht. Am Samstag legten wir mit unserem Kahn voll beladen mit 31 wunderbaren Datensets aus 19 Kultureinrichtungen von den sicheren Ufern der Planung ab und ließen uns ein auf das Abenteuer der Kreativität. Doch was sind Abenteuer, wenn sie keine Geschichten erzählten?

Gesucht – Gefunden

Eine dieser Geschichten handelt von Christiane Weber, Wolfgang Thomsen und Stefan Bartsch. Sie begann im Juni mit dem Archivtag in Hessen.

Einige der Karteikarten des ITS. ITS, CC-BY-SA 3.0.

Dort hörte Christiane Weber Teilnehmende vom Kultur-Hackathon Coding da Vinci und seinen wunderbaren Ergebnissen erzählen. Spontan fragte sie bei uns im Sommer an, ob noch die Möglichkeit bestünde, sich mit einem Datensatz zu bewerben. Denn Christiane Weber arbeitet für das Archiv des International Tracing Service (ITS), das schon seit einigen Jahren seine Archivalien digitalisiert. Die Vorgaben von Coding da Vinci sind klar: Die Daten müssen unter einer freien Lizenz online zu Verfügung stehen und die Datengeber müssen bereit sein, die Datennehmenden, die codenden Teilnehmer/innen, von Coding da Vinci, während der gesamten Wettbewerbsdauer  zu unterstützen. Christiane Weber überzeugte ihre Kollegen, sich zu diesen Prämissen auf das Abenteuer einzulassen. Ohne zu wissen, welchen (Projekt-)Hafen die Daten letztlich ansteuern würden und ob überhaupt, stellte der Internationale Tracing Service für Coding da Vinci 32.000 digitalisierte Karten aus der Kartei der Reichsvereinigung der Juden zur Verfügung. Vorsichtshalber jedoch nur mit einer Auswahl der Metadaten. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Wolfgang Thomsen präsentierte sie die Kartei am 21. Oktober ca. 120 Kultur- & Codeinteressierten zum Start von Coding da Vinci. Dort trafen sie dann Stefan Bartsch. Ein junger Coder aus Berlin. Er schlug vor, die Daten des ITS mit anderen Daten zu den im NS-Regime verfolgten Juden in Berlin zu verknüpfen und sie unter verschiedenen Gesichtspunkten zu visualisieren. Zum Beispiel könnte man versuchen zu zeigen, wie im Zuge der Radikalisierung der NS-Politik zur Ausgrenzung und Vernichtung Menschen jüdischer Herkunft in wenigen lokalen Gebieten noch vor der eigentlichen Deportation konzentriert wurden. Christiane Weber und Wolfgang Thomsen waren begeistert. Ihre Daten stimulieren nicht nur den ehrenamtlichen Arbeitseifer von Stefan Bartsch, sondern könnten eventuell durch die Verknüpfung mit anderen Daten aussagekräftiger und derart angereichert auch für das ITS leichter auswertbar werden. Noch am selben Abend erwirkten die Kollegen des ITS eine umfassendere Freigabe der Metadaten, um mehr Anknüpfungspunkte für die Anreicherung zu ermöglichen. So gesehen, hat sich das Segeln, ohne den Hafen zu kennen, bereits gelohnt. Seit Sonntag arbeiteten sie gemeinsam an dem Projekt Visualisierung Jüdischen Lebens.

Musik lovers

Die zweite Geschichte handelt von Zweien, die sich fanden. Carole Wai Hai aus Frankreich und Annamaria Costalonga aus Italien waren zum ersten Mal bei Coding da Vinci. Sie fanden einander Dank der farbigen Punkte auf den Namensschildern. Annamaria Costalonga ist Musikjournalistin (magenta für Kulturinteressierte) und Webentwicklerin. Sie suchte gezielt nach programmierenden Frauen hier mit einem grünen Punkt gekennzeichnet. So fand sie Carole Wai Hai. Zusammen begeisterten sie sich für die Daten des Berliner Konzerthauses. Diese waren über die Vermittlung unseres Partners Prof. Jürgen Sieck, Leiter der Forschungsgruppe Informations- und Kommunikationsanwendungen der HTW, zu Coding da Vinci gestoßen. Albrecht Sensch vom Berliner Konzerthaus beschreibt sie so: gut 4000 detaillierte Einträge zu zehn Jahren Programmarbeit des Hauses. Für manch einen nur trockene Textzeilen in einer Tabelle. Für einen Data Scientist wie Carole Wai Hai ein reizvoller Ausgangspunkt für Analysen. Der Journalistin Annamaria Costalonga fielen auf Anhieb kritische Fragen zum Selbstbild des Konzerthauses ein: Wie inklusiv ist das Programm? Gibt es Vorlieben zu entdecken und wie folgt das Programm den Jahreszeiten? Möglicherweise lassen sich die Daten des Konzerthauses vergleichen mit denen anderer Programmarchive, die online verfügbar sind. Zum Beispiel über das Europeana Projekt DISMARC. Wie lassen sich die Antworten anschaulich und für das Konzerthaus förderlich visualisieren? Annamaria Costalonga und Carole Wai Hai programmieren und gestalten zusammen die Antworten in den kommenden sechs Wochen. Lassen wir uns überraschen. Auf jeden Fall brachen die beiden lachend mit ihrem Projekt “Musik Lovers” in das Abenteuer des Codens auf.

Wir sind gespannt, wohin der Wind sie und die 19 weiteren im Hackdash von Coding da Vinci bereits eingetragenen Projekte wehen wird. Sicher ist nur, dass wir sie am 02. Dezember im Jüdischen Museum zu Preisverleihung erwarten werden. Seneca steh uns bei.

Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutsche Digitalen Bibliothek (DDB), der Open Knowledge Foundation Germany e. V. (OKF DE), der Servicestelle Digitalisierung Berlin (digiS) und Wikimedia Deutschland e. V. (WMDE) und ein offizieller Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 in Deutschland des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz (DNK).

 

by Barbara Fischer at October 23, 2017 08:28 PM

October 19, 2017

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 41/2017

Die 41. Ausgabe diesen Jahres der Wikimedia:Woche erscheint mit folgenden Themen: Die Anerkennung neuer User Groups, Neuigkeiten aus dem Kuratorium der Wikimedia Foundation und dem Rückblick auf die vergangene GLAM on Tour-Station. Im November stehen in Berlin zwei Veranstaltungen zu digital-politischen Themen auf dem Plan, die PDF-Ansicht von Wikipedia-Artikeln ist verändert und die Deutsche Welle widmet dem Wikiversum 26 Minuten. Zur Wikimedia:Woche 41/2017 geht es hier.

by Jonas Sydow at October 19, 2017 03:11 PM

Going regional – Wikimedia Deutschland at the CEE Meeting

Dieser Beitrag ist auch auf Deutsch verfügbar.

The Central and Eastern European (CEE) meeting 2017, took place in Warsaw from September 22nd to 25th. Four staff members from Wikimedia Deutschland participated. Here, they tell about why they were there, and what they are working on.

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Group photo of the meeting of the Central and Eastern European organizations, groups and communities
(by Lantuszka, WikiCEE Meeting2017 day2 -29, CC BY-SA 3.0)

Building bridges between Wikimedia events


“The CEE is currently THE biggest regional Wikimedia group: the language communities represented there range from Finnish to South Azerbaijani, from German to Bashkir. It is also the strongest regional group.” Says Cornelius Kibelka, the Program and Engagement Coordinator of the Wikimedia Conference, who was also on the selection committee for this CEE meeting.

Cornelius was at the CEE meeting because part of his job is to connect the different Wikimedia conferences better, or as he puts it: “We want to “build bridges” to other Wikimedia Movement events, we want to continuously keep a conversation going about certain themes or topics.”

– But why keep these conversations going between events why is it important to build bridges between conferences?

“One reason is that the majority of people in the Wikimedia Movement are non-native English speakers, but many of our important conversations always take place in English, and online. That’s really tiring, also for me, it’s easier to meet each other in person to understand what challenges people are facing.”

In 2015 and 2016, Cornelius was the only WMDE staff member at the CEE meeting, but this year he convinced two colleagues to come along: Veronika Krämer, responsible for international aspects of volunteer support; and Nikki Zeuner, who works on Partnerships, and is in the Partnerships and Resource Development group. Both Partnerships and Volunteer Support are on the Wikimedia Conference program, and Cornelius has been working to support a stronger international network around these topics.

 

The Volunteer Supporters Network

– Veronika, why were you at the CEE meeting?

“I’m part of a Volunteer Supporters Network, which gives volunteer supporters the opportunity for exchange, for learnings, for sharing and using resources, asking each other questions, getting inspired by others. At the CEE meeting, they were specifically looking for talks in the field of volunteer support, and so I asked my colleague from Poland, Natalia, if she would do the talk together with me.”

Veronika was also there to establish a closer relation to other Chapters, in particular the Polish:

“Even though they’re smaller, I think we still have a lot in common – for example they have something like a Polish WikiCon. There has also been requests from the German community to do something with the Polish community. And also, for the first time, I met my Serbian counterpart, and learned about some interesting projects that are going on in Serbia, so I convinced her to join our Volunteer Support Network meeting in November – that was also a thing I wanted to see; if we could get people interested in that.”

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/61/WikiCEE_Meeting2017_day1_-99.jpg/640px-WikiCEE_Meeting2017_day1_-99.jpg

Veronika giving a presentation
(by Lantuszka, WikiCEE Meeting2017 day1 -99, CC BY-SA 3.0)

 

– What kind of discussions did you have about volunteer support – were there any highlights?

“One discussion that I was partly involved in, and that comes up again and again, is the question of prizes for competitions, for example Wiki loves Earth or writing competitions, and I find it quite interesting to compare how people go about the prizes. Together with Raimund Liebert from Wikimedia Austria, and Muriel Staub from Wikimedia Switzerland, we wrote a learning pattern about appreciation of volunteers. – Now, the talk that I was giving was about motivation. And prizes relate to both of that. Another thing I took from there was; it’s very interesting how they go about gaining new volunteers in Serbia, with their “Wikicamps”: It’s basically a full immersion wiki workshop over 5 days, and people remain very active afterwards. Usually, a wiki workshop is only an afternoon. So that gave me a couple of ideas of how one might do that differently.”

 

– CEE is a regional conference, but on a greater scale, is it even possible to have a Volunteer Supporters Network that includes countries from Sweden to India?

“The CEE meeting is the first regional conference that I’ve been to, and actually there was a couple of things I really liked about it: one was the size of it, it’s not as overwhelming as Wikimania. I think the smaller size allows for bonds to form more easily, and that’s what’s important for collaboration. But then again, at WMCON and Wikimania you understand that what also defines us as a movement is: there are a lot of differences! That’s why both types of meetings are important. Something regional, like CEE, is more practical, and more focused on a specific content. So, neighbouring countries are probably always a good place to start at least.”

