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May 19, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Freies Wissen weltweit: Die Gesichter hinter Wikimedia – Teil 3

„Stell dir eine Welt vor, in der das gesamte Wissen der Menschheit für alle frei zugänglich ist. Das ist es, was wir machen.“ So beschrieb Wikipedia-Gründer Jimmy Wales einmal den Grundgedanken hinter Wikipedia. Seitdem ist das Wikimedia-Universum für Freies Wissen nicht nur um einige Projekte – wie Wikimedia Commons, Wikidata und Wikivoyage –angewachsen, sondern auch um zahlreiche Ehrenamtliche und Hauptamtliche aus aller Welt, die tagtäglich dafür arbeiten, noch mehr Wissen für uns alle zur Verfügung zu stellen.

Wikimedia ist aber mehr als nur eine Gruppe von Websites mit frei verfügbaren Informationen. 17 Jahre lang haben Wikimedia-Aktive zusammengearbeitet, um die größte kostenlose Wissenssammlung der Menschheitsgeschichte zu erschaffen. Während dieser Zeit sind wir, ausgehend von einer kleinen Gruppe von Editoren und Editorinnen, zu einem vielfältigen Netzwerk mit rund 40 Wikimedia-Länderorganisationen und über 80 Wikimedia-Benutzergruppen von Autoren und Autorinnen, Entwickelnden, Lesenden, Spendern und Spenderinnen sowie Partnern und Partnerinnen gewachsen. Auch weltweit wollen wir in den nächsten 15 Jahren noch vieles zusammen erreichen und erarbeiten derzeit unter dem Titel „Wikimedia 2030“ eine Zukunftsstrategie für die internationale Wikimedia-Bewegung.

Drei Tage lang haben wir auf der Wikimedia Conference 2018 in Berlin auch deshalb Ideen geteilt, von Herausforderungen berichtet und über unsere Zukunft diskutiert. Für unser Blog haben wir dabei mit Vertreterinnen und Vertretern von Wikimedia-Organisationen aus aller Welt über ihre Leidenschaft für Freies Wissen gesprochen. Was bewegt sie in ihrer täglichen Arbeit? Welchen Herausforderungen müssen wir uns stellen? Und wohin wollen wir als Bewegung? In dieser Blog-Reihe stellen wir einige von ihnen vor.


Alice Backer, Wikimedia New York City

Alice Stammt aus New York City und betreibt von dort das Projekt AfroCrows für mehr Freies Wissen von Communitys mit afrikanischer Herkunft.

Wie bist du zu Wikimedia und Freiem Wissen gekommen?

In der Arena für freien Zugang zu Kultur und von den Bürgern gemachte, partizipative Medien bin ich seit 2005 aktiv. Angefangen habe ich als Editorin für Frankophonie bei Global Voices, wo wir – noch bevor es Twitter und Facebook gab – Blogs aus aller Welt gesichtet und reviewed haben. Davon haben wir dann kurze Zusammenfassungen verfasst und online zur Verfügung gestellt, um zu zeigen, was dort in der Welt aktuell so passiert. Mein Bereich war die frankophone Welt und ich war Managerin für ehrenamtliche Beitragende. Dadurch habe ich auf einer Konferenz für Open-Source Übersetzungs-Tools in Kroatien einige Wikipedianer und Wikipedianerinnen kennengelernt. Die haben mir dann nicht nur Wikipedia genauer vorgestellt, sondern auch den multikulturellen Gap. Ich habe sehr viel im Bereich Outreach zu Communitys mit afrikanischer Herkunft in den USA gearbeitet, da kam also wie in einem perfekten Sturm alles zusammen, es gab da eine tolle Synergie. Es gibt wohl auch wenig Gründe, weshalb jemand mit meinem Hintergrund Wikipedia nicht mögen sollte – und nicht würde mithelfen wollen, die kulturellen Klüfte darin zu überwinden.

Was ist das Projekt und die Herausforderungen an denen du arbeitest?

Fayçal Rezkallah, WMCON18-031, CC BY-SA 4.0

Mein Projekt heißt AfroCrowd. Ich habe damit 2015 angefangen, mit dem Ziel, Wikipedia als Werkzeug für Freies Wissen den US-amerikanischen Communitys mit afrikanischer Herkunft näherzubringen. Wir veranstalten immer wieder Edit-a-thons und ermutigen andere, darunter unsere Partner von AfroCrowd UK und Partner aus anderen Städten wie Los Angeles (wir selbst sitzen in New York), das auch zu machen. Wir wollen den unglaublich vielsprachigen Menschen mit afrikanischer Herkunft, die in Amerika oder Europa leben, klar machen, dass Wikipedia in etwa 295 Sprachen existiert und man sich daran beteiligen kann. Denn einige davon sind afrikanische Sprachen, oder aber Sprachen, die von der afrikanischen Diaspora gesprochen werd, zum beispiel Spanisch, die Haitianische Kreolsprache, Französisch, und so weiter.

Die größte Herausforderung, vor der ich momentan stehe, sind die bürokratischen Hürden, um mit anderen Wikimedia-Länderorganisationen zusammenzuarbeiten. Ich würde mir wünschen, es wäre einfacher für Afro-amerikanische und Afro-europäischen Wikimedia-Communitys mit Wikimedia-Aktiven aus Afrika oder Afro-Latino-Communitys  in den USA und Lateinamerika zu vernetzen, Menschen wirklich zusammenzubringen. Wir merken immer wieder, dass solche internationalen Partnerschaften ziemlich schwer zu realisieren sind – nicht, weil Leute keine Lust darauf haben., sondern weil andere Dinge im Weg stehen. 

Welche Hoffnungen hast du für die Zukunft der Wikimedia-Bewegung?

Ich hoffe auf weniger Bürokratie im Wikimedia-Movement; einfachere Strukturen, die Innovationen besser fördern.


John Cummings, Wikimedia UK

John Cummings kommt aus Großbritannien und ist seit vielen Jahren als Wikimedianer aktiv. Aktuell arbeitet er als Wikimedian in Residence bei der UNESCO.

Wie bist du zu Wikimedia gekommen und woran arbeitest du derzeit?

VGrigas (WMF), John Cummings, CC BY-SA 3.0

Ich bin mehr oder weniger durch Zufall zu Wikimedia gestoßen. Ich habe Tickets zu einem Event bekommen, auf dem jemand von einem Projekt erzählte, dass sie auf Wikipedia gemacht hatten. Es wurden Artikel für Objekte aus einem Museum geschrieben und dann QR-Codes im Museum aufgehängt, die zum entsprechenden Wikipedia-Artikel verlinkt haben. Damals – das war so 2012 – wusste ich noch nicht, wie Wikipedia funktioniert und ging davon aus, dass es sich um ein großes Unternehmen handelt. Deshalb ging ich einfach auf den Redner zu und schlug vor, dass man das doch auch für eine ganze Stadt machen könnte. Die Antwort darauf war “Das klingt super, aber das solltest du selbst machen.” – Und mit der Hilfe von Wikimedia UK und vielen Freiwilligen habe ich das dann einfach gemacht.

Ich bin in einer mittelalterlichen Stadt großgeworden, also habe ich den Geschichtsverein der Stadt ermutigt, sich zu beteiligen und Wikipedia-Artikel zu schreiben. Wir haben einen Schreibwettbewerb ausgerufen und haben dann ebenfalls Keramik-Plaketten mit QR Codes in der Stadt aufgehängt. Der Gemeinderat hat sich am Projekt beteiligt, die Presse hat angefangen, sich zu interessieren und wegen der Aufmerksamkeit haben sich mehr und mehr Menschen beteiligt. Am Ende hat sich die Wikimedia Foundation sogar eingewilligt, dass die Stadt das Wikipedia-Logo auf dem Ortsschild tragen darf. Darauf steht jetzt “Die erste Wikipedia-Stadt der Welt.”

Danach bin ich nach London gegangen und habe dort als Wikipedian in Residence für das Naturkundemuseum gearbeitet und mitgeholfen, die Wikimania auszurichten, die jährliche Konferenz der Wikimedia-Bewegung,, die 20143 in London stattfand. Für mein nächstes Projekt habe ich dann überlegt, welche Organisation wohl andere Organisationen darin beeinflussen und ein Vorbild sein könnte, freie Lizenzen und Open Access einzuführen und habe mich bei der Wikimedia Foundation um ein Stipendium für die UNESCO beworben, bei der ich nun als Wikipedian in Residence arbeite.

Und was sind dort einige der Projekte und Herausforderungen, an denen du arbeitest?

Ich arbeite an ganz unterschiedlichen Sachen: Ich teile UNESCOS Inhalte unter freier Lizenz, darunter Bilder, Texte, Daten und vieles Mehr, mit Wikipedia und anderen Wikimedia-Projekten. Die UNESCO ist außerdem die Sonderorganisationen der Vereinten Nationen, die das Mandat hat, freie Lizenzensierung zu fördern. Deshalb unterstützen wir auch Projekte wie die Fotowettbewerbe  Wiki Loves Earth and Wiki Loves Monuments und Wiki loves Africa. Das ist eine tolle Sache, weil wir als UNESCO allein rund 3 Millionen Twitter Follower haben. So können wir mehr Menschen für unsere Freies-Wissen-Projekte begeistern, denn die Inhalte, die da entstehen, können von allen genutzt werden. Oft retweeten dann auch andere UN-Organisationen unsere Tweets, und wir erreichen so ein globales Publikum von 10 Millionen Menschen, was absolut großartig ist. Außerdem arbeite ich mit anderen UN-Organisationen zusammen, damit sie die Vorteile von freier Lizensierung und Freiem Wissen besser verstehen. Und ich organisiere Events. Dieses Jahr haben wir bei der UNESCO zum Beispiel ein Event zum Internationalen Frauentag organisiert, mit dem Ziel, den gender gap in Wikipedia zu verringern.

Die größte Herausforderung ist wohl, dass es viel mehr Möglichkeiten und Chancen gibt, als ich die Zeit habe, umzusetzen. Außerdem fehlt noch einiges an Grundlagen-Dokumentation darüber, wie man sich einfach bei Wikipedia, Wikimedia Commons, und anderen Wikimedia-Projekten beteiligen kann, sowohl als Privatperson als auch als Organisation. Das würde es auch einfacher machen. die Inhalte aus den Wikimedia-Projekten nachzunutzen. Zum Beispiel gab es lange keinen Leitfaden, wie man Bilder aus Commons nachnutzt. Es gab eine große, lange Seite zum Thema Copyright, aber die hat einem nicht auf leicht verständliche Weise erklärt, wie man das in der Praxis macht, also habe ich einen geschrieben. Dasselbe Problem gibt es auch bei Wikidata, und auch hier habe ich ein paar Leitfäden geschrieben um den Umgang mit den Inhalten zu vereinfachen. Und ich denke viel darüber nach, wie Wikimedia und die UNESCO eine langfristige Beziehung miteinander vertiefen können. Wie hängt zum Beispiel unsere Movement-Strategie mit den UN-Zielen bei der Nachhaltigen Entwicklung zusammen?

Was mich persönlich angeht, ist sicher eine der Herausforderungen, dass die UN in 6 offiziellen Sprachen arbeitet. Ich spreche gerade mal Englisch und schlechtes Französisch. Das ist also etwas, was ich gerne ändern würde.

Die erste Wikipedia-Stadt der Welt – John Cummings, World’s first Wikipedia town 4, CC BY-SA 3.0

Du hast bereits die Movement Stratie erwähnt. Was sind diesbezüglich deine Hoffnungen für Wikimedia und Freies Wissen?

Jedes Jahr gibt es bei der UNESCO eine Konferenz mit dem Namen Mobile Learning Week, die wichtigste Konferenz der UN zum Thema Informations- und Kommunikationstechnologie in der Bildung. Dieses Jahr gab es über 20 Vorträge, die Wikipedia namentlich erwähnt haben, aber Wikimedia hat bisher keine eigene Präsenz auf der Konferenz. Ich denke, Menschen sehen ganz klar den Mehrwert von Wikipedia, aber wissen oft nicht genau, wie sie mit der Plattform interagieren können oder sollen. Ich hoffe also, dass wir es schaffen, noch bessere Einstiegsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, damit Menschen und Organisationen Wikipedia nicht nur lesen, sondern auch aktiv etwas beitragen. Das könnten besser strukturierte Hilfeseiten sein, und Kontaktmöglichkeiten, wen spreche ich für ein bestimmtes Thema an, und so weiter. Momentan ist das häufig alles noch sehr versteckt und nicht so einfach zu finden. Man muss ja quasi hellseherische Fähigkeiten haben, um genau die richtigen Informationen dazu in Wikipedia zu finden.

Und, wie schon gesagt wäre es sehr hilfreich das Bild der Menschen von dem, was Wikimedia macht, zu verändern, indem wir einen Plan erstellen, wie Wikipedia einen Beitrag zur Nachhaltigen Entwicklungsarbeit leisten kann. Ich denke, eine formelle Partnerschaft mit einer der UN-Organisationen wäre dafür der erste Schritt in die richtige Richtung.

Jason Krüger for Wikimedia Deutschland e.V., Wikimedia Conference 2018, Group photo (2), CC BY-SA 4.0

Weitere Beiträge aus der Reihe:

by Denis Schroeder at May 19, 2018 08:00 AM

May 17, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 20/2018


In der Wikimedia:Woche 20/2018 geht es unter anderem um drei neu anerkannte Wikimedia-Benutzergruppen und Neuigkeiten zur Wikimania. Außerdem sind darin der Jahresbericht 2017 von Wikimedia Deutschland und der aktuelle GLAM-Bericht zu finden.

Zur Wikimedia:Woche 20/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at May 17, 2018 01:47 PM

Wiki loves Jules Verne

Dieser Gastbeitrag stammt von Wikipedianerin Annett Czaja, Science-Fiction Fan.

Conrad Nutschan, Villa Gerloff with part of the eastern garden 2018, CC0 1.0

Der Benutzer Brunswyk organisierte die gelungene Veranstaltung in der schönen Gerloff’schen Villa der Braunschweigischen Stiftungen. Mit Unterstützung von Wikimedia Deutschland, der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und dem Jules-Verne-Club Bremerhaven konnten vielseitige Vorträge von Experten in Braunschweig zusammenkommen und zu interessanten Diskussionen anregen.

Zum Auftakt am Freitag schauten die Teilnehmer den Film Le Voyage dans la Lune. Anschließend hielten Georg Ruppelt von der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek und der Vorsitzende des Jules-Verne-Club Bernhard Krauth ihre Vorträge über die Leibniz’sche Rechenmaschine und Jules Vernes Stellung in der Literaturgeschichte.

Der zweite Tag war gefüllt mit Vorträgen, wie man dem Programm entnehmen kann. Angeregte Diskussionen, gutes wLAN und jede Menge Kaffee und bekömmliche Snacks hielten die Teilnehmer bei guter Laune und regten zur Artikelarbeit und neuen Einsichten an.

Thomas LeBlanc machte uns mit der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar bekannt und klärte uns über die verschiedenen Kategorien von Sammelleidenschaft auf, was sicher den einen oder anderen Teilnehmer zur Nabelschau veranlasste.

Wir lernten dank Volker Dehs kennen, wie die Umstände der Zeit der Industrialisierung in der Jule Verne lebte, seine Geschichten beeinflusste, ebenso wie seine Vorbilder E. A. Poe und E. T. A. Hoffmann, und wie sich seine Literatur im Laufe seines Lebens entwickelte. Immer blieb Jules Verne am Möglichen und Denkbaren und beeinflusste und gestaltete damit die Zukunft, in der wir heute leben, wie uns Andreas Fehrmann anhand der Nautilus und Prof. Dr. Gerd Küveler anhand realistischer naturwissenschaftlicher Betrachtungen vor Augen führte.

Klaudia Seibel von der Phantastischen Bibliothek erklärte uns am dritten Symposiumstag, wie die Science-Fiction-Literatur auch aktuell von Firmen für Zukunftsvisionen genutzt wird. Auch Karl May und Friedrich Gerstaecker fanden ihren Platz in all den fantastischen Realitäten.

Abgerundet wurde das Programm durch gemeinsame Abendessen und Führungen durch Haus und Garten der Braunschweigischen Stiftungen und das historische Magniviertel.

Conrad Nutschan, Sightseeing WikiLovesJulesVerne group in Braunschweig, CC0 1.0

“Alles, was ein Mensch sich heute vorstellen kann, werden andere Menschen einst verwirklichen.” 

– Jules Verne

 

Wenn Jules Verne recht hat, dann denken wir uns doch einfach unsere Zukunft so aus, wie wir sie gerne hätten!

 

 

by Denis Schroeder at May 17, 2018 09:52 AM

May 16, 2018

Iberty

Resist to Exist - The Kids are alright


Nach Wacken geht’s zum Kacken.
Der Antifaschist fährt zum Resist.
Auch wenn es pisst. (Henne, Sänger von Rawside)

Junge Männer klettern auf den Bühnenzaun, schwenken die Fahne der Antifaschistischen Aktion. Die Ordnerin mit Union-Berlin-Käppi rennt herbei, versucht sie wieder herunter zu bewegen. Die dünne junge Frau mit der Rockabilly-Frisur, den Docs und dem „No Pasaran“-Tattoo bindet sich derweil die Haare, während zwei andere junge Frauen mit blonden bzw. blauen Haaren dem Typ mit dem halbnackten Oberkörper Schlamm ins Gesicht schmieren. Auf der Bühne rührt ein Russe mit Eishockeytorwartmaske, weißen Markenturnschuhen (wie hat er die in diesem Schlamm so weiß gehalten) irgendwas über Widerstand.

Nebenan, im Kuhstall, die Punks in den Polizeiuniformen, lassen es sich im Backstagebereich gutgehen.  Verkaufsstände verkaufen „NZS BXN!“-T-Shirts, der Drugstore von der Potse in Berlin Schöneberg verkauft Solischnapps und die tschechische Antifa hat einen eigenen Merchandise-Stand.
Willkommen im Dorfe in Brandenburg.




Resist to Exist, existiert seit 2003. 2.500 Punks und Freunde aus Deutschland und Europa hören Punk, Hardcore, Streetcore, HC-Rap und Ska. Ursprünglich aus Berlin-Marzahn,  findet das Festival mittlerweile in Kremmen statt: 3000 Einwohner, zwischen Berlin und Neuruppin, umgeben von Rhinluch mit Kremmener See, Schloss Schwante, Schloss Grossziethen, viel Lehm, viel Sand ein wenig Wald, ein Spargelhof und ein Selbstpflücker-Gemüsefeld.


Leicht touristisch erschlossen, aber dann auch ein Brandenburger Kleinstädtchen mit einer Kirche, einer Stadtbibliothek die Dienstags und Donnerstags einige Stunden geöffnet hat. Das größte Ereignis im Kremmener Jahr ist das Erntefest mit Traktorparade. Und hier: Punks. Mehrere tausend, so viele wie ich sie zuletzt bei den Chaostagen 1994 sah. Antifas in Mengen, die mich an Großdemos in der sächsischen Provinz um die Jahrtausendwende erinnern. Und in der Nähe liegt unser Kleinsttierzoo/Garten.




2016 im August


Es war letztes Jahr im August. Friedlich im Garten Buttermilch-Margaritas trinkend hörten wir trommeln und röhren. So vage von gegenüber? War die Tochter der Nachbarin mal wieder da und hörte jetzt bei voller Lautstärke im Zimmer Tote Hosen? Nachdem es nach drei Stunden nicht besser geworden war, begannen wir uns Sorgen zu machen – nicht dass die Tochter mittlerweile taub geworden war. Wir wandelten die Straße entlang, auf der Suche nach der Geräuschquelle. Am Ende der Straße. Alles unverändert. Okay, die Geräuschquelle ist von wesentlich weiter weg,  dann aber wohl sehr laut.
.


Deutschpunk? Nazirock? Die Musikrichtung ist, wenn man nur die Drums hört und ein unspezifisches Gebrüll des Sängers, nicht immer leicht zu unterscheiden. Und in Brandenburg auf dem Dorfe? Die Musik kommt vage aus Richtung Kremmen. Ein Ort, der sich musikalisch bisher dadurch hervortat, dass in der "Musikantenscheune" der Brandenburger Landesparteitag der AfD stattfand. Lässt sich was zum Konzert googeln?



Madame fand etwas in Kremmen: Resist to Exist, die Bands kannte sie alle nicht, uneindeutig. Ich schaute. Okay, Sham69, Total Chaos. Das ist kein Nazirock. Aber Oi? So in der Brandenburger Provinz geht vieles. Zweiter Blick: Rasta Knast, Fuckin‘ Faces, Distemper,  ganz sicher kein Nazirock. Eher im Gegenteil. Klingt spannend. Aber ein paar der Bands waren ja schon alt als ich noch jung war. Eine Traditionsveranstaltung? Egal, es gilt Lehmberge zu versetzen, keine Zeit für.Festivals, die eh schon halb vorbei sind. .

2017 


Es ließ mich nicht das ganze Jahr über nicht los. Die Bands klangen spannend. Der Lehmberg ist mittlerweile versetzt. Das Lineup 2017 ist meins. Ach, Rawside, war auch meine Jugend und ist mittlerweile ein Kandidat für Nostalgietreffen; aber die waren hammergeil. Und viele Bands kenne ich nicht. Vielleicht sind die U40. Klingt so. Das sieht groß aus, das sieht cool aus. Ich will da hin. Aber nur als Besucher? Langweilig. Wenn, dann richtig. Eintritte für Konzerte habe ich schon 1998 nicht mehr bezahlt. Gut, dass es diese Internetenzyklopädie gibt.


Der Wikipedia-Festivalsommer


Der Festivalsommer der Wikipedia existiert seit 2013: Wikipedianerinnen und Wikipedianer gehen auf Festivals, die Wikipedia-Spendengelder sorgen dafür, dass es auch professionelles Fotoequipment gibt. Danach laden die Beteiligten Fotos von Festivals und Bands unter Freier Lizenz auf Wikipedia. Mittlerweile entstand eine hohe fünfstellige Zahl an Fotos von über 1.200 Bandauftritten und knapp 100 Artikel über Festivals und Bands. Alles ehrenamtlich, alles DIY, in der Form sehr anders als das Resist im Spirit aber noch so weit voneinander entfernt. Da nehme ich Teil, schieße Fotos, schreibe einige Artikel (das Festival hat noch keinen, diverse relevante Bands auch noch nicht) und laufe durch den Matsch.



Das Resist


Das Resist entstand in Marzahn. Marzahn in den 1990ern war kein angenehmer Ort, wenn man links war. Nazis rannten dort einige herum und die waren wenig zimperlich in ihren Methoden. Punks und Linke - die es in Marzahn immer gab und gibt - trafen sich im geschützten Biesdorfer Park. Bis das Ordnungsamt das nicht mehr wollte und mit massiven Polizeieinsätzen begann zu räumen. Es gründete sich "Resist to Exist" und ein Soli-Festival. In Marzahn ist das Festival nicht mehr, dafür ist es schöner und größer als zuvor.



Die Resistenten mussten mehrfach den Veranstaltungsort wechseln und sind seit 2016 in Kremmen gelandet. Was spontan und ungeplant begann, ist mittlerweile ein eigener Verein, eine Vorbereitung, die fast das ganze Jahre über läuft und trotzdem die Verrückten immer noch alles ehrenamtlich machen, mittlerweile reichlich professionell.



Mehrere tausend Besucher im Jahr, das „größte Festival für DIY-Punk und artverwandtes.“ Autokennzeichen sah ich aus ganz, der Schweiz (u.a. am stylischen schwarzen Anarcho-Wohnmobil), Österreich, Italien, Polen, Tschechien, Berlin, Hamburg, Sachsen und natürlich ganz Deutschland. Das Festival ist bis heute ehrenamtlich organisiert, von einem Verein getragen, und wird größer und größer und professioneller. Anscheinend, für mich – hoffentlich! – bleibt es in Kremmen.


Das Resist 2017


2017. Das Jahr des großen Regens. Dauerregen, Starkregen, Dauerstarkregen. Ich genoss den Luxus des nahegelegenen Bungalows, kam erst nach dem Regen aber zum großen Schlamm. Hinter dem Kremmener Bahnhof gleich rechts, die Feldstraße entlang. Die ersten Punks sind auf dem Weg, meist schlammverspritzt, oft Barfuss. Drei freundliche Jungs im Campingstuhl winken mich irgendwo auf die Wiese zum Parken, neben mir ein Bully mit kleinem Vorzelt. Ein längerer Fußweg. Vorbei an vielen Zelten und Strohballen. Durch die „Winterfütterungsanlage für Mutterkühe“ hindurch, die auch als Backstage dient.



Dann das Festival. Menschen! In Massen! Unbeeindruckt vom Schlamm, sich damit bewerfend, auf Hügel ausweichend. Haarfarben in allen Farbtönen. Die AFD und NZS sind hier nicht beliebt! Bier natürlich. Antifa-Merchandise. Auf der Bühne eine Band in Polizeiuniformen, die über Punks lästert. Das Publikum hat Spaß. Das Publikum: Mein Gott, sind die alle jung. Sehr weiblich auch noch. Nichts mit Traditionsveranstaltung. Nichts mit Alte-Männer-fahren-zum-Camping wie in Wacken. Die Szene lebt. Ist politisch. Die Bands sind politisch. Fast fühle ich mich als ältester Anwesender.  Zum Glück gibt es noch eine handvoll Festivalbesucher, die ihre Originalkuttern von 1977 spazierenführen. Aber nicht viele. Jugend. Mit Energie. Sehr wenig Handies, fast niemand, der auf sein Handy schaut, sehr wenige Leute am Fotografieren, sehr viele Leute am Spaß haben.



Auch der Pressegraben bleibt leer. Wir sind eine handvoll Leute, die versuchen die schlimmsten Pfützen zum umgehen und nicht all zu sehr mit Schlamm beworfen zu werden. Auf der Bühne Siberian Meat Grinder. Sieht geil aus. Aber ich verstehe kein Wort – habe später zu Hause noch mal Videos geschaut, verstehe immer noch kein Wort –aber sie geben coole Interviews. Und ich mag die Musik.

The Kids are alright

Nix mit Traditionsveranstaltung. Junge, politische Menschen mit DIY-Ethos, Hammerbands, viel Spaß, wenig Handies, friedlich und doch entschlossen. Ihr seid super.

Weiteres

Für mehr Hintergrundinformationen gibt es hier und hier Interviews mit den Machern des RTEs. Hier bei Uglypunk.  Der Wikipedia-Artikel ist noch in Arbeit.

Das Festival selbst hat ein umfängliches Archiv über all’die letzten Jahre

Schöne kommentierte Fotostrecke bei Bierschinken.net: Resist to Exist Tag 2

Geradezu niedlich war es wie die Lokalzeitungen über das Treffen der Punker berichteten. Durchaus sympathisch und sympathisierend, aber der kulturele Abgrund den es zu überbrücken galt, war groß. Kein Wunder, dass sich die Zeitungen ganz besonders über das Festivalbaby Silas freuten, das auf dem Festival geboren wurde. "Festival-Baby Silas ist wohlauf."

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No Way Back

Und zum Schluss:


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by dirk franke (noreply@blogger.com) at May 16, 2018 03:15 PM

May 12, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Freies Wissen weltweit: Die Gesichter hinter Wikimedia – Teil 2

„Stell dir eine Welt vor, in der das gesamte Wissen der Menschheit für alle frei zugänglich ist. Das ist es, was wir machen.“ So beschrieb Wikipedia-Gründer Jimmy Wales einmal den Grundgedanken hinter Wikipedia. Seitdem ist das Wikimedia-Universum für Freies Wissen nicht nur um einige Projekte – wie Wikimedia Commons, Wikidata und Wikivoyage –angewachsen, sondern auch um zahlreiche Ehrenamtliche und Hauptamtliche aus aller Welt, die tagtäglich dafür arbeiten, noch mehr Wissen für uns alle zur Verfügung zu stellen.

Wikimedia ist aber mehr als nur eine Gruppe von Websites mit frei verfügbaren Informationen. 17 Jahre lang haben Wikimedia-Aktive zusammengearbeitet, um die größte kostenlose Wissenssammlung der Menschheitsgeschichte zu erschaffen. Während dieser Zeit sind wir, ausgehend von einer kleinen Gruppe von Editoren und Editorinnen, zu einem vielfältigen Netzwerk mit rund 40 Wikimedia-Länderorganisationen und über 80 Wikimedia-Benutzergruppen von Autoren und Autorinnen, Entwickelnden, Lesenden, Spendern und Spenderinnen sowie Partnern und Partnerinnen gewachsen. Auch weltweit wollen wir in den nächsten 15 Jahren noch vieles zusammen erreichen und erarbeiten derzeit unter dem Titel „Wikimedia 2030“ eine Zukunftsstrategie für die internationale Wikimedia-Bewegung.

Drei Tage lang haben wir auf der Wikimedia Conference 2018 in Berlin auch deshalb Ideen geteilt, von Herausforderungen berichtet und über unsere Zukunft diskutiert. Für unser Blog haben wir dabei mit Vertreterinnen und Vertretern von Wikimedia-Organisationen aus aller Welt über ihre Leidenschaft für Freies Wissen gesprochen. Was bewegt sie in ihrer täglichen Arbeit? Welchen Herausforderungen müssen wir uns stellen? Und wohin wollen wir als Bewegung? In dieser Blog-Reihe stellen wir einige von ihnen vor.


Anna Mazgal, Wikimedia Deutschland

Anna ist Projektmanagerin EU-Politik und setzt sich in Brüssel für bessere rechtliche Rahmenbedingungen für Freies Wissen ein. Zuvor war sie Head of Policy beim Centrum Cyfrowe, einem polnischen Think-and-Do-Tank zu digitalen Rechten in Kultur und Bildung. Sie ist Präsidentin der COMMUNIA Association, einer internationalen Gruppe von Aktivisten, die sich für den Schutz der Gemeinfreiheit im Netz und der Rechte von Nutzenden einsetzen.

Wie bist du zu Wikimedia und Freiem Wissen gekommen?

Ich habe mich schon eine ganze Weile vorher mit politischer Arbeit im Bereich des Urheberrechts beschäftigt und kannte die Wikimedia-Bewegung. Vor sechs Monaten habe ich dann bei Wikimedia Deutschland angefangen und setze mich nun in Brüssel für unsere Ziele ein, spreche dabei aber für alle europäischen Wikimedia-Organisationen und Communitys, denn die Herausforderungen und Themen in Brüssel betreffen uns alle.

Anna Mazgal, CC by-SA 4.0

Wie hängen Urheberrecht und Freies Wissen zusammen?

Jedes Werk aus menschlicher Hand, jedes Schaffen, dass nicht bloß Idee oder Fakt ist, unterliegt dem Urheberrecht. Es kann nur dann davon entlassen werden, wenn es entweder bereits Teil des Allgemeinguts ist, also keiner einzelnen Person gehört, weil es alt genug ist oder speziell dafür geschaffen wurde, oder indem offene und freie Lizenzen genutzt werden. In diesem Fall erklärt sich der Rechteinhaber bereit, sein Werk unter bestimmten Bedingungen allen zur Verfügung zu stellen. Da all unsere Projekte auf dieser Freiheit der oder des Schaffenden basieren, das Werk zu teilen, ohne viel dafür im Gegenzug zu verlangen, müssen wir sicherstellen, dass diese Freiheit, Wissen zu teilen und andere darauf aufbauen zu lassen, erhalten bleibt. Deshalb ist es wichtig, immer wieder sicherzustellen, dass Änderungen in der Gesetzgebung diese Rechte nicht einschränken.

Mit welchen Herausforderungen hast du dabei zu kämpfen?

Sie sind im Moment zweifach: Eines ist, dass es rechtlich einen schrumpfenden Raum der Freiheit gibt, innerhalb dem Menschen online (inter-) agieren. Es ist ein bizarrer Gegensatz: Wir sind freier denn je, in der Hinsicht, dass wir auf so viele Informationen zugreifen können, gleichzeitig müssen wir aber zunehmend wieder aktiv dafür eintreten, dass der öffentliche Raum respektiert wird. Die Digitalisierung bereits allgemein zugänglicher Werke ist ja allein ein Mittel, sie den Menschen auf neue Weise zur Verfügung zu stellen. Häufig müssen wir den Allgemeingutsstatus stattdessen aber von Neuem diskutieren. Ein großes Problem für uns als Wikimedianer ist zum Beispiel die Panoramafreiheit, die Freiheit, öffentliche Räume zu dokumentieren und kreativ in Form von Bildern oder anderen Formen der Aufzeichnung zu transformieren. Wir müssen gerade aktiv dafür sorgen, dass wir dieses Recht nicht verlieren.

Eine weitere Herausforderung ergibt sich aus den Wikimedia-Projekten als Online-Plattformen. Wir sind Teil eines Ökosystems, das aktuell unter großem Druck steht, mehr Aufmerksamkeit darauf zu richten, welche Art von Inhalten geteilt wird. Wir haben eine aktive Community, die sehr aufmerksam und erfolgreich dafür sorgt, dass der Inhalt sachlich richtig ist und referenziert wird und nicht gegen das Urheberrecht verstößt. Filtertechnologien werden derzeit in der Politik als eine schnelle Lösung für größere Probleme im Internet gehandelt, aber innerhalb der Wikimedia-Projekte würden die Technologien, die zur Verfügung stehen, eine viel schlechtere Arbeit leisten, als es die Community bereits tut.

Welche Hoffnungen hast du für die Zukunft der Wikimedia-Bewegung?

Es gibt den Spruch: Eine gute Krise sollte man nicht vergeuden. Mehr Menschen denn je sind sensibilisiert für Fragen rund um Online-Plattformen, Datenschutz und den Austausch von Informationen. Wir sind kürzlich von YouTube als glaubwürdige Informationsquelle hervorgehoben worden, das als Unternehmen nun Nutzende auf Wikipedia verweist, wo zusätzliche Informationen und Kontext nötig sind. Immer mehr Menschen erkennen den Wert verifizierter Informationen, daher sollten wir diese Gelegenheit nutzen, um mit gutem Beispiel voran zu gehen und als Community über unsere Werte selbstbewusst zu sprechen. Die Verantwortlichkeit, die aus dem Druck der Wähler entsteht, ist für Politiker viel wichtiger als unsere Stimmen als Aktivisten in Brüssel. Wir haben jetzt die Wahl, wohin das geht. Wir können das Online-Ökosystem zu einem besseren Ort machen.


Claudia Garád, Wikimedia Österreich

Claudia ist seit 2012 Geschäftsführerin von Wikimedia Österreich.

Wie bist du zu Wikimedia und Freiem Wissen gekommen?

Ich war zuvor Head of Marketing am Fraunhofer IAO in Stuttgart. Auch dort waren Onlinekommunikation und Wege, Wissen zugänglich zu machen, mein Steckenpferd. Wir haben unser eigenes Wiki eingeführt, ich habe eine Social-Media-Strategie entwickelt; wir waren schon ein bisschen die Pioniere im Bereich der digitalen Wissenschaftskommunikation.

Jean-Frédéric, Claudia Garad – March 2015, CC BY 4.0

Irgendwann habe ich mich nach neuen Ufern umgeschaut und habe mich dann für die Stelle der Geschäftsführerin von Wikimedia Österreich beworben. Ich war damit auch die erste Mitarbeiterin von Wikimedia Österreich und habe den Verein mit aufgebaut. Mein erstes Bewerbungsgespräch war noch im Hinterzimmer einer Pizzeria, das zweite dann am Flughafen, weil es wirklich noch nichts gab. Wikimedia war zuvor rein von Ehrenamtlichen betrieben, deren Räumlichkeiten sowie Gaststätten um Wien und Graz waren damit auch das Büro. Von einem sicheren Job in den Aufbau einer NGO zu gehen, war ein Sprung ins kalte Wasser, aber das war eben auch das Spannende. Mittlerweile sind wir ein Büro mit vier Mitarbeitenden in Wien. Als Movement und auch als Organisation haben wir es weit gebracht in diesen fünfeinhalb Jahren.

Was sind die Herausforderungen und wichtigsten Projekte, an denen ihr arbeitet?

Intern ist eine der großen Herausforderung der Wandel, den wir ähnlich wie auch als gesamtes Movement gerade durchlaufen. In den letzten Jahren hat sich viel getan in Richtung Professionalisierung und in der Dynamik zwischen Ehren- und Hauptamtlichkeit und vieles davon bildet sich noch nicht in unseren Strukturen ab. Gleichzeitig müssen wir das in einem Kontext mit der weltweiten Strategie sehen, wo wir uns klarer werden müssen, was unsere Rolle ist, nicht nur in der österreichischen und deutschsprachigen Community, mit der wir eng verwurzelt sind, sondern auch als Organisation in diesem weiteren globalen Movement. Wie müssen wir uns da ausrichten und aufstellen, um in der Zukunft auch bestehen zu können? Das sind sicherlich die größten Herausforderungen.

Thematisch passiert gerade einiges: Angefangen von der Urheberrechtsreform auf EU-Ebene, wo der Ratsvorsitz im nächsten halben Jahr nach Österreich zufällt. Das rückt sehr nahe an unsere Handlungsspielräume heran, gerade auch in einer politischen Situation, die sich sehr gewandelt hat in den letzten eineinhalb Jahren. Dann die ganze Missinformations- bzw. Fake-News-Debatte, wo wir alle als globale Community, aber auch hier als einzelne Organisation ins Rampenlicht rücken. Ob wir nun wollen oder nicht, sind wir Teil der Debatte, wie man mit Fake News umgeht, weil wir eines der guten Beispiele sind. Was heißt das für uns im lokalen Kontext?

Welche Hoffnungen hast du für die Zukunft der Wikimedia-Bewegung?

Ich erhoffe mir generell etwas mehr Klarheit darüber, was unsere Grundwerte und -ideen sind, anhand derer wir unsere eigenen Strategien und unser eigenes Handeln ausrichten können. Da ist momentan sehr viel Interpretationsspielraum und je nachdem wen man fragt, ändert sich das. Ich hoffe auch, dass die Entscheidungsstrukturen innerhalb des Movements klarer werden, dass jedem wirklich klar ist, wer über was entscheidet und wo man sich einbringen kann, wenn man diesen Prozess mitgestalten möchte.

Thematisch sehe ich viel Potenzial in der Zusammenarbeit mit dem Bildungssektor und das hängt wieder zusammen mit der Fake-News-Debatte: Medienkompetenz zu vermitteln, bis hin zur Zusammenarbeit an inhaltlichen Themen. Dass das Wissen, das an verschiedenen Institutionen entsteht, frei sein muss, diesen Gedanken in die Institutionen zu tragen und vice versa, das ist sicher eine der großen Möglichkeiten, die in ganz unterschiedlichen Kontexten wichtig für uns sein werden.

Ansonsten geht es vor allem auch darum, mehr Diversität in unser Wissen zu bekommen. Jetzt haben wir die Chance uns so aufzustellen, dass dies möglich wird, sowohl vom Organisatorischen her als auch von der Art wie wir Diversität in Entscheidungsstrukturen abgebildet werden muss, damit Partizipation möglich ist.

 

Gespannt auf mehr? Nächste Woche folgt Teil 3.

Jason Krüger for Wikimedia Deutschland e.V., Wikimedia Conference 2018, Group photo (2), CC BY-SA 4.0

Weitere Beiträge aus der Reihe: https://blog.wikimedia.de/2018/05/05/freies_wissen_weltweit_teil_1/

by Lisa Dittmer and Denis Schroeder at May 12, 2018 09:00 AM

May 11, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 19/2018

In der Wikimedia:Woche 19/2018 geht es um neue Aktivitäten gegen die geplanten Upload-Filter, präsentiert werden die Gewinnerbilder des Fotowettbewerbs „Wiki Loves Africa“ und es gibt eine neue Version der Wikimedia-Commons-Mobile-App, mit der nahe gelegene Orte, die für Wikimedia Commons fotografiert werden könnten, leichter zu finden sind.

Zur Wikimedia:Woche 19/2018 geht es hier.

by Sandro Halank at May 11, 2018 08:30 AM

May 05, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Freies Wissen weltweit: Die Gesichter hinter Wikimedia – Teil 1

„Stell dir eine Welt vor, in der das gesamte Wissen der Menschheit für alle frei zugänglich ist. Das ist es, was wir machen.“ So beschrieb Wikipedia-Gründer Jimmy Wales einmal den Grundgedanken hinter Wikipedia. Seitdem ist das Wikimedia-Universum für Freies Wissen nicht nur um einige Projekte – wie Wikimedia Commons, Wikidata und Wikivoyage –angewachsen, sondern auch um zahlreiche Ehrenamtliche und Hauptamtliche aus aller Welt, die tagtäglich dafür arbeiten, noch mehr Wissen für uns alle zur Verfügung zu stellen.

Wikimedia ist aber mehr als nur eine Gruppe von Websites mit frei verfügbaren Informationen. 17 Jahre lang haben Wikimedia-Aktive zusammengearbeitet, um die größte kostenlose Wissenssammlung der Menschheitsgeschichte zu erschaffen. Während dieser Zeit sind wir, ausgehend von einer kleinen Gruppe von Editoren und Editorinnen, zu einem vielfältigen Netzwerk mit rund 40 Wikimedia-Länderorganisationen und über 80 Wikimedia-Benutzergruppen von Autoren und Autorinnen, Entwickelnden, Lesenden, Spendern und Spenderinnen sowie Partnern und Partnerinnen gewachsen. Auch weltweit wollen wir in den nächsten 15 Jahren noch vieles zusammen erreichen und erarbeiten derzeit unter dem Titel „Wikimedia 2030“ eine Zukunftsstrategie für die internationale Wikimedia-Bewegung.

Drei Tage lang haben wir auf der Wikimedia Conference 2018 in Berlin auch deshalb Ideen geteilt, von Herausforderungen berichtet und über unsere Zukunft diskutiert. Für unser Blog haben wir dabei mit Vertreterinnen und Vertretern von Wikimedia-Organisationen aus aller Welt über ihre Leidenschaft für Freies Wissen gesprochen. Was bewegt sie in ihrer täglichen Arbeit? Welchen Herausforderungen müssen wir uns stellen? Und wohin wollen wir als Bewegung? In dieser Blog-Reihe stellen wir einige von ihnen vor.


Mpho Sello, Wikimedia South Africa

Mpho Sello stammt aus Lesotho und engagiert sich seit 2016 für Freies Wissen. 

Mpho Sello bei der Wikimedia Conference 2018. Lisa Dittmer (WMDE) für Wikimedia Deutschland, CC by-SA 4.0

Wie bist du zu Wikimedia und Freiem Wissen gekommen?

Ich bin seit etwa 2004 Wikipedia-Nutzerin. 2016 stieß ich auf Informationen über die Wikimania-Konferenz, die in Esino Lario in Italien stattfinden sollte. Ich beschloss teilzunehmen, um mehr über Wikipedia zu erfahren und herauszufinden, wie ich mich engagieren könnte. Als ich ein Jahr später nach Kapstadt zog, nahm ich Kontakt mit Wikimedia South Africa auf und schloss mich der Organisation an. Als Südafrika dann den Zuschlag für die Ausrichtung der Wikimania-Konferenz 2018 erhielt, bot ich an, bei der Organisation zu helfen und wurde Teil des Organisationskomitees.

Auf der Wikimania 2016 erfuhr ich, dass es einen großen Bedarf für die Übersetzung von Artikeln in andere Sprachen gibt. Ich entschied, dass dies der beste Ort für mich wäre, um etwas beizutragen, da meine Sprache in Wikipedia keine große Präsenz hat. Ich komme ursprünglich aus Lesotho, wo wir Sesotho sprechen.

