June 18, 2018


Außerdem in dieser Ausgabe: eine geplante Straßenaktion vom Team Politik & Recht von Wikimedia Deutschland, Neues aus dem movementweiten Strategieprozess, ein neuer Vorstand bei Wikimedia Polen und die Integration des Reiseführers Wikivoyage in eine Navigations-App.

Zur Wikimedia:Woche 24/2018 geht es hier.

June 10, 2018


 

In der Wikimedia:Woche 23/2018 geht es unter anderem um aktuelle Empfehlungen zur Verteilung von Spenden im Wikimedia-Movement und Einnahmen, Ausgaben und Gehälter der Leitungsebene der Wikimedia Foundation. Außerdem zu finden sind Videos zu der Veranstaltung mit dem Titel „Wem gehört die Kunst?“, bei der diskutiert wurde, ob gemeinfreie Kunstwerke auch digital gemeinfrei bleiben sollten. Es gibt eine neue Stellenanzeige bei Wikimedia Deutschland und für die WikiCon 2018 ist der Call for Papers gestartet.

Zur Wikimedia:Woche 23/2018 geht es hier.

June 08, 2018

Elisabeth Mandl für WMDE, Jungwikipedianer in Erfurt 2, CC BY-SA 4.0

Um Jugendliche zu befähigen, Denkmäler zu erkennen, in guter Qualität zu fotografieren und schließlich am größten Fotowettbewerb der Welt, Wiki Loves Monuments, teilzunehmen, fand am ersten Juniwochenende ein Foto-Workshop in Erfurt statt.

Wiki Loves Monuments ruft jeden September Wikipedia-Leserinnen und -Leser sowie Fotografie-Begeisterte dazu auf, lokale Schätze und ferne Paläste mit der Welt zu teilen. Es geht darum, Kultur- und Baudenkmäler mit Hilfe von Fotos für alle sichtbar zu machen und zu bewahren. Organisiert wird der Wettbewerb von Freiwilligen. Sie wollen mehr Menschen auf das sie umgebende Kulturerbe aufmerksam machen und so zum Denkmalschutz beitragen. Dabei sind sie ziemlich erfolgreich: Allein in Deutschland kommen durch Wiki Loves Monuments jährlich über 20.000 neue Bilder ins freie Medienarchiv Wikimedia Commons.

Warum fand der Workshop aber ausgerechnet in Erfurt statt? „Wir sind in Erfurt, weil die Teilnehmenden sich die Stadt ausgesucht haben. Hier gibt es viele Denkmäler, die Innenstadt ist nur wenig vom Krieg zerstört und wir haben hier die Chance, Fotomotive zu finden und die Wikipedia zu erweitern mit Gebäuden, die noch niemand fotografiert hat”, erklärt Workshop-Organisator Stefan Schneider. Erfurt ist auch deshalb besonders, weil die gesamte Innenstadt unter Denkmalschutz steht und es deswegen eine große und spannende Auswahl an Motiven gibt.

Elisabeth Mandl für WMDE, Jungwikipedianer in Erfurt, CC BY-SA 4.0

Was ist ein Denkmal und ab wann ist zum Beispiel ein Gebäude ein Denkmal? Die Kulturvermittlerin Stephanie Reiterer erklärte den Teilnehmenden, dass der Begriff „Denkmal” selbst im stetigen Wandel ist und viele unterschiedliche Bedeutungen hat. Die Dinge, die man im Alltag sieht und gar nicht als Denkmal wahrnimmt, sind oft etwas Besonderes. So können neben Gebäuden auch Statuen, Gedenksteine, Obelisken, Schilder, U-Bahnhöfe und auch Baulücken ein Denkmal sein. Generell lässt sich sagen, dass ein Denkmal etwas aus historischer, wissenschaftlicher oder künstlerischer Sicht so Bedeutsames ist, dass man es für die Öffentlichkeit erhalten möchte. Für den Fotowettbewerb Wiki Loves Monuments gibt es Hilfestellungen in Form von Listen für jedes Bundesland, an denen sich die Teilnehmenden orientieren können.

Danach wurden die Jugendlichen vom Fotografen Volkmar Billep in die Denkmalfotografie eingeweiht. Es wurde relativ schnell deutlich, mit welchen Herausforderungen dies einhergeht, denn dreidimensionale Gebäude sind mit ihrer Form und Gestaltung schwer auf einem einzigen Bild einzufangen. Auch Fragen zur Größe und Dimension wurden aufgeworfen. Bilde ich beispielsweise die Kuppel des Pantheons mit den Menschen darin ab, damit die Proportionen deutlich werden? Und wie kann ich die Details der Fassade hervorheben?

Elisabeth Mandl für WMDE, Erfurter Dom, CC BY-SA 4.0

Dass das alles aber machbar ist und kreativ umgesetzt werden kann, wurde schnell in der Praxis deutlich. Denn all die theoretischen Erkenntnisse konnten in einem Fotowalk geleitet von Wikipedianer Benutzer:Stepro ausprobiert werden. Neben dem Erfurter Dom und der Krämerbrücke gab es viel zu entdecken und es wurde vor allem der Fokus auf alle noch nicht fotografierten denkmalgeschützten Häuser gelegt. Damit nicht nur das theoretisch Gelernte angewendet, sondern auch ganz nebenbei die Wikipedia noch vollständiger wird.

Und wer weiß, vielleicht ist ja eines der in Erfurt entstandenen Bilder unter den diesjährigen Preisträgern bei Wiki Loves Monuments.

Elisabeth Mandl für WMDE, Jungwikipedianer vor Krämerbrücke, CC BY-SA 4.0

Weitere Informationen zum Workshop gibt es auf https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Jungwikipedianer/Foto-Workshop

 

June 07, 2018

Rolf Sachsse, Barbara Fischer, Bernd Fiedler, Ellen Euler und Peter Weibel auf dem Podium. Foto: Denis Schroeder (WMDE), CC BY-SA 4.0

Trotz hochsommerlicher Temperaturen dachten am vorvergangenen Wochenende knapp 100 Gäste im düster-blauen Schein des Medientheaters im ZKM in Karlsruhe über Kunst- und Gemeinfreiheit und deren Grenzen im Digitalen nach. Der Wikimedia-Salon am 26.5.2018 im Rahmen der 22. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland warf die große Frage auf: „Wem gehört die Kunst?”

Groß auch die Besetzung des Podiums: Peter Weibel, berühmt-berüchtigt nicht nur für seinen assoziativen Erzählstil, sondern auch für einen radikalen Digital-Enthusiasmus, mit dem er das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien seit 1999 zu einem weltweit führenden Ort der Erforschung, Produktion und Vermittlung von Medienkunst erhoben hat, saß neben Ellen Euler, Professorin für Open Data und Open Access an der Fachhochschule Potsdam, Rolf Sachsse, Professor für Photographie, Designgeschichte und -theorie und Mitgründer der Verwertungsgesellschaft Bild – Kunst, sowie Barbara Fischer, langjährige Open Culture-Expertin bei Wikimedia Deutschland und inzwischen an der Deutschen Nationalbibliothek in der Arbeitsstelle für Standardisierung tätig.

„Das Gefängnis des analogen Raums muss durch die Mittel des Digitalen durchbrochen werden“, so stützte Peter Weibel dann auch gleich zu Beginn die Erwartungen an seine offene Haltung zum digitalen Wandel.