 

Getting to Free Knowledge through Partnerships

Like Veronika, Nikki explains that the CEE meeting for her was an opportunity to talk to people from other Wikimedia organisations, and she also facilitated a sharing and learning workshop (video) about how to work with partners:

“Rather than telling people how to do a partnership, I wanted to have more of a dialogue in a participatory format, so I created a frame where people could talk about partnerships, and then get “consulting services”, so to speak, from the other people in the room. That worked really well, and we took it all back to the main group, and derived learnings from that – I think WMDE has a role in facilitating these kinds of conversations rather than teaching people how to do partnerships.”

 

– Can you elaborate a little on what is meant by the term Partnerships?

“In the case of WMDE it’s either partnering with other Wikimedia organisations, or with allied friendly organisations. If you open that up to a Movement context we’re part of a ‘knowledge eco-system’, we’re not a project anymore that works in isolation. We can’t free any content, if we don’t work with the institutions that are sitting on it, it’s really that simple. Or, if you take the example of a school: “School” is a whole system that you need to understand. Do you start with the teachers, the principal, or the district? Volunteers are the ones that go into the classroom and teach Wikipedia to kids, while the Chapter can help with funding, tools, materials, whatever it takes to convince the school district, and increase the impact. So, I think there could be this whole choreographed dance that involves the volunteers, the partners, and the Wikimedia chapters, that’s kind of what I envision.”

 

– And how do Partnerships relate to the community of volunteer contributors?

It has to do with: how do we choreograph that dance? What can WMDE do to best support the volunteers working with external partners – so that we can achieve our mission. And I’ve been listening to a few stories now for some years, of people sharing how they do partnerships, and you can always find new little interesting nuggets of information in there. On the other hand, people often come up with the same stuff, and then others can learn from the experience. Barbara Fischer a few years back wrote a learning pattern for example, about working with GLAMs– that is still really helpful.”

In talking about partnerships on an international level, Nikki says: “One dimension is the sharing and learning about how to do partnerships – and the other dimension is to actually do it. There’s all sorts of configurations that you can think of, and they would all end up providing more impact than we can as an organisation on our own. I think there’s a lot more room to grow as a movement, and we  – Wikimedia Deutschland – can have a role in it.“

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/55/Strategy_Graphic.pdf/page1-600px-Strategy_Graphic.pdf.jpg

Wikimedia as a part of the „Knowledge Eco System“
(CC BY-SA 4.0 María Cruz, Ed Bland, Nicole Ebber, Shannon Keith, Jaime Anstee, Suzie Nussel)

An honest opinion about the Strategy process


Nicole Ebber also went to the CEE meeting. She is Adviser on International Relations at WMDE, and has been leading the so-called ”Track A – Organized Groups – ” of the international movement strategy process. Nicole, together with with Kaarel Vaidla, organized three sessions and a late night strategy salon to gather as much feed-back on the Strategic Direction draft as possible, similar to the Strategy Space during Wikimania 2017.

“We hadn’t had a lot of feedback from affiliates from the CEE region, so we wanted to find out more about what they think about the strategic direction. For us in the strategy team it’s very useful to be in touch with people personally, the most fruitful conversations about this happen in person. People have a tendency to be more honest in personal conversations, but probably also more friendly and constructive – sometimes in online conversations it’s just like: ‘don’t get on my nerves, I don’t care about strategy’. When you meet people, however, you can ask them what could contribute to them being interested in this.”

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/ef/WikiCEE_Meeting2017_day2_-21.jpg/640px-WikiCEE_Meeting2017_day2_-21.jpg

Participants discuss the Movement Strategy
(by Lantuszka, WikiCEE Meeting2017 day2 -21, CC BY-SA 3.0)

 

– How did you collect input from the CEE affiliates then?

“I did the sessions together with Kaarel Vaidla, who has been involved in this process all along. And we coordinated with Katherine Maher, so that she would be available in the sessions the whole time, because she is kind of the face behind the direction. Also, because we don’t work together on a day to day basis, we sometimes even made agreements in the sessions, we said, ‘Are we going to do it like this? – Yeah, we are going to move forwards like this’. So, not everything was completely set and fixed, it was an open atmosphere.”

 

– In relation to the Strategic Direction, there has been some discussion among Wikimedians about how to define ‘Movement’ and ‘Community’, respectively. How would you distinguish the two?

To me, the community really equals the individual contributors like editors, software developers or photographers, this is the community. Although I know that the WMF also calls the affiliates community. And the Wikimedia movement is this body that we are creating the strategy for: the network of Wikimedia organisations and communities (this is also how it has been differentiated in the strategy). And then there is the even bigger movement, which from my point of view should include our allies and partners as well. And then it’s not called the Wikimedia Movement, but the Big Open, or Free Knowledge and Open Internet movement.”

 

– As you said it has been difficult at times to motivate people to participate in the strategy process. Why should strategy matter to the individual Wikimedians you think?

“Well, if we don’t care about the world around us, we at some point may not be able to edit Wikipedia anymore. Our projects are for example only able to exist because of the laws that allow for free licenses. So one thing is all the copyright stuff, policy work and advocacy. Another thing is that if we want to be a reliable resource of knowledge with high quality in our content, then we also need diversity in our content and in our user base. I think every single person, I might be biased here, but every single person should be able to contribute to our projects, in whatever manner works best for them, and to be able to allow everyone to have and make use of this privilege we need to break down social, political and technical barriers, like it says in the direction.”


 

A month after the CEE meeting, the first phase of the Strategy Process is coming to an end. The 26th of October is Endorsement Day, where people can endorse the strategic direction on Meta. Everyone who feels like it is encouraged to celebrate that Wikimedia has made it this far. Stay tuned for phase two!

