Im September 2015 verabschiedete die UN-Generalversammlung 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung. Sie sollen der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen. Doch wie können die Wikipedia als Online-Enzyklopädie und andere Wikimedia-Projekte die Umsetzung dieser Ziele unterstützen? 

Dieser spannenden Frage widmen sich ab Mittwoch über 900 Aktive der Wikipedia, den Schwesterprojekten und aus den zahlreichen Wikimedia-Organisationen. Auch wenn das Motto auf den ersten Blick abstrakt klingen mag, es ist ein interessanter Ansatz: Wenn wir Wikipedia und ihre Schwesterprojekte – vornehmlich das freie Medienarchiv Wikimedia Commons und die freie Datenbank Wikidata – nicht nur als Ziel per se, sondern als Werkzeug für größere Ziele verstehen, ermöglichen sich ganz neue Perspektiven. In einem prall gefüllten Konferenzprogramm zeigen die Aktiven auf der Wikimania beispielsweise, wie Wikimedia dabei helfen kann vor Ort Menschenrechte zu stärken oder wie die Online-Präsenz die Geschlechtervielfalt stärken kann. Andere zeigen, wie zum Beispiel mit offenen Daten Korruption bekämpft werden kann. (Hier geht es zum kompletten (englischsprachigen) Programm der Wikimania).

Das gesamte Wikimedia-Netzwerk – und das ist ein herausragender Aspekt dieses Konferenzmottos – steht nicht mehr für sich alleine, sondern schließt sich damit an bereits bestehende und laufende Diskurse der Welt an. Wikimedia begreift sich damit als Teil der globalen Zivilgesellschaft, die für eine bessere Welt arbeitet. 

Die Wiki-Welt zu Gast in Stockholm 

Gruppenfoto Wikimania 2018 in

Wikipedia ist vor allem als Online-Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie bekannt. Viele tausende Freiwillige auf der ganzen Welt tragen das Wissen minutiös zusammen, schreiben und bearbeiten Artikel. Mehr als 60.000 Menschen bewerkstelligen das rund um den Globus Jahr für Jahr. Einmal im Jahr trifft sich zumindest ein kleiner Teil dieser „globalen Community“, man könnte auch sagen der „harte Kern“, auf der Wikimania, um in Gänze und Vielfalt zu besprechen, was das Wikimedia-Netzwerk gerade bewegt.

Neben den ehrenamtlichen Wikipedia-Autorinnen und -Autoren sind auch hunderte Mitarbeitende der über 140 Wikimedia-Organisationen und -Gruppen weltweit mit dabei, allen voran der Wikimedia Foundation mit Sitz in den USA. 

Die Konferenz wechselt jedes Jahr den Ort, denn jedes Jahr übernimmt eine andere Wikimedia-Community oder -Organisation die Aufgabe die Wikimania zu organisieren. Nachdem die Konferenz 2018 in Kapstadt (Südafrika) gastierte, zieht sie dieses Jahr nun an die Universität von Stockholm. Unsere Partnerorganisation Wikimedia Schweden hat die Organisation der Konferenz übernommen und auch das Motto ausgesucht: Better together: Wikimedia, Free Knowledge, and the Sustainable Development Goals

Die Wikimania ist der jährliche Höhepunkt der globalen Wikimedia-Gemeinschaft: Nirgendswo sonst treffen so viele Ehren- und Hauptamtliche zusammen, die alle für die gleiche Vision arbeiten: Das gesamte Wissen der Menschheit zu sammeln und allen zur Verfügung zu stellen. Das Konferenzprogramm – dieses Jahr größer und vielfältiger denn je – bildet in hervorragender Weise ab, was Wikimedianerinnen und Wikimedianer beschäftigt. Und abseits der vielen Stunden Vortrags- und Workshopprogramms ist der gemeinsame Moment von Angesicht zu Angesicht für die meisten das entscheidende der Konferenz: Gemeinsam zu diskutieren, wohin Wikimedia geht, und wie gemeinsam das Wissen der Welt besser gesammelt werden kann.

Die Wikimania via Twitter, Facebook und Live-Stream erleben

Wer nicht auf der Konferenz ist, muss nicht verzagen: Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz werden auch in den sozialen Netzwerken – Facebook, Twitter, Instagram – über die Veranstaltungen schreiben und Ihre Erfahrungen teilen. Der Hashtag dafür ist #Wikimania2019. Teile der Veranstaltung werden per Live-Stream übertragen.

Auch wir von Wikimedia Deutschland werden über Twitter und Facebook Ein- und Ausblicke aus Stockholm senden. Für mehr Information zur Konferenz selbst: wikimania.wikimedia.org.

Wikimedia:Woche 29/2019

14:38, Thursday, 25 2019 July UTC

Zur Wikimedia:Woche 29/2019 geht es hier.

Update, 22.07.2019.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (European Court of Human Rights, ECHR) hat beschlossen, ein Verfahren der Wikimedia Foundation gegen die türkische Regierung, das die Blockade von Wikipedia in der Türkei zum Gegenstand hat, zu beschleunigen. Der Fall macht geltend, dass das seit langem bestehende Verbot eine unzulässige Zensur darstellt und das Grundrecht der Menschen auf freie Meinungsäußerung und Zugang zu Wissen einschränkt.

Die Geschwindigkeit, mit der der Gerichtshof diesen Fall bearbeitet hat, ist ungewöhnlich, da Fälle vor dem ECHR Monate oder sogar Jahre dauern können, bis sie in diese Phase eintreten.

In Anbetracht der erheblichen öffentlichen Bedeutung der Rechtssache hat das Gericht beschlossen, der Klage zwei Monate nach der Einreichung eine „Prioritätsbehandlung“ zu gewähren. Im Juni 2009 schaffte der ECHR eine entsprechende Regelung, um die Bearbeitung und Entscheidung in den wichtigsten, schwerwiegenden und dringlichsten Fällen zu beschleunigen. Der Fall hat das Potenzial, Präzedenzfälle für zukünftige Entscheidungen im Bereich der staatlichen Zensur zu schaffen. Die türkische Regierung hat nun bis Ende Oktober Zeit, um dem Gerichtshof ihre Erwiderung in dieser Angelegenheit vorzulegen.

Die vollständige Mitteilung der WMF im Wortlaut unter https://wikimediafoundation.org/news/2019/07/22/our-legal-case-against-turkeys-block-of-wikipedia-has-been-expedited-heres-what-that-means/

#ForFreeKnowledge #UnblockWikipedia


Seit mehr als zwei Jahren ist Wikipedia in der Türkei von türkischen Behörden komplett gesperrt. Niemand kann auf die Informationen der größten Enzyklopädie der Welt zugreifen. Nicht nur die 80 Millionen in der Türkei lebenden Menschen sind von dem Wissenszugang Wikipedia ausgeschlossen, auch die Perspektiven und Diskussionen der türkischen Bevölkerung fehlen in Wikipedia der ganzen Welt.

Wir begrüßen diesen Vorstoß gegen die Wikipedia-Blockade in der Türkei sehr. Freies Wissen lebt von Zugang. Ausschluss schadet dagegen allen. Die Informationsfreiheit im Netz, die wir derzeit als Teil des Grundgesetzes feiern, braucht die türkische Perspektive für die Wikipedia genauso wie die Menschen in der Türkei umgekehrt die Wikipedia brauchen.

Statement der Wikimedia Foundation:

Wikimedia Foundation wendet sich an Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, um Wikipedia-Sperre in der Türkei aufzuheben

Wir sind davon überzeugt, dass der freie Zugang zu Wissen und die Meinungsfreiheit grundlegende Menschenrechte sind. Wir glauben, dass Menschen, die gut informiert sind, bessere Entscheidungen treffen können. Der freie Zugang zu Informationen schafft wirtschaftliche Chancen und befähigt Menschen dazu sich nachhaltige Existenzgrundlagen aufzubauen. Wissen macht unsere Gesellschaften informierter, vernetzter und gerechter.

Während der letzten zwei Jahre haben wir erlebt, wie Regierungen, darunter jene in der Türkei und zuletzt in China, die Wikipedia zensieren und damit Millionen Menschen weltweit diese Rechte vorenthalten.

Heute wendet sich die Wikimedia Foundation an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, einen internationalen Gerichtshof, der Fälle von Menschenrechtsverletzungen innerhalb des Europarats anhört, und ersucht darum, die mehr als zweijährige Sperre der Wikipedia in der Türkei aufzuheben. Dieser Schritt ist Teil eines ständigen Einsatzes für Wissen und Meinungsfreiheit als Grundrechte eines jeden Menschen.

Der Entschluss dazu ist nicht leichtfertig gefällt worden. Er ist die Konsequenz aus kontinuierlichen und erschöpfenden Bemühungen die Blockade auf anderen Wegen zu beenden: durch Rechtsmittel vor türkischen Gerichten, durch Gespräche mit den türkischen Behörden und durch Kampagnen, die auf die Sperre und ihre Auswirkungen auf die Türkei und den Rest der Welt aufmerksam machen sollten.

Trotz all dieser Bemühungen bleibt Wikipedia seit über zwei Jahren gesperrt.

Die Pressemitteilung inkl. Statement der WMF im englischen Wortlaut finden Sie hier.

Seitdem das Fellow-Programm Freies Wissen 2016 ins Leben gerufen wurde, konnten bereits 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen des Programms gefördert und zu Botschafterinnen und Botschaftern für Freies Wissen in der Wissenschaft „ausgebildet“ werden. Ende Mai erst kamen die Fellows 2018/2019 in Berlin zusammen, um gemeinsam den Abschluss des Programmjahres zu feiern. Und die Erfolgsgeschichte geht nahtlos weiter: Nachdem im April die Ausschreibung für das nunmehr vierte Programmjahr veröffentlicht wurde, bewarben sich insgesamt 69 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für das Programm und reichten viele spannende Projektideen ein. Wie schon im vergangenen Jahr wurde der Review-Prozess durch aktuelle und ehemalige Fellows unterstützt, die finale Auswahl der Fellows für das Programmjahr 2019/2020 erfolgte schließlich durch die Mentorinnen und Mentoren.

Mit dem Fellow-Programm Freies Wissen fördern Wikimedia Deutschland, der Stifterverband und die VolkswagenStiftung bereits seit 2016 die Öffnung der Wissenschaft, Bild: Ralf Rebmann, Abschlussveranstaltung Fellow-Programm 2018-2019 037, CC BY-SA 4.0

 

Das sind die Fellows 2019/2020 und ihre Projekte

Ringo Rösener (Universität Leipzig)Das Heinrich Blücher-Projekt — Open Source Publikation der Vorlesungsreihe »Sources of Creative Power«

Heather Weston (Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft)From project data to language corpus: an online guide to opening linguistic recordings for further analysis

Jens Bemme (SLUB Dresden)More than cycling: Europäische Heimatforschung – ein Ansatz für offene Daten und Narrative, samt Fernwehforschung und Radfahrerwissen

Verena Widorn (Universität Wien)Von der individuellen Feldforschung zur nachhaltigen Lehre durch Interaktion und Communityerfahrung

Stefan Appelhoff (Max Planck Institute for Human Development)Ersatz für den Parallelen Port: Open Hardware für die Markierung von Ereignissen in Experimenten

Olga Makarova (Freie Universität Berlin)Fighting antibiotic resistance with knowledge and open science – in classroom and beyond

Eleni Felinska (Universitätsklinikum Heidelberg)Objective Structured Assessment of Technical Skills (OSATS): Open Access Online Database

Karina Winkler (Karlsruhe Institute of Technology)An open data-driven reconstruction of global land use change

Joram Soch (Bernstein Center for Computational Neuroscience, Berlin)The Book of Statistical Proofs

Etienne Serbe (Max-Planck-Institut für Neurobiologie) – Citizen Science zur Analyse von Insektenbiodiversität: ERGo!

Jana Lasser (Max Planck Institut für Dynamik und Selbstorganisation)Executable papers: Werkzeug für mehr Reproduzierbarkeit und Transparenz in den Naturwissenschaften

Nate Breznau (Universität Bremen)Giving the Results of Crowdsourced Research Back to the Crowd. A Proposal to Make Data from ‘The Crowdsourced Replication Initiative’ Reliable, Transparent and Interactive.

Philipp Schrögel (Karlsruhe Institute of Technology)Freies Wissen… für alle? Teilhabe und Diversity in Offener Wissenschaft

Stefan Skupien (Berlin Social Science Center/Humboldt-Universität zu Berlin) – Die Finanzierung Internationaler Forschung – Beobachtung, Transparenz, Öffnung

Felix S. Bethke (Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK)) – Big Data and Open Data for the Study of African Politics

Lisa Kressin (Universität Luzern)German Open Syllabi Project für Soziologie

Evgenia Samoilova (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf)Using open web data to assess and improve non-binary gender operationalization at scale

Franziska Oehmer (Universität Freiburg)Open Access Datenbank für inhaltanalytische Variablen / Open Access Database of Content Analysis Variables

Jürgen Schneider (Universität Tübingen)Gemeinsamer Kern, Überschneidungen und Differenzen: Praktiken der Subcommunities in der Offenen Wissenschaft.

Eva Seidlmayer (ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften)Nachnutzung von strukturierten Daten aus Wikidata für bibliometrische Analysen – Erstellung einer generischen Python Library und Durchführung eines Workshops

Mehr Informationen zu unseren Fellows finden sich auf auf der Webseite des Fellow-Programms.

Wie geht es weiter?

Das Programmjahr 2019/2020 startet mit der Auftaktveranstaltung, die vom 13. bis 15. September 2019 in Berlin stattfinden wird. Hier kommen die Fellows und ihre Mentorinnen und Mentoren erstmals zusammen, um sich kennenzulernen und die Zusammenarbeit in den folgenden acht Monaten zu planen. Unsere Fellows werden in diesem Blog und auf anderen Kanälen regelmäßig über ihre Projekte und ihre Erfahrungen mit offener Wissenschaft berichten.

Mehr Informationen zum Fellow-Programm unter www.fellowsfreieswissen.de

Das Fellow-Programm bei Twitter: #fellowsfreieswissen & @OpenSciFellows

Schloss Babelsberg – Luftaufnahme. Raimond Spekking & Superbass / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Schloss Babelsberg – Luftaufnahme-0428, CC BY-SA 4.0

Wissensvermittlung, das bedeutet für die meisten wohl immer noch der Blick in Schulbücher, Ausstellungstexte, für viele inzwischen aber auch in Wikipedia-Artikel. Dass Wissensaufbereitung und -kommunikation keineswegs nur textgebunden funktioniert, zeigen die Ergebnisse der Kooperation zwischen Ehrenamtlichen der Wikipedia, Wikimedia Deutschland und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg. Bereits zum dritten Mal gaben fachkundige Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter der Stiftung Einblick in Geschichte und Bedeutung der von ihnen geschützten und gepflegten Kulturgüter. Erneut wurden Wikipedia-Artikel überarbeitet, Informationen ergänzt, und neu bebildert.

“Faszinierend war für mich die Breite der Interessen der Teilnehmer und die Tiefe des Wissens. Dann fängt es richtig an Spaß zu machen. Ich habe gemerkt, dass die Leute für Ihre Themen brennen, und das finde ich toll. Interessant waren für mich auch die unterschiedlichen Blickwinkel”, berichtet Kathrin Külow, Schlossbereichsleiterin Jagdschloss Grunewald (SPSG).

Kooperation macht Drohnenflug über Park Babelsberg möglich

Höhepunkt für alle Beteiligten war der erste offiziell für die Verwendung in den Wikimedia-Projekten genehmigte Drohnenflug über dem Park Babelsberg. 29 Jahre nachdem die UNESCO dieses von Sanssouci über den Neuen Garten und Sacrow bis zur Pfaueninsel und Glienicke in Berlin reichende Gesamtkunstwerk in die Liste des Natur- und Kulturerbes der Menschheit aufgenommen hatte, durfte zum ersten Mal im Rahmen der Kooperation zwischen Wikimedia Deutschland und der SPSG eine Kamera-Drohne über dem Park aufsteigen. Entstanden sind beeindruckende Luftaufnahmen, unter anderem vom Schloss Babelsberg und dem Flatowturm. 

Während ehrenamtliche Wikipedia-Fotografinnen und -Fotografen die Drohne lenkten, arbeiteten anschließend weitere Wikipedia-Aktive daran, die dazugehörigen Wikipedia-Artikel mit den Luftaufnahmen neu zu bebildern. Somit stehen die Aufnahmen ab sofort allen, die sie nutzen möchten, frei zur Verfügung. 

Möglich wurde der Drohnenflug dank der vertrauensvollen Kooperation zwischen der SPSG und Wikimedia Deutschland. Die Vorbereitungen dauerten über ein Jahr. Nachdem die Stiftung den Drohnenflug genehmigt hat, musste unter anderem auch die Zustimmung der gemeinsamen Oberen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg und des Bundesaufsichtsamtes für Flugsicherung eingeholt werden.   

Moderne Technik ermöglicht ganz neue Möglichkeiten der Dokumentation

Die Luftaufnahmen per Drohne und 360°-Aufnahmen schaffen nicht nur einen ganz anderen Zugang zu historischen Gebäuden, sie lassen Kulturerbe auch lebendig werden, ermöglichen als frei zugängliches Wissen größere Barrierefreiheit und unterstützen Institutionen in der Denkmalpflege.

Jörg Kirschstein, Schlossbereichsleiter Schloss Babelsberg (SPSG), ist begeistert:

“Faszinierend sind die Drohnenfotos aus ungewohnter Perspektive. Sie bieten einen neuen, bisher unbekannten Blick auf die Schlösser und Baudenkmale”, und erklärt weiter: “Durch die Partnerschaft mit Wikimedia erzielen im Besonderen die kleineren, nicht so bekannten Schlösser, der SPSG einen höheren Bekanntheitsgrad.” 

Neben den Aufnahmen im Park Babelsberg machten die Freiwilligen auch Bilder vom Berliner Jagdschloss Grunewald und dem Jagdzeugmagazin.  

“Die Ergebnisse sind großartig.”

Wikipedianer Wuselig freut sich auf weitere Kooperationen: “Wir wurden (…) mit offenen Armen empfangen und genossen ein Vertrauen, das man in einer so hochrangigen Institution nicht automatisch erwartet.”

Erleben Sie in diesen Videos die Rundflüge über Schloss Babelsberg und dem Jagdschloss Grunewald

Weitere Infos zu Wikimedia Deutschlands Kulturarbeit (GLAM)

Bilder aus den Wikimedia Commons Kategorien Aerial photographs of Schloss Babelsberg sowie Wikipedianische KulTour – Drohnenflüge Grunewald und Babelsberg 2019, von Raimond Spekking & Superbass / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Die Wikipedianische KulTour in der Presse:

Potsdamer Neueste Nachrichten, 24.06.2019. Wikipedia-Editoren auf Tour durch Potsdams Schlossgärten

Märkische Allgemeine Zeitung, 26.06.2019. Potsdam von oben: Drohnen über dem Babelsberger Park

Weitere Beiträge zum Thema:

In Anlehnung an diese Fragen verfolgt Wikimedia Deutschland unter dem Arbeitstitel “Partnerschaftliche Initiative für Digital Literacies” intensiv die Bildung einer Koalition mit anderen Organisationen, die sich ebenso für die Förderung von Digital Literacies im Hinblick auf Freies Wissen und gesellschaftliche Partizipation stark machen möchten.

Erstellt mit dem Remixer der Visual Thinkery, der unter CC-BY-SA 4.0 lizenziert ist.

Was meinen wir mit Digital Literacies?

Die Arbeit von Doug Belshaw liefert eine gute begriffliche Einordnung von Digital Literacies. Belshaw beschreibt in seiner Dissertation von 2011 acht Elemente von Digital Literacy, die nicht 1:1 vom Englischen ins Deutsche zu übersetzen sind. Wir möchten aber dennoch den Versuch eines Übertrags der einzelnen Elemente in die deutsche Sprache unternehmen: 

Cultural (“kulturell”): Das “kulturelle Element” von Digital Literacy formuliert den Drang, verschiedene kulturelle Kontexte und Besonderheiten in der Nutzung von digitaler Technologie zu berücksichtigen und anzuerkennen. Das beinhaltet auch eine Sensibilität für die eigene Unkenntnis bestimmter kultureller Kontexte und die Fähigkeit, sich ihnen anzunähern. Technologien sind immer Teil einer eigenen Kultur mit Gewohnheiten, Themen und eigenen Normen, die deren Nutzung beeinflussen.  

Cognitive (“kognitiv”): Das “kognitive Element” von Digital Literacy kann leicht als ein reines Benutzen von Tools und Software missverstanden werden. Jedoch geht es bei diesem Element eher darum, wie sich die eigene Wahrnehmung und Erkenntnis entwickelt, wenn digitale Tools, Netzwerke und Software genutzt werden, welche Optionen und neue Nutzungsmuster sich so ergeben und wie sie zusammenwirken können um ein bestimmtes Problem oder eine Frage zu lösen. 

Constructive (“konstruktiv”): Das “konstruktive Element” von Digital Literacy beinhaltet das Schaffen von etwas Neuem, auch auf Basis schon bestehender Ressourcen im Remix. Ein Teil dieses Elements von Digital Literacy ist es daher, zu verstehen welche rechtlichen und sozialen Voraussetzungen und Konsequenzen (z. B. Urheberrecht, Persönlichkeitsrechte, Zitation) das Aufgreifen der Arbeit anderer haben kann und die eigene Arbeit in Abstimmung mit anderen entsprechend anzupassen. 

Communicative (“kommunikativ”): Das “kommunikative Element” von Digital Literacy ist auf die verschiedenen Arten der Kommunikation in digitalen Umgebungen und Netzwerken sowie auf ein Verständnis von digitaler Kommunikation fokussiert. Es ist ebenso ein perfektes Beispiel dafür, dass die Elemente, ihre Wirkungen und Bedingungen überlappen. Kommunikation ist ein zentrales Element von Digital Literacy.  

Confident (“bewusst und selbstbewusst”): Das “Confident” Element hat zwei Perspektiven. Einerseits lässt es sich deuten als eine selbstbewusste Haltung, mit der Menschen sich einem Problem oder einer Herausforderung im digitalen Raum nähern, indem sie in ihrer Nutzung digitaler Räume und Technologien selbstsicher agieren um ein bestimmtes Problem oder einen bestimmten Zusammenhang zu klären. Andererseits kann es als Bewusstsein verstanden werden, dass im Digitalen iteratives Denken und Arbeiten – und damit auch eine andere Fehlerkultur – Einzug halten kann, dass digitale Umgebungen im Vergleich zu physischen Umgebungen eine schnellere Chance der Verbesserung und Verfeinerung von Fehlern und Ungenauigkeiten bieten. Um einen etwas schiefen Vergleich zu bemühen: Während die Neuauflagen eines Buchs oder eines Lexikons durchaus Jahre auf sich warten lassen können, lässt sich ein Blogbeitrag, ein Post in sozialen Medien oder ein Wikipedia-Artikel sehr viel schneller durch Anmerkungen, Korrekturen oder auch eine neue Version weiterentwickeln und so gegebenenfalls auch richtigstellen. Das “Confident Element” fördert auch das Schaffen von digitalen Umgebungen, die Selbstwirksamkeit und Übung fördern. 