„Gemeinfreies sollte auch digital gemeinfrei bleiben. Dafür können Museen Sorge tragen.“

Valerie Schandl (Wikimedia Deutschland e. V.), CC BY-SA 4.0

Der Rechtsstreit zwischen Wikimedia und den Reiss-Engelhorn-Museen um ein Digitalisat eines Richard-Wagner-Gemäldes, der in Karlsruhe am Bundesgerichtshof verhandelt wird, weist weit über den Einzelfall hinaus; er wirft wichtige gesellschaftliche Fragen auf.

Der Zugang zu Bildung und Kultur für alle Menschen, unabhängig von Status und Geldbeutel, wird in der Politik, in Wissenschaft, Kultur und Bildung stets zur Priorität erklärt. Doch wie steht es bei konkreten Anwendungsfällen wie der Frage, ob Reproduktions-Fotos von gemeinfreien Gemälden der Allgemeinheit frei zur Verfügung stehen sollten, eben etwa zu Bildungszwecken? Dafür müsste rechtlich geklärt werden, ob neue Rechte an digitalen Reproduktionen entstehen dürfen, oder nicht.

Dass gegenwärtig neue Rechte bei der Digitalisierung gemeinfreier Werke entstehen, sieht Ellen Euler problematisch. Museen könnten durchaus dafür Sorge tragen, dass Gemeinfreies auch digital gemeinfrei bleibt.

 

Beispielsweise kann bei Leihgaben für Ausstellungen durchaus nachgefragt werden, warum die ganze Sammlung unter Fotoverbot steht, wenn gemeinfreie Werke darunter sind. Vielfach kann man sich durchaus fragen, woher das Festhalten an solchen Gewohnheiten oder am Hausrecht rührt, das in Konsequenz über den Beitrag zur Wissensallmende und das Gemeinwohl gestellt wird. Prozesse wie Reiss-Engelhorn gegen Wikimedia führten dazu, meinte Peter Weibel, dass der Wind langsam in die richtige Richtung wehe – Richtung Öffnung des Zugangs zu Kunst. Ob diese Prognose stimmt, bleibt abzuwarten.

Das Plakat zur Veranstaltung fragte daher bildsprachlich: Wem gehört der digitale Wagner? Das Urteil war für den Sommer angekündigt, verzögert sich aber. Wir sind gespannt, da sich hier weitreichende Fragen zur Wissensverbreitung und ganz konkrete Auswirkungen für Wikipedianerinnen und Wikipedianer verschränken.

Museen haben einen Bildungsauftrag – auch im Digitalen

„Wem gehört die Kunst?” – Eigentlich eine Suggestivfrage; denn wer würde schon bestreiten, dass Kunst uns allen gehören sollte, als Inspirationsquelle, als Basis, um Neues zu schaffen? Ob Kunst mit Bildungsanspruch oder dilettantischer Quatsch dabei herauskommt, wichtig sei, dass Menschen Zugang zu Kunst haben und Neues aus ihr schaffen können”, meinte Barbara Fischer. Kunst sei auch ein Mittel der Auseinandersetzung, des Dialogs, den man eben nicht allein führen könne. Darum müsse die Kunst, nachdem die Schöpferin oder der Schöpfer davon profitieren konnte, letztlich wieder in die Wissensallmende zurückkehren. Denn alle Kunst basiere auf dem schon Bestehenden, wie die alltägliche Praxis des MashUp und Remixing im Netz zeigt.

Mit Skelex virtuell Schlangen entdecken. Foto: Lisa Dittmer, WMDE. CC BY-SA 4.0

Die Digitalisierung öffnet vielfältigste Möglichkeiten für Kultur- und Gedächtnisinstitutionen, vom analogen Bewahrer des Originals zum lebendigen Ort der Austausches innerhalb der vernetzten Gesellschaft zu werden. Gerade die Beziehung zum Publikum sei nicht mit einem Selbstverständnis als Schaufenster von Kulturerbe zu erreichen, meinte Barbara Fischer. Als Beispiel, wie plastisch und körperlich Kulturerbe durch digitale Mittel erlebt werden kann, wurde der Kultur-Hackathon Coding da Vinci angeführt. Skelex, eine Virtual-Reality-Anwendung und preisgekröntes Coding da Vinci-Projekt, gab im ZKM einen Einblick in das Museum der Zukunft, in dem Anfassen sehr wohl erlaubt ist.

„Es reicht nicht, im Digitalen präsent zu sein, in dem man das Analoge ins Digitale überführt“, sagte Ellen Euler über die Digitalisierung von Kulturgütern. Das digitale Kulturgut muss auch erlebbar und nachnutzbar sein. Es werden durch die Digitalisierung neue Strategien der Kunstvermittlung und Zugänglichmachung nötig, die die eigentliche Herausforderung darstellten.

Original und Reproduktion – ein glückliches Paar?

Beschädigt die Möglichkeit zur massenhaften digitalen Reproduktion die Bedeutsamkeit des Originals? Im Gegenteil: „Die digitale Reproduktion stärkt das Original!”, meinte Peter Weibel unter Zustimmung des Podiums. Wenn die Bekanntheit eines Werks durch die Zirkulation im Netz steigt, macht dies das Original wertvoller, da die Nachfrage, die buchstäbliche Sehnsucht danach steigt, und damit auch die Besuchszahlen von Museen vor Ort. Kunst sei aber nichts für Massen, wandte Rolf Sachsse ein. Die Vermittlung, die auch Wikipedia und Wikimedia Commons leistet, könne ein Interesse an Kunst wecken. Man müsse sich Kunst allerdings körperlich aussetzen, um sie wahrhaftig zu erfahren.

Viele Museen legen Wert auf die Anfertigung hochqualitativer Reproduktions-Fotos durch ihre Hausfotografen und argumentieren mit entsprechenden Gewinnen aus Motivverkäufen, auf die sie auch angewiesen seien. „Mit dem Erlös aus Reproduktionen gewinnen Institutionen den einen oder anderen Euro, aber sie vergraben letztlich ihr Tafelsilber, wenn sie ihre Schätze nicht der Allmende weitergeben“, kommentierte Barbara Fischer. Doch Kunst ist aus guten Gründen urheberrechtlich geschützt, wandte Ellen Euler ein, Professorin für Open Data an der Fachhochschule Potsdam. Ein Werk gehört zunächst seiner Schöpferin oder seinem Schöpfer, der oder die eine gewisse Verfügungsgewalt über die Kunst hat. Sobald das Werk aber an die Öffentlichkeit gelangt, gehöre Kunst uns allen.

Zum Schluss outete sich Peter Weibel als echter Wikipedia-Fan: „Wikipedia und Wikimedia – das ist quasi eine parastaatliche Wissensbewegung, ein Sturm aus Hunderttausenden, die Wissen verbreiten, was der Staat eben nicht schafft, das finde ich sehr bewundernswert“. Wir bedanken uns für die Gastfreundschaft! 

Die gesamte Veranstaltung zum Nachschauen:

Der nächste Wikimedia-Salon findet am 15. September 2018 zum Thema „S=Sprachgewalt. Frauen im Netz.“ im Rahmen der Feministischen Sommeruni 2018 in der Humboldt-Universität Berlin statt, näheres siehe Salon-Webseite.

Links:

Was sind deine Erinnerungen an Schulexperimente?