An welchen Projekten arbeitest du und mit welchen Herausforderungen hast du dabei zu kämpfen?

Die Sesotho-sprachige Wikipedia, für die ich mich einsetze, steht vor der Herausforderung, dass die Sprache sowohl in Südafrika als auch in Lesotho gesprochen wird, teils allerdings unterschiedlich geschrieben wird.  Deswegen sind viele Artikel ein Mix aus beiden Schreibweisen. Selbst der Artikel über Lesotho ist in beiden Schreibweisen verfasst. Dafür versuchen wir eine Balance zu finden. Wir brauchen also eine größere Standardisierung. Ich finde, zumindest dieser Artikel sollte in sich schlüssig und einheitlich sein.

Welche Hoffnungen hast du in Bezug auf die Zukunftsstrategie von Wikimedia und deine Arbeit?

Ich hoffe, dass die Strategische Ausrichtung in ihrem Ziel, Wissen zu sammeln, das die menschliche Vielfalt vollständig repräsentiert, erfolgreich sein wird.  Persönlich hoffe ich, dass noch viel mehr Artikel auf Sesotho entstehen werden und dass wir mehr Menschen zum Lesen und Bearbeiten in der Sprache bringen können.


Àlex Hinojo, Amical Wikimedia

Àlex Hinojo aus Barcelona ist geschäftsführender Vorstand der Thematischen Wikimedia Organisation Amical Wikimedia – was auf Katalanisch „Freunde von Wikimedia“ bedeutet.

Àlex Hinojo, gemeinfrei

Wie bist du zu Wikimedia gekommen und woran arbeitest du gerade?

2007 bin ich als Wikipedianer aktiv geworden, als ich auf der Suche nach Inhalten zu Videos und Kunstgeschichte war. Aber ich konnte nichts in meiner katalanischen Muttersprache finden, nichts zu Filmkunst, Kunstgeschichte und so weiter, besonders auf der katalanischen Wikipedia, weil es ein kleines Wiki ist. Also dachte ich mir „Nun, ich könnte es einfach selbst machen!“ – und fing an, mich zu beteiligen.

Ich habe Kulturwissenschaften und Museumsmanagement studiert und mich an der GLAM-Wiki-Bewegung beteiligt, als Wikipedian in Residence gearbeitet, dann als eine Art Programm-Manager im Kulturbereich, und jetzt bin ich Vorstand von Amical Wikimedia. Amical ist die einzige Thematische Organisation in der Wikimedia-Welt und widmet sich der katalanischen Kultur und Sprache.

An welchen Projekten und Herausforderungen arbeitest du gerade?

Besonders stolz sind wir auf Biblio-Wikis, ein Projekt, das wir mit dem Netz der öffentlichen Bibliotheken und Wikipedia durchgeführt haben. In der katalanischen Wikipedia-Community sind Frauen unterrepräsentiert, im Bibliotheksbereich sind hingegen 90% der Mitarbeitenden Frauen, die ja eh mit ihrer Arbeit  bereits Menschen den Zugang zu Wissen erleichtern. Da schien eine Zusammenarbeit die ideale Lösung.

Also verbrachten wir einige Zeit damit, Bibliothekarinnen und Bibliothekaren beizubringen, wie sie Wikipedia bearbeiten können, aber auch andere Dinge, die sie mit Wikis machen können. Und jetzt ist es im Grunde ein Bottom-up-Projekt, bei dem Mitarbeitende der Bibliotheken Kindern beibringen, wie Wikis funktionieren, Edit-a-thons organisieren und lokales Wissen einbringen. Sie machen das alles alleine. An diesem Punkt sind wir mittlerweile im Grunde genommen nur ein Backup-Service und wir sind wirklich sehr stolz darauf, weil sogar die International Federation of Library Associations (IFLA) das Projekt in ihrem Whitepaper zum Umgang mit Wikis und öffentlichen Bibliotheken zitiert hat.

Eine Herausforderung, die wir haben, ist, dass in Katalanisch-sprechenden Gebieten alle zweisprachig sind. Statistisch sind in Spanien nur 3% der Seitenaufrufe auf Katalanisch, obwohl es gemessen an der Bevölkerung 20 – 25% sein sollten. Smartphones und andere Geräte sind standardmäßig auf Spanisch eingestellt, wenn die Leute also Sachen googlen, gehen sie automatisch zur spanischen Wikipedia. Das ist natürlich großartig, schließlich bedeutet das Zugang zu Freiem Wissen, aber du musst zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um Freies Wissen auf Katalanisch zu finden. Aber von anderen Communities weiß ich, dass einige von ihnen nicht einmal die Möglichkeit haben, die Einstellungen auf ihren Geräten zu ändern: Die Kornische Community kann ihre Handys zum Beispiel nicht einfach auf Kornisch umstellen. Das gilt für viele andere kleine Wikis… Da gibt es auf jeden Fall Verbesserungspotential.

Welche Hoffnungen hast du für die Zukunft der Wikimedia-Bewegung?

Zuerst eine Angst und dann meine Hoffnung: Ich fürchte, dass wir zu unternehmensähnlich werden könnten. Ich möchte, dass die Wikimedia-Bewegung aus der realen Welt von der Wikimedia-Bewegung online lernt, wie man Dinge offen gestaltet. Und ich denke  – und das ist eine persönliche Meinung – wir versuchen zu sehr privatwirtschaftliche und auch freundlichere NGO-Modelle zu kopieren. Ich komme aus dem Unternehmenssektor, und wenn ich das sehe, denke ich „Nein, wir sollten aus dem, was online funktioniert, lernen, nicht von dem, was andere Organisationen tun.“

Auf der anderen Seite schließen sich viele neue Communitys an. Das könnte alles inklusiver machen und Inhalte schaffen, die viel vielfältiger sind. Ich denke, wir sind durch damit, der Macht der Wikis zu misstrauen. Wir müssen diese Errungenschaft aktiver nutzen, um alle einzubringen.


Sandra Fauconnier, GLAM-Wiki Strategin, Wikimedia Foundation

Sandra Fauconnier stammt aus Belgien, aber lebt und arbeitet in den Niederlanden. Sie ist GLAM-Wiki-Strategin im Team für Community-Programme bei der Wikimedia Foundation. 

Rama, Sandra Fauconnier-IMG 1256, CC BY-SA 3.0 FR

Wie bist du zu Wikimedia und Freiem Wissen gekommen und woran arbeitest du gerade?

Ich bin 2003 auf Wikimedia gestoßen, als ich meine erste Bearbeitung in der Englischen Wikipedia gemacht habe. Ich war von Anfang an fasziniert von der Wikimedia-Bewegung, war aber nicht durchgängig als Editorin aktiv. Aber etwa 2011/2012, nach einigen Jahren der Inaktivität, fing ich an, mich sehr für meine lokale Wikimedia-Länderorganisation zu engagieren: Wikimedia Nederland. Ich bin Kunsthistorikerin und arbeite seit über 20 Jahren im GLAM-Sektor, und so kamen die Dinge ins Rollen. Ich habe schon sehr viele unterschiedliche Sachen gemacht: Ich war in GLAM-Wiki-Projekten aktiv, war zweimal Wikipedian in Residence, habe angefangen, Wikidata zu editieren – was mittlerweile mein Hauptprojekt als Ehrenamtliche geworden ist – und war ein Jahr lang Mitglied des Boards für GLAM bei Wikimedia Nederland.

Im Moment arbeite ich für das GLAM-Team der Wikimedia Foundation, also an Kooperationen mit Kulturinstitutionen wie Galerien, Bibliotheken, Archiven und Museen. Genauer gesagt arbeite ich an strukturierten Daten für das freie Medienarchiv Wikimedia Commons. Das ist ein Projekt, das viele Funktionalitäten von Wikidata für Commons nutzbar machen wird, sodass Commons sprachunabhängig und maschinenlesbar wird. Meine Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass GLAM-Institutionen aus aller Welt diese Technologie auch annehmen und nutzen können und, dass Commons noch besser darin wird, die Arbeit im GLAM-Bereich zu unterstützen.

Was sind einige der Herausforderungen bei deiner Arbeit?

Aktuell bin ich auf der Suche nach spannenden und interessanten Projekten und Kollaborationen mit anderen Institutionen, die die Potentiale von strukturierten Daten in Commons gut und sinnvoll nutzen können. Ich denke, eine der Herausforderungen ist, dass strukturierte Daten allgemein und Wikidata im Speziellen in manchen Teilen des Wikimedia-Movements noch mit etwas Misstrauen beäugt werden und noch nicht alle das volle Potential und den Wert darin erkennen.

Hier auf der Wikimedia Conference wird schnell deutlich, dass die meisten erkennen, wie zentral und wichtig strukturierte Daten und Wikidata für unseren Auftrag als Bewegung für Freies Wissen sind. Aber es gibt natürlich auch einige Menschen in unseren Communitys und in Wikimedia Commons, die einigen Aspekten, die wir noch verbessern müssen, zu Recht noch immer kritisch gegenüberstehen, zum Beispiel Quellenbeschaffung und Datenqualität. Das sehe ich also als Herausforderung, aber es ist ja auch Teil meines Jobs, Menschen dabei zu unterstützen, Projekte zu realisieren, die genau das verbessern sollen. Die Integration von strukturierten Daten in unsere zukünftigen Aktivitäten und in unsere Communitys kann man also nicht nur als Herausforderung betrachten, sondern auch als super spannendes Arbeitsfeld: Wir können nämlich dazu beitragen, dass Kulturinstitutionen viel einfacher qualitativ hochwertige und unterrepräsentierte Informationen zu unseren Projekten beitragen können.

Welche Hoffnungen hast du für die Zukunft von Freiem Wissen, besonders auch in Hinblick auf die Strategische Ausrichtung, die von der internationalen Wikimedia-Bewegung angestoßen wurde ?

Ich bin sehr glücklich mit der strategischen Ausrichtung, die wir erarbeitet haben, denn ich habe immer davon geträumt, dass Wikimedia mehr zu einer Infrastruktur wird und weniger eine Gruppe einzelner Wissens-Websites. Ich hoffe wirklich, dass wir gemeinsam mehr zu einer Bewegung heranwachsen – und wir uns selbst nicht mehr nur als Wikipedianer oder Wikipedianerin in einem einzelnen Wiki betrachten, sondern uns als Teil eines größeren Ziels verstehen.

Und meine Hoffnung ist, dass wir mit Partnern aus aller Welt zusammenarbeiten – inklusive Organisationen, die vielleicht nicht in erster Linie Wikimedia-Vereinigungen sind, sondern Organisationen, die Wissen schaffen, verbreiten und nachnutzen – damit wir gemeinsam eine Wissens-Infrastruktur entwickeln können, auf die die Welt für künftige Generationen aufbauen kann. Denn das, woran wir hier arbeiten, ist letztendlich nichts anderes als eine Infrastruktur für Freies Wissen für die Welt und für die Zukunft. Ich hoffe, dass mehr Menschen diesen Blick aufs große Ganze einnehmen. Und ich hoffe, dass noch mehr Menschen sich uns anschließen und sich der Idee von Freiem Wissen verbunden fühlen – nicht, weil es um Wikimedia geht, sondern darum, zukünftigen Generationen den Zugang zu Freiem Wissen zu gewährleisten.

 

Gespannt auf mehr? Nächste Woche folgt Teil 2!

Jason Krüger for Wikimedia Deutschland e.V., Wikimedia Conference 2018, Group photo (2), CC BY-SA 4.0

by Lisa Dittmer and Denis Schroeder at May 05, 2018 10:00 AM

May 04, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Open Science als Ansatz in den Geisteswissenschaften: Über Peter Handke, meine Eltern und alle anderen


Das Fellow-Programm Freies Wissen geht in die dritte Runde! Noch bis zum 15. Mai können sich interessierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus allen Fachrichtungen bewerben. Zur aktuellen Ausschreibung geht es hier entlang.


Das Fellow-Programm Freies Wissen ist eine Initiative von Wikimedia Deutschland, dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne Offener Wissenschaft zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. Denn: Wir glauben an das Potential offener und kollaborativer Forschung. In unserem Blog stellen die Fellows einige ihrer Projekte vor und berichten über ihre Erfahrungen im Umgang mit offener Wissenschaft in der Praxis. Hier berichtet Stipendiatin Vanessa Hanneschläger über ihr Projekt „Dramatische Sprachen: Fremdsprachen in den Bühnentexten von Peter Handke.“

Ich bin digitale Geisteswissenschaftlerin und arbeite am Austrian Centre for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Was ich da mache, das ist (den Gesprächen mit meinen Eltern nach zu urteilen) fast noch schwieriger zu erklären, als zu beschreiben, was man in meinem eigentlichen Fach tut: Denn der Ausbildung nach bin ich Germanistin, und als solche beschäftige ich mich mit dem Bücher-Lesen und dem schlaue-Dinge-über-Bücher-Denken (und dann -Sagen, und dann -Aufschreiben). Die digitale Geisteswissenschaft vom Bücherlesen, so versuche ich es dann zu erklären, heißt, in den schönen Büchern und Texten Strukturen und Muster zu erkennen, also irgendwelche Arten von Einheiten, die in Beziehung miteinander stehen. Die kennzeichne ich dann so, dass sie auch ein Computerprogramm so erkennen kann, wie ich das tue. Und dann lasse ich mir vom Computerprogramm erzählen, was es daraus schließt. Und dann denke ich darüber schlaue Dinge (und sage sie, und schreibe sie auf). So weit, so einfach (?). „Aber hat das jetzt unbedingt schon was mit offener Wissenschaft zu tun?“, fragt man sich jetzt vielleicht, und was heißt für so eine Art von Arbeit „offene Wissenschaft“ überhaupt? Um das zu erklären, muss ich noch einmal woanders zu erzählen beginnen.

Wer ist eigentlich Peter Handke?

Peter Handke ist ein österreichischer Autor, 1942 geboren, der seit mittlerweile gut 50 Jahren schreibt, und der für seine Texte immer wieder enorme öffentliche Aufmerksamkeit bekommen hat. Das hat angefangen mit seinem ersten Bühnenstück Publikumsbeschimpfung, 1966 erschienen, und hat sich in den 1990er Jahren fortgesetzt, als er während der jugoslawischen Zerfallskriege sehr deutlich für Serbien Position bezogen hat. Serbien, dieses Land liebt Handke, und ebenso liebt er Serbisch (oder Serbokroatisch, oder „B/K/S“ – Bosnisch/Kroatisch/Serbisch; nur die Benennung dieser Sprache ist schon ein Politikum). Viel besser als Serbisch kann er aber eine andere ex-jugoslawische Sprache, Slowenisch nämlich, und noch viel besser kann er Französisch, Latein und Altgriechisch. Englisch beherrscht er ebenfalls, wenn auch nicht ganz so gut wie die letztgenannten, und außerdem beschäftigt er sich mit Spanisch und Arabisch. Aus vier dieser Sprachen hat er sogar übersetzt, und obwohl er eigentlich ein deutschsprachiger Schriftsteller ist, hat er drei Texte auf Französisch geschrieben. Handke kann sich also fast durch ganz Europa schreiben und lesen – und darüber hinaus. Diese Vielsprachigkeit ist nicht nur menschlich bewundernswert, sondern bei Handke deshalb so interessant, weil er all die Sprachen, die ich hier erwähnt habe (und noch ein paar mehr) auch in seine Literatur einfließen lässt. Wie genau er das tut, und was er damit bezweckt, interessiert mich so sehr, dass ich beschlossen habe, meine Doktorarbeit über Polyglossie in Peter Handkes Bühnentexten zu schreiben. Warum in den Bühnentexten? Weil die Sprachen dort besonders stark und häufig eingesetzt werden – und weil die einzigen drei Texte, die er auf Französisch geschrieben hat, Bühnentexte sind. Und schließlich deshalb, weil alle Texte – bis heute hat Handke über 120 Bücher veröffentlicht – einfach zu viel gewesen wären (immerhin erwarten meine Eltern, die ich eingangs schon vorgestellt habe, dass meine Doktorarbeit irgendwann auch endlich einmal fertig wird).

Interesse an Offener Wissenschaft? Auch in diesem Jahr werden wieder bis zu 20 Stipendien an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben, die Offene Wissenschaft in der Praxis ausprobieren möchten. Bewerbungen können noch bis zum 15. Mai eingereicht werden. Mehr Informationen unter: wmde.org/fellowprogramm. Bild: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 010, CC BY-SA 4.0

Also die Sprachen als Phänomen in der Literatur von Peter Handke als Untersuchungsgegenstand. Wie untersucht man sowas? Erraten: Man beginnt mit Bücher-Lesen. 29 Stück sind es, also 18 „normale“ deutschsprachige Stücke, drei französische, dann die deutschen Selbst-Übersetzungen (fast könnte man sagen: Neudichtungen) dieser französischen Texte, und fünf Dramen anderer Autoren, die Handke übersetzt hat. Letztere habe ich deswegen aufgenommen, weil Handke findet, dass das Übersetzen sich als poetische Tätigkeit gar nicht wesentlich vom Selber-Schreiben unterscheidet; also sind seine Übersetzungen irgendwie auch „seine“ „eigenen“ Texte, und auch in seinen Übersetzungen ins Deutsche kommen andere Sprachen vor, vor allem natürlich oft die jeweilige Ausgangssprache. Alle diese Texte habe ich also gelesen und nach anderssprachigen Elementen durchsucht; und weil mein Computer mir dabei nur zugesehen hat, anstatt mitzulesen, habe ich dann alle Textstellen mit Sprachen drin abgeschrieben und meinem Computer gefüttert. Und der muss mir nun Antworten geben: Welche Sprachen sind es jetzt genau, die Handke verwendet? Und in welchen Stücken kommen welche Sprachen vor? Welche Sprachen sprechen die einzelnen Figuren in den Stücken, und sprechen sie so richtig in einer anderen Sprache, oder verwenden sie nur einzelne Wörter? Welche Sprachen kommen ganz oft vor, und welche nur selten? Welche Sprachen kommen gemeinsam vor, und welche nicht? Kommen in den Übersetzungen aus anderen Sprachen nur die Sprachen vor, aus denen die Texte kommen, oder auch andere? Kommen in den Texten, die der junge Handke geschrieben hat, andere Sprachen vor als im „Alterswerk“? Übersetzt Handke die anderen Sprachen auch für seine deutschsprachigen Leser und Leserinnen? Oder nur manche davon? Oder nur manchmal?

Damit mir aber mein Computer nun was verraten kann über die Dinge, die ich über die Sprachen bei Handke wissen will, reichen ihm die Textstellen alleine nicht aus. Deshalb haben mir zwei Kollegen eine Datenbank gebaut, die alle diese Dinge erfassen kann und in die ich nun meine schönen Textstellen alle eingegeben habe. Nun habe ich also schon einige Beteiligte in die ganze Angelegenheit hineingezogen: den Computer, meine Kollegen, die Datenbank und natürlich meine Eltern. Aber das macht immer noch keine offene Wissenschaft, obwohl meine stolzen Eltern, denen ich ja mittlerweile erklärt habe, was ich so mache, ihren Freunden und Freundinnen fleißig von mir und meiner Arbeit erzählen. Daher habe ich meine Datenbank einfach ins Internet gestellt: Sie heißt Handke: in Zungen (in Anspielung an das Pfingstwunder in der Apostelgeschichte, als der heilige Geist über die Apostel kam und sie plötzlich alle Sprachen verstehen und sprechen konnten), und dort kann man nun all die schönen Zitate mit den anderssprachigen Elementen in insgesamt 16 (!) Sprachen nachlesen.

Damit auch irgendjemand außer den Freunden und Freundinnen meiner Eltern mitbekommt, dass es diese wunderbare Textstellensammlung gibt und was man damit anstellen kann, hat die Datenbank einen Twitter-Account bekommen. Dort werden meine liebsten Zitate aus der Datenbank gepostet, außerdem Neuigkeiten, was sich sonst so tut (Vorträge, Veröffentlichungen, Geistesblitze). Toll daran ist nicht nur, dass Menschen mitbekommen können, was ich mit meiner Wissenschaft so anstelle, sondern auch, dass andere Forschende dort ihre Meinung und Vorschläge direkt hin richten können. Lustig war eine Diskussion mit einem meiner liebsten Literaturprofessoren, ob das von mir höchstpersönlich entworfene Logo des Projekts, Handkes Kopf mit Flammen-Mütze (wieder die Pfingstwunder-Anspielung, denn den Aposteln schossen auch Flammen aus den Köpfen) einem seriösen Forschungsprojekt wirklich angemessen sei (ich sage: ja, denn wieso sollte Forschung keinen Humor und Spaß an sich selbst haben).

Das Projektlogo, dass die hitzige Diskussion auslöste, Bild: Vanessa Hannescjläger, CC BY-SA 4.0

In letzter Zeit ist es etwas ruhiger geworden auf diesem Twitter-Account, denn so schön und inspirierend das offene Arbeiten ist, einen Nachteil hat es doch: Alles, was man nicht für sich behält, sondern mit anderen teilen möchte, kostet Zeit, denn es muss erstmal in eine lesbare, nachvollziehbare Form gebracht und dann kommuniziert werden. Wenn ich allein mit meinem Computer in meinem stillen Kämmerlein sitze, kann der Forschungsprozess so chaotisch bleiben, wie er in meinem Kopf meistens bis ziemlich zum Schluss ist – wenn ich meine Gedanken anderen öffnen möchte, muss ich sie erst einmal sortieren. Und im Moment herrscht im Kopf das wildeste Chaos, denn endlich habe ich begonnen, über meine schöne, mittlerweile vollständige Datenbank zu schreiben und all die Fragen zu beantworten, die ich oben gestellt habe.

Das stille Kämmerlein der Germanistin, Bild: Vanessa Hannesschläger, CC-BY 4.0

Bevor ich aufhöre, das hier zu schreiben, und mit dem Beschreiben und Sortieren des Chaos weitermache, noch ein kleiner Ausblick. Es mag sein, dass ich nach Abschluss der Doktorarbeit so sehr genug von Handke und seinen Sprachen und seinen Texten habe, dass ich nie wieder ein Buch von ihm lesen möchte. Wenn das passiert, dann kann die nächste Forscherin weitermachen: Die Datenbank, alle Daten sind online und verfügbar, mit einer freien Lizenz versehen und jederzeit für alle zu verwenden. Es könnte passieren, dass ich so unglaubliche Erkenntnisse aus meinem Chaos herausordne, dass ich nach Abschluss der Doktorarbeit sofort weitermachen möchte und alle, alle Textstellen aus allen, allen Texten Handkes sammeln möchte – kein Problem, denn die Datenbank kann das locker erfassen. Alleine werde ich das aber wegen der großen Textmenge vermutlich nicht schaffen, daher werden andere mithelfen müssen – kein Problem, denn auf der Webseite der Datenbank können alle, die möchten, einen Account anlegen und Zitate sammeln. Vielleicht wird mir Peter Handke irgendwann zu langweilig, und ich will mir lieber die Sprachen von anderen Dichtern und Dichterinnen ansehen, Thomas Mann (eher nicht) oder Ernst Jandl (der schon eher) oder Friederike Mayröcker (oooh, das wird’s wohl werden) zum Beispiel. Kein Problem, aller Code, der zum Aufsetzen der Datenbank nötig ist, ist frei auf GitHub verfügbar und alle, die möchten, können jederzeit noch so eine bauen und beginnen, die nächste Sprachenzitatsammlung anzulegen. Vielleicht habe ich aber auch morgen einen Herzinfarkt vor Freude, weil ich Peter Handke unverhofft auf der Straße begegne. Kein Problem: Weil eben alles offen, frei und online ist, können Sie, die Sie nun nach dem Lesen dieses Texts von meinem Projekt begeistert sind und die Ergebnisse erfahren möchten, meine Arbeit einfach fortsetzen. Tun Sie das gerne, nur bitte, tun Sie mir einen Gefallen: Erzählen Sie’s meinen Eltern.

Weiterfühende Links:


Zur Autorin: Vanessa Hannesschläger ist Dissertandin am Institut für Germanistik der Universität Wien und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Austrian Centre for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Sie hat an mehreren digitalen Projekten zu österreichischer Literatur nach 1945 gearbeitet (HandkeonlineErnst Jandl Online) und widmet sich auch an ihrem Institut der Weiterentwicklung digitaler Methoden für die Literaturwissenschaft. In ihrem Projekt erstellt und bearbeitet sie das Datencorpus, das sie in ihrer Dissertation auswerten wird und erforscht die Möglichkeiten und Grenzen von Open Science in der Geisteswissenschaft.


Weitere Gastbeiträge unserer Fellows im Wikimedia Deutschland Blog:


by Christopher Schwarzkopf at May 04, 2018 12:03 PM

May 03, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 18/2018


Einige neue Videos gibt es in der Wikimedia:Woche 18/2018: eines über die Relevanz Freien Wissens, eines über die Blockade von Wikipedia in der Türkei und ein weiteres über die Bedeutung Offener Wissenschaft. Außerdem geht es unter anderem um eine Banner-Aktion zu den Gefahren von Upload-Filtern und um neue Uploads der ETH-Bibliothek auf Wikimedia Commons.

Zur Wikimedia:Woche 18/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at May 03, 2018 12:54 PM

May 02, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Danke, aber das reicht nicht! #NoUploadFilter

Auf EU-Ebene wird derzeit an entscheidenden Grundregeln des Netzes herumgedoktert. Es steht die erste große Urheberrechtsreform in Europa seit der Jahrtausendwende an. Und obwohl es sinnvolle Alternativvorschläge gibt, befürwortet die neue Bundesregierung dabei weiterhin Upload-Filter – entgegen ihrem Koalitionsvertrag. Für einige Arten von Plattformen soll es Ausnahmen geben, so auch für die Wikipedia. Doch das Freie Wissen ist nicht auf Online-Enzyklopädien beschränkt. Darum die Klarstellung: Danke, aber eine Wikipedia-Ausnahme reicht nicht!

Wer unmittelbar etwas tun möchte, sollte sich die Hintergründe hier durchlesen und anschließend die verlinkten Tweets retweeten, diese Seite anderweitig über soziale Medien teilen und/oder das Politik-Team von Wikimedia Deutschland direkt kontaktieren. Wir bieten weitere Hintergrundinfos und Unterstützung etwa für Anrufe bei Ministerien oder Abgeordneten. Unser Hashtag zum Thema ist #NoUploadFilter.

Bei der vom Europäischen Parlament und vom Rat der EU verhandelten Urheberrechtsreform geht es unter anderem darum, wie weit die Durchsetzung des Urheberrechts im Netz gehen darf und wer dafür wann zuständig sein soll. Kern der Reform und des seit über 18 Monaten andauernden Streits um sie ist ihr Artikel 13 (der Wortlaut der Vorschläge ändert sich noch immer, hier die bislang letzte englische Fassung der bulgarischen EU-Ratspräsidentschaft). Er soll zukünftig regeln, wann Plattformen für Urheberrechtsverletzungen haften müssen, die nicht sie selbst, sondern ihre Nutzenden durch unzulässige Uploads verursacht haben.

Der Zankapfel mit der Unglückszahl

Artikel 13 sieht vor, dass Plattformen nur dann haftungsfrei ausgehen, wenn sie über technische Filter sicherstellen, dass ihre Nutzenden urheberrechtsverletzendes Material gar nicht erst hochladen können. Egal ob Text, Bild oder Videobeitrag, sämtliche Inhalte sollen bereits vor dem Hochladen (Upload) auf vermeintliche Urheberrechtsverletzungen geprüft und solche, die als potenziell rechtsverletzend maschinell erkannt werden, blockiert werden. Man nennt das auch „notice and staydown„.

Grafik by EDRi

Begründet wird die Filterungsidee von ihren Befürwortern damit, dass Plattformen sich bisher zu oft hinter der Verantwortung ihrer Nutzenden versteckten, zugleich aber durch die rechtswidrig hochgeladenen Bilder, Filme, Songs etc. Profite machten, die sie dann auch noch zu wenig mit Urheberinnen und Rechteinhabern teilten.

Kritisiert wird die Filterungsidee zugleich von vielen Seiten sehr scharf, weil sie zu einer gesetzlich verordneten Vorfilterung des Sharing, Posting und Kommentierens im gesamten Internet führen würde – zunächst nur zur Verhinderung von Urheberrechtsverletzungen, aber natürlich ausbaubar in alle erdenklichen Bereiche. Autoritäre Regime weltweit schauen bereits interessiert nach Europa, um sich da eventuell ein Vorbild zu nehmen.

Die Bundesregierung hat eine klare Anti-Filter-Mission … eigentlich

Deutschland hat beim Thema Urheberrechtsgesetzgebung traditionell großes Gewicht in Europa. Die neue Bundesregierung, die Deutschland im Rat der EU vertritt, hat bei der umstrittenen Reform laut Koalitionsvertrag den glasklaren Auftrag, Upload-Filter abzulehnen. Sie handelt aber bislang nicht nach diesem Auftrag, sondern versucht, den festgefahrenen brüsseler Gesetzgebungsprozess mittels Formelkompromissen zu retten.

Wir wenden uns deswegen noch einmal sehr besorgt an die Bundesregierung und fordern sie auch per Banner in der deutschsprachigen Wikipedia dazu auf, sich an ihre Zusage zu halten. Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD werden Upload-Filter – also eine für alle Online-Plattformen verpflichtende Vorfilterung von Nutzer-Uploads auf eventuelle Urheberrechtsverletzungen – ausdrücklich als unverhältnismäßiges Mittel abgelehnt.

Wörtlich heißt es in den Zeilen 2212 bis 2214 des Koalitionsvertrages:

Eine Verpflichtung von Plattformen zum Einsatz von Upload-Filtern, um von Nutzern
hochgeladene Inhalte nach urheberrechtsverletzenden Inhalten zu „filtern“, lehnen
wir als unverhältnismäßig ab.

Tatsächlich jedoch verfolgt die Bundesregierung im Rat der EU derzeit den Ansatz, Upload-Filterpflichten grundsätzlich doch zu befürwortet, zugleich aber zu versuchen, möglichst sinnvolle Ausnahmen durchzusetzen.

Danke, aber eine Sonderausnahme für Wikipedia ist nicht genug

Auch für die Wikipedia soll es eine Ausnahme von den Filterpflichten geben, oder allgemeiner gesprochen: Für nicht-kommerzielle Online-Enzyklopädien. Das ist erkennbar gut gemeint, aber es ändert nichts daran, dass die netzweite Vorfilterung aller Uploads zu weit geht und eine Wikipedia-Ausnahme nicht einmal dazu ausreicht, das, was wir als Freies Wissen bezeichnen, vor den Folgen der Filterung zu schützen.

Logo WM Commons

Das liegt daran, dass dieses Freie Wissen nicht an den Server-Grenzen der Wikipedia endet. Schon Wikimedia Commons, das Medienarchiv der Wikipedia, ist eine eigenständige weitere Plattform und auch für andere Projekte als die Wikipedia extrem wichtig. Wikimedia Commons müsste daher ebenfalls irgendwie ausgenommen werden, wird aber weder von der Wikipedia-Ausnahme noch sicher durch eine weitere der angedachten Ausnahmen erfasst, die nicht-kommerzielle Repositorien mit Bildungsauftrag schützen soll:

Zwar ist Wikimedia Commons eine nicht-kommerzielle Plattform, aber alle dortigen Bilder, Videos, Buch-Scans, Musikstücke und mehr sind unter freien Lizenzen wie CC BY oder CC BY-SA und damit auch für kommerzielle Nutzung freigegeben. Ein Gericht könnte das dahingehend interpretieren, dass Wikimedia Commons im Wettbewerb etwa mit kommerziellen Foto-Plattformen steht und in Sachen Filterpflichten deshalb als kommerzielle Plattform anzusehen sei.

Auch mit dem Merkmal „Bildungsauftrag“ ist es so eine Sache bei Wikimedia Commons. Ganz sicher aber ist Bildung nicht sein hauptsächlicher oder gar einziger Auftrag. Auch hier droht also Einstufung als filterungspflichtige Plattform, wenn die Reform in der Weise durchgeht, wie Deutschland sie im Rat der EU derzeit leider vertritt.

Kein Freies Wissen ohne freien Austausch im Netz

Doch das Problem ist noch deutlich größer als Wikipedia und Wikimedia Commons: Freies Wissen setzt möglichst freien Austausch darüber voraus, was richtig und relevant ist und was nicht. Dieser Austausch findet zwar auch auf den Diskussionsseiten der Wikipedia statt, größtenteils aber ganz woanders, nämlich überall dort, wo sich Menschen auf Plattformen miteinander thematisch austauschen. Wer dort gesetzliche Dämpfer erzwingt, etwa über generelle Upload-Filterpflichten, der trifft unweigerlich auch das Freie Wissen:

Denn wenn Menschen sich ihre Meinungen nicht mehr anhand auch von teils urheberrechtlich geschütztem Material bilden können, weil sie damit immer wieder in Filtern hängen bleiben und sich erst über Beschwerde-Funktionen der Plattformen Gehör verschaffen können, ist der freie geistige Austausch als wichtige Voraussetzung für Meinungsbildung und Wissenssammlung empfindlich gestört. So gesehen ist jeder Angriff auf das Grundrecht der Meinungs(äußerungs)freiheit zugleich ein Angriff auf das Freie Wissen.

Das ist der Grund, warum wir uns trotz einer angedachten Wikipedia-Ausnahme dafür einsetzen, die gesetzgeberischen Hände zu lassen von Filterungszwang oder sonstiger „Präventivdurchsetzung“ von Urheberrechten. Automaten können die Umstände des Nutzung eines Bildes als Meme, Parodie oder Zitat eben nicht erkennen. Und die Firmen, die solche Filter einsetzen, wären wirtschaftlich gesehen dumm, wenn sie nicht lieber zuviel ausfiltern lassen als zu wenig (sog. Overblocking).

Filtertüten-Verteilaktion beim SPD-Parteitag am 7.12.2017. Foto: Christian Schneider, CC BY-SA 4.0

Auf absehbare Zeit können nur Menschen verantwortungsvoll entscheiden, was rechtmäßig online steht und was nicht. Filter als Technologie können sinnvoll sein, wo sie Menschen dabei unterstützen, problematische Inhalte auf Plattformen zu finden und nachträglich zu entfernen, falls wirklich eine Rechtsverletzung vorliegt. Auch die Communitys der Wikimedia-Projekte, die für ihren gewissenhaften Umgang mit Inhalten von vielen als Vorbild gesehen werden, nutzen automatische Hilfsmittel bei ihrer Arbeit – aber eben auch nur als Hilfsmittel für durch Menschen zu treffende Entscheidungen.

Entsprechend propagieren wir seit über einem Jahr: Community kann Kontext, Filter nicht. Und wir sind nicht allein. Es häufen sich die offenen Briefe und Appelle aus allen Richtungen, die die Politik auffordern, die Filterungsideen fallen zu lassen, siehe dazu den letzten Abschnitt unten.

API-Verpflichtung als bessere Alternative

Die Politik will Kreativen und Verwertern über Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform mehr vom Kuchen der dominanten Netz-Giganten wie YouTube/Google, Facebook & Co. zukommen lassen. Doch, um marktdominante Unternehmen zu fairem Verhalten zu zwingen, ist erstens eigentlich das Kartell– und Wettbewerbsrecht da und zweitens gibt es selbst dann, wenn man es unbedingt über das Urheberrecht machen möchte, bessere (sogar ebenfalls technische) Alternativen zu Filterungspflichten:

So könnten übermächtige Plattformen statt zur massenhaften Filterung dazu verpflichtet werden, standardisierte Schnittstellen (APIs) für Urheberinnen und Rechteinhaber zur Verfügung zu stellen. Über diese Schnittstellen hätten die Kreativen bzw. die Verwerter kreativer Werke einen Sonderzugang zum Inneren der Plattformen und könnten ihre eigenen Inhalte leichter aufspüren und ggf. als aus ihrer Sicht rechtswidrig hochgeladen kennzeichnen.

Filterpflichten dagegen, die Plattformen jeglicher Größe und Struktur auferlegt werden, sind – wie der Koalitionsvertrag es treffend ausdrückt – unverhältnismäßig. Eine weitere Verbesserung der Durchsetzung des Urheberrechts muss dort eine Grenze haben, wo Meinungsäußerung, Austausch und Freies Wissen spürbar beeinträchtigt sind. Das sehen nicht nur wir so:

Fast alle sagen: Lasst Filter aus dem Spiel!

Wir listen hier einige der zahlreichen Stimmen auf, die sich teils vehement gegen Upload-Filter und andere Teile der EU-Urheberrechtsreform aussprechen:


Der neueste offene Brief zur Verhinderung von Upload-Filterpflichten per Gesetz stammt von Forschungseinrichtungen aus ganz Europa, darunter das renommierte Institut für Informationsrecht in Amsterdam und das Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb in München. Der Text ist bereits eindeutig betitelt mit (frei übersetzt) „Die Urheberrechts-Richtlinie ist dabei, zu versagen“:

Offener Brief vom 26. April 2018 – „The Copyright Directive is failing“

Es ist bereits der zweite Brandbrief dieser Art, der erste stammt aus dem Februar 2017.


Fraktionsübergreifend haben sich auch Europaabgeordnete der Kritik an der Richtung angeschlossen, die die EU-Urheberrechtsreform inzwischen genommen hat. Entstanden ist folgendes Video:


Noch während der Koalitionsbildung in Berlin hat auch Wikimedia Deutschland zusammen mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband, dem Verband Bitkom und weiteren Organisationen einen offenen Brief an die Politik gerichtet:

Offener Brief an den zuständigen Berichterstatter im Europaparlament, Axel Voss (CDU) vom 27. Februar 2018 – „Europäische Upload-Filter-Regelung verhindern“

Hierzu gab es auch einen Blogbeitrag und eine Podiumsdiskussion aus unserer Reihe „Monsters of Law“.


Auch auf Twitter reißt die Kette retweetbarer Aufrufe nicht ab. Der Aufruf an Europaabgeordnete, dem auch das Verkehrsschild mit dem durchgestrichenen „Art. 13“ oben entnommen ist, stammt von „European Digital Rights“ (EDRi), dem Dachverband der netzbezogenen Bürgerrechtsorganisationen Europas, dem auch Wikimedia Deutschland angehört. Weitere gibt es beispielsweise hier von den Betreibern der Code-Sharing-Plattform GitHub, die ebenfalls von Filtern betroffen wäre, und hier von Wikimedia Deutschland selbst.

Auch der für die Reform – und damit für die Filterungspläne – als Berichterstatter zuständige Europaabgeordnete Axel Voss (CDU) äußert sich ab und zu auf Twitter, wo man ihm natürlich auch antworten kann. Hier ist sein neuester Tweet zum Thema, in dem er Kritik an Filtern mit einem Angriff auf das geistige Eigentum gleichsetzt und alternative Lösungsvorschläge fordert, die längst vorliegen (siehe oben):


Die Verbraucherschützer haben immer wieder mit Nachdruck gefordert, weder direkt Filterpflichten einzuführen noch indirekt die Haftungsregeln so zu verschärfen, dass sie nur mittels massenhafter Filterung einzuhalten sind:

Pressemitteilung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes vom 16. April 2018 – „Keine Upload-Filter durch die Hintertür!“


Wer sich passenderweise mit Memes zum Thema EU-Urheberrechtsreform äußern möchte, findet einige davon etwa auf whatthevoss.eu, einem Tumblr-Feed, der dem verantwortlichen Abgeordneten im Europaparlament Axel Voss (CDU) gewidmet ist. Dort können natürlich auch neue Memes gepostet werden – so lange das noch ungefiltert möglich ist.


Dass gerade Memes als Ausdrucksform durch Filter besonders bedroht wären, macht die Initiative savethememe.net deutlich, die ebenfalls Anleitung gibt, selbst aktiv zu werden.

 

 


Einen guten Überblick zur Kritik an der EU-Urheberrechtsreform gibt es auch in der Artikelreihe „Copyright Update von Leonhard Dobusch bei netzpolitik.org. Es wird immer dramatischer von Folge 1 über Folge 2 bis Folge 3.

 

Noch einmal ganz klar zum Schluss …

Wir fordern ein deutliches Bekenntnis der Bundesregierung zum Koalitionsvertrag und zu den Freiheiten der Nutzenden. Upload-Filter sind nicht die Lösung!

 

Verschaffe auch du dir Gehör! Nutze den Hashtag #NoUploadFilter auf deinen Social-Media-Kanälen. Teilen kann man natürlich auch unser Kaffeemaschinen-Video, das anschaulich macht, dass den Filtern letztlich egal ist, was am Ende rauskommt:

 

Weitere Beiträge zum Thema:

by John Weitzmann at May 02, 2018 06:20 AM

April 27, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Was motiviert zu offener Wissenschaft?


Das Fellow-Programm Freies Wissen geht in die dritte Runde! Noch bis zum 15. Mai können sich interessierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus allen Fachrichtungen bewerben. Zur aktuellen Ausschreibung geht es hier entlang.


Das Fellow-Programm Freies Wissen ist eine Initiative von Wikimedia Deutschland, dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne Offener Wissenschaft zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. Denn: Wir glauben an das Potential offener und kollaborativer Forschung. In unserem Blog stellen die Fellows einige ihrer Projekte vor und berichten über ihre Erfahrungen im Umgang mit offener Wissenschaft in der Praxis. Hier schreibt Stipendiatin Caroline Fischer über die Frage, ob es vermehrter Anreize bedarf, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu motivieren, ihre wissenschaftliche Arbeit stärker zu öffnen.

Eine Diskussion aus motivationspsychologischer Sicht

Offene Wissenschaft kann als proaktive Arbeitstätigkeit von Forschenden bezeichnet werden. In der Regel wird der Aufwand, der mit offenem Forschen und Publizieren verbunden ist, zusätzlich zur „ordentlichen“ Arbeitstätigkeit erledigt. Obwohl viele Open-Science-Begeisterte hier sicherlich entgegnen: stimmt nicht, Wissenschaft muss per se offen sein, ist es doch so, dass wissenschaftliche Handlungsroutinen nach wie vor eher geschlossen sind. Die Veränderung von eingeschliffenen geschlossenen Routinen hin zu offenen Arbeitsweisen bedeutet jedoch Mühe und Aufwand. Wer beispielsweise bisher mit einer geschlossenen Literaturdatenbank wie Citavi gearbeitet hat, für diejenigen ist es mit Aufwand verbunden zu offenen Varianten wie Zotero zu wechseln. Wer bisher mit geschlossener Statistiksoftware wie Stata gearbeitet hat, für die ist es aufwändig, sich offene Software wie R anzueignen und entsprechende Routinen zu verändern. Was kann Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen dennoch motivieren, diese Transaktionskosten in Kauf zu nehmen?

Im Rahmen der Open Science Week 2018 diskutierten die Teilnehmenden des Fellow-Programms Freies Wissen Mitte Februar an der TIB in Hannover darüber, was es braucht, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu mehr Offenheit zu motivieren, Bild: Christian Behrens, Fellow-Programm Freies Wissen Podiumsdiskussion TIB Hannover 45, CC BY-SA 4.0

Wir brauchen mehr Anreize

Eine Diskussion zwischen Forschenden im Rahmen des Fellow-Programms Freies Wissen spitzte sich genau auf diese Frage zu: was braucht ihr als Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen eigentlich, damit ihr offen oder offener werdet – was würde euch zu offener Wissenschaft motivieren, fragte die Wiener Wissenschaftsforscherin Katja Mayer. Als eine der ersten Antworten fielen Anreize. Das können materielle Incentives, wie die finanzielle Förderung im Fellow-Programm Freies Wissen oder ein Preis für Offene Wissenschaft sein. Es fielen aber auch eher indirekt materielle Anreize, wie Karrierechancen. Offene Wissenschaft müsse in Stellenbesetzungen stärker honoriert werden. Wieder andere nannten immaterielle Anreize, wie Anerkennung durch die Fachgemeinschaft oder die eigene Führungskraft.