Creative (“kreativ”): Unter dem “kreativen Element” von Digital Literacy versteht Belshaw das Verfolgen von neuen Dingen auf neuen Wegen. Technologien und Mechanismen des digitalen Raums so einzusetzen, dass sie passende, neue Lösungsformen anbieten anstatt lediglich das vorher bestehende digital abzubilden, ist unter dem kreativen Element von Digital Literacy zusammengefasst. Dies beinhaltet unter Umständen auch das berechnete Eingehen von Risiken. 

Critical (“kritisch-analytisch”): Das “kritisch-analytische Element” von Digital Literacy beinhaltet Reflexion digitaler Praktiken, das Führen möglicher Rückschlüsse auf in den Praktiken sichtbar werdende Machtverhältnisse und Dynamiken, sowohl auf individueller wie auch auf Gruppen- und gesellschaftlicher Ebene. Dies beinhaltet auch das Einnehmen verschiedener Positionen für die Analyse dieser Strukturen. Ein gutes Beispiel hierfür kann die Wahl der jeweiligen Plattformen und Publikationsmethoden im Netz sein, die immer auch eine Abwägung von Zielen, Erwartungen, Haltungen, Bedenken in Bezug auf Ausschluss, Ansprache und Inklusion bestimmter gesellschaftlicher Gruppen implizieren.

Civic (“gesellschaftlich”): Das “gesellschaftliche Element” verdeutlicht die gesamtgesellschaftliche Perspektive von Digital Literacy. Es beinhaltet ein Verständnis dafür, Technologie für die Gesellschaft und ihre proaktive Weiterentwicklung einzusetzen. Ebenso findet sich in diesem Element die Haltung wieder, dass ‘das Digitale’ nicht von der Gesellschaft zu trennen ist. Die künstliche Trennung von ‘analog’ und ‘digital’ wird aufgebrochen, indem ‘dem Digitalen’ explizit auch eine gesellschaftliche Rolle und Relevanz zugeschrieben wird.

Warum sprechen wir bei Wikimedia von Digital Literacies?

Zugegebenermaßen sind die acht Elemente von Digital Literacy an vielen Stellen mehr oder weniger abstrakt, jedes einzelne verdient eigentlich eine gesonderte Erörterung. Belshaw führt diese Elemente als Rasterung ein, die helfen kann, über Digital Literacy und individuelle Fähigkeiten für eine Beteiligung im Netz zu sprechen. Ähnlich wie bei chemischen Elementen ist es auch im Fall der Elemente von Digital Literacy relativ selten, dass Menschen einem der Elemente in Reinform begegnen. Die meisten Tätigkeiten und Prozesse entstehen aus einer Mischung der Elemente, oft in situativ unterschiedlicher Gewichtung. Die acht Elemente von Digital Literacy bilden somit eine Komplexität ab, die wir in gängigen Modellen zu Digital Skills vermissen.

Digital Literacies > Digital Skills

Unter Digital Literacies verstehen wir auch mehr als unter Digital Skills: während sich Skills nach unserem Verständnis in großen Teilen auf fast schon “handwerkliche” Fähigkeiten und Fertigkeiten beziehen, finden sich in Digital Literacies viele wichtige zusätzliche Kontextfaktoren wieder. Der kritisch-analytische Umgang mit digitalen Räumen und Methoden, auch Faktoren eines gesellschaftlichen Zusammenlebens und eines interkulturellen Austauschs sind sehr viel präsenter als in den meisten Konzepten von Digital Skills. Gleichzeitig sind Menschen herausgefordert, Formen sozialer Interaktion, zwischenmenschlichen Umgang, Kommunikation sowie Ideen und Ideale eines Zusammenlebens im digitalen Raum zu auszubilden, zu entwickeln und auszuhandeln. Auch diese komplexen Vorgänge sehen wir in den Elementen von Digital Literacy abgebildet. 

Digital Literacies > Eignung für den Arbeitsmarkt

Ein weiterer großer Unterschied liegt in der Prägung bestimmter Diskussionen: Das 4K Kompetenzmodell, sogenannte Future Skills und 21st Century Skills, aber auch Begriffe wie Data Literacy werden von vielen Akteurinnen und Akteuren aus Sicht der “employability”, also der Befähigung einer Teilnahme am Arbeitsmarkt, positioniert. Wir möchten den Blick weiten, denn Digital Literacies sind mehr: Sie ermöglichen konstruktive Teilhabe an politischen Diskussionen, im Netz und außerhalb des Netzes; sie ermöglichen persönliche Meinungsbildung, souveräne Informationsbewertung. Digital Literacies bieten auch Zugänge zu Fragen interkultureller Kommunikation; sie sind Sinnbild eines ganzheitlichen Verständnisses von Plattformen und ihrer Machtstrukturen; sie befähigen Menschen zur Ausbildung einer kritisch-analytischen Mündigkeit, sich selbst das Netz zugänglich zu machen, es selbst zu formen.

Damit sind Digital Literacies insbesondere jenseits des Arbeitsmarkts gefragter als je zuvor. Die Art und Weise, in der sich gesellschaftliche Debatten zur Klimakrise, zu EU-weiten Gesetzesreformen, zur allgemeinen Debattenkultur oder auch dem Umgang mit rechtspopulistischer, teils faschistischer und nationalistischer Politik formen, erfordert ein sehr viel größeres Verständnis für Vorgänge und Strukturen im Netz. Und obwohl sich ein großer Teil der Bildungsarbeit in diesem Bereich an junge Menschen richtet, haben gesellschaftliche und politische Debatten der letzten Monate sehr deutlich werden lassen, dass Digital Literacies nicht nur für junge Menschen relevant sind. Digital Literacies haben insbesondere für diejenigen, die derzeit gesellschaftliche Diskurse beeinflussen und Entscheidungen treffen, erhebliche Bedeutung. Ihr Fehlen an den entscheidenden Stellen unserer Gesellschaft ist eine große Gefahr. 

Als Fußnote sei hier außerdem angemerkt, dass Konzepte wie die 4K oder auch 21st Century Skills zu selten einer Prüfung im Hinblick auf ihre Urheberschaft unterzogen werden. Die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Konzepte, deren Urheberinnen teils große Medien- und Softwareunternehmen und Hardware-Anbieter sind, ist teilweise erschreckend hoch und zeigt, dass eine Einmischung der Zivilgesellschaft in diesem Bereich dringend nötig ist. Umso bedenklicher wird dieser Umstand, wenn Organisationen wie die OECD, die u.a. mit PISA-Studien Taktgeber für die deutsche Bildungspolitik sein möchte, diese Konzepte übernimmt und ihre wahrgenommene Legitimität so noch weiter erhöht. 

Und warum wird hier von ‘Digital Literacies’ und nicht von ‘Digital Literacy’ gesprochen? Die Spannweite der Elemente von Digital Literacy ist sehr groß. Unser Anspruch bei der Nutzung und Weiterentwicklung dieses Konzepts ist es, möglichst viele Praktiken zu beschreiben und zu fassen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Gewichtung der einzelnen Elemente individuell sehr unterschiedlich ist. Einzelne Menschen haben individuelle Präferenzen, Talente, Prägungen, Kontexte, Interessen und Absichten und entwickeln damit unterschiedliche Wege und Lösungen für ähnliche Probleme. Um dieser Pluralität auch sprachlich gerechter zu werden, sprechen wir von der Mehrzahl Digital Literacies oder eben den Elementen von Digital Literacy.

Was hat das mit Freiem Wissen und Offenheit zu tun?

Warum beschäftigen wir uns bei Wikimedia mit diesen Fragen? Wie sich Menschen im Netz bewegen, welche Fähigkeiten sie brauchen um sich dort für Freie Inhalte, Zugang und Zugänglichkeit einzusetzen, ist eine zentrale Frage, wenn Chancengleichheit beim Zugang zu Wissen und Bildung im Mittelpunkt steht. 

Digital Literacies sind ein Verstärker für Freies Wissen und Offenheit 

Das selbstständige Finden, Nutzen, Erstellen von frei lizenzierten Inhalten gemeinsam mit anderen Menschen erfordert individuelle Digital Literacies. Es ist nicht denkbar ohne kreative, kritisch-analytische, konstruktive und kommunikative Aktivitäten. Es ist auch nur schwerlich denkbar ohne eine Wechselwirkung mit der weiteren Gesellschaft. Fragen nach Urheberrecht, nach Zugang zu Technologie und Software, aber auch Fragen an ein Bildungsverständnis und Menschenbild, sind zwangsläufig zu stellen, wenn Freies Wissen geschaffen wird, wenn es zugänglich gemacht wird und referenziert wird. Diese Fragen werden mit Digital Literacies adressiert und so verstärkt die Ausprägung individueller Digital Literacies die Entstehung, Erweiterung und den Erhalt Freien Wissens.

Freies Wissen ist ein Katalysator für die Aneignung von Digital Literacies

Eine Schülerin, die selbst gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen und -schülern Freie Bildungsmaterialien (Open Educational Resources) erstellt, diese veröffentlicht und von ihrer Lehrerin oder anderen Menschen Feedback bekommt, hat zwangsläufig mehr Möglichkeiten, Elemente von Digital Literacy auszubilden, als eine Schülerin, die lernt, indem sie Inhalte über eine App oder ein Schulbuch ‘konsumiert’. Offenheit, ob ausgehend von Technik, von Software oder Inhalten, verstärkt die individuelle Ausbildung von Digital Literacies. Transparenz demokratischer Prozesse und sprachliche Zugänglichkeit von Bürokratie fördern die Teilhabe der Menschen, die von ihnen betroffen sind. Offenheit und Nachvollziehbarkeit von pädagogischer oder auch journalistischer Praxis fördern kritisch-analytische Fähigkeiten. Offenheit und Digital Literacies potenzieren sich gegenseitig. Beide sind Verstärker für gesellschaftliche Partizipation, insbesondere in einer von Digitalität geprägten Welt, deren Debatten und Diskurse in maßgeblichen Teilen auch im Netz geführt werden. 

Digital Literacies Workshop bei der Tagung „Zukunft Freies Netz“

Aus diesen Gründen möchte Wikimedia Deutschland gemeinsam mit anderen Organisationen und Einzelpersonen weiter an Fragen um das Thema Digital Literacies, Offenheit und gesellschaftlicher Partizipation arbeiten. Die Grundlage für erste Gespräche bildete ein kurzes Dokument, in dem die Idee einer partnerschaftlichen Initiative für Digital Literacies beschrieben wird. In den letzten Monaten haben wir interessante, intensive und lehrreiche Gespräche mit Menschen in anderen Organisationen geführt, die sich den skizzierten Fragen aus einer bestimmten Perspektive widmen und sie mit bewundernswerter Ausdauer, Cleverness, Witz und Hingabe bearbeiten. Viele von diesen Menschen haben wir im April zu einem gemeinsamen Kennenlernen eingeladen, mit Ihnen nach Verbindungen, Übereinstimmungen und auch Gegensätzen in der gemeinsamen Arbeit gesucht. Anfang Juni hat Wikimedia Deutschland gemeinsam mit Mozilla bei der Tagung “Zukunft Freies Netz” unter anderem einen Workshop Track zu Digital Literacies angeboten, in dem weitere Perspektiven deutlich wurden. Die Arbeit an den Themen Digital Literacies, Offenheit und Partizipation werden wir in den kommenden Wochen und Monaten fortsetzen und dann auch in kürzeren Beiträgen hier im Blog berichten. 

Frag sie Abi! – Die Bilanz

08:51, Friday, 21 2019 June UTC

Sebastian Schröder, FragdenStaat, berichtet über die gemeinsame Kampagne von Open Knowledge Foundation und Wikimedia Deutschland.

Das Bildungsministerium in Mecklenburg-Vorpommern arbeitet langsam, zu langsam! Weil eine Anfrage zu den vergangenen Abituraufgaben nach über einem halben Jahr noch nicht beantwortet ist, gehen wir den nächsten Schritt und haben Untätigkeitsklage beim Verwaltungsgericht in Schwerin eingereicht. Die Anfrage vom November, welche per Mail und Fax einging, hat das Ministerium bis heute ignoriert. Auch nach Aufforderung des Beauftragten für Informationsfreiheit des Landes ist nichts geschehen.

Öffentliches Geld – Öffentliches Gut ?!

Gemeinsam mit Wikimedia Deutschland fordern wir, dass die öffentlich finanzierten Abituraufgaben auch öffentliches Gut sind und für alle frei zugänglich auf den Bildungsservern abrufbar sind. In der im Februar gestarteten Kampagne „FragSieAbi“ haben wir es möglich gemacht die vergangenen Abituraufgaben mit einem Klick nach dem Informationsfreiheitsgesetz des Landes anzufragen. Bisher waren viele Aufgaben nur gegen Bezahlung bei Verlagen zugänglich. Mit insgesamt 750 Anfragen konnten wir manches bewirken.

Den ersten Erfolg hatten wir in Niedersachsen, wo die Abiturklausuren in Zukunft auf dem Bildungsserver veröffentlicht werden. Dadurch müssen die Aufgaben nicht mehr individuell angefragt werden. Auch in Hamburg sendet die Behörde für Schule und Berufsbildung die Aufgaben jetzt den Anfragesteller*innen so zu, dass diese problemlos veröffentlicht werden können.

Hohe Gebühren und schlechte Gesetze

In Hessen war das Ministerium zwar grundsätzlich bereit Auskunft zu erteilen, verlangt dafür aber absurd hohe Gebühren für die Schwärzung urheberrechtlich geschützter Stellen in den Aufgaben. Zusätzlich wird auch auf die kostengünstigeren Veröffentlichungen der Verlage verwiesen. In Bremen sind wir noch gespannt, wie die Senatorin dort entscheidet. Die letzte Nachricht war vielversprechend.

Leider ist es in sechs Bundesländern überhaupt nicht möglich an die Abituraufgaben zu kommen. Grund ist meistens eine Ausnahme im Informationsfreiheitsgesetz für Bildungseinrichtungen und Prüfungsbehörden. Dass dadurch auch vergangene Prüfungen betroffen sind ist nicht nachvollziehbar. In Sachsen und Niedersachsen gibt es noch nicht mal ein Informationsfreiheitsgesetz um eine Anfrage zu stellen.

Einzig Bayern bildet eine positive Ausnahme! Obwohl es in Bayern auch kein Informationsfreiheitsgesetz gibt, hat das Ministerium die Aufgaben dennoch herausgegeben. Grundlage sind sogenannte Bürgeranfragen, die jede*r mit einem Interesse stellen kann. Schon vorher waren auch schon die Mathematik und Physik Aufgaben auf dem Bayerischen Bildungsserver online.

Urheberrecht auch bei Abituraufgaben

Das Urheberrecht beschäftigt uns immer wieder. In Abituraufgaben, gerade in Deutsch oder Englisch werden häufig Texte verwendet, die aus Zeitungen oder Büchern stammen. Dafür hat das Ministerium nicht die Rechte zur Veröffentlichung. Darum müssen diese bei einer Veröffentlichung herausgenommen werden. Leider lässt das Urheberrecht hierfür keine Ausnahme zu.

Schleswig-Holstein hat solche geschützten Texte geschwärzt und nur die ersten und letzten Worte frei gelassen und mit einer Quellenangabe versehen. So ist es einfach möglich die Texte in der Originalquelle wieder zu finden und die Dokumente zu veröffentlichen. Leider war hier das Ministerium etwas übervorsichtig und hat auch Gedichte von Goethe geschwärzt, welche längst nicht mehr unter das Urheberrecht fallen.

In Nordrhein-Westfalen werden die Aufgaben ungeschwärzt zum persönlichen Gebrauch herausgegeben. So muss jede*r für sich selber eine Anfrage stellen. Dadurch macht sich das Ministerium eigentlich nur selber mehr Arbeit.

In Mecklenburg-Vorpommern muss das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur unter der kürzlich neu vereidigten Ministerin Bettina Martin nun Stellungnahme gegenüber dem Gericht nehmen, warum die Anfrage bis dato nicht beantwortet wurde. Wir sind gespannt, wie lange sie dafür brauchen.

→ Zur Klage

→ Zu FragSieAbi

Bannerbild: Abhi Sharma from India, Books HD (8314929977), CC BY 2.0

Die Tagung bot nicht nur Gelegenheit, sich in der Community zu vernetzen. Ziel der drei Workshops war es, Bedarfe und Forderungen an die Politik festzuhalten, die aus der offenen Diskussion um Chancen des freien Netzes entwickelt wurden. Zunächst stellte Stefan Baack von Mozilla die deutsche Version des Internet Health Report vor. Anhand der 5 Themenfelder Datenschutz und Sicherheit, Dezentralisierung, Offenheit, Digitale Teilhabe und Digitale Bildung untersucht der Report den Zustand des Internet in 2019.

Wie kann das Freie Netz gestärkt werden? Foto: Wikimedia Deutschland e. V. [CC BY-SA 4.0]

In drei Workshops konnten sich die Teilnehmenden dann zu drei Themen vertieft diskutieren und konkrete politische Forderungen erarbeiten:

Digital Literacies: Wie nutzen Menschen das freie Netz?
Host: Christian Friedrich, Referent Bildung/Wissenschaft, Wikimedia Deutschland e. V.

Freies Netz und Rahmenbedingung für Vertrauen in Information
Host: John Weitzmann, Leiter Team Politik & Recht, Wikimedia Deutschland e. V.

Public-Interest Tech und freies Netz – Das neue Gewicht digitalisierter Stadtgesellschaften
Host: Kasia Odrozek, Internet Health Report Project Manager

Digital Literacies: Wie nutzen Menschen das freie Netz?

In diesem Workshop trugen die Teilnehmenden ihre verschiedenen Perspektiven auf Digital Literacies zusammen und identifizierten, was zur Förderung individueller Kompetenzen und Fertigkeiten im Freien Netz gebraucht wird.

Und was sind diese Digital Literacies?

Die Visualisierung der Elemente wurde erstellt mit dem Remixer der Visual Thinkery: Elemental by @visualthinkery is licenced under CC-BY-SA

Digital Literacies sind individuelle Voraussetzungen, um in einer digital geprägten Welt souverän zu handeln und teilzuhaben. Dahinter stehen nicht nur Aktivitäten wie: Daten und Informationen zu finden, zu hinterfragen, zu kontextualisieren oder zu bewerten, sich mit anderen auszutauschen, gemeinsam Inhalte und Netzwerke zu schaffen und an gesellschaftlichen Diskursen teilzuhaben, sondern auch ein kontextuelles Verständnis verschiedener Einflussfaktoren im Netz.

Der Kern der Digital Literacies kann damit beschrieben werden, ein Bewusstsein für die sich konstant ändernden Funktionsweisen digitaler Technologien und digitaler Räume zu entwickeln und kreativ Lösungen für individuelle Probleme und Heraus­forderungen zu finden.

Die Teilnehmenden orientierten sich am Modell der acht Elemente von Digital Literacy, dass Doug Belshaw bereits im Jahr 2012 in seiner frei lizenzierten Doktorarbeit ausgearbeitet hat. In der englischsprachigen Arbeit werden acht Elemente von Digital Literacies identifiziert: Cultural, Cognitive, Constructive, Communicative, Confident, Creative, Critical, und Civic. Ebenso wie bei chemischen Elementen ist es auch im Fall von Digital Literacy relativ selten, dass Menschen einem der Elemente in Reinform begegnen. Die meisten Tätigkeiten und Prozesse entstehen aus einer Mischung der Elemente.

Eine der Leitfragen drehte sich darum, wie Menschen dabei unterstützt werden können, das Netz als offene und öffentliche Ressource zu entdecken, lebenslang zu nutzen, gemeinschaftlich zu gestalten und neu zu erfinden.

Der Austausch

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Aneignung von Digital Literacies nicht nur in formaler Bildung, z. B. in der Schule, geschehen kann und soll, sondern dass auch und insbesondere außerhalb von Schulen wertvolle Arbeit zu verwandten Themen geleistet wird. Gleichzeitig wurde jedoch auch attestiert, dass es insbesondere in Schulen einen erheblichen Nachholbedarf gibt.
Dieser solle aber nicht nur auf Fragen der Arbeitsmarktfähigkeit fokussiert sein. Vielmehr wünschen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Debatten rund um Data Literacy, Future Skills und Medienkompetenz, die auch die gesellschaftlichen, partizipativen und emanzipierenden Dimensionen dieser Begriffe einbeziehen. Schnell rückten insbesondere Lehrerbildung und Schulentwicklung in den Blickpunkt der Diskussion. Ausgehend von der obigen Definition von Digital Literacies wurde eine Vielzahl an konkreten Ideen entwickelt. Vor allem wurde beleuchtet, welches Fundament es braucht, damit Digital Literacies fest in unserer Gesellschaft verankert werden können.

Die Forderungen:

  • Medienkompetenz soll nicht als Mittel zur Wirtschaftsförderung betrachtet werden, sondern vielmehr als Civic Education.
  • Digitale Elemente dürfen nicht bestehende Ungleichheiten verstärken, sondern sollen zur Chancengleichheit beitragen.
  • Auch der Wunsch nach einer veränderten Lernkultur wurde laut, das heißt, dass z. B. im Klassenzimmer weniger Frontalunterricht und dafür mehr Interaktion stattfinden soll.
  • Das Fundament zum erfolgreichen Umsetzen sind die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte. Hierfür braucht es sinnvolle Angebote und Ressourcen. Lehrerinnen und Lehrer brauchen Zeitfenster zum gemeinsamen Ausprobieren und Austauschen – oftmals ist ein Schatz an Wissen und Ideen im eigenen Lehrerzimmer zu finden.
  • Openness: Projekte, Initiativen müssen so zugänglich und nutzbar wie möglich sein: Transparenz und Kollaboration zwischen Ländern, Schulen und Einzelpersonen. Offenheit bezieht sich hier sowohl auf Materialien, Formulare, Prozesse als auch auf Unterlagen für Lehrerfortbildungen.
  • Schulen sollten bedarfsorientiert unterstützt werden.
  • Schulen brauchen pädagogische Konzepte zur Förderung von Digital Literacies.
  • Unterrepräsentierte Gruppen sollen besonders gefördert werden, z. B. mit Fellowships und Mentoring-Modellen

Bei allen Wünschen und Ideen für die formale Bildung darf jedoch nicht vergessen werden: Die Förderung digitaler Kompetenzen als gesamtgesellschaftliches Thema muss außerschulische Kontexte mit einbeziehen. Viele der wirklich interessanten Ansätze zur (Selbst-)Ermächtigung von Menschen im digitalen Raum finden nicht in, sondern außerhalb der Schule statt. Damit stellen sich elementare Fragen in Bezug auf Chancengleichheit, Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit dieser Angebote.

Ebenso sind Digital Literacies nicht ausschließlich wichtig für jungen Menschen. Sie sind mindestens ebenso elementar für die Teilhabe erwachsener, auch älterer Menschen. Digital Literacies sind nicht “nur” Breitensport; Digital Literacies sind auch für Menschen wichtig, die politische Entscheidungen treffen. Die das Jahr 2019 bisher gesellschaftlich prägenden Debatten, ob um Urheberrechtsreform, Klimakrise, oder auch den allgemeinen politischen Diskurs im Netz, machen dies mehr als deutlich. Damit werden Digital Literacies einzelner Menschen zu einer Gelingensbedingung einer modernen Gesellschaft.