Mein Highlight war ein Besuch an der Uni, wo wir zum ersten Mal „echte“ Experimente erleben durften. Es war einfach toll, mit den Forschenden zu interagieren. Als Doktorandin habe ich dann selbst öfter Schulklassen besucht. Das ist immer spannend, kostet aber auch viel Zeit – Zeit, die man als Wissenschaftlerin genau wie als Lehrer erst einmal frei räumen muss! Als nach und nach auch Anfragen von weiter entfernten Schulen kamen, musste ich irgendwann einlenken:

Kerstin Göpfrich, RingaScientist-1, CC BY-SA 4.0

Ich kann nicht persönlich vorbeikommen, aber wie wäre es mit einem virtuellen Besuch per Skype? Denn eine Videokonferenz lässt sich optimal in meinen Arbeitsalltag integrieren – wir Forschende kommunizieren ohnehin oft per Webcam. Zeitaufwand: Eine Stunde statt ein Arbeitstag. Auf einmal konnte ich auch echte Labor-Experimente zeigen, die ich nie ins Klassenzimmer hätte mitnehmen können. Oder Schulen im ländlichen Raum erreichen, weit über das lokale Umfeld hinaus. Die virtuelle Interaktion klappt super – auch wenn sie Laborbesuche nicht ersetzen, sondern nur ergänzen soll.

Zeitmangel ist der häufigste Grund, wieso Wissenschaftler Outreach scheuen. „Achso, das geht auch per Skype? Ja, dann gerne“, hörte ich immer wieder von meinen Kolleginnen und Kollegen. Jemand müsste eine Plattform aufsetzen, über die sich Lehrende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vernetzen und Termine für Videotelefonate vereinbaren können, dachte ich mir. Durch die Unterstützung des Fellowprogramms Freies Wissen entstand genau so eine Plattform: Ring-a-Scientist.

Wie müssen wir uns das in der Praxis vorstellen? Welche Experimente können Schülerinnen und Schüler dank deines Projektes miterleben? Hast du bereits bestimmte Highlights?

Das Ganze funktioniert so: Auf www.ring-a-scientist.org stellen sich die Wissenschaftler aus unserer Datenbank vor – vom Erstsemestler bis zur Professorin aus den unterschiedlichsten Fachdisziplinen. Über eine Login-Funktion können sie ihr Profil jederzeit anpassen. Direkt über die Plattform kann der Lehrer dann auch eine Terminanfrage an die oder den Forschenden versenden. Mögliche Gesprächsinhalte reichen, je nach Fachrichtung, von Studienberatung und Diskussionsrunden mit Expertinnen und Experten hin zu virtuellen Laborführungen, Experimenten und Einblicken in die aktuelle Forschung.

Kerstin Göpfrich, RingaScientist-3, CC BY-SA 4.0

Ich habe schon ganz verschiedene Experimente live per Skype gezeigt – zum Beispiel den ersten tragbaren DNA Sequenzierer im Biologieunterricht oder ein Rasterkraftmikroskop im Fach Physik. Auch an meiner aktuellen Forschung – DNA Origami – zeigen die Schüler oft großes Interesse. Meine Highlights? Jedes neue Profil auf der Website und jede Anfrage von Lehrern!

Warum engagierst du dich für Freies Wissen und Offene Wissenschaft? Wie und warum wird die Welt von Ring-a-Scientist profitieren?

Mein Engagement für Freies Wissen ist nicht nur reiner Idealismus, sondern ich tue es durchaus auch für mich selbst. Im Forschungsalltag helfen die Prinzipien und Werkzeuge der Offenen Wissenschaft, Laborabläufe, Daten und die Ausbildung von Studenten effizienter zu gestalten. Durch kollaboratives und offenes Arbeiten profitieren am Ende alle. Dafür hat mir durchaus auch das Fellow-Programm die Augen geöffnet.

Ich wünsche mir, dass Projekte, wie Ring-a-Scientist (und viele andere!), dazu beitragen, dass aktuelle Forschung ihren Weg an die Schulen findet. Dann wird Wissenschaft als Prozess erlebbar. Ein Verständnis für aktuelle Themen macht Schüler und Schülerinnen zu mündigen Bürgern, die die Chancen und Risiken zukunftsweisender Technologien im gesellschaftlichen Dialog verantwortungsvoll abwägen können. Genau einen solchen Diskurs wünsche ich mir für meine eigene Disziplin!

Durch den aktiven Austausch mit Forschenden sollen Schülerinnen und Schüler bestärkt werden, Wissen nicht nur passiv aufzunehmen, sondern in einem offenen und kollaborativen Prozess zu nutzen und zu mehren. Langfristig sollen aber nicht nur Schulen von Ring-a-Scientist profitieren, denn Web-Videokonferenzen mit Wissenschaftlern lassen sich auch anderweitig einsetzen: Im Museum zum Beispiel werde ich beim Forschen bald als „Live-Exponat“ zu sehen sein. So soll Ring-a-Scientist einen Beitrag zur Chancengleichheit beim Zugang zu Wissen und Bildung leisten.

Wie sieht die Zukunft von Ring-a-Scientist aus? Hättest du einen Wunsch frei, was würdest du dir wünschen?

Ring-a-Scientist steht immer noch am Anfang. Aber immerhin ist die Web-Plattform jetzt – dank der tatkräftigen Unterstützung – voll funktional. Jetzt heißt es Werbetrommel rühren! Ich freue mich über jeden neuen Forschenden, den wir für unsere Plattform gewinnen können. Und selbstverständlich über jede Anfrage von Lehrerinnen und Lehrern. Ich wünsche mir ein weltweites Netzwerk. Ich wünsche mir, dass es ganz selbstverständlich wird, Experten oder Laborexperimente ab und zu in eine interaktive Unterrichtsstunde mit einzubeziehen.

Leider gibt es hierzulande aber noch Hürden. Laut einer Studien der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2017 haben 20% der Schulen immer noch kein WLAN und nur gut 30% sind mit der WLAN-Qualität zufrieden. Das muss sich ändern! Deshalb ein letzter Wunsch: Technologie des 21. Jahrhunderts für Bildung im 21. Jahrhundert!

Kerstin Göpfrich, RingaScientist-4, CC BY-SA 4.0

Kerstin Göpfrich ist promovierte Physikerin und beschäftigt sich als Post-doc am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung mit synthetischer Biologie. Per Webcam macht sie ihre Forschung für Schüler zugänglich um zu einem informierten gesellschaftlichen Dialog über zukunftsweisende Technologien beizutragen. Im Rahmen dieses Projekts will sie genau das auch anderen Wissenschaftlern erleichtern. Auf www.ring-a-scienist.org entsteht eine Internetplattform, über die Lehrerinnen und Lehrer und Forschende unbürokratisch Termine für ein Videotelefonat im Unterricht vereinbaren können.

 

Weiterführende Informationen zu Forschungsvorhaben im Fellow-Programm Freies Wissen:

  1. Open-Science-Radio Interview: OSR096 Fellow Programm Projekte: Ring-a-Scientist, Organizing Openness
  2. Projektseite im Fellow-Programm Freies Wissen: Ring-a-Scientist

Zum Fellow-Programm Freies Wissen:

Das Fellow-Programm Freies Wissen ist ein gemeinsames Projekt von Wikimedia Deutschland, dem Stifterverband und der VolkswagenStiftung und richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachdisziplinen, die ihre Forschungsprozesse offen gestalten möchten.

Das Programm ist darauf ausgerichtet, dass Bestandteile des wissenschaftlichen Prozesses wie beispielsweise Methoden, Forschungsdaten und Publikationen offen zugänglich und nachnutzbar gemacht werden. Auf diese Weise können der Öffentlichkeit — aber auch anderen Forschenden — diese Daten und Informationen als Wissensallmende zur Verfügung gestellt werden. Die Idee einer offenen Wissenschaft und Forschung im Sinne von Offener Wissenschaft zu stärken, ist zentrales Anliegen des Programms: Transparenz, Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit wissenschaftlichen Arbeitens sind dafür elementare Voraussetzungen.