Es darf keine Anreize geben

Einige widersprachen aber auch vehement: es darf keine Anreize geben! Dies würde nichts nützen und eh nur die falschen Leute anlocken, diejenigen nämlich, die nicht für die Sache brennen, sondern gegen Entlohnung dann halt auch mal offene Wissenschaft machen. Beide Positionen spiegeln die klassische Unterscheidung zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation, ausgehend von der sogenannten Self-Determination-Theorie von Deci und Ryan, wider. Wer aus eigenem Antrieb und Interesse handelt, ist hierfür intrinsisch motiviert. Extrinsisch motiviert ist hingegen, wer eine bestimmte Handlung (vor allem) aufgrund äußerlicher Anreize vornimmt.

Das Dilemma ist nun, und das beschreibt die Motivation Crowding-Theorie, dass durch extrinsische Anreize, wie finanzielle Boni, eine intrinsische Motivation ausgehöhlt werden kann. Auf offene Wissenschaft übertragen heißt das: denjenigen, die anfangs für das Thema gebrannt haben und einfach so, ohne Anreize, offen geforscht und publiziert haben, geht diese intrinsische Motivation möglicherweise verloren, wenn sie dafür zusätzlich extrinsisch entlohnt werden. Hat man einmal Fördergelder für Offene Wissenschaft erhalten, erwartet man das in Zukunft möglicherweise auch und macht nur noch die Projekte offen, in denen es sich durch Anreize lohnt.

Das ist aber zunächst einmal eine Hypothese, die aus anderen Settings des Arbeitslebens abgeleitet ist und möglicherweise für offene Wissenschaft nicht gilt. Ganz im Gegenteil könnte man argumentieren, dass mit ersten Anreizen Menschen angelockt werden können, die zunächst nicht für die Sache brennen, sich für diese aber im Ausprobieren begeistern und ein Feuer entfacht wird. Genau das liegt dann beispielsweise in der Verantwortung der Mittelgebenden und der Ausgestaltung der Förderung. Wenn Förderung nachhaltig gestaltet ist und darauf hinwirkt, dass während der Förderung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weitergebildet und Routinen verändert werden, können solche Mitnahmeeffekte und Folgewirkungen beispielsweise vermieden werden.

Motive und Bedürfnisse

Doch abgesehen von solchen äußeren Anreizen: welche menschlichen Motive und Bedürfnisse wirken dennoch hin zu offener Wissenschaft? Was treibt Forschende an, offen zu publizieren oder eigene Daten zu teilen, auch ohne äußere Anreize? Nach McClelland sind Leistung, Macht und soziale Anerkennung die drei menschlichen Grundbedürfnisse, die jedwedes Handeln bestimmen. Menschliche Bedürfnisse können, wie beispielsweise in Maslows oft verwendeter, empirisch aber nicht nachweisbarer Hierarchie, in verschiedene Stufen unterschieden werden. Beginnend mit grundlegenden Bedürfnissen, wie physiologischen Bedürfnissen oder Sicherheit, darauf aufbauend soziale Bindung und Selbstachtung und schließlich sogenannte Wachstumsbedürfnisse, wie Selbstverwirklichung. Aus diesen Motiven und Bedürfnissen können mögliche Dimensionen einer „Motivation zu offener Wissenschaft“ abgeleitet werden.

Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 086, CC BY-SA 4.0

It‘s all about recognition?

Soziale Bindung und Anerkennung scheint ein Aspekt bei der Motivation zu Offener Wissenschaft zu sein: Ich möchte als Forscherin in meiner Disziplin und meiner Institution anerkannt werden und öffne meine Forschung, damit alle sehen können, wie toll ich meine Arbeit mache, und mich dafür wertschätzen. Allerdings erscheint es zumindest möglich, dass die Gefahr besteht, eine solche soziale Anerkennung eben wegen Offener Wissenschaft nicht zu erhalten, weil man dafür beispielsweise in einer skeptischen Disziplin eben nicht ausreichend anerkannt wird. Das bedeutet, dass eine Förderung Offener Wissenschaft immer auch mit Anerkennung und Wertschätzung offener Forschung einhergehen muss. Dabei kann beispielsweise die symbolische Führung durch die Leitung einer Organisation (Teamleitende, Lehrstuhlinhabende, Dekane und Dekaninnen, Rektoren und Rektorinnen o. Ä.) oder führende Gremien in einer Fachgemeinschaft eine große Rolle spielen. Ebenso ist hier aber das Arbeitsklima in einem Team und einer Organisation im Ganzen entscheidend. Beispielsweise müssen Fehler erlaubt und Zeit zum Ausprobieren neuer Wege sein.

Persönliche Entwicklung und Selbstverwirklichung

Auch die eigene Entwicklung und Verwirklichung motiviert Menschen zusätzliche Arbeit zu leisten. In Bezug auf Offene Wissenschaft dürften diese Handlungsmotive zunächst die Forschenden antreiben, die von dieser Idee sowieso schon überzeugt sind. Wenn aber aufgezeigt wird, dass offenes Forschen auch der eigenen Entwicklung dient, kann dies sicher als Anreiz dienen. So bedeutet es zwar zusätzlichen Aufwand in einem offenen Labortagebuch über die eigenen Arbeitsschritte zu berichten. Wenn über diese Offenlegung von Methoden aber eine Interaktion mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entsteht und Feedback gegeben wird, kann dies die eigene Arbeit verbessern und damit die eigene Entwicklung voranbringen. Schließlich forschen viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ja vor allem für die eigene Erkenntnis.

Wie also weiter mit den Anreizen für Offene Wissenschaft? Meiner Ansicht nach ist die Anerkennung in den jeweiligen Fachdisziplinen der wichtigste Schritt. Hier muss ausgehandelt werden, welche Aspekte offenen Forschens in den jeweiligen Disziplinen vertretbar und möglich sind. Setzt sich Offene Wissenschaft, und dafür sind Teile der Natur- und Humanwissenschaften ein gutes Beispiel, erst einmal in einer Disziplin durch und wird zum Standard, dann ist Offene Wissenschaft auch kein proaktives Handeln mehr, das zusätzlich zum üblichen Rollenverhalten als Wissenschaftler erfolgt und zusätzliche Arbeitsmotivation erfordert. Dann gehört Offene Wissenschaft zum alltäglichen Arbeitshandeln, dann ist Wissenschaft „open by default“.

Die Originalversion dieses Beitrags ist zuerst erschienen auf dem Blog von Caroline Fischer.


Zur Autorin:

Caroline Fischer ist Doktorandin am Lehrstuhl für Public und Nonprofit Management der Universität Potsdam. In ihrer Promotion erforscht sie wie und warum Beschäftigte der öffentlichen Verwaltung ihr Wissen am Arbeitsplatz teilen. An der Universität Potsdam engagiert sie sich zudem für die Weitergabe der Prinzipien Offener Wissenschaft an die Studierenden und deren Erprobung in der Lehre. Seit Oktober 2017 ist sie Stipendiatin des Fellow-Programms Freies Wissen.


Weitere Gastbeiträge unserer Fellows im Wikimedia Deutschland Blog:


by Christopher Schwarzkopf at April 27, 2018 09:40 AM

Wikimedia:Woche 17/2018


Themen der Wikimedia:Woche 17/2018 sind unter anderem: Personelle Änderungen und Stellenausschreibungen bei Wikimedia Deutschland, ein Rückblick auf Coding da Vinci Ost, ein Neuzugang im Bündnis Freie Bildung, eine Kampagne gegen „Zensurmaschinen“ im Internet und ein neues Rechenzentrum für Wikipedia.

Zur Wikimedia:Woche 17/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at April 27, 2018 08:20 AM

April 26, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Girls Day bei Wikimedia Deutschland

Elisabeth Mandl für Wikimedia Deutschland, CC BY-SA 4.0

Und zu erleben gab es heute richtig viel: gleich zu Anfang lernten die Schülerinnen, wie wichtig es ist, dass das Wissen der Welt frei zugänglich ist und dass es ganz schön kompliziert wäre, manche Dinge für die Schule zu recherchieren, wenn es die Wikipedia nicht gäbe. Anschließend konnte die Gruppe bei einem Rundgang durchs Haus einen Blick in die verschiedenen Abteilungen des Vereins werfen und sehen, wie genau wir uns für Freies Wissen engagieren.

Corinna Schuster für Wikimedia Deutschland, CC BY-SA 4.0

Danach wurde es handwerklich: Zusammen mit unserem Technik-Team machten sich die Mädchen daran, selbst Laptops auseinanderzubauen und das Innenleben der Geräte genau unter die Lupe zu nehmen. Ein großer Spaß für die Mädchen, die teils nicht schlecht staunten über die ganze Technik, die in so einem Gerät untergebracht ist. 

Nachdem die Hände wieder sauber waren, wartete der nächste Programmpunkt: zusammen mit dem Software-Team lernte die Gruppe, wie sie mit HTML und CSS im Handumdrehen die Startseite der Wikipedia auf dem eigenen Bildschirm verändern kann; oder dass es mit Hilfe der freien Datenbank Wikidata nur ein paar Klicks braucht, um die Liste der berühmtesten Katzen und Hunde der Welt abzurufen.

Abgerundet wurde der Tag dann mit einer Fragerunde, in der den Schülerinnen eine unserer Software-Entwicklerinnen Rede und Antwort stand.

An dieser Stelle wünschen wir den Mädchen nur das Beste für ihre Zukunft und jede Menge Girlpower, egal, für welchen Beruf sie sich später einmal entscheiden werden!

by Corinna Schuster at April 26, 2018 03:14 PM

April 25, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Zentrum des Freien Wissens am 26. Mai in Karlsruhe – das Programm

Das Zentrum des Freien Wissens im ZKM Karlsruhe am 26. Mai 2018 lädt zu einer Entdeckungstour durch die Welt des Freien Wissens ein. Wikipedia-Autorinnen und -Autoren stehen Rede und Antwort zu ihrer Arbeit, eine Virtual-Reality-Anwendung gibt Einblicke in den Museumsbesuch der Zukunft und Foto-Begeisterte zeigen, wie 360-Grad-Fotografie historische Bauten in der digitalen Welt erhält. Begleitet wird die interaktive Ausstellungsfläche von Kurzvorträgen und einer Talkrunde mit Expertinnen und Experten aus Kultur und Open-Netzwelt. Den Auftakt macht schon am Vorabend eine Gruppe junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die beim Science Slam mit spannenden Ideen und viel Witz um die Gunst des Publikums werben.

Frei nach dem Wiki-Aufruf: „Sei mutig! Mach mit!” sind Groß und Klein herzlich eingeladen, sich in die Welt des Freien Wissens zu stürzen.

Eintritt zu allen Veranstaltungen und dem gesamten Tagesprogramm frei.

Das Programm im Überblick

Der Auftakt: Science Slam des Freien Wissens

Freitag, 25. Mai 2018, 19:00 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr)

Geballte Wissenschaft lustig, informativ und anschaulich in jeweils 10 Minuten erklärt: Das gibt es beim Science Slam am Freitagabend. Mit Hilfe von Präsentationen, Live-Experimenten und Unterstützung aus dem Publikum zeigen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, an welchen Themen sie forschen. Und das völlig ohne eingestaubte Theorien oder kryptische Fachsprache. Am Ende entscheidet dann das Publikum per Applaus, wer gewinnt.

Weitere Informationen auf der Facebook-Seite der Veranstaltung

Zentrum des Freien Wissens

Samstag, 26. Mai 2018, ab 10 Uhr

Einführungen in die Wikipedia und Wikimedia Commons

Jeweils 10:30 bis 11:30 Uhr und 11:45 bis 12:45 Uhr

Gefunden und gelesen ist ein Artikel in der Wikipedia ja oft schnell, aber wie ist es eigentlich, selbst einen zu erstellen, zu korrigieren oder auszubauen? Und welche ersten Schritte sind dafür nötig? Das zeigen wir dir ganz unkompliziert in unseren Einführungskursen. Neben der Wikipedia gibt es auch einen Einblick in das freie Medienarchiv Wikimedia Commons. Dort finden wir mittlerweile über 45 Millionen Bilder, Videos und Audiodateien – alle sind kostenfrei und jederzeit ohne Anmeldung nutzbar. Wenn du Lust hast, Teil dieser riesigen Community zu werden, bist du in Karlsruhe genau richtig. Zusammen mit unserem Referenten können Interessierte im ZKM ihre ersten eigenen Schritte in der Commons-Welt machen.

Vortrag „Die Wikipedia wird weiblich”

10:30 bis 11:15 Uhr und 15:45 bis 16:30 Uhr

Rund 5.500 Freiwillige arbeiten allein in Deutschland an der Wikipedia. Eine große Mehrheit davon sind männlich. Aber warum gibt es so wenige Frauen, die ihr Wissen in der freien Enzyklopädie teilen wollen, welche Auswirkungen hat das und wie kann die Wikipedia endlich weiblicher werden? Diskutiere darüber mit einer engagierten Wikipedianerin.

Vortrag „Was ist Wikimedia Deutschland?”

11:45 bis 12:30 Uhr und 14:30 bis 15:15 Uhr

Wikimedia Deutschland ist ein Verein mit mittlerweile mehr als 65.000 Mitgliedern. Unsere Vision ist eine Welt, in der jeder Mensch am Wissen der Menschheit teilhaben, es nutzen und mehren kann. Um das zu erreichen, gibt es viel zu tun! Wir engagieren uns in den Bereichen Politik, Bildung, Wissenschaft und Gesellschaft dafür, dass Wissen auch in Zukunft frei und kostenlos zugänglich ist. Einen Überblick über unsere gesamte Arbeit zeigt der Impulsvortrag zu WMDE.

Ganztägig:

Triff die Community

Wie genau funktioniert eigentlich die Wikipedia? Wer schreibt sie, wer korrigiert Fehler und wie kann ich selbst mitmachen? Über diese und viele weitere Fragen kannst du direkt mit Freiwilligen aus der Wikipedia-Community sprechen. Gleichzeitig informieren wir darüber, wie Wikimedia Deutschland die Arbeit der freiwilligen Autorinnen und Autoren unterstützt und fördert. Unsere Teams geben außerdem einen Einblick in die zahlreichen spannenden Community-Projekte, wie beispielsweise “Wiki loves Music” oder “Wiki Loves Monuments”.

Dreh am Rad mit Wikidata

Die Entwicklung der freien Datenbank Wikidata ist eines der größten Projekte von Wikimedia Deutschland. An unserem Glücksrad zeigen wir euch, wie viel spannendes Wissen in der Datenbank schon heute steckt und wie oft Wikidata eigentlich in unserem Alltag vorkommt, ohne dass wir es wissen.

Übrigens: Mit unserem Besuch in Karlsruhe kommt Wikidata quasi zurück an seine Geburtsstätte. Die erste Idee für die gigantische Faktendatenbank entstand nämlich in den Köpfen einiger Studierenden an der Uni Karlsruhe – seit 2012 wird daraus Realität.

Einführung: Wie funktioniert die 360-Grad-Fotografie?

Martin Kraft, MK 30438-60 Muschelsaal Kurhaus Wiesbaden, CC BY-SA 3.0

Ein Panoramafoto mit dem Handy knipsen, das ist schnell gemacht. Aber so richtig spektakulär sehen die Fotos meist erst dann aus, wenn eine professionelle 360-Grad-Panorama-Kamera zum Einsatz kommt. Unsere Foto-Expertinnen und -Experten zeigen dir in Karlsruhe, wie eine solche Kamera genau funktioniert, welche Technik dahinter steckt und wie wir alle ein richtig gutes 360-Grad-Panorama-Foto aufnehmen können.

Virtual Reality Erlebnis: Projekt Skelex live erleben

Eigentlich ist Skelex im Naturkundemuseum in Berlin zu Hause. Die Besuchenden können dort mit der VR-Anwendung 3D-Modelle von Reptilienskeletten nicht nur ansehen, sondern auch greifen, rotieren oder auseinanderziehen. Für unser Zentrum des Freien Wissens kommen die Macher der Virtual-Reality-Anwendung eigens nach Karlsruhe. Highlight dürfte dabei wohl nicht nur für die kleinen Besucherinnen und Besucher die virtuelle „Schlangenfütterung” sein.

So klingt die Wikipedia

Pro Minute werden allein in der deutschsprachigen Wikipedia hunderte von Änderungen im Hintergrund der Seite vorgenommen. Und wie das klingt, könnt ihr im Klangdom des ZKM erleben. Dort können wir über 47 Lautsprecher dem einmaligen Klangspiel der Wikipedia lauschen.

Live Podcast WikiStammtisch

Ein deutschsprachiger Podcast über die Wikipedia: diese Idee hatte Sebastian Wallroth vor gut zwei Jahren. Seitdem ist der leidenschaftliche Wikipedianer unterwegs, um mit interessanten Menschen aus der Wiki-Welt über ihre Arbeit, ihre Leidenschaft und ihre Projekte zu sprechen. Mittlerweile hat er für seine Seite WikiStammtisch bereits 80 Interviews geführt und veröffentlicht. In Karlsruhe freut sich Sebastian Wallroth auf weitere interessante Gesprächspartnerinnen und -partner.

 

Abendprogramm

Talkrunde: Reproduktion. Wem gehört die Kunst?

19:30 Uhr (Einlass 19:00 Uhr)  

Das Selbstverständnis von Kultur- und Gedächtnisinstitutionen ist im Wandel, ihr Aufgabenspektrum erweitert sich zunehmend. Wo früher das Bewahren, Erforschen und Ausstellen im Vordergrund stand, suchen mehr und mehr Institutionen nach Wegen, sich nicht nur in der vernetzten Welt zu öffnen, sondern selbstverständlicher Teil von ihr zu werden.

Wie gehen Kulturinstitutionen in diesem Sinne mit den Ansprüchen eines Publikums um, das zunehmend im Netz zuhause ist? Welchen Einfluss hat die inzwischen eingeübte Praxis des Sharing und Remixing auf die Hauspolitiken der Museen und wie sind etwa Gemeinfreiheit und Hausrecht gegeneinander abzuwägen? Dass dies keine rein abstrakten oder akademischen Fragestellungen sind, ist etwa am laufenden Rechtsstreit zwischen Wikimedia und den Reiss-Engelhorn-Museen zu sehen, der derzeit am BGH geklärt wird.

Diese Fragen möchten wir in der Podiumsdiskussions-Reihe „Das ABC des Freien Wissens“ mit unseren Gästen diskutieren.

Wir übertragen die Podiumsdiskussion live: https://zkm.de/de/livestream

Lizenzhinweis zum Bild: Markus Büsges, leomaria, Reproduktion – Postkarte – Das ABC des Freien Wissens, CC BY-SA 4.0

Mitglied werden bei Wikimedia Deutschland

Elisabeth Mandl (WMDE), Jahrmarkt des Freien Wissens 53, CC BY-SA 4.0

Du möchtest gern Mitglied werden und uns in unserem Engagement für Freies Wissen unterstützen? Dann warte nicht länger! Hier findest du alle Informationen rund um die Mitgliedschaft bei WMDE.

 

 

 

by Lisa Dittmer and Corinna Schuster at April 25, 2018 11:58 AM

April 19, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 16/2018


 

Die Wikimedia:Woche 16/2018 weist auf die Dokumentation des Workshops zur Zukunft der Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland, der Ankündigung einer neuen Konferenz und die Aberkennungen zweier User Groups hin. Der Veransaltungsort der WikiCon 2018 steht fest, das Team Technische Wünsche freut sich über Feedback und NASA-Mitarbeitende beschäftigen sich mit MediaWiki.

Zur Wikimedia:Woche 16/2018 geht es hier.

by Jonas Sydow at April 19, 2018 03:32 PM

April 17, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

WikiGap: Edit-a-thon macht Frauen in der Wikipedia sichtbar

Rechte, Ressourcen, Repräsentation: die drei Säulen der ausdrücklich feministischen Außenpolitik Schwedens stellen für Ministerin Margot Wallström einen konkreten Auftrag dar. Rechte und Ressourcen einzufordern, ist ein Teil davon, Frauen zu ermutigen, ihre Anliegen hörbar, ihr Wissen und ihr Können sichtbar zu machen, der Andere. „Nur wer gesehen wird, existiert – also sorgt für den Wandel“, mit diesen deutlichen Worten rief Wallström in einer Videobotschaft zu Beginn des Edit-a-thons zum Handeln auf. Wandel ist dringend nötig; im Internet wie auch in der analogen Welt sind Frauen noch immer unterrepräsentiert.

Lisa Dittmer (WMDE), WikiGap Berlin (1), CC BY-SA 4.0

Auch die Wikipedia ist vom Mangel an Gleichberechtigung der Geschlechter betroffen: Die Liste der „Frauen in Rot“, deren Leben eines enzyklopädischen Eintrages würdig wäre, und dennoch keinen Artikel in der Wikipedia besitzen (daher der Rotlink), ist lang. Projekten wie Frauen in Rot und Women Edit, die diesen Missstand anprangern, wird gerne vorgeworfen, die Geschichte umschreiben zu wollen. Die strengen Qualitätsmaßstäbe an Belege für Wikipedia-Informationen lassen das Problem der mangelnden historischen Dokumentation der Leistungen von Frauen tatsächlich wohl eher ungewollt fortbestehen. Doch das Problem zieht sich weit über historische strukturelle Ungleichheiten hinaus.

Es hat auch, aber sicherlich nicht nur, mit der deutlich geringeren Anzahl an weiblichen Wikipedia-Autoren zu tun. Nur schätzungsweise 10-16% der Bearbeitenden der deutschsprachigen Wikipedia sind Frauen. Die reale Zahl mag etwas höher liegen, da nicht alle Freiwilligen der Wikipedia Angaben zu ihrem Geschlecht machen. Dieses eklatante Ungleichgewicht ist jedoch für einige Wikipedianerinnen und Wikipedianer Grund genug, sich mit Projekten wie Women in Red international für einen Wandel einzusetzen.

Mit offenen Zusammentreffen wie dem WikiGap Edit-a-thon in Berlin ermutigen sie erfahrene Wikipedianerinnen und Wikipedianer, Frauen und ihr Werk in der Wikipedia sichtbarer zu machen. Doch es geht auch darum, Interessierten die Scheu vor den ersten Schritten in der Wikipedia zu nehmen. Selbst solchen Wikipedia-Lesenden, die sich der Hintergründe der Entstehung von Artikeln bewusst sind, fällt der erste Schritt häufig schwer. „Was, wenn ich aus Versehen einen ganzen Artikel lösche?“ und „Wie stelle ich sicher, keine Urheberrechtsverletzung zu begehen?“, waren einige der Fragen, die vielen Neulingen durch den Kopf gingen. Die langjährigen Administratorinnen und Administratoren, die alltäglich Artikel sichten, auf Fehler überprüfen und Hilfestellungen geben, konnten diesen Samstag einem guten Dutzend Interessierten mit Geduld und Humor zur Seite stehen. So einfach gesperrt wird niemand wegen anfänglichen Fehlern und versehentlich gelöschte Artikel sind in ein paar Klicks auch wieder hergestellt, erklärte eine langjährige Wikipedianerin. Die meisten kämen über ihnen Bekanntes zur Wikipedia, über berufliche Expertise oder Hobbys, spannend werde es aber gerade, wenn man sich dann in unvertraute Themen hineinarbeite, berichteten die alten Hasen.

WMDE-Teamleiterin Ideenförderung Verena Lindner stimmte mit einem Aufruf zum Mitmachen ein Lisa Dittmer (WMDE), WikiGap Berlin Verena Lindner, CC BY-SA 4.0

Das deutsch-schwedische Zusammentreffen nahm den anwesenden Neulingen offensichtlich sehr erfolgreich die Scheu: 17 neue Artikel entstanden zu schwedischen Politikerinnen, Geschäftsfrauen und Forscherinnen, 27 weitere wurden ergänzt. Wichtiger noch als das verschriftlichte Tagesergebnis war den Veranstalterinnen und Organisatoren der Schwedischen Botschaft sowie der WikiGap-Freiwilligen letztlich die Begeisterung der frisch gebackenen Wikipedia-Freiwilligen für das Projekt. Sichtbarkeit beginnt und wächst mit vielen, kleinen Schritten, auch weit fernab der politischen Diskussionen, das schien dieser Edit-a-thon jeder und jedem Einzelnen ganz unaufgeregt mit auf den Weg zu geben.

 

Möglichkeiten zum Mitmachen:

Wikipedia-Projekt Frauen in Rot, Wikipedia:Wikimedia Deutschland/Mach mit

Mehr zur Motivation hinter der Schwedischen Initiative: Elisabeth Mayr, Medienreferentin der Schwedischen Botschaft im Gespräch mit dem rbb Kulturradio: https://www.kulturradio.de/programm/schema/sendungen/zeitpunkte/archiv/20180415_1704/2.html

Das Video zur Initiative (nur auf englisch verfügbar):

 

 

by Lisa Dittmer at April 17, 2018 01:19 PM

April 14, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Norden, Süden, Osten, Westen – mit offenen Daten teilt man Kultur am besten

Der Kultur-Hackathon Coding da Vinci hat seit 2014 bereits viermal stattgefunden, zuletzt Ende 2017 in Berlin. Dabei ist ein Video entstanden, das einen lebendigen Einblick vermittelt, wie es mit diesem Event gelingt, technikaffine und kulturinteressierte Communities mit deutschen Kulturinstitutionen zusammenzubringen. Was sie verbindet, ist die Begeisterung für das kreative Potenzial, das in offenen Kulturdaten steckt. Das Schlusswort in diesem Video hat Leander Seige, der als Projektkoordinator der fünften Auflage von Coding da Vinci nach Leipzig einlädt. Unter dem Label Coding da Vinci Ost findet nach Coding da Vinci Nord und Coding da Vinci Berlin erstmals ein regionaler Ableger für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen statt. Dieser wird gemeinschaftlich von der Universitätsbibliothek Leipzig (UBL), dem Institut für Digitale Technologien (IfDT) und dem OK Lab Leipzig veranstaltet.

FUK Graphic Design Studio CC-BY Volker Agueras Gaeng, Coding da Vinci Ost, CC BY-SA 3.0

Beim heutigen Auftakt präsentieren 26 Kulturinstitutionen ihre Daten, die sie unter freien Lizenzen zur Verfügung stellen, darunter die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Klassik Stiftung Weimar, die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und die Deutsche Nationalbibliothek. Bei den Daten handelt es sich beispielsweise um digitalisierte Gemälde, Handschriften, Drucke, Töne oder Metadaten. Wer Interesse hat, die Präsentation der Daten mitzuverfolgen, kann dies via @cdvost auf twitter tun – Hashtag #codingdavinci. Alle diese Daten finden sich zusammen mit über 100 Datensets zu verschiedensten Themen auf der Website von Coding da Vinci und stehen dort Interessierten zur freien Nachnutzung zur Verfügung.

Bis zur Preisverleihung am 16. Juni sind dann neun Wochen Zeit, in denen die Teams, die sich im Rahmen des Auftakts zusammenfinden, ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Wir sind gespannt, welche einfallsreichen neuen Anwendungen, mobilen Apps, Dienste, Spiele und Visualisierungen dieses Mal entstehen. Einen Einblick in vergangenen Projekte eröffnet das Archiv von Coding da Vinci.

by Dominik Scholl at April 14, 2018 07:00 AM

April 13, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 15/2018


 

Die Wikimedia:Woche 15/2018 erscheint in der aktuellen Ausgabe mit folgenden Themen: Barbara Fischer macht sich zu neuen Ufern auf, das Team Ideenförderung bei Wikimedia Deutschland und die International Anti-Corruption Academy suchen Verstärkung. Beim Fellow-Programm Freies Wissen sind noch Bewerbungen möglich, eine neue MediaWiki-Erweiterung wurde freigeschaltet und die Schwedische Botschaft in Berlin lädt zusammen mit Vetreter_innen der Wikipedia-Community zu einer Veranstaltung ein.

Zur Wikimedia:Woche 15/2018 geht es hier.

by Jonas Sydow at April 13, 2018 07:52 AM

April 12, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Mit freien Lizenzen durchs All

Als Neil Armstrong am 21. Juli 1969 (MEZ) als erster Mensch den Mond betrat und den „Wettlauf ins All“ damit letztlich doch für die USA entschied, verfolgten geschätzt zwischen 500 und 600 Millionen Menschen auf der Welt das Ereignis live am Fernseher mit. Das öffentliche Interesse an der Erforschung des Weltalls und der Raumfahrt ist auch heute noch ungebremst – die Informationskanäle aber nicht mehr dieselben wie noch vor 40 Jahren: Heute nutzen wir das Internet, um uns über die Erde, Monde, Planeten, Galaxien und Schwarze Löcher zu informieren. Das Internet erlaubt es uns, auf nie vorher dagewesene Weise, Wissen miteinander zu teilen, auszutauschen und zu verbreiten.

NASA und die Public Domain

Buzz Aldrin spaziert auf dem Mond. Bild: NASA, gemeinfrei

Dass das Weltall für uns alle heute nur ein paar Mausklicks entfernt ist und wir alle jederzeit auf Informationen und Bildmaterial aus den Tiefen des Alls zugreifen können, liegt nicht zuletzt daran, wie Raumfahrtorganisationen ihr Wissen mit der Gesellschaft teilen. Dank der sehr freizügigen Lizenzpolitik der US-Regierung, nach der von der Regierung erstellte Inhalte automatisch als gemeinfrei gelten, sind von der NASA erstellte Inhalte grundsätzlich nicht urheberrechtlich geschützt und stehen in der Public Domain. Sie gehören allen und können von allen frei genutzt werden.

Dabei stellt NASA jedoch viel mehr als nur atemberaubende Aufnahmen von Himmelskörpern der Allgemeinheit zur Verfügung. Auch sämtliche staatlich geförderte Forschung wird auf einer eigens dafür eingerichteten Website namens Pubspace einfach durchsuchbar zur Verfügung gestellt. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu verschiedensten Themen sind hier für alle frei abrufbar, von der Wahrscheinlichkeit von Leben auf dem Saturnmond Titan, über die Auswirkungen des Weltalls auf den Haarwuchs von Astronauten in der ISS bis hin zu Wissen über die Entstehung erdähnlicher Planeten. So können diese Daten zum Beispiel im Sinne Offener Wissenschaft von allen genutzt, und das vorhandene Wissen gemeinsam ausgebaut werden. Auch eine von NASA betriebene Datenbank für Public-Domain-NASA-Technologie gibt es. Sogar ein Teil ihrer Software wird als Software Katalog frei zum Download zur Verfügung gestellt, darunter beispielsweise die Software, die 1969 die erste Landefähre auf den Mond brachte. Man könnte also mit dem Wissen der NASA sein eigenes Raumschiff bauen und damit zum Beispiel Wikipedia zum Mond schießen.

The Blue Marble„, aufgenommen am 7. Dezember 1972 von der „Apollo 17“-Crew auf dem Weg zum Mond.
Bild: NASA, gemeinfrei

Als Teil der Wissensallmende, also unseres kulturellen Gemeinguts, haben alle gleichermaßen Zugriff auf das gesammelte Wissen über das Weltall der NASA – egal ob Privatperson, Wissenschaftler oder Unternehmen. Sie alle erhalten so nicht nur einfachen Zugang zu Informationen, sondern auch die Möglichkeit, eigene Erkenntnisse und Ideen daraus zu entwickeln und diese wiederum zur Gesellschaft beizutragen. Auch für Freie-Wissens-Projekte wie Wikipedia, Wikimedia Commons und Co. steht das Wissen der NASA über das Universum zur Verfügung. Ein Mehrgewinn für alle: Schließlich profitiert auch die NASA von größerer Sichtbarkeit für ihre Arbeit in einer interessierten und informierten Wissensgesellschaft, den Innovationen ihrer eigenen Arbeit durch Dritte, oder neuen Forschungsergebnissen, die auf Erkenntnissen der Nationalen Aeronautik- und Raumfahrtbehörde aufbauen. Zum Beispiel werden von der NASA mit Erdbeobachtungssatelliten erhobene Daten in der Klimaforschung und den Geowissenschaften genutzt, etwa um Gletscherverläufe oder Änderungen des Meeresspiegels zu untersuchen.

Freies Weltall-Wissen in Europa mit freien Lizenzen

Der Mars. Bild: ESA – European Space Agency & Max-Planck Institute for Solar System Research for OSIRIS Team ESA/MPS/UPD/LAM/IAA/RSSD/INTA/UPM/DASP/IDA, OSIRIS Mars true color, CC BY-SA 3.0 IGO

Eine gesetzliche Entsprechung zur Public Domain gibt es in Europa nicht. Hier gilt in aller Regel auch für staatlich finanzierte Werke das Urheberrecht, sie können nicht ohne weiteres frei geteilt werden. Trotzdem haben sich in den letzten Jahren auch viele Europäische Raumfahrtorganisationen, darunter das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR und mittlerweile auch die Europäische Raumfahrtorganisation ESA, dafür entschieden, mehr von ihrem Weltall-Wissen als Freies Wissen zugänglich zu machen – mithilfe einer Open-Access-Strategie und freier Creative-Commons-Lizenzen. Hierfür hatten sich seinerzeit besonders auch Wikimedia Deutschland und einige Ehrenamtliche stark gemacht und Überzeugungsarbeit geleistet.

Wieso aber setzen mittlerweile immer mehr wissenschaftliche oder staatliche Organisationen wie das DLR und die ESA, aber auch sogenannte GLAM-Institutionen (Galerien, Bibliotheken, Archive und Museen) immer mehr auf einen freien und offenen Zugang zu ihren Wissensinhalten besonders im digitalen Raum? Oft, weil sie erkannt haben, dass freie Lizenzen ganz erheblich dazu beitragen können, das von ihnen gewonnene und bewahrte Wissen im Internet sichtbarer und für alle einfacher nutzbar zu machen – zum Beispiel, indem sie es in Wikipedia einem Millionenpublikum zur Verfügung stellen. Ein freier Zugang zu Wissen mithilfe freier Lizenzen bedeutet nämlich nicht – wie häufig befürchtet – einen Kontrollverlust über die eigenen Inhalte. Häufig ist es aber so, dass freie Lizenzen gerade dazu beitragen können, die Sichtbarkeit von Institutionen als Wissensquellen im digitalen Raum zu steigern.

Marco Trovatello, Communication Officer bei der ESA, hat sowohl bei der ESA als auch bereits beim DLR die Implementierung einer Open Access Strategie für Bilder, Videos und (im Falle der ESA) auch für Daten voran getrieben. Auf der re:publica 2017 stellte er die Vorteile von Open Access für die Raumfahrtorganisation vor (hier als Video). Das Fazit: Allein am Beispiel des Wikipedia-Artikels zum Mars lässt sich zeigen, wie sichtbar freie Wissensinhalte unter freien Lizenzen sein können: allein der englischsprachige Artikel zum Roten Planeten wird rund 220.000 Mal pro Monat aufgerufen. Das ist auch ein Mehrgewinn für die Raumfahrtorganisation: Ihr Wissen und ihre Arbeit ist prominent im Internet sichtbar.

Der kasachische Alakölsee. Aufnahme von Copernicus Sentinel-2. Bild: ESA, Alakol Lake ESA365539, CC BY-SA 3.0 IGO

„Freier und offener Zugang zu ESA’s Wissen, Informationen und Daten sind ein Grundstein für unsere Anbindung an die breite Öffentlichkeit und unsere Nutzergruppen und trägt damit zum Gemeinwohl bei“ 

–  Marco Trovatello, Communication Officer bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA

 

Berlin in Falschfarben. Aufnahme des ESA-Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-2A. Bild: ESA, Berlin, Germany ESA348055, CC BY-SA 3.0 IGO

„Diese Evolution hin zum offenen Zugang zu ESAs Bildern, Informationen und Wissen ist ein wichtiges Element bei unserem Ziel, zu informieren, innovieren, interagieren und inspirieren im Weltall 4.0“

Jan Wörner, Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA

Was sind Freie Lizenzen? – Ein Überblick

Derzeit existieren eine ganze Reihe verschiedener freier Lizenzen, die es erlauben Inhalte frei zu nutzen, weiterzuverbreiten oder abzuändern. Zum Beispiel die  GNU-Lizenz für freie Dokumentation, die besonders für freie Software verwendet wird.  Für die Vermittlung von Freiem Wissen werden oft die sogenannten Creative Commons Lizenzen verwendet. Auch die Inhalte der Wikipedia stehen unter der Creative-Commons-Lizenz: CC BY-SA 3.0. Das heißt, alle können das Wissen aus Wikipedia unter der Bedingung nutzen, dass sie die Quelle nennen („BY“), und das Wissen unter gleichen Bedingungen, also frei nachnutzbar weitergegeben wird („SA“= Share Alike).

Die CC-Lizenzen angeordnet nach ihrer Offenheit: von der Gemeinfreiheit („Public domain (PD)“) bis zu „Alle Rechte vorbehalten“ („All rights reserved“). Dabei gelten nur die Lizenzen CC0, CC-BY und CC-BY-SA als freie Lizenzen und können z. B. in Wikipedia eingebunden werden. JoeranDE, Creative Commons Lizenzspektrum DE, CC BY 4.0

Bei Creative-Commons-Lizenzen handelt es sich um modulartig aufgebaute Nutzungslizenzen, mit denen Urheber und Urheberinnen bestimmen können, unter welchen Bedingungen sie ihre Werke der Öffentlichkeit zugänglich machen wollen. Mit der Ausnahme von der Lizenz CC0 (gemeinfrei) ist allen CC-Lizenzen gemein, dass für die rechtskonforme Nachnutzung der Urheber genannt oder, je nach Lizenz, weitere Angaben zur Quelle mitgeliefert werden müssen.

Dabei gelten jedoch nur die Lizenzen CC-BY-SA, CC-BY und CC0 als freie Lizenzen. Sogenannte NC-Lizenzen (NC = non commercial) schließen nämlich bereits eine ganze Reihe auch wünschenswerter Nachnutzungen im Sinne der wissensstiftenden Institutionen aus, denn auch eine Zeitung, die über Weltraumaufnahmen der ESA berichten möchte, ist ja in der Regel Produkt eines kommerzielles Unternehmens und könnte ein NC-lizensiertes Bild nicht ohne Genehmigung abdrucken. Auch für Freie Lehr- und Lernmaterialien (OER) kommen nur freie Lizenzen in Frage: Neben staatlichen Schulen und Universitäten gibt es auch zahlreiche kommerzielle oder werbefinanzierte Bildungsangebote besonders online, die ohne freie Lizenzen nicht auf Originaldaten und -Bilder der Raumfahrtorganisationen zurückgreifen könnten. Ist das nicht auch letztendlich für die Wissensorganisationen ein Problem, die häufig sogar den gesellschaftlichen Auftrag haben, ihr Wissen mit der Gesellschaft zu teilen?

Ein kleiner Schritt…

Wikimedia Deutschland setzt sich dafür ein, dass mit freien Lizenzen nicht nur neue Winkel des Kosmos erschlossen werden, sondern auch auf der Erde mehr Wissen durch freie Lizenzen mit allen frei geteilt werden kann. Deshalb arbeiten wir eng mit Kultur- und Wissensinstitutionen zusammen, und versuchen, sie von den Vorteilen von Freiem Wissen zu überzeugen. Zum Beispiel, in dem wir sie im Rahmen von GLAM-on-Tour mit Ehrenamtlichen aus Wikimedia-Projekten zusammenbringen, um Wissen zu befreien. Oder aber wir suchen nach Datenspenden für unseren Kultur-Hack-a-thon Coding da Vinci, bei dem Ehrenamtliche aus dem Freien Wissen von GLAM-Institutionen neue spannende Software-Projekte entwickeln, die dabei helfen sollen, dieses Wissen auf spielerische und neue Weise einem noch größeren Publikum zugänglich zu machen. Wir sind gespannt, welche unendlichen Weiten des Weltalls wir auf diese Weise noch ganz neu entdecken.

Die Internationale Raumstation ISS vor dem Horizont der Erde. Bild: NASA, gemeinfrei


Weiterführende Informationen und nützliche Tools zu Freien Lizenzen:

Open Content – Ein Praxisleitfaden zur Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen
Der von Medienrechtsanwalt Dr. Till Kreutzer verfasste Leitfaden erklärt die rechtssichere Verwendung von freien Lizenzen, insbesondere Creative-Commons-Lizenzen. Herausgegeben wurde er von der Deutschen UNESCO-Kommission, dem Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen und Wikimedia Deutschland.

Hier Herunterladen als PDF: Deutsch / Englisch

Der Lizenzhinweisgenerator 
ein nützliches Online-Tool, das dabei hilft, für Bilder aus dem freien Medienarchiv Wikimedia Commons schnell und einfach den passenden Creative-Commons-Lizenzhinweis für die freie Nachnutzung zu generieren.


by Denis Schroeder at April 12, 2018 08:53 AM

April 11, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Auf zu neuen Ufern – alles Gute, Barbara Fischer!

Barbara Fischer bei Coding da Vinci. Foto: Volker Agueras Gäng, Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon (14121884425), CC BY 2.0

Fast auf den Tag genau vor sechs Jahren haben wir in diesem Blog Barbara Fischer als Kuratorin für Kulturpartnerschaften begrüßt. Mit dieser damals neu geschaffenen Stelle verband sich die Hoffnung, dass „im Optimalfall über vertrauensbildende Maßnahmen und Türöffner-Projekte langfristige Austauschbeziehungen entstehen, die der digitalen Wissensallmende qualitativ hochwertige Werke hinzuzufügen.“ Weiter hieß es im damaligen Blogpost: „Kulturpartnerschaften erfordern vor allem ein gutes Verständnis von der Arbeit in den entsprechenden Institutionen, eine Sprache und Herangehensweise, die sich im Einzelfall sehr vom Wiki-Style, also einem schnellen und ergebnisoffenen Ansatz, unterscheiden kann.“

Wenn wir heute zurückschauen, stellen wir fest, dass genau dieser Optimalfall eingetreten ist. Das haben wir Barbara zu verdanken, die in der Sprache und Kultur von Institutionen ebenso zuhause ist wie in den Wikimedia-Communities. Ihr ist es gelungen, zahlreiche und dauerhafte Partnerschaften zwischen Kultur- und Gedächtnisinstitutionen und Freiwilligen in den Wikimedia-Projekten aufzubauen und mit den Aushängeschildern GLAM on Tour und Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon das Profil unserer Kulturarbeit erfolgreich zu prägen. Das ist nicht nur für uns ein großer Schatz, sondern dafür genießt sie auch die Wertschätzung von den Freiwilligen in unseren Projekten und den Partnerinnen und Partnern in Museen, Archiven und Bibliotheken.

GLAM on Tour und Coding da Vinci

GLAM on Tour bringt Wikipedia-Aktive und Kultureinrichtungen auf lokaler Ebene zusammen. Gemeinsam organisierte Veranstaltungen mit Schreibwerkstätten und Wikipedia-Workshops, Fotoexkursionen, Führungen und Vorträgen sind der Türöffner für ein intensives, gegenseitiges Kennenlernen. So kamen beispielsweise im letzten Jahr Freiwillige aus der Wikipedia und Fotografinnen und Fotografen der Wikimedia Commons im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zusammen. Unter dem Motto Wiki Loves Music widmeten sie sich drei Tage lang der Verbesserung der Wikipedia-Artikel über Musikinstrumente. Als nächste Veranstaltung ist am 14. Juni ein Besuch im Dokumentations- und Informationszentrum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg in Potsdam geplant.