If you want to read more about what went on at the CEE Meeting, you can find the documentation on Meta.

by Anne Kierkegaard at October 19, 2017 04:48 AM

Wikimedia Regional: Wikimedia Deutschland beim CEE Meeting 2017

This blog post is also available in English.

 

Die Konferenz der mittel- und osteuropäischen Wikimedia-Organisationen, -Gruppen und -Communities (Wikimedia Central and Eastern European Meeting 2017, kurz CEE) fand vom 22. bis 25. September in Warschau statt. Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Wikimedia Deutschland nahmen teil. Hier erzählen sie, warum sie dort waren und woran sie arbeiten.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/52/WikiCEE_Meeting2017_day2_-29.jpg/640px-WikiCEE_Meeting2017_day2_-29.jpg

Gruppenfoto der Konferenz der mittel- und osteuropäischen Wikimedia-Organisationen, -Gruppen und -Communities
(by Lantuszka, WikiCEE Meeting2017 day2 -29, CC BY-SA 3.0)

 

Brücken zwischen Wikimedia-Veranstaltungen bauen


 

„Die mittel- und osteuropäischen Wikimedia-Gruppe ist derzeit DIE größte regionale Wikimedia-Gruppe: Die dort vertretenen Sprachgemeinschaften reichen von Finnisch bis zum Iran vertretenenen Südaserbaidschanisch, von Deutsch bis Baschkirisch. Sie ist auch die stärkste regionale Gruppe“, sagt Cornelius Kibelka, Program and Engagement Coordinator der Wikimedia Conference, der auch im Auswahlkomitee für das diesjährige CEE Meeting vertreten war.

Cornelius war auf dem CEE Meeting, weil er zum Teil die Aufgabe hat, die verschiedenen Wikimedia-Konferenzen besser zu verbinden, oder wie er sagt: „Wir wollen Brücken zu anderen Wikimedia Movement-Veranstaltungen bauen, wir wollen ein kontinuierliches Gespräch, einen Diskurs über bestimmte Themen führen.“

 

– Warum sollten diese Gespräche zwischen den Veranstaltungen stattfinden – warum ist es wichtig, Brücken zwischen Konferenzen zu bauen?

Ein Grund dafür ist, dass die Mehrheit der Menschen in der Wikimedia-Movement nicht-englische Muttersprachler sind, aber viele unserer wichtigen Gespräche finden immer auf Englisch und online statt. Das ist wirklich anstrengend, auch für mich: es ist einfacher, sich persönlich zu treffen, um zu verstehen, welche Herausforderungen die Menschen haben.“

In den Jahren 2015 und 2016 war Cornelius der einzige WMDE-Mitarbeiter, der das CEE-Meeting besuchte, aber in diesem Jahr gelang es ihm auch zwei Kolleginnen zur Mitfahrt zu überzeugen: Veronika Krämer, verantwortlich für internationale Aspekte der Freiwilligenförderungen; und Nikki Zeuner, die an Partnerschaften arbeitet und in der sog. „Partnerships and Resource Development group“ tätig ist. Beide Themen, Unterstützung der Freiwillige sowohl Partnerschaften, sind Teil der Programms der Wikimedia Conference und Cornelius hat u.a. daran gearbeitet, ein stärkeres internationales Netzwerk zu diesen Themen zu unterstützen.

 

Das Volunteer Supporters Network

– Veronika, warum warst du auf dem CEE Meeting?

„Ich bin Teil des sog. Volunteer Supporters Network, das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Freiwilligenförderung der verschiedenen Wikimedia-Organisationen und -Gruppen die Möglichkeit zum Austausch, zum Lernen, zum Teilen und Nutzen von Ressourcen gibt – sich gegenseitig Fragen stellen und sich von anderen inspirieren lassen. Für das CEE-Meeting hat das Programmteam gezielt nach Beiträgen im Bereich der Freiwilligenförderung gesucht. Deshalb fragte ich meine Kollegin aus Polen, Natalia, ob sie mit mir zusammen eine Präsentation machen würde.“

 

Veronika war auch dort, um eine engere Beziehung zu anderen Wikimedia-Chaptern herzustellen, insbesondere dem Polnischen:

„Ich denke, dass unsere beiden Chapter trotz der unterschiedlichen Größe viel gemeinsam haben – zum Beispiel gibt es in Polen auch so etwas wie eine polnische WikiCon. Es gab auch Anfragen der deutschen Community danach, etwas mit der polnischen Community zu machen. Ich habe auch zum ersten Mal meine serbische Kollegin kennengelernt und von einigen interessanten Projekten in Serbien erfahren. Ich konnte sie auch davon überzeugen, an unserem Volunteer Support Network-Treffen im November teilzunehmen – das war auch ein Punkt für mich: Leute dafür interessieren zu können. “

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Veronika Krämer hält eine Präsentation
(by Lantuszka, WikiCEE Meeting2017 day1 -99, CC BY-SA 3.0)

 

– In welchen Diskussionen über Freiwilligen-Unterstützung hast du teilgenommen? Gab es irgendwelche Highlights?