June 06, 2018

Das erste mal in der Geschichte der Menschheit trafen sich Wikipedia-interessierte Menschen, um gemeinsam und im Austausch die Cocktail-Artikel in der Online-Enzyklopädie zu verbessern. Erkenntnisse. des Tages: viele neue Teilnehmer; die Cocktail--Interessierten waren unfassbar freundlich; echte Nerds lassen sich auch von einem Raum voller frei-Alkoholika nicht von der Tätigkeit abhalten; ein guter Cocktail ist schon was besonderes. 

Wiki Loves Cocktails logo symbol

Cocktails in der Wikipedia


Was mich an der Wikipedia fasziniert, ist die unglaubliche Vielfältigkeit der Themen und Perspektiven. Was ich sehr schätze, ist, dass dort jedes Thema vom Pizzakarton bis zur UNO-Vollversammlung ernst genommen wird. Die Wikipedia hat den Anspruch hat über alles fair, ausgewogen und mit Hintergrund zu informieren. Dazu gehören auch Nischenthemen wie Cocktails: (fast) jeder trinkt sie, aber die wenigsten kommen über gesundes oder auch seltsames Halbwissen hinaus. Um so dankbarer bin ich dem Benutzer:Mangomix, der sich seit Jahren den Cocktailartikeln annimmt, und versucht diese auf ein lesbares Niveau zu heben. Artikel wie beispielsweise der Old Fashioned sind Mangomix mittlerweile großes Kino. Er schreibt aber nicht nur selbst, sondern hat im Laufe der Zeit ein Projekt in der Wikipedia zu diesem Thema gegründet, dessen erstes Treffen Ende September in Hamburg stattfand: sich über Cocktails austauschen, Cocktails so fotografieren wie sie aussehen sollen und potenziellen Neuautoren Wikipedia vermitteln. Klang spannend, sinnvoll und lecker: also nichts wie hin.

Bildrechte und Tequila


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Royal Bermuda Yacht Club Bild: Ralf Roletschek [FAL], via Wikimedia Commons

Also abends nach der Arbeit in den Zug gefallen und nach Hamburg gefahren. Die Ankunft in der Stadt war irritierend: auf dem Fußweg vom Hauptbahnhof zum Wikipedia-Kontor-Hamburg sind mir mehrfach betrunkene Menschen in Dirndl und/oder Lederhosen entgegengekommen - liebe Bayern, ihr wisst dass der Rest der Menschheit bald nur noch an Saufen denkt, wenn er eine Lederhose sieht?



Aber egal, angekommen im Kontor fühlte ich mich gleich heimisch auf einer Wikipedia-Veranstaltung: es gab einen Powerpoint-Vortrag über Bildrechte; auch wenn es da wenig neues für mich gab, war die Menge der Anwesenden doch spannend: einige Wikipedianer, vor allem aber nicht-Wikipedianer - echte Cocktails-Nerds, die neben ihrem wahrlich enzyklopäidschen Interesse und Wissen über Cocktails auch auszeichnet, dass sie unfassbar nett sind. Es folgt noch ein kleiner Geburtstagschampagner(*) und dann ein Ausflug in den Chug-Club - wie quasi alles an dem Wochenende sehr empfehlenswert - und ein kleiner Mankind (Tequila, Jajapeno, Ananas) zum Abendessen. Um es dann nicht allzuspät werden zu lassen - der Samstag wartete ja schon mit Aufgaben - gingen wir zu halbwegs zivilen Zeiten. Überraschenderweise hatte ich den Eindruck dass wir noch die nüchternsten Anwesenden in einer Freitag-Spätabend-U-Bahn-in Hamburg waren.

Mixen, Schreiben, Fotografieren


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Allzeit bereit. Bild: Ralf Roletschek [FAL], via Wikimedia Commons

Aber wir waren ja nicht zum Feiern da, sondern zum Arbeiten. Am nächsten Morgen folgte der Aufbruch vom Hotel, vorbei an einer nahegelegenen Pferdemetzgerei (hjamm, lecker) und mit der U-Bahn einmal in ein Gewerbegebiet am anderen Ende Hamburgs. In der Bahn dann Unterhaltungen über Dance-Musik, den Salz-/Esseiggurkenäquator quer durch Deutschland und echtes Barbecue in Berlin. Schlußendlich kamen wir bei einem Abfüller und Importeur von Spirituosen und anderen, überwiegend alkoholischen Getränken an, der freundlicherweise die unternehmenseigene Bar und deren Getränkebestand für das Shooting zur Verfügung stellte.

Die Cocktailianer bauten und bastelten, Zutaten wurden gesichtet, Zitronenkisten ausgepackt, Gläser noch einmal abgewischt und kurze Diskussionen über die Relevanz und Wichtigkeit einzelner Cocktails fanden statt. Die Zeit war begrenzt und dank Mangomixes' praktischer Liste der meistgelesenen Cocktailartikel (**) in der Wikipedia wussten wir auch recht gut, wofür die Leserinnen und Leser sich tatsächlich interessieren. Die ersten Cocktails wurden gemixt, nicht ohne Diskussionen über richtige Glaswahl und Garnierung und quasi im Minutentakt durch das Lichtzelt geschoben.

Double straining a cocktail
Doppelt abseihen Bild: von SKopp (Eigenes Werk) [CC BY 4.0], via Wikimedia Commons

Da das Tempo der Fotografen das Tempo der Mixer überstieg, kam bei der Gelegenheit auch noch das gesamte Bar-Equipment vor die Kamera. Fachbücher waren auch noch vorhanden, so dass Menschen wie ich - der ich der Fotografie-Materialschlacht immer so gar nichts abgewinnen kann - auch noch ein paar nette Artikel schrieben konnte, wie der zum Bronx-Cocktail oder zur Cocktailkirsche. Gleichzeitig war dies natürlich eine gute Gelegenheit zur inspirierenden Recherche: ich sah mfangreiche Recherchen zum Tequila und habe mich selbst mal über Martinez und Royal Bermuda Yacht Club kundig gemacht.

Horses Neck
Horse's Neck Bild: von Cocktailmarler (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Cocktails wurden natürlich auch getrunken, es wäre ja zu schade gewesen, alles wegzuschütten. Allerdings sind auch größere Teile im Abfluss gelandet - sei es weil diversen Cocktails nach der Fotografiererei untrinkbar warm geworden waren, sei es weil die Leute ja da waren, um Dinge zu tun - und dabei doch eher nüchtern bleiben wollten. Immerhin, es gab Kostproben, und wie es sich gehörte wurden diese rumgereicht und jeder hat mal probiert. Was mir immerhin einen Schluck vom besten Cuba Libre meines Lebens, einen Ramos Gin Fizz (auch der beste, aber nicht schwer, weil der erste) und den bereits erwähnten Royal Bermuda Yacht Club einbrachte.

Und dann hört es auf 


Leider musste ich dann los. Verpasste den Rest des Samstags-Shootings, ebenso wie den - sicher extrem deliziösen - Abend und die Fortsetzung der Veranstaltung am Sonntag. Ein Wiederholen ist auf jeden Fall sehr angebracht!