Was heißt das für die Politik?

Um Digital Literacies nachhaltig zu fördern und in der Gesellschaft zu verankern, müssen Initiativen und Projekte langfristig und flächendeckend – mit dem Gedanken der Kooperation – ermöglicht werden. Nachhaltigkeit, Offenheit und Skalierbarkeit sollten schon bei der ersten politisch wachsenden Idee mitgedacht werden.

Die verschiedenen Ebenen von Digital Literacies müssen zudem ineinander greifen. Das heißt, bei allen Ansätzen gilt es sowohl technische als auch methodische Zugänge und Zugänglichkeiten zu ermöglichen. Hierzu müssen individuelle Bedarfe von Lernorten erkannt und zielgerichtet unterstützt werden.

Freies Netz und Rahmenbedingung für Vertrauen in Information

Workshop „Freies Netz und Rahmenbedingung für Vertrauen in Information“, Wikimedia Deutschland e. V., CC BY-SA 4.0

In diesem Workshop wurde mit den Teilnehmenden diskutiert, welche gesetzlichen Regelungen etwa in den Bereichen Content Moderation oder Netzneutralität sinnvoll sind. Beispielsweise waren sich die Teilnehmenden einig, dass durch eine fehlende gemeinsame Wertegrundlage die Balance zwischen Sicherheit und digitalen Bürgerrechten immer wieder neu austariert wird und so tendenziell restriktive Schritte zunehmen. Eine negative Entwicklung ist die zunehmende faktische Privatisierung der Rechtsdurchsetzung, die etwa an Vorstößen wie dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz deutlich wird.

Die Forderungen:

Content Moderation

  • Viel mehr Transparenz, was warum im Netz (nicht mehr) sichtbar wird; nach Möglichkeit multi-stakeholder oversight aller relevanten Standards.
  • Nutzerinnen und Nutzer sollten bessere Einsicht in klar formulierte AGBs der Plattformen bekommen, vor allem auch in deren Änderungen.
  • Content Moderation darf nicht vollautomatisiert werden. Filter müssen transparent bleiben und von  Personen überwacht werden.
  • Gerade hinsichtlich der Durchsetzung von Regeln, die notwendigerweise regional bzw. national erfolgt, sollte es weltweit anerkannte Menschenrechts-Standards geben.
  • Abhängigkeiten von proprietärer Software oder einzelnen Systemen sollte generell vermieden werden.
  • Keine Digital Charta ohne Einbezug der Bildungspraxis und Zivilgesellschaft!

Zivile Mitbestimmung

  • Generell braucht es mehr Räume für den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Politik und Zivilgesellschaft
  • Die Politik sollte mehr Ermächtigung der Nutzenden erreichen, bis hin zu echter Co-Ownership großer Plattformen.
  • Gerade in Datenschutzbelangen sollte weniger Opt-Out-Design, dafür mehr Opt-In-Defaults zum Standard werden.
  • Pluralistische kontrollierte Förderung von Fact-Checking Initiativen
  • Design Patterns zugunsten von Vertrauen in Informationen

Public-Interest Tech und freies Netz: Das neue Gewicht digitalisierter Stadtgesellschaften

Abschlussdiskussion „Zukunft Freies Netz“, Wikimedia Deutschland e. V., CC BY-SA 4.0

Im von Mozilla geleiteten Workshop wurde in Anlehnung an den gerade auf deutsch veröffentlichten Internet Health Report mit den Teilnehmenden die zunehmende Bedeutung von Stadtverwaltungen bei der Digitalisierung diskutiert. Anhand von Beispielen etwa aus Barcelona oder London wurde sichtbar, wie Städte eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung mit den Menschen im Mittelpunkt auch gegen übermächtige Wirtschafts- und Unternehmensinteressen durchsetzen können.

Die Forderungen:

  • Keine Smart City ohne die Bürgerinnen und Bürger!
  • Keine Verträge mit Großkonzernen ohne Daten-Sharing-Agreements
  • Keine Beteiligungsverfahren ohne volle Transparenz
  • Wir brauchen weniger große Fördersummen an Leuchtturmprojekte – lieber kleinteilig ausprobieren, Stichwort: Prototype-funding!
  • Design ist zentral für den Erfolg von Tools und Projekten. Bedürfnisse von Menschen muss man verstehen, bevor Dinge entwickelt werden
  • Regulierung darf nicht als Lösung für alles verstanden werden. Vieles lässt sich nicht regulieren, und vorschnelle Entscheidungen können später gravierende Folgen haben.
  • Offene digitale Infrastrukturen müssen gestärkt werden
  • Andere Zielgruppen adressieren, z. B. Ü50, Haupt- und Berufsschüler
  • Infrastruktur bereitstellen, aber mehr als WLAN, z. B. Programmförderung
  • Strategie für digitale Bildung in digitaler Welt muss entwickelt werden
  • bringt die Bürgerbeteiligung in die Verwaltung
  • betrachtet Partizipation der Bürgerinnen und Bürger als Menschenrecht
  • bringt Verwaltung & Civil Society an einem Tisch!
  • Weniger an Regulierung/ Förderung denken, mehr Co-Design ermöglichen
  • Bei der Problemanalyse auf die Problemursachen eingehen und mit Lösung die einsetzen (ökonomische Anreize)

Wie geht es weiter?

Wikimedia Deutschland hat die Absicht, gemeinsam mit anderen Organisationen und Einzelpersonen weiter an Fragen um das Thema Digital Literacies zu arbeiten. Die Grundlage für erste Gespräche bildet ein kurzes Dokument, in dem die Idee einer Initiative für Digital Literacies beschrieben wird. Ein Update zu den Gesprächen und dem weiteren Prozess findet sich bald hier im Blog von Wikimedia Deutschland.

Der Austausch zwischen Zivilgesellschaft, Bildungspraxis und Politik ist essentiell, um die Debatte zu zeitgemäßem Lehren und Lernen voranzubringen: Teilnehmende des Forum Open:Education können sich an Begegnungsständen über Bildungsinitiativen und -projekte informieren und praktische Erfahrungen austauschen. Im Rahmen von Workshops und einer abschließenden Podiumsdiskussion möchten wir darüber diskutieren, wie bisherige Impulse und Gelerntes aus vergangenen Initiativen im Bereich der Offenen Bildung in eine Strategie einfließen können, die Bildung in einer digitalen Gesellschaft gelingen lässt.

Inwieweit der Digitalpakt Schule, stellvertretend für die derzeitigen Initiativen auf allen politischen Ebenen, mit der “umfassenden Open-Educational-Resources-Strategie” vereinbar ist, soll im Rahmen des Parlamentarischen Abends beleuchtet werden. Gemeinsam wollen wir Schritte vereinbaren, die die Vision einer Welt ohne soziale Bildungsungleichheit und mit einer starken gesellschaftlichen Partizipation zur Realität werden lassen.

Wann und wo?

26. Juni 2019, Eröffnung um 15:00 Uhr (Beginn der Podiumsdiskussion um 18:30 Uhr)
Einstein Center Digital Future, Wilhelmstraße 67, Berlin

Programm:

15:30 Eröffnung der Open Education Fair: Start der Workshops & Diskussionsrunden

18:00 Pause: Imbiss und Getränke

18:30 Parlamentarischer Abend: Diskussion mit Dr. Jens Brandenburg (FDP), Marja-Liisa Völlers (SPD), Margit Stumpp (GRÜNE), Daniel Seitz (mediale pfade e.V.); Moderation: Maria Reimer

20:00 Gemeinsamer Ausklang

Weitere Infos:

10 Regeln für den eigenen Wikipedia-Artikel

14:35, Saturday, 19 2019 January UTC

Wikipedia ist nicht nur eine Enzyklopädie mit dem Anspruch auf Ewigkeit, sondern auch ein Nachschlagewerk für Ephemeres und zeitgemäß Aktuelles. In der Wikipedia stehen nicht nur Artikel über Themen von Bach und Barock bis zu Bismarck oder zur Binomialverteilung. Im Bastelbrockhaus stehen auch Einträge über lebende Künstler, Sänger, Sportler, Unternehmen, Vereine und Stiftungen.

Nun können diese Künstler, Sänger und andere diese Einträge auch lesen und sind – mal zu Recht mal zu Unrecht – nicht glücklich mit diesen Artikeln. Mal sind die Artikel eigenwillig gewichtet, mal lassen sie das Wesentliche aus, mal sind Daten veraltet und ab und an enthalten die Artikel auch echte inhaltliche Fehler.

Artikel über sich selbst oder seine Organisation zu ändern, ist nicht einfach. Manchmal ist es aber für Wikipedia und die Betroffenen hilfreich. Deshalb hier einige Regeln zum Umgang mit dem eigenen Wikipedia-Artikel.

Maze 01
Auf den ersten Blick wirkt Wikipedia unübersichtlich. Bild: Maze01. Von Nevit Dilmen Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

(0) Vorweg: Wikipedia-Artikel sind böse

Die Grundregeln für den Umgang mit der eigenen Person oder Organisation in Wikipedia ist einfach: existiert noch kein Artikel, so ist das gut. Wikipedianer schätzen es gar nicht, wenn Betroffene über sich selbst Artikel anlegen. Die geschriebenen Regeln verbieten die Artikelanlage in eigener Sache nicht explizit. Die - wichtigeren - ungeschriebenen Regeln sprechen sich stark dagegen aus. Umso kritischer werden Wikipedianer die neuen Artikel begutachten, nach Schwächen und Fehlern suchen. Umso schlimmer wird das Spießrutenlaufen für denjenigen, der diesen Artikel anlegt.

Selbst wenn der Artikel durchrutscht, zumindest am Anfang keine Kritik erfährt: Viele der Ersteller und Objekte von Artikeln rechnen nicht damit, was für eine eindrückliche Erfahrung es sein kann, die Kontrolle aus der Hand zu geben, einer anonymen Gruppe von Menschen eine große Bühne zu geben, das eigene Leben oder die eigene Organisation darzustellen. Eine eigene Website oder ein Facebookauftritt kann dasselbe wie ein Wikipedia-Artikel. Aber man behält die Kontrolle.

Wenn eine Person oder Organisation keinen Wikipedia-Artikel hat, dann sollte sie eine Flasche Sekt öffnen, dankbar sein und sich auf andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit verlegen. In vielen Fällen allerdings existiert der Artikel schon, oftmals nicht zur Zufriedenheit der betroffenen Person. Manchmal muss die Person oder Organisation halt damit leben, dass die eigene Existenz nicht nur Feiernswertes enthält. Manchmal hat sie aber auch legitime Gründe zur Kritik: Veraltetes, Unvollständiges, Fehlerhaftes oder eigentümlich Gewichtetes findet sich in vielen Wikipedia-Artikel. Es gibt die Möglichkeit, etwas daran zu ändern.


(1) Transparenz 


Wikipedia ist überaus kritisch gegenüber Bearbeitungen in eigener Sache. Jeder, der Artikel über sich selbst bearbeitet, muss Grundmisstrauen überwinden und Vertrauen gewinnen.Vertrauen gewinnt man durch Offenheit.

(2) Verifizierung 


Speziell für Bearbeiter in eigener Sache und ganz speziell für Menschen, die professionell unterwegs sind, existiert in der deutschen Wikipedia das Mittel der Verifizierung. Bearbeiter melden sich unter dem Namen ihrer Organisation/ ihrer Person an und stellen damit eine Grundtransparenz her. Danach schicken Sie eine Mail an  info-de-v@wikimedia.org und werden dann von Freiwilligen verifiziert. Weitere Details finden sich unter: Wikipedia:Benutzerverifizierung

(3) Diskussionsseiten 

Zu jedem Eintrag in der Wikipedia gehört eine Diskussionsseite, auf der dieser Eintrag diskutiert wird. Um Konflikte und Konfrontationen zu vermeiden, empfiehlt es sich, jede größere Änderung erst auf der Diskussionsseite mit einigen Tagen Vorlaufzeit anzusprechen. Erst wenn dort kein Widerspruch, oder gar Zustimmung, gekommen ist, sollte der Artikel selbst geändert werden. Taucht auf der Diskussionsseite Widerstand auf, so ist die Diskussionsseite zur Diskussion zu nutzen.


(4) Belegen 


Wikipedia ist eine Enzyklopädie, die verlässlich sein will, die aber jeder anonym bearbeiten kann. Zum Ausgleich legt die Community starken Wert darauf, dass jeder inhaltliche Beitrag belegt wird. Als Belege gelten nur Fakten, die anderswo veröffentlicht sind. Sei es in Büchern, Zeitschriften oder Websites. Diese Pflicht geht soweit, dass selbst Aussagen der Person selbst oder amtliche Dokumente nicht akzeptiert werden – sofern diese nicht an einer externen Stelle veröffentlicht wurden.

Belege im Artikel zur Wikipedia (kleiner Ausschnitt)

(5) Klare, harte Fakten. Keine Adjektive 


Artikel über sich selbst zu ändern, ist selbst unter den besten Umständen ein Drahtseilakt. Die Gefahr besteht, auf andere Autoren zu treffen, die dies aus Prinzip ablehnen und versuchen gegen die Edits zu arbeiten. Aber auch diese Autoren sind an Regeln gebunden. Je besser eine Bearbeitung nachgeprüft werden kann und je eindeutiger diese ist, desto höher sind die Chancen, dass sie bestehen bleibt.

Am besten hierfür eigenen sich unstreitige Zahlen und Fakten. Während Fakten einfach und erwünscht sind, ist dies mit Interpretationen schwierig. Diese sind generell in der Wikipedia verpönt. Je niedriger das Vertrauen ist, das ein Autor genießt, desto schwieriger wird es, Text einzubauen, der auch nur entfernt nach Interpretation aussieht. Adjektive sehen immer nach Interpretation und Wertung aus. Sie haben in einem Artikel über einen selbst nichts verloren.

(6) Verständlich bleiben 


Nun gibt es nicht nur die Community, für die ein Text geschrieben wird, sondern auch die Leser. Leser lieben Wikipedia, weil er hier klare, verständliche Informationen gibt, die sich beim ersten Lesen erschließen. Buzzwords, unverständliches, aber auch Fachsprache und Insiderlingo sind verpönt. Die Community achtet darauf dies durchzusetzen. „Geschwurbel“ ist einer der liebsten Begründungen innerhalb der Community um Text zu streichen.

(7) Mit der Community zusammen 


Wikipedia ist ein grundsätzlich offenes System, das von zahlreichen Vandalen, Trollen und Manipulatoren heimgesucht wird. Dementsprechend ausgebildet und etabliert sind mittlerweile die Mechanismen, unerwünschte Bearbeitungen fernzuhalten. Die etablierte Community hat die informellen, formalen und technischen Mittel Text zu verhindern, kann aber auch unglaublich Großartiges vollbringen. Jede Mitarbeit in Wikipedia, die von Erfolg gekrönt sein soll, funktioniert nur im gegenseitigen Vertrauen mit der Community.

(8) Zu vermeiden: Freunde holen 


Manche Autoren fühlen sich von der Wikipedia-Community übermannt oder ungerecht behandelt und versuchen, Freunde zu motivieren, ihnen beizustehen. Kaum etwas ist schlimmer. Die reine Anzahl von Teilnehmenden in der Diskussion hat kaum ein Gewicht. Wesentlich bedeutender ist das Vertrauen, dass den einzelnen Beteiligten in der Community beigebracht wird. Die Community hat ein eingebautes internes Vertrauenssystem, das maßgeblich auf bisherigen Beiträgen beruht. Wenn aus heiterem Himmel plötzlich eine größere Anzahl neuer Nutzer bei einem Thema auftaucht, lässt das bei vielen erfahrenen Wikipedianern Alarmglocken schrillen. Sie reagieren skeptischer und aggressiver. Dabei gilt: gegen eine skeptisch und aggressive Community zu agieren, hat nie Erfolg. Der Versuch, Freunde zu mobilisieren ist bisher immer nach hinten losgegangen.

(9) Das Sichtungsproblem 


Speziell die deutsche Wikipedia hat das Instrument der Sichtungen eingeführt. Das bedeutet: Änderungen an Artikeln werden sofort gespeichert. Wenn diese Änderungen von einem neuen Autor stammen, sind sie aber nicht sofort für die Öffentlichkeit sichtbar. Dafür muss erst ein erfahrener Wikipedianer sein Ok geben. Je einfacher die Edits sind und je einfacher sich ihr Inhalt extern überprüfen lässt, desto schneller wird die Freigabe erfolgen.

Übersicht über die Seiten, die am längsten nicht gesichtet wurden.

(10) Fotos unter freier Lizenz 


Ein einfacher Weg, das Vertrauen der Community zu gewinnen, Inhalte beizutragen und es Wikipedia zu ermöglichen eigene Inhalte zu nutzen, ist das Bereitstellen von Fotos unter freier Lizenz. Das bedeutet, dass diese Fotos im Nachhinein genutzt, verändert und eingebaut werden können. Allerdings muss dabei der Autor genannt werden ebenso wie der Titel des Fotos. So in Wikipedia und von dort aus dann viral durch das halbe Netz.

Rose Stanwell Perpetual バラ スタンウェル パーペチュアル (7887553466)
Ist ein Foto unter freier Lizenz hochgeladen, kann es unter Autoren-Nennung quer durch das Internet gesehen werden. Bild: Rose Stanwell Perpetual バラ スタンウェル パーペチュアル von: T.Kiya Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

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Der Wikipedia mangelt es nicht an Seiten mit Regeln, Vorschriften und Anleitungen. Auch zu diesem Themenkomplex gibt es eher zuviel als zu wenig zu lesen. Als Einstieg empfiehlt sich: Wikipedia:Interessenkonflikt  und die dortigen Links.

Bei Rückfragen zu bestimmten Einzelfällen, gerne auch eine Mail an mich, dirkingofranke@gmail.com

Alle Iberty-Posts zu Netz- und Kulturthemen finden sich unter. Kultur in Iberty! Eine Übersicht.

Klippan ist ein klassisches Sofamodell des sich schwedisch gebenden Möbelhauses IKEA. Das Sofa wird dieses Jahr 40 Jahre alt und ist neben Billy vielleicht der Klassiker IKEAs. Klippan steht in den Räumen des MEKs, des Museums Europäischer Kulturen, in Berlin. Dort steht es nicht etwa als Ausstellungsstück, sondern als Möbel.

Aber: wenn man ein Museum für Volkskunde und Alltagskultur mit einer Gruppe Wikipedistas zusammenbringt - dann wird auch das Foyersofa zum Ausstellungsstück - und darüber entstehen Wikipedia-Artikel. 

Berlin, Museum Europäischer Kulturen, GLAM on Tour im Museum Europäischer Kulturen (2018) NIK 6039
Klippan im Museum. Bild: Berlin, Museum Europäischer Kulturen, GLAM on Tour im Museum Europäischer Kulturen (2018) NIK 6039 Von: Nightflyer. Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International license.

Willkommen bei Wiki goes MEK! 2.0. Willkommen bei der zweiten Veranstaltung zwischen Wikipedia, dem MEK und dem Glam-Team von Wikimedia Deutschland.



MEK MEK MEK


Zwei Tage, am 17. und 18. November 2018, lud uns das Museum Europäischer Kulturen (MEK) nach Dahlem ein. Das MEK ist das einzige der Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), das in Dahlem bleiben darf und nicht in die Bierbike- Reisebushölle von Berlin Mitte muss.

Unsere Gruppe zieht vom Ausstellungs- in den Arbeitsteil des Museums Europäischer Kulturen.


Der Bestand des MEKs stammt noch zu größeren Teilen aus den Zeiten, in denen es das Museum für Deutsche Volkskunde war, und dann mit den europäischen Teilen der anderen Volkskunde-Museen vereinigt wurde. Es beschäftigt sich mit dem Leben normaler Menschen.

Das Museum hat einen Fokus auf Alltagskultur aber natürlich auch - dem Fokus der Ethnologie folgend - einen Blickwinkel auf Festtage normaler Menschen. Am konkreten Beispiel heißt das: derzeit laufen Ausstellungen über Wolle als Textil, Hochzeiten und die damit verbundenen Träume sowie Sterne (im Allgemeinen und als Weihnachtsstern im Besonderen).

Weihnachtssterne und Hochzeitskronen


Das MEK hatte eingeladen und etwa 20 Wikipedistas kamen. Es begann mit Kuraturenführungen durch die Stern- und Hochzeitsausstellungen. Wir schimpften, dass der 2. Stock nicht barrierefrei zu erreichen ist - man sollte meinen, eine Welt die den preußischen Museen ein komplettes neues Humboldtforum bauen kann, sollten dem MEK auch einen Fahrstuhl verschaffen können - bewunderten dann aber die atmosphärische Stern-Ausstellung.

Wir würdigten Hochzeitskronen aus dem 19. Jahrhundert ebenso wie Hochzeitskleider aus derselben Zeit. Wir staunten über den Traum in Rosa einer deutsch-türkischen Henna-Nacht und diskutierten die Ausstattung in Millenial Pink eines anderen aktuellen Hochzeitspaares.

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Ein Traum in Rosa. Bild: 2018Eroeffnung003 von: Holger Plickert (WMDE) Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Wir verfolgten nach, wie aktuelle Besucherpaare des MEKs sich kennengelernt hatten.

Tinder - echt jetzt!


Ruhiger wurden wir bei der Hochzeits-Chuppa einer Berliner Synagoge, die vermutlich das erste Mal seit den Nazis wieder öffentlich zu sehen war. Wenig ist über diese bekannt, außer dass sie heute dem Centrum Judaicum gehört und der Gestaltung nach wohl zu Zeiten der Weimarer Republik gefertigt wurde.

Chuppa
Chuppa / jüdischer Hochzeitsbaldachin in der Ausstellung. Bild: Chuppa. Von: Medea7 Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Alles wurde in einen Kontext gesetzt und mit hinter-den-Kulissen-Informationen versehen von der Kuratorin der Ausstellung.

Derart inspiriert ging es ins Verwaltungsgebäude des MEKs wo schon alles von Kaffee über Büchern bis hin zu fotografierende-Objekte vorbereitet war. Und wir setzten die Inspiration in Artikel um.

Madame ergründete Klippan. Ich, aufmerksam geworden, dass Flachmãnner in angesagten Kreisen zur Hochzeitsausstattung gehörten lernte dann noch, dass sowohl die Wörter Hipster wie auch Bootlegging auf diese Flachmänner zurückgehen. Hipster waren Menschen, die zu Zeiten des amerikanischen Alkoholverbots Flachmänner an der Hüfte trugen; Bootlegger diejenigen, die ihn im Stiefel (englisch Boot) hatten.

Es entstand während des Workshops das Portal Baskenland. Die Artikel zu Ehe und Textilie wurden erweitert. Die Kochbuchautorin des 18. Jahrhunderts - Maria Luisa Schellhammer - bekam einen neuen Artikel. Ebenso bekamen die Artikel zu Hochzeitskronen, Pommerschen Fischerteppichen oder zur Moritat neue Bilder. Und wo wir dann schon dabei waren, wurde der Artikel "Papierkorb" mit einem Bild aus dem Hotel des Fotografen Nightflyer erweitert.