Wiki Loves Music im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (22.–25. Juni 2017), Foto: Bobo11, WikiLoveMusikHamburg2017 Gruppenfoto 1K4A1233 cropped, CC BY-SA 4.0

Coding da Vinci vernetzt die Kultur- und Technikwelt miteinander und setzt sich dafür ein, dass Digitalisate von Kultur- und Gedächtnisinstitutionen wie Museen und Archive für alle frei zugänglich und nutzbar sind. Seit 2014 konnten so 60 Institutionen aus ganz Deutschland dafür gewonnen werden, über eine Million Medieninhalte wie Bilder, Sounds, Karten, Videos und Metadaten zu verschiedenen Themen für das Freie Wissen zur Verfügung zu stellen. Daraus entstanden in Zusammenarbeit mit Einzelpersonen der technik-begeisterten Community neue Anwendungen, mobile Apps, Dienste, Spiele und Visualisierungen, die das außerordentliche Potenzial des frei genutzten digitalen Kulturerbes anschaulich machen. Am 14. April ist der Auftakt für Coding da Vinci Ost, weitere regionale Ableger werden in diesem und nächsten Jahr folgen.

Unsere Arbeit im Kulturbereich geht also weiter. Ansprechbar für all die Themen rund um Museen, Archive, Kunstsammlungen und Bibliotheken bin neben Holger Plickert auch ich unter kultur@wikimedia.de. Dabei werden wir sicherlich auf Vielem aufbauen, was Barbara begonnen hat, und gleichzeitig darüber nachdenken, welche neuen Akzente wir setzen wollen.

Auf zu neuen Ufern!

Mit dem 1. Mai heißt es nun „Auf zu neuen Ufern!“. Barbara wechselt an die Deutsche Nationalbibliothek und wird dort als Managerin für neue Kooperationen in der Arbeitsstelle für Standardisierung (AfS) tätig. Sie hat die Aufgabe, neue spartenübergreifende Communityprojekte und Kooperationen anzustoßen.

Informationsbesuch von Wikipedianerinnen und Wikipedianern in der Deutschen Nationalbibliothek im Jahr 2008, Foto: Raimond Spekking, Wikipedianer in der Deutschen Nationalbibliothek (5806), CC BY-SA 3.0

Die Deutsche Nationalbibliothek und Wikimedia Deutschland verbindet eine inzwischen zehnjährige Zusammenarbeit. Wikipedia-Artikel werden mit den zugehörigen Einträgen in wichtigen Normdateien wie der der Gemeinsamen Normdatei verknüpft. Bereits seit 2005 arbeiten Wikipedianerinnen und Wikipedianer maßgeblich daran mit, Fehler in der Gemeinsamen Normdatei (GND) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek zu korrigieren. Umgekehrt verlinkt die Deutsche Nationalbibliothek aus den Personendatensätzen in ihrem Katalog automatisiert auf zugehörige Wikipedia-Artikel.

Im letzten Jahr hat die Deutsche Nationalbibliothek in ihrem Entwicklungsprogramm für die Zeit bis 2022 eine Initiative für Normdaten und Vernetzung gestartet. Darin wird das große Potential von Normdaten betont, „das Rückgrat eines maschinenlesbaren, semantischen Netzes der Kultur und Wissenschaft zu bilden“. So verwundert es nicht, dass in den Überlegungen der Deutschen Nationalbibliothek auch die Wikimedia-Projekte eine große Rolle spielen. Und genau an dieser Stelle soll Barbara nun aktiv werden und die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Wikimedia-Projekten weiter ausbauen. Dabei gehört es zu ihren Aufgaben, insbesondere auch die Verzahnung zwischen der Gemeinsamen Normdatei und Wikidata voranzutreiben. Wikidata als frei bearbeitbare mehrsprachige Datenbank für verlinkte, strukturierte Daten könnte beispielsweise die weltweite Verbindung zwischen Büchern, Manuskripten, Bildern und anderen Werken von Goethe und über Goethe sichtbar und maschinell auswertbar machen.

Nach Anknüpfungspunkten muss man also nicht lange suchen. Ich freue mich, dass uns nicht nur mit der Deutschen Nationalbibliothek, sondern auch mit Barbara weiter eine enge Zusammenarbeit an gemeinsamen Zielen verbinden wird. Wir wünschen dir, liebe Barbara, für deinen Start bei der Deutschen Nationalbibliothek alles Gute!

by Dominik Scholl at April 11, 2018 04:09 PM

April 10, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Das Fellow-Programm Freies Wissen geht ins dritte Programmjahr – Jetzt für ein Stipendium bewerben und Wissenschaft offen gestalten!

Bild: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 010, CC BY-SA 4.0

Offenheit ermöglicht Forschenden, aber auch der Gesellschaft als Ganzes, an wissenschaftlicher Forschung und Lehre zu partizipieren. Aus diesem Grund ist Wikimedia Deutschland seit einigen Jahren im Feld der Offenen Wissenschaft aktiv, unter anderem mit dem Fellow-Programm Freies Wissen. Nun wurde die Ausschreibung für das dritte Programmjahr veröffentlicht. Bis zu 20 Stipendien werden an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben, die ihre Forschungsprozesse offen gestalten wollen.

Das Fellow-Programm Freies Wissen

Das Fellow-Programm Freies Wissen ist darauf ausgerichtet, dass Wissenschaft offen zugänglich und transparent gemacht wird. Eine Offene Wissenschaft ermöglicht der Gesellschaft und Forschenden den freien Zugang zu wissenschaftlichen Methoden, Daten, Informationen und Ergebnissen, die als Wissensallmende zur Verfügung gestellt werden. Das Fellow-Programm Freies Wissen ist ein gemeinsames Projekt von Wikimedia Deutschland e. V., dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung, welches 2016 initiiert wurde. Es richtet sich an Menschen, deren Masterabschluss oder gleichwertiger Hochschulabschluss nicht mehr als 10 Jahre zurückliegt, und die an einer (staatlichen oder staatlich geförderten) wissenschaftlichen Einrichtung in Deutschland, Österreich oder der Schweiz tätig sind. Die unten genannten formalen Kriterien vorausgesetzt, sind Forschende eingeladen, sich für ein Stipendium als Fellow zu bewerben.

Ralf Rebmann, Isabella Peters, CC BY-SA 4.0

„Das Fellow-Programm ist eine hervorragende Möglichkeit, sich in Open Science auszuprobieren und sich mit vielen motivierten Gleichgesinnten darüber auszutauschen.“

– Prof. Dr. Isabella Peters (Fellow-Programm Mentorin und Professorin für Web Science an der ZBW Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

Die Fellows werden in ihren Forschungsvorhaben finanziell unterstützt, sie erhalten Zugang zu einem umfangreichen Netzwerk aus Expertinnen und Experten für Offene Wissenschaft sowie die Möglichkeit, ihr eingereichtes Projekt gemeinsam mit einer erfahrenen Mentorin oder einem erfahrenen Mentor weiterzuentwickeln. Durch die Vernetzung der Fellows innerhalb des Fellow-Programms und darüber hinaus mit der Community für Offene Wissenschaft können neue Impulse für geförderte Forschungsvorhaben aufgenommen und realisiert werden. Begleitet wird das acht Monate dauernde Fellow-Programm mit Workshops und Tagungen, die sowohl Vernetzung als auch Qualifizierung zum Ziel haben.  

Darüber hinaus sollen die Fellows als Botschafterinnen und Botschafter für Freies Wissen agieren und die Idee einer Offenen Wissenschaft in ihren und anderen wissenschaftlichen Institutionen und Communities verbreiten sowie darüber hinaus den Wissenstransfer in die Gesellschaft voranbringen, etwa durch Vorträge oder Workshops. Eine Übersicht entsprechender Aktivitäten der aktuellen Fellows ist hier zu finden

Das bietet das Fellow-Programm:

  • Qualifizierung & Know-how zu Freiem Wissen und Offener Wissenschaft
  • Mentoring durch ein Netzwerk aus erfahrenen Expertinnen und -Experten im Bereich Offene Wissenschaft
  • Impulse für die eigene Forschung und Vernetzung mit der Community für Offene Wissenschaft
  • Finanzielle Unterstützung für die Umsetzung der Projektvorhaben

Die Idee einer Offenen Wissenschaft zu stärken und damit den Wissenstransfer in die Gesellschaft und die Qualität wissenschaftlicher Forschung und Lehre zu verbessern, sind zentrale Anliegen des Programms: Transparenz, gemeinschaftliches Arbeiten und Lernen, Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit wissenschaftlichen Arbeitens sind dafür elementare Voraussetzungen. Hierzu soll der Austausch und die Vernetzung von Aktiven im Bereich Offene Wissenschaft gefördert werden, um damit schrittweise die Öffnung von Wissenschaft und Forschung weiter voranzutreiben.

Lena Reibelt, Lena Reibelt, CC BY-SA 4.0

„Das Fellow-Programm hat mir Einblicke und Kenntnisse in Offener Wissenschaft vermittelt, die ich sonst nicht erfahren hätte – erfahren im theoretischen sowie praktischen Sinn. Das Fellow-Programm hat geholfen, die Einstiegshürde zu überwinden, und vieles einfach mal auszuprobieren und sich dahinterzuklemmen“ 

– Lena Reibelt (Fellow im Programmjahr 2016/2017)

Die bisher im Rahmen des Programms geförderten Projekte sind überaus vielfältig und reichen von der Digitalisierung und wissenschaftlichen Aufbereitung von Daten deutscher Bundesgerichte über Konstruktion eines wissenschaftlichen Gerätes zur Beobachtung von Honigbienen als Open Hardware bis zur Entwicklung Internetplattform, mit der Videotelefonate zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Schülerinnen und Schülern vereinbart werden können.

Im Programmjahr 2018/2019 werden erneut insgesamt bis zu 20 Stipendien vergeben.

Bewerbung

Wir freuen uns auf Bewerbungen (auf Deutsch oder Englisch) von Doktorandinnen und Doktoranden, Post-Docs, Juniorprofessorinnen und -professoren (oder Personen in vergleichbarer Position) oder wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, deren Hochschulabschluss nicht mehr als zehn Jahre zurückliegt und die an einer (staatlich geförderten oder anerkannten) wissenschaftlichen  Einrichtung in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig sind. Man kann sich mit einem derzeitigen Forschungsprojekt oder geplanten Forschungsvorhaben bewerben und sollte dabei deutlich machen, welche Aspekte der Forschung im Sinne von Offener Wissenschaft geöffnet werden sollen.

Die Fellows der aktuellen Programmrunde und ihre Mentorinnen und Mentoren, Bild: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 189, CC BY-SA 4.0

Bewerbungsvoraussetzungen

  • Masterabschluss oder gleichwertiger Hochschulabschluss, der nicht mehr als zehn Jahre zurückliegt
  • Tätigkeit an einer (staatlich geförderten oder anerkannten) wissenschaftlichen Einrichtung
  • Interesse an offener Wissenschaft und Freiem Wissen (siehe Open Definition)
  • Veröffentlichung der im Rahmen des Fellow-Programms durchgeführten Forschung (Methoden, Daten, Publikationen) gemäß der Open Definition
  • Teilnahme an drei Präsenzveranstaltungen
  • Aktive Teilnahme am Mentoring
  • Mitarbeit bei der prozessbegleitenden Evaluation des Fellow-Programms (z. B. self-assessments zu Offener Wissenschaft vor und nach Teilnahme am Programm, Analyse der eigenen wissenschaftlichen Einrichtung, strukturierte Reviews mit den Mentoren und Mentorinnen,  Zwischen- und Abschlussbericht)
  • Aktive Kommunikation über den eigenen Projektstand sowie über die im Programm erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen zu Offener Wissenschaft (z. B. durch Fachbeiträge  zum eigenen Projekt oder Vorträge im Rahmen fachspezifischer Veranstaltungen)

Maßgebliche Auswahlkriterien

  1. Motivation, im Rahmen des Fellow-Programms die eigene Forschung im Sinne von Offener Wissenschaft zu öffnen und unterschiedliche Instrumente offener Wissenschaft zu nutzen.
  2. Ambitionierte, aber erreichbare Ziele und die Aussicht auf vorzeigbare Ergebnisse bis Juni 2019. Bitte darstellen, wie die Mittel konkret verwendet werden sollen, um den Projekterfolg zu sichern. Das Stipendium ist frei einsetzbar (von Hilfskräften bis zur Zwischenfinanzierung), soll aber dem Projekterfolg zuträglich sein.
  3. Beitrag des Vorhabens in Bezug auf die Förderung Freien Wissens, insbesondere durch die Bereitschaft, die Idee von Offener Wissenschaft in der eigenen Institution und in den eigenen Communities zu verbreiten.

Im Sinne der Transparenz des Auswahlprozesses und Offenheit sind die Bewerberinnen und Bewerber dazu angehalten, ihre Projektskizzen zusätzlich auf Wikiversity zu veröffentlichen und so für alle Interessierten einsehbar und kommentierbar zu machen.

Mehr Informationen zum Bewerbungsprozess gibt’s auf der Wikiversity-Seite des Programms.

Die Bewerbungsfrist endet am 15. Mai 2018.

 

by Christopher Schwarzkopf at April 10, 2018 08:00 AM

April 06, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

#WikiGap-Edit-a-thon – Für ein gleichberechtigtes Internet

Wikipedia ist das größte User-generierte Nachschlagewerk der Welt. Der Inhalt der Wikipedia entscheidet maßgeblich darüber, welche Themen und Personen im Internet sichtbar sind. Frauen sind in der Wikipedia, genauso wie in anderen Teilen der Gesellschaft, unterrepräsentiert.

Ihr könnt das verändern!

Gemeinsam mit der Schwedischen Botschaft laden die Organisatorinnen von WomenEdit deshalb zum Edit-a-thon #WikiGap für ein gleichberechtigtes Internet ein, am:

14. April 2018 | 12:00 bis 17:00 Uhr
Felleshus der Nordischen Botschaften | Rauchstraße 1 | 10787 Berlin.

Kommt vorbei, redigiert und verbessert bestehende Artikel oder beginnt einen ganz neuen Artikel zu einem Thema eurer Wahl.

Der Edit-a-thon findet in den Nordischen Botschaften in Berlin statt. Bild: Magnus Bäck, Nordic embassies Berlin (July 2008) 4, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons.

Auf der Suche nach Inspiration?

Das Online Magazin Edition F verleiht dieses Jahr den fünften Edition F Award an „25 Frauen, die unsere Wirtschaft revolutionieren“. Unter den Nominierungen findet ihr 50 Frauen, die großartige Ideen, aber bisher nicht alle einen eigenen Wikipedia-Eintrag haben.

Alle sind herzlich willkommen an #WikiGap teilzunehmen: interessierte Neulinge ebenso wie erfahrene Wikipedianer und Wikipedianerinnen. Wir freuen uns über die Teilnahme von Frauen und Männern, Mädchen und Jungs.

Programm

12:00 Uhr: Videobotschaft von der schwedischen Außenministerin Margot Wallström
12:05 Uhr: Begrüßung und Impuls durch Verena Lindner, Teamleiterin in der Ideenförderung bei Wikimedia Deutschland e. V.
12:15 Uhr: Praktische Einführung: Wie werde ich Wikipedianer/in?
ab 12:45 Uhr: Fika und freies Editieren

Anfänger und Anfängerinnen erfahren in einer Einführung von den Expertinnen von WomenEdit, wie das Editieren in der Wikipedia funktioniert. Bringt gern einen eigenen Laptop mit.  Für WLAN und Nervennahrung ist gesorgt!

Um uns die Planung zu erleichtern, wird um eine kurze Anmeldung unter IvaBerlin@wikipedia.de gebeten.

Mehr Informationen findet ihr auch auf der Wikipedia-Seite der Veranstaltung.

Herzlich willkommen! | Varmt välkomna!

by Denis Schroeder at April 06, 2018 02:40 PM

April 05, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 14/2018

Die Wikimedia:Woche 14/2018 mit aktuellen Neuigkeiten aus der Welt des Freien Wissens ist da!

In der Wikimedia:Woche 14/2018 sind unter anderem ein Interview mit dem Wikipedianer Harald Krichel, der aktuelle Report zu den wikimedianischen Lobbyaktivitäten auf EU-Ebene, der kommentierbare Entwurf für den Jahresplan 2018/2019 der Wikimedia Foundation und der Impact Report von Wikimedia Deutschland zu finden.

Zur Wikimedia:Woche 14/2018 geht es hier.

by Jonas Sydow at April 05, 2018 02:44 PM

April 04, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Bessere rechtliche Rahmenbedingungen für Freies Wissen erreichen: Teil 1 – Brüssel

Place du Luxembourg, Brüssel. Foto: JLogan,CC BY 3.0

Anna Mazgal arbeitet bei Wikimedia Deutschland als Projektmanagerin EU-Politik in Brüssel. Zuvor war sie Head of Policy beim Centrum Cyfrowe, einem polnischen Think-and-Do-Tank zu digitalen Rechten in Kultur und Bildung. Sie ist Präsidentin der COMMUNIA Association, einer internationalen Gruppe von Aktivisten, die sich für den Schutz der Gemeinfreiheit im Netz und der Rechte von Nutzenden einsetzen. Ihr Blogbeitrag erschien auch auf Englisch im Blog der Wikimedia Foundation.

Um Wikipedia und andere Wikimedia-Projekte für die Zukunft zu stärken, braucht es gute rechtlichen Rahmenbedingungen für Freies Wissen. Diese zu verbessern, ist Aufgabe des Teams Politik & Recht bei Wikimedia Deutschland.

By Dimi z, EU policy group, CC0 1.0

Da die maßgebliche Gestaltung des Rechtsrahmens für Freies Wissen auf EU-Ebene erfolgt, haben wir auch zwei Mitarbeitende in Brüssel, die den Kern der Free Knowledge Advocacy group EU bilden. Dimitar Dimitrov ist seit 2013 als Botschafter der europäischen Wikimedia-Chapter vor Ort. Seit 2017 wird er von Anna Mazgal unterstützt, die sich speziell für Verbesserungen des rechtlichen Rahmens im Bildungsbereich einsetzt und hier von ihrer Arbeit berichtet.

Als einstiges Nischenthema in der analogen Welt, stellt sich ein an die vernetzte Gesellschaft angepasstes, zeitgemäßes Urheberrecht immer mehr als Voraussetzung für die Realisierung digitaler Potentiale für den Zugang zu Wissen genauso wie für eine lebendige und freie Netzkultur heraus. Das Urheberrecht entscheidet nämlich darüber, wie frei wie multimediale Inhalte im Internet miteinander teilen können – oder eben nicht. Mit dem Wechsel der EU-Ratspräsidentschaft hat die Diskussion über eine Reform des EU-Urheberrechts neue Fahrt aufgenommen. Im Zentrum der Debatte stehen die Vorschläge der Kommission zur Einführung von Upload-Filtern und eines EU-Leistungsschutzrechtes, die  Meinungs- und Kunstfreiheit im Netz bedrohen und auch für die Wikimedia-Projekte große Schwierigkeiten mit sich brächten (siehe Blogbeitrag zu Upload-Filtern). Hier stellen wir die für Freies Wissen relevanten politischen Themenfelder noch einmal genauer vor.

Urheberrecht: Digitaler Binnen- …was!?

Die Europäische Kommission entwirft Vorschlag um Vorschlag, um Zugangsschranken zu Informationen, Kultur und Bildung im Netz zu beseitigen. Man will so einen Digitalen Binnenmarkt schaffen. Die EU hat heute kaum noch physische Grenzen, doch ausgerechnet im Internet, das angeblich so grenzenlos ist, kann eine Vielzahl von Inhalten nicht in allen Ländern abgerufen werden. Zum Beispiel sind nationale Sportevents oft nicht online von einem anderen EU-Land aus zugänglich. Innerhalb des digitalen Binnenmarkts, der den Rahmen für den Zugang zu solchen Inhalten bildet, sollte es dieses Problem nicht geben!

In jedem Land innerhalb der Europäischen Union gelten unterschiedliche Urheberrechts-Regeln für die Offline- und Online-Nutzung von Texten, Bildern oder Kunstwerken. Ein berühmtes Beispiel dafür ist der Urheberrechtsschutz von Werken, der in Europa im Allgemeinen bis 70 Jahre nach dem Tod von Werkschaffenden gilt. In Frankreich aber gibt es zum Beispiel Sonderbestimmungen für die Werke von Autorinnen und Autoren, die während des 2. Weltkriegs gestorben sind. Daher ist „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry seit Anfang 2015 in ganz Europa frei verfügbar – außer im Heimatland des Autors, wo er für weitere 30 Jahren geschützt sein wird. Aber natürlich können Franzosen und Französinnen auch schon jetzt auf den Originaltext zugreifen, da dieser ja in jedem anderen EU-Land online veröffentlicht wurde.

Panoramafreiheit: Nutzende müssen ihre Rechte nutzen können

Flickenteppich statt Panoramafreiheit: Auch infrastrukturell könnte das in der EU zu einem Problem werden. Maximilian Dörrbecker Giorgi Balakhadze, Levels of Freedom of Panorama of Europe (large), CC BY-SA 3.0

Das Urheberrecht ist voll von solchen Absurditäten. Hauptsächlich resultieren sie daraus, dass das Urheberrecht im analogen Zeitalter entworfen wurde. Zum Beispiel ist die Panoramafreiheit oder die Möglichkeit, Bilder von Gebäuden zu verwenden, deren Gestaltung urheberrechtlich geschützt sind, noch immer nicht überall in der EU verbreitet. Ein Europa ohne ein solches Recht bedeutet auch ein europäisches kulturelles Erbe ohne Johannes Vermeers „Ansicht von Delft“.

Wie viele Mitglieder der Wikimedia-Community wissen, gehört die Panoramafreiheit zu den Themen, für die wir uns derzeit intensiv einsetzen. Das hat damit zu tun, dass die Europäische Kommission versucht, das Urheberrecht in den digitalen Binnenmarkt zu integrieren. Seit über einem Jahr diskutieren wir über den Vorschlag für eine neue Richtlinie, die in mancher Hinsicht nicht ehrgeizig genug, in anderer geradezu schädlich für alle Werte unserer Freiwilligen-Communities ist. Sie enthält nicht einmal den Versuch, Panoramafreiheit in der gesamten EU einheitlich zu regeln. Nach eigenen Worten der Kommission wird zwar “dringend empfohlen, dass alle Mitgliedstaaten diese Ausnahme umsetzen„, doch enthält der Vorschlag keine Bestimmungen, die eine solche Ausnahme verbindlich vorschreiben.

Upload-Filter: Kommt der größte Netzfilter aller Zeiten?

Leider enthält die Richtlinie auch andere sehr problematische Punkte, die im Falle der Umsetzung das Internet für immer verändern würden. Die Europäische Kommission möchte, dass Plattformen, auf denen vor allem nutzergenerierte Inhalte zu finden sind, so genannte Upload-Filter installieren. Diese würden alle Videos, Fotos, Text, Musik und sonstigen Arten von Inhalten präventiv blockieren und auf mögliche Urheberrechtsverletzungen prüfen. Allein die Verbreitung von Memes oder das Teilen eines Urlaubsvideos mit Hintergrundmusik würde dadurch unmöglich, selbst wo eigentlich gesetzliche Erlaubnisse wie das Zitatrecht greifen müssten. Ein Algorithmus kann nun einmal schwerlich erkennen, ob es sich bei einem Beitrag im konkreten Kontext um eine Parodie, eine zitiertes Kunstwerk oder eine sonstige ausnahmsweise erlaubte Nutzung handelt.

Community kann Kontext. Filter nicht. Wikimedia Deutschland setzt sich auch auf EU-Ebene gegen Upload-Filter ein. Foto: Christian Schneider, CC BY-SA 4.0

Eine Gefahr besteht auch darin, dass die Idee dieser Vorfilterung von Inhalten auf Bereiche jenseits des Urheberrechts übertragen wird. Viele Stimmen aus Brüssel würden die Verwendung von automatischen Filtern hinsichtlich des Jugendschutzes oder der Bekämpfung von Hasstiraden unterstützen. Diese Problemfelder sind jedoch meist so kompliziert, dass sie eine gerichtliche Intervention und eine Einzelfallanalyse erfordern, um Minderjährige umfassend zu schützen und gleichzeitig das Recht auf Äußerung der freien Meinung zu erhalten.
Sobald private Unternehmen einmal dazu gezwungen worden sind, in Upload-Filter-Technologien zu investieren, können die so entstandenen Filter-Infrastrukturen sehr leicht für andere Zwecke umfunktioniert werden. So etwas sollte Europa nicht in die Welt setzen. Es ist leider abzusehen, dass durch diese Urheberrechtsreform auch die Meinungsfreiheit in Gefahr gerät. Wollen wir wirklich, dass private Unternehmen darüber entscheiden, was wir lesen und sehen sollten? Und dass diese Entscheidungen durch einen Algorithmus getroffen werden, dessen Code ein Geschäftsgeheimnis ist?

Freie Bildung: Das Urheberrecht gehört nicht ins Klassenzimmer

Wir hofften, dass lang bestehende Probleme durch die Aktualisierung des Urheberrechts und dessen Anpassung an die heutige Realität im Rahmen der Reform gelöst würden. Unter anderem ist die Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Material für Bildungszwecke nicht überall in der EU umfassend möglich. Die dafür vorgesehene urheberrechtliche Schrankenregelung ist für die EU-Mitgliedstaaten nicht obligatorisch, sodass es Länder gibt, in denen ein Lehrer oder eine Lehrerin Lizenzgebühren zahlen muss, um einen Film während eines nachmittäglichen Filmclubs in der Schule zu zeigen.

Auch im Rahmen der kommenden Reform soll diese bestehende Schranke nicht in eine obligatorische umgewandelt werden. Vorgeschlagen wurde lediglich eine neue obligatorische Regelung zur Nutzung digitaler Werke in Bildungseinrichtungen und Online-Kursen. Bei der Umsetzung dieses Vorschlags könnten Pädagogen und Pädagoginnen Videos, Fotos und andere Online-Ressourcen nur dann verwenden, wenn diese bestimmte Art von Inhalt in ihrem Land nicht unter Lizenz erhältlich ist. Diese obligatorische Ausnahme kann also durch die Vergabe von Lizenzen – die in jedem EU-Mitgliedstaat unterschiedlich sind – effektiv außer Kraft gesetzt werden.

Außerdem dürfte im Jahre 2018 inzwischen allen klar sein, dass das Lernen auch außerhalb des Klassenzimmers stattfindet. Bibliotheken, Museen, NGOs aber auch Peer-to-Peer-Lernen und informeller Nachhilfeunterricht sind wichtige Bestandteile des Lern-Ökosystems. Die Europäische Kommission ignoriert all dies und favorisiert eine Sicht auf das Bildungssystem wie im vergangenen Jahrhunderts. Falls die Reform so in Kraft tritt, müssen Lehrende auch weiterhin viel Zeit darin investieren, herauszufinden, ob sie Online-Filmclips oder Fotos in ihren Klassen verwenden dürfen oder nicht. Damit gehen wertvolle Kapazitäten verloren, die sie in Lehre und Pädagogik stecken könnten.

An die Arbeit!

Dimitar „Dimi“ Dimitrov, Foto; Jean-Frédéric, zugeschnitten von Denis Schroeder (WMDE), CC0 1.0

Was können wir bei all diesen Problemen tun? Wikimedia hat eine offizielle Position veröffentlicht, die mit der Community abgestimmt wurde und in vielen europäischen Sprachen verfügbar ist. Die zwei Menschen in Brüssel, Dimi und seit Ende 2017 auch Anna, haben sich mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments (oder MEPs) getroffen und diesen die Position unseres Movements näher gebracht. Hierbei waren insbesondere diejenigen Abgeordneten relevant, die in den beteiligten Fachausschüssen des Parlaments inzwischen auch ihr Votum zur Urheberrechtsreform abgegeben haben. Das sind die Ausschüsse für Kultur und Bildung, Industrie und Forschung, Binnenmarkt und bürgerliche Freiheiten.

Anna Mazgal, Foto: Jan Apel (WMDE), zugeschnitten von Denis Schroeder (WMDE), CC-BY-SA 4.0.

Kein Ausschuss hat bisher dafür votiert, die Inhaltsfilterung vollständig zu streichen. Stattdessen haben der Ausschuss für Binnenmarkt und der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten einen Kompromiss verabschiedet. Dieser besteht darin, dass Plattformen Vereinbarungen eingehen müssen mit Unternehmen, die Rechte an Filmen, Musikvideos und Bildern besitzen, und dass die Plattformen rechtsverletzende Uploads nach Benachrichtigung zu entfernen haben. Dafür braucht es keine Vorab-Erkennung und Filterung von Uploads. Jetzt warten wir noch gespannt auf die Abstimmung im federführenden Rechtsausschuss, der den letztendlichen Standpunkt des Europäischen Parlaments im sogenannten Trilog maßgeblich bestimmen wird.

Triloge sind geschlossene Verhandlungen zwischen dem Europäischen Parlament, der Kommission und dem Rat der EU. Sie sind immer dann notwendig, wenn die Ansichten dieser drei EU-Gesetzgebungsorgane inhaltlich deutlich auseinander liegen, was bei dieser Reform wahrscheinlich der Fall sein wird. Der Rat diskutiert derzeit entsprechend seinen eigenen Standpunkt, den er in den Trilog einbringen wird, und die Debatte dort war bisher entmutigend – viele Mitgliedstaaten haben wenig gegen die Filterung von Inhalten einzuwenden.

Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir in Brüssel nur begrenzte Einflussmöglichkeiten, um die Delegationen der Mitgliedstaaten daran zu hindern, falsche Entscheidungen zu treffen. Hier ist die Stimme von Aktivistinnen und Aktivisten, Experten und Expertinnen, Bürgerinnen und Bürgern in jedem Land der EU gefragt! Jede Regierung schätzt die Stimme ihrer Wähler und Wählerinnen. Es ist an der Zeit, sich zu Wort zu melden, Fragen zu stellen und Bedenken zu äußern.

Xavier Häpe, European flag outside the Commission, gedreht von Denis Schroeder (WMDE), CC BY 2.0


Weiterführende Links:

by Lilli Iliev at April 04, 2018 03:09 PM

March 30, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Berlinale-Glamour für die Wikipedia

Gerade bist du zur Berlinale zu Gast in Berlin und lichtest bei eisigen Temperaturen Filmstars für die Wikipedia ab. Was begeistert dich an diesem Hobby?

Über Wikipedia habe ich das Fotografieren so richtig erst gelernt. Kameratechnik hat mich lange interessiert, aber die Fotos habe ich nur für mich gemacht. Die Wikipedia hat meinem Fotografieren einen Zweck gegeben, plötzlich werden Artikel bebildert und meine Fotos so richtig gesehen – und genutzt. Im Januar hatte ich zwei Millionen Views, da kann ich mit professionellen Fotografen konkurrieren. Gestern habe ich zum Beispiel Steven Soderbergh, Joaquin Phoenix und den iranischen Star Leila Hatami vor die Linse gekriegt. Leila Hatami hat so ein Charisma, einfach unvergesslich.

Harald Krichel. Kathrin Krichel, Harald Krichel-6756, CC BY-SA 4.0

Ursprünglich bist du aber wie viele über das Lesen und Schreiben von Artikeln zur Wikipedia gekommen…

Ja, derweil fotografiere ich hauptsächlich und übe meine redaktionelle Rolle als Admin aus. Ich bin aber schon seit 2003 dabei. Vor fast 15 Jahren habe ich mich angemeldet und meinen ersten Artikel angelegt zu Friedrich Theodor Vischer, einem Philosophen und entfernten Verwandten von mir, der in der Frankfurter Paulskirchenversammlung saß. Da habe ich das erste mal ein Artikelchen angelegt, eigentlich kaum mehr als ein Halbsatz. Dann wurde mir allerdings gleich erklärt, dass Wikipedia-Artikel aus ganzen Sätzen bestehen. Es hieß:  “Wir haben den Platz”.

Wie wurde daraus dann ein Hobby?

Das ging eher langsam. 2003 bis 2005 habe ich noch nicht viel beigetragen, erst 2006 ging es richtig los. Das war wahrscheinlich sogar mein aktivstes Jahr. Ich begann, letzte Änderungen zu kontrollieren, Neulinge einzuführen und Vandalen zu jagen und bin dann im November zum Admin gewählt worden. Seitdem bin ich dauerhaft in den Wikimedia-Projekten aktiv.

Wie wurde aus dem Allein-zu-Hause-vorm-Computer-Hocken und Sich-für-Freies-Wissen-Begeistern eine aktive Rolle in der Community?

Es fing an mit Wikipedia-Stammtischen. Ich erinnere mich an den ersten Wikipedianer, den ich damals bei einem Stammtisch in Krefeld kennenlernte (abgesehen von Henriette Fiebig, einer bekannten Wikipedianerin, die ich noch von der Uni kannte). Der sah schon ein bisschen nerdig aus und ich habe sofort gedacht, das muss er sein, der passt hier nicht rein. Das ist kein Krefelder, der seine Abende in einer Braustube verbringt, sondern einer der Nerds, mit denen ich mich verabredet habe. Über die ersten Bekanntschaften bei Stammtischen wurde ich mir der Existenz des Vereins bewusst, der damals erst einen einzigen Angestellten hatte. Auf meiner dritten Mitgliederversammlung habe ich dann fürs Präsidium kandidiert.

Was hat dich dazu bewogen?

Tatsächlich nicht mehr nur allein vorm Computer zu sitzen. Als Programmierer im Schwarzwald war ich damals glücklich mal unter Menschen zu sein, die sich für dieselbe Sache interessierten.

Was interessiert dich an dieser Community?

Die diesjährige Berlinale-Preisträgerin Idina Pintilie, fotografiert von Harald Krichel. Harald Krichel, Adina Pintilie-9078, CC BY-SA 4.0

Als Teil der Community möchte ich das Projekt voranbringen. Das Spannende an den Wikimedia-Projekten ist, dass sich hier auch Menschen engagieren (können), denen sonst verschiedenste Barrieren die Teilhabe erschweren, sei es Schüchternheit oder physische Einschränkungen. Die internetbasierte Zusammenarbeit bringt natürlich neue Hürden mit sich; die Wikimedia-Community ist bekannt für ihre Streitlust. Ich selbst versuche, damit konstruktiv und mit Humor umzugehen, uns allen geht es schließlich um die gemeinsame Sache: dieses Nachschlagewerk zu schaffen, das man jederzeit und überall in der Tasche hat. Ich habe auch vor Wikipedia schon Lexika gesammelt und Brockhäuser gehandelt. Jetzt das Wissen der Welt auf dem Smartphone zu haben, ist ein riesiger Fortschritt.

Vor ein paar Tagen musste ich lachen, als ein Jungwikipedianer ein Foto von einigen der ersten Smartphones postete. Da war ein Sony von 2005 dabei, so antik wie das heute anmuten mag, konnte man damals dennoch schon auf unter 2 Zoll die letzten Änderungen an Wikipedia-Artikeln durchgehen und sehen, wenn jemand vandaliert hat.

Harald Krichel, Idris Elba-4822, CC BY-SA 4.0

Heute fühlen sich viele Neu-Wikipedianerinnen und -Wikipedianer überfordert von der riesigen Anzahl ausführlicher Artikel und wissen nicht so recht, welche Lücken sie noch füllen können. Was empfiehlst du als „alter Hase” interessierten Neulingen?

Als Community müssen wir unbedingt kommunizieren, dass es zahlreiche einfache Möglichkeiten gibt, sich für die Projekte zu engagieren, und dass die Wikipedia von der aktiven Beteiligung lebt. Das ist das Gute an Fotos; sie sind niedrig hängende Früchte. Ich schieße heute bei der Berlinale ein Foto von einer aufstrebenden polnischen Regisseurin und in zwei Wochen ist es bereits das meistgesehene Foto von ihr. Das ist ein toller Anreiz.

by Lisa Dittmer at March 30, 2018 11:08 AM

March 29, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 13/2018


In der Wikimedia:Woche 13/2018 ist das Datum für die WikiCon 2018 zu finden, das seit einigen Tagen fest steht. Außerdem geht es um gleich zwei Wikipedianische-KulTour-Veranstaltung bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und eine erste Beteiligungsmöglichkeit im Hinblick auf die Europawahl 2019.

Zur Wikimedia:Woche 13/2018 geht es hier.

 

by Nicolas Rueck at March 29, 2018 01:42 PM

Der Countdown für die WMCON 2018 läuft!

Vorbereitungen für 300 Gäste. Jason Krüger for Wikimedia Deutschland e.V., Wikimedia Conference 2017 – 20, CC BY-SA 4.0

Drei Programm-Pfade mit etwas für jeden Geschmack

Das Programm für die Wikimedia Conference 2018 nimmt Gestalt an. Wir haben die letzten Wochen damit verbracht, alle Registrierungen der Teilnehmenden zu verarbeiten und die Antworten in Programmpunkte für die diesjährige Konferenz umzuwandeln. Inzwischen haben wir ein knackiges vorläufiges Programm erarbereitet (Änderungen werden sich sicherlich noch ergeben), und wir sind ziemlich zufrieden mit dem, was dabei herausgekommen ist. Der Terminplan für die einzelnen Programmpunkte wird in ungefähr zwei Wochen veröffentlicht. Wir freuen uns aber, im Vorfeld hier bereits eine kleine Vorschau liefern zu können.

Wie bereits angekündigt, wird die Konferenz wieder drei programmatische “Tracks” haben: “Movement Strategy” (Strategie), “Movement Partnerships” (Partnerschaften) und “Capacity Building & Learning” (Kapazitätssteigerung & Lernen). Für alle drei Programm-Pfade haben wir uns hauptsächlich auf interaktive Sessions konzentriert, die eine aktive Teilnahme erfordern. Wir empfehlen daher allen Teilnehmenden, sich auf die Konferenz vorzubereiten, und werden dafür im Vorfeld relevantes Lesematerial versenden.

Die Reise zum Strategieprozess

Der Strategie-Track wird die Phase II des Movement-Strategy-Prozesses einleiten. In diesem Track baut jede Sitzung auf der vorherigen auf. Die Chancen und Herausforderungen, die sich aus der strategischen Ausrichtung ergeben, werden ebenso angesprochen wie die Kontextualisierung für alle Mitgliedsorganisationen. Der Strategie-Track erfordert ein hohes Maß an Engagement; Er ist als Reise konzipiert, bei der wir uns wünschen, dass Teilnehmende an allen drei Tagen der Konferenz mit an Bord sind.

Ziel ist es, eine erste Struktur für eine Reihe von thematischen Arbeitsgruppen zu schaffen, die im Laufe des kommenden Jahres daran arbeiten werden, verschiedene Themen (die auf der WMCON herausgearbeitet werden sollen) im Lichte der strategischen Ausrichtung anzugehen.

Solltest du dich vor allem für die Themen “Partnerships” und “Capacity-Building & Learning” interessieren, möchtest aber trotzdem wissen möchten, was im Strategieprozess vor sich geht, gibt es übrigens keinen Grund zur Verzweiflung: Es wird auch Plenarsitzungen geben, bei denen sich alle einbringen können.

Wählen Sie aus den Partnerships- und Learning-Buffets aus

Nach einem erfolgreichen Track zu Partnerschaften im letzten Jahr, gehen wir damit in die nächste Runde! Innerhalb dieses Tracks wird es ein „Partnerships Playbook“ geben, bestehend aus Kapitel I, Kapitel II und Kapitel III, in denen es um allgemeine Praktiken zu Partnerschaften geht. Außerdem hat jeder, der konkrete Probleme hat, die Möglichkeit, unsere Experten in der Partnerschaftsklinik zu konsultieren. Im Vorfeld wurde uns großes Interesse an Partnerschaften zwischen einzelnen Länderorganisationen signalisiert. Deshalb

wird es in diesem Jahr einen Partnerschaftsmarkt geben. Hier kannst du deineIdee auf den Markt bringen – und findest so vielleicht eine weitere Länderorganisation als Partner! Wenn du auf der Suche nach Inspiration bist, könnten die drei “Sharing Talks” über Partnerschaften in den Bereichen GLAM, Bildung und Grassroots genau das Richtige für dich sein.

Für den Track “Capacity Building & Learning” haben wir erneut festgestellt, dass ein großes Interesse an verschiedenen Aspekten von Governance sowie an Community-Support, Event-Organisation und dem Einsatz verschiedener Tools besteht. Innerhalb dieser Themen haben wir folgende Sitzungen eingerichtet:

Außerdem wird es einen zweistündigen Workshop zu Strukturierten Daten auf Commons geben, von dem wir wissen, dass viele von euch daran interessiert sind. Das vollständige Programm gibt es hier zu sehen.

Beilagen zum Programm

Die Mehrheit der Antworten zur Registrierung zeigte erneut, dass die WMCON als wichtiger Ort geschätzt wird, um sich zu treffen und miteinander zu vernetzen. Wir erarbeiten zur Zeit noch den sozialen Teil des Konferenz-Programms und wollen sicherstellen, dass es genügend Räume für Treffen und informelle Gespräche gibt. Bitte nicht vergessen, eure regionalen, thematischen oder sprachspezifische Treffen auf der entsprechenden WMCON-2018-Seite einzutragen.

In der Zwischenzeit posten wir bis zur Konferenz jeden Tag Foto mit einem Zitat von diesjährigen WMCON-Teilnehmenden. Wenn du dir davon schon mal ein erstes Bild machen möchtest, findest du hier die offizielle Facebook-Gruppe zur Wikimedia Conference 2018In der Facebook-Gruppe haben wir auch ein paar Fakten und Fotos zu den ersten WMCONs zusammengestellt, um zu zeigen, wie sich die Konferenz im Laufe der Zeit entwickelt hat. Wir wurden teilweise dazu inspiriert, weil wir an einem Bericht über unsere Erkenntnisse aus den letzten drei Jahren WMCON-Organisation gearbeitet haben. Den Drei-Jahres-Bericht findet man hier.

Die Wikimedia Conference findet am selben Tagungsort statt wie letztes Jahr. Wir freuen uns auf euch! Beko, Wikimedia Conference 2017 Day 2․ (6), CC BY-SA 4.0

Die Wikimedia Conference 2018 findet vom 20 bis zum 22 April in Berlin statt.

 

by Denis Schroeder at March 29, 2018 08:54 AM

March 27, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Open Hardware in den Ingenieurwissenschaften

Das Fellow-Programm Freies Wissen ist eine Initiative von Wikimedia Deutschland, dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne Offener Wissenschaft zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. Denn: Wir glauben an das Potential offener und kollaborativer Forschung. In unserem Blog stellen die Fellows einige ihrer Projekte vor und berichten über ihre Erfahrungen im Umgang mit offener Wissenschaft in der Praxis. Hier berichtet Stipendiat Hans Henning Stutz über sein Projekt Das Gläserne Gerät von der Entwicklung, zur Nutzung bis zum Datensatz : Geotechnik meets Science 2.0.