Wiki loves cocktails
Bild: von UweRohwedder (Eigenes Werk) [CC BY 4.0], via Wikimedia Commons

(*) Für die Menschen, die sowas interessiert: alle Getränke auf den Abendveranstaltungen waren privat gezahlt.
(**) Wes es interessiert, und wer zu faul ist zum clicken: die Top 3 im August waren Hugo, Mojito und Caipirina. Jetzt im Herbst (September) sieht es schon wieder anders aus mit Airmail, Mexikaner und Martini und über das ganze Jahre gerechnet ist wohl der Martini der absolute Favorit.

I still remember the time when real life meetings for Wikipedians were new and adventurous and a bit scary. Did one really want to meet these strange other people from the Internet? How would they be? Could they even talk in real life or would they just sit behind a laptop screen staring on it for hours?

My first meeting in Hamburg – THE first Wikipedia meeting in Hamburg - would consist of three people (Hi Anneke, Hi Baldhur!) sitting in a pub, and just waiting and seeing what would happen. These meetings were kind of improvised, in a pub, quite private and personal in nature and no talk about projects, collaborations, “the movement” whatever. Just Wikipedia and Wikipedians having a nice evening.

WP15 Germany Berlin 01
Bild: By Sargoth, CC BY-SA 3.0

So what a fitting setting to celebrate this day in Berlin just the old school way. Half improvised, organized by our dearest local troll user:Schlesinger on a talk page, we met in a pub, it was not clear who would come and what would happen except some people having a good time.

And so It was. In the “Matzbach” in the heart of Berlin-Kreuzberg seven people promised to come, in the end we were almost twenty. Long time Wikipedians, long-time-no-see-Wikipedians, a Wikipedian active mostly in Polish and Afrikaans, some newbies and two and a half people from Wikimedia Deutschland. Veronica from Wikimedia Deutschland brought a tiny but wonderful home-baked cake, and we just talked and laughed, talked about history and future.  Actually, mostly we talked about future.

WP15 Germany Berlin 03
Bild: By Sargoth, CC BY-SA 3.0

About the Wikipedian above 30, who has just started a new a university degree in archaeology, the question whether the Berlin community should have its own independent space, industrial beer, craft beer and the differences, the district of Berlin-Wedding, the temporary David-Bowie-memorial in Berlin-Schöneberg, the vending machine for fishing bait in Wedding, new pub meet-ups in the future, who should come to the open editing events, how to work better with libraries, colorful Wikipedians who weren’t there, looking for a new flat, whether perfectionism is helpful or rather not when planning something for Wikipedians, explaining Wikipedia to the newbie, the difficulties of cake-cutting and whatsoever.

No frustration, almost no talk about meta and politics, just Wikipedians interested in the world, Wikipedia and eager to be active in and for Wikipedia and with big plans for the future. Old school. So good.

WP15 Berlin Torte angeschnitten

Brockhaus


Die Brockhaus Enzyklopädie ist ein mehrbändiges Nachschlagewerk in deutscher Sprache, das zuletzt von dem zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Wissen Media Verlag herausgegeben wurde. Ist es ein Nachschlagewerk? War es ein Nachschlagewerk? Seit einigen Jahren befindet sich der Brockhaus in einer Art Limbo des Untotseins. Irgendwie existiert er noch. So richtig aber auch nicht mehr. Ohne jetzt die Irrungen und Wirrungen des ehemaligen Goldstandards der deutschen Nachschlagewerke nachzuerzählen, reicht es mir zu erwähnen, dass noch vor 10 Jahren der Brockhaus quasi das unerreichbare Ziel, die große Messlatte und die ferne Vision dessen war, was Wikipedia mal werden sollte. Genau wie Wikipedia den Brockhaus anscheinend maßlos überschätzte, so war und ist der Brockhaus selbst ratlos wie er mit der Wikipedia umgehen sollte. Man weiss nicht mal, ob man von vertanen Chancen reden soll. Denn hatte der Brockhaus je Chancen?

Chiara Ohoven


Chiara Ohoven

Chiara Ohoven ist ein deutsches It-Girl. Viel mehr wissen wir nicht, da Wikipedia den zu Chiara gehörigen Artikel permanent löscht. Vor einigen Jahren erlangte sie kurzzeitig deutschlandweite Berühmtheit durch eine Do-it-Yourself Schönheits-OPs mit Schlauchbootlippen als Ergebnis, fand aber vor den Do-it-Yourself-Enzyklopädisten damit keine Gnade. Ansonsten folgt Chiara ihrer Mutter und ihrem Vater auf das Parkett der High Society und des Glamours. Und da kein Wikipedianer je zur High Society gehörte oder gehören wird, gilt sie in Wikipedia weiterhin als nicht-relevant.

Donauturm


Der Donauturm ist ein Aussichtsturm[4] inmitten des Donauparks im 22. Wiener Gemeindebezirk Donaustadt. Darüberhinaus sieht der Donauturm aus wie ein Fernsehturm, was zu einem der erbittersten Editwars in der Wikipedia-Geschichte führte. Dort der Fachmensch für Fernsehtürme, der sich sehr sicher war, dass Fernsehturm die Bezeichnung eines bestimmten architektonischen Typs ist, dort eine Gruppe Wiener und Österreicher, die darauf verwiesen, dass von diesem Turm kein Fernsehsignal übertragen wird, noch nie ein Fernsehsignal übertragen wurde und niemand je plante von diesem Turm aus ein Fernsehsignal zu übertragen. Beide Seiten standen fester zu ihrem Standpunkt als der Donauturm im Wiener Boden. Schlußendlich führte der Editwar zu einem mehrseitigem Artikel im Spiegel, gebrochenen Herzen, frustrierten Wikipedianern und der Tatsache, dass jeder Wikipedianer weiß wie der Donauturm aussieht.


Elian


Elian ist ein in den 1980er Jahren aus dem Französischen entlehnter männlicher Vorname. Er geht auf den Beinamen Aelianus, eine Ableitung des römischen Geschlechternamens Aelius, zurück. elian (klein geschrieben und gesprochen eher wie Alien) kann auch als weiblicher Internetnickname genutzt werden. Ohne elian keine Wikipedia so wie wir sie kennen.

Gdansk


Glenn Danzig at Wacken Open Air 2013 02

Danzig (polnisch Gdańsk Zum Anhören bitte klicken! [ɡdaɲsk],[3] kaschubisch Gduńsk), die Hauptstadt der Woiwodschaft Pommern im Norden von Polen, liegt an der Ostsee rund 350 km nordwestlich von Warschau und steht mit über 460.000 Einwohnern auf der Liste der bevölkerungsreichsten Städte Polens auf Platz sechs. Außerdem ist Gdansk anlass des ersten Edit Wars, den ich persönlich mitbekommen habe. Es war 2003. Es war in der englischen Wikipedia. Deutsche und polnische Nationalisten ähnlicher Anstregenheit konnten sich nicht einigen, ob die Stadt nun Danzig oder Gdansk heißt. Hilflos naive und offensichtlich überforderte Amerikaner versuchten zu vermitteln. Der interessante Moment kam, als der Edit-War zur Frage überging, ob die Band Danzig nun "benannt ist nach der Stadt Gdansk, ehemals Danzig" oder "benannt ist nach der Stadt Danzig, heute Gdansk".


Hubertus


Hubertus ist ein männlicher Vorname. Er wird NICHT Atze abgekürzt.

Kreuz


Curious Myths p 81
Bild: Page of symbols referenced in s:Curious Myths of the Middle Ages. 1868 von Sabine Baring-Gould. Public Domain.