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Pelotaspiel (Ballkorb und Ball) aus der baskischen Sammlung. Bild:

Allerdings zeigt sich, dass ein Wochenende nur begrenzte Zeit bereitstellt, um zu schreiben. Einer meiner Highlight-Artikel würdigt den mechanischen Weihnachtsberg aus der Dauerausstellung des Museums - eine Art mechanische Modelleisenbahn ohne Eisenbahn mit Weihnachten aus dem 19. Jahrhundert - mit einem umfassenden Artikel. Dieser Artikel entstand größtenteils am Freitag vor dem eigentlichen Treffen - offensichtlich in Vorbereitung auf dieses. Und hoffentlich wird mein eigener Text zu den Herrnhuter Sternen auch noch dieses Jahr fertig.

Danke

 

Kaffee am richtigen Ort und viele Kekse. Trotz erschwerter Bedingungen ein funktionierendes Internet. Menschen, die sich auf für die Kultur vermeintlich kleiner Menschen interessieren - ein Traum in Rosa, Moritaten, obskure Bücher, ein Blick hinter die Kulissen eines Museums - und überall eine freundliche, fokussierte Stimmung. Wenig will ich mehr.

Blick in einen der Arbeitsräume.

Zum Abschluss ein großes Danke an alle Beteiligten. Selten erlebte ich eine Veranstaltung, die so stimmte. Nicht nur, dass wir offensichtlich willkommem waren: das Timing war nahezu perfekt, die Mischung aus genug Inspiration und viel Gelegenheit diese gleich umzusetzen war großartig und offensichtlich hatten sich alle Beteiligten viele Gedanken gemacht, was die kommenden Wikipedianer am besten brauchen.

Das wir zum Beispiel auch noch obskurste Bücher im Vorhinein bestellen könnten und dann vor Ort in die Hand bekamen, rundet die Sache ab.

MEK 3.0? Am besten nächste Woche.

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Die Projektseiten in der Wikipedia: WIKI goes MEK! 2.0

Die Darmstädter Madonna, deren Artikel im Rahmen dieser Veranstaltung verbessert wurde, haben wir in Berlin auch schon einmal besucht: Allein mit der Madonna zum Hasen.

Auch GLAM - ähnlich cool, wenn auch ganz anders, war die Veranstaltung mit der Jules-Verne Gesellschaft in Braunschweig.

Alltagskultur in Dahlem. Da fallen mir als erstes die historischen Tänze der Ü300-Parties ein. Oder natürlich die Schwimmhalle Hüttenweg.

 Alle Kultur-Posts in Iberty. Kultur in Iberty!

Vegan Straight Edge in der Wikipedia

14:25, Saturday, 19 2019 January UTC

Eine gelöschte Schlachteplatte führte mich in die Vergangenheit zu zwei rundlichen Herren mit Schnauzbart auf dem Straight-Edge-Konzert. Der Wikipedia-Schreibwettbewerb sorgte dafür, dass ich nachträglich noch beeindruckt von Nirvana war. Ich verstehe Widersprüche, die ich mit 19 einfach so hingenommen hatte:

„Vegan Straight Edge, Eigenbezeichnung auch xVx, oder VSxE war eine Szene innerhalb der Punk/Hardcoreszene. Leitsätze der Szene waren "kein Alkohol, keine Drogen, keine tierischen Produkte". Sie entwickelte sich Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre aus der Straight-Edge-Szene, als diese zunehmend auch vegane Ernährung propagierte und sich politisch für Tierrechte engagierte.“

Dieser Satz steht seit einigen Wochen in der Wikipedia. Er steht dort als Einleitung zum Artikel [[Vegan Straight Edge]], den ich Anfang März 2018 zu schreiben begann. Der Artikel befindet sich schon länger im Stadium des Unfertigen, denn ich habe Probleme. Gab es Vegan Straight Edge wirklich als abgrenzbare Szene? Oder war es eine Szene oder doch zwei verschiedene in den USA und Europa? Kann man sie klar genug vom restlichen Straight Edge trennen? Um die Frage, auf die Rechtschreibung einzudampfen: war es vegan Straight Edge oder Vegan Straight Edge?


Wurstbruehe
Wurstbrühe beim Kochen (Hausschlachtung) von: Jens Jäpel Lizenz: Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“

Fragen über Fragen, die eigentlich nur entstanden, weil sich in der Wikipedia ein linksbewegter Autor und ein landwirtschaftsnaher Autor in einen epischen Streit über Schlachteplatten und Massentierhaltung hineinbewegten. Schließlich kamen beide zum Schreibwettbewerb. Beim Wikipedia-Schreibwettbewerb schreiben Autoren in einem Zeitraum von einem Monat zu einem bestimmten Thema. Eine Jury aus Wikipedianern bewertet den besten Artikel. Die meisten Preise stammen von anderen Wikipedianern und bewegen sich im Rahmen zwischen selbstgemachter Marmelade und Buch-Gutscheinen.

Youth of Today at SO36 (2010)
Youth of Today (2010). von: Libertinus Yomango Lizenz: r Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch“ (US-amerikanisch)

In diesen Wettbewerb nun gerieten die beiden Autoren und eskalierten beim Schreibwettbewerb weiter. Schließlich führte es dazu, dass der eine Autor eine Schlachteplatte als Preis für den besten Artikel mit Veganismus-Bezug aussetzte. Der andere lief kreischend und hyperventilierend um den virtuellen Block lief. Ich dachte „Hausgemachte Schlachteplatten sind super, Veganismus ist spannend. Gerade den veganen Punk-Tierrechtler bin ich schon oft genug in der Realität über den Weg gelaufen. Es wird Zeit, einen Wikipedia-Artikel zu schreiben!“ Die ersten Recherchen sprachen für das Thema: es gibt Autoren, die Vegan Straight Edge als eigene Szene sehen.



Der Schlachteplatten-Preis für den Schreibwettbewerb verschwand kurz darauf nach Intervention der Wikipedia-Administratoren, und mit dem Thema tue ich mich schwerer als gedachte. Aber nun hänge ich drin.   

Straight Edge? Vegan? Hardcore?


Erst war Punk. Dessen Geschichte wurde viele Male erzählt und soll hier vorausgesetzt werden. Aus Punk entwickelte sich Anfang der 1980er in Washington, D.C. die Musikrichtung Hardcore – oder harDCore: musikalisch schneller als Punk und stilistisch alle Überbleibsel des Glamrocks hinter sich lassend. Junge Männer mit sehr kurzen Haaren, in Kapuzenpullis und Chucks spielen präzise sehr schnelle und sehr kurze Gitarrensongs.


Out of Step - der eine definierende Song auf den sich alle Hardcore-Anhänger einigen können. Man beachte auch das schwarze Schaf ganz am Ende.


Fast gleichzeitig mit Hardcore entwickelte sich die Straight-Edge-Bewegung. Straight Edge heißt mindestens „kein Alkohol und keine Drogen“, konnte aber noch um beliebige "No"s erweitert werden: Kein Sex, kein Kaffee, kein Fleisch, keine Milch, kein Leder, kein was auch immer. Eine Jugendbewegung, deren Hauptmotiv der Verzicht war. Wenig überraschend eigentlich, dass ein signifikanter Teil der Bewegung dann vegan wurde.


Rundliche Männer


Ich persönlich denke bei Straight Edge immer an alte, rundliche Männer, eigentümlich wie es ist. Als Randbewohner des Punk-Hardocre-Universums war mir Straight Edge ein Begriff. Aber mir wirkte es zu elitär. Und auch wenn wir alle in der Gymnasium-Langenhagen-Gang nicht viel tranken und vielleicht alle paar Monate mal kifften – Drogen ablehnen aus Prinzip war nie mein Ding. Straight Edge kannte ich aus den üblichen Szeneheften wie dem ZAP oder all‘ den Punk-Fanzines. Aber wirklich in der Szene war ich nie.

Dann war da dieses Straight-Edge-Konzert im Jugendzentrum Langenhagen. Bands, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere, spielten mittelmäßigen Hardcore. Im Publikum tobten sich hunderte schmächtiger, pickliger Jungen in Hoodies und Turnschuhen aus, die alle ein großes X auf der Hand hatten und so böse schauten wie man mit 17 Jahren und 50 Kilo Lebendgewicht halt schauen kann.

Dann waren noch ein paar Dauer- und Stammgäste des Jugendzentrums anwesend, um die 20.  Und im Gang standen diese beiden Männer, die offensichtlich niemanden kannten. Sie waren um die 40, Schnauzbart, klein, rundlich, Hemd und Jacke. Die Schnauzbartträger hatten sich ein großes X auf die Hand gemalt – als wären Sie direkt einer Comedyserie über schlecht getarnte Zivilpolizisten entstiegen. Seitdem denke ich bei Straight Edge immer an rundliche kleine Männer mit Schnauzbart.


Straight Edge und die Polizei


Nun war es nicht überraschend, dass die Polizei auf diesem Konzert auftauchte. Ausgerechnet diese verhärmten Jünglinge standen mindestens im Verdacht, staatsgefährdende Straftaten zu planen. Drogen wurden auf Straight-Edge-Konzerten natürlich weder gehandelt noch konsumiert. Dafür war die Szene weltweit latent gewaltaffin, in Europa auch eng mit Autonomen, Linksradikalen und radikalen Tierbefreiern vernetzt.

Jugendzentrum Glocksee seitlich
Unabhängiges Jugendzentrum Glocksee (2010). Autor: AxelHH Lizenz: Public Domain

Die Auftrittsorte waren hier, wie im Jugendzentrum Langenhagen, fast immer ehemals besetzte Jugendzentren oder autonome Jugendzentren wie das UJZ Kornstraße in Hannover oder das Glocksee in Hannover oder gleich ganz besetzte Häuser. Politik, Hardcore und Straight Edge hingen für mich immer zusammen. (wie dem auch heute noch ist: wie man jedes Jahr auf dem Resist to Exist in Kremmen sehen kann.)

Für mich waren Punk – Autonome – Hardcore – Besetzte Jugendzentren – sXe – Emocore immer eins – mit verschiedenen Abstufungen und verschiedenen Ausprägungen: aber letztlich dieselbe Szene, deren Mitglieder den Anspruch hatten, die Welt so abzulehnen wie sie ist und eine bessere Welt zu schaffen.

Umso mehr verwirrten mich Bands wie Youth of Today, Cro-Mags oder auch Earth Crisis, die zwar auch echte in der Szene anerkannte Hardcore-Bands waren, aber so unpolitisch bis christlich konservativ – deren Message ich nie verstand. Das war musikalisch nicht viel anders als europäischer Straight Edge, auch mit diesem Weltverbesserungsmessianismus, aber auf eine eigenwillige Art unpolitisch. „Wir wollen die Welt verbessern, können aber nicht sagen, was das Problem ist.“ Manchmal erinnert mich das heute an das Silicon Valley. Wahrscheinlich liegt es gar nicht soweit auseinander.


USA und Europa


Für die Wikipedia-Recherche bin ich das erste Mal gründlich in die Geschichte der Hardcore-Szene vorgedrungen. Bisher hatten da neben den eigenen Erfahrungen und den unzähligen gelesenen Fanzines als Buch Martin Büssers „If the Kids are United“ ausreichen müssen. Nun kamen aber diverse Bücher aus der Berliner Stadtbibliothek hinzu, halbveröffentlichte Bücher in Google Books, digitalisierte Fanzines, Doktorarbeiten und sonst noch alles was da Internet zu bieten hatte.

Da ging mir etwas auf: Hardcore ist größer. Während in Europa und Lateinamerika immer der Zusammenhang Politik-Hausbesetzer-Punks-Hardcore existierte, war das in den USA anders. Gerade die prägende Bands Minor Threat und Fugazi waren nun sehr politisch im europäischen Sinn. Aber viele andere Größen des US-Hardcores übten sich in Jock Culture wie es heißt. Männer, die sich selber ausleben wollen und wenig sonst. Mit ungerichteter Aggressivität, sich manchmal gegen industrielle Tierproduktion richtete, oft genug gegen die eigene Szene.

Die Szene in den USA entwickelte sich unter anderen Voraussetzungen. So gab es dort nie wirklich besetzte Häuser. Die Bands spielten in kommerziellen Clubs, oft zusammen mit anderen Rockbands oder in Washington, D.C. mit Go-Go-Bands. Die linke Szene in den USA war kleiner und abgeschotteter. Konnte man in meiner deutschen Schulzeit gar nicht anders, als sich politisch zu positionieren, wäre der Gedanke sich als Jugendlicher ernsthaft mit Politik zu beschäftigen in großen Teilen der USA geradezu bizarr gewesen. US-Punk und dann US-Hardcore entwickelten sich in einem luftleeren Raum, in mehr oder weniger kommerziellen Clubs. Vegetarismus und Veganismus stießen in großen Teilen der Szene auf ein inhaltliches Vakuum, um so mehr und einfacher konnten sie sich als herrschende Ideologien verbreiten.


Veganismus


Vegetarisch und Vegan wurden Straight Edger und Hardcorler Ende der 1980er. Während einzelne Szeneangehörige schon früher vegetarisch waren, thematisierten Youth of Today im Song No More und die Gorilla Biscuits mit dem Song Cats and Dogs das Thema. Danach entwickelte sich die Sache ziemlich schnell. Es gab Bands wie die Cro Mags oder Earth Crisis, die sich als vegan Straight Edge verstanden.

Sie und ihre Anhänger entwickelten sich schnell hin zum Hardline: militante Tierschützer, die auch aggressiv gegen andere Punks und Hardcore’ler vorgingen, solange sie nicht den strikten Lebensvorstellungen der Hardliner folgten. Da war die einst offene, kreative Szene zu einer Art Sekte geworden. Menschen, die sich als Vegan Straight Edge verstanden, gab es. Aber gab es sie lange genug, um von einer eigenen Szene zu sprechen?

In Europa hingegen, war Veganismus in der Szene immer nur ein Teilaspekt, eingebettet in allgemeine Weltrettung und Kapitalismuskritik. Tatsächlich veganes und vegetarisches Essen war wahrscheinlich verbreiteter, da es oft zum Standard wurde. Die Übergänge allerdings waren dadurch auch fließender.

Und nun geht es mir, wie oft, wenn man mehr zu einem Thema weiß: ich bin ahnungsloser als je zuvor. Es gab vegane Straight Edger. Und zumindest zeitweise haben die sich auch bewusst von den Nicht-veganen abgesetzt. Für Wikpedia reicht es: es ausreichend gibt Literatur, die Vegan Straight Edge (mit "V") beschreibt und selbst unangemeldete Wikipedia-Autoren behaupten, dass es es diese Bewegung noch gibt. Aber waren diese wirklich geschlossen genug für eine eigene Szenedefinition und einen guten Wikipedia-Artikel über sie?

Ausblick: Washington, D.C.


Während ich beim Thema Vegan Straigt Edge ratloser bin, als vor dem Beginn der Recherche, hat sie mir auch neue Welten geöffnet. Washington, DC – die Szene, die vermutlich der europäische Szene am ähnlichsten war. Mit Ian MacKaye als Überfigur, der früh begriff, dass man eigene Labels und Strukturen aufbauen muss, mit der Crew um Dischord Records und mit der sozialen Organisation Positive Force, die der Szene nahestand. Washington wies lange Zeit ein lebendige Szene auf, die im engen Austausch mit dem Vor-Grunge-Hype-Seattle stand.

Eine Szene in Washington, die sich früh politisch verstand – sehr ungewöhnlich für US-Punk – früh Frauen in wichtigen Rollen zuließ; eine Szene in der beispielsweise der 15jährige Dave Grohl (von späterem Nirvana und Foo Fighters Fame) seine ersten Auftritte absolvierte, die Bad Brains – als Reggae-beeinflusste Band – prägend war, und in der auch Bikini Kill und die frühen Nirvana zu ständigen Gästen gehörten. Dann auch die Szene in Washington State um Seattle: uns ja eher bekannt als diejenigen, die Grunge kommerziell und populär machten - hier bestand eine echte, kreative, politische Punk-Szene bevor MTV sie entdeckte. Und in beiden Washingtons: eine Szene mit Dutzenden Fanzines, vermutlich hunderten Bands, die in Bewegung war, sich neu formierte, Sachen ausprobierte und sie wieder verwarf.  

Bands, die ich dabei entdeckte, waren:

Scream mit dem damals 15-jährigen Dave Grohl und der faszinierenden Erkenntnis, was für Langhaarmatten man in den 1980ern auch im Hardcore trug:



Oder Bratmobile, die zur ersten Runde gehörten als die Szene endlich auch Frauen zuließ und diese eigene Bands gründeten:



Vor allem aber entdeckte ich die Go-Go-Szene. Man stelle sich eine Art frühen Hip Hop in funky mit Congas und Bläsersätzen vor. Aber dazu später mehr.

Beim Schreibwettbewerg gewann ich zu recht nichts, da der Wikipedia-Artikel in einem Limbo hängt. Aber ich entdeckte mindestens drei spannende Szenen. Und sehe Helden oder Nicht-Helden meiner Jugend mit anderen Augen. Und das alles nur wegen eines Schlachteplattenstreits.

Weiterlesen


Der unfertige Wikipedia-Artikel zum Thema Vegan Straight Edge.

Zwei Bücher, die mir vieles erklärten:



Marc Andresen / Mark Jenkins: Punk, D.C. Ventil Verlag 2006 (im Original: Dance of Days, Akashic Books 19929. Bericht aus der Szene nach Lektüre zahlreicher Poster und Fanzines. Einerseits mit mehr Detailinfos zu Bands und Orten als ich je haben wollte, aber von den selbst-beteiligten Autoren auch stets auf der Suche nach dem Spirit, der alles zusammenhielt.

Roger Gastman "Pump Me Up. DC subCulture of the 1980s". Ausstellungskatalog zu einer Ausstellung über den Graffiti-Sprayer Cool "Disco" Dan - mit einem breiten Rundumschlag zu allem was in den 1980ern subkuturell in Washington los war. R. Rock Enterprises 2013.

Wie es damals war im Jugendzentrum Langenhagen schrieb ich in Kleinstadt Antifa, 1994

Was der Hardcore-Punk heute so macht, lässt sich auf dem Resist to Exist besichtigen.

Alle Posts zu Politik und Kultur in Iberty liegen unter: Kultur in Iberty!

Allein mit der Madonna zum Hasen

11:28, Tuesday, 27 2018 November UTC
Darmstadtmadonna

Darmstädter Madonna
Hans Holbein der Jüngere, 1526/1528
Öl auf Nadelholz (?), 146,5 × 102 cm
Sammlung Würth, Johanniterhalle (Schwäbisch Hall)

Wikipedia-KNORKE erwähnte ich ja an dieser Stelle schon einmal. Berliner Wikipedianerinnen und Wikipedianer treffen sich und erkunden zusammen eine ihnen unbekannte Gegend. Soweit so üblich. Diesmal jedoch gab es etwas besonderes: Auf ins Museum!

In Berlin gastiert gerade die Darmstädter Madonna, ein 1526 entstandenes Gemälde von Hans Holbeim dem Jüngeren. Diese Madonna hat eine bewegte Lebens- und Reisegeschichte, ist eines der bedeutendsten deutschen Gemälde des 16. Jahrhunderts und kann Menschen auch über Jahre faszinieren. Wunderbar, wenn man eine kundige Bilderklärung der Autorin des exzellenten Wikipedia-Artikels dazu bekommt.

Wir trafen uns einige Minuten vor der Öffnung in kleiner Gruppe vor dem Bode-Museum und konnten - da alle Anwesenden über eine Jahreskarte verfügten - auch sofort zur Madonna und zur Sonderausstellung "Holbein in Berlin" begeben. Der Raum war noch leer, die Museumswachmannschaft ließ freundlicherweise die leise aber engagiert redende Gruppe gewähren. Ein einziger Saal, in dessen Mittelpunkt die Madonna hängt. Links davon einige Holbein-Teppiche, ansonsten weitere Bilder und Zeichnungen von Holbein, Inspiratoren und andere Madonnen. Nicht überladen, sinnvoll aufbereitet und mit einem klaren Konzept - eine der besseren Kunstausstellungen.



Und dann ging es los: Es begann mit Schilderungen von der bewegten Entstehungszeit zur Zeit des Basler Bildersturms im Auftrag des Basler Ex-Bürgermeisters Jakob Meyer zum Hasen. Die Aussage des Bildes traditioneller Marienfrömmigkeit in Zeiten der Reformation war Thema, ebenso natürlich wie der Teppich und seine Falte. Wir staunten über die Eigentümlichkeit, dass sich niemand auf dem Gemälde eigentlich anschaut und wurden über dden Unterschied zwischen Schutzmantelmadonnen und Stifterbildern aufgeklärt. Vermutungen tauchten auf, wo das Bild wohl im Original hing - vermutlich in der Martinskirche als Epitaph - und wir verfolgten gedanklich seine Wanderung aus Basel über den Grünen Salon im Berliner Stadtschloss bis hin zum Hause Hessen und das Frankfurter Städelmuseum bis hin zum spektakulären Verkauf an die Privatsammlung Würth. Die Meinungen über die Sammlung Würth in der Gruppe waren durchaus geteilt, ebenso wie die richtige Benennung des Bildes: ist es nun eher die Darmstädter Madonna oder eher die Madonna des Bürgermeisters Jakob Meyer zum Hasen?

Über die Darmstädter Madonna ging es dann zur Dresdner Madonna und einem der prägenden Momente deutscher Kunstgeschichte: dem Dresdner Holbeinstreit. Im 19. Jahrhundert wurde es den Menschen bewusst, dass es zwei fast identische Holbein-Madonnas gab und nur eine die echte sein konnte. In einer großen Ausstellung, unter lebhafter Anteilnahme der Öffentlichkeit und erregten Debatten der Experten entschieden sich die Kunsthistoriker schließlich für das Darmstädter Gemälde. Eine Sensation,  da die Kunstkennerschaft vorher felsenhaft von der Originalität des Dresdner Gemäldes ausging. Hier zeigte sich erstmals das Bemühen, um eine rein sachlich, objektive Abwägung der verschiedenen Gesichtspunkte - der Dresdner Holbeinstreit ist einer der Ausgangspunkte um die Kunstwissenschaft als Wissenschaft zu etablieren. Und - wie sich später herausstellte - lag die Kunstwissenschaft auch in diesem ihren Anfangsurteil richtig; sämtliche mittlerweile vorhandenen naturwissenschaften Verfahren die Darmstädter Madonna als die originale der beiden bestätigten.

Erkenntnisse am Rande: eine weitere Kopie des Gemäldes (beziehungsweise eine Kopie der Kopie - es stellt aus unerfindlichen Gründen das Dresdner Exemplar dar) hat sich in das Set des James-Bond-Filmes "Man lebt nur zweimal verirrt".

Holbein, Hans - Georg Gisze, a German merchant in London
Hans Holbein der Jüngere: Bildnis des Danziger Hansekaufmanns Georg Gisze in London, 1532. Eichenholz, 96,3 × 85,7 cm. Gemäldegalerie Dahlem der Staatlichen Museen zu Berlin – Preussischer Kulturbesitz

Und nachdem wir dann auch noch gerätselt hatten, wer die beiden Knaben unterhalb der Madonna sind, den verschwundenen Haaren der Tochter nachspürten und weiter über den Teppich in der Renaissancemalerei sinniert hatten, kamen wir dann nach knapp einer Stunde noch zu Georg Giesze. Giesze (auch Georg Giese) ist Titelheld in einem anderen Holein-Hauptwerk, das praktischerweise fünf Meter weiter links hing. Wieder mit Teppich und nun auch noch mit Glas, Metall, Bücherregalen und Briefen. Gedanklich begleitete wir Holbein dann weiter von Basel nach Antwerpen und London. Mittlerweile hatte sich der Raum etwas gefüllt. Nachdem wir dann noch den Weg aus dem Museum gefunden hatte (wie immer im Bodemuseum nicht ganz einfach und jedes mal findet man zwischendurch neue Säle) folgte noch ein erschöpfter Abschlusskaffee.