Reproduzierbarkeit ist ein Kriterium, das in experimentellen Studien eines der maßgebenden sein sollte. Durch die häufig nicht vorhandene Möglichkeit, einen Test- bzw. Versuchs-Aufbau genau zu replizieren, ist diese Reproduzierbarkeit für Forschende oftmals aber nur schwer zu erreichen. Sollte ein solcher Test- oder Versuchs-Aufbau auf kommerziellen Produkten beruhen, ist es oftmals sehr unklar, wie die Analysen und Tests genau durchgeführt wurden. Das ist einmal durch die häufige „Black-Box“-Bauweise der Versuchsgeräte und/oder den hohen Preis des kommerziellen Produkts bedingt. Wenn Versuchsgeräte nur schwer reproduzierbar sind, sind es auch die Ergebnisse. Dieses Problem war für mich immer wieder offensichtlich, wenn ich versuchte mit fremden Datensätzen zu arbeiten um anhand dieser Modelle zu kalibrieren.

Offene Wissenschaft digital und analog

Aus diesem Hintergrund entwickelte ich die Projektidee für das Fellow-Programm Freies Wissen, welches gemeinsam von Wikimedia, dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung initiiert und gefördert wird. Dabei spielte es für mich eine wesentliche Rolle für das Projekt, eine Idee zu entwickeln, welche die doch sehr digitale Open-Science-Welt mit der analogen Welt zu verbinden vermag. Dies habe ich mit dem Projekt „Das Gläserne Gerät von der Entwicklung, zur Nutzung bis zum Datensatz : Geotechnik meets Science 2.0 “ versucht umzusetzen.

Die Idee, welche in dem Projekt realisiert werden soll, ist es, ein bodenmechanisches Laborgerät zu entwickeln bzw. zu reproduzieren, welches in dieser bzw. ähnlicher Form in verschiedenen Untersuchungen bislang bereits genutzt wurde. Dabei ist es im Projekt verankert, die Entwicklung des Gerätes offen zu dokumentieren und so anderen Wissenschaftlern die Möglichkeit zu geben, das Gerät in ihrem eigenen Labor zu installieren bzw. zu implementieren. Dabei können durch die Verfügbarkeit der Pläne und Steuerungen Anpassungen vorgenommen werden, welche z. B. in anderen Labors nützlich oder sinnvoll sein können. Erste Informationen sind auf dem Blog OpenGeoLab.com zu finden.

Durch den Start dieses Projektes konnten interessante und belebende Kontakte in meiner eigenen wissenschaftlichen Community geknüpft werden, sodass dies zu einer Initiative geführt hat, welche in naher Zukunft aktiv werden wird. Diese Initiative hat als Zielgruppe die sehr spezifische Fachgesellschaft der Geotechnik als Ganzes. Die Idee ist es, Open Science im Generellen, aber insbesondere Aspekte wie „Open Hardware“ und „Open Methodology“ in dieser Community umzusetzen, um dabei in den doch eher traditionellen Ingenieurswissenschaften als eine Art Role-Model zu dienen. Im Rahmen dieser Initiative hat sich gezeigt, dass viele auch sehr erfahrene Wissenschaftler ein großes Interesse an dieser Art der Wissenschaft haben, es jedoch aus unterschiedlichen Gründen leider selten tun. Genau dies ist ein Aspekt, der immer wieder in den Diskussionen und im Mentoring rund um das Fellow-Programm zu Sprache kommt. Um Open Science in der Wissenschaft auf lange Sicht präsenter zu machen hilft es meiner Ansicht nach nur, wenn wir erfolgreiche und umgesetzte Projekte haben.

Der Autor (rechts) mit seiner Mentorin Prof. Dr. Claudia Müller-Birn bei der Vorstellung seiner Projekt-Roadmap, Bild: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 080, CC BY-SA 4.0

Konkrete Informationen zu dem im Rahmen des Fellow-Programms entwickelten Gerätes sind auf der Projektseite zu finden. Die gesamte Dokumentation des Gerätes wird momentan überarbeitet, um eine Reproduzierbarkeit zu gewährleisten. Es ist wie folgt gegliedert: Materiallisten sowie die Materialkomponenten werden über Github zu Verfügung gestellt. Die fertigen Konstruktionspläne im modifizierbaren Format (.stl) werden mittels Zenopodo.org oder über den OpenScienceFramework zugänglich gemacht werden. Der Einfachheit halber werden die Pläne nach der Fertigstellung des Gerätes einer letzten Anpassung unterzogen, sodass während der Konstruktion aufgetretene Änderungen eingearbeitet sind, und danach online hochgeladen. Neben den mechanischen Teilen und unterschiedlichen Komponenten, wird auch die Steuerungssoftware zu Verfügung gestellt.

Aktueller Entwicklungstand des OSInterface Gerätes, Bild: Hanshenningst, Open Science interface shear device (construction status), CC BY-SA 4.0

Der Hauptfokus hierbei liegt auf der Hardware und dessen notwendige Komponenten. Im weiteren ist es das erklärte Ziel des Projektes, das entwickelte Gerät über das Fellow-Programm hinaus nachnutzbar zu machen. Dies wird es ermöglichen, an der Entwicklung zu partizipieren. Da ich mir aber durchaus bewusst bin, dass es schwierig sein kann auf Grund von Zeit, Geld und Mangel an Herstellungsmöglichkeiten dieses Gerät selber zu reproduzieren, wird die Nutzbarkeit  ein weiterer wichtiger Baustein meines Fellowship-Projektes. Dies geschieht mittels einer Nutzervereinbarung, sodass die Daten welche mit dem Gerät gewonnen werden als Open Data zur Verfügung zu stellen werden. Auch wenn es bei Nutzung des Gerätes durch Dritte stattfindet.

Wie eingangs von den Mentoren bemerkt wurde, ist dieses Projekt sehr ambitioniert gewesen – und ist es immer noch. Jedoch bin ich als einer der aktuellen Fellows sehr dankbar für die Möglichkeit, im Rahmen dieses Projektes zusammen mit Wikimedia und allen anderen Beteiligten an einem solchen Projekt arbeiten zu können. Hierbei ist vor allem die Diversität der unterschiedlichen Fachdisziplinen bei den Fellows sowie den Mentoren als sehr stimulierend zu bewerten.

Im Rahmen dieses Projektes sind zahlreiche Anregungen entstanden, wie das ganz konkrete Projekt weitergeführt werden kann, und darüber hinaus, wie Open Hardware im Allgemeinen der Gesellschaft und der Wissenschaft helfen kann. Als eins meiner persönlichen Highlights im Bereich der Open Hardware ist hierbei das Projekt von Waterscope zu nennen, welche Open Hardware nutzen um die Wasserqualität zu verbessern und somit es schaffen, dass diese Entwicklungen der gesamten Bevölkerung zugute kommen.


Zum Autor: Hans Henning Stutz ist Bauingenieur und arbeitet als Assistant Professor in der Geotechnik an der Universität Aarhus im Department für Ingenieurwissenschaften. Sein Forschungsschwerpunkt liegt hierbei in der Entwicklung von innovativen Konzepten zu experimentellen Untersuchungen in der Bodenmechanik, sowie der numerischen Modellierung von komplexen bodenmechanischen Zusammenhängen. Im Rahmen des Fellowprogramms entwickelte er ein Konzept für ein bodenmechanisches Laborgerät als Open Hardware und Open Labspace.


Weitere Gastbeiträge unserer Fellows im Wikimedia Deutschland Blog:

by Christopher Schwarzkopf at March 27, 2018 03:02 PM

March 23, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

The countdown to WMCON 2018 is on!

Preparing to host 300 guests. Jason Krüger for Wikimedia Deutschland e.V., Wikimedia Conference 2017 – 20, CC BY-SA 4.0

Three program tracks with something for every taste

The program for the Wikimedia Conference 2018 is taking shape. We’ve spent the last weeks processing all the participant registrations and turning the answers into sessions for this year’s conference. By now, we’ve cooked up a crisp preliminary program (changes will still occur), and we’re quite happy with how it has turned out. The scheduling of the different sessions will be published in around two weeks, but we’re excited to already share a preview with you here.

As previously announced, the conference will again have three programmatic tracks: Movement Strategy, Movement Partnerships, and Capacity-Building & Learning. It goes for all three tracks that we’ve mainly focused on interactive sessions that require active participation. We therefore recommend all participants to prepare for the conference, and will also send out some relevant reading material in advance.

The Strategy Journey

The Strategy Track will kick off Phase II of the Movement Strategy process. In this track every session builds on the previous. The opportunities and challenges raised by the Strategic Direction will be addressed, as well as its contextualization for all affiliates. The Strategy Track will require a high level of commitment; it’s a journey where we’d like the participants to be on board for all three days of the conference.

The aim is to create the initial structure of a number of thematic working groups that throughout the coming year will work on how to tackle different issues (to be named at the WMCON) in light of the Strategic Direction.

If you were looking forward to the Partnerships and Capacity-Building & Learning tracks, but still would like to know what’s going on in the Strategy Process, do not despair: There’ll be plenary sessions in between where everyone will have a chance to participate.

Pick and choose from the Partnerships and Learning buffets

After a successful Partnerships Track last year, we’re doing it again! Within this track there’ll be a “Partnerships Playbook”, chapters I, II, and III, about general partnership practices. Also, anyone who’s experiencing concrete problems will have the chance to consult our experts in the Partnerships Clinic. As a response to the widely expressed interest in cross-affiliate partnerships there’ll be a Partnerships Market. Bring your idea to the market – and you might get another affiliate as partner! Finally, if you’re looking for some inspiration, you can visit the three sharing talks about partnerships on GLAM, Education, and Grassroots.

For the Capacity-Building & Learning Track, we again saw that there’s a high interest in different aspects of governance, as well as community support, event organisation, and the use of different tools. Within these themes we have the following sessions in place:

There’ll also be a two-hours workshop on Structured Data on Commons that we know many will be interested in. You can see the full program here.

Side orders to the program

The majority of the registration answers again showed that the WMCON is important as a place to meet each other and network. We’re still working on the social program around the conference, and on making sure that there’ll be spaces for meet-ups and informal conversations. Remember to add your regional, thematic or language-specific meet-up to the WMCON 2018 page.

In the meantime, we’re every day posting a quote and photo of one of this year’s participants. If you’re interested in familiarizing yourself with some of these, you’ll find our facebook group here.

In the facebook group we’ve also been posting a couple of facts and photos from the first WMCONs to show how the conference has developed over time. We were partly inspired to do this because we’ve been working on a report on our learnings from the last three years of organizing the WMCON. You can find the report here.

The conference will take place in the same venue as last year. We look forward to seeing you! Beko, Wikimedia Conference 2017 Day 2․ (6), CC BY-SA 4.0

The Wikimedia Conference 2018 takes place in Berlin from 20 to 22 April, 2018.

 

by Anne Kierkegaard at March 23, 2018 02:51 PM

March 22, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 12/2018


Die Wikimedia:Woche 12/2018 widmet sich den folgenden Themen: der Call for Papers und die Stipendienbewerbungs für die GLAMWiki Conference 2018 in Tel Aviv laufen, es gibt Neuigkeiten zu den Upload-Filtern, über die im Rahmen der EU-Urheberrechtsreform diskutiert wird, YouTube hat angekündigt unter Videos Ausschnitte aus passenden Wikipedia-Artikeln einzublenden um gegen Verschwörungstheorien vorzugehen und Wikimedia Deutschland vergibt fünf Stipendien an Engagierte aus der Wikimedia-Community für die Konferenz re:publica2018.

Zur Wikimedia:Woche 12/2018 geht es hier.

by Sandro Halank at March 22, 2018 05:08 PM

March 21, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Aus dem Leben von Wikidata

The Blue Marble by NASA/Apollo 17, gemeinfrei.

Dieser Blogbeitrag von Goran S. Milovanović erschien ursprünglich auf Englisch im Blog der Wikimedia Foundation.

Wikidata ist die zentrale Wissensdatenbank im Wikimedia-Universum, das mit Wikipedia in all ihren Sprachversionen mittlerweile mehr als 300 freie Online-Enzyklopädien und insgesamt mehr als 800 Wissens-Projekte (Wikimedia Commons, WikiVoyage und Co.) umfasst. Wozu braucht es, wenn man das Ziel verfolgt, das gesamte Wissen der Menschheit abzubilden – das in seiner Komplexität gleichzeitig auch verschiedene Perspektiven, Interpretationen und Standpunkte beinhalten muss – so eine zentrale Datenbank? Einfach ausgedrückt, weil Wissen ein Fundament aus logischen und empirischen Wahrheiten benötigt, eine Reihe an Einschränkungen, die die Grenzen seiner Aussagekraft und Nutzbarkeit definieren.

Während wir also darüber diskutieren können, ob die Relativitätstheorie eine adäquate Beschreibung des physikalischen Universums darstellt, gibt es wenig Grund darüber zu streiten, ob sie von Albert Einstein aufgestellt und in “Die Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie” im Jahr 1916 veröffentlicht wurde, wenn wir diese Fakten denn mit einem angemessenen Grad an Sicherheit und im generellen Konsens als “wahr” definieren können. Egal welche Sprache wir benutzen um Wissen zu vermitteln, in jeder Kultur und bei jeder Zielgruppe: Überall gilt, dass Berlin eine Stadt und gleichzeitig die Hauptstadt Deutschlands ist, außerdem aber auch eine Stadt in North Dakota – ein Fakt, den Wikidata natürlich kennt – daneben ist es aber auch der Name einer amerikanischen Synthpop-Band die den Hit “Take My Breath Away” geschrieben hat.

Wikidata speichert und dokumentiert also Dinge, die – egal ob real oder nicht – existieren, die Fakten über diese Dinge und die Beziehungen, die zwischen ihnen bestehen, in einem riesigen Netzwerk aus über 40 Millionen Items, die elementaren Einheiten in Wikidata. Jedes Item verweist dabei auf etwas, das den Anspruch erhebt, eine sinnhafte, eigenständige Einheit zu sein. Wikidata misst daraufhin die Präsenz dieser Einheiten in den Seiten aller Wikipedia-Sprachversionen und denen ihrer Schwesterprojekte. Diese Tatsache wiederum hat eine besondere Bedeutung, die wir hier näher beleuchten wollen.

Wenn wir Dinge und Ideen als Items in Wikidata begreifen und gleichzeitig wissen, wie oft sich darauf von anderer Stelle bezogen wird und woher, können wir beginnen die globalen Muster nachzuvollziehen, nach denen sich unser gemeinsames Wissen über Wikipedia und andere Wikimedia-Projekte verteilt und wie es dort genutzt wird. Wir fangen an, die Ähnlichkeiten und Unterschiede zu verstehen in der Art und Weise wie wir denken und Dinge, Ideen, Menschen, Geschehnisse und alles Übrige, das irgendwie existiert, miteinander in Verbindung setzen – in unseren jeweiligen Ehrenamtlichen-Communitys, Sprachen und Kulturen. Wir können damit beginnen, eine Karte von konzeptueller Diversität und Komplexität zu erstellen, und ihr dabei zusehen, wie sie wächst, während tausende Menschen über Wahrheit und Belegbarkeit in der Wikipedia lesen, schreiben und debattieren und dabei ein Bild der Debatte als solches gleich mitliefern. Ein einziger Mensch könnte ein Zusammenführen all dieser Informationen nicht leisten: Der Umfang und die Tiefe der Informationen wäre überwältigend. Deshalb haben wir dafür Maschinen und Algorithmen zur Hilfe genommen und den Wikidata Concepts Monitor (WDCM) entwickelt, um all diese Informationen verarbeiten zu können.

Wie zum Beispiel würde die Welt aussehen, wenn die Größe eines Landes jeweils der Häufigkeit entspräche, mit der ihr dazugehöriges Wikidata Item (sprich “instances of country(Q6256)”) in allen Wikipedia-Sprachversionen und ihren Schwesterprojekten vorkommt. Die folgende Karte gibt darüber Auskunft.

GoranSM, Wikidata Country Cartogram, CC BY-SA 4.0

Abbildung 1: Eine Kartenanamorphote der Wikidata-Item-Nutzung einzelner Länder in über 800 Wikimedia-Projekten. Auf einen Blick deutlich, wie disproportioniert das Wissen über bestimmte Länder in den Wikimedia-Projekten verteilt ist.

Diese verzerrte Karte – genauer gesagt eine Kartenanamorphote – wurde generiert, indem man einen intelligenten GIS-Algorithmus über die Datensets des Wikidata Concepts Monitor (WDCM) hat laufen lassen. Die Fläche jedes Landes wurde dabei so lange umgeformt, bis sie proportional der Häufigkeit entspricht, mit der das Wikidata-Item, das auf sie verweist, in über 800 Wikimedia-Projekten auftaucht.

Das WDCM-System, das von Wikimedia Deutschland 2017 entwickelt wurde, hat die spannende Aufgabe, das Vorkommen und die Nutzung von Wikidata-Items in allen Wikimedia-Projekten zu tracken, zu analysieren und zu visualisieren.  Es ist eine Statistik-Maschine, die derzeit 14 semantische Kategorien in Wikidata trackt, die wiederum insgesamt über 35 Millionen Wikidata Items enthalten. Die Resultate werden daraufhin in vier speziellen Dashboards veröffentlicht: Overview (Übersicht), Usage (Nutzung), Semantics (Semantik) und Geo (Geolocation). Letzteres stellt interaktive Karten von Items mit Geodaten gemeinsam mit deren Nutzungsstatistiken bereit.

Was ist die Motivation hinter der Entwicklung eines solchen Systems? Einfach ausgedrückt ist es die Tatsache, dass es nur dann möglich ist, richtungsweisende Entscheidungen zur Weiterentwicklung eines riesigen sozio-technischen Systems wie der Wikipedia und ihren Schwesterprojekten zu treffen, wenn man dabei auf eine angemessene und zuverlässige Datenquelle zurückgreifen kann. Diese Entscheidungen können eigentlich nur ganz am Anfang im Entwicklungsprozess eines solchen Systems eingebracht werden, solange die inhärenten Möglichkeiten seines Designs die Möglichkeiten seiner tatsächlichen Anwendung übertreffen. Für erfolgreiche Systeme wie Wikidata ist dieses Zeitfenster in der Regel relativ kurz, da solche Systeme die Eigenschaft haben, schnell anzuwachsen. Um also zu verstehen, was in der Weiterentwicklung Wikidatas passieren muss, muss man zunächst nachvollziehen können, wie unsere Ehrenamtlichen-Communitys Wikidata nutzen. Darüber hinaus ist es besonders wichtig, dass die Communitys selbst ein Verständnis der Zusammenhänge und Muster ihrer eigenen Wikidata-Nutzung entwickeln. Das allerdings wäre ohne ein System wie das WDCM, das alle relevanten Zahlen und Hintergründe auswertet und deren inhärente Komplexität mathematisch auf ein handhabbares Maß herunterbricht, selbst dann zu kompliziert für einen Einzelnen oder eine Einzelne, wenn man sich dabei auf ein einziges Projekt beschränken würde.

Ein Beispiel: Wir haben Items zu Millionen von Dingen in Wikidata, aber benutzen wir sie alle auch gleichhäufig? Natürlich nicht. Das nebenstehende Säulendiagramm (generiert mit dem WDCM) zeigt die Wikidata Nutzungs-Statistiken für die 14 semantische Kategorien auf, die derzeit in den Wikimedia-Projekten getrackt werden. Interessant anzumerken ist hier, dass die Nutzung der Kategorie “scientific articles (Q13442814)” (“wissenschaftliche Artikel”) in Wikipedia vernachlässigbar ist – vernachlässigbar deshalb, weil wissenschaftliche Artikel rund ¼ aller in Wikidata hinterlegten Einträge ausmachen. Das Übergewicht der semantischen Kategorien “geographical object (Q618123)” (“geografisches Objekt”) und “human (Q5)” (“Mensch”), zeigt uns wiederum, dass die Inhalte der Wikipedia in all ihren Sprachversionen sich vor allem mit dem “Wer” und dem “Wo” beschäftigen – die zwei wesentlichen Informationen die benötigt werden, um die Ordnung der sozialen Welt als solche begreifbar zu machen.

GoranSM, Wikidata Item Usage in Wikipedia by Categories, CC BY-SA 4.0

Abbildung 2: Überblick über die gesamte Wikidata-Item-Nutzung in Wikipedia, aufgeschlüsselt nach 14 semantischen Kategorien. Die WDCM-Nutzungsstatistik (vertikale Achse) ergibt sich aus der Zahl an Wikipedia-Seiten, in denen ein bestimmtes Wikidata-Item mindestens einmal auftaucht. Die Kategorie “Wikimedia” umfasst dabei Seiten wie Wikipedia-Kategorien, Begriffserklärungsseiten und Templates. Die Grafik basiert auf den Zahlen vom WDCM-Update vom 1. Januar 2018.

Im nächsten Schritt werden die WDCM-Datensets mit den Statistiken aus Wikistats abgeglichen, um einen Überblick über die globale Nutzung von Items aus Wikidata zu visualisieren.

GoranSM, Wikidata usage December 2017 – w. Wikistats indicators per project, log-log, CC BY-SA 4.0

Abbildung 3: Wikidata Item-Nutzung (vertikale Achse), Zahl der Artikel in der jeweiligen Wikipedia-Sprachversion (horizontale Achse), Verhältnis von Edit-Anzahl zu Artikel-Zahl (Farbskala) und Zahl aktiver Nutzender (Punktgröße)

Die Größenverhältnisse werden logarithmisch dargestellt, um eine zu große Überlappung von Datenpunkten und deren Bezeichnungen zu vermeiden. Jeder Datenpunkt des Diagramms repräsentiert eine Wikipedia-Sprachversion, während nur die 25 größten Wikipedias (gemessen an der Häufigkeit an Vorkomnissen von Wikidata-Items), mit einer Bezeichnung versehen wurden. Die horizontale Achse zeigt die Zahl der Artikel der jeweiligen Wikipedia-Sprachversion an während die vertikale Achse auf die dazugehörige Wikidata-Nutzungs-Statistik verweist. Die Größe der Datenpunkte ist proportional zur Zahl der aktiven Nutzenden des Projekts, während die Farbskala das Verhältnis von Zahl der Bearbeitungen und Artikelanzahl kenntlich macht.

Der WDCM wurde entwickelt, um anhand dieser und ähnlicher Daten Fragen wie diese zu beantworten:

  • Wie oft werden die unterschiedlichen Klassen von Wikidata-Items in den Wikimedia-Projekten genutzt?
  • Was sind die am häufigsten benutzten Wikidata-Items in einem bestimmten Wikimedia-Projekt oder in einer bestimmten Wikidata-Kategorie?
  • Wie können wir Wikimedia-Projekte nach charakteristischen Mustern kategorisieren, die wir anhand der Wikidata-Nutzung erkennen können?
  • Welche Wikimedia-Projekte sind ähnlich in ihrer Nutzung von Wikidata-Items, sowohl in der Gesamtbetrachtung als auch in der Nutzung einer definierten Reihe an Items?
  • Wie ist die Nutzung von Wikidata-Items mit hinterlegten Geo-Daten (zum Beispiel solche, die für GLAM-Initiativen von Bedeutung sind) räumlich und geografisch verteilt?

Antworten auf die ersten zwei Fragen zu finden, kann uns dabei helfen, die jeweiligen Interessen der Ehrenamtlichen in einzelnen Wikimedia-Projekten oder ganzen Gruppen von Wikimedia-Projekten (Wikipedia, Wiktionary, Wikicite, etc.) besser zu verstehen. Das bedeutet ein besseres Verständnis vom Inhalt der jeweiligen Projekte: Worum geht es darin? Welche Items und Gruppen von Items nutzen sie häufig, welche weniger häufig?

Die dritte und vierte Frage beziehen sich auf die strukturellen Eigenschaften der Wikidata-Nutzung: Welche Muster lassen sich in den jeweiligen Projekten erkennen und wie sehr ähneln sie sich in der Art und Weise, wie sie Wikidata Items nutzen? Genau hier kommt maschinelles Lernen ins Spiel: Die Ergebnisse können uns dabei helfen herauszufinden, welche größeren Wikipedia-Sprachversionen, die Wikidata bereits häufig benutzen, kleineren Wikipedias ähneln, die gerade erst anfangen, Wikidata zu integrieren. Daraus können wir schlussfolgern, welches Projekt von wem etwas lernen kann und – am allerwichtigsten – welche Projekte wir miteinander vernetzen müssen. Dieser Aspekt des WDCM fungiert also quasi als Empfehlungs-Motor für Community Manager, die daran interessiert sind, verschiedene Ehrenamtlichen-Communitys miteinander zu verknüpfen um die Nutzung von Wikidata in Wikipedia und Co. auszubauen.

GoranSM, Wikidata Usage Similarity Graph in top 100 Wikipedias – based on 16. December 2017 WDCM update, CC BY-SA 4.0

Abbildung 4: Jeder Knotenpunkt in diesem gerichteten Graph steht für eine der größten 100 Wikipedia-Sprachversionen in Bezug auf ihre Wikidata-Nutzung. Jeder Punkt zeigt mit einem schwarzen Pfeil auf die Sprachversion, zu der die größte Ähnlichkeit in Bezug auf die Verwendung und das Vorkommen von Wikidata-Items besteht. Der graue Pfeil zeigt jeweils auf die Sprachversion mit den zweitmeisten Überschneidungen. Daraus lässt sich ableiten, zwischen welchen Wikipedia-Sprachversionen größere inhaltliche und thematische Ähnlichkeit bestehen

Das obenstehende Diagramm ordnet die größten 100 Wikipedia-Sprachversionen (die größten 100 in Bezug auf die Wikidata-Nutzung) in Cluster, die anhand statistischer Muster ihrer Wikidata-Nutzung gruppiert wurden. Im WDCM Journal (der Ort, an dem wir regelmäßig (auf Englisch) über Erkenntnisse berichten, die uns der WDCM liefert) vom 29. Januar,  haben wir aufgezeigt, wie man herausfinden kann, welche Wikimedia-Projekte eine dynamischere, eher unberechenbare Entwicklung in Bezug auf Wikidata-Nutzung eingeschlagen haben, und für welche Projekte sich zur Zeit für eine mehr oder weniger konstante Strategie ihrer Wikidata-Nutzung finden lässt. Dort findet man auch weitere Informationen zur Methodologie hinter der Erstellung des Diagramms.

Antworten auf die fünfte oben genannte Frage können dabei helfen, Voreingenommenheiten und Verzerrungen in der Nutzung bestimmter Items aufzuzeigen, wie zum Beispiel der Nord-Süd-Konflikt, den auch schon die Kartenanamorphote zu Beginn des Blog-Posts verdeutlicht hat. Menschen, die mit GLAM-Institutionen arbeiten, können ein ähnliches Problem bei ihrer Arbeit feststellen: Galerien, Bibliotheken, Archive und Museen glühen im folgenden Diagramm blau und hell in Proportion zu ihrer Wikidata-Nutzung.

GoranSM, Wikidata GLAM Item Usage, CC BY-SA 4.0

Abbildung 5: Galerien, Bibliotheken, Archive und Museen (GLAM-Institutionen) in Wikidata: je größer und heller die Punkte auf der Karte leuchten, desto häufiger tauchen die entsprechenden Wikidata-Items in über 800-Wikimedia-Projekten auf. GLAM-Institutionen aus dem globalen Süden und das in ihnen gesammelte Wissen tauchen demnach viel weniger in Wikimedia-Projekten auf, als aus beispielsweise Europa.

Unterhalb des Äquators wird es ganz schnell ziemlich dunkel, oder? Das eine hervorstechende Item in der südlichen Hemisphäre ist die Australische Nationalbibliothek (Q623578), die gleichzeitig das am dritthäufigsten genutzte Wikidata-Item aus der Kategorie “architektonischer Bau” ist (häufiger referenziert sind nur zwei weiteren Bibliotheken, die  Library of Congress (Q131454) und die Bibliothèque nationale de France (Q193563); Diese Information kann man im WDCM Usage Dashboard nachvollziehen, indem man die Kategorie “Architectural Structure” unter dem Reiter “Usage” und im Abschnitt “Category Report” aufruft und dann bis zur “top 30 Wikidata items”-Tabelle scrollt). Man kann nun natürlich das Argument anführen, dass es schlicht weniger GLAM-Institutionen im globalen Süden als im globalen Norden gibt, aber warum nutzen wir sie deshalb dann nicht mehr in Wikipedia und ihren Schwesterprojekten? Denn nur, wenn wir das Wissen aus Institutionen aus dem globalen Süden für Menschen zugänglich machen, besteht überhaupt die Chance, das Menschen die bestehenden Institutionen kennenlernen.

Das WDCM soll in Zukunft auch noch weitere Fragen beantworten können: Ein Index zum Gender Gap in der Wikidata Nutzung, also ein Tracking der Nutzung des Items Human (Q5) (“Mensch”) in Bezug auf Geschlecht und über verschiedene Wikimedia-Projekte hinweg, ist derzeit bereits in der Entwicklung, und soll dabei helfen, Ungleichheiten und Voreingenommenheiten zu identifizieren. So wollen wir herausfinden, wo wir diese Probleme nachdrücklicher angehen müssen. Diese und weitere zukünftige Indikatoren, die sich mit dem WDCM zu Wikidata-Nutzungs-Verzerrungen aufstellen lassen, sind als Wissens-Gerechtigkeits-Komponenten des Systems geplant, der Rest des Systems ist auf den Ausbau und die Förderung von “Wissen als Dienst” ausgelegt. Wissens-Gerechtigkeit, bzw. engl. “Knowledge Equity” und Wissen als Dienst, bzw. engl. “Knowledge as Service” sind dabei die zwei zentralen Bestandteile des Strategieprozesses der internationalen Wikimedia-Bewegung.

Alle WDCM Wikidata-Nutzungs-Datensets sind unter  https://analytics.wikimedia.org/datasets/wdcm/ frei verfügbar. Viele aggregierte Datensets, darunter auch individuell angepasste, können im WDCM Usage Dashboard heruntergeladen werden.

 

by Denis Schroeder at March 21, 2018 03:08 PM

March 16, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Qualitätskriterien und -standards in der (offenen) Wissenschaft (Update)

Das #wmdesalon-Podium zum Thema Q=Qualität: Dr. Konrad Förstner, Dr. Isabel Steinhardt, Prof. Dr. Vera Meyer und Martin Hammitzsch. Foto: Denis Schroeder (WMDE), Wmdesalon Q=Qualität I, CC BY-SA 4.0

Am Dienstag, den 13. März 2018 führte Dr. Konrad Förstner durch den ABC-Salon „Q=Qualität“ und ließ Martin Hammitzsch, Prof. Dr. Vera Meyer und Dr. Isabel Steinhardt die Frage diskutieren, inwiefern Offene Wissenschaft die bessere Wissenschaft ist. Im Mittelpunkt stand, ob die Formel “Je offener, desto besser” tatsächlich bestehen kann. Offene Wissenschaft (engl. Open Science) umfasst dabei verschiedenste Prinzipien, die zum Ziel haben, Forschungsprozesse und -ergebnisse kollaborativ zu erarbeiten sowie frei zugänglich und nachnutzbar zu machen. Offene Wissenschaft erhebt den Anspruch, Transparenz für wissenschaftliche Erkenntnisse zu ermöglichen und einen Mehrwert für die Gesellschaft durch Teilhabe und Zugang zu Wissen zu generieren.

Potenziale der Offenen Wissenschaft

Dr. Konrad Förstner, Leiter Core Unit Systemmedizin, Universität Würzburg. Denis Schroeder (WMDE), Konrad Förstner wmdesalon, CC-BY-SA 4.0

Die von Dr. Konrad Förstner geleitete Diskussion begann mit individuellen Plädoyers der Teilnehmenden zu den Potenzialen Offener Wissenschaft: Eine Verbesserung der Qualität von Wissenschaft könne vor allem dadurch erreicht werden, wenn Forschungsprozesse transparent und nachvollziehbar gemacht würden, so Dr. Isabel Steinhardt, die am International Centre for Higher Education Research in Kassel tätig ist und im Fellow-Programm Freies Wissen zu kollaborativem Online-Interpretieren forscht. Prof. Dr. Vera Meyer unterstützte als Open-Access-Beauftragte der Technischen Universität Berlin und Biotechnologie-Wissenschaftlerin diese These und unterstrich, dass Qualität immer mit der Reproduzierbarkeit von Ergebnissen einhergehe. Diesen Gedanken weiterführend sprach Martin Hammitzsch über die Möglichkeit der interdisziplinären Verbindung von Forschung. Die Öffnung des Forschungsprozesses und der verwendeten Daten berge das Potenzial der Verknüpfung von unterschiedlichen Ansätzen verschiedener Themenbereiche und die Einbindung von interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Insbesondere wurde hier Citizen Science als wichtiges Konzept Offener Wissenschaft gehandelt, damit Forschung nicht nur im stillen Kämmerlein praktiziert wird, sondern auch die praxisnahe Expertise und Kreativität zu spezifischen Themen aus der Gesellschaft mit einbezogen werden können. Mit Citizen Science wird eine Form der Offenen Wissenschaft bezeichnet, bei der Projekte unter Mithilfe oder komplett von interessierten Laien durchgeführt werden. Sie melden Beobachtungen, führen Messungen durch oder werten Daten aus.

Definition und Messbarkeit von wissenschaftlicher Qualität

Dr. Isabel Steinhardt, Soziologin, Postdoc am INCHER Kassel. Denis Schroeder (WMDE), Isabel Steinhardt wmdesalon, CC-BY-SA 4.0

Fortwährend wurde die Diskussion zurück auf die übergeordnete Frage gelenkt, wie sich wissenschaftliche Qualität definieren lässt und woran man diese erkennen kann. Ob Offene Wissenschaft von vornherein die bessere Wissenschaft sei, lasse sich nicht so einfach bestimmen, wie die unterschiedlichen Diskussionsstränge zu “Was bedeutet eigentlich Qualität in der Wissenschaft?” und “Wie begreifen wir Offene Wissenschaft als individuelle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler?” gezeigt haben. Wichtig sei vor allem zu bedenken, so war der Tenor der Diskussion, dass sich die Formel “Je offener, desto besser” nicht auf alle Fachdisziplinen gleichermaßen übertragen lasse. Es gelte zunächst abzuschätzen, welche Formate innerhalb des Forschungszyklus nützlich seien. Einig waren sich jedoch alle, dass durch die Offenlegung von Forschungsprozessen und der damit verbundenen Kommunikation innerhalb deiner eigenen Wissenschaftscommunity und/oder darüber hinaus, die Möglichkeit entsteht, konstruktives Feedback einzuholen und Arbeitsprozesse zu verkürzen. Im weitesten Sinne ist hier auch das Open Peer Review als offenes Begutachtungsverfahren zu nennen, was zur Qualitätssteigerung in der Beurteilung von wissenschaftlicher Forschung führen könne. Darüber hinaus wurde in der Diskussion deutlich, dass Wissenschaft nur dann gute Wissenschaft sein kann, wenn sie verlässlich und reproduzierbar ist und Kritik standhalten kann.

Prof. Dr. Vera Meyer, Open-Access-Beauftragte TU Berlin & Biotechnologie-Wissenschaftlerin. Denis Schroeder (WMDE), Vera Meyer wmdesalon, CC-BY-SA 4.0

In diesem Sinne sprach sich das Podium definitiv gegen den Impact-Faktor aus, der bisher als Maß für Qualität in der Wissenschaft herangezogen wurde und immer noch wird. Er gibt jedoch lediglich Auskunft darüber, wie oft die Artikel einer bestimmten Zeitschrift in anderen Publikationen zitiert werden. Aufgrund der unterschiedlichen Größe von Forschungsfeldern und der Diversität von Themengebieten könne der Faktor, laut der Diskutierenden nicht sinnvoll zum Vergleich oder zur Bewertung von Forschung herangezogen werden. Die Qualität einer Arbeit definiere sich eher über ihre Standfestigkeit im Diskurs.

Denn: Jedes Themengebiet hat innerhalb des Diskurses zur Evaluation einer Arbeit eigens angepasste Bewertungskriterien, die von Feld zu Feld stark variieren können. Prof. Dr. Meyer betonte, man solle sich bei der Bewertung von Arbeiten von der Vereinfachung in Form von Zahlen abwenden und die Qualität anhand rationaler Kriterien eigenständig erkennen lernen. Jedes Werk stehe für sich und sollte auch somit als solches bewertet werden, so  Dr. Isabel Steinhardt.

Zukunft der (offenen) Wissenschaft

Martin Hammitzsch, Leiter eScience-Zentrum, Helmholtz-Zentrum GFZ Potsdam, Denis Schroeder (WMDE), Martin Hammitzsch wmdesalon, CC-BY-SA 4.0

Mit der Digitalisierung und der damit einhergehenden Möglichkeit, Prozesse und Ergebnisse für alle freizugeben, begann eine Transformation hinzu Offener Wissenschaft. Schon jetzt lasse sich der Wandel wahrnehmen, der von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern selbst initiiert wurde und nun auch von Förderprogrammen unterstützt wird. Nach Schätzungen des Podiums publizieren bereits etwa 30 Prozent der Forschenden mit einem offenen Zugang / Open Access. Akteure der Wissenschaft entwickeln Schritt für Schritt ein Verständnis davon, dass Offene Wissenschaft viele Potenziale birgt. Prof. Dr. Vera Meyer betont in diesem Zusammenhang, dass Forschung, die von staatlichen Geldern bezahlt wird, grundsätzlich auch für die gesamte Bevölkerung zugänglich sein sollte.

Der Wandel vollzieht sich langsam: Menschen müssen mitgenommen werden, indem ihnen der richtige Umgang mit Daten beigebracht wird. Die Forschung sollte sich in diesem Zusammenhang darum bemühen, ihre Ergebnisse mit den nötigen Hintergrundinformationen und Kontext (Metadaten) zu versehen. Plattformen zur Sammlung von Forschungsergebnissen können hierbei einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Studien leicht auffindbar machen und miteinander verknüpfen. Themenübergreifendes Forschen und der Einbezug von allen Interessierten kann hierbei als Ziel von Offener Wissenschaft verstanden werden.

Das „ABC des Freien Wissens“ verpasst? Hier gibt’s die Liveaufzeichnung der Veranstaltung

Mehr zur unserer Veranstaltungsreihe “Das ABC des Freien Wissens” unter: wmde.org/abc-salon.
Videos zu älteren Ausgaben des „ABC des Freien Wissens“ gibt es außerdem in unserer Youtube-Video-Playliste.

Update: Interviews mit Podiumsteilnehmenden zu Open Science sind online

by Dominik Theis at March 16, 2018 04:01 PM

17 erstaunliche Fakten über Wikipedia zum 17. Geburtstag

Lisa Dittmar, Wikipedia wird 17, CC BY-SA 4.0

Dass es heute so einfach ist wie nie sich im Internet über die unterschiedlichsten Themen zu informieren, verdanken wir einer großen Community an Freiwilligen, die Wikipedia jeden Tag auf’s neue mit Freiem Wissen befüllt. Zu den meistaufgerufenen Artikel der vergangenen 30 Tage zählen so diverse Themen wie die Olympischen Winterspiele (Platz 1), die Pressstempelkanne (Platz 6) und Falco (Platz 15). Wo sonst findet man so unterschiedliche Informationen frei zugänglich an einem Ort versammelt? Dafür möchten wir allen Ehrenamtlichen danken und gratulieren herzlich zum 17. Geburtstag!

In unserem Geburtstags-Blogpost blicken wir heute auf 17 Jahre Wikipedia zurück, und haben 17 erstaunliche Fakten aus der Geschichte der freien Enzyklopädie für euch zusammengestellt.


Various authors, screenshot taken by Kh80 contribs), German Wikipedia MainPage (2001-11-29), CC BY-SA 3.0

1. Was war der erste deutschsprachige Wikipedia-Artikel? Diese Information ist wohl für immer im Internet-Äther verschollen. Der Grund: eine Software-Umstellung auf die noch heute gebräuchliche Wiki-Software Mediawiki. Häufig wird Polymerase-Kettenreaktion als erster Artikel genannt, aufgrund seiner ältesten, unbeschädigt in Wikipedia erhaltenen Versionsgeschichte. Die ersten Artikel in Wikipedia laut archive.org findet man in dieser PDF.

Charles R. Knight, Knight Mastodon, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

2. Manchmal werden Diskussionen in Wikipedia hitzig. Beteiligten an besonders hitzigen Debatten wird daher empfohlen, eine Preußische Nacht einzulegen. In der englischen Wikipedia heißt die Regel übrigens No Angry Mastodons.

Blick in die Galerie zur Ausstellung „Print Wikipedia“
Foto: Conrad Nutschan, Lizenz: CC0

3. Wie viele Bände würde die deutschsprachige Wikipedia umfassen, wenn man sie als gedrucktes Buch herausbringen würde? Berechnet hat das im Jahr 2016 der US-amerikanische Künstler Michael Mandiberg: 3.406 Bände würde die gedruckte Wikipedia umfassen. Seitdem sind übrigens schon weit über 150.000 neue Artikel hinzugekommen.

Gnom, HotelWiki1, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

4. Es gibt einen Wikipedia-Song. Zur Melodie von Hotel California von den Eagles haben Wikipedianerinnen und Wikipedianer einen neuen Text verfasst.

Büste des Aristophanes, gemeinfrei.

5. Das längste Lemma hat der das Blog-Layout sprengende Artikel „Lopadotemachoselachogaleokranioleipsanodrimhypotrimmatosilphiokarabomelitokatakechymenokichlepikossyphophattoperisteralektryonoptokephalliokinklopeleiolagoosiraiobaphetraganopterygon“, einer erfundenen Speise, die in der Komödie Die Weibervolksversammlung des altgriechischen Dichters Aristophanes erwähnt wird.

BambooBeast, Donauturm Nacht, CC BY-SA 3.0

6. Der Wiener Donauturm ist Gegenstand einer der berüchtigsten Edit-Wars in der Geschichte der deutschsprachigen Wikipedia. Stein des Anstoßes? Ist der Donauturm ein Aussichtsturm oder Fernsehturm? Langjährige Wikipedianer und Wikipedianerinnen verweisen in vergleichbaren Situationen immer noch sprichwörtlich auf diese frühe Diskussion. Der Edit-War wurde übrigens beigelegt; Zitat Wikipedia: „Der Donauturm ist ein Aussichtsturm“.

ESA/Hubble, New shot of Proxima Centauri, our nearest neighbour, CC BY 4.0

7. Es gibt eine Uhr, die misst, wie lange es vermutlich noch dauert, bis der 3 Millionste Wikipedia-Artikel auf deutsch erscheint. Bei aktuellem Stand sind es noch rund 5 Jahre und 9 Monate. Mit mehr freiwilliger Unterstützung könnte es aber auch schneller gehen!

8. Der Wikipedia-Artikel zum Wurmautomat (ein Verkaufsautomat für lebende Köder), der seit dem 4. Oktober 2006‎ existiert, verzeichnete am 9. März 2018 einen plötzlichen Anstieg auf über 1.200 Lesende an einem Tag. Welches dramatische Ereignis sich an diesem Tag in der Wurmautomat-Community zugetragen hat, ist bis heute ungeklärt.

WikiEulenAcademy, WikiEulen 2, CC BY-SA 4.0

9. Was der Bambi für den deutschen Film ist, ist die WikiEule für die deutschsprachigen Wikipedianerinnen und Wikipedianer. Jedes Jahr wird der Preis, der besonderes Engagement für die Wikipedia in verschiedenen Kategorien ehrt, im Rahmen der WikiCon verliehen.