Das Kreuz ist ein weltweit verbreitetes Symbol, das insbesondere religiöse und kulturelle Bedeutung hat. In diesen Bedeutungen hat sich Wikipedia unentrinnbar verheddert. Einerseits ist das Kreuz-Symbol ein wunderbares Beispiel dafür, welche Probleme das Internetprojekt mit Ambivalenzen und Mehrdeutigkeiten jeder Art hat. Andererseits ist der Streit darum ein tragischer Fall epischen Ausmaßes, der die Wikipedia-Community über Jahre in Aufregung hielt, die Nerven dutzender Wikipedianer verschliss und für Verzweiflung und Frustration allüberall sorgte. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: das Kreuz ist natürlich DAS Symbol des Christentums und symbolisiert Jesu Tod. Daraus folgend wurde † zum Symbol für den Tod. Das † kommt in der Wikipedia in Lebensdaten vor. (Beispiel: * 1600 †1666). Nun waren und sind sich die Wikpedianer nicht einig, ob †ein Symbol ohne jede Bedeutung ist, die einfach Standard ist, oder ob es immer noch christlich konnotiert ist. Bei Artikeln zu Menschen nicht-christlichen Glaubens kam und kommt es zum Streit. Ist das Kreuz nun eine christliche Usurpation von Nicht-Christen oder ist der Versuch deren Tod anders darzustellen - beispielsweise durch "gestorben 1666" ein Vebrechen an enzyklopädischer Neutralität und verstößt gegen die Einheitlichkeit der Form, die anzustreben ist? 

Lutz Heilmann


Siehe → Streisand-Effekt

Narrenschiff 


Das Narrenschiff (alternativ: Daß Narrenschyff ad Narragoniam) des Sebastian Brant (1457–1521), 1494 gedruckt von Johann Bergmann von Olpe in Basel, wurde das erfolgreichste deutschsprachige Buch vor der Reformation. Es handelt sich um eine spätmittelalterliche Moralsatire, die eine Typologie von über 100 Narren bei einer Schifffahrt mit Kurs auf das fiktive Land Narragonien entwirft und so der Welt durch eine unterhaltsame Schilderung ihrer Laster und Eigenheiten kritisch und satirisch den Spiegel vorhält. Im Wikipedianischen Zusammenhang war das Narrenschiff eine Art Mitteilungsblatt des Hans Bug, in dem er die Wikipedianer und ihre Laster und Untaten kritisierte. Bugs Narrenschiff war inhaltlich und qualitativ von Sebastian Brants Narrenschiff entfernt, wie es heutige Nachwuchswikipediakritiker von Bugs Narrenschiff sind. Wenn etwas in den letzten Jahren extrem gelitten hat, dann das Niveau der internen Wikipedia-Kritik.

München


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Bild: Wikipediastammtisch München 2005. Von: Hella Breitkopf Linzenz: CC-Attribution-Share Alike 3.0 Unported

München?/i [ˈmʏnçn̩] ( bairisch  Minga?/i) ist die Landeshauptstadt des Freistaates Bayern. Sie ist mit ca. 1,45 Millionen Einwohnern die einwohnerstärkste und flächengrößte Stadt Bayerns und, nach Berlin und Hamburg, die nach Einwohnern drittgrößte Kommune Deutschlands und die zwölftgrößte der Europäischen Union. Wikipedia-historisch ist München wichtig, da hier am 28. Oktober 2003, organisiert von → elian, das allerallererste Wikipedia-Treffen überhaupt stattfand. Und nachdem sich die Münchner einmal getroffen hatten und feststellen, dass es gar nicht so schlimm ist, folgten Treffen in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, Boston, Taipeh, Alexandria bis es dann 2014 zum bisher größten Treffen in London mit knapp 2.000 Teilnehmern kam. Siehe auch → Wikimania, Stammtisch.


Nordsee


Die Nordsee ist ein Mehr, ein teil der Atlant, zwischen Grossbritannien, Skandinavien, und Friesland. Siehe auch Kattegatt, die Niederlanden, Deutschland.


Relevanz 


Relevanz (lat./ital.: re-levare „[den Waagebalken, eine Sache] wieder bzw. erneut in die Höhe heben“) ist eine Bezeichnung für die Bedeutsamkeit und damit sekundär auch eine situationsbezogene Wichtigkeit, die jemand etwas in einem bestimmten Zusammenhang beimisst. Das Wort ist der Bildungssprache zugeordnet[1] und bezieht sich auf Einschätzungen und Vergleiche innerhalb eines Sach- oder Fachgebietes. Das Antonym Irrelevanz (Adjektiv: irrelevant) ist entsprechend eine Bezeichnung für Bedeutungslosigkeit im gegebenen Zusammenhang, umgangssprachlich vereinfacht auch für allgemeine Sinnlosigkeit oder Unwichtigkeit. Das Fremdwort für eine allgemeine, qualitativ messbare Wichtigkeit ist Importanz. Siehe auch → Löschkandidaten, Relevanzkriterien, Inklusionismus, Exklusionismus, Tschunk.

Strecke


Eisenbahnstrecke wird die Verbindung von Orten mit einem Schienenweg genannt. Im Gegensatz dazu bezeichnet der Begriff (Eisen-)Bahnlinie den auf diesen Strecken regelmäßig stattfindenden Verkehr. So können auf einer Strecke mehrere Bahnlinien oder eine Bahnlinie auf mehreren Strecken verkehren. Nach herrschender Meinung in der Wikipedia sind Strecken relevant und Linien irrelevant. Oder umgekehrt. Ich kann es mir nicht wirklich merken. Wobei die Regel zwar grundsätzlich gilt, bei Wiener Straßenbahnlinien gelten allerdings Sonderregeln und es ist andersrum. Und da wundert man sich, warum sich niemand mehr an Artikel zu Eisenbahnen herantraut.

Volker Grassmuck


Volker Grassmuck (* 1961 in Hannover) ist ein deutscher Publizist und Soziologe. Er ist assoziierter Professor für Mediensoziologie an der Leuphana Universität Lüneburg. Wikipediahistorisch ist Grassmuck gleich zweimal wichtig. Zum einen war er auf der Gründungsversammlung von → Wikimedia Deutschland anwesend, was uns ein wunderbare Video bescherte.

Zum anderen veröffentlichte er 2002 ein Buch über Freie Software. Dieses Buch enthielt eine Fußnote, in der Wikipedia erwähnt wurde. Diese Fußnote brachte nicht nur den Verfasser dieser Zeilen zur Wikipedia, sondern auch → elian zur Wikipedia brachte.


Eine gelöschte Schlachteplatte führte mich in die Vergangenheit zu zwei rundlichen Herren mit Schnauzbart auf dem Straight-Edge-Konzert. Der Wikipedia-Schreibwettbewerb sorgte dafür, dass ich nachträglich noch beeindruckt von Nirvana war. Ich verstehe Widersprüche, die ich mit 19 einfach so hingenommen hatte:

„Vegan Straight Edge, Eigenbezeichnung auch xVx, oder VSxE war eine Szene innerhalb der Punk/Hardcoreszene. Leitsätze der Szene waren "kein Alkohol, keine Drogen, keine tierischen Produkte". Sie entwickelte sich Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre aus der Straight-Edge-Szene, als diese zunehmend auch vegane Ernährung propagierte und sich politisch für Tierrechte engagierte.“

Dieser Satz steht seit einigen Wochen in der Wikipedia. Er steht dort als Einleitung zum Artikel [[Vegan Straight Edge]], den ich Anfang März 2018 zu schreiben begann. Der Artikel befindet sich schon länger im Stadium des Unfertigen, denn ich habe Probleme. Gab es Vegan Straight Edge wirklich als abgrenzbare Szene? Oder war es eine Szene oder doch zwei verschiedene in den USA und Europa? Kann man sie klar genug vom restlichen Straight Edge trennen? Um die Frage, auf die Rechtschreibung einzudampfen: war es vegan Straight Edge oder Vegan Straight Edge?