Eine Stunde fast allein mit der Madonna. Und immer noch Neues zu entdecken.

Gab es in der DDR Spaghetti?

09:10, Tuesday, 28 2018 August UTC

Eine der schöneren unbekannten Ecken der Wikipedia ist die Seite zur Auskunft. Dort können Menschen mögliche und unmögliche Fragen stellen, die dann mal launisch, mal larmoyant, mal ernsthaft oder auch gar nicht beantwortet werden. Wie im wahren Leben und eine ewige Fundgrube obskuren Wissens, seltsamer Fragestellungen und logischen Extremsports.

Conrad, Giorgio (1827-1889) - n. 102 - Scena di genere
Nicht die DDR. Bild: Giorgio Conrad (1827-1889) - Mangiatori di maccheroni. Numero di catalogo: 102.



Dort nun fragte vor ein paar Tagen ein unangemeldeter Nutzer:

 "Warum gab es in der DDR eigentlich nur Makkaroni (die in Wirklichkeit Maccheroncini waren), aber keine Spaghetti? Das erscheint mir nach Lektüre einiger Bücher aus der DDR so gewesen zu sein und ist mir auch so von meiner aus Ex-DDR-Bürgern bestehenden Verwandtschaft bestätigt worden. Warum?"

Es folgte eine längere und mäandernde ausgiebige Diskussion, die immerhin folgendes ergab:

* Anscheinend gab es in der DDR Spaghetti, zumindest erinnerten sich einige der Diskutanten an derartige Kindheitserlebnisse.
* Ob Spaghetti so verbreitet waren wie Makkaroni oder Spirelli, darüber bestand Uneinigkeit.
* Die Nudelsaucensituation war in Berlin besser als im Rest der DDR.
* Die DDR allgemein pflegte in vielerlei Hinsicht traditionellere Essgewohnheiten als Westdeutschland, die Küche der DDR ähnelte in vielem mehr der deutschen Vorkriegsküche als dies für die westdeutsche Küche gilt.
* In Vorkriegszeiten waren Makkaroni verbreiteter als Spaghetti.
* Schon bei Erich Kästner wurden Makkaroni gegessen
* Der Makkaroni-Spaghetti turn im (west-)deutschen Sprachraum war Mitte der 1960er
* Schuld könnten wahlweise das mangelnde Basilikum, die mangelnde Tomatensauce, überhaupt mangelnde Kräuter, Italienreisen, Gastarbeiter, Miracoli oder auch was ganz anderes sein.
* Klarer Konsens im Rahme: Sahne gehört keineswegs in Sauce Carbonara!


Mirácoli noodles with sauce
Gab es in der DDR nicht: Miracoli. Bild: Miracoli-Nudeln mit Mirácoli-Soße von Kraft. Von: Brian Ammon, Lizenz: CC-BY-SA 3.0
 
Daneben tauchten eine ganze Menge Kindheitserinnerungen auf an exotische Spaghettimahlzeiten mit kleingeschnittenen Spaghetti, Ketchup-basierter Tomatensauce und anderen kulinarischen Exotika des geteilten Deutschlands.

Einige Antworten, viel mehr Fragen:
* seit wann wird in Deutschland überhaupt Pasta gegessen?
* wie lange schon ist Tomatensauce verbreitet?
* seit wann essen westdeutsche Spaghetti?
* Und wer ist Schuld? Die Gastarbeiter? Die Italienurlauber? Miracoli?
* Und wie kommen eigentlich die Löcher in die Makkaroni?

Also verließen wir dann erst einmal die Auskunft und die dortige Diskussion und betrieben etwas weitere Recherche. Das heimische "Kochbuch der Haushaltungs- und Kochschule des Badischen Frauenvereins", veröffentlicht 1913 in Karlsruhe, kennt sowohl Makkaroni wie auch Spaghetti. Ungewohnt für heute: die Makkaroni werden in "halbfingerlange Stückchen gebrochen" und dann 25 bis 30 Minuten gekocht.

Neben den diversen Makkaroni-Gerichten gibt es auch einmal Spaghetti. Die Priorität ist klar. Spaghetti werden erklärt als "Spaghetti ist eine Art feine Makkaronisorte. Beim Einkauf achte man darauf, daß sie nicht hohl sind"

Die "Basler Kochschule. Eine leichtfaßliche Anleitung zur bürgerlichen und feineren Kochkunst" von 1908 kennt keine Spaghetti aber diverse Gericht mit "Maccaronis". Darunter sogar schon die Variante "a la napolitaine" mit Tomatensauce.

Weitere Recherche. Weitere Erkenntnisse bringt das Buch "Meine Suche nach der besten Pasta der Welt: Eine Abenteuerreise durch Italien", das die Ankunft der Makkaroni in Deutschland auf das frühe 18. Jahrhundert verlegt. Die 1701 nachweisbaren "Macronen" waren wohl eher Lasagne, aber Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden in Prag und Wien echte Makkaroni-Fabriken.

Die Pasta folgte anscheinend den jungen Männern der Grand Tour aus Italien in das restliche Europa. Bestimmt waren die Grand Tours für junge Männer, die mal etwas von der Welt sehen und klassische europäische Bildung mitbekommen sollten, die auf der Tour aber anscheinend nicht nur Statuen und Kirchen kennenlernten, sondern auch Pasta.

Philip Dawe, The Macaroni. A Real Character at the Late Masquerade (1773) - 02
Der Macaroni. Der Hipster seiner Zeit. Bild: Philip Dawe: The Macaroni. A Real Character at the Late Masquerade, 1773.

In England gab es sogar einen eigenen Modestil Macaroni für exaltierte junge Männer - "a fashionable fellow who dressed and even spoke in an outlandishly affected and epicene manner". Die englische Wikipedia schreibt dazu lakonisch: "Siehe auch: Hipster. Metrosexuell." Komplett falsch wäre wohl auch die Assoziation zur Toskana-Fraktion nicht.

Nach diesen extravagant und auffallend auftretenden jungen Männern ist nun wiederum im Englischen der Macaroni penguin - auf deutsch der Goldschopfpinguin - benannt.


Macaroni Penguin at Cooper Bay, South Georgia (5892387033)
Makkaroni-Penguin. Benannt nach dem Stil, nicht nach den Nudeln. Bild: Macaroni Penguin at Cooper Bay, South Georgia von Liam Quinn, Lizenz: CC-BY-SA 2.0

Wie aber kommen nun die Löcher in die Makkaroni? Und seit wann? Licht in dieses Dunkel bringt die "Encyclopedia of Pasta." Diese lokalisiert die Entstehung der maschinellen Pastafertigung - die für Makkaroni in zumutbarer Menge unvermeidlich ist - in die Bucht von Neapel in das 16. Jahrhundert. Dort existerte eine Heimindustrie mit Mühlen, an die sich relativ problemlos eine im 16. Jahrhundert aufkommende ’ngegno da maccarun anschließen lies, die es den Neapolitanern ersparte stundenlang im Teig herumzulaufen, um ihn zu kneten: im Wesentlichen Holzpressen mit einem Einsatz aus Kupfer, je nach Form des Einsatzes entstehen verschiedene Nudelsorten und damit unter anderem Makkaroni. Die Makkaroni wurden dann in langen Fäden zum trocknen in die süditalienische Sonne gehängt.


Sommer, Giorgio (1834-1914) - n. 6204 - Napoli - Fabbrica di maccheroni
Neapel, 19. Jahrhundert. Bild: Giorgio Sommer (1834-1914), "Torre Annunziata-Napoli - Fabbrica di maccheroni". Fotografia colorita a mano. Numero di catalogo: 6204. 

Das hat alles nicht mehr wirklich etwas mit Spaghetti und der DDR zu tun, beantwortet nicht, warum die Deutschen in den 1960ern plötzlich lieber Spaghetti als Makkaroni mochten, oder warum die Makkaroni bei ihrem ersten Zug über die Alpen die Tomatensauce in der Schweiz ließen? Warum gibt es in Deutschland kein Äquivalent zu "Macaroni and cheese" (mehr)? Gab es ein Miracoli-Äquivalent in der DDR, bei dem es Pasta, Sauce und Käse schon in einer Packung gab? Warum sind Makkaroni in Deutschland tendenziell lang und dünn in vielen anderen Ländern aber dicker und hörnchenförmig-gebogen? Es ist hochspannend. Und ein Grund, noch viel mehr zu recherchieren.

Wikipedia von A bis Z. Ein Versuch

07:42, Wednesday, 08 2018 August UTC

Brockhaus


Die Brockhaus Enzyklopädie ist ein mehrbändiges Nachschlagewerk in deutscher Sprache, das zuletzt von dem zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Wissen Media Verlag herausgegeben wurde. Ist es ein Nachschlagewerk? War es ein Nachschlagewerk? Seit einigen Jahren befindet sich der Brockhaus in einer Art Limbo des Untotseins. Irgendwie existiert er noch. So richtig aber auch nicht mehr. Ohne jetzt die Irrungen und Wirrungen des ehemaligen Goldstandards der deutschen Nachschlagewerke nachzuerzählen, reicht es mir zu erwähnen, dass noch vor 10 Jahren der Brockhaus quasi das unerreichbare Ziel, die große Messlatte und die ferne Vision dessen war, was Wikipedia werden sollte. Genau wie Wikipedia den Brockhaus anscheinend maßlos überschätzte, so war und ist der Brockhaus selbst ratlos wie er mit der Wikipedia umgehen sollte. Man weiß nicht, ob man von vertanen Chancen reden soll. Denn hatte der Brockhaus je Chancen?

Chiara Ohoven


Chiara Ohoven

Chiara Ohoven ist ein deutsches It-Girl. Viel mehr wissen wir nicht, da Wikipedia den zu Chiara gehörigen Artikel permanent löscht. Vor einigen Jahren erlangte sie kurzzeitig deutschlandweite Berühmtheit durch eine Do-it-Yourself Schönheits-OPs mit Schlauchbootlippen als Ergebnis, fand aber vor den Do-it-Yourself-Enzyklopädisten damit keine Gnade. Ansonsten folgt Chiara ihrer Mutter und ihrem Vater auf das Parkett der High Society und des Glamours. Und da kein Wikipedianer je zur High Society gehörte oder gehören wird, gilt sie in Wikipedia weiterhin als nicht-relevant.

Donauturm




Der Donauturm ist ein Aussichtsturm[4] inmitten des Donauparks im 22. Wiener Gemeindebezirk Donaustadt. Darüberhinaus sieht der Donauturm aus wie ein Fernsehturm, was zu einem der erbittertsten Editwars in der Wikipedia-Geschichte führte. Dort der Fachmensch für Fernsehtürme, der sich sehr sicher war, dass Fernsehturm die Bezeichnung eines bestimmten architektonischen Typs ist, dort eine Gruppe Wiener und Österreicher, die darauf verwiesen, dass von diesem Turm kein Fernsehsignal übertragen wird, noch nie ein Fernsehsignal übertragen wurde und niemand je plante von diesem Turm aus ein Fernsehsignal zu übertragen. Beide Seiten standen fester zu ihrem Standpunkt als der Donauturm im Wiener Boden. Schlußendlich führte der Editwar zu einem mehrseitigem Artikel im Spiegel, gebrochenen Herzen, frustrierten Wikipedianern und der Tatsache, dass jeder Wikipedianer weiß wie der Donauturm aussieht.


Elian


Elian ist ein in den 1980er Jahren aus dem Französischen entlehnter männlicher Vorname. Er geht auf den Beinamen Aelianus, eine Ableitung des römischen Geschlechternamens Aelius, zurück. elian (klein geschrieben und gesprochen eher wie Alien) kann auch als weiblicher Internetnickname genutzt werden. Ohne elian keine Wikipedia so wie wir sie kennen.

Gdansk


Glenn Danzig at Wacken Open Air 2013 02

Danzig (polnisch Gdańsk Zum Anhören bitte klicken! [ɡdaɲsk],[3] kaschubisch Gduńsk), die Hauptstadt der Woiwodschaft Pommern im Norden von Polen, liegt an der Ostsee rund 350 km nordwestlich von Warschau und steht mit über 460.000 Einwohnern auf der Liste der bevölkerungsreichsten Städte Polens auf Platz sechs. Außerdem ist Gdansk Anlass des ersten Edit Wars, den ich persönlich mitbekommen habe. Es war 2003. Es war in der englischen Wikipedia. Deutsche und polnische Nationalisten ähnlicher Angestrengtheit konnten sich nicht einigen, ob die Stadt nun Danzig oder Gdansk heißt. Hilflos naive und offensichtlich überforderte Amerikaner versuchten zu vermitteln. Der interessante Moment kam, als der Edit-War zur Frage überging, ob die Band Danzig nun "benannt ist nach der Stadt Gdansk, ehemals Danzig" oder "benannt ist nach der Stadt Danzig, heute Gdansk".


Hubertus


Hubertus ist ein männlicher Vorname. Er wird NICHT Atze abgekürzt.

Kreuz


Curious Myths p 81
Bild: Page of symbols referenced in s:Curious Myths of the Middle Ages. 1868 von Sabine Baring-Gould. Public Domain.

Das Kreuz ist ein weltweit verbreitetes Symbol, das insbesondere religiöse und kulturelle Bedeutung hat. In diesen Bedeutungen hat sich Wikipedia unentrinnbar verheddert. Einerseits ist das Kreuz-Symbol ein wunderbares Beispiel dafür, welche Probleme das Internetprojekt mit Ambivalenzen und Mehrdeutigkeiten jeder Art hat. Andererseits ist der Streit darum ein tragischer Fall epischen Ausmaßes, der die Wikipedia-Community über Jahre in Aufregung hielt, die Nerven dutzender Wikipedianer verschliss und für Verzweiflung und Frustration allüberall sorgte. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: das Kreuz ist natürlich DAS Symbol des Christentums und symbolisiert Jesu Tod. Daraus folgend wurde † zum Symbol für den Tod. Das † kommt in der Wikipedia in Lebensdaten vor. (Beispiel: * 1600 †1666). Nun waren und sind sich die Wikipedianer nicht einig, ob †ein Symbol ohne jede Bedeutung ist, die einfach Standard ist, oder ob es immer noch christlich konnotiert ist. Bei Artikeln zu Menschen nicht-christlichen Glaubens kam und kommt es zum Streit. Ist das Kreuz nun eine christliche Usurpation von Nicht-Christen oder ist der Versuch deren Tod anders darzustellen - beispielsweise durch "gestorben 1666" ein Verbrechen an enzyklopädischer Neutralität und verstößt gegen die Einheitlichkeit der Form, die anzustreben ist? 

Lutz Heilmann


Siehe → Streisand-Effekt

Narrenschiff 


Das Narrenschiff (alternativ: Daß Narrenschyff ad Narragoniam) des Sebastian Brant (1457–1521), 1494 gedruckt von Johann Bergmann von Olpe in Basel, wurde das erfolgreichste deutschsprachige Buch vor der Reformation. Es handelt sich um eine spätmittelalterliche Moralsatire, die eine Typologie von über 100 Narren bei einer Schifffahrt mit Kurs auf das fiktive Land Narragonien entwirft und so der Welt durch eine unterhaltsame Schilderung ihrer Laster und Eigenheiten kritisch und satirisch den Spiegel vorhält. Im Wikipedianischen Zusammenhang war das Narrenschiff eine Art Mitteilungsblatt des Hans Bug, in dem er die Wikipedianer und ihre Laster und Untaten kritisierte. Bugs Narrenschiff war inhaltlich und qualitativ von Sebastian Brants Narrenschiff entfernt, wie es heutige Nachwuchswikipediakritiker von Bugs Narrenschiff sind. Wenn etwas in den letzten Jahren extrem gelitten hat, dann das Niveau der internen Wikipedia-Kritik.

München


Wp-stammtisch-muc-2005-10-27 18
Bild: Wikipediastammtisch München 2005. Von: Hella Breitkopf Linzenz: CC-Attribution-Share Alike 3.0 Unported

München?/i [ˈmʏnçn̩] ( bairisch  Minga?/i) ist die Landeshauptstadt des Freistaates Bayern. Sie ist mit ca. 1,45 Millionen Einwohnern die einwohnerstärkste und flächengrößte Stadt Bayerns und, nach Berlin und Hamburg, die nach Einwohnern drittgrößte Kommune Deutschlands und die zwölftgrößte der Europäischen Union. Wikipedia-historisch ist München wichtig, da hier am 28. Oktober 2003, organisiert von → elian, das allerallererste Wikipedia-Treffen überhaupt stattfand. Und nachdem sich die Münchner einmal getroffen hatten und feststellen, dass es gar nicht so schlimm ist, folgten Treffen in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, Boston, Taipeh, Alexandria bis es dann 2014 zum bisher größten Treffen in London mit knapp 2.000 Teilnehmern kam. Siehe auch → Wikimania, Stammtisch.


Nordsee


Die Nordsee ist ein Mehr, ein teil der Atlant, zwischen Grossbritannien, Skandinavien, und Friesland. Siehe auch Kattegatt, die Niederlanden, Deutschland.


Relevanz 


Relevanz (lat./ital.: re-levare „[den Waagebalken, eine Sache] wieder bzw. erneut in die Höhe heben“) ist eine Bezeichnung für die Bedeutsamkeit und damit sekundär auch eine situationsbezogene Wichtigkeit, die jemand etwas in einem bestimmten Zusammenhang beimisst. Das Wort ist der Bildungssprache zugeordnet[1] und bezieht sich auf Einschätzungen und Vergleiche innerhalb eines Sach- oder Fachgebietes. Das Antonym Irrelevanz (Adjektiv: irrelevant) ist entsprechend eine Bezeichnung für Bedeutungslosigkeit im gegebenen Zusammenhang, umgangssprachlich vereinfacht auch für allgemeine Sinnlosigkeit oder Unwichtigkeit. Das Fremdwort für eine allgemeine, qualitativ messbare Wichtigkeit ist Importanz. Siehe auch → Löschkandidaten, Relevanzkriterien, Inklusionismus, Exklusionismus, Tschunk.

Strecke


Eisenbahnstrecke wird die Verbindung von Orten mit einem Schienenweg genannt. Im Gegensatz dazu bezeichnet der Begriff (Eisen-)Bahnlinie den auf diesen Strecken regelmäßig stattfindenden Verkehr. So können auf einer Strecke mehrere Bahnlinien oder eine Bahnlinie auf mehreren Strecken verkehren. Nach herrschender Meinung in der Wikipedia sind Strecken relevant und Linien irrelevant. Oder umgekehrt. Ich kann es mir nicht wirklich merken. Wobei die Regel zwar grundsätzlich gilt, bei Wiener Straßenbahnlinien gelten allerdings Sonderregeln und es ist andersrum. Und da wundert man sich, warum sich niemand mehr an Artikel zu Eisenbahnen herantraut.

Volker Grassmuck


Volker Grassmuck (* 1961 in Hannover) ist ein deutscher Publizist und Soziologe. Er ist assoziierter Professor für Mediensoziologie an der Leuphana Universität Lüneburg. Wikipediahistorisch ist Grassmuck gleich zweimal wichtig. Zum einen war er auf der Gründungsversammlung von → Wikimedia Deutschland anwesend, was uns ein wunderbares Video bescherte.

Zum anderen veröffentlichte er 2002 ein Buch über Freie Software. Dieses Buch enthielt eine Fußnote, in der Wikipedia erwähnt wurde. Diese Fußnote brachte nicht nur den Verfasser dieser Zeilen zur Wikipedia, sondern auch → elian zur Wikipedia brachte.

Weiterlesen


Längerer Text zu Pokémon in der Wikipedia.

Weitere Texte zu online: Kultur in Iberty!




Die Verschwundenen

18:28, Monday, 06 2018 August UTC

Crossposting eines Posts von mir aus dem Wikipedia Kurier. Erfahrungsgemäß lesen das dort und hier ja doch andere Menschen.

Wikipedistas kommen und gehen. Manchmal gehen mehr, manchmal weniger. Einzelne davon fallen durch ihr Wirken in der gesamten Wikipedia auf oder versuchen sich wenigstens durch einen spektakulären Abgang in Szene zu setzen. Die meisten Autoren und Autorinnen aber gehen genauso still und leise wie sie gekommen sind und gearbeitet haben.

Die unseligen Autorenschwund-Debatten der unseligen Wikimedias kümmern sich ja um Zahlen und nicht um Autorinnen und Autoren. Wie armselig! Den Meta-aktiven Communitymitgliedern - aka Wikifanten - fallen vor allem die anderen Wikifanten auf, die entschwanden. Dabei zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass es um lauter einzelne Individuen mit verschiedenen Vorlieben, Arbeitsstilen und Interessen geht, die in Wikipedia tätig waren und sind. Es gibt vor allem diejenigen, die kommen, einen Beitrag leisten und dann wieder verschwinden. Der größte Teil der tatsächlichen Wikipedia wird von Menschen und Accounts gestaltet, deren Edits fast nur im Artikelnamensraum aufzufinden sind. Manchmal arbeiten sie unermütlich über viele Jahre, manchmal auch nur einige Wochen an einen oder zwei Artikeln. Viele davon sind als IP aktiv, so dass sich fast nichts über sie sagen lässt. Vielleicht sind die Beitragenden per IP auch gar nicht viele, sondern eine einzige sehr fleißige Autorin? Wer weiß?


 Viele Wikipedianerinnen und Wikipedianer sind derzeit inaktiv.

Anlässlich des Projektes WikiWedding und in meinem Bestreben möglichst viele Wedding-Aktive daran zu beteiligen, lese ich ja derzeit viele Artikel zu einem Themengebiet, das mir in den letzten Jahren eher fremd war und an dessen Entstehung ich nicht beteiligt war. Wer sich in den letzten Monaten am Thema beteiligt hat, ist mir bewusst, wer sich von 2001 bis 2014 des Weddings angenommen hat, musste ich nachlesen. Eine spannende Lektüre voller mir unbekannter Namen und Accounts. Neben einigen mir bekannten Wikipedistas waren dort vor allem mir unbekannte Accounts. Accounts, die oft aufgehört haben zu editieren. Meist sind sie still und leise gegangen. Ihre Edits und Kommentare geben keinen Hinweis warum. Aber anscheinend war es anderswo schöner. Oder sie hatten den Einruck, alles in Wikipedia geschrieben zu haben, was sie beitragen wollten. Um diesen Autorinnen und Autoren zumindest nachträglich etwas Aufmerksamkeit zu geben, um ihre Namen kurz aus den Tiefen der Versionsgeschichten zu retten, sollen hier einfach einige Autorinnen(?) und Autoren gewürdigt werden, die sich um den Wedding in Wikpedia bemühten bevor sie verschwanden.