Doenertier82 at the German language Wikipedia, Phodopus sungorus – Hamsterkraftwerk, CC BY-SA 3.0

10.  Laut bisher nicht von Wikipedia-Forschenden belegter Wikipedia-Mythologie werden die Server der freien Enzyklopädie von Hamstern betrieben. Es scheint auf jeden Fall etwas mit Laufrädern zu tun zu haben.

Jan van der Crabben, Brockhaus Lexikon, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

11.  Wie lange würde es dauern, alle Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia zu lesen? Für die englischsprachige Wikipedia kam man im Jahr 2013 auf etwa 17 Jahre für damals knapp 4 Millionen Artikel. Übertragen auf die rund 2,1 Millionen Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia würde man also fast 9 Jahre brauchen, um alle Artikel zu lesen – ohne Schlaf oder Kaffeepause.

Denis Schroeder (WMDE): Screenshot de:WP-Seitenaufrufe, CC0

12. Im Schnitt werden die Seiten der deutschsprachigen Wikipedia rund 1 Milliarde Mal pro Monat aufgerufen, also über 30 Millionen Mal pro Tag, 1,5 Millionen Mal pro Stunde und  24.000 Mal pro Minute.

Dresden hat die meisten Artikel pro Einwohner. MalteF, Dresdner Elblforenz bei Dämmerung, 2008, CC BY-SA 3.0 DE

13. Es gibt eine Liste der Artikelanzahl nach Stadt. Unter den Top 20 sind 5 nicht-deutschsprachige Städte. Die meisten Artikel pro Einwohner haben die Städte Dresden, Hannover und München.

Jahobr, AnimatedGears, CC0 1.0

14. Seit 2013 ist die deutschsprachige Wikipedia nicht mehr die zweitgrößte Sprachversion der Wikipedia, gezählt an der Gesamtzahl der Artikel. Überholt wurde sie von der Wikipedia auf Cebuano und auf Schwedisch. Grund sind von Bots erstellte Kurzartikel, mit Daten u. a. aus Wikidata. Die deutschsprachige Wikipedia-Community hat solche Artikel niemals erlaubt.

Steffen Prößdorf, Gruppenfoto WikiCon2017 IMG 9159 LR10 by Stepro, CC BY-SA 4.0

15. Nach der englischsprachigen Wikipedia hat die deutschsprachige Version die größte Freiwilligen-Community. Aktuell editieren rund 5500 Freiwillige mehr als fünf mal im Monat die Wikipedia auf deutsch. Zum Vergleich: in der englischsprachigen Wikipedia sind es rund 30.000, in der französischsprachigen knapp 5000.

 

Die Bill-Gates-Fliege. Content by F. Christian Thompson, Bill-Gates-Fliege, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

16. Es gibt eine Liste skurriler wissenschaftlicher Namen aus der Biologie. Neben der Bill-Gates-Fliege tummeln sich hier zahlreiche skurrile Tierreich-Bewohner, zum Beispiel die Neopalpa donaldtrumpi (benannt nach Donald Trump), die Octacilia loriot (benannt nach Loriot) und der Bambiraptor (benannt nach dem Disney-Zeichentrickfilm Bambi). Viele der kuriosen Tiere, die hier gelistet sind, haben noch keinen eigenen Wikipedia-Eintrag – Vielleicht kannst du das ja ändern?

Domenico Remps, Cabinet of Curiosities 1690s Domenico Remps, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

17. Im „Wikipedia:Kuriositätenkabinett“ sammeln Wikipedianer und Wikipedianerinnen selbst auch Erstaunliches und Kurioses aus der Wikipedia-Welt. Wer Lust hat, weiterzustöbern, findet hier zahlreiche weitere Fun Facts aus der freien Enzyklopädie und der Welt des Freien Wissens.

 

 

by Denis Schroeder at March 16, 2018 10:01 AM

Zentrum des Freien Wissens: Wikimedia live in Karlsruhe

Diese und viele weitere Fragen wollen wir persönlich beantworten: am 26. Mai kommt Wikimedia Deutschland ins Zentrum für Kunst und Medien nach Karlsruhe. Im Rahmen der 22. Mitgliederversammlung bauen wir ein großes Zentrum des Freien Wissens auf:

Virtuelle Schlangen und 360-Grad-Kamera

Auf einer mehr als 300 m² großen Ausstellungsfläche machen wir Freies Wissen anfass- und erlebbar. Es gibt viel zu entdecken: Wir zeigen, wie man eine 360-Grad-Panoramakamera bedient und wie die Fotos später im Medienarchiv Wikimedia Commons hochgeladen werden können. In einem Live-Podcast sprechen wir mit Gästen aus der Wikimedia-Welt über ihre Projekte und informieren an verschiedenen Stationen über unser Engagement auf politischer, wissenschaftlicher und kultureller Ebene.

Mit dabei sind auch die Macher der Virtual-Reality-Anwendung „Skelex”, die beim letzten Kultur-Hackathon Coding da Vinci den Publikumspreis gewonnen hat. Mit der Anwendung können Ausstellungsstücke aus dem Naturkundemuseum Berlin, beispielsweise Skelette von Schlangenköpfen, virtuell erlebt werden.

Zentrum für Kunst und Medien, JOEXX, ZKM Kubus, CC BY-SA 3.0

Wie funktioniert die Wikipedia? 

Jeden Tag nutzen Millionen Menschen allein in Deutschland die Wikipedia. Doch wie genau funktioniert die freie Enzyklopädie? Wer schreibt sie, wer korrigiert Fehler und wie sieht es mit der Vertrauenswürdigkeit der Texte aus? Am besten können diese Fragen die Menschen beantworten, die täglich ehrenamtlich an der Wikipedia arbeiten. In Karlsruhe bringen wir deshalb alle Interessierten mit der Freiwilligen-Community zusammen. In lockerer Runde beantworten die Wikipedianerinnen und Wikipedianer alle Fragen rund um die freie Enzyklopädie. Gleichzeitig wartet ein einmaliges Klangerlebnis auf die Besucherinnen und Besucher: Im Klangdom des ZKM können wir zuhören, wie die Wikipedia klingt.

Science Slam und Podiumsdiskussion

Gleich zwei große Abendveranstaltungen begleiten unser Wochenende in Karlsruhe. Der Freitagabend steht ganz im Zeichen der unterhaltsamen Wissenschaft. Beim Science Slam kommen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf die Bühne, um uns von ihren Forschungsarbeiten zu erzählen. Und zwar so, dass ein jeder sie versteht. Kurzweilig, witzig, unterhaltsam, informativ: 10 Minuten haben die Slammerinnen und Slammer Zeit, das Publikum zu überzeugen. Dieses wird am Ende dann auch die Gewinnerin oder den Gewinner des Abends küren.

Am Samstagabend widmen wir uns im Rahmen unserer Salon-Reihe Das ABC des Freien Wissens einer viel diskutierten Frage: „Reproduktion – Wem gehört die Kunst?“. Dürfen wir künftig im Museum auch Selfies mit Bildern oder Ausstellungsstücken machen? Ab wann begehen wir eine Urheberrechtsverletzung und wie gehen Kulturinstitutionen mit den Erfordernissen eines Publikums um, das zunehmend im Netz zu Hause ist? Spannende Fragen, die wir auf unserer Podiumsdiskussion mit hochrangigen Gästen diskutieren werden.

Wir freuen uns auf ein tolles Wochenende in Karlsruhe und laden euch herzlich ein, mit dabei zu sein.

Alle Informationen im Überblick:

Zentrum des Freien Wissens
im Rahmen der 22. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland
Samstag, 26. Mai 2018 von 10:00 bis 18:00 Uhr im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe

Science Slam
Freitag, 25. Mai 2018 – 19:00 Uhr

Podiumsdiskussion „Das ABC des Freien Wissens“
Samstag, 26. Mai 2018 – Einlass 19:00 Uhr, Beginn 19:30 Uhr

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

by Corinna Schuster at March 16, 2018 09:13 AM

Coding da Vinci: Mitmach-Kultur 4.0

Ein Gastbeitrag von Nils Pooker

Dies ist eine gekürzte Version des Artikels. Die Langversion sowie ein Interview mit Wikimedia-Projektmanagerin Barbara Fischer findest du in der aktuellen 38. Ausgabe des Magazins Screenguide.

Coding da Vinci, CC-BY 3.0

Coding da Vinci ist ein seit 2014 bestehendes und als Kultur-Hackathon konzipiertes Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Digitalen Bibliothek, der Servicestelle Digitalisierung Berlin, der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland. Ziel ist es, technik- und kulturbegeisterte Communitys mit Kulturinstitutionen zusammenzubringen, um das Potenzial offener Kulturdaten von Archiven, Bibliotheken und Museen in kreative Projekte zu übertragen.

Der Hackathon beginnt mit einem zweitägigen Kick-off-Termin, gefolgt von einer sechswöchigen Sprint-Phase, in der die Projekte als funktionsfähige Prototypen realisiert werden sollen. Die Datensets und der Quellcode der Anwendungen stehen dann der Allgemeinheit zur freien Nachnutzung unter einer offenen Lizenz zur Verfügung (Open Source/Open Definition). Bisher haben Hunderte von Teilnehmenden 79 digitale Kulturanwendungen umgesetzt und dafür über 130 Datensets von 60 Kulturinstitutionen genutzt. Die gesamte Datenliste beteiligter Institutionen finden Sie unter codingdavinci.de/daten.

Kultur versus Digitalisierung?

Dass sich der Begriff „Kultur-Hackathon“ für viele Menschen nach einem Oxymoron anhört, liegt daran, dass hier thematisch zwei Gebiete kombiniert werden, die in der gängigen Wahrnehmung einander zu widersprechen scheinen. Diese Trennung findet auch heute noch eine Entsprechung bei der Mehrzahl kultureller Angebote von Museen, Galerien, Theatern, Opernhäusern, Konzertbühnen und Bibliotheken.

Neben ihrer Rolle als Bewahrer des Kulturerbes sind Kulturinstitutionen allerdings auch bekannt als sichere Garanten für große Mengen an seriösen Daten ihrer Forschungstätigkeiten und Sammlungen. Hier setzt Coding da Vinci an, diese Daten als offenes Rohmaterial der Aneignung durch digitale Projekte zu gewinnen. Grundvoraussetzung ist die freie Zugänglichkeit der offenen Kulturdaten, die damit nicht nur selbst zum Kulturgut werden, sondern im Gegensatz zu den physischen Objekten ebenso frei und partizipativ verwendet werden können wie die Digitalisate aus Smartphones oder Apps.

Viele Teilnehmerteams von Coding da Vinci, in denen stets Kulturarbeitende und Entwicklerinnen und Entwickler zusammenwirken, entscheiden sich für mobile Apps. Auch klassische Websites oder Kombinationen verschiedener interaktiver Möglichkeiten finden sich in den Projekten der vergangenen Jahre. Relativ neu sind Anwendungen mittels Augmented Reality (AR). Hier zeigt sich auch die Kreativität des freien Spiels innerhalb des Projektrahmens: es gibt keine verordnete Zielsetzung und auch keinen übergeordneten oder gar verordneten Zweck, beispielsweise den einer ökonomisch effizienten Verwertbarkeit.

Die Projektplanung unterliegt keinem Reglement oder streng wissenschaftlichen Prinzip. Der trockenen Sachlichkeit der Ursprungsdaten stehen die unterschiedlichen Facetten der Wahrnehmungen gegenüber, die die fertigen Projekte am Ende der Prozesse zulassen. Es gibt kuriose, lustige, inspirierende, berührende und ästhetische Beispiele.

Coding da Vinci: Die Gewinner 2017

Für den Kultur-Hackathon 2017 hatten 19 namhafte Kulturinstitutionen aus Berlin und Umgebung insgesamt 30 neue Datensätze bereitgestellt, aus denen 180 Teilnehmer bei der Auftaktveranstaltung 25 Projektideen generierten. Anfang Dezember fand im Jüdischen Museum Berlin die offizielle Preisverleihung des vergangenen Kultur-Hackathons statt, bei der 15 Teams ihre vollständig entwickelten Projekte vorstellten.

Berliner MauAR

Berliner MauAR. Coding da Vinci, CC-BY 3.0

In der Kategorie „most technical“ siegte das Projekt „Berliner MauAR“. Wie der Name der App verrät, handelt es sich um eine Augmented-Reality-Lösung, die mittels GPS-Lokalisierung und Cloud-Anbindung die Berliner Mauer wieder an den Originalorten erscheinen lässt und dazu heruntergeladene, historische Bilder der Mauer im freien Feld an ihren ursprünglichen Standorten positioniert.

Bertuchs Bilderspiel

In der Kategorie „best design“ landete „Bertuchs Bilderspiel“ auf dem ersten Platz, ein interaktives Online-Game für 10- bis 12-jährige Kinder. Hintergrund des Spiels sind ausgewählte Grafiken aus Justin F. Bertuchs „Bilderbuch für Kinder“ aus der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF). Die Spielenden werden interaktiv auf eine Weltreise geschickt und müssen die Figur Justin F. Bertuch führen oder ihr helfen, ihre Enzyklopädie fertigzustellen.

Bertuchs Bilderspiel. Coding da Vinci, CC-BY 3.0

 

Haxorpoda Collective

In der Kategorie „funniest hack“ gewann das Projekt „Haxorpoda Collective“ auf der Grundlage der Datensammlung digitalisierter Insekten des Naturkunde-Museums. „Bug-Cruncher“ schneidet einzelne Insekten aus den hochauflösenden Insektenkasten-Scans aus. Mit der Anwendung „wOgus“ können Nutzende eigene, farb

Haxorpoda Collective. Coding da Vinci, CC-BY 3.0

lich sortierte Insektenkästen designen, modifizieren und als hochauflösendes Poster ausdrucken. Ein ergänzender „Bug-Feed“ twittert jeden Tag ein neues Insekt und verlinkt dabei sowohl die Originaldaten als auch die anderen Projekte des Haxorpoda-Kollektivs.

 

 

Exploring the Hidden Kosmos

Im Projekt Exploring the Hidden Kosmos wird eine Vorlesungsreihe des Naturforschers Alexander von Humboldt thematisiert.

In der Kategorie „most useful“ konnte „Exploring the Hidden Kosmos“ überzeugen. Hier geht es um die sogenannten Kosmos-Vorlesungen des Naturforschers Alexander von Humboldt, von denen es lediglich zehn überlieferte Mitschriften von Zuhörern/innen gibt – Humboldt gestattete als Vertreter eines sozialpolitisch motivierten Bildungsideals auch Frauen die Teilnahme. Die Projekt-Website zeigt erstens die Gegenüberstellung von zwei ausgewählten Mitschriften, zweitens eine didaktisch kluge Darstellung des historischen Umfelds, bestehend aus einem fiktiven Audio-Dialog, der Entstehung der Vulkaninsel Sabrina auf den Azoren und einem Wikipedia-Eintrag zur Insel.

 

Marbles of Remembrance

Marbles of Remembrance. Coding da Vinci, CC-BY 3.0

In der Kategorie „out of competition“ gewann das bewegende Projekt „Marbles of Remembrance/Murmeln der Erinnerung“. Der programmierte Chatbot leitet die Nutzer durch die alte und neue Hauptstadt auf den Spuren und Schicksalen jüdischer Kinder, die während der Nazizeit 1933–1945 in Berlin lebten und zur Schule gingen. Die Kinder sind „wertvolle Murmeln“ („precious marbles“), die über ganz Berlin verteilt sind und zu den Hauptcharakteren und zur Hauptquelle des Berlin-Kulturguides werden sollen. Die Murmeln der Erinnerung ermöglichen es Nutzern, den Spuren und Schicksalen jüdischer Kinder im Berlin von 1933 bis 1945 zu folgen.

Skelex

Beim Publikumspreis der Kategorie „everybody’s darling“ landete das Projekt „Skelex“ auf dem Siegertreppchen, eine VirtualReality-Anwendung, mit der Ausstellungsstücke aus dem Naturkundemuseum, beispielsweise Skelette von Schlangenköpfen, immersiv erlebt werden können. Zu den Funktionen gehören Interaktionsmöglichkeiten wie das Vermessen von Knochen, ein CAT-Scan, Einblendung von Knochenbeschriftungen oder Animationen.

Skelex. Coding da Vinci, CC-BY 3.0

Von der Vermittlung zur Partizipation

Auf den ersten Blick könnte man offene Daten als weiteren Baustein der üblichen Kunst- und Kulturvermittlung betrachten und Coding da Vinci als Blaupause dafür, wie Kulturinstitutionen diese Daten für ihre Vermittlungsprojekte nutzen sollten. Diese Auffassung würde allerdings zu kurz greifen und das Potential des digitalisierten Kulturerbes außer Acht lassen. Um den Menschen das Kulturerbe nahezubringen, wurde die Kreativität auf assoziative Modelle gerichtet, beispielsweise Reproduktionen von Objektteilen, technische Versuchsanordnungen oder bildhafte Darstellungen zum besseren Verständnis. Das gilt auch für partizipative Mitmach-Aktionen in den Kulturinstitutionen. In Bibliotheken gibt es Buchbinderkurse, in Kunstmuseen Malkurse, in technischen Museen Bau- und Bastelkurse, gern ergänzt mit multisensorischen Erlebniswelten, die von spezialisierten Unternehmen didaktisch auf so hohem Niveau geschaffen werden, dass viele originalen Kulturgüter daneben geradezu wirkungslos und nachrangig erscheinen.

Die bisherige Vermittlungspraxis musste sich immer dem Problem stellen, dass Kulturgüter nie Teil direkter Partizipation oder kreativer Aneignung durch Rezipienten sein konnten. Diese Entwicklung führt nicht nur dazu, dass die mit Modellen arbeitenden Kunst- und Kulturvermittler einen höheren Stellenwert in den Institutionen innehaben als beispielsweise die an Originalobjekten arbeitenden Restauratoren. Das Problem ist, dass viele dieser Modelle selbst als die eigentlichen Stars und Träger der Vermittlung wahrgenommen werden könnten. Ob sich Besuchern und Rezipienten über solche Umwege Kulturobjekte oder das Kulturerbe selbst besser erschließt, darf zumindest bezweifelt werden.

Dieses Vermittlungsproblem wird durch die Digitalisate für Coding da Vinci von vornherein umgangen und vermieden. Im Gegensatz zu Modellen, die als Nachschöpfungen ihrerseits ein Eigenleben führen, wird nur mit den unveränderten Daten selbst kreativ gearbeitet. Dort, wo es ergänzende Erklärungsmodelle gibt, beispielsweise der fiktive Dialog im Projekt zu den Vorlesungen von Humboldts, dienen sie tatsächlich nur als Erläuterungshilfe, ohne dabei einen substituierenden Rang in direkter Konkurrenz zu den Digitalisaten als Vermittlungsgrundlage einzunehmen. Es wäre sicher ein Gewinn, wenn alle Kulturinstitutionen dieses Potential von offenen Daten für eigene Ideen und Projekte erkennen würden.

 

by Lisa Dittmer at March 16, 2018 09:05 AM

Wird die Wikipedia bald vorgefiltert? Upload-Filter – Nein Danke!

Auf EU-Ebene wird derzeit das Urheberrecht reformiert. Es geht dabei vor allem um die Durchsetzung von Urheberrechten im Netz und um mehr Vergütung für Kreative. Diese Ziele sind legitim. Um sie zu erreichen, drohen aber Maßnahmen wie netzweite Upload-Filter, durch die Grundrechte ernsthaft in Gefahr geraten. Betroffen ist vor allem die Meinungs(äußerungs)freiheit, die für Freies Wissen zentral ist.

Christian Schneider, No-Upload-Filter Verteilaktion (6), CC BY-SA 4.0

Gesetzliche Lizenzen (“Schranken”)

Das Urheberrecht ist ein ausbalanciertes System von Verboten und Freiheiten. Urheberrechtlichen Verboten stehen gesetzliche Nutzungslizenzen (sogenannte “Schranken des Urheberrechts”) gegenüber. Sie erlauben zum Beispiel, Zitate zu veröffentlichen und über Tagesereignisse zu berichten, selbst wenn dabei Teile fremder urheberrechtlich geschützter Werke wiedergegeben werden (ausführliche Erläuterung auf dieser Wiki-Seite).

Verletzte Urheberrechte

Aber natürlich kommt es im Internet auch zu vielen Urheberrechtsverletzungen, bei denen keine “Schranke” die Nutzung legitimiert. Memes zum Beispiel (mehr dazu unter savethememe.net) tun zwar keinem Rechteinhaber weh, sind sogar kostenlose Werbung, verletzen formell gesehen aber fast immer Urheberrechte (meist die von Filmproduktionsfirmen, da den meisten Memes Standbilder aus Filmen zugrunde liegen). Um solche Verletzungen grundsätzlich flächendeckend zu unterbinden, bevor sie lange im Internet stehen bleiben, schlägt die EU-Kommission nun vor, dass Betreiber von Plattformen schon die Uploads solcher Inhalte von vornherein verhindern sollen.

Konsequenz: Upload-Filter

Die Konsequenz daraus sind Upload-Filter, die jegliche von Nutzern hochgeladene Inhalte auf mögliche Urheberrechtsverletzungen hin durchleuchten. Dies lehnen wir als Wikimedia ab und setzen uns dafür ein, dass eine Pflicht zu solchem Filtern verhindert wird. Upload-Filter sind nichts anderes als Automaten, die anhand einer Datenbank abgleichen, ob ein vom Nutzenden hochgeladener Inhalt wahrscheinlich urheberrechtlich geschützten Inhalt verwendet. Ist das der Fall, wird der Upload zunächst blockiert.

Teuer erkauft

Das wäre an sich schon schlimm genug, schließlich ist das eine Art von Zensurmaschine, mit der man – wenn man denn wollte – auch politische Zensur betreiben kann, sobald man ihren Einsatz über das Urheberrecht hinaus ausdehnt. Für die Betreiber der Seiten, zu denen auch die Wikimedia Foundation gehört, würde es auch unmittelbar finanzielle Risiken bedeuten: Wenn sie nicht filtern, können sie sehr einfach sehr hoch verklagt werden. Aber auch, wenn sie etwas tun, wird es sehr schnell sehr teuer. Die Filter kann man sich mieten und das ist, Stand heute, auch nicht gerade günstig.

Wir wollen keine Spendengelder dafür einsetzen müssen, die Uploads unserer Freiwilligen zu durchleuchten. Wenn es hier Verstöße geben sollte, kümmert sich die Community darum und notfalls die Rechtsexperten in der Wikimedia Foundation. Diese Menschen kennen sich aus und können viel besser aufgrund ihrer Erfahrungen entscheiden als ein Algorithmus, der ja nicht sieht, zu welchem Zweck der Upload eigentlich passiert. Community kann Kontext. Filter nicht.

Wikimedia Foundation, Wikipedia mini globe handheld, CC BY-SA 3.0

Deswegen setzen wir uns für eine zeitgemäße Durchsetzung von Urheberrecht ohne Upload-Filter ein. Wir zeigen Alternativen auf und sorgen dafür, dass sich das Europäische Parlament uns anschließt. Es gibt andere Wege, um Kreativen und Rechteinhabern eine bessere Position gegenüber den großen Internetkonzernen und ihren Plattformen zu verschaffen. Wir haben hier viele Unterstützerinnen und Unterstützer in Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik, sind aber noch nicht am Ziel. Es gibt ganz konkrete Aktionen, bei denen wir auch Hilfe von Freiwilligen brauchen. Unter anderem bieten wir ein Coaching an, wie man sich direkt an Europaabgeordnete wendet, um gegen die netzweiten Filter zu argumentieren. Wenn du dabei sein willst, melde dich formlos bei politik@wikimedia.de. Wir halten dich gerne auf dem Laufenden.

Den Offenen Brief findest du hier.

by Bernd Fiedler at March 16, 2018 08:43 AM

March 15, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Das Fellow-Programm Freies Wissen geht ins dritte Programmjahr!

Foto: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 010, CC BY-SA 4.0

Im derzeitigen Durchlauf, der neben dem Stifterverband auch von der VolkswagenStiftung und verschiedenen wissenschaftlichen Partnern unterstützt wird, werden 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen gefördert und von ihren Mentorinnen und Mentoren bei der Umsetzung ihrer spannenden Open-Science-Projekte unterstützt.

Und die Erfolgsgeschichte geht weiter: Bereits im April wird die Ausschreibung für das Programmjahr 2018/2019 veröffentlicht. Die Ausschreibung soll Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus allen Disziplinen ansprechen, die Offene Wissenschaft in der Praxis ausprobieren möchten. Bis zum 15. Mai 2018 werden Bewerbungen für die Fellowships angenommen.

Maßgebliche Kriterien für die Auswahl der geförderten Projekte sind:

  1. Motivation, im Rahmen des Fellow-Programms die eigene Forschung im Sinne von Offener Wissenschaft zu öffnen und unterschiedliche Instrumente offener Wissenschaft dafür zu nutzen.
  2. Beitrag des Vorhabens zur Förderung Freien Wissens, insbesondere durch die Bereitschaft, die Idee von Offener Wissenschaft in der eigenen Institution zu verbreiten.
  3. Ambitionierte, aber erreichbare Ziele und die Aussicht auf vorzeigbare Ergebnisse bis Ende des Programmdurchlaufs.

Bis Anfang Juni werden aus den eingegangenen Einreichungen diejenigen Projekte ausgewählt, die im Rahmen des Programmjahres 2018/2019 gefördert werden. Eine Übersicht über die Einreichungen aus dem vergangenen Jahr ist auf Wikiversity zu finden.

Wir werden die Veröffentlichung der Ausschreibung für das Programmjahr 2018/2019 an dieser Stelle bekannt geben. Du willst den Bewerbungsstart auf keinen Fall verpassen? Dann schreibe eine Mail an wissenschaft@wikimedia.de und wir informieren dich, sobald die Ausschreibung veröffentlicht wurde.

Mehr zu den aktuell geförderten Open-Science-Projekten gibt es auch in den Gastbeiträgen unserer Fellows im Wikimedia Deutschland Blog:

 

by Christopher Schwarzkopf at March 15, 2018 04:45 PM

Wikimedia:Woche 11/2018

Die Wikimedia:Woche 11/2018 erscheint mit folgenden Themen: Die nächste Phase des Strategieprozesses für das Wikimedia-Movement wurde eingeläutet, Wikimedia Bangladesh hat einen neuen ehrenamtlichen Vorstand und auf einem Workshop sollen Richtlinien für lokale Community-Räume in Deutschland erarbeitet werden. Zur Wikimedia:Woche 11/2018 geht es hier.

by Jonas Sydow at March 15, 2018 03:50 PM

Open Access ist gut, Open Science ist besser: Trainingsdaten einer Systementwicklung als Stoff für öffentliche Lesungen

Das Fellow-Programm Freies Wissen ist eine Initiative von Wikimedia Deutschland, dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne Offener Wissenschaft zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. Denn: Wir glauben an das Potential offener und kollaborativer Forschung. In unserem Blog stellen die Fellows einige ihrer Projekte vor und berichten über ihre Erfahrungen im Umgang mit offener Wissenschaft in der Praxis. Hier berichtet Stipendiat Aleksej Tikhonov über sein Projekt „Autorenidentifikation und linguistische Merkmale der Rixdorfer Handschriften: Eine Untersuchung anhand von Manuskripten aus dem 18./19. Jahrhundert“.

Bei der Entwicklung eines Assistenzsystems/eines Tools/eines Programms, das eine konkrete Art von Daten analysieren soll, wird Trainingsmaterial benötigt. In unserem Projekt entwickeln wir ein Assistenzsystem zur Analyse von historischen Handschriften aus dem 18.–19. Jahrhundert. Durch eine Untersuchung der visuellen und der sprachlichen Muster, soll die Anwendung sagen können, ob zwei oder mehrere historische Dokumente von derselben Schreiberin oder demselben Schreiber stammen oder nicht. Das Vorhaben wird vom Fachgebiet der Westslawischen Sprachen und dem Fraunhofer IPK mit der Förderung der VolkswagenStiftung (Förderlinie „Mixed Methods“) umgesetzt.

Bild: Elena Tikhonova, Open Sciene by Aleksej Tikhonov at the Moravian Church (Evangelische Brüdergemeine) in Rixdorf (Berlin-Neukölln)CC BY-SA 4.0

Von dem Fellow-Programm Freies Wissen habe ich über eine Rundmail der VolkswagenStiftung erfahren. An der Vermittlung des Wissens der breiten Öffentlichkeit und in unserem speziellen Fall – an der Vermittlung von Inhalten historischer Handschriften war ich bereits vor der Ausschreibung interessiert. Dabei hatte ich dafür weder finanzielle Ressourcen noch eine Plattform oder ein Netzwerk von Gleichgesinnten. Denn ein gemeinsames großes Ziel – die Öffnung der Wissenschaft – kann in einem Team viel schneller und auch nachhaltiger erreicht werden. Mit dem Freies Wissen-Fellowship wollte ich unsere Trainingsdaten zugänglich und verständlich für die Gesellschaft machen. Damit sollten sie nicht „nur“ der Softwareentwicklung, sondern auch dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dienen.

Was ist aber an den Handschriften so interessant?

Die Handschriften stammen hauptsächlich aus dem 18. Jahrhundert. Es sind Predigten und Lebensläufe (ein paar Verse sind auch dabei) von böhmischen, mährischen und schlesischen Religionsflüchtlingen, die vor fast 300 Jahren von Katholiken verfolgt wurden. In Preußen fanden sie eine neue Heimat. Genauer – in und bei Berlin. Von den ca. 5000 handgeschriebenen Seiten machen die Lebensläufe ca. 1500 Seiten aus und handeln vom Leben einfacher Menschen – Bauern und Handwerker. Der Tradition der sogenannten Brüdergemeine1 nach, zu der die Exulanten2 gehörten, sollten die Lebensläufe autobiografisch sein. Das ist aber der Idealfall, der nicht immer eingetreten ist. Deshalb ist es heute unbekannt, wer welche Lebensläufe verfasst hat. Nichtsdestotrotz sind die Dokumente für ihre Zeit Unikate, denn es handelt sich um individualisiertes nicht-katholisches Schreiben von einfachen Menschen im 18. bis frühen 19. Jahrhundert. Damit die Inhalte dieser Biografien nicht weiterhin im Archiv „rumstehen“ und sprachlich nur denjenigen zugänglich bleiben, die Tschechisch dieser Zeit können, beschloss ich die Texte zu übersetzen und zu präsentieren.

Warum gehen die Rixdorfer Lebensläufe alle Berlinerinnen und Berliner etwas an?

Die Manuskripte, die das Leben der böhmischen Flüchtlinge in Berlin zeigen, spiegeln auch gleichzeitig die Berliner Gesellschaft und ihren Umgang mit den Neuankömmlingen im 18. Jahrhundert wider. Das Ziel der Lesereihe und der Publikationen ist es, aufzuzeigen, dass in Berlin eine Tradition der Multikulturalität und der Aufnahme von Verfolgten seit Jahrhunderten gepflegt wird. Dessen Verständnis soll das Publikum für die aktuelle politische Lage sensibilisieren, die Geschichte der böhmischen Exulanten in Berlin aufarbeiten sowie die lange Historie der Einwanderung nach Berlin und Deutschland in Erinnerung rufen und verfestigen.

Nun kommen wir zur Sache.

Ich habe mein Anliegen auf zwei Seiten geschildert und bekam eine Zusage für die Förderung. Die czEXILe-Lesereihe, findet nun seit Dezember 2017 statt. Beide Lesungen, die bis jetzt ausgerichtet wurden, sind beim Publikum gut angekommen. Bei der ersten Lesung im Hauptgebäude der Humboldt-Universität waren ca. 70 Gäste da und das an einem Mittwochabend. Die Ankündigung der ersten Lesung kam auch im Newsletter des Tagesspiegels vor. Spätestens an diesem Punkt wird klar, dass die Texte auszuwählen, zu transliterieren3 und zu übersetzen maximal 50 % des Projekts ausmacht. Es steckt viel mehr dahinter – Werbung mittels Plakate, Flyer, Facebook-Anzeigen, Blog- und Twitter-Pflege, Newsletter-Marketing und das gezielte Anschreiben von potenziellen Interessenten mit einem Ansehen in dem jeweiligen Bereich (Theologie, Geschichte, Slawistik, das Tschechische Kulturinstitut, die Botschaft der Tschechischen Republik, das Bezirksamt, das Büro der Bezirksbürgemeisterin etc.). Bei der zweiten Lesung im März 2018, die direkt bei der Brüdergemeine im Böhmischen Dorf in Berlin-Neukölln durchgeführt wurde, waren über 50 Gäste da. Zwei weitere Lesungen sollen bis Ende Mai stattfinden.

Bild: Elena Tikhonova, Open Sciene czEXILe presentation at the Moravian Church (Evangelische Brüdergemeine) in Rixdorf (Berlin-Neukölln), CC BY-SA 4.0

Bei der Organisation solcher Veranstaltungen ist aber viel mehr zu beachten. Einiges war mir vorher klar – so z. B. gehören auch Buffet und ein Umtrunk dazu, denn bei solch einem Ausklang werden die Inhalte und der Kontakt zu der Öffentlichkeit verfestigt. Word-of-Mouth funktioniert immer noch. Schwieriger war die Terminfindung, denn Doodle wollen am Ende doch nicht alle verwenden und so musste mit bis zu zehn Beteiligten persönlich sowie per Telefon und E-Mail kommunizieren. Diese Koordination benötigt dabei zwischen einer halben und drei Stunden am Tag – ja nach Vorbereitungsphase.

Ist es denn tatsächlich nachhaltig?

Nein, in der reinen Form einer Lesereihe ist die Vermittlung des Wissens nicht nachhaltig. Es ist jedoch eine effiziente offline Maßnahme, um Menschen an das Thema zu binden und sie tatsächlich zu erreichen. Allein nach zwei Lesungen kamen bereits zwei Anfragen, ob solch eine Lesung nicht auch als ein Programmpunkt einer anderen Veranstaltung stattfinden könnte. Zwecks der Nachhaltigkeit sollen aber die Originale und die Übersetzungen mit Kommentaren von Expert*innen am Ende des Fellowships online publiziert und frei zur Verfügung gestellt werden. Einige erfahrenere Kollegen aus meinem Fachbereich haben auch bereits Interesse, an dieser Publikation aktiv mitzuwirken. Das Fachgebiet des Westslawischen Sprachen, in dem ich promoviere, steht dabei gar nicht schlecht da, denn es macht z. B. bei dem Language Science Press: A Publication Model for Open-Access Books mit. Ich freue mich, meinen Beitrag dazu leisten, dass Science (bald) Open Science wird.

Mehr zu der czEXILe-Lesereihe findet ihr hier.

1 Eigenname korrekt ohne „d“.
2 Exulanten – religiös motivierte Auswanderer. Exilanten – politisch motivierte Auswanderer.
3 abzutippen

 


Zum Autoren: Aleksej Tikhonov promoviert seit April 2017 in einem gemeinsamen Projekt vom Fachgebiet der Westslawischen Sprachen (Institut für Slawistik der Humboldt-Universität), dem Fraunhofer IPK und der Musterfabrik (gefördert durch die VolkswagenStiftung (‚Mixed Methods‘). Seit September 2017 ist er Stipendiat im Fellow-Programm Freies Wissen.


Weitere Gastbeiträge unserer Fellows im Wikimedia Deutschland Blog:

by Christopher Schwarzkopf at March 15, 2018 12:11 PM

March 14, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Barcamp Open Science 2018: Raus aus dem Elfenbeinturm, rein in die Offene Wissenschaft

Bereits zum zweiten Mal richtete der Leibniz-Forschungsverbund Science 2.0 das große jährliche Treffen der Open Science-Szene bei Wikimedia Deutschland aus. Forscherinnen und Forscher von der Soziologie bis zur Krebsforschung, Vertrende des Verlagswesens und interessierte Studierende trafen sich zum Open Science Barcamp #oscibar, um in interaktiven „Sessions” in den Austausch zu treten, zu diskutieren und Erfahrungen aus der Praxis zu teilen.

Eingeläutet wurde das Treffen durch einen „Ignition Talk” von Lambert Heller, Leiter des Open Science Labs der Technischen Informationsbibliothek (TIB) in Hannover. In einem leidenschaftlichen Plädoyer warb Heller für eine Abkehr von den etablierten, elitären Netzwerken der Wissenschaftspublikation hin zu mehr Fokus auf Peer-to-Peer-Netzwerke. Es sei sowohl eine moralische Pflicht der Wissenschaft, Zugang zu wissenschaftlichen Prozessen und Ergebnissen zu maximieren, als auch Teil zukunftsgewandten Denkens, Ergebnisse für wirtschaftliche Innovation nachnutzbar zu machen.

Lisa Dittmer (WMDE), Barcamp Open Science 2018 (1), CC BY-SA 4.0

Dass Offenheit aber nicht alleine eine Frage des Zugangs ist, zeigte sich in der Bandbreite der Themen, die in den nachfolgenden Sessions behandelt wurden. Diskutiert wurde unter anderem über Methoden und „Tools” des offenen Forschens, Lizenzfragen und Softwarelösungen, aber auch über gesellschaftliche Fragen: Wie kann Transparenz in der Wissenschaft verantwortlich gelebt werden? Wie „Citizen Science” (Bürgerwissenschaft) in universitäre Forschung einbinden? Und global gedacht, wie Menschenrechte und offene Wissenschaft zusammen denken? Weit jenseits der Metaebene wurde aber auch in Sessions und auf Fluren lebhaft über Sichtweisen, Argumente und Überzeugungsstrategien im alltäglichen Umgang mit Skeptikerinnen und Skeptikern gesprochen. Denn auch wie offene Wissenschaft Spaß machen und den Alltag erleichtern kann, war ein wiederkehrendes Thema.

Meist ist es nicht der Mangel an Ansätzen, Tools und Strategien, der die Umsetzung von Offenheitsidealen in der Praxis erschwert. Als dezentralisierte Bewegung hat die Open-Gemeinschaft zahlreiche Antworten auf all diese Fragen erarbeitet, häufig scheint es aber gerade die Fülle an Möglichkeiten, die engagierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler überfordert. „Spannend am Barcamp ist für mich, einen Überblick zu Open Science Tools zu bekommen. Es gibt schon so viel, häufig ist es jedoch schwierig einzuschätzen, was für die eigenen Zwecke das richtige ist”, erzählt Alina Kokoschka, Islamwissenschaftlerin und Stipendiatin des Fellow-Programms Freies Wissen.Open Science-Methoden sind in ihrer Arbeit entscheidend: „Für meine Forschung existiert häufig nicht die Literaturbasis, die ich bräuchte, um manche Symbole und Motive aus der Feldforschung richtig interpretieren oder bestimmen zu können. Der offene Austausch ist deswegen für mich wichtig, schon lange vor dem Publikationsprozess.”

Lisa Dittmer (WMDE), Barcamp Open Science 2018 (2), CC BY-SA 4.0

Die vielen positiven Erfahrungen, von denen insbesondere junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an diesem Tag berichteten, stimmen optimistisch, was die zunehmende Akzeptanz der Prinzipien der Offenen Wissenschaft innerhalb akademischer Institutionen betrifft. So erklärt dann auch Teilnehmerin Alina Kokoschka: „Als ich begann, mich mit Open Methoden zu beschäftigen, hatte ich viel mehr Widerstand erwartet. Tatsächlich habe ich aber festgestellt, dass diese Herangehensweise einen Nerv trifft, mindestens bei meiner Generation.“

Alle Sessions wurden live in Etherpads festgehalten.

Viele weitere spannende, persönliche Einblicke ins Barcamp sind auf der Seite des Open Science Radios zu finden unter http://www.openscienceradio.org/

by Lisa Dittmer and Christopher Schwarzkopf at March 14, 2018 01:36 PM

Volle Fahrt voraus für Freies Wissen: Auf Expedition mit dem Forschungsschiff FS Poseidon

Das Fellow-Programm Freies Wissen ist eine Initiative von Wikimedia Deutschland, dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne Offener Wissenschaft zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. Denn: Wir glauben an das Potential offener und kollaborativer Forschung. In unserem Blog stellen die Fellows einige ihrer Projekte vor und berichten über ihre Erfahrungen im Umgang mit offener Wissenschaft in der Praxis. Hier berichtet Stipendiat Tobias Steinhoff über sein Projekt „Expedition mit FS Poseidon, Untersuchungen zum Gasaustausch im Auftriebsgebiet vor Mauretanien“.

Open Science: Gut gemeint, aber…

… grandios daran gescheitert. Das war auf jeden Fall mein Gefühl nach meiner Expedition, die ich doch ganz im Zeichen von offener Wissenschaft gestalten wollte. 

Studenten und Wissenschaftler beraten in der Messe der FS POSEIDON, wo die beste Position zum Aussetzen des Drifters ist. (Foto: Lisa Hoffmann, CC-BY 4.0)

Mein Projekt dreht sich um eine Forschungsreise mit dem deutschen Forschungsschiff FS POSEIDON. Für drei Wochen (22.01. – 11.02.2018) ging es mit der POSEIDON von Gran Canaria aus ins Auftriebsgebiet vor Mauretanien. Bedingt durch die Passatwinde ist das die Jahreszeit, wo warmes Oberflächenwasser von der Küste „weggedrückt“ wird. Dadurch kommt kaltes und nährstoffreiches Wasser an die Oberfläche. Zusammen mit der starken Sonneneinstrahlung der Tropen ist das eine wunderbare Umgebung für Organismen und eine starke biologische Produktion beginnt. Wir wollten nun einen solchen frischen Auftriebs-„Patch“ identifizieren und mit einem Oberflächendrifter markieren. Diese Wassermasse wollten wir für ca. 2 Wochen als natürliches Labor benutzen, um den Gasaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre unter verschiedenen Bedingungen zu beobachten.

Soweit die wissenschaftlichen Voraussetzungen. Nach dem Eröffnungsworkshop des diesjährigen Fellow-Programms im Oktober 2017 in Berlin habe ich mich ganz motiviert an die Arbeit gemacht. Nun hieß es für mich, neben der Projektarbeit in anderen Projekten, die Expedition vorzubereiten und das möglichst transparent. Nach vielem Ausprobieren habe ich mich dafür entschieden, sowohl die Vorbereitung als auch die Fahrt selber in einer Art offenem Laborbuch auf gitlab zu führen. Neben der für mich ungewohnten Syntax sah ich mich aber auch noch mit weiteren offenen Fragen konfrontiert. Als wissenschaftliche Fahrtleitung ist man nicht nur für sein eigenes wissenschaftliches Programm verantwortlich; es gilt die Interessen aller Teilnehmenden zu berücksichtigen, man muss An- und Abreise und alle Transporte organisieren, es sind ewig viele Listen zu erstellen. Hier kam mein offenes Laborbuch schnell an seine Grenzen. Die Vorbereitung beinhaltet auch die Abfrage allerlei persönlicher Informationen. Hier muss dann also eine zweite Version her, die nicht online und nicht offen ist, dafür aber auch Namen und andere Details beinhaltet, die nicht ungefragt veröffentlicht werden können. Hier war es dann einfach in den alten Trott zu verfallen: Ich führte mein handschriftliches Buch und beschloss, dass was online kann später hochzuladen. Sobald einem die Zeit wegläuft, ist das aber schon der erste Punkt, der leidet: Update-Intervalle meines offenen Laborbuchs wurden immer länger. Damit aber leidet auch die eigene Unzufriedenheit, da man jetzt schon hinterherhängt.