Wurstbruehe
Wurstbrühe beim Kochen (Hausschlachtung) von: Jens Jäpel Lizenz: Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“

Fragen über Fragen, die eigentlich nur entstanden, weil sich in der Wikipedia ein linksbewegter Autor und ein landwirtschaftsnaher Autor in einen epischen Streit über Schlachteplatten und Massentierhaltung hineinbewegten. Schließlich kamen beide zum Schreibwettbewerb. Beim Wikipedia-Schreibwettbewerb schreiben Autoren in einem Zeitraum von einem Monat zu einem bestimmten Thema. Eine Jury aus Wikipedianern bewertet den besten Artikel. Die meisten Preise stammen von anderen Wikipedianern und bewegen sich im Rahmen zwischen selbstgemachter Marmelade und Buch-Gutscheinen.

Youth of Today at SO36 (2010)
Youth of Today (2010). von: Libertinus Yomango Lizenz: r Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch“ (US-amerikanisch)

In diesen Wettbewerb nun gerieten die beiden Autoren und eskalierten beim Schreibwettbewerb weiter. Schließlich führte es dazu, dass der eine Autor eine Schlachteplatte als Preis für den besten Artikel mit Veganismus-Bezug aussetzte. Der andere lief kreischend und hyperventilierend um den virtuellen Block lief. Ich dachte „Hausgemachte Schlachteplatten sind super, Veganismus ist spannend. Gerade den veganen Punk-Tierrechtler bin ich schon oft genug in der Realität über den Weg gelaufen. Es wird Zeit, einen Wikipedia-Artikel zu schreiben!“ Die ersten Recherchen sprachen für das Thema: es gibt Autoren, die Vegan Straight Edge als eigene Szene sehen.



Der Schlachteplatten-Preis für den Schreibwettbewerb verschwand kurz darauf nach Intervention der Wikipedia-Administratoren, und mit dem Thema tue ich mich schwerer als gedachte. Aber nun hänge ich drin.   

Straight Edge? Vegan? Hardcore?


Erst war Punk. Dessen Geschichte wurde viele Male erzählt und soll hier vorausgesetzt werden. Aus Punk entwickelte sich Anfang der 1980er in Washington, D.C. die Musikrichtung Hardcore – oder harDCore: musikalisch schneller als Punk und stilistisch alle Überbleibsel des Glamrocks hinter sich lassend. Junge Männer mit sehr kurzen Haaren, in Kapuzenpullis und Chucks spielen präzise sehr schnelle und sehr kurze Gitarrensongs.


Out of Step - der eine definierende Song auf den sich alle Hardcore-Anhänger einigen können. Man beachte auch das schwarze Schaf ganz am Ende.


Fast gleichzeitig mit Hardcore entwickelte sich die Straight-Edge-Bewegung. Straight Edge heißt mindestens „kein Alkohol und keine Drogen“, konnte aber noch um beliebige "No"s erweitert werden: Kein Sex, kein Kaffee, kein Fleisch, keine Milch, kein Leder, kein was auch immer. Eine Jugendbewegung, deren Hauptmotiv der Verzicht war. Wenig überraschend eigentlich, dass ein signifikanter Teil der Bewegung dann vegan wurde.


Rundliche Männer


Ich persönlich denke bei Straight Edge immer an alte, rundliche Männer, eigentümlich wie es ist. Als Randbewohner des Punk-Hardocre-Universums war mir Straight Edge ein Begriff. Aber mir wirkte es zu elitär. Und auch wenn wir alle in der Gymnasium-Langenhagen-Gang nicht viel tranken und vielleicht alle paar Monate mal kifften – Drogen ablehnen aus Prinzip war nie mein Ding. Straight Edge kannte ich aus den üblichen Szeneheften wie dem ZAP oder all‘ den Punk-Fanzines. Aber wirklich in der Szene war ich nie.

Dann war da dieses Straight-Edge-Konzert im Jugendzentrum Langenhagen. Bands, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere, spielten mittelmäßigen Hardcore. Im Publikum tobten sich hunderte schmächtiger, pickliger Jungen in Hoodies und Turnschuhen aus, die alle ein großes X auf der Hand hatten und so böse schauten wie man mit 17 Jahren und 50 Kilo Lebendgewicht halt schauen kann.

Dann waren noch ein paar Dauer- und Stammgäste des Jugendzentrums anwesend, um die 20.  Und im Gang standen diese beiden Männer, die offensichtlich niemanden kannten. Sie waren um die 40, Schnauzbart, klein, rundlich, Hemd und Jacke. Die Schnauzbartträger hatten sich ein großes X auf die Hand gemalt – als wären Sie direkt einer Comedyserie über schlecht getarnte Zivilpolizisten entstiegen. Seitdem denke ich bei Straight Edge immer an rundliche kleine Männer mit Schnauzbart.


Straight Edge und die Polizei


Nun war es nicht überraschend, dass die Polizei auf diesem Konzert auftauchte. Ausgerechnet diese verhärmten Jünglinge standen mindestens im Verdacht, staatsgefährdende Straftaten zu planen. Drogen wurden auf Straight-Edge-Konzerten natürlich weder gehandelt noch konsumiert. Dafür war die Szene weltweit latent gewaltaffin, in Europa auch eng mit Autonomen, Linksradikalen und radikalen Tierbefreiern vernetzt.

Jugendzentrum Glocksee seitlich
Unabhängiges Jugendzentrum Glocksee (2010). Autor: AxelHH Lizenz: Public Domain

Die Auftrittsorte waren hier, wie im Jugendzentrum Langenhagen, fast immer ehemals besetzte Jugendzentren oder autonome Jugendzentren wie das UJZ Kornstraße in Hannover oder das Glocksee in Hannover oder gleich ganz besetzte Häuser. Politik, Hardcore und Straight Edge hingen für mich immer zusammen. (wie dem auch heute noch ist: wie man jedes Jahr auf dem Resist to Exist in Kremmen sehen kann.)

Für mich waren Punk – Autonome – Hardcore – Besetzte Jugendzentren – sXe – Emocore immer eins – mit verschiedenen Abstufungen und verschiedenen Ausprägungen: aber letztlich dieselbe Szene, deren Mitglieder den Anspruch hatten, die Welt so abzulehnen wie sie ist und eine bessere Welt zu schaffen.

Umso mehr verwirrten mich Bands wie Youth of Today, Cro-Mags oder auch Earth Crisis, die zwar auch echte in der Szene anerkannte Hardcore-Bands waren, aber so unpolitisch bis christlich konservativ – deren Message ich nie verstand. Das war musikalisch nicht viel anders als europäischer Straight Edge, auch mit diesem Weltverbesserungsmessianismus, aber auf eine eigenwillige Art unpolitisch. „Wir wollen die Welt verbessern, können aber nicht sagen, was das Problem ist.“ Manchmal erinnert mich das heute an das Silicon Valley. Wahrscheinlich liegt es gar nicht soweit auseinander.