Da ist zum Beispiel der Artikel zur Chausseestraße. Ein Mammutwerk von Gtelloke, dessen Wikipedia-Edits sich von Juni bis Dezember 2012 fast ausschließlich auf diesen Artikel beschränkten.

GWT 45, Chausseestraße 114-118, Juni 2005

Bild: Die Chausseestraße 114-118 in Richtung Invalidenstraße von Gtelloke
Lizenz: CC-BY-SA 3.0



Da ist der Artikel zum Wedding selber. Angelegt 2002 von Otto, dessen letzter Edit aus dem Dezember 2004 stammt. Im November 2004 dann maßgeblich ausgebaut von Nauck, der sich auch sonst dem Ortsteil und seinen Themen widmete. Artikel zu Moabit, den Meyerschen Höfen, Mietskasernen und Schlafgängern waren Teil seines kurzen Werks, das im Wesentlichen nur zwei Wochen im November 2004 dauerte, aber die Grundlagen wichtiger Artikel zur Berliner Sozialgeschichte legte. Ein Blick auf seine Benutzerseite zeigt auch den Geist der Wikipedia-Frühzeit: ''GNU rockt! Der König ist tod, lang lebe das Volk! Lang lebe die Anarchie des Netzes! Licht und Liebe''

Weiterer Ausbau erfolgte durch 87.123.84.64, auch zu wikipedianischen Urzeiten. Dann passierte 500 Edits und acht Jahre im Wesentlichen nichts – mal ein Halbsatz hier, mal die Hinzufügung von drei Bahnstrecken dort, Hinzufügen und Löschen von berühmten Persönlichkeiten bis im Dezember 2014 der erste heute noch aktive Wikipedianer hinzukommt: Fridolin freudenfett verpasst dem Artikel mit „Katastrophalen Artikel etwas verbessert)“ eine Generalüberholung.

Der Leopoldplatz; angelegt von Frerix, der in den immerhin fünf Jahren seiner Wikipedia-Aktivität nie auch nur eine Benutzerseite für nötig hielt und anscheinend auch in keine Diskussion verwickelt wurde.  Zu seinen wenigen Beiträgen gehören neben der Anlage des Leopoldplatzes auch noch die Anlage der englischen Stadt Sandhurst, die Anlage des Kreuzviertels in Münster und des Three Horses Biers. Dann war er/sie wieder weg. Mutter des Artikels ist hier aber 44Pinguine, die den heutigen Inhalt maßgeblich prägt und auch heute noch aktiv ist.

Da wäre das Wahrzeichen des Weddings. Die Alte Nazarethkirche. Der Artikel stammt vor allem von 62.246.210.30.

Alte Nazarethkirche 2

Bild: Leopoldplatz, Ev. Alte Nazarethkirche, 1832–35 von Karl Friedrich Schinkel von Schliwiju
Lizenz CC-BY-SA 4.0

Nichts war für die Entwicklung des Weddings wohl so entscheidend wie die Geschichte der AEG. Dieser Artikel stammte in seiner Frühzeit von WHell, engagiertem Wikifanten, mit ausführlicher Artikelliste und Diskussionsseite, der uns 2007 verließ. Der letzte Eintrag auf seiner Diskussionsseite war „Hallo WHell, ich möchte Dich als den Hauptautor darüber informieren, dass ich den Artikel John Bull (Lokomotive) in die Wiederwahl zum Exzellenten Artikel gestellt habe,“ Größere Beiträge zur WEG folgten in den späteren Jahren durch Peterobst – aktiv von Februar bis April 2006 vor allem mit Beiträgen zur Berliner Industriegeschichte, nach seiner Benutzerseite AEG-Kenner und in Arbeit an einem Buch über den Konzern. Es folgten 80.226.238.197, von Georg Slickers 2006 (auch heute noch aktiv, wenn auch recht unregelmäßig), Flibbertigibbet 2006 , 79.201.110.89 im Jahr 2008 und der unermüdlichen 44Pinguine. Weiter ausgebaut von Onkel Dittmeyer, aktiv von 2009 bis Juli 2015 in Technikthemen und vielleicht immer noch unter neuem Account? Begann seine Karrier mit der Nutzerseite „Hier ist Nichts und das soll so bleiben !“ und hielt sich im Wesentlichen daran.

Da ist der Volkspark Rehberge. Angelegt von Ramiro 2005, aktiv 2005/2006, vor allem zum Thema Fußball. Maßgeblich ausgebaut, umfassend überarbeitet 2007 von 84.190.89.208 und noch einmal 2010 stark erweitert von Katonka. Landschaftsplaner mit unregelmäßigen Edits zwischen 2009 und 2014, die Edits waren wenige, aber die Qualität war hoch.

LSG-6 Volkspark Rehberge Berlin Mitte

Bild: LSG-6 Volkspark Rehberge Berlin Mitte - Panoramabild auf die Wiesen des Volkspark Rehberge in Berlin, Wedding (Mitte). Von: Patrick Franke Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Neben diesen Verschwundenen tauchen glücklicherweise aber auch heute noch aktive Wikifanten auf. Immer wieder 44Pinguine und Fridolin freudenfett. Darüber hinaus Definitiv, Magadan, Flibbertigibbet und Jo.Fruechtnicht.

Die Artikel entstanden durch Wikifanten und IPs. Accounts mit nur einem Thema oder anderen, die über Jahre thematisch sprangen. Während in der Frühzeit aber viele verschiedene Accounts und IPs an den Artikel beteiligt waren, waren in den letzten Jahren deutlich weniger Menschen aktiv. Fast alle inhaltlichen Edits in den von mir angesehenen Artikeln verteilen sich auf 44Pinguine,  Fridolin freudenfett und Definitiv. Wikipedia wird kleiner und noch lebt sie. Aber wir können all‘ den Verschwundenen danken, die vor uns kamen.

Berlin celebrates old school #wikipedia15

14:36, Wednesday, 06 2018 June UTC

I still remember the time when real life meetings for Wikipedians were new and adventurous and a bit scary. Did one really want to meet these strange other people from the Internet? How would they be? Could they even talk in real life or would they just sit behind a laptop screen staring on it for hours?

My first meeting in Hamburg – THE first Wikipedia meeting in Hamburg - would consist of three people (Hi Anneke, Hi Baldhur!) sitting in a pub, and just waiting and seeing what would happen. These meetings were kind of improvised, in a pub, quite private and personal in nature and no talk about projects, collaborations, “the movement” whatever. Just Wikipedia and Wikipedians having a nice evening.

WP15 Germany Berlin 01
Bild: By Sargoth, CC BY-SA 3.0

So what a fitting setting to celebrate this day in Berlin just the old school way. Half improvised, organized by our dearest local troll user:Schlesinger on a talk page, we met in a pub, it was not clear who would come and what would happen except some people having a good time.

And so It was. In the “Matzbach” in the heart of Berlin-Kreuzberg seven people promised to come, in the end we were almost twenty. Long time Wikipedians, long-time-no-see-Wikipedians, a Wikipedian active mostly in Polish and Afrikaans, some newbies and two and a half people from Wikimedia Deutschland. Veronica from Wikimedia Deutschland brought a tiny but wonderful home-baked cake, and we just talked and laughed, talked about history and future.  Actually, mostly we talked about future.

WP15 Germany Berlin 03
Bild: By Sargoth, CC BY-SA 3.0

About the Wikipedian above 30, who has just started a new a university degree in archaeology, the question whether the Berlin community should have its own independent space, industrial beer, craft beer and the differences, the district of Berlin-Wedding, the temporary David-Bowie-memorial in Berlin-Schöneberg, the vending machine for fishing bait in Wedding, new pub meet-ups in the future, who should come to the open editing events, how to work better with libraries, colorful Wikipedians who weren’t there, looking for a new flat, whether perfectionism is helpful or rather not when planning something for Wikipedians, explaining Wikipedia to the newbie, the difficulties of cake-cutting and whatsoever.

No frustration, almost no talk about meta and politics, just Wikipedians interested in the world, Wikipedia and eager to be active in and for Wikipedia and with big plans for the future. Old school. So good.

WP15 Berlin Torte angeschnitten


Mensch-Maschine Braunschweig


Im ICE ist Deutschland. Der Zug fährt ein und hält. Das Schild am Gleis behauptet tapfer „Zugdurchfahrt“. Die Türen lassen sich öffnen. Am Zug steht nichts geschrieben, außer Wagennummern, die nicht zu den Reservierungen passen. Das Publikum bleibt irritiert. Etwa die Hälfte der Anwesenden geht in den Zug und bleibt im Wageninnern ratlos stehen. Die andere Hälfte steht ratlos am Bahnsteig. 

Schließlich: Lichter gehen an. Der Zug verkündet mittels seiner Anzeigen nun auch, nach Kassel zu fahren.  Eine Frau entschuldigt sich über die Lautsprecheranlage über die falschen Wagennummern, man solle ich immer zehn wegdenken „Also 22 statt der angezeigten 32.“

Ein Mensch mit re:publica-Bändchen am Arm verscheucht die ältere Dame ohne Reservierung von seinem Platz und liest den gedruckten Spiegel. Ich höre ein angeregtes Gespräch zwischen einem Musicaldarsteller und einer Abteilungsleiterin im Innenministerium, die sich gerade kennenlernen über, den relativen Wert von Musikgymnasien in Berlin. Geht es noch deutscher?

Illustration aus dem Buch ""Le tour du monde en quatre-vingts jours" Alphonse de Neuville & Léon Benett


Passenderweise habe ich ein entsprechendes Buch mitgenommen. Nils Minkmars „Mit dem Kopf durch die Welt.“ Das hat schon auf dem Cover ein ICE-Fenster und geht der Frage nach, was Deutschland bewegt. Minkmar lässt sich über deutsche Normalität aus. Der deutsche Ingenieur, lange Jahrzehnte Sinnbild der Normalität, sei nicht mehr normal. Minkmar erzählt aus seiner französisch-deutschen Kindheit:


„Meine Mutter nannte dann immer eine Berufsgruppe, die uns besonders fern war, nämlich les ingenieurs. Wir waren in Deutschland […] und das ganze frisch aufgebaute Land ruhte auf Säulen, die les ingenieurs berechnet, gegossen und zum Schluss noch festgedübelt hatten. […] Viele Jahre später sollte ich die Gelegenheit haben, diese seltene Spezies besser studieren zu können. Sie saßen direkt hinter mir, zwei ausgewachsene Exemplare: Ingenieure, Familienväter, auf der Rückfahrt von einer Dienstreise. Sie plauderten über die sich verändernden Zeiten. […] Fernsehen, Marken, Politiker, auf keinem Gebiet fanden sich diese beiden braven Männer wieder, alles zu grell und bunt, zu aufgeregt. Ihre spezifischen Werte und Tugenden, Sorgfalt und diese stille Freude an der eigenen Biederkeit, das alles war an den Rand gerückt. Ingenieure waren nun Exzentriker. […] Diese Männer fanden sich kulturell kaum zurecht.“

Wenn „der deutsche Ingenieur“ nicht mehr normal in Deutschland ist, sind es jetzt Ministerialbeamtinnen und Musicaldarsteller?




Forschung Maschinenbau Braunschweig


Minkmar war noch nicht in Braunschweig. Oder Braunschweig ist nicht normal. Da steige ich harmlos aus dem Zug und die Stadt schlägt mir „Deutscher Ingenieur“ rechts und links um die Ohren. Braunschweig hebt das Thema "autogerechte Stadt" in Höhen, die selbst mir als gebürtigem Hannoveraner unerreichbar schienen.

Braunschweig. Bahnhofsvorplatz.


VW ist daran beteiligt, ist klar in der Gegend. Aber nicht nur. Ich wandelte also Freitagabend gegen 21 Uhr auf der Suche nach einem Wegbier durch das verlassene Braunschweig, passierte die Stadthalle und wurde prompt begrüßt mit „Tag des Maschinenbaus. Herzlich Willkommen.“



Vor allem aber  fiel mir bei diesem Wandeln auf, wie unglaublich gepflegt diese Stadt aussieht. Ich erblickte  keine einzige Kippe auf dem Weg. Selbst die Großbaustelle, über die irrte, wirkte irgendwie aufgeräumt. Viel verwunderlicher war, dass selbst die in Braunschweig reichlich vorhandenen 1970er-Großbauten gepflegt und sorgsam hergerichtet wirkten. Die Stadthalle selber, offensichtlicher spät 1960er/früh 1970er-Stil wirkte besser gepflegt als Berliner Gebäude nach zwei Jahren. Die Wege und Lampen darum herum: offensichtlich keine zehn Jahre alt. Sie wirkten wie frisch aus der Packung genommen.

Wegbier. In Braunschweig nur schwerlich aufzutreiben, dann aber stilgerecht,


Selbst die Schwimmbäder sind alle gepflegt(*), alle haben gleichzeitig geöffnet und keines ist aus obskuren Gründen gesperrt. Da spielt nicht nur bürgerschaftliches Engagement eine Rolle, sondern offensichtlich ist auch Geld vorhanden.

Auf dem Hotelzimmer, noch so ein sehr gut gepflegter und hergerichteter Bau, der einem „1970er!“ ästhetisch schon ins Gesicht schreit, mit dem Hotel-Wlan (7 Tage, 7 Geräte) nachlesend, wie das nun ist mit Braunschweig. Bekanntes taucht beim Nachlesen auf: Die physikalische-technische Bundesanstalt mit der Atomuhr; geahntes lese ich (Volkswagen – hey, das ist Niedersachsen und die Technische Universität existiert ja auch) und nicht bekanntes:

„Im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) verfügt die Region Braunschweig über die höchste Wissenschaftlerdichte,[103] im bundesweiten Vergleich über eine hohe Ingenieurquote[104] sowie über die höchste Intensität auf dem Gebiet der Ausgaben für Forschung und Entwicklung. In der Region Braunschweig arbeiten und forschen mehr als 16.000 Menschen aus über 80 Ländern[105] in 27 Forschungseinrichtungen sowie 20.000 Beschäftigte in 250 Unternehmen der Hochtechnologie[106]“

Dazu noch „Braunschweig ist die Stadt mit der niedrigsten Verschuldung Deutschlands.“ Und nach einer obskuren EU-Rangliste ist Braunschweig  die innovationsfreudigste Region der EU vor Westschweden und Stuttgart. Hier lebt der deutsche Ingenieur. Hier lebt die deutsche Technik. Was für ein passender Ort für Jules Verne.


Jules Verne


Jules Verne; französischer Erfolgsautor des 19. Jahrhunderts und vor allem bekannt als "Vater der Science Fiction." Von seinem vielfältigen Werk sind vor allem die Abenteuer-Techno-Knaller wie Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer, die Reise Von der Erde zum Mond oder die Reise zum Mittelpunkt der Erde bekannt. Wikipedia und die Deutsche Jules-Verne-Gesellschaft hatten ein gemeinsames Wochenende organisiert mit einer Tagung zu Jules Verne und Gesprächen zu Wikipedia.

Volker Dehs bestreitet das halbe Programm


Jules Verne, mir vor allem bekannt durch vage Erinnerungen an den 1954er Nemo-Film, Weiß-orange Taschenbücher und einen blau eingebunden Robur-Roman, der mich verstörte, weil er so anders war als die großen mir bekannten Abenteuerromane von Jules Verne. Warum ich überhaupt fuhr: Intuition. Ich hätte nur schwerlich begründen können, was genau mich reizte, aber die Mischung aus Vertrauen in die Veranstalter, Science Fiction und Neugier auf diese andere niedersächsische Stadt nach Hannover, trieben mich dorthin.

Verne selber gilt als Begründer Science Fiction. Und so bringt er als Autor frankophile Literaten und Groschenromanfans, Ingenieure und Naturwissenschaftler zusammen. Besessene Bibliographen waren Thema und Anwesend, ebenso wie die phantastische Bibliothek in Wetzlar – die Mischung der Jules-Verne-Aktiven unterscheidet sich gar nicht so sehr von der Mischung der Wikipedia-Aktiven. Die Perspektiven, aus denen Verne hier unter die Lupe genommen wurden, waren vielgestaltiger als sie es in der Literatur sonst sind. Faszinierend hier war die Neigung unterschiedlicher und leicht besessener Menschen sich zu einem Thema auseinanderzusetzen.

Haus der Braunschweigischen Stiftungen - Veranstaltungsort.



Dementsprechend hatte der Veranstalter, der Wikipedia-Autor Brunswyk das Programm gestaltet: ist Verne eher katholisch oder eher laizistisch? Kam der Wille zur Aufklärung in seinen Büchern durch seinen Verleger Pierre-Jules Hetzel hinein, während auf Verne eher zurückgeht, dass alles menschliche Streben gegenüber der göttlichen Macht sinnlos bleibt? Wen inspirierte er? Ist es eine sinnvolle Frage, dem nachzugehen, welche seiner Voraussagen, sich bewahrheiten? Dazu kamen dann noch Exkursionen zu Friedrich Gerstäcker, Fenimore Cooper, die Ingenieure, die ihre U-Boote dann nach Jules Verne „Nautilus“ nannten – und stark von diesem beeinflusst waren

Für mich brachte das Treffen interessante Erkenntnisse, wie die Tatsache, dass Verne immer Theaterautor oder – produzent werden wollte und wie sehr der Katholizismus sein Denken beeinflusste. Romancier war er eher gezwungenermaßen – und verdiente mit seinen zwei erfolgreichen Theaterstücken in seinem Leben ein Viertel so viel Geld wie mit etwa 80 bis 100 Romanen.

Interessant das Rätseln aller Anwesenden, warum Vernes Roman "der Grüne Strahl" so ein kommerzieller Erfolg war, was niemand der Anwesenden nachvollziehen konnte. Und dann eine Dreiviertelstunde später kam die Bemerkung in einem anderen Zusammenhang, dass "der Grüne Strahl" quasi Vernes einziges Buch mit einer weiblichen Hauptfigur war. Ich ahne einen Zusammenhang, Update: Es kam wie es kommen musst. Da denke ich mal, ich habe etwas entdeckt, dabei habe ich nur etwas falsch verstanden. Tatsächlich ist Der Grüne Strahl nicht das einzige Werk mit einer Protagonistin. Das prägnanteste Buch ist dabei Mistress Branican, da hier die Titelfigur die komplette Handlung quasi im Alleingang bestreitet. Aber auch in anderen Büchern spielen Frauen eine wichtige Rolle (und dieser Umstand war Jules Verne sogar so wichtig, dass er in Interviews darauf hinwies): Die Kinder des Kapitän Grant, Nord gegen Süd, Reise um die Erde in 80 Tagen, Das Lotterielos ... und einige mehr.

Für mich neu war die Erkenntnis, dass ein Großteil von Vernes Werk gar nicht in den Bereich Science Fiction gehört, sondern es (fiktive) Reisebeschreibungen sind. Und selbst dort wo Verne Maschinen und phantastische Gerätschaften erfindet, dienen diese vor allem dem Zweck zu reisen.

Und jetzt recherchiere ich, natürlich, zum Grünen Strahl.

Die Phantastische Bibliothek


Meine beiden Programmhighlights beschäftigten sich nur mittelbar mit Jules Verne. Sie kamen von der Phantastischen Bibliothek Wetzlar: zum einen der Rückblick von Thomas Le Blanc auf Wolfgang Thadewald. Den großen Phantastik- und Jules-Verne-Sammler. Thadewald verstarb 2014. Er lebte in Langenhagen. Mehrere der Anwesenden hatten ihn noch persönlich gekannt. Und die Schilderung seiner Sammlertätigkeit, seiner Liebe zu Büchern und zu Menschen, aber auch die Besessenheit mit der Thadewald an ein Thema heranging und auch von Krankheit schon schwer gekennzeichnet das Arbeiten an Bibliographien nicht lassen konnte – es ließ sich nicht anders beschreiben als bewegend. Sicher war dieser Vortrag mein emotionaler Vortrag des Programms.

Wer auch immer aber auf die Idee kam, den Vortrag von Klaudia Seibel zu Future Life: Wie (nicht nur) Jules Verne dabei hilft, die Zukunft zu gestalten an Ende der Konferenz zu legen: Chapeau! Das Projekt ist, kurz gesagt, ein Projekt der Phantastischen Bibliothek. Die stellt zu bestimmten Themen Dossiers zusammen, wie Science-Fiction-Autoren sie sich vorstellen. Die Berichte  werden manchmal von öffentlichen Stellen, öfter von Großunternehmen bestellt, die damit selber zukunftsfähig werden wollen und in die Zukunft denken.

So als Beispiel: Nanotechnische Ideen in der Science Fiction



Wobei Auftraggeber von Staats wegen selten sind. Die meisten Aufträge kommen aus der Privatwirtschaft. Die allerdings meist gleich umfangreiche Verschwiegenheitsklauseln verlangt, weshalb die Phantastische Bibliothek da wenig zu sagen kann.

Da haben also Autoren und Mitarbeiter der Bibliothek ein profundes Wissen über die Science-Fiction-Literatur und die größte Bibliothek ihrer Art im Hintergrund und seit mittlerweile einigen Jahren eine große Datenbank aufgebaut, was Autoren zu verschiedenen Themen schreiben.

Als jemand, der ich selbst weiß, wie viele Situationen ich durch gelesene Bücher interpretiere – Bilder aus diesen Büchern im Hinterkopf habe und mir immer wieder mal sagen muss, dass ein Roman nur bedingt real ist, glaube ich sofort, dass es nichts gibt, was so sehr Denkprozesse auslösen und Kreativität triggern kann, wie Romane. Der befreit das Hirn gerade vom strikt logisch-folgerichtigen Denken, verrückt die Perspektive etwas nach links oder oben, und schon öffnen sich vollkommen neue Gedankenwege. Die Idee ist so brillant, dass es überraschend ist, dass sie wirklich angenommen wird. Anscheinend wird sie das.


Mensch Maschine Normal


Und nachdem ich dann wieder im Zug saß und das erste Handy-Ticket meines Lebens gekauft hatte, fragte ich mich wieder. Ist diese Stadt – die mir in vieler Hinsicht – so unfassbar „normal“ vorkommt, vielleicht die große Ausnahme? Sind die Musicaldarsteller, die mit „dem Alex“ [Alexander Klaws] telefonieren, normal? Die Menschen im Ministerium? Die größten Jules-Verne-Experten des Landes, die alle noch einen anderen Brotjob haben? Oder eher die Normalität vieler Menschen, die darin besteht, am Ende des Monats zu überlegen, wie denn die letzten 10 Tage mit dem leeren Konto noch überbrückt werden können?





Brauschweig ist die verstädterte Mensch-Maschine-Kopplung. In seiner Normalität sicher schon wieder ein Ausnahmefall in Deutschland. Aber ich sah die Zukunft: sie sitzt in einer Bibliothek in Wetzlar und liest Science-Fiction-Romane.

Weiterlesen


Mit Wikipedianern kann man nicht nur Verne lesen, sondern auch Cocktails mischen: Ramos Gin Fizz für die Enzyklopädie.

Oder man läuft mit Wikipedianern durch den Wedding:Tanz auf dem Guglhupf, Automatenmaden und die „brutalism appreciation society“ im #wedding

Mehr zu Future Life bei der phantastischen Bibliothek: Future Life. 

Zum Jules-Verne-Club

Die Wikipedia-Seiten zur Veranstaltung: Wikipedia:Wiki Loves Jules Verne

Beiträge zur Veranstaltung im Wikipedia-Kurier und im Blog von Wikimedia Deutschland.