An Bord selber wurde es nicht besser. Der ursprüngliche Plan war es, täglich neue Daten im gitlab hochzuladen und ein paar Stichworte zu den aktuellen Arbeiten an Bord zu verfassen. Außerdem sollten natürlich vernünftige Metadaten für die Daten zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich sollte die Expedition auf Oceanblogs populärwissenschaftlich und mit schönen Bildern begleitet werden.

Der Drifter ist im Wasser. Nun heißt es hoffen… (Foto: Lisa Hoffmann, CC-BY 4.0)

Ich hatte zwar tatkräftige Unterstützung, sowohl für meine wissenschaftlichen Arbeiten als auch für die Betreuung des Blogs, dennoch stieß ich schnell an meine Grenzen. Die Arbeiten an Bord nahmen mich derart in Beschlag, dass ich zu nicht viel anderem gekommen bin. Zum einen gab es etliche Probleme mit einigen Messgeräten und sobald das Schiff den Hafen verlassen hat, ist man auf sich alleine gestellt. Hier hilft bei Problemen oft nur Improvisation, was aber auch eine Menge Zeit kostet. Zum anderen hatte ich die Rolle als wissenschaftliche Fahrtleitung doch unterschätzt. Die ganze Organisation und Kommunikation zwischen Schiffscrew und wissenschaftlicher Besatzung nahm mehr Zeit in Anspruch als erwartet. Zudem ich mir auch vorgenommen hatte, an Bord selber die Entscheidungen möglichst transparent zu gestalten, was eben auch Zeit kostet, wenn alle in den Entscheidungsprozess eingebunden sein sollen. In den drei Wochen habe ich es erst an Tag 18 geschafft, ein paar Daten im gitlab hochzuladen. An eine vernünftige Dokumentation war nicht zu denken. Immerhin liefen die Beiträge auf Oceanblogs; die musste ich jeweils nur gegenlesen und absegnen.

Aber was hieß das nun für mich? Wenn ich meine erzielten Erfolge mit der Roadmap vergleiche, die ich auf dem Eröffnungsworkshop erstellt hatte, sieht es wirklich nach Scheitern aus. Allerdings hört sich das so negativ an, und das Wort berücksichtigt nicht alle die Sachen, die ich in den letzten Monaten gelernt habe. Ich bin jetzt eher um einige Erfahrungen reicher und sehe für mich wesentlich klarer, wie ich das Thema Open Science in meinem Gebiet angehen kann. Nach drei Wochen Expedition und jeder Menge guter Vorsätze würde ich in Bezug auf Open Science das nächste Mal einiges anders machen:

Sonnenuntergang mit Wüstenstaub aus der Sahara. (Foto: Lisa Hoffmann, CC-BY 4.0)

Muss immer alles sofort online? Für mich kann ich das mit einem klaren „Nein“ beantworten. Natürlich ist es wünschenswert schon den Prozess (also in meinem Fall die Messungen im Feld) einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aber an erster Stelle steht für mich die Qualität der Messungen. Und ein offenes Laborbuch erfordert mehr Zeit und Aufmerksamkeit als meine handschriftliche „Kladde“. Außerdem können die handschriftlichen Aufzeichnungen auch Informationen enthalten, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Weiterhin stellt sich mir die Frage, ob eine git-Umgebung wirklich die richtige Plattform ist. Der Vorteil des git liegt klar auf der Hand, aber die gewöhnungsbedürftige Syntax wird sicherlich auch viele Wissenschaftler davon abhalten, diese zu benutzen.

Also doch nicht so richtig gescheitert. Eher eine Menge gelernt. Das Projekt ist noch nicht zu Ende und wir sind alle mit der Datenauswertung beschäftigt. Nach der Auswertung werde ich zumindest meine Daten gut dokumentiert auf dem gitlab zur Verfügung stellen und natürlich werden wir auch Open Access veröffentlichen.

Das nächste Projekt ist schon in Arbeit und auch diese will ich ganz im Sinne von Open Science durchführen und dabei versuchen einiges anders/besser zu machen.

Weiterführende Links:


Zum Autoren:

Dr. Tobias Steinhoff arbeitet als Postdoc am GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Er beschäftigt sich mit dem marinen Kohlenstoffkreislauf und hier speziell mit dem CO2-Austausch zwischen Ozean und Atmosphäre. In diesem Rahmen trägt er Messdaten zu einem internationalen Netzwerk bei Surface Ocean CO2 Atlas, die frei verfügbar sind. Im Rahmen dieses Projektes möchte er die offene Verfügbarkeit seiner Forschungsdaten auf den gesamten Prozess von der Datenerhebung bis zur Auswertung ausweiten.


Weitere Gastbeiträge unserer Fellows im Wikimedia Deutschland Blog:

by Christopher Schwarzkopf at March 14, 2018 09:04 AM

March 13, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Triff die Frauen in Rot in Berlin!

Erinnert Ihr Euch? Im August 2017 gab es im Blog schon mal einen Beitrag zum Thema „Frauen in Rot“. Wer es nicht mehr weiß: „Frauen in Rot“ ist ein Teilprojekt des WikiProjekts Frauen und der deutsche Teil des international aufgestellten WikiProjekts „Women in Red“. Das Ziel des Projektes besteht darin, dass mehr deutschsprachige Artikel über Frauen entstehen, über die es bereits in anderssprachigen Wikipedien Artikel gibt. Am 8. Juli 2017 gab es in München dazu einen Edith-a-thon. An diesem Tag sind 24 neue Artikel rund um die „Frauen in Rot“ entstanden.Seither wurde die Arbeitsgrundlage, die sogenannte „Listenliste“ ergänzt: Genau wie im englischsprachigen Original sind die Namen der „roten Frauen“ jetzt nicht nur nach ihren Berufen oder Tätigkeiten, sondern auch nach ihrer Nationalität geordnet aufgelistet. Seht selbst!

Ja, es ist offensichtlich, dass auch dies noch (immer) nicht der letzte Schritt war und ist. Natürlich sind die Relevanzkriterien in den unterschiedlichen Sprachversionen unterschiedlich und die Datengrundlage lässt auch weiterhin einiges zu wünschen übrig. Mit diesen Listen zeigt sich allerdings bereits jetzt: Allein im Bereich der Biografien über Frauen mit Artikeln in mindestens einer anderen Sprachversion fehlen in der deutschsprachigen Wikipedia noch einmal mindestens so viele Biografien, wie es sie bereits gibt.

Am Samstag, dem 24. März 2018 wird es daher diesmal in Berlin erneut einen Edith-a-thon geben. An diesem Tag sollen wieder möglichst viele neue Wikipedia-Artikel über „Frauen in Rot“ entstehen. Alle Interessierten, ob noch gänzlich neu in der Wikimedia-Welt oder erfahrene Wikipedianerinnen und Wikipedianer, sind dafür sowohl im WikiBär als auch online herzlich willkommen. Machst Du mit?

Steffen Prößdorf, Gruppenfoto WikiCon2017 IMG 9159 LR10 by Stepro, CC BY-SA 4.0

 

Möglichkeiten zur Mitarbeit in der Wikipedia:

Weitere Beiträge von IvaBerlin:

 

by Lisa Dittmer at March 13, 2018 09:49 AM

March 12, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 10/2018


In der Wikimedia:Woche 10/2018 geht es unter anderem um eine Kampagne gegen die anhaltende Sperrung von Wikipedia in der Türkei und um mehrere neue Stewards. Außerdem sind in dieser Ausgabe das Protokoll der letzten Präsidiumskonferenz von Wikimedia Deutschland und der Termin für das nächste ABC des Freien Wissens, diesmal mit dem Buchstaben Q, zu finden.

Zur Wikimedia:Woche 10/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at March 12, 2018 08:24 AM

March 09, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Digitalstaatsministerin Bär mit großer Verantwortung auch für Freies Wissen

Deutschlands erste Staatsministerin für Digitalisierung. Foto: Michael Lucan, Lizenz: 2013-03-16 Dorothee Baer 0405, CC BY-SA 3.0 DE

Dass das CDU-geführte Wirtschaftsministerium und die CSU-geführten Innen- und Verkehrsministerien hier eine positivere Zusammenarbeit hinbekommen als in der Vergangenheit, bleibt zu hoffen. Im Koalitionsvertrag sind dazu aber leider nur über die Legislatur hinausweisende Zielvorgaben zu finden. Die deutlich konkreteren Aussagen des Koalitionsvertrages müssen daher auch durch die koordinierende Staatsministerin Bär umso zügiger verfolgt werden, allen voran die glasklare Ablehnung von Upload-Filtern als “unverhältnismäßig” (siehe Zeilen 2218 bis 2220 der Koalitionsvereinbarung). 

Die weiteren Koalitionsziele im Bereich der Bildung und der digitalen Bürgerrechte wie etwa das “Zivilgesellschaftliche Digitalisierungsprogramm”, gesicherte und durchgesetzte Netzneutralität und eine Stärkung von freien Bildungsmaterialien (OER) in Schulen und Hochschulen sollten möglichst bald in den öffentlichen Fokus rücken statt der aktuell von Kritikern dankbar aufgegriffenen Diskussion um Flugtaxis.

Frau Bärs Ansatz bleibt dabei richtig: Wichtig ist in erster Linie, was mit der entstehenden Infrastruktur gemacht werden kann und was das für Individuum und Gesellschaft bedeutet. Auch Freies Wissen braucht funktionierende Netze und einen Rechtsrahmen, der ermöglichend wirkt statt hinderlich. Open Access muss in der Wissenschaft genauso selbstverständlich sein wie Open Data im Verwaltungshandeln, wie im Koalitionsvertrag vorgehsehen. Frau Bär trägt innerhalb der Bundesregierung zukünftig besondere Verantwortung dafür, dass der von Wikimedia Deutschland geforderte Grundsatz “Öffentliches Geld führt zu öffentlichem Gut” auch praktisch wirksam wird.

“Privacy by Default” und eine geplante Daten-Ethikkommission sind zwei weitere wichtige Punkte, die die Koalitionäre vereinbart haben. Wir erwarten von der Staatsministerin, dass sie hier die Diskussion voranbringt und vor allem darauf hinwirkt, dass das gerade erst europaweit modernisierte Datenschutzregime im Sinne des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung konsequent durchgesetzt wird.

Wir hoffen, dass sie den vielfältigen Aufgaben gerecht werden und die Rahmenbedingungen für Freies Wissen stärken kann.

Die Digitalisierung hält Einzug. Foto: Manfred Brückels, Kanzler21aCC BY-SA 3.0

by John Weitzmann at March 09, 2018 11:19 AM

March 07, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Ist Offene Wissenschaft die bessere Wissenschaft?

Alles andere als Kaffeesatzleserei: Offene Wissenschaft. Christopher Michel, E=MC^2 (7852234992), CC BY 2.0

Das Ziel von Offener Wissenschaft (engl. Open Science) ist, die Forschung transparenter zu machen und damit die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit zu verbessern. Damit ist die Arbeitsweise gar nicht so weit entfernt von der gemeinsamen, kollaborativen Arbeit, wie sie auch in Wikipedia praktiziert wird – nur eben übertragen auf den Bereich der wissenschaftlichen Arbeit und Forschung.

Die Ansätze von Offener Wissenschaft umfassen dabei ganz unterschiedliche Ebenen. So können nicht nur Ergebnisse und Prozesse geteilt und weiter verarbeitet werden, sondern es werden auch die Theorien, Methoden, Anwendungsfelder und Zwischenergebnisse einer größeren Zahl von Menschen zugänglich gemacht. Darüber hinaus bietet die Offenlegung von Forschungsprozessen Einblicke in Versuchsabläufe – in solche, die zu Ergebnissen führten genauso wie in die, die nicht funktioniert haben. Das hilft anderen nachzuvollziehen, wie letztlich ein Ergebnis zustande gekommen ist, um z. B. nur Teile eines Versuches wiederholen zu müssen und relevante Ergebnisse für die eigene Forschung zu erhalten. Manchmal können wissenschaftliche Geräte sogar nachgebaut werden, weil die Anleitung und Materialnutzung zur Erstellung eines kostspieligen Gerätes offen zugänglich gemacht wird. Das spart Zeit, Mühe und räumt mehr Ressourcen für die Forschung selbst ein. Das Rad muss also nicht immer wieder neu erfunden werden.  

Was in den Ohren von Wikipedianerinnen und Wikipedianern ganz logisch klingt, stellt aber in der wissenschaftlichen Praxis immer noch die Ausnahme dar. Denn frei zugängliche Forschung ist zwar wünschenswert, bedeutet aber einen Mehraufwand, wenn es beispielsweise um die Veröffentlichung von sensiblen Forschungsdaten geht. Zudem herrscht in der akademischen Welt nach wie vor ein hoher Druck, Forschungsartikel mit einem hohen “Impact Factor” in Fachzeitschriften oder Monographien zu veröffentlichen, was  einen großen Teil des Renommees von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausmacht. Hier muss Offene Wissenschaft besser erklärt und erfahrbar gemacht werden, damit offene Forschungspraktiken innerhalb der Wissenschaftsinstitutionen ihre Vorteile entfalten können.  

Besonders der interdisziplinäre Austausch von Forscherinnen und Forschern mit unterschiedlichen Expertisen ist es, der oft bessere, manchmal sogar schneller Ansätze, Ideen und Forschungsergebnisse liefert. Deswegen bietet das Fellow-Programm Freies Wissen vom Stifterverband, der VolkswagenStiftung und Wikimedia Deutschland eine bisher einzigartige Möglichkeit, um Offene Wissenschaft und Freies Wissen zwischen den Disziplinen und innerhalb der Institutionen zu fördern. Das Programm befindet sich gerade im zweiten Jahr und der nächste Durchlauf ist bereits in Planung. Mehr dazu berichten wir bald an dieser Stelle. Im Vorfeld der diesjährig in Berlin stattfindenden Open Science Conference am 13. und 14. März 2018 richtet der Leibniz Forschungsverbund Science 2.0 am 12. März ein Open Science BarCamp aus.

Offene Wissenschaft als Goldstandard?

Alle, die der Frage nachgehen wollen, ob die Maxime “Je offener, desto besser” auch für den Bereich Offener Wissenschaft Bestand hat, sind herzlich zur nächsten Veranstaltung aus der Wikimedia-Salon-Reihe “Das ABC des Freien Wissens” am 13. März 2018 um 19:00 Uhr bei Alex Berlin eingeladen. Dr. Christina Riesenweber, Open-Access-Beauftragte der Freien Universität Berlin wird Fragen zur Qualität und Verlässlichkeit von Offener Wissenschaft stellen und mit der Soziologin Dr. Isabel Steinhardt,der Biotechnologie-Wissenschaftlerin Prof. Dr. Vera Meyer und weiteren Gästen diskutieren. Alle Details zum Dabeisein und zum Livestream auf der Seite des Wikimedia-Salons Q=Qualität.

by Jan Apel at March 07, 2018 01:50 PM

March 03, 2018

Iberty

Pokémon in der Wikipedia

Pikachu ist ein Pokémon. Nein, Pikachu ist DAS Pokémon. Oder, um es im Wikipedia-deutsch zu sagen:
Das Pikachu (jap. ピカチュウ, Pikachū) ist ein fiktives Wesen und das bekannteste Pokémon aus den gleichnamigen Videospielen der japanischen Spielesoftwarefirma Game Freak, sowie eine Kernfigur im zugehörigen Anime. [...] Japanische Forscher des Osaka Bioscience Institute benannten nach dem Pokémon ein neu entdecktes Protein, Pikachurin, welchem eine Rolle beim Bewegungssehen zugeschrieben wird.

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Bild: Ana.b747.pokemon.arp.750pix Von: Adrian Pingstone Lizenz: Public Domain. Warning: One or more elements in this image are protected by copyrightSome parts of this file are not fully free but believed to be de minimis for this work. Derivatives of this file which focus more on the non-free element(s) may not qualify as de minimis and may be copyright violations. As a direct consequence it might be needed to review the copyright status if you crop the picture.

Außerdem ist Pikachu sehr gelb, sehr niedlich und vermutlich das einzige Pokémon, das auch viele Nicht-Spieler kennen. Pikachu wird seit mittlerweile 11 Jahren in seinem eigenen Wikipedia-Artikel vorgestellt. Pikachu begann sein deutsches Wikipedialeben am 25. Februar 2005.



Pikachu im Jahr 2005


Die damalige Beschreibung in der Wikipedia lautete:

Pikachu (ピカチュウ Pikachu) ist ein sogenanntes Pokémon aus den gleichnamigen Computerspielen der japanischen Spielesoftwarefirma GAME FREAK inc., sowie dem dazugehörigen Anime. Pikachu stellt eine Art Maus dar und besitzt überwiegend elektrische Fähigkeiten.  (Blitze schleudern, etc.) – es gehört deswegen zum Pokémon-Typ Elektro. Seine interne Pokémon-Nummer ist 156 (25 nach alter Zählung).
Damit dauerte es immerhin drei Jahre bis auf den Pokémon-Artikel von 2002 der Pikachu-Artikel folgte. Die Entwicklung des Artikelinhalts von 2005 bis 2016 gestaltete sich typisch für einen Wikipedia-Artikel. Weg von spielinternen Informationen "Blitze schleudern", hin zu Informationen, mit denen auch Außenstehenden etwas anfangen können, wie beispielsweise, die Information über das nach Pikachu benannte ein Protein. Es wird deutlicher, warum Pikachu eine Bedeutung über die enge Pokémon-Welt hinaus hat. 

Es kann nur eines geben


Pikachu bleibt bis heute das einzige Pokémon, der in einem deutschen Wikipedia-Artikel beschrieben wird, weil nach Meinung der deutschen Wikipedianer kein anderes Pokémon die enge Welt des Spielekosmos verlassen hat. Ansonsten blieben Detailinformationen zu den verschiedenen Pokémon-Varianten dort, wo sie die deutsche Wikipedia am liebsten hat. Im - viel zu langen und komplett unlesbaren - Hauptartikel zu Pokémon an sich.

Selbst die "Liste der Pokémon" brauchte acht Jahre vom Entstehen des Pokémon-Artikels bevor sie seit 2010 in der deutschen Wikipedia bestehen blieb. Nicht, dass es nicht Leute versucht hätten und sich die Liste nicht zwischenzeitlich in den Jahren von 2002 bis 2010 immer mal wieder einige Monate halten konnte. Aber sie fiel dann stets einem Löschantrag zum Opfer.

Die erste Löschdiskussion der Liste im Mai 2006 war dramatisch.:

* "Fangeschwurbel", 
* "Wikipedia ist keine Sammlung fiktiver Nerv-Monster", 
* "Gibt es irgendeinen Mehrwert gegenüber der Pokémon-Wiki außer den Pseudoerklärungen des Namens?", 
*"löschen und nirgends einarbeiten, es wird doch wohl genügend Pokemon-Fanseiten im www geben, die solche Listen führen können."

gegen

* "die Informationen machen den Pokémon-Artikel zu lang", 
* "wichtiges Medium um junge Leser an die Enzyklopädie heranzuführen" 
* "hat Zusatzinformationen wie einzelne Namen".

2006 wurde die Liste gelöscht. Vier Jahre nach dieser Löschdiskussion hat sich die Wikipedia anders entschieden. Heute stehen alle Pokémon von Nummer 1 Bisasam bis zum nicht-mehr-nummerieren Lunala (gezählt der 740. Pokémon) nebeneinander in der Liste einschließlich der Bezeichnung auf englisch, französisch, japanisch und koreanisch, der Typ (Bisasam: Pflanze/Gift Lunala: Psycho/Geist) und der Kategorie (Bisasam: Samen Lunala: Mondscheibe). Für Nicht-Pokémonista ist dort nicht erklärt, was Typ und Kategorie bedeuten.

Braucht Bisasam einen Artikel?


Dabei wäre beispielsweise ein Artikel über Bisasam diskutabel. Nach Pikachu ist Bisasam das Pokémon, das auch außerhalb der Szene am bekanntesten ist. In der Szene selbst ist es sogar beliebter als Pikachu selbst. Immerhin heißt das englische Pokémon-Spezial-Wiki Bulbapedia nach Bisasams englischer Bezeichnung Bulbasaur. Im deutschen Pokéwiki wiederum ist Bisasam der einzige Artikel über ein Pokémon, der als lesenswert ausgezeichnet wurde.

Bisasam brachte es in der deutschen Wikipedia hingegen auf 13 Löschungen, bevor die Seite komplett gegen Neuanlagen gesperrt wurde. Hier eine Übersicht über die Löschbegründungen:


Die Begründungen laufen im Wesentlichen auf "Fancruft" hinaus. Oder, länger formuliert, es gibt nichts über Bisasam zu sagen, was außerhalb der Spiele von Relevanz wäre oder für das es andere Quellen als die Spielanleitungen gibt.

Deshalb ist die Frage nicht unspannend, wie Wikipedia-Artikel über Bisasam aussähe. Im Pokéwiki bestehen normale Artikel über einzelne Pokémon vor allem aus langen Listen von Fähigkeiten, Entwicklungen und Stufen, die tatsächlich nur für Spieler relevant sind - und größtenteils auch für diese überhaupt nur verständlich. Bei Bisasam ist der Text länger: Dort erfahre ich zum Beispiel:

Bisasams Knolle ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Fähigkeiten. [...] Da Bisasam seine Knolle kurzzeitig an der Spitze öffnen kann, kann es die in der Knolle enthaltenen Samen auch offensiv nutzen, indem es den Gegner mit Samen bombardiert oder auf den Gegner einen Egelsamen schießt, der ihn bepflanzt und ihm Energie absaugt...

In den Spielen ist Bisasam vor allem bekannt für seine Rolle als Starter-Pokémon, die es in den Spielen Pokémon Rot, Blau, Feuerrot und Blattgrün innehat. Zu Beginn dieser Spiele kann sich der Protagonist bei Professor Eich in Alabastia eines von drei Starter-Pokémon aussuchen, zu denen neben Bisasam auch Glumanda und Schiggy gehören. Wählt der Protagonist Schiggy, wird der Rivale Blau Bisasam als Starter-Pokémon wählen. In diesem Fall kämpft Blau dreimal mit Bisasam gegen den Protagonisten: In Professor Eichs Labor, auf Route 22 und in Azuria City.
Das gibt mir tatsächlich einen ganz guten Eindruck wie Pokémon funktioniert und wie es sich von innen heraus anfühlt. Geschrieben wurde der Text aber deutlich von Spielern für Spieler. Mehr externe Perspektive als in im Pokéwiki sollte es in der Wikipedia geben.

Bisasam in der englischen Wikipedia


Glücklicherweise sieht die englische Wikipedia das anders mit den Pokémon als die deutsche Wikipedia. Ein Blick auf den Text im Englischen lässt den Vergleich zu. Dort hat zwar bei weitem nicht jedes Pokémon seinen eigenen Artikel - die englische Wikipedia kennt 43 Artikel zu Pokémon von denen es über 700 gibt. Aber Bulbasaur schon.

Der Artikel über Bulbasaur existiert in der englischen Wikipedia seit 13 Jahren und hat mittlerweile 25.000 Zeichen. Er ist ein schönes Beispiel, wie es hätte anders laufen können. Dort erfährt der Leser, dass Bulbsaur/Bisasam von Ken Sugimori gestaltet wurde, der Name sich aus "Bulb" (Blumenzwiebel) und "[Dino]saurier" zusammensetzt. Es werden viele Vorkommen in vielen Videospielen nacherzählt, noch mehr Vorkommen als diversestes Werbemittel von Flugzeugbemalungen über McDonalds-Happy Meals aufgezählt und erwähnt, dass es die Insel Niue eine Münze mit Bulbasaur auf der Rückseite ausgegeben hat. Außerdem hat die Games-Fachplattform IGN Bulbasaur zum 52. besten Pokémon aller Zeiten gekürt.

Und ich frage mich: handelt es sich beim englischen Wikipedia-Artikel nicht einfach um eine Nacherzählung von Pressemitteilungen? Steht in der englischen Wikipedia nicht der Pokéwiki-Artikel in schlechter? Menschen drucken/prägen/gießen/virtualisieren ein fiktives Monster um Geld zu verdienen. Das sollen sie machen.. Aber ist es wirklich ein Enzyklopädieartikel nachzuerzählen wann/wo/wer dieses tat? Ist es mehr als eine Rohdatensammlung?

Ist es sinnvoll, eine Spielanleitung nachzuerzählen, die einerseits niemand nutzt, der nicht spielt, andererseits dann doch nicht detailliert genug ist, um als Anleitung zu taugen?

Vermutlich hat die Existenz des Bulbasaur-Artikels in der englischen Wikipedia Leute an Wikipedia gebunden/nicht verschreckt, die sonst gegangen wären. Vermutlich hat es viel internen Streit vermieden, eher offen an das Thema heranzugehen. Die praktische Erfahrung zeigt, dass Artikelschreiben viel einfacher ist, wenn man sich nicht dauernd gedanken machen muss, ob ein Thema relevant ist. Aber ist es das wert, dass Wikipedia sich gleichzeitig als ausgelagerte Pressestelle von Nintendo präsentiert?

Was lässt sich daraus lernen - nicht über Pikachu und Bisasam - sondern über die deutsche Wikipedia?

(1) Der Umgangston in Teilen der deutschen Wikipedia war schon 2006 unterirdisch.

(2) Die deutsche Wikipedia hat ein hohes Grundmisstrauen gegenüber reinen Datensammlungen. Ein Wiki funktioniert mit Text gut, zumindest technisch ist es mit Datensammlungen schwierig.

(3) Die deutsche Wikipedia hat ein hohes Grundmisstrauen gegenüber kontrollierter Information. Bisasam hat das Pokémon-Universum nie verlassen. Alles was je an Information über Bisasam öffentlich wurde und öffentlich werden kann, geht letztlich auf Game Freak und Nintendo zurück. Letztlich läuft jeder Artikel auf eine Umformulierung von Inhalten der Anbieter zurück. Die deutsche Wikipedia versteht sich nicht als Reformulierer von Pressemitteilungen.

(4) Auch in der deutschen Wikipedia ist die Lage seit 2006 deutlich entspannter geworden. Die Liste der Pokémon immerhin steht seit sechs Jahren in der Wikipedia.

Bonus: Pokémon Go


Als Bonus die Aufrufzahlen für den Wikpedia-Artikel zu Pokémon Go. Der Hype ist schon vorbei.



Weiterlesen

Die Iberty-Artikel zur Kultur im engeren und weiteren Sinne stehen unter Kultur in Iberty! 

Mehr zu einzelnen Aspekten der deutschen Wikipedia findet sich beispielsweise unter Wikipedia von A bis Z. Ein Versuch.

Ein kurzer Einwurf dazu, wo Wikipedia politisch steht: Wo steht Wikipedia so politisch.

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by dirk franke (noreply@blogger.com) at March 03, 2018 12:09 PM

March 01, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 9/2018


In der Wikimedia:Woche 9/2018: ein offener Brief gegen Upload-Filter, die Gewinnerbilder des Fotowettbewerbs „Wiki Loves Folk“ und personelle Veränderungen im Team Ideenförderung bei Wikimedia Deutschland und bei der Geschäftsführung von Wikimedia Tschechien. Außerdem gibt es Neues vom Übersetzungswerkzeug.

Zur Wikimedia:Woche 9/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at March 01, 2018 03:41 PM

Neues Urheberrecht für Bildung – Eine Erleichterung für die Praxis?

Foto: Ralf Roletschek, 13-11-02-olb-by-RalfR-03, CC BY 3.0

Dieser Beitrag wurde von Bernd Fiedler, WMDE, verfasst und erschien zunächst am 14.02.2018 im Communia-Blog.

Mit dem heute in Kraft tretenden “Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz” sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen für Bildung und Forschung verbessert werden. Dies bedeutet im Einzelnen, dass Ausnahmeregelungen (“Schrankenregelungen”, siehe auch Wikipedia-Artikel zu Urheberrechtsschranken) des Urheberrechts klarer gefasst werden. So sollen ab heute grundsätzlich 15 Prozent eines geschützten Werks für Unterrichtszwecke genehmigungsfrei genutzt werden können. Diese Regelung läuft zunächst bis 2023.

Eingeführt wurde dieses überfällige Gesetz in den letzten Minuten der letzten Legislaturperiode. Es ist zunächst auf fünf Jahre ausgelegt, danach soll eine Revision im Parlament erfolgen. Immerhin ist es – wie Justizminister Heiko Maas darlegt – eine Erleichterung für die Praxis, weil es Regelungen, die zuvor jedes Bundesland für sich getroffen hatte, vereinheitlicht und somit auch die Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern vereinfacht.

1 Gesetz statt 16 Wege

Bildung liegt in der Zuständigkeit der Länder. Damit wurden bisher auch die Ausnahmeregelungen für Bildung im Urheberrecht (“Bildungsschranken”) in einzelnen Verträgen zwischen den Kultusministerien der Länder einerseits und den Repräsentanzen der Rechteinhabenden andererseits verhandelt. Es gab also 16 Wege und 16 Richtlinien. Vor diesem Hintergrund ist das neue Gesetz eine Vereinfachung.

Ab März 2018 können Bildungseinrichtungen 15 Prozent eines geschützten Werks (z. B. Bücher, Filme etc.) für Kurse, für das Kollegium und für die Präsentation der Unterrichtsergebnisse selbst vor Dritten nutzen. Einzelne Bilder, “geringfügige” wissenschaftliche Artikel aus demselben Journal, vergriffene Werke und “Werke geringen Umfangs” können insgesamt genutzt werden.

Zuvor enthielt das Gesetz ausschließlich vage Formulierungen wie “Auszüge” und “Werke geringen Umfangs”, deren genaue Auslegung in den genannten Verträgen ausgehandelt werden musste, was zu unterschiedlicher Praxis je nach Bundesland führte.

Defizite der neuen Schrankenregelung

Leider profitieren von der neuen Regelung nur formelle Bildungsträger – Bildungsangebote zum Beispiel von Museen, Bibliotheken und Non-Profit-Organisationen sind hiervon ausgeschlossen. Außerdem sind Presseerzeugnisse und Schulbücher von der 15-Prozent-Regel generell ausgenommen und dürfen nicht einfach verwendet oder an Schulen reproduziert werden. Musiknoten und grafische Aufzeichnung von Musik dürfen außerdem gar nicht ohne vorherige Genehmigung des Rechteinhabers physisch reproduziert werden, nicht einmal teilweise.

Herstellerinnen und Hersteller von Bildungsmedien können zehn Prozent eines geschützten Werks nutzen, sofern das entstehende Bildungsmedium für den nicht-kommerziellen Bereich z. B. im Unterricht vorgesehen ist (Schulbücher etc.). Für Forschungszwecke können Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen honorarfrei bis zu 75 Prozent geschützter Werke reproduzieren, dürfen diese aber nicht einfach teilen.

Im Referentenentwurf des Gesetzes waren noch weitergehende Freigaben vorgesehen. 25 Prozent eines Werks hätten für Bildungszwecke zur Verfügung gestanden. Einige Rechteinhaber, vor allem Verlage, bauten politischen Druck auf und argumentierten, 600 Unternehmen im Verlagsbereich seien auf diese Weise in ihrer Existenz bedroht, die Qualität würde sinken, eine Form der Enteignung drohe. Aus diesem Grund ist auch die Bedingung der “angemessenen Vergütung” unverändert im Dokument zu finden. Wie viel ein Träger an Gebühren zahlen muss, wird dabei anhand von Stichproben der Arbeit der Institutionen geschätzt.

Ist Text und Data – Mining legal? Kommt darauf an…

Text und Data-Mining wird ausschließlich für nicht-kommerzielle Zwecke gestattet, prozesshafte Kopien können ohne Lizenz hergestellt werden. Entstehende Korpora müssen aber nach Ende des Forschungsvorhabens gelöscht oder in ein offizielles Archiv überführt werden. Der Terminus “nicht-kommerziell” ist vage und kann in der Zukunft zu Konflikten führen. Unnötigerweise werden die Anwendungsfälle damit stark eingeschränkt, gerade mit Blick auf Arbeit mit offenen Lizenzen, in öffentlich-privaten Partnerschaften und auf wissenschaftliche Projekte von Bürgerinnen und Bürgern.

Bibliotheken, Archive, Museen und Bildungsinstitutionen dürfen nun geschützte Werke zum Zweck der Erhaltung digitalisieren. Die Tatsache, dass dies ausdrücklich erwähnt werden musste, ist ein gutes Beispiel für die insgesamt strenge Regelung von Ausnahmen und Beschränkungen des Urheberrechts in der EU. Insgesamt ist die nun in Kraft tretende Änderung ein wichtiger Schritt für Bildung im digitalen Zeitalter, wenn auch keine rundum zufriedenstellende Lösung. Wegen der anstehenden Urheberrechtsreform auf europäischer Ebene bleibt die Unsicherheit darüber, welche Teile des Gesetzes in Zukunft nachgebessert werden müssen, sollte die Digitale Binnenmarkt-Richtlinie auf EU-Ebene ratifiziert werden. Unter anderem deshalb ist eine Überprüfung des Gesetzes schon jetzt terminiert.

Damit Freie Bildungsmaterialien (en: Open Educational Resources bzw. OER) und ein freier Austausch von Material im Bildungs- und Wissenschaftssektor geschaffen werden kann, braucht es noch weitergehende Schritte. Wikimedia Deutschland wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen. Für Praktikerinnen und Praktiker empfehlen wir bis dahin folgenden Leitfaden von iRights: https://irights.info/artikel/leitfaden-urheberrecht-e-learning-lehre-urhwissg/28839

by Lilli Iliev at March 01, 2018 02:51 PM

Zwei neue Teamleitungen in der Ideenförderung: Verena Lindner und Vera Krick

Verena und Vera im Gespräch. Foto: Jan Apel, Verena Lindner und Vera Krick, CC BY-SA 4.0

Ich freue mich sehr, heute über zwei neue Teamleitungen bei der Ideenförderung berichten zu können. Nach interner Analyse der Anforderungen und dem Entwicklungsbedarf der Themen und des Teams habe ich im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Team beschlossen, die bisher in einer Hand liegende Leitung der Ideenförderung mit zwei Teamleitungen neu zu strukturieren. Diese entsprechen den zwei Hauptsträngen in der jetzigen Ideenförderung: zum einen die von WMDE initiierten und auch durchgeführten „Projekte“ (wie z. B. die Online-Kampagnen zur Gewinnung von Freiwilligen) zum anderen die Freiwilligenförderung.

 

Verena Lindner hat sich erfolgreich intern für die Teamleitung „Projekte“ beworben und diese bereits am 15. Januar übernommen. Verena ist Diplom-Kommunikationswirtin mit dem Schwerpunkt digitale Projekte und arbeitet seit September 2015 als Projektmanagerin und Projektleiterin in der Ideenförderung. Hier hat sie größere Projekte geleitet und in verschiedenen Projekten mitgewirkt, wie z. B. die Gewinnung von neuen Autorinnen und Autoren oder WikiLovesMonuments. Verena wird nicht nur innerhalb der Ideenförderung vom Kollegium für ihre stringente und strukturierte Arbeitsweise und ihre angenehme Art in der Zusammenarbeit sehr geschätzt und für die Teamleitung als hervorragende Besetzung eingeschätzt. In ihrer Zeit vor Wikimedia hat Verena als Projektmanagerin und Beraterin in verschiedenen Agenturen gearbeitet und hat Kampagnen und Online-Projekte entwickelt, budgetiert und durchgeführt sowie Teams zusammengestellt und motiviert.

“Nach 2,5 Jahren bei Wikimedia kann ich mir nach wie vor keine erfüllendere, im positiven Sinn forderndere und interessantere Aufgabe vorstellen, als in der Ideenförderung die Freiwilligen der Wikimedia-Bewegung zu unterstützen. Ich freue mich, dass ich mit meinen Erfahrungen aus verschiedensten digitalen Projekten das Team der Ideenförderung dabei begleiten und mit Initiativen wie der Autorengewinnung die Community stärken kann. Ich freue mich auch, dass ich das zusammen mit Vera tun kann und wir uns mit unseren jeweiligen Kompetenzen gut ergänzen werden.”, sagt Verena.

Das Team „Förderung“ leitet seit dem 26. Februar Vera Krick. Vera Krick kommt neu in unser Team. Sie ist Diplom-Psychologin mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie. Zuletzt war sie als Leiterin eines Teams von zehn Mitarbeitenden in der Stiftung Haus der Kleinen Forscher tätig. Seit 2001 ist sie außerdem als freiberufliche Kommunikationstrainerin, Moderatorin und systemische Beraterin tätig. Mit ihrer jahrelangen Erfahrung nicht nur im Projektmanagement, sondern auch in der Teamentwicklung und Aufbau und Pflege von Communitys und Netzwerkstrukturen bringt sie genau die Kombination von Fähigkeiten mit, die wir uns für das Management und die Entwicklung unserer Freiwilligenförderung wünschen.

Sie sagt selbst: “Die Freiwilligen der Communitys in ihrer wichtigen politischen Arbeit für die Ziele des Freien Wissens, der offenen Gesellschaft und der Partizipation zu stärken, bedeutet für mich die Zusammenführung meiner Werte mit meinen Erfahrungen. In den letzten Jahren habe ich erfolgreich in unterschiedlichen Rollen effektive Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen gestaltet. Ich freue mich schon sehr auf ein persönliches Kennenlernen im Rahmen einer Besuchstour zusammen mit Verena durch die lokalen Räume im ersten Halbjahr 2018.”

Mit der Strukturierung der Teamverantwortungen soll explizit keine strikte Aufteilung innerhalb der Ideenförderung entstehen. Verena und Vera werden sehr eng zusammenarbeiten und die Teamstrukturen innerhalb der Ideenförderung gemeinsam weiterentwickeln.

Herzlich willkommen Vera und schön, weiter mit dir zusammenzuarbeiten, Verena!

by Abraham Taherivand at March 01, 2018 08:20 AM

February 26, 2018

Iberty

10 Jahre KNORKE 2005-2015 Stadtrundgang mit Wikipedia

Was waren das für Zeiten im Jahre 2005. Die Wikipedia war klein. Die Welt war groß und aufregend. Dabei ging es in der Wikipedia nicht nur um abstrakte Konzepte, tote alte Männer und den Stoff der Schullehrbücher. Zum Wissen der Welt gehörte auch Wissen über das persönliche Umfeld, das pralle Leben direkt vor der eigenen Haustür oder in U-Bahn-Nähe entfernt.

Hermannstraße (Rixdorf) Apollo-Theater-Garten anno 1900 AK gemeinfrei  
Ort des erstes KNORKES: die Hermannstraße.

Neben den Artikeln über Philosophie und Physik oder Barock und Bariton entstanden in jenen Anfangsjahren auch Wikipedia-Artikel über das eigene Umfeld. Gerade in Berlin präsentiert sich dieses Umfeld nicht immer hübsch und geleckt, sondern auch mal rau und nicht für jeden Stadtführer geeignet.

So um 2005 beschlossen verschiedene Berliner unter den Wikipedianern (unter anderem die Autoren Cornelius, Achim., Lienhard, Rainer) einen Artikel über eine Straße zu schreiben. Die Hermannstraße ist eine Hauptstraße in Neukölln. Sie macht alles aus, was eben auch Neukölln ausmacht: historische Friedhöfe, sozialer Brennpunkt, Fahrradfahren im Slalomverkehr, lebendiges Leben des Kleingewerbes und jede Menge Casinos und Cafés.

Wenn man über eine Straße schreibt, die vor der eigenen Haustür liegt, liegt es nahe, sich diese persönlich anzuschauen. Wenn man zusammen am Thema schreibt, liegt es nahe, sich die Straße zusammen anzuschauen. Der erste wikipedianische Stadtbegehung war geboren. Am 4. Dezember 2005 fand die erste "KNORKE"-Tour der Wikipedia statt. Der Benutzer Marbot war noch nicht als der Meister des perfekten Protokolls dabei, der er später werden sollte, so dass die schriftlichen Überlieferungen spärlich blieben. Was uns im Archiv erhalten blieb, kulminierte in dem Satz:

Im Handwerkerstübchen rund 1 Meter hoher Cappuccino mit zwei Meter Sahne drauf und gefühlten 68 Keksen rundrum für schlappe 1,50 oder so und so weiter ..

Was auch immer bei jener legendären Tour noch geschah: der Artikel über die Hermannstraße wurde zu einem Artikel ausgebaut, der innerhalb der Wikipedia als Qualitätsartikel gilt(*). Die Stadtbegehung fand wieder statt, diesmal an anderen Orten.

Wannsee29
KNORKE on Tour: Hier auf dem Weg zum Wannsee. Bild: Jcornelius CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons

Bereits am 26. Februar 2006 folgte die zweite Tour  am und um den Hackescher Markt und einen Monat später der dritte Anlauf durch die Prenzlauer Allee.


Betreut, gepflegt und koordiniert von den Autoren Cornelius und Lecartia fanden innerhalb des ersten Jahres 10 KNORKE-Wanderungen von Wannsee/Kladow über die "Rote Insel" in Schöneberg, den Beusselkiez in Moabit bis hin zum Osktkreuz statt. In den folgenden Jahren sank und stieg die Begeisterung.

KNORKE-Touren gab es unter anderem im Bayerischen Viertel, im Zillekiez, Links und Rechts vom Ku'damm, zu den AEG-Fabriken auf dem Wedding/Humboldthain, nach Friedrichshagen und durch das Botschaftsviertel. WIr gingen rund um das Autobahnkreuz Schöneberg, wir folgten den 1920ern in Schöneberg-Nord und erkundeten zuletzt Mariendorf. Zusätzlich fanden Sonder-KNORKES mit Adventsessen oder Spieleabend statt.

Der KNORKE-Enthusiasmus folgte dabei dem Rhythmus der Wikipedia. Nach enthusiastischen Aufbruchsjahren und schneller Expansion, spielte es sich danach etwas ein und verlor etwas an Energie. Insgesamt gab es 48 KNORKES in stark wechselnder Frequenz:

2005: 1 Tour
2006: 9 Touren
2007: 8
2008: 12
2009: 6
2010: 2
2011: 2
2012: 4
2013: 2
2014: 2
2015: 0
2016: 1 (bisher geplant)

Karte Berlin Landnutzung
Berlin, Berlin, wir laufen durch Berlin. Bild: By Maximilian Dörrbecker (Chumwa) CC BY-SA 2.0 or ODbL, via Wikimedia Commons

Die Touren verliefen recht unterschiedlich. Allen gemein ist: jemand lädt auf der KNORKE-Hauptseite ein, dann kommen Menschen und man läuft zusammen offenen Auges und wachen Geistes durch die Stadt. Mal sind es lange Waldwanderungen mit seltenen Kurzpausen wie bei Lienhards Tour durch die Morellenberge im Berliner Westend. Mal gibt es historisch erschlossenes in dichter Folge wie beispielsweise die Tour durch das Schloss Charlottenburg mit Achim, Cornelius und Ralf.

Mal sind es Touren ins wahre Leben selbst, "Berlin in your face" geradezu wie die KNORKE-Pioniertat in der Hermannstraße, Ralfs Führung durch die Potsdamer Straße oder Denis' Tour durch den szenigen Schöneberger Norden. Auf jeden Fall wird viel geschaut, viel geredet und für eine Gruppe von 5 bis 15 Leuten auch überraschend viel gelaufen.

Ab und an werden in Folge oder Vorbereitung der Tour Wikipedia-Artikel geschrieben und verbessert. Anfangs dokumentierten die Knorkisten, welche Artikel und Bilder entstanden, im Laufe der Gewöhnung an den Event ließ der Enthusiasmus bei der Dokumentation allerdings nach.