„Eine Diskussion, an der ich teils beteiligt war und die immer wieder auftaucht, ist die Frage nach Preisen für Wettbewerbe, zum Beispiel für Wiki loves Earth oder Schreibwettbewerbe. Ich finde es sehr interessant zu vergleichen, wie die Leute mit den Preisen umgehen. Zusammen mit Raimund Liebert von Wikimedia Österreich und Muriel Staub von Wikimedia Schweiz haben wir ein sog. Learning Pattern zur Wertschätzung von Freiwilligen geschrieben. Der Vortrag, den ich beim CEE-Meeting gehalten habe, beschäftigt sich allgemein mit Motivation. Und das Thema Preise hat mit beidem zu tun. Eine andere Sache, die ich mitgenommen habe, ist: Es ist sehr interessant, wie sie in Serbien mit ihren „Wikicamps“ neue Freiwillige gewinnen. – Es ist im Grunde ein 5-tägiger Wiki-Workshop und die Leute bleiben danach auch weiterhin sehr aktiv. Normalerweise ist ein Wiki-Workshop nur einen Nachmittag. Das gab mir ein paar Ideen, wie man das anders machen könnte. “

 

– Das CEE-Meeting ist eine regionale Konferenz, aber eher allgemeiner gefragt: ist es überhaupt möglich, ein Volunteer Supporters Network zu haben, dass Länder von Schweden bis Indien einbezieht?

„Das CEE-Treffen ist die erste regionale Konferenz, an der ich teilgenommen habe, und tatsächlich gab es ein paar Dinge, die mir sehr gut gefallen haben. Eines war die Größe: dass es nicht so überwältigend war wie Wikimania. Bei weniger Leuten ist es besser möglich, Beziehungen zu knüpfen, und das ist wichtig für die Zusammenarbeit. Aber bei der Wikimedia Conference und Wikimania versteht man, was uns als Wikimedia-Movement auch definiert, und zwar: Es gibt viele Unterschiede! Deshalb sind beide Arten von Treffen wichtig. Etwas Regionales, wie CEE, ist praktischer angelegt und konzentriert sich eher auf einen bestimmten Inhalt. Treffen mit Nachbarländern sind also wahrscheinlich zumindest immer ein guter Anfang.“

 

Durch Partnerschaften zu Freiem Wissen

Wie Veronika erklärt Nikki, dass das CEE-Meeting für sie eine Gelegenheit war, mit Leuten aus anderen Wikimedia-Organisationen und -Gruppen zu sprechen, dazu hat sie auch ein Lernworkshop über die Partnerschaften angeleitet (Video):

„Anstatt von oben herab zu erzählen und zu erklären, wie man eine Partnerschaft gestalten sollte, wollte ich lieber eine Art Dialog in einem partizipativen Format gestalten, also habe ich einen Rahmen geschaffen, in dem die Leute über Partnerschaften sprechen und dann „Beratungsleistungen“ der anderen Anwesenden im Raum nutzen konnten. Das hat sehr gut funktioniert. Die Ergebnisse der Kleingruppen wurden dann zurück in die große Runde getragen, in der wir dann gemeinsam Erkenntnisse abgeleitet haben. Ich denke, dass Wikimedia Deutschland eine Rolle dabei spielt, diese Art von Gesprächen zu erleichtern und zu moderieren, eher als den Leuten beizubringen, wie man Partnerschaften macht. “

 

– Und was bedeutet „Partnerschaften” eigentlich?

„Bei Wikimedia Deutschland verstehen wir darunter eine Partnerschaft mit anderen Wikimedia-Organisationen oder mit befreundeten Organisationen. Wenn Du das im weiteren Movement-Kontext verstehst, sind wir Teil einer Art „Ökosystem des Freien Wissens“, wir funktionieren nicht isoliert vom Rest der Welt. Wir können keinen Inhalte befreien, wenn wir nicht mit den Institutionen arbeiten, die darauf „sitzen“ – so einfach ist es. Oder, wenn du das Beispiel einer Schule annimmst: „Schule“ ist ein ganzes System, das man verstehen muss. Beginnt man mit den Lehrern, dem Schulleiter oder dem Schulbezirk? Freiwillige sind diejenigen, die in das Klassenzimmer gehen und Kindern Wikipedia beibringen können, während das Chapter mit Finanzierung, Werkzeugen und Materialien helfen kann, oder was auch immer nötig ist, um den Schulbezirk zu überzeugen und die Wirkung (Impact) zu erhöhen. Ich finde, dass es ein ganzen choreographierten Tanz geben könnte, an dem die Freiwilligen, die Partner und die Wikimedia Chapter beteiligt sind. So stelle ich mir das vor. “

 

– Wie beziehen sich Partnerschaften auf die Community der Freiwilligen?

Es ist ein Frage von: wie choreographieren wir so einen Tanz? Was kann Wikimedia Deutschland tun, um die Freiwilligen, die mit externen Partnern arbeiten, bestmöglich zu unterstützen – und wir unsere Mission erreichen können? Wikimedianerinnen und Wikimedianern erzählen immer wieder, welche Partnerschaften sie aufbauen und pflegen, und immer lerne ich neue kleine interessante Details. Auf der anderen Seite machen sehr viele Wikimedia-Aktive sehr ähnlich oder gar gleichen Projekte, sodass sie von den Erfahrungen der Anderen lernen können. Barbara Fischer schrieb vor einigen Jahren zum Beispiel ein sog. Learning Pattern über die Arbeit mit GLAM-Institutionen – das Dokument ist immer noch sehr hilfreich.“

 

Nikki sagt über Partnerschaften auf internationaler Ebene: „Eine Dimension ist das Teilen und Lernen, wie man Partnerschaften macht – und die andere Dimension ist diese Partnerschaften tatsächlich zu schaffen. Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, die man sich vorstellen können, um solche Partnerschaften in Verbindungen mit Partnern und Freiwilligen auszugestalten  – und sie würden am Ende alle mehr Wirkung bringen, als wenn wir alleine als Organisation versuchen etwas zu bewerkstelligen. Ich denke, es gibt viel mehr Raum, um als Wikimedia-Movement zu wachsen, und wir – Wikimedia Deutschland – können eine Rolle darin spielen.