Der grüne Strahl im Gesamttext bei zeno.org: Der grüne Strahl

Alle Iberty-Posts zur Kultur stehen unter: Kultur in Iberty!

Anmerkungen


Auch zu Schwimmbädern ein schönes Minkmar-Zitat aus dem Mit-dem-Kopf-durch-die-Welt.Buch:

„Nichts gegen das große Geld und die wenigen, die es genießen können, aber die Stärke mitteleuropäischer Gesellschaften liegt gerade in der Mischung. Für Reiche ist es in Singapur, Russland und Malaysia ideal. […]Glaspaläste und Shopping Malls gibt es auf der ganzen Welt, bald vermutlich auch unter Wasser und auf dem Mond. Öffentliche Freibäder, Stadtteilfeste oder Fußgängerzonen, in denen sich Reiche und Arme, Helle und Dunkle, Christen und Muslime mit ihren Kindern vergnügen und drängeln, gibt es nur hier. Ich fand es immer erstaunlich, dass es in Algerien beispielsweise keine öffentlichen Schwimmbäder gibt oder dass man in den USA oder in Brasilien Mitglied in einem Club werden muss. Das ist eine teure und in vieler Hinsicht sozial sehr voraussetzungsreiche Angelegenheit, nur um mit den Kindern mal schwimmen zu gehen, es sei denn natürlich, jeder hat seinen eigenen Pool im Garten, was, für mich zumindest, wie eine Definition von struktureller Langeweile klingt.“ (s. 104)

Reisen mit WP: Schloßhotel Karlsruhe

10:27, Sunday, 27 2018 May UTC

Für Wikipedia/Wikimedia reise ich mehrmals pro Jahr durch die Gegend. Dabei muss ich muss ich natürlich auch irgendwo übernachten. Daraus entstand diese Serie.

Die Frühlings-Mitgliederversammlung des Vereins fand diese Jahr in Karlsruhe statt. Die Geschäftsstelle quartierte uns dafür im Schloßhotel Karlsruhe ein. Das Schloßhotel liegt direkt am Bahnhof bzw. am Zoo. Warum die Deutsche Bahn glaubte mich für die max. 200m zwischen Bahnhof und Hotel mit dem Bus fahren zu müssen (beim Rückweg sogar mit 1x Umsteigen) wird für ewig ihr Geheimnis bleiben.

Die Aufmachung des Hotels ist so edel wie der Name klingt. Ein repräsentativer Bau aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Das merkt man auch gleich, wenn man den Aufzug betritt: Er ist ein Denkmal und stammt von 1914. Hohe Räume und Teppichboden fanden sich überall. Die Preise des Hotelrestaurants ließen schlucken, auch wenn die Beschreibung der Gerichte sehr gut klang.

Am Empfang war nichts los und so kam ich direkt dran. Der Zutritt zu den Zimmern wird über Nearfunk Chipkarten gelöst: Hat den Vorteil das man keinen Schlüssel mit sich herumschleppen muss. Das Zimmer war schön eingerichtet: Bett, Schranknische, Schreibtisch, Stuhl, Hocker und Sessel. Das Zimmer war vollklimatisiert, verfügte aber trotzdem über einen großen Heizkörper und man konnte das Fenster – vom Typ französischer Balkon – öffnen. Leider war die Straße vor meinem Zimmer so laut das mit offenem Fenster zu schlafen kein Option war – zum Lüftern aber durchaus geeignet.

Das Bett kam mir etwas schmäler als normal vor, war aber durchaus ok. Ein großes und ein kleines Kissen warteten bereits auf mich. Laut Zimmermappe können diverse andere Kissen dazubestellt werden; auf Wunsch kann auch die Bettwäsche täglich gewechselt werden.

Das Bad scheint ein Teilnehmer um den Preis für die kleinste Bad-Grundfläche zu sein. In den ca. 1,5x1,5m großen Raum wurden eine Dusche, ein WC und ein kleines Waschbecken gequetscht – die Tür ließ sich dabei nur halb öffnen und blieb dann an der Klöschüssel hängen. Bei der letzten Modernisierung wurde die die Duscharmatur wohl falsch herum angeschlossen: Ein Schild weißt auf die Vertauschung hin.

Das Zimmermädchen kommt früh – für meine Verhältnisse zu früh. Am Samstag wollte man schon gegen 9:30 saubermachen: Da lag ich noch im Bett. Als ich am Abend ins Hotel zurück kam, war mein Zimmer aber gereinigt worden. Am Sonntag hatte ich vorsichtshalber das Bitte-nicht-stören-Schild an die Türklinke gehängt – als ich gegen 10:45 das Zimmer zum Auschecken verließ war der Herr von der Zimmerreinigung schon da.

Das Frühstück war auch am Wochenende nur bis 10 Uhr. Für mich war die Auswahl mehr als ausreichend: Verschiedene Arten von Brötchen (auch Sesambrötchen), der übliche Wurstaufschnitt, Käse, Cornflakes und die üblichen Frühstück-Getränke eben.

Das Personal, mit dem ich gesprochen habe, war freundlichen und hilfsbereit.

Alles in Allem kann ich mit dem Aufenthalt nur zufrieden sein. Kann WMDE wieder buchen.

Berlin ist groß; deutlich größer als alle anderen deutschen Städte. Berlin bietet seinen Bewohnerinnen und Bewohnern immer wieder neue Straßen, Stadtviertel und ganze Bezirke von denen sie noch nie gehört haben. So fand sich dann vor 10 Jahren eine Gruppe Wikipedistas zusammen, die im Rahmen der KNORKE-Touren Berlin erkundete. (Für mehr Hintergrund, hier der Iberty-Artikel) Einige oder viele Wikipedianer treffen sich, neugierig auf die Stadt um sie herum und erkunden sie. Die Treffen finden dabei unregelmäßig statt. Mal sind sie monatlich, mal alle anderthalb Jahre.

Im Januar 2016 traf sich die erste KNORKE-Runde nach über einem Jahr Pause seit zur Tour entlang der Müllerstraße, dem „Ku’damm des Weddings“. Vom Startpunkt aus, dem Angelgeschäft Koss, beziehungsweise dessen Madenautomaten, ging es weiter zu Gänsen, Enten und Schweinen in der Kinderfarm Wedding. Leider überlebten die Maden im Sägemehl nicht den Gang bis zu den Enten und konnten so nicht mehr als Futterspende dienen. Zwischendurch warfen wir einen Blick auf den Abenteuerspielplatz Telux, laut einem der Knorkisten der erste Abenteuerspielplatz Deutschlands.[citation needed]

Wedding Automatenmaden
Berlin-Weddinger Automatenmaden.

Nach dem Besuch der Schweineställe in der Kinderfarm folgte die Innenbesichtigung des Ernst-Reuter-Hauses mit kurzem Blick auf den Biergarten Eschenbräu, bevor es nach Süden Richtung Bayer Health Care (ehemals : Schering) ging. Am Beispiel des Schering-Parkhauses erörterten wir die Existenz der "brutalism appreciation society" und diskutierten die Frage ob Bauwerken des Brutalismus die Fassadengestaltung mit knalligen Farben eher nutzt oder schadet. An der Dankeskirche am Weddingplatz lebten die wilden Zeiten des Roten Weddings wieder auf, Erich Kästner verewigte den Platz mit seinen wilden Straßenschlachten in seinem Roman Fabian.

Berlin Wedding bayer parkhaus 14.11.2015 13-40-01
Ein Fall fur die brutalism appreciation society.

Danach ging es an der Panke entlang zu einem der ungeplanten Höhepunkte der Tour: dem Tanz auf dem Guglhupf. Das Kunstwerk mit dem offiziellen Namen „Tanz auf dem Vulkan“, das offensichtlich von einer engagierten Kunststudentin im ersten Semester geschaffen wurde, regte auf jeden Fall zur intensiven Diskussion an.

Nachdem einem Blick auf das Stadtbad/Stattbad Wedding - das wegen des Brandschutzes geschlossen werden musste - überlegten wir wann es dem Krematorium Wedding wohl genauso geht. Beide Sightseeingpunkte wurden noch mit Geschichten der jetzigen und ehemaligen Bewohner des Weddings abgerundet. Schnee und Kälte zwangen uns dann zu einem Kaffeestop in einem der zahlreichen inhabergeführten migrantischen Geschäfte der Müllerstraße.

Tanz auf dem guglhupf
Kunst im öffentlichen Raum. Der Tanz auf dem Guglhupf.

Dann noch schnell ein Schinkel-Bau, am interkulturellen Garten Himmelbeet die Überlegung ob es ein nicht nur eines Lokals B in Berlin bedarf, sondern auch eines Lokalen Beets B, noch schnell eine weitere Kirche abgehakt, das Rathaus Wedding auf dem ehemaligen Gelände von Onkel Pelles Rummelplatz - auch dieser mit einer Würdigung durch Kästner. Ob die neu eraute Schiller-Bibliothek schick war oder eher nicht, daran schieden sich die Geister. Am Platz des unscheinbaren AOK-Gebäudes erbargen sich die Pharus-Säle, einst das "Wohnzimmer der KPD" im Wedding und die Schiller-Bibliothek. Abschluss für die frierende Gruppe dann schließlich beim exzellenten "Rebel Burger" mit Coleslaw, Pommes-Twister im stilechten denkmalgeschützten 50er-Jahre-Kiosk. KNORKE kommt wieder. Im Jahr 2016 bestimmt.

Krematorium wedding
This is friend is not the end (anymore): Das ehemalige Krematorium Wedding

Resist to Exist - The Kids are alright

15:15, Wednesday, 16 2018 May UTC


Nach Wacken geht’s zum Kacken.
Der Antifaschist fährt zum Resist.
Auch wenn es pisst. (Henne, Sänger von Rawside)

Junge Männer klettern auf den Bühnenzaun, schwenken die Fahne der Antifaschistischen Aktion. Die Ordnerin mit Union-Berlin-Käppi rennt herbei, versucht sie wieder herunter zu bewegen. Die dünne junge Frau mit der Rockabilly-Frisur, den Docs und dem „No Pasaran“-Tattoo bindet sich derweil die Haare, während zwei andere junge Frauen mit blonden bzw. blauen Haaren dem Typ mit dem halbnackten Oberkörper Schlamm ins Gesicht schmieren. Auf der Bühne rührt ein Russe mit Eishockeytorwartmaske, weißen Markenturnschuhen (wie hat er die in diesem Schlamm so weiß gehalten) irgendwas über Widerstand.

Nebenan, im Kuhstall, die Punks in den Polizeiuniformen, lassen es sich im Backstagebereich gutgehen.  Verkaufsstände verkaufen „NZS BXN!“-T-Shirts, der Drugstore von der Potse in Berlin Schöneberg verkauft Solischnapps und die tschechische Antifa hat einen eigenen Merchandise-Stand.
Willkommen im Dorfe in Brandenburg.




Resist to Exist, existiert seit 2003. 2.500 Punks und Freunde aus Deutschland und Europa hören Punk, Hardcore, Streetcore, HC-Rap und Ska. Ursprünglich aus Berlin-Marzahn,  findet das Festival mittlerweile in Kremmen statt: 3000 Einwohner, zwischen Berlin und Neuruppin, umgeben von Rhinluch mit Kremmener See, Schloss Schwante, Schloss Grossziethen, viel Lehm, viel Sand ein wenig Wald, ein Spargelhof und ein Selbstpflücker-Gemüsefeld.


Leicht touristisch erschlossen, aber dann auch ein Brandenburger Kleinstädtchen mit einer Kirche, einer Stadtbibliothek die Dienstags und Donnerstags einige Stunden geöffnet hat. Das größte Ereignis im Kremmener Jahr ist das Erntefest mit Traktorparade. Und hier: Punks. Mehrere tausend, so viele wie ich sie zuletzt bei den Chaostagen 1994 sah. Antifas in Mengen, die mich an Großdemos in der sächsischen Provinz um die Jahrtausendwende erinnern. Und in der Nähe liegt unser Kleinsttierzoo/Garten.




2016 im August


Es war letztes Jahr im August. Friedlich im Garten Buttermilch-Margaritas trinkend hörten wir trommeln und röhren. So vage von gegenüber? War die Tochter der Nachbarin mal wieder da und hörte jetzt bei voller Lautstärke im Zimmer Tote Hosen? Nachdem es nach drei Stunden nicht besser geworden war, begannen wir uns Sorgen zu machen – nicht dass die Tochter mittlerweile taub geworden war. Wir wandelten die Straße entlang, auf der Suche nach der Geräuschquelle. Am Ende der Straße. Alles unverändert. Okay, die Geräuschquelle ist von wesentlich weiter weg,  dann aber wohl sehr laut.
.


Deutschpunk? Nazirock? Die Musikrichtung ist, wenn man nur die Drums hört und ein unspezifisches Gebrüll des Sängers, nicht immer leicht zu unterscheiden. Und in Brandenburg auf dem Dorfe? Die Musik kommt vage aus Richtung Kremmen. Ein Ort, der sich musikalisch bisher dadurch hervortat, dass in der "Musikantenscheune" der Brandenburger Landesparteitag der AfD stattfand. Lässt sich was zum Konzert googeln?



Madame fand etwas in Kremmen: Resist to Exist, die Bands kannte sie alle nicht, uneindeutig. Ich schaute. Okay, Sham69, Total Chaos. Das ist kein Nazirock. Aber Oi? So in der Brandenburger Provinz geht vieles. Zweiter Blick: Rasta Knast, Fuckin‘ Faces, Distemper,  ganz sicher kein Nazirock. Eher im Gegenteil. Klingt spannend. Aber ein paar der Bands waren ja schon alt als ich noch jung war. Eine Traditionsveranstaltung? Egal, es gilt Lehmberge zu versetzen, keine Zeit für.Festivals, die eh schon halb vorbei sind. .

2017 


Es ließ mich nicht das ganze Jahr über nicht los. Die Bands klangen spannend. Der Lehmberg ist mittlerweile versetzt. Das Lineup 2017 ist meins. Ach, Rawside, war auch meine Jugend und ist mittlerweile ein Kandidat für Nostalgietreffen; aber die waren hammergeil. Und viele Bands kenne ich nicht. Vielleicht sind die U40. Klingt so. Das sieht groß aus, das sieht cool aus. Ich will da hin. Aber nur als Besucher? Langweilig. Wenn, dann richtig. Eintritte für Konzerte habe ich schon 1998 nicht mehr bezahlt. Gut, dass es diese Internetenzyklopädie gibt.


Der Wikipedia-Festivalsommer


Der Festivalsommer der Wikipedia existiert seit 2013: Wikipedianerinnen und Wikipedianer gehen auf Festivals, die Wikipedia-Spendengelder sorgen dafür, dass es auch professionelles Fotoequipment gibt. Danach laden die Beteiligten Fotos von Festivals und Bands unter Freier Lizenz auf Wikipedia. Mittlerweile entstand eine hohe fünfstellige Zahl an Fotos von über 1.200 Bandauftritten und knapp 100 Artikel über Festivals und Bands. Alles ehrenamtlich, alles DIY, in der Form sehr anders als das Resist im Spirit aber noch so weit voneinander entfernt. Da nehme ich Teil, schieße Fotos, schreibe einige Artikel (das Festival hat noch keinen, diverse relevante Bands auch noch nicht) und laufe durch den Matsch.



Das Resist


Das Resist entstand in Marzahn. Marzahn in den 1990ern war kein angenehmer Ort, wenn man links war. Nazis rannten dort einige herum und die waren wenig zimperlich in ihren Methoden. Punks und Linke - die es in Marzahn immer gab und gibt - trafen sich im geschützten Biesdorfer Park. Bis das Ordnungsamt das nicht mehr wollte und mit massiven Polizeieinsätzen begann zu räumen. Es gründete sich "Resist to Exist" und ein Soli-Festival. In Marzahn ist das Festival nicht mehr, dafür ist es schöner und größer als zuvor.



Die Resistenten mussten mehrfach den Veranstaltungsort wechseln und sind seit 2016 in Kremmen gelandet. Was spontan und ungeplant begann, ist mittlerweile ein eigener Verein, eine Vorbereitung, die fast das ganze Jahre über läuft und trotzdem die Verrückten immer noch alles ehrenamtlich machen, mittlerweile reichlich professionell.



Mehrere tausend Besucher im Jahr, das „größte Festival für DIY-Punk und artverwandtes.“ Autokennzeichen sah ich aus ganz, der Schweiz (u.a. am stylischen schwarzen Anarcho-Wohnmobil), Österreich, Italien, Polen, Tschechien, Berlin, Hamburg, Sachsen und natürlich ganz Deutschland. Das Festival ist bis heute ehrenamtlich organisiert, von einem Verein getragen, und wird größer und größer und professioneller. Anscheinend, für mich – hoffentlich! – bleibt es in Kremmen.


Das Resist 2017


2017. Das Jahr des großen Regens. Dauerregen, Starkregen, Dauerstarkregen. Ich genoss den Luxus des nahegelegenen Bungalows, kam erst nach dem Regen aber zum großen Schlamm. Hinter dem Kremmener Bahnhof gleich rechts, die Feldstraße entlang. Die ersten Punks sind auf dem Weg, meist schlammverspritzt, oft Barfuss. Drei freundliche Jungs im Campingstuhl winken mich irgendwo auf die Wiese zum Parken, neben mir ein Bully mit kleinem Vorzelt. Ein längerer Fußweg. Vorbei an vielen Zelten und Strohballen. Durch die „Winterfütterungsanlage für Mutterkühe“ hindurch, die auch als Backstage dient.



Dann das Festival. Menschen! In Massen! Unbeeindruckt vom Schlamm, sich damit bewerfend, auf Hügel ausweichend. Haarfarben in allen Farbtönen. Die AFD und NZS sind hier nicht beliebt! Bier natürlich. Antifa-Merchandise. Auf der Bühne eine Band in Polizeiuniformen, die über Punks lästert. Das Publikum hat Spaß. Das Publikum: Mein Gott, sind die alle jung. Sehr weiblich auch noch. Nichts mit Traditionsveranstaltung. Nichts mit Alte-Männer-fahren-zum-Camping wie in Wacken. Die Szene lebt. Ist politisch. Die Bands sind politisch. Fast fühle ich mich als ältester Anwesender.  Zum Glück gibt es noch eine handvoll Festivalbesucher, die ihre Originalkuttern von 1977 spazierenführen. Aber nicht viele. Jugend. Mit Energie. Sehr wenig Handies, fast niemand, der auf sein Handy schaut, sehr wenige Leute am Fotografieren, sehr viele Leute am Spaß haben.



Auch der Pressegraben bleibt leer. Wir sind eine handvoll Leute, die versuchen die schlimmsten Pfützen zum umgehen und nicht all zu sehr mit Schlamm beworfen zu werden. Auf der Bühne Siberian Meat Grinder. Sieht geil aus. Aber ich verstehe kein Wort – habe später zu Hause noch mal Videos geschaut, verstehe immer noch kein Wort –aber sie geben coole Interviews. Und ich mag die Musik.

The Kids are alright

Nix mit Traditionsveranstaltung. Junge, politische Menschen mit DIY-Ethos, Hammerbands, viel Spaß, wenig Handies, friedlich und doch entschlossen. Ihr seid super.

Weiteres

Für mehr Hintergrundinformationen gibt es hier und hier Interviews mit den Machern des RTEs. Hier bei Uglypunk.  Der Wikipedia-Artikel ist noch in Arbeit.

Das Festival selbst hat ein umfängliches Archiv über all’die letzten Jahre

Schöne kommentierte Fotostrecke bei Bierschinken.net: Resist to Exist Tag 2

Geradezu niedlich war es wie die Lokalzeitungen über das Treffen der Punker berichteten. Durchaus sympathisch und sympathisierend, aber der kulturele Abgrund den es zu überbrücken galt, war groß. Kein Wunder, dass sich die Zeitungen ganz besonders über das Festivalbaby Silas freuten, das auf dem Festival geboren wurde. "Festival-Baby Silas ist wohlauf."


No Way Back

Und zum Schluss:




Pokémon in der Wikipedia

12:09, Saturday, 03 2018 March UTC

Pikachu ist ein Pokémon. Nein, Pikachu ist DAS Pokémon. Oder, um es im Wikipedia-deutsch zu sagen:

Das Pikachu (jap. ピカチュウ, Pikachū) ist ein fiktives Wesen und das bekannteste Pokémon aus den gleichnamigen Videospielen der japanischen Spielesoftwarefirma Game Freak, sowie eine Kernfigur im zugehörigen Anime. [...] Japanische Forscher des Osaka Bioscience Institute benannten nach dem Pokémon ein neu entdecktes Protein, Pikachurin, welchem eine Rolle beim Bewegungssehen zugeschrieben wird.

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Bild: Ana.b747.pokemon.arp.750pix Von: Adrian Pingstone Lizenz: Public Domain. Warning: One or more elements in this image are protected by copyrightSome parts of this file are not fully free but believed to be de minimis for this work. Derivatives of this file which focus more on the non-free element(s) may not qualify as de minimis and may be copyright violations. As a direct consequence it might be needed to review the copyright status if you crop the picture.

Außerdem ist Pikachu sehr gelb, sehr niedlich und vermutlich das einzige Pokémon, das auch viele Nicht-Spieler kennen. Pikachu wird seit mittlerweile 11 Jahren in seinem eigenen Wikipedia-Artikel vorgestellt. Pikachu begann sein deutsches Wikipedialeben am 25. Februar 2005.



Pikachu im Jahr 2005


Die damalige Beschreibung in der Wikipedia lautete:

Pikachu (ピカチュウ Pikachu) ist ein sogenanntes Pokémon aus den gleichnamigen Computerspielen der japanischen Spielesoftwarefirma GAME FREAK inc., sowie dem dazugehörigen Anime. Pikachu stellt eine Art Maus dar und besitzt überwiegend elektrische Fähigkeiten.  (Blitze schleudern, etc.) – es gehört deswegen zum Pokémon-Typ Elektro. Seine interne Pokémon-Nummer ist 156 (25 nach alter Zählung).
Damit dauerte es immerhin drei Jahre bis auf den Pokémon-Artikel von 2002 der Pikachu-Artikel folgte. Die Entwicklung des Artikelinhalts von 2005 bis 2016 gestaltete sich typisch für einen Wikipedia-Artikel. Weg von spielinternen Informationen "Blitze schleudern", hin zu Informationen, mit denen auch Außenstehenden etwas anfangen können, wie beispielsweise, die Information über das nach Pikachu benannte ein Protein. Es wird deutlicher, warum Pikachu eine Bedeutung über die enge Pokémon-Welt hinaus hat. 

Es kann nur eines geben


Pikachu bleibt bis heute das einzige Pokémon, der in einem deutschen Wikipedia-Artikel beschrieben wird, weil nach Meinung der deutschen Wikipedianer kein anderes Pokémon die enge Welt des Spielekosmos verlassen hat. Ansonsten blieben Detailinformationen zu den verschiedenen Pokémon-Varianten dort, wo sie die deutsche Wikipedia am liebsten hat. Im - viel zu langen und komplett unlesbaren - Hauptartikel zu Pokémon an sich.