Mal sind die Touren minutiös vorbereitet und geplant, mal gehen alle aus davon aus, dass sie nichts wissen, aber neugierig sind (wie zum Beispiel in Reinickendorf) und mal wissen die Mitlaufenden auch deutlich mehr als derjenige der die Tour plante. Manchmal glauben die Mitlaufenden nur mehr zu wissen als die Person, die vorbereitete. Das wird anstrengend.

Berlin Wedding bayer parkhaus 14.11.2015 13-40-01
Für das 49. KNORKE folgt die Müllerstraße im Wedding.

10 Jahre - KNORKE ist nicht tot. Im Januar geht es weiter mit einer Tour entlang der Müllerstraße im Wedding. Vielleicht klappt im Februar ja zum 50. mal die Jubiläumsausgabe wieder durch die Hermannstraße.

Berlin ist groß, jeder Berliner entdeckt wohl immer noch regelmäßig komplett neue Stadtteile. Und die Stadt verändert sich: Neukölln 2015 ist nicht mehr Neukölln 2005. Es bleibt spannend.

Weiterlesen


Der Bericht der angesprochenen Tour durch den Wedding findet sich unter Tanz auf dem Guglhupf, Automatenmaden und die „brutalism appreciation society“ im #wedding

Daraus entwickelte sich das WikiWedding-Projekt, um den Wedding mehr in die Wikipedia zu bringen: Randlage.

Zum KNORKE-Jubiläum veranstaltete ich eine Wiederholungswanderung durch die Hermannstraße - die unter anderem zur Erkenntnis führte, dass die Straße kaum besichtigt wurde: Wikipedistas ignorieren wiederholt die Hermannstraße

Alle Posts zu KNORKE und sonstigen kulturellen Aktivitäten liegen unter: Kultur in Iberty. 



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by dirk franke (noreply@blogger.com) at February 26, 2018 09:14 PM

Wikimedia Deutschland Blog

Save the Date: Das ABC des Freien Wissens: „Q=Qualität. Ist Offene Wissenschaft die bessere Wissenschaft?“ am 13. März 2018

Markus Büsges, leomaria, Wikimedia-Salon – Abc des Freien Wissens Logo, CC BY-SA 3.0

Seit 2014 buchstabiert Wikimedia Deutschland, dem Alphabet folgend, mit der Veranstaltungsreihe „Das ABC des Freien Wissens“ Themen und Konzepte durch, die mit der Erstellung und Verbreitung Freien Wissens verbunden sind. Inzwischen sind wir bei „Q“ angekommen und fragen:

„Q=Qualität. Ist Offene Wissenschaft die bessere Wissenschaft?“

Wo: ALEX Offener Kanal Berlin, Rudolfstraße 1-8 (Eingang: Ecke Ehrenbergstraße), 10245 Berlin
Wann: 13. März 2018, 19:00 Uhr (Einlass: 18:30 Uhr)

Gäste:

  • Dr. Isabel Steinhardt, Soziologin, Postdoc am International Centre for Higher Education Research, Kassel
  • Prof. Dr. Vera Meyer, Open-Access-Beauftragte der TU Berlin & Biotechnologie-Wissenschaftlerin
  • Dr. Konrad Förstner, Leiter Bioinformatics Universität Würzburg, aktiv in verschiedenen Open-Science-Initiativen
  • Martin Hammitzsch, Leiter eScience-Zentrum, Helmholtz-Zentrum GFZ Potsdam

Moderation: Dr. Christina Riesenweber, Open-Access-Beauftragte der Freien Universität / Open-Access-Büro Berlin

Künstler: Julian Fahrenholz

Wissenschaftliche Forschung schließt den ständigen Austausch von Erkenntnissen und Erfahrungen zwischen Forschenden ein. Offene Wissenschaft (Open Science) geht hier jedoch weiter und erhebt den Anspruch, dass die Qualität wissenschaftlicher Forschung durch Konzepte wie kollaboratives Begutachten und Bewerten von Arbeiten (open peer review), die Nutzung offener Daten (Open Data) und das offene Publizieren (Open Access) steigt.

Doch kann die Formel „Je offener, desto besser“ tatsächlich bestehen?

Das Offenlegen von Forschungsprozessen und die kontinuierliche Kommunikation darüber bieten anderen die Möglichkeit, von bestehenden Erkenntnissen für die eigene Forschung zu profitieren. Doch welche Mechanismen der Qualitätssicherung sind erforderlich, um das Vertrauen in offene Forschung zu gewährleisten und ihre Verlässlichkeit zu sichern? Wo zeigen sich die Qualitätsmerkmale Offener Wissenschaft?

In der Woche der Veranstaltung findet außerdem die internationale Open Science Conference (13./14.03.) sowie das vom Leibniz Forschungsverbund Science 2.0 ausgerichtete Open Science BarCamp (12.03.) bei Wikimedia Deutschland statt.

Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns über eine Anmeldung unter salon@wikimedia.de.
Die Veranstaltung wird live im Fernsehen auf ALEX Offener Kanal sowie auf der Veranstaltungs-Webseite gezeigt, wo sie danach als Video abrufbar bleibt.

by Lilli Iliev at February 26, 2018 09:17 AM

February 23, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Zu Gast in Hannover: Fellow-Programm Freies Wissen trifft auf Open Science Book Sprint

Foto: Christian Behrens, Fellow-Programm Freies Wissen Podiumsdiskussion TIB Hannover 43, CC BY-SA 4.0

Vom 15. bis 17. Februar fand der Qualifizierungsworkshop des Fellow-Programms Freies Wissen an der Technischen Informationsbibliothek (TIB), die wissenschaftliche Partnerin im Programm ist, in Hannover statt. Die Fellows schilderten ihre Erfahrungen aus der ersten Programmhälfte und diskutierten mit den Mentorinnen und Mentoren über beispielsweise rechtliche Fragen in der Wissenschaftspraxis und die Verfügbarmachung und Nachnutzung von Forschungsdaten in Vorträgen und im Rahmen eines Barcamps. Weiter geöffnet wurde der Workshop durch eine Podiumsdiskussion zu “Putting Open Science into practice” zusammen mit den FOSTER Book Sprintern am Donnerstagabend, die vor allem ein unterschiedliches Verständnis von offener Wissenschaftskommunikation widerspiegelte und verdeutlichte, wie wichtig der direkte Austausch zu Offener Wissenschaft zwischen den Fachdisziplinen ist.

Was ist der Sinn von Offener Wissenschaft? In einer skurrilen Wissenschaftslandschaft auf dem Planeten Erde, die eigentlich einen Supercomputer verkörpert, wäre die Antwort vermutlich schlicht und ergreifend: “42”. Wie sich bei einem dreitägigen Workshop zu Offener Wissenschaft im Rahmen des Fellow-Programms Freies Wissen an der Technischen Informationsbibliothek (TIB) in Hannover herausstellte, wäre die sich dahinter verbergende Formel nicht anzuwenden gewesen, um allgemeingültige Aussagen zu treffen, da in diesem Fall der Sinn von Offener Wissenschaft durch das Individuum als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler genährt und durch den eigenen Anspruch an die wissenschaftliche Arbeit und den Grad ihrer Offenheit bestimmt wird.   

Ziel des Workshops war es, die individuellen Fragen, Ideen, Herausforderungen der Fellows mit Offener Wissenschaft aus ihren Forschungsalltag herauszuholen und in der Gruppe zu thematisieren, um gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln. Weiterführend wurde auch daran gearbeitet, wie die Fellows als Botschafterinnen und Botschafter für Offene Wissenschaft in die eigenen Wissenschaftsinstitutionen hineinwirken können, um dem Thema Offene Wissenschaft und Freies Wissen mehr Sichtbarkeit und Relevanz auf institutioneller Ebene zu geben.

Genau an dieser Stelle setzten die Begrüßungsansprachen der anwesenden Programmpartner Wikimedia Deutschland und VolkswagenStiftung sowie der TIB als wissenschaftlicher Partnerin des Programms an. Offene Wissenschaft ist nicht mehr nur eine Vision, sondern eine fortschreitende Bewegung, die durch einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geprägt und mit Unterstützung durch die Partner des Fellow-Programms an Reichweite gewinnt.   

Der Workshop startete mit einem kurzen Bericht der Fellows über ihre individuellen Erfahrungen aus der ersten Programmhälfte und ihren Wünschen für die Workshoptage. Anschließend folgten ein Inputvortrag mit Diskussion von Fellow Vanessa Hannesschläger zu rechtlichen Rahmenbedingungen im digitalen Raum bzw. offener Lizenzierung und eine Einführung zu Wikidata von den Mentoren Dr. Daniel Mietchen und Dr. Jakob Voß. Abgerundet wurde der Abend durch eine Podiumsdiskussion zu offener Wissenschaftspraxis.

Eine Podiumsdiskussion zu Offener Wissenschaft zwischen Patenten und Normen

Foto: Christian Behrens, Fellow-Programm Freies Wissen Podiumsdiskussion TIB Hannover 12, CC BY-SA 4.0

In analoger Atmosphäre der farblich aufeinander abgestimmten Bücherwand als Hintergrundkulisse des Lesesaals Patente und Normen (PIN) der TIB, wirkte die bevorstehende Podiumsdiskussion zu “Putting Open Science into practice”, wie eine aktiver Aufbruch hin zu mehr Offenheit von Forschungsprozessen und -ergebnissen, die ein leises Wimmern der Lehrbücher zu Schutzrecht in den Regalen erahnen ließ.  

Mit Dr. Christina Riesenweber als Moderatorin wurde die Diskussion zwischen den Fellows Prof. Dr. Dirk Ostwald (Forschungsvorhaben: Rechtliche und ethische Rahmenbedingungen zum offenen Austausch von Neuroimaging Daten in der Grundlagenforschung) und Vanessa Teckentrup (Forschungsvorhaben: Crowdsourcing the mosaic of the mind) sowie Mentor Benedikt Fecher und den Open Science Expertinnen und Experten des FOSTER Book Sprints Kyle Niemeyer und Kerstin Helbig  zu ihren individuellen Erfahrungen mit offener Wissenschaftspraxis aufgefächert und kontrovers. Insbesondere die Fragen nach, wie offen kann Offene Wissenschaft überhaupt sein, was bedarf es dafür und wie verhält es sich dabei mit der Wissenschaftskommunikation, sorgte für ein diverses Bild, nicht nur innerhalb der Fachdisziplinen. Sollte es Anreizstrukturen für Offene Wissenschaft geben? Wenn ja, wie könnten diese aussehen und welche Strukturen bestehen bereits? Die Diskussion setzte sich auch nach dem offiziellen Ende des Podiums fort und wirkte in den nächsten Workshoptag hinein.      

Ein Barcamp, viele Ideen: Wie kann ein Curriculum für Wikidata aussehen?

Am Freitagmorgen eröffnete Simon Worthington seitens des Open Science Labs der TIB den Workshop mit einem Input zu “A needs based approach to Open Science Researchers”. Nachfolgend schilderten Dr. Beata Mache (DARIAH-DE) und Dr. Marcel Hebing DIW Berlin), worauf es beim Forschungsdatenmanagent ankommt und diskutierten die Bedeutung der Zusammenarbeit von Forscherinnen und Forschern mit Informationssystemen bzw. Bibliotheken. Parallel dazu gab Dr. Katrin Leinweber seitens der TIB eine Einführung in Git(Hub/Lab). Im Anschluss erfolgte das offene Barcamp zusammen mit den FOSTER Book Sprintern, die bis zu diesem Nachmittag innerhalb von 5 Tagen einen Open Science Training Handbook geschrieben hatten. Das Trainingsbuch kann hier eingesehen und bis zum 4. März kommentiert werden, bevor es veröffentlicht wird. Das Barcamp erstreckte sich bis zum Abend und fokussierte beispielsweise die Entwicklung eines Curriculums mit Wikidata. Der Abend endete mit einer virtuellen Schnitzeljagd auf der Plattform Open Knowledge Maps, die Mentor Dr. Peter Kraker organisiert hatte — erstmals in der Geschichte dieser Schnitzeljagd erreichte eine Gruppe unvorstellbare 70 Punkte!

Am Samstag wurde die Gelegenheit genutzt, sich das Open Science Training Handbook im Schnelldurchlauf zusammen mit der Autorin Bianca Kramer anzuschauen und Fragen zu stellen. Dies wiederum diente mit als Anregung für die anschließende Arbeit an Ideen, wie Offene Wissenschaft in verschiedenen Formaten und unabhängig von der Position innerhalb der eigenen Wissenschaftsinstitution vorangebracht werden kann. Unter anderem wurde darüber nachgedacht, wie der Berliner Appell für eine Offene Wissenschaft, bereits bekannt aus dem ersten Durchlauf des Fellow-Programms, gezielter verbreitet werden könnte, indem beispielsweise mehr Praktikerinnen und Praktiker adressiert werden.

Für mehr Informationen zu einzelnen Sessions, geht es hier zur Dokumentation.

Insgesamt endete der Workshop mit einer zufrieden gestimmten Gruppe an Fellows sowie Mentorinnen und Mentoren, mit weiteren Ideen für die Weiterentwicklung für das Fellow-Programm und die damit einhergehende Chance Offene Wissenschaft und Freies Wissen zu verbreiten und praxisnah erfahrbar zu machen.

Wie geht es weiter?

  • In den kommenden Wochen werden unsere Fellows in Blogbeiträgen an dieser Stelle detaillierter über ihre Projekte und Erfahrungen im Rahmen des Fellow-Programms berichten.
  • Am 8. und 9. Juni findet die Abschlussveranstaltung des zweiten Programmdurchlaufs in Berlin statt. Weitere Informationen folgen.
  • Über die Ausschreibung zum nächsten Programmdurchlauf informieren wir zeitnah an dieser Stelle und auf unserer Programmwebseite.

 

by Sarah Behrens at February 23, 2018 09:07 AM

February 22, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 8/2018


In der Wikimedia:Woche 8/2018 geht es unter anderem um das Aus von „Wikipedia Zero“, den neuen Vorstand von Wikimedia Estland, das Projekt OpenSchufa und eine technische Erneuerung für die Darstellung von Versionsunterschieden.

Zur Wikimedia:Woche 8/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at February 22, 2018 02:19 PM

February 21, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Save the Date: Das ABC des Freien Wissens: „Q=Qualität. Ist Offene Wissenschaft die bessere Wissenschaft?“ am 13. März 2018

Seit 2014 buchstabiert Wikimedia Deutschland, dem Alphabet folgend, mit der Veranstaltungsreihe „Das ABC des Freien Wissens“ Themen und Konzepte durch, die mit der Erstellung und Verbreitung Freien Wissens verbunden sind. Inzwischen sind wir bei „Q“ angekommen und fragen:

„Q=Qualität. Ist Offene Wissenschaft die bessere Wissenschaft?“

Wo: ALEX Offener Kanal Berlin, Rudolfstraße 1-8 (Eingang: Ecke Ehrenbergstraße), 10245 Berlin
Wann: 13. März 2018, 19:00 Uhr (Einlass: 18:30 Uhr)

Gäste:

  • Dr. Isabel Steinhardt, Soziologin, Postdoc am International Centre for Higher Education Research, Kassel
  • Prof. Dr. Vera Meyer, Open-Access-Beauftragte der TU Berlin & Biotechnologie-Wissenschaftlerin
  • Philipp Zimbehl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter interdisziplinäre Forschergruppe zu Cultural Property, DFG (angefragt)
  • Dr. Marcel Hebing, Datenwissenschaftler, Schwerpunkt metadatengetriebene Infrastrukturen, Berater (angefragt)

Moderation: Dr. Christina Riesenweber, Open-Access-Beauftragte der Freien Universität Berlin, Open-Access-Büro Berlin

Künstler: Julian Fahrenholz

„Je offener, desto besser!“ – Gilt diese Formel auch für den Bereich Offener Wissenschaft? Das Offenlegen von Forschungsprozessen und die kontinuierliche Kommunikation darüber bieten anderen die Möglichkeit, von bestehenden Erkenntnissen für die eigene Forschung zu profitieren. Doch welche Mechanismen der Qualitätssicherung sind erforderlich, um das Vertrauen in offene Forschung zu gewährleisten und ihre Verlässlichkeit zu sichern? Wo zeigen sich die Qualitätsmerkmale Offener Wissenschaft?

Diese Fragen diskutieren wir im Wikimedia-Salon „Das ABC des Freien Wissens„, der in der Woche der internationalen Open Science Conference und des Open Science BarCamp stattfindet.

Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns über eine Anmeldung unter salon@wikimedia.de.
Die Veranstaltung wird live im Fernsehen auf ALEX Offener Kanal sowie auf der Veranstaltungs-Webseite gezeigt, wo sie danach als Video abrufbar bleibt.

 

by Lisa Dittmer at February 21, 2018 04:02 PM

February 15, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 7/2018

In der Wikimedia:Woche 7/2018 gibt es unter anderem gleich drei neue Wikimedia User Groups, einen Forschungsauftrag der Wikimedia Foundation und sechs Ansätze wie Wikimedia-Organisationen zur Motivation von Ehrenamtlichen beitragen können. Außerdem akzeptiert Wikimedia Commons nun 3D-Dateien im .stl-Format.

Zur Wikimedia:Woche 7/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at February 15, 2018 03:26 PM

February 14, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Das EduCamp: Petrischale für Bildung und Digitales

Christian Leschke from Ilmenau, Germany, EduCamp2008 Ilmenau-Foyer, CC BY-SA 3.0

Im Jahr 2012 postulierte Co-Organisator Jöran Muuß-Merholz, das EduCamp, damals im zarten Alter von fünf Jahren, sei nun erwachsen. EduPunks seien Mainstream und das EduCamp habe Platz für damals Neues, wie die Bewegung der OER-Camps, geschaffen.

So berichtete Elly Köpf im Wikimedia Blog schon 2012 davon, wie Ideen und Ansätze um Open Educational Resources von dem OERcamp in Bremen auf dem EduCamp in Ilmenau weiterentwickelt wurden. Wenig später, im September 2013, fand das OERcamp in Berlin unter dem Dach der OER-Konferenz der Wikimedia Deutschland statt.

Zum zehnjährigen Jubiläum unterstützt Wikimedia Deutschland den EduCamp e.V. bei der Durchführung des 21. EduCamps. Dieses #educampX findet vom 09. bis 11. März in Neuharlingersiel (Ostfriesland) statt. Zu diesem Anlass an dieser Stelle ein Interview mit Jöran und Kristin Narr, die Teil des Veranstalter-Teams des EduCampX sind. Das Interview führte Christian Friedrich, Referent für Bildung und Wissenschaft bei Wikimedia Deutschland.

Vielleicht sollten wir damit beginnen, in zwei kurzen Sätzen zu erklären, was ein Barcamp von anderen Veranstaltungen und Formaten unterscheidet. Was sind die Besonderheiten aus eurer Sicht?

Kristin: Bei einem Barcamp entsteht das Programm ja erst durch das, was vor Ort von den Teilnehmenden auf die Agenda gesetzt wird. Deswegen sprechen wir gerne von „Teilgebenden“ statt von „Teilnehmenden“.

Jöran: … und deswegen darf sich niemand danach beschweren, dass ihm oder ihr Themen gefehlt haben. Man hätte es ja selbst machen können.

Wie kam es 2008 zum ersten EduCamp? Wer war dabei, was war der Anlass? Gab es einen inhaltlichen Fokus?

Kristin: Es gab Ende 2007 eine Gruppe von Menschen, die sich mit Lernen und digitalen Medien beschäftigte. Man kannte sich vor allem aus der Kommunikation im Netz. Bei diesen Menschen war das Bedürfnis entstanden, sich auch in real life zu treffen und auszutauschen.

Jöran: Maßgeblich muss man im Rückblick auf jeden Fall Thomas Bernhardt, Marcel Kirchner und Steffen Büffel nennen, die quasi die Eltern des EduCamps sind.

Kristin: Im Vergleich zu heute gab es damals einen größeren Schwerpunkt auf das Lernen in Unternehmen und in der Hochschule. Mit der Zeit ist dann der Bereich Schule gewachsen.

In 2016 hat Kristin Narr das EduCamp die „Mutter der Bildungs-Barcamps” genannt. Was steht dahinter?

Kristin: Die Geschichte von 2016 beginnt eigentlich bei Jörans Anrufen …

Jöran: Ich habe eine kleine Podcast-Reihe und hatte dafür mal die Gastgeberinnen und Gastgeber von 10 Bildungs-Barcamps angerufen und sie um eine Vorstellung ihrer Barcamps gebeten. Und die haben fast alle gesagt, dass sie früher auf einem EduCamp waren und dort die Inspiration für ein eigenes Bildungs-Barcamp bekommen haben.

Kristin: … daher die Formulierung mit der „Mutter“: Das EduCamp ist immer da geblieben, aber die Leute haben ganz viele Abkömmlinge gegründet und in alle Richtungen getragen.

Jöran: Das ist schon interessant, weil das EduCamp selbst nicht stark gewachsen ist. Seit 10 Jahren gibt es das zweimal im Jahr, und es kommen immer zwischen 100 und 200 Menschen. Aber von dort aus gehen offenbar viele weitere Aktivitäten aus.

Hat sich die Struktur der Teilgebenden im Laufe der letzten Jahre merklich verändert? Welche Konstanten seht ihr in den behandelten Themen der EduCamps, was ist über die Jahre neu dazugekommen?

Kristin: Ich glaube, es gibt so Wellenbewegungen. In den letzten Jahren ist der Bereich Schule immer stärker geworden.

Jöran: Definitiv. Allerdings sind immer noch alle anderen Bildungsbereiche stark geblieben. Es kommen auch Leute aus Hochschule und Unternehmen, aus der politischen Bildung und der Medienpädagogik, in den letzten Jahren häufig mit Schwerpunkten wie Maker-Bewegung, Gaming, Outdoor etc.

In euren Beiträgen zum EduCamp aus den letzten Jahren schreibt ihr beide darüber, wie das EduCamp auch eine Art zentraler Knotenpunkt wurde, ein Vorbild und Orientierungspunkt für andere Ideen und Trends in der Bildung. Wie und wo seht ihr den Bezug des EduCamps und seiner Community etwa im Kontext der Öffnung von Bildung?

Kristin: Man kann schon ruhig so etwas wie „Avantgarde“ sagen. Bei den EduCamps werden manchen Themen diskutiert, die erst Jahre später in den Mainstream kommen. Es gibt offenbar ein experimentelles Umfeld.

Jöran: Ja, beim EduCamp treffen sich so etwas wie „Early Adopter“. Dazu gehört selbstverständlich, dass Freies Wissen und offene Bildung sehr früh diskutiert wurden. Und es hat wohl auch mit grundsätzlichen Einstellungen zu tun: Für die meisten Menschen beim EduCamp ist selbstverständlich, dass man das Web, Wissen und die Welt gestalten kann, nicht nur konsumieren. Und so ist es auch selbstverständlich, dass von Anfang an die Sessions öffentlich dokumentiert und seit Jahren auch mit freier Lizenz versehen werden.

Könnt ihr das konkreter beschreiben?

Jöran: Ich würde sagen, dass das EduCamp 2011 in Bielefeld einen entscheidenden Anstoß für die Bewegung rund um freie Bildungsmaterialien (Open Educational Resources, OER) gegeben hat. Damals hat netzpolitik.org gerade Planungen für einen „Schultrojaner“ aufgedeckt, der Schulrechner nach urheberrechtlich problematischen Materialien durchsuchen sollte. Viele Menschen hatten damals in Bielefeld gesagt: „Es reicht! Wir brauchen solche Verlage nicht, wir können das mit den Unterrichtsmaterialien selbst in die Hand nehmen.“ Es gab Planungen für eine gemeinsame Initiative zur Produktion und Verbreitung von OER in Deutschland.

Kristin: Ein Jahr später kam dann das erste OERcamp, das war 2012 an der Uni Bremen. Der EduCamps e.V. war sogar Mit-Veranstalter und sehr viele der Teilgebenden kamen aus der EduCamp-Community. Da hat das EduCamp sehr stark zur Geburt dieser Tochter (oder des Sohnes?) beigetragen.

Jöran: Die OERcamps sind dann zu einem wichtigen Kristallisationspunkt der OER-Bewegung in Deutschland geworden. Ohne das EduCamp hätte OER in Deutschland vielleicht nie so einen Schwung gewonnen.

Wenn alles wie erhofft läuft: was wäre aus eurer Sicht das ideale Teilgebenden-Feedback nach dem 21. EduCamp im März in Neuharlingersiel? Was würde euch nach dem EduCamp mit einem Lächeln einschlafen lassen?

Kristin:  …dass die Leute eine gute Zeit zusammen hatten. „Wir fahren ans Meer“ ist ein bisschen zum Slogan für dieses EduCamp geworden. Und gemeint ist, dass möglichst viele Menschen, die ähnliche Sachen umtreiben, einmal ein paar Tage zusammen Urlaub machen. Die Location, das DJH Resort in Neuharlingersiel, und die Umgebung insgesamt bieten so viele (Gestaltungs)Möglichkeiten – tolle Räume, vielfältige Kinderangebote, Rundum-Essensversorgung, Spaziergänge auf den Dünen, Partys am Abend etc.

Wenn dieser Beitrag Interesse geweckt hat dabei zu sein: Wie geht das, was muss getan werden? Braucht es Vorbereitung und eine dicke Geldbörse?

Jöran: Alle sind willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos bzw. wird über Kooperations-, Sponsoren- und Spendengelder abgedeckt. Unterkunft und Fahrt wird von den Teilgebenden selbst getragen.

Kristin: Alles zur Anmeldung findet man auf unserer Website: x.educamps.org

 

Weiter Infos zum EduCamp und Anmeldung: https://x.educamps.org/

Weiterführende Links:

https://www.joeran.de/das-educamp-die-mutter-unter-den-barcamps-im-bildungsbereich/

https://www.joeran.de/jra075-educampx/

http://pb21.de/2012/10/das-10-educamp-ein-barcamp-wird-erwachsen/

 

by Christian Friedrich at February 14, 2018 05:07 PM

February 12, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Fellow-Programm Freies Wissen: Podiumsdiskussion zu Offener Wissenschaft

Erkenntnis kommt durch teilen! Wie Offene Wissenschaft dazu einen Beitrag leisten kann, darum geht es bei der Podiumsdiskussion der TIB Hannover. Bild: Ralf Rebmann, Auftaktveranstaltung Fellow-Programm Freies Wissen 2017 177, CC BY-SA 4.0

“Wissen ist das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt,” schrieb schon im 19. Jahrhundert die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach. Dass Offene Wissenschaft damit eigentlich eine Tautologie ist, ist jedoch noch nicht überall in der Realität wissenschaftlicher Praxis angekommen. Auch wenn mehr und mehr Forschende ihre eigene wissenschaftliche Arbeit öffnen, indem sie z. B. Forschungsdaten und -ergebnisse frei verfügbar machen, gilt es noch viele Hürden auf institutioneller und wissenschaftskultureller Ebene zu überwinden. Zudem ist nicht zwangsläufig klar, wie offen Wissenschaft wirklich sein kann und wie sich das praxisnah in den eigenen Forschungsalltag integrieren lässt. Deswegen wird im Rahmen einer öffentlichen Podiumsdiskussion diskutiert:

Wie können (junge) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Arbeit offener gestalten und damit für andere zugänglich und nachnutzbar machen?

Die Teilnehmenden des FOSTER-Booksprints, der vom 12. bis 16. Februar an der TIB Hannover stattfindet, geben einen Einblick in das von ihnen erstellte “Handbuch Open Science” und diskutieren mit den Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern, die im Rahmen des Fellow-Programms Freies Wissen von Wikimedia Deutschland, dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung gefördert werden, über ihre Erfahrungen mit offener wissenschaftlicher Praxis. Die Diskussion wird moderiert von Dr. Christina Riesenweber (Open-Access-Beauftragte der Freien Universität Berlin).

* Veranstaltungsort: Technische Informationsbibliothek in Hannover (Lesesaal Patente und Normen (PIN))
* Adresse: Welfengarten 1 B, Marstallgebäude, 30167 Hannover
* Datum und Uhrzeit: 15. Februar, Beginn: 19:00 Uhr und gemeinsamer Ausklang ab 20:30 Uhr

Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, daher bitten wir um Anmeldung vorab. Bitte die Anmeldung mit Vorname, Name und Institut/Unternehmen an wissenschaft@wikimedia.de

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

by Denis Schroeder at February 12, 2018 02:16 PM

February 08, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Wikimedia:Woche 6/2018

Mit der Wikimedia:Woche 6/2018 können wir eine neue Wikimedia-Nutzergruppen begrüßen. Außerdem steht nun fest, in welchem Land 2019 die Wikimania stattfinden wird, und es werden zwei neue Podcast-Serien vorgestellt. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, SPD und CSU wurde im Hinblick auf mögliche Auswirkungen auf Freies Wissen analysiert.

Zur Wikimedia:Woche 6/2018 geht es hier.

by Nicolas Rueck at February 08, 2018 02:26 PM

Barcamp Open Science: Wie FAIR ist Wissenschaft?

Logo of the Barcamp Open Science by ZBW (Own work), CC0 1.0 , via Wikimedia Commons

Am 12. März richtet der Leibniz-Forschungsverbund Science 2.0 erneut das Barcamp Open Science (ganztägig) bei Wikimedia Deutschland aus. Das Barcamp richtet sich an alle, die sich über Offene Wissenschaft austauschen möchten. Es sind 5 Plätze für Interessierte aus der Wikimedia Community bis zum 28. Februar reserviert. Die Anmeldung ist ab sofort möglich.   

Forschende sowie Praktikerinnen und Praktiker sind herzlich eingeladen, ihre Erfahrungen rundum Open Science einzubringen und das Barcamp aktiv mit eigenen Themen zu gestalten.

Da die Veranstaltung im Vorfeld der Open Science Conference (13. und 14. März) stattfindet, orientiert sich der thematische Fokus an dem diesjährigen Themenschwerpunkt der Konferenz. Der Schwerpunkt liegt auf FAIR-Prinzipien (findable, accessible, interoperable, reusable) für Forschungsdaten und den damit verbundenen Forschungsdateninfrastrukturen. Daher werden besonders Beiträge zu diesem Themenschwerpunkt begrüßt.

Das Barcamp wird vom Leibniz Forschungsverbund Science 2.0 (in welchem Wikimedia Deutschland Mitglied ist) und dem Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) ausgerichtet und gemeinsam mit Wikimedia Deutschland und weiteren Unterstützern umgesetzt. Wikimedia Deutschland wird sich mit einem Beitrag zum Fellow-Programm Freies Wissen am Barcamp beteiligen.

Die Anzahl der reservierten Plätze ist auf 5 für Interessierte aus der Wikimedia Community begrenzt, daher bitten wir um zeitnahe Anmeldung an wissenschaft@wikimedia.de bis zum 28. Februar.

  • Datum: 12. März 2018
  • Zeit: 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr
  • Veranstaltungsort: Wikimedia Deutschland e. V.
  • Barcamp-Sprache: Englisch

by Sarah Behrens at February 08, 2018 09:36 AM

February 07, 2018

Wikimedia Deutschland Blog

Fahrplan Digitalpolitik – Was planen Union und SPD für Freies Wissen?

Was bringt der Koalitionsvertrag für Freies Wissen? Foto: Bernd Fiedler (WMDE) [CC BY-SA 4.0]

Gut beschlossen ist noch lange nicht umgesetzt. Trotzdem sind im Koalitionsvertrag von SPD und CDU/CSU einige vielversprechende Punkte für Freies Wissen eingeflossen, von denen wir hoffen, dass sie auch tatsächlich bald in die Praxis umgesetzt werden.

Den größten Raum bei allen Digitalisierungs-Diskussionen nehmen die Themen Netz-Infrastruktur, Breitband-Ausbau und Netzabdeckung ein. Das sind wichtige Faktoren für den Zugang zu Freiem Wissen. Größeres Augenmerk legen wir jedoch auf einen guten Regelungsrahmen, der den freien Zugang zu Informationen für alle Menschen gewährleistet.

Dies sind die Anliegen, die uns im Koalitionsvertrag besonders am Herzen lagen:

  1. Bildungsgerechtigkeit durch freie, das heißt nachnutzbare Materialien
  2. Klare Regelung zu amtlichen Werken
  3. Ausdrückliche Festlegung des Grundsatzes “Öffentliches Geld – Öffentliches Gut”

Was davon findet sich im vorliegenden Koalitionsvertrag wieder?

Gute Punkte:

  • Stärkung von OER: Geplant ist die Entwicklung einer umfassenden Open-Educational-Resources-Strategie für Deutschland. Die Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren soll mit Kompetenzzentren für Digitalisierung vorangetrieben werden. OER sollen in Verbreitung und Qualität gefördert werden. Hier gibt es viel Potenzial, gerade was die Anpassbarkeit von Lehrinhalten an die sich ständig verändernden gesellschaftlichen Bedingungen angeht.
  • Lehrplattformen: Im Vertrag werden hochschulübergreifende, vernetzte Konzepte wie Lehr- und Lernplattformen für die universitäre Lehre skizziert sowie eine nationale Bildungsplattform. Leider entwickeln sich auch im digitalen Raum geschlossene Systeme für Bildungsangebote, die trotz bestehender Infrastrukturen der Bildungsserver und ähnlicher Einrichtungen eine Systemabhängigkeit von einzelnen großen Anbietern herbeiführen können. Wir hoffen insoweit auf die Weitsicht der neuen Regierung, sich hier nicht auf Produkte bestimmter Hersteller festlegen zu lassen. Immerhin ist an dieser Stelle die Förderung offener Schnittstellen vorgesehen.

Foto: Hofec, Switzerland (Own work) [CC BY-SA 3.0]

  • Data Science soll als Forschungsschwerpunkt und der Umgang mit Daten besser als eigenes Wissenschaftsfeld etabliert werden.
  • Open-Access-Strategie in der Forschung: Offene wissenschaftliche Publikationsmodelle sollen gefördert und die Verwendung freier Lizenzen für Empfängerinnen und Empfänger von Bundesmitteln verpflichtend werden. Das ist Teil unserer Forderung “Öffentliches Geld – Öffentliches Gut” und wir sind sehr froh, dass die Verhandlungsgruppen hier die Vorteile erkannt haben. Freies Wissen ist Innovationsmotor, nicht nur in der Wissenschaft. Der Bundesgesetzgeber sollte generell die Grundlinie festlegen, dass öffentlich finanzierte Inhalte auch frei nutzbar sein müssen.
  • Förderung außerschulischer Medien- und Digitalisierungsprojekte für Kinder sind geplant, und diese Projekte sollen sich in einem Wettbewerb beweisen.
  • Privacy by Default und Privacy by Design auf Seiten der Anbieter und Kompetenzen auf Seiten der Nutzerinnen und Nutzer sollen gefördert werden. Die Willensbekundung ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch die geplante Daten-Ethikkommission hat das Potenzial, sehr komplexe Fragen rund um Daten beantworten zu helfen. Eine Enquetekommission mit weitreichenden Befugnissen wäre hierbei mächtiger, aber wohl auch weniger effizient gewesen. Wir sind gespannt, was innerhalb des selbst gesteckten Zeitrahmens von einem Jahr erreicht werden kann.
  • Open Data: Der von der SPD geforderte Rechtsanspruch auf Open Data taucht nicht im finalen Papier auf. Dennoch wird Open Data an vier Stellen Explizit erwähnt. Auch das ist aus unserer Sicht ein Teil des Grundsatzes “Öffentliches Geld – Öffentliches Gut”. Die mögliche Koalition nennt es jetzt so: “Die Daten der öffentlichen Verwaltung sollen der Bevölkerung grundsätzlich kostenfrei zur Verfügung stehen. Damit kann auch ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung innovativer Technologien und neuer Geschäftsmodelle geleistet werden”. Wir begrüßen das sehr, auch wenn betont werden muss: Kostenfrei reicht nicht, um Open Content im Sinne der Open Definition zu schaffen. Auf das geplante “2. Open Data Gesetz” sind wir entsprechend gespannt. Weiter heißt es: “Die mit öffentlichen Mitteln erzeugten Daten müssen kostenlos und in geeigneten Formaten zur Verfügung gestellt werden”, unter Berücksichtigung von Schnittstellen. Hier will man sogar “internationaler Vorreiter werden” – das wäre schön. Wenn tatsächlich “‘Open by Default’ Teil des täglichen Verwaltungshandelns” wird, sind wir in dieser Frage schon ein ganzes Stück weiter.
  • Digitales Ehrenamt: Geplant sind ein “Zivilgesellschaftliches Digitalisierungsprogramm” und ein “Freiwilliges Soziales Jahr Digital” sowie digitale Beteiligung in Parteien unabhängig vom Ortsprinzip – alles sehr vielversprechend. An der Seite der größten Netz-Community von Freiwilligen in Deutschland schauen wir mit Neugier auf alles, was da kommt und teilen mit der Politik gerne die vielfältigen Erfahrungen, die onwiki aber auch offline in den lokalen Community-Räumen Tag für Tag gesammelt werden.
  • WLAN-Initiativen: Eine Anerkennung der Gemeinnützigkeit von Freifunkern wird in Aussicht gestellt. Das ist Teil auch unserer Forderung nach einem digitalen Ehrenamt auf Augenhöhe mit dem klassischen Ehrenamt in Vereinen und Initiativen. Hier fordern wir aber vor allem eine größere Wertschätzung und Anerkennungskultur in Deutschland, während das Koalitionspapier sich leider eher auf Technikfragen beschränkt und von offenen und kostenfreien WLAN-Hotspots an öffentlichen Einrichtungen des Bundes und in der Deutschen Bahn spricht.
  • Netzneutralität und diskriminierungsfreier Netzzugang. Wir sehen dies als Grundvoraussetzung für die freie Verbreitung von Informationen und Wissen. Dass der Schutz der Netzneutralität nicht selbstverständlich ist, sehen wir in den USA.

    #NoUploadFilter-Verteilaktion. Foto: Christian Schneider [CC BY-SA 4.0]

  • Upload-Filter werden ausdrücklich als “unverhältnismäßig” abgelehnt, am abgestuften Haftungsprivileg für Seitenbetreiber bzw. Anbieter von Online-Dienstleistungen wird festgehalten. Hintergrund dieser Aussagen im Koalitionspapier ist die Richtlinie für einen digitalen EU-Binnenmarkt, die derzeit beim Europaparlament und beim Rat der EU zur Beratung liegt. Wir freuen uns sehr, dass die Verhandelnden der Koalition in spe es wie wir sehen: Netzweite Filterung sämtlicher Nutzer-Uploads geht zu weit. Die Position der Kreativen gegenüber mächtigen Netzunternehmen zu stärken, ist richtig, aber die Nebeneffekte von Filtern wären zu massiv.Stattdessen sieht das Koalitionspapier vor, das Notice- und Takedown-Verfahren (also die Eingriffsmöglichkeiten bei Rechtsverletzungen im Netz) weiter zu entwickeln und so die Stellung von Rechteinhabern zu verbessern. Konkret wird zudem ein “starkes Urheberrecht zum Schutz des geistigen Eigentums” gefordert, was leider oft die Chiffre für unflexible und damit unzeitgemäße Regelungen ist. Immerhin: “Rahmenbedingungen für kreatives Schaffen, Verwerten und Nutzen” werden als legitimes Interesse erkannt. Gerade die Nennung der Nutzenden an dieser Stelle ist bemerkenswert, da diese Dimension der Debatte sonst oft ausgeblendet wird. Hier werden im Koalitionspapier unterm Strich mehr richtige als falsche Wege eingeschlagen, genauso mit der Modernisierung des Kartellrechts und verbesserter Handlungsfähigkeit für die Wettbewerbsbehörden.

Problematisch:

  • NetzDG: Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) bleibt. Das Spannungsfeld zwischen Schutz der Meinungsfreiheit und Wahrung der Persönlichkeitsrechte von Opfern wird erkannt, es soll aber nur das NetzDG weiterentwickelt werden. Gerade von zivilgesellschaftlicher Seite wird dagegen nach wie vor eine Rüchnahme des NetzDG gefordert.
    Die Betreiber sozialer Netzwerke befinden sich durch das Gesetz in dem Dilemma, bei drohenden hohen Bußgeldern höchst komplexe Rechtsfragen entscheiden zu müssen. Dies führt unweigerlich zu einem übermäßigen Löschen von Inhalten und damit zu möglichen ungerechtfertigten Verkürzungen der Meinungs- und Informationsfreiheit sowie der Kunst- und Pressefreiheit. Denn bei einer Entscheidung für das Löschen eines zweifelhaften Posts riskiert das Unternehmen kein Bußgeld, das heißt der Gesetzgeber setzt einseitig Anreize hin zu „Im Zweifel für die Löschung“.
  • Urheberrechts-Wissenschaftsgesetz: Das im März 2018 in Kraft tretende Gesetz soll evaluiert werden, über seine Verstetigung sei dann zu entscheiden. Mit diesem Gesetz wurde einiges verbessert und vieles übersichtlicher gestaltet (siehe auch Blogbeitrag). Schade nur: Gerade für die Wissenschaft, Bildung und Kulturinstitutionen wichtigsten Teile des Gesetzes sind von vornherein bis 2023 befristet. Ob das Gesetz aber in dieser Form weiter bestehen bleibt? Die schwachen Formulierungen im Koalitionsvertrag sorgen nicht für die nachhaltige Rechtssicherheit, die sich die Praktikerinnen und Praktiker  wünschen und die sie verlangen können.
  • Presseverleger-Leistungsschutzrecht auch in Europa. Hier positioniert sich das Koalitionspapier dahingehend, dass das vor einigen Jahren in Deutschland eingeführte Sonderschutzrecht für Presseverleger, das seither vor allem für Rechtsunsicherheit bei der Verlinkung von Presse-Quellen sorgt und von vielen als nicht funktionierend angesehen wird, auch EU-weit einzuführen ist. Warum ein solcher gesetzgeberischer Fehlschuss europaweit wiederholt werden sollte, ist nicht ersichtlich.
  • Eigentum an Daten” hat es in den Koalitionsvertrag geschafft – wir hatten sehr gehofft, dass es ganz draußen bleibt (siehe dazu Pressemitteilung). Wir finden den Ansatz eines alternativen Zuordnungssystems neben der bereits bestehenden, grundgesetzlich fundierten informationellen Selbstbestimmung gefährlich, weil sie dadurch geschwächt wird. Das passt auch nicht dazu, dass wir gerade erst eine grundlegende Stärkung des Datenschutzes auf EU-Ebene erleben, nämlich die bald in Kraft tretende Datenschutz-Grundverordnung der EU. Immerhin sieht der Koalitionsvertrag einen Prüfauftrag zu diesem problematischen Eigentumsbegriff vor: Auch das Ob eines „Dateneigentums“ solle zügig geprüft werden, heißt es. Es bleibt also ein Ausweg offen.
  • „Datensouveränität“ – noch ein Wort, das wir in der Debatte ungern sehen, kommt im Koalitionspapier vor. Auch hier wird der Datenschutz zur Seite geschoben, diesmal allerdings als Begriff. Das ist jedoch häufig nur Vorbereitung einer Änderung auch der eigentlichen Regeln. Insofern sollten alle an Datenschutz Interessierten wachsam sein, ob mit unter dem Begriff „Datensouveränität“ nicht doch eher ein Datenschutz Light daherkommt.

Hier ist eine Übersicht der inhaltlichen Positionen von Wikimedia Deutschland e.V. zu verschiedenen vereinsrelevanten Themen und politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen zu finden.

by Lilli Iliev at February 07, 2018 03:39 PM