 

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Wikimedia als Teil eines „Ökosystems des Freien Wissens“
(CC BY-SA 4.0 María Cruz, Ed Bland, Nicole Ebber, Shannon Keith, Jaime Anstee, Suzie Nussel)

Eine ehrliche Meinung zum Strategic Direction


Nicole Ebber war auch beim CEE-Treffen. Sie ist Referentin für Internationale Beziehungen bei WMDE und leitet den so genannten „Track A – Organized Groups“ des internationalen Movement-Strategieprozesses. Gemeinsam mit Kaarel Vaidla organisierte Nicole drei Sessions und einen “Late-night Strategie-Salon”, um so viel Feedback wie möglich zu erhalten zur strategischen Ausrichtung – ähnlich wie beim Strategy Space auf der Wikimania 2017.

„Wir hatten nicht viel Feedback von Wikimedia-Organisationen und -Gruppen aus der CEE-Region bekommen, also wollten wir mehr darüber erfahren, was sie über die strategische Ausrichtung denken. Für uns im Strategieteam ist es natürlich sehr nützlich, persönlich mit den Menschen in Kontakt zu sein – denn persönliche Gespräche sind fruchtbarer. Die Leute neigen dazu, in persönlichen Gesprächen ehrlicher zu sein, aber wahrscheinlich auch freundlicher und konstruktiver. Manchmal geht es nämlich in Online-Gesprächen so: „Hör auf zu nerven, Strategie ist mir egal.“ Wenn ich jedoch die Menschen kennenlerne, kann ich sie direkt fragen, was dazu beitragen könnte, dass sie daran interessiert wird.

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Teilnehmende der Konferenz diskutieren die Movement Strategy
(by Lantuszka, WikiCEE Meeting2017 day2 -21, CC BY-SA 3.0)

 

– Wie habt ihr die Beiträge der Organisationen und Gruppen aus der Wikimedia gesammelt?

„Ich habe die Sitzungen zusammen mit Karel Vaidla durchgeführt, der die ganze Zeit an diesem Prozess beteiligt war. Und wir koordinierten mit Katherine Maher, damit sie die ganze Zeit in den Sitzungen zur Verfügung stehen würde, weil sie ja irgendwie das Gesicht der Ausrichtung ist. Weil wir nicht täglich zusammenarbeiten, haben wir manchmal sogar Entscheidungen in den Sitzungen getroffen, so: „Werden wir das so machen? – Ja, wir werden so vorwärts gehen.“ Also war nicht alles komplett festgelegt und behoben, es gab eine offene Atmosphäre.”

 

– In Bezug auf die strategische Ausrichtung wurde unter Wikimedianern diskutiert, wie man „Movement“ beziehungsweise „Community“ definiert. Wie würdest du die beiden unterscheiden?

Für mich bedeutet „Community“ die Gemeinschaft der Autorinnen und Autoren, Fotografinnen und Fotografen, allgemein der Beitragenden – obwohl ich auch weiß und sehe, dass die Wikimedia Foundation uns, die Wikimedia-Organisationen, auch als „Community“ bezeichnet. Die Wikimedia-Bewegung (Movement) wiederum ist das etwas, für das die strategische Ausrichtung (Strategic Direction) geschrieben wurde: das Konglomerat, das Netzwerk von Wikimedia-Organisationen, -Gruppen und -Communities (so wie es auch in der strategischen Ausrichtung ausdifferenziert wurde. Und dann gibt es noch diese größere Bewegung, die aus meiner Sicht auch unsere Verbündeten und Partner einschließen sollte. Das ist nicht das Wikimedia-Movement sondern etwas, was gelegentlich als „The Big Open“ oder „Free Knowledge and Open Internet Movement“ bezeichnet wird.”

 

– Wie Du schon gesagt hast, war es manchmal schwierig, Menschen zu motivieren, sich am Strategieprozess zu beteiligen. Aus deiner Sicht, warum ist diese Strategie für die einzelnen Wikimedianerinnen und Wikimedianer von Bedeutung?

„Wenn wir uns nicht um die Welt um uns herum kümmern, könnten wir irgendwann in der Lage sein, Wikipedia nicht mehr länger bearbeiten und nutzen zu können. Unsere Projekte bestehen nur dank der Gesetze, die freien Lizenzen erlauben. Aus diesem Grund ist die politische Arbeit absolut wichtig. Eine andere Sache ist, dass wenn wir eine zuverlässige, qualitativ hochwertige Wissensquelle sein sollen, müssen unsere Inhalte und unsere Autorinnen und Autoren vielfältiger, diverser sein. Ich denke, alle Menschen– das kann natürlich meine Voreingenommenheit sein – sollten in der Lage sein unsere Projekte zu bereichern und an ihnen teilhaben zu können – in welcher Weise auch immer sie wollen, und um jeder und jedem dieses Privileg zu ermöglichen, müssen wir die dem entgegenstehenden sozialen, politischen und technischen Hürden abbauen, wie es in der Ausrichtung steht.“


 

Einen Monat nach dem CEE-Meeting ist die erste Phase des Strategieprozesses jetzt zu Ende. Der 26. Oktober ist der sogenannte „Endorsement Day“, bei dem man die strategische Ausrichtung auf Meta unterstützen (also unterschreiben). Alle, die Lust haben, sind eingeladen eingeladen sich mit uns zu freuen, dass Wikimedia es so weit geschafft hat. Und wir freuen uns auf die zweite Phase!