Selbst die "Liste der Pokémon" brauchte acht Jahre vom Entstehen des Pokémon-Artikels bevor sie seit 2010 in der deutschen Wikipedia bestehen blieb. Nicht, dass es nicht Leute versucht hätten und sich die Liste nicht zwischenzeitlich in den Jahren von 2002 bis 2010 immer mal wieder einige Monate halten konnte. Aber sie fiel dann stets einem Löschantrag zum Opfer.

Die erste Löschdiskussion der Liste im Mai 2006 war dramatisch.:

* "Fangeschwurbel", 
* "Wikipedia ist keine Sammlung fiktiver Nerv-Monster", 
* "Gibt es irgendeinen Mehrwert gegenüber der Pokémon-Wiki außer den Pseudoerklärungen des Namens?", 
*"löschen und nirgends einarbeiten, es wird doch wohl genügend Pokemon-Fanseiten im www geben, die solche Listen führen können."

gegen

* "die Informationen machen den Pokémon-Artikel zu lang", 
* "wichtiges Medium um junge Leser an die Enzyklopädie heranzuführen" 
* "hat Zusatzinformationen wie einzelne Namen".

2006 wurde die Liste gelöscht. Vier Jahre nach dieser Löschdiskussion hat sich die Wikipedia anders entschieden. Heute stehen alle Pokémon von Nummer 1 Bisasam bis zum nicht-mehr-nummerieren Lunala (gezählt der 740. Pokémon) nebeneinander in der Liste einschließlich der Bezeichnung auf englisch, französisch, japanisch und koreanisch, der Typ (Bisasam: Pflanze/Gift Lunala: Psycho/Geist) und der Kategorie (Bisasam: Samen Lunala: Mondscheibe). Für Nicht-Pokémonista ist dort nicht erklärt, was Typ und Kategorie bedeuten.

Braucht Bisasam einen Artikel?


Dabei wäre beispielsweise ein Artikel über Bisasam diskutabel. Nach Pikachu ist Bisasam das Pokémon, das auch außerhalb der Szene am bekanntesten ist. In der Szene selbst ist es sogar beliebter als Pikachu selbst. Immerhin heißt das englische Pokémon-Spezial-Wiki Bulbapedia nach Bisasams englischer Bezeichnung Bulbasaur. Im deutschen Pokéwiki wiederum ist Bisasam der einzige Artikel über ein Pokémon, der als lesenswert ausgezeichnet wurde.

Bisasam brachte es in der deutschen Wikipedia hingegen auf 13 Löschungen, bevor die Seite komplett gegen Neuanlagen gesperrt wurde. Hier eine Übersicht über die Löschbegründungen:


Die Begründungen laufen im Wesentlichen auf "Fancruft" hinaus. Oder, länger formuliert, es gibt nichts über Bisasam zu sagen, was außerhalb der Spiele von Relevanz wäre oder für das es andere Quellen als die Spielanleitungen gibt.

Deshalb ist die Frage nicht unspannend, wie Wikipedia-Artikel über Bisasam aussähe. Im Pokéwiki bestehen normale Artikel über einzelne Pokémon vor allem aus langen Listen von Fähigkeiten, Entwicklungen und Stufen, die tatsächlich nur für Spieler relevant sind - und größtenteils auch für diese überhaupt nur verständlich. Bei Bisasam ist der Text länger: Dort erfahre ich zum Beispiel:

Bisasams Knolle ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Fähigkeiten. [...] Da Bisasam seine Knolle kurzzeitig an der Spitze öffnen kann, kann es die in der Knolle enthaltenen Samen auch offensiv nutzen, indem es den Gegner mit Samen bombardiert oder auf den Gegner einen Egelsamen schießt, der ihn bepflanzt und ihm Energie absaugt...

In den Spielen ist Bisasam vor allem bekannt für seine Rolle als Starter-Pokémon, die es in den Spielen Pokémon Rot, Blau, Feuerrot und Blattgrün innehat. Zu Beginn dieser Spiele kann sich der Protagonist bei Professor Eich in Alabastia eines von drei Starter-Pokémon aussuchen, zu denen neben Bisasam auch Glumanda und Schiggy gehören. Wählt der Protagonist Schiggy, wird der Rivale Blau Bisasam als Starter-Pokémon wählen. In diesem Fall kämpft Blau dreimal mit Bisasam gegen den Protagonisten: In Professor Eichs Labor, auf Route 22 und in Azuria City.
Das gibt mir tatsächlich einen ganz guten Eindruck wie Pokémon funktioniert und wie es sich von innen heraus anfühlt. Geschrieben wurde der Text aber deutlich von Spielern für Spieler. Mehr externe Perspektive als in im Pokéwiki sollte es in der Wikipedia geben.

Bisasam in der englischen Wikipedia


Glücklicherweise sieht die englische Wikipedia das anders mit den Pokémon als die deutsche Wikipedia. Ein Blick auf den Text im Englischen lässt den Vergleich zu. Dort hat zwar bei weitem nicht jedes Pokémon seinen eigenen Artikel - die englische Wikipedia kennt 43 Artikel zu Pokémon von denen es über 700 gibt. Aber Bulbasaur schon.

Der Artikel über Bulbasaur existiert in der englischen Wikipedia seit 13 Jahren und hat mittlerweile 25.000 Zeichen. Er ist ein schönes Beispiel, wie es hätte anders laufen können. Dort erfährt der Leser, dass Bulbsaur/Bisasam von Ken Sugimori gestaltet wurde, der Name sich aus "Bulb" (Blumenzwiebel) und "[Dino]saurier" zusammensetzt. Es werden viele Vorkommen in vielen Videospielen nacherzählt, noch mehr Vorkommen als diversestes Werbemittel von Flugzeugbemalungen über McDonalds-Happy Meals aufgezählt und erwähnt, dass es die Insel Niue eine Münze mit Bulbasaur auf der Rückseite ausgegeben hat. Außerdem hat die Games-Fachplattform IGN Bulbasaur zum 52. besten Pokémon aller Zeiten gekürt.

Und ich frage mich: handelt es sich beim englischen Wikipedia-Artikel nicht einfach um eine Nacherzählung von Pressemitteilungen? Steht in der englischen Wikipedia nicht der Pokéwiki-Artikel in schlechter? Menschen drucken/prägen/gießen/virtualisieren ein fiktives Monster um Geld zu verdienen. Das sollen sie machen.. Aber ist es wirklich ein Enzyklopädieartikel nachzuerzählen wann/wo/wer dieses tat? Ist es mehr als eine Rohdatensammlung?

Ist es sinnvoll, eine Spielanleitung nachzuerzählen, die einerseits niemand nutzt, der nicht spielt, andererseits dann doch nicht detailliert genug ist, um als Anleitung zu taugen?

Vermutlich hat die Existenz des Bulbasaur-Artikels in der englischen Wikipedia Leute an Wikipedia gebunden/nicht verschreckt, die sonst gegangen wären. Vermutlich hat es viel internen Streit vermieden, eher offen an das Thema heranzugehen. Die praktische Erfahrung zeigt, dass Artikelschreiben viel einfacher ist, wenn man sich nicht dauernd gedanken machen muss, ob ein Thema relevant ist. Aber ist es das wert, dass Wikipedia sich gleichzeitig als ausgelagerte Pressestelle von Nintendo präsentiert?

Was lässt sich daraus lernen - nicht über Pikachu und Bisasam - sondern über die deutsche Wikipedia?

(1) Der Umgangston in Teilen der deutschen Wikipedia war schon 2006 unterirdisch.

(2) Die deutsche Wikipedia hat ein hohes Grundmisstrauen gegenüber reinen Datensammlungen. Ein Wiki funktioniert mit Text gut, zumindest technisch ist es mit Datensammlungen schwierig.

(3) Die deutsche Wikipedia hat ein hohes Grundmisstrauen gegenüber kontrollierter Information. Bisasam hat das Pokémon-Universum nie verlassen. Alles was je an Information über Bisasam öffentlich wurde und öffentlich werden kann, geht letztlich auf Game Freak und Nintendo zurück. Letztlich läuft jeder Artikel auf eine Umformulierung von Inhalten der Anbieter zurück. Die deutsche Wikipedia versteht sich nicht als Reformulierer von Pressemitteilungen.

(4) Auch in der deutschen Wikipedia ist die Lage seit 2006 deutlich entspannter geworden. Die Liste der Pokémon immerhin steht seit sechs Jahren in der Wikipedia.

Bonus: Pokémon Go


Als Bonus die Aufrufzahlen für den Wikpedia-Artikel zu Pokémon Go. Der Hype ist schon vorbei.



Weiterlesen

Die Iberty-Artikel zur Kultur im engeren und weiteren Sinne stehen unter Kultur in Iberty! 

Mehr zu einzelnen Aspekten der deutschen Wikipedia findet sich beispielsweise unter Wikipedia von A bis Z. Ein Versuch.

Ein kurzer Einwurf dazu, wo Wikipedia politisch steht: Wo steht Wikipedia so politisch.

10 Jahre KNORKE 2005-2015 Stadtrundgang mit Wikipedia

21:14, Monday, 26 2018 February UTC

Was waren das für Zeiten im Jahre 2005. Die Wikipedia war klein. Die Welt war groß und aufregend. Dabei ging es in der Wikipedia nicht nur um abstrakte Konzepte, tote alte Männer und den Stoff der Schullehrbücher. Zum Wissen der Welt gehörte auch Wissen über das persönliche Umfeld, das pralle Leben direkt vor der eigenen Haustür oder in U-Bahn-Nähe entfernt.

Hermannstraße (Rixdorf) Apollo-Theater-Garten anno 1900 AK gemeinfrei  
Ort des erstes KNORKES: die Hermannstraße.

Neben den Artikeln über Philosophie und Physik oder Barock und Bariton entstanden in jenen Anfangsjahren auch Wikipedia-Artikel über das eigene Umfeld. Gerade in Berlin präsentiert sich dieses Umfeld nicht immer hübsch und geleckt, sondern auch mal rau und nicht für jeden Stadtführer geeignet.

So um 2005 beschlossen verschiedene Berliner unter den Wikipedianern (unter anderem die Autoren Cornelius, Achim., Lienhard, Rainer) einen Artikel über eine Straße zu schreiben. Die Hermannstraße ist eine Hauptstraße in Neukölln. Sie macht alles aus, was eben auch Neukölln ausmacht: historische Friedhöfe, sozialer Brennpunkt, Fahrradfahren im Slalomverkehr, lebendiges Leben des Kleingewerbes und jede Menge Casinos und Cafés.

Wenn man über eine Straße schreibt, die vor der eigenen Haustür liegt, liegt es nahe, sich diese persönlich anzuschauen. Wenn man zusammen am Thema schreibt, liegt es nahe, sich die Straße zusammen anzuschauen. Der erste wikipedianische Stadtbegehung war geboren. Am 4. Dezember 2005 fand die erste "KNORKE"-Tour der Wikipedia statt. Der Benutzer Marbot war noch nicht als der Meister des perfekten Protokolls dabei, der er später werden sollte, so dass die schriftlichen Überlieferungen spärlich blieben. Was uns im Archiv erhalten blieb, kulminierte in dem Satz:

Im Handwerkerstübchen rund 1 Meter hoher Cappuccino mit zwei Meter Sahne drauf und gefühlten 68 Keksen rundrum für schlappe 1,50 oder so und so weiter ..

Was auch immer bei jener legendären Tour noch geschah: der Artikel über die Hermannstraße wurde zu einem Artikel ausgebaut, der innerhalb der Wikipedia als Qualitätsartikel gilt(*). Die Stadtbegehung fand wieder statt, diesmal an anderen Orten.

Wannsee29
KNORKE on Tour: Hier auf dem Weg zum Wannsee. Bild: Jcornelius CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons

Bereits am 26. Februar 2006 folgte die zweite Tour  am und um den Hackescher Markt und einen Monat später der dritte Anlauf durch die Prenzlauer Allee.


Betreut, gepflegt und koordiniert von den Autoren Cornelius und Lecartia fanden innerhalb des ersten Jahres 10 KNORKE-Wanderungen von Wannsee/Kladow über die "Rote Insel" in Schöneberg, den Beusselkiez in Moabit bis hin zum Osktkreuz statt. In den folgenden Jahren sank und stieg die Begeisterung.

KNORKE-Touren gab es unter anderem im Bayerischen Viertel, im Zillekiez, Links und Rechts vom Ku'damm, zu den AEG-Fabriken auf dem Wedding/Humboldthain, nach Friedrichshagen und durch das Botschaftsviertel. WIr gingen rund um das Autobahnkreuz Schöneberg, wir folgten den 1920ern in Schöneberg-Nord und erkundeten zuletzt Mariendorf. Zusätzlich fanden Sonder-KNORKES mit Adventsessen oder Spieleabend statt.

Der KNORKE-Enthusiasmus folgte dabei dem Rhythmus der Wikipedia. Nach enthusiastischen Aufbruchsjahren und schneller Expansion, spielte es sich danach etwas ein und verlor etwas an Energie. Insgesamt gab es 48 KNORKES in stark wechselnder Frequenz:

2005: 1 Tour
2006: 9 Touren
2007: 8
2008: 12
2009: 6
2010: 2
2011: 2
2012: 4
2013: 2
2014: 2
2015: 0
2016: 1 (bisher geplant)

Karte Berlin Landnutzung
Berlin, Berlin, wir laufen durch Berlin. Bild: By Maximilian Dörrbecker (Chumwa) CC BY-SA 2.0 or ODbL, via Wikimedia Commons

Die Touren verliefen recht unterschiedlich. Allen gemein ist: jemand lädt auf der KNORKE-Hauptseite ein, dann kommen Menschen und man läuft zusammen offenen Auges und wachen Geistes durch die Stadt. Mal sind es lange Waldwanderungen mit seltenen Kurzpausen wie bei Lienhards Tour durch die Morellenberge im Berliner Westend. Mal gibt es historisch erschlossenes in dichter Folge wie beispielsweise die Tour durch das Schloss Charlottenburg mit Achim, Cornelius und Ralf.

Mal sind es Touren ins wahre Leben selbst, "Berlin in your face" geradezu wie die KNORKE-Pioniertat in der Hermannstraße, Ralfs Führung durch die Potsdamer Straße oder Denis' Tour durch den szenigen Schöneberger Norden. Auf jeden Fall wird viel geschaut, viel geredet und für eine Gruppe von 5 bis 15 Leuten auch überraschend viel gelaufen.

Ab und an werden in Folge oder Vorbereitung der Tour Wikipedia-Artikel geschrieben und verbessert. Anfangs dokumentierten die Knorkisten, welche Artikel und Bilder entstanden, im Laufe der Gewöhnung an den Event ließ der Enthusiasmus bei der Dokumentation allerdings nach.

Mal sind die Touren minutiös vorbereitet und geplant, mal gehen alle aus davon aus, dass sie nichts wissen, aber neugierig sind (wie zum Beispiel in Reinickendorf) und mal wissen die Mitlaufenden auch deutlich mehr als derjenige der die Tour plante. Manchmal glauben die Mitlaufenden nur mehr zu wissen als die Person, die vorbereitete. Das wird anstrengend.

Berlin Wedding bayer parkhaus 14.11.2015 13-40-01
Für das 49. KNORKE folgt die Müllerstraße im Wedding.

10 Jahre - KNORKE ist nicht tot. Im Januar geht es weiter mit einer Tour entlang der Müllerstraße im Wedding. Vielleicht klappt im Februar ja zum 50. mal die Jubiläumsausgabe wieder durch die Hermannstraße.

Berlin ist groß, jeder Berliner entdeckt wohl immer noch regelmäßig komplett neue Stadtteile. Und die Stadt verändert sich: Neukölln 2015 ist nicht mehr Neukölln 2005. Es bleibt spannend.

Weiterlesen


Der Bericht der angesprochenen Tour durch den Wedding findet sich unter Tanz auf dem Guglhupf, Automatenmaden und die „brutalism appreciation society“ im #wedding

Daraus entwickelte sich das WikiWedding-Projekt, um den Wedding mehr in die Wikipedia zu bringen: Randlage.

Zum KNORKE-Jubiläum veranstaltete ich eine Wiederholungswanderung durch die Hermannstraße - die unter anderem zur Erkenntnis führte, dass die Straße kaum besichtigt wurde: Wikipedistas ignorieren wiederholt die Hermannstraße

Alle Posts zu KNORKE und sonstigen kulturellen Aktivitäten liegen unter: Kultur in Iberty. 



OT: Ein Hoch auf die Bahn

21:31, Sunday, 26 2017 November UTC

Mehrfach in der Woche fahre ich mit der Deutschen Bahn (Regionalbahn) und für den Verein und für die Wikipedia fahre ich auch mehrmals im Jahr weite Strecken. Dabei bin ich natürlich auch von Verspätungen und sonstigen Ärgernissen nicht gefeilt – man kennt es ja, und ja, ich schimpfe auch oft.

Heute aber möchte ich die Deutsche Bahn einmal ausdrücklich loben; und zwar dafür, das sie meinen Laptop gerettet haben.

Was war passiert? Ich bin heute vor einer Woche von der Mitgliederversammlung aus Berlin nach Hause gefahren und in Hanau ausgestiegen. Und als ich gerade die Treppe zum Querbahnsteig runtergehen wollte, fiel mir auf, das ich alles mitgenommen hatte – nur die Laptop-Tasche stand noch im Abteil. Zugtüren waren schon zu, der Schaffner hatte schon gepfiffen, der Zug fuhr ohne Erbarmen ab – und mit ihm mein Laptop.

Bahn-Hotline angerufen, relativ schnell jemand am Telefon gehabt. Die haben mich an die 3S-Zentrale in Frankfurt verwiesen. Dort angerufen, gleich jemand dran gehabt. Die haben jemand an den Bahnsteig in Frankfurt (nächster Halt des ICEs) geschickt und den Schaffner informiert. Banges Warten. Dann die Rückinfo: War kein Durchkommen, Zugpersonal hatte Wechsel, Laptop noch im Zug. Nächste Möglichkeit: Mannheim. Dort angerufen, wieder gleich jemand dran gehabt. Gleiches Vorgehen wie in Frankfurt angekündigt. Nach zähen Warten dann der Rückruf: Laptop-Tasche wurde gefunden, und ein Dell-Laptop wäre auch noch drin. Jackpot!

Bin dann am Montag gleich nach Mannheim gefahren. Die Dame im Bahn-Fundbüro war nett, und nach kurzem Suchen hatte sie auch meine Tasche. Die Bahn hatte Inventur gemacht (was man so Alles in so ’ner Tasche hat…), und 5€ später hatte ich meinen Laptop wieder.

Also egal wie sehr ich das nächste Mal wieder fluchen werde, wenn mir ein Anschlusszug vor der Nase wegfährt: Die DB hat wirklich was gut bei mir. Das war echt gute Arbeit.

Jimbos Neue: Wikitribune

10:35, Thursday, 02 2017 November UTC

Wie heise bereits gestern meldete, ist Jimbo Wales neues Projekt Wikitribune online gegangen (aktuell wohl noch beta). Ähnlich wie bei wikinews sollen dort wohl Nachrichten entstehen – wobei dort wohl auch neue Nachrichten erstellt werden sollen.

Größtes Problem in meinen Augen ist die Real-Namens-Pflicht – zwar soll es Ausnahmen geben, aber zumindest mein Versuch mich mit Nick anzumelden, wurde von einem Admin abgelehnt; ausgedachte Namen gehen aber durch.

Ob die Welt wirklich noch eine Nachrichten-Seite braucht, bleibt abzuwarten – aber der Lexikon-Markt war ja auch schon mal befriedigt ;-).

Wikiwand: Wikipedia endlich bequem und schön lesen

11:19, Tuesday, 15 2017 August UTC

Haben Sie sich für Wikipedia schon einmal ein schöneres Design gewünscht? Vielleicht ein Layout, das nicht an die 80er-Jahre erinnert, eine andere, größere Schrift, vielleicht einfach irgendeine Veränderung?

Dass sich das Design von Wikipedia seit Langem nicht bemerkenswert geändert hat, hat gute Gründe: Eine große, langjährige Community ist mit dem Design gewachsen und hat sich daran gewöhnt. Warum ändern, wenn es so funktioniert? Schwierig wird es, alle in ein Boot zu holen, wenn es darum geht, Veränderungen umzusetzen. Ist anders, neu immer wirklich besser?

Während die Wikimedia Foundation seit 2010 all ihre Projekte auf der Vector Skin laufen lässt, gab es auch Vorschläge wie Athena, die Wikipedia neu zu designen.

Wikipediaredefined.com ist ein externer Vorschlag einer Werbeagentur, Wikipedia von Grund auf umzudesignen. Die Ansätze sind sehr interessant und auch sehr schön und einen Blick wert.

Browser-Reader Wikiwand

Wikiwand ist ein sehr guter Reader für Wikipedia. Als Browserplugin greift er stark in das angezeigte Layout ein und bietet ablenkungsfreies, angenehmes Lesen der Artikel. Manche Detailinformationen von Seiten fehlen hier naturgemäß, es lässt sich aber jederzeit mit einem Klick auf die Originalseite wechseln.

Wikiwand funktioniert auf Chrome, Safari und Firefox, mobil auf iPhone und in beta auch auf Android. Zufälligen Artikel auf Wikiwand lesen.

Alle Bilder: Wikiwand Presskit

Wikiwand Logo Beispielseite NASA Suche Linkvorschau Inhaltsverzeichnis

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Kurier: Kritzolina ist nun Community Advocate

12:33, Monday, 31 2017 July UTC

Wie uns CSteigenberger mitteilt, bekleidet sie seit Anfang Juli eine Position als Community Advocate bei der WMF.

Zukunftsprozess WMDE

12:32, Sunday, 30 2017 July UTC

Wie uns Tim Moritz Hector als Präsident von WMDE mitteilt hat der Verein begonnen sich – wieder einmal – über die Zukunft von WMDE Gedanken zu machen. Aktuell befragt er dazu externe Dritte, aber in ein paar Monaten dürfen auch wir Normalos uns zu Wort melden.

Meiner Meinung nach sind solch weit-reichende Planungen Zeitverschwendung, weil sie durch die Wirklichkeit eh schnell überholt werden; ich wollte euch aber trotzdem in Kenntnis setzen.

Kurier: Quora als Quelle in deWP

15:45, Thursday, 20 2017 July UTC

Kuebi hat im Kurier eine Analyse über die Einbindungen von Quora – einer Frageseite ähnlich gutefrage.net oder stackexchange.com – als Quelle in der deutschsprachigen Wikipedia gepostet. Von den elf Verlinkungen ist wohl nur Eine wirklich sinnvoll, und das auch nicht als Quelle sondern als Weblink auf eine Primärquelle.

So praktisch solche Seiten auch sein mögen – als Quelle oder Referenz für die Wikipedia sind sie zumeist ungeeignet; Kuebis Text zeigt wieder einmal sehr deutlich, wieso.

IeS: WikiCon-Teilnahme

18:45, Thursday, 13 2017 July UTC

Heute kam die Reisekostenübernahme-Bestätigung für die WikiCon: Ihr könnt also quasi damit rechnen, mich in Leipzig zu sehen. Für das Programm habe ich die übliche PGP-Keysigning-Party und zwei Vorträge eingereicht; mal sehen, was durchkommt.

Freue mich auf jeden Fall schon 😃.

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