Wenn Du mehr über das CEE-Meeting erfahren möchtest, gibt es im Meta-Wiki mehr Informationen (inkl. einer Dokumentation).

by Anne Kierkegaard at October 19, 2017 04:42 AM

October 16, 2017

Iberty

10 Regeln für den eigenen Wikipedia-Artikel

Wikipedia ist nicht nur eine Enzyklopädie mit dem Anspruch auf Ewigkeit, sondern auch ein Nachschlagewerk für Ephemeres und zeitgemäß Aktuelles. In der Wikipedia stehen nicht nur Artikel über Themen von Bach und Barock bis zu Bismarck oder zur Binomialverteilung. Im Bastelbrockhaus stehen auch Einträge über lebende Künstler, Sänger, Sportler, Unternehmen, Vereine und Stiftungen.

Nun können diese Künstler, Sänger und andere diese Einträge auch lesen und sind – mal zu Recht mal zu Unrecht – nicht glücklich mit diesen Artikeln. Mal sind die Artikel eigenwillig gewichtet, mal lassen sie das Wesentliche aus, mal sind Daten veraltet und ab und an enthalten die Artikel auch echte inhaltliche Fehler.

Artikel über sich selbst oder seine Organisation zu ändern, ist nicht einfach. Manchmal ist es aber für Wikipedia und die Betroffenen hilfreich. Deshalb hier einige Regeln zum Umgang mit dem eigenen Wikipedia-Artikel.

Maze 01
Auf den ersten Blick wirkt Wikipedia unübersichtlich. Bild: Maze01. Von Nevit Dilmen Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

(0) Vorweg: Wikipedia-Artikel sind böse

Die Grundregeln für den Umgang mit der eigenen Person oder Organisation in Wikipedia ist einfach: existiert noch kein Artikel, so ist das gut. Wikipedianer schätzen es gar nicht, wenn Betroffene über sich selbst Artikel anlegen. Die geschriebenen Regeln verbieten die Artikelanlage in eigener Sache nicht explizit. Die - wichtigeren - ungeschriebenen Regeln sprechen sich stark dagegen aus. Umso kritischer werden Wikipedianer die neuen Artikel begutachten, nach Schwächen und Fehlern suchen. Umso schlimmer wird das Spießrutenlaufen für denjenigen, der diesen Artikel anlegt.

Selbst wenn der Artikel durchrutscht, zumindest am Anfang keine Kritik erfährt: Viele der Ersteller und Objekte von Artikeln rechnen nicht damit, was für eine eindrückliche Erfahrung es sein kann, die Kontrolle aus der Hand zu geben, einer anonymen Gruppe von Menschen eine große Bühne zu geben, das eigene Leben oder die eigene Organisation darzustellen. Eine eigene Website oder ein Facebookauftritt kann dasselbe wie ein Wikipedia-Artikel. Aber man behält die Kontrolle.

Wenn eine Person oder Organisation keinen Wikipedia-Artikel hat, dann sollte sie eine Flasche Sekt öffnen, dankbar sein und sich auf andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit verlegen. In vielen Fällen allerdings existiert der Artikel schon, oftmals nicht zur Zufriedenheit der betroffenen Person. Manchmal muss die Person oder Organisation halt damit leben, dass die eigene Existenz nicht nur Feiernswertes enthält. Manchmal hat sie aber auch legitime Gründe zur Kritik: Veraltetes, Unvollständiges, Fehlerhaftes oder eigentümlich Gewichtetes findet sich in vielen Wikipedia-Artikel. Es gibt die Möglichkeit, etwas daran zu ändern.


(1) Transparenz 


Wikipedia ist überaus kritisch gegenüber Bearbeitungen in eigener Sache. Jeder, der Artikel über sich selbst bearbeitet, muss Grundmisstrauen überwinden und Vertrauen gewinnen.Vertrauen gewinnt man durch Offenheit.

(2) Verifizierung 


Speziell für Bearbeiter in eigener Sache und ganz speziell für Menschen, die professionell unterwegs sind, existiert in der deutschen Wikipedia das Mittel der Verifizierung. Bearbeiter melden sich unter dem Namen ihrer Organisation/ ihrer Person an und stellen damit eine Grundtransparenz her. Danach schicken Sie eine Mail an  info-de-v@wikimedia.org und werden dann von Freiwilligen verifiziert. Weitere Details finden sich unter: Wikipedia:Benutzerverifizierung

(3) Diskussionsseiten 

Zu jedem Eintrag in der Wikipedia gehört eine Diskussionsseite, auf der dieser Eintrag diskutiert wird. Um Konflikte und Konfrontationen zu vermeiden, empfiehlt es sich, jede größere Änderung erst auf der Diskussionsseite mit einigen Tagen Vorlaufzeit anzusprechen. Erst wenn dort kein Widerspruch, oder gar Zustimmung, gekommen ist, sollte der Artikel selbst geändert werden. Taucht auf der Diskussionsseite Widerstand auf, so ist die Diskussionsseite zur Diskussion zu nutzen.


(4) Belegen 


Wikipedia ist eine Enzyklopädie, die verlässlich sein will, die aber jeder anonym bearbeiten kann. Zum Ausgleich legt die Community starken Wert darauf, dass jeder inhaltliche Beitrag belegt wird. Als Belege gelten nur Fakten, die anderswo veröffentlicht sind. Sei es in Büchern, Zeitschriften oder Websites. Diese Pflicht geht soweit, dass selbst Aussagen der Person selbst oder amtliche Dokumente nicht akzeptiert werden – sofern diese nicht an einer externen Stelle veröffentlicht wurden.

Belege im Artikel zur Wikipedia (kleiner Ausschnitt)

(5) Klare, harte Fakten. Keine Adjektive 


Artikel über sich selbst zu ändern, ist selbst unter den besten Umständen ein Drahtseilakt. Die Gefahr besteht, auf andere Autoren zu treffen, die dies aus Prinzip ablehnen und versuchen gegen die Edits zu arbeiten. Aber auch diese Autoren sind an Regeln gebunden. Je besser eine Bearbeitung nachgeprüft werden kann und je eindeutiger diese ist, desto höher sind die Chancen, dass sie bestehen bleibt.

Am besten hierfür eigenen sich unstreitige Zahlen und Fakten. Während Fakten einfach und erwünscht sind, ist dies mit Interpretationen schwierig. Diese sind generell in der Wikipedia verpönt. Je niedriger das Vertrauen ist, das ein Autor genießt, desto schwieriger wird es, Text einzubauen, der auch nur entfernt nach Interpretation aussieht. Adjektive sehen immer nach Interpretation und Wertung aus. Sie haben in einem Artikel über einen selbst nichts verloren.

(6) Verständlich bleiben 


Nun gibt es nicht nur die Community, für die ein Text geschrieben wird, sondern auch die Leser. Leser lieben Wikipedia, weil er hier klare, verständliche Informationen gibt, die sich beim ersten Lesen erschließen. Buzzwords, unverständliches, aber auch Fachsprache und Insiderlingo sind verpönt. Die Community achtet darauf dies durchzusetzen. „Geschwurbel“ ist einer der liebsten Begründungen innerhalb der Community um Text zu streichen.

(7) Mit der Community zusammen 


Wikipedia ist ein grundsätzlich offenes System, das von zahlreichen Vandalen, Trollen und Manipulatoren heimgesucht wird. Dementsprechend ausgebildet und etabliert sind mittlerweile die Mechanismen, unerwünschte Bearbeitungen fernzuhalten. Die etablierte Community hat die informellen, formalen und technischen Mittel Text zu verhindern, kann aber auch unglaublich Großartiges vollbringen. Jede Mitarbeit in Wikipedia, die von Erfolg gekrönt sein soll, funktioniert nur im gegenseitigen Vertrauen mit der Community.

(8) Zu vermeiden: Freunde holen 


Manche Autoren fühlen sich von der Wikipedia-Community übermannt oder ungerecht behandelt und versuchen, Freunde zu motivieren, ihnen beizustehen. Kaum etwas ist schlimmer. Die reine Anzahl von Teilnehmenden in der Diskussion hat kaum ein Gewicht. Wesentlich bedeutender ist das Vertrauen, dass den einzelnen Beteiligten in der Community beigebracht wird. Die Community hat ein eingebautes internes Vertrauenssystem, das maßgeblich auf bisherigen Beiträgen beruht. Wenn aus heiterem Himmel plötzlich eine größere Anzahl neuer Nutzer bei einem Thema auftaucht, lässt das bei vielen erfahrenen Wikipedianern Alarmglocken schrillen. Sie reagieren skeptischer und aggressiver. Dabei gilt: gegen eine skeptisch und aggressive Community zu agieren, hat nie Erfolg. Der Versuch, Freunde zu mobilisieren ist bisher immer nach hinten losgegangen.

(9) Das Sichtungsproblem 


Speziell die deutsche Wikipedia hat das Instrument der Sichtungen eingeführt. Das bedeutet: Änderungen an Artikeln werden sofort gespeichert. Wenn diese Änderungen von einem neuen Autor stammen, sind sie aber nicht sofort für die Öffentlichkeit sichtbar. Dafür muss erst ein erfahrener Wikipedianer sein Ok geben. Je einfacher die Edits sind und je einfacher sich ihr Inhalt extern überprüfen lässt, desto schneller wird die Freigabe erfolgen.

Übersicht über die Seiten, die am längsten nicht gesichtet wurden.

(10) Fotos unter freier Lizenz 


Ein einfacher Weg, das Vertrauen der Community zu gewinnen, Inhalte beizutragen und es Wikipedia zu ermöglichen eigene Inhalte zu nutzen, ist das Bereitstellen von Fotos unter freier Lizenz. Das bedeutet, dass diese Fotos im Nachhinein genutzt, verändert und eingebaut werden können. Allerdings muss dabei der Autor genannt werden ebenso wie der Titel des Fotos. So in Wikipedia und von dort aus dann viral durch das halbe Netz.

Rose Stanwell Perpetual バラ スタンウェル パーペチュアル (7887553466)
Ist ein Foto unter freier Lizenz hochgeladen, kann es unter Autoren-Nennung quer durch das Internet gesehen werden. Bild: Rose Stanwell Perpetual バラ スタンウェル パーペチュアル von: T.Kiya Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

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Der Wikipedia mangelt es nicht an Seiten mit Regeln, Vorschriften und Anleitungen. Auch zu diesem Themenkomplex gibt es eher zuviel als zu wenig zu lesen. Als Einstieg empfiehlt sich: Wikipedia:Interessenkonflikt  und die dortigen Links.

Bei Rückfragen zu bestimmten Einzelfällen, gerne auch eine Mail an mich, dirkingofranke@gmail.com

Alle Iberty-Posts zu Netz- und Kulturthemen finden sich unter. Kultur in Iberty! Eine Übersicht.
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by dirk franke (noreply@blogger.com) at October 16, 2017 09:51 AM