USA und Europa


Für die Wikipedia-Recherche bin ich das erste Mal gründlich in die Geschichte der Hardcore-Szene vorgedrungen. Bisher hatten da neben den eigenen Erfahrungen und den unzähligen gelesenen Fanzines als Buch Martin Büssers „If the Kids are United“ ausreichen müssen. Nun kamen aber diverse Bücher aus der Berliner Stadtbibliothek hinzu, halbveröffentlichte Bücher in Google Books, digitalisierte Fanzines, Doktorarbeiten und sonst noch alles was da Internet zu bieten hatte.

Da ging mir etwas auf: Hardcore ist größer. Während in Europa und Lateinamerika immer der Zusammenhang Politik-Hausbesetzer-Punks-Hardcore existierte, war das in den USA anders. Gerade die prägende Bands Minor Threat und Fugazi waren nun sehr politisch im europäischen Sinn. Aber viele andere Größen des US-Hardcores übten sich in Jock Culture wie es heißt. Männer, die sich selber ausleben wollen und wenig sonst. Mit ungerichteter Aggressivität, sich manchmal gegen industrielle Tierproduktion richtete, oft genug gegen die eigene Szene.

Die Szene in den USA entwickelte sich unter anderen Voraussetzungen. So gab es dort nie wirklich besetzte Häuser. Die Bands spielten in kommerziellen Clubs, oft zusammen mit anderen Rockbands oder in Washington, D.C. mit Go-Go-Bands. Die linke Szene in den USA war kleiner und abgeschotteter. Konnte man in meiner deutschen Schulzeit gar nicht anders, als sich politisch zu positionieren, wäre der Gedanke sich als Jugendlicher ernsthaft mit Politik zu beschäftigen in großen Teilen der USA geradezu bizarr gewesen. US-Punk und dann US-Hardcore entwickelten sich in einem luftleeren Raum, in mehr oder weniger kommerziellen Clubs. Vegetarismus und Veganismus stießen in großen Teilen der Szene auf ein inhaltliches Vakuum, um so mehr und einfacher konnten sie sich als herrschende Ideologien verbreiten.


Veganismus


Vegetarisch und Vegan wurden Straight Edger und Hardcorler Ende der 1980er. Während einzelne Szeneangehörige schon früher vegetarisch waren, thematisierten Youth of Today im Song No More und die Gorilla Biscuits mit dem Song Cats and Dogs das Thema. Danach entwickelte sich die Sache ziemlich schnell. Es gab Bands wie die Cro Mags oder Earth Crisis, die sich als vegan Straight Edge verstanden.

Sie und ihre Anhänger entwickelten sich schnell hin zum Hardline: militante Tierschützer, die auch aggressiv gegen andere Punks und Hardcore’ler vorgingen, solange sie nicht den strikten Lebensvorstellungen der Hardliner folgten. Da war die einst offene, kreative Szene zu einer Art Sekte geworden. Menschen, die sich als Vegan Straight Edge verstanden, gab es. Aber gab es sie lange genug, um von einer eigenen Szene zu sprechen?

In Europa hingegen, war Veganismus in der Szene immer nur ein Teilaspekt, eingebettet in allgemeine Weltrettung und Kapitalismuskritik. Tatsächlich veganes und vegetarisches Essen war wahrscheinlich verbreiteter, da es oft zum Standard wurde. Die Übergänge allerdings waren dadurch auch fließender.

Und nun geht es mir, wie oft, wenn man mehr zu einem Thema weiß: ich bin ahnungsloser als je zuvor. Es gab vegane Straight Edger. Und zumindest zeitweise haben die sich auch bewusst von den Nicht-veganen abgesetzt. Für Wikpedia reicht es: es ausreichend gibt Literatur, die Vegan Straight Edge (mit "V") beschreibt und selbst unangemeldete Wikipedia-Autoren behaupten, dass es es diese Bewegung noch gibt. Aber waren diese wirklich geschlossen genug für eine eigene Szenedefinition und einen guten Wikipedia-Artikel über sie?

Ausblick: Washington, D.C.


Während ich beim Thema Vegan Straigt Edge ratloser bin, als vor dem Beginn der Recherche, hat sie mir auch neue Welten geöffnet. Washington, DC – die Szene, die vermutlich der europäische Szene am ähnlichsten war. Mit Ian MacKaye als Überfigur, der früh begriff, dass man eigene Labels und Strukturen aufbauen muss, mit der Crew um Dischord Records und mit der sozialen Organisation Positive Force, die der Szene nahestand. Washington wies lange Zeit ein lebendige Szene auf, die im engen Austausch mit dem Vor-Grunge-Hype-Seattle stand.

Eine Szene in Washington, die sich früh politisch verstand – sehr ungewöhnlich für US-Punk – früh Frauen in wichtigen Rollen zuließ; eine Szene in der beispielsweise der 15jährige Dave Grohl (von späterem Nirvana und Foo Fighters Fame) seine ersten Auftritte absolvierte, die Bad Brains – als Reggae-beeinflusste Band – prägend war, und in der auch Bikini Kill und die frühen Nirvana zu ständigen Gästen gehörten. Dann auch die Szene in Washington State um Seattle: uns ja eher bekannt als diejenigen, die Grunge kommerziell und populär machten - hier bestand eine echte, kreative, politische Punk-Szene bevor MTV sie entdeckte. Und in beiden Washingtons: eine Szene mit Dutzenden Fanzines, vermutlich hunderten Bands, die in Bewegung war, sich neu formierte, Sachen ausprobierte und sie wieder verwarf.  

Bands, die ich dabei entdeckte, waren:

Scream mit dem damals 15-jährigen Dave Grohl und der faszinierenden Erkenntnis, was für Langhaarmatten man in den 1980ern auch im Hardcore trug:



Oder Bratmobile, die zur ersten Runde gehörten als die Szene endlich auch Frauen zuließ und diese eigene Bands gründeten:



Vor allem aber entdeckte ich die Go-Go-Szene. Man stelle sich eine Art frühen Hip Hop in funky mit Congas und Bläsersätzen vor. Aber dazu später mehr.

Beim Schreibwettbewerg gewann ich zu recht nichts, da der Wikipedia-Artikel in einem Limbo hängt. Aber ich entdeckte mindestens drei spannende Szenen. Und sehe Helden oder Nicht-Helden meiner Jugend mit anderen Augen. Und das alles nur wegen eines Schlachteplattenstreits.

Weiterlesen


Der unfertige Wikipedia-Artikel zum Thema Vegan Straight Edge.

Zwei Bücher, die mir vieles erklärten:



Marc Andresen / Mark Jenkins: Punk, D.C. Ventil Verlag 2006 (im Original: Dance of Days, Akashic Books 19929. Bericht aus der Szene nach Lektüre zahlreicher Poster und Fanzines. Einerseits mit mehr Detailinfos zu Bands und Orten als ich je haben wollte, aber von den selbst-beteiligten Autoren auch stets auf der Suche nach dem Spirit, der alles zusammenhielt.

Roger Gastman "Pump Me Up. DC subCulture of the 1980s". Ausstellungskatalog zu einer Ausstellung über den Graffiti-Sprayer Cool "Disco" Dan - mit einem breiten Rundumschlag zu allem was in den 1980ern subkuturell in Washington los war. R. Rock Enterprises 2013.

Wie es damals war im Jugendzentrum Langenhagen schrieb ich in Kleinstadt Antifa, 1994

Was der Hardcore-Punk heute so macht, lässt sich auf dem Resist to Exist besichtigen.

Alle Posts zu Politik und Kultur in Iberty liegen unter: Kultur in Iberty!

June 04, 2018

Das Bündnis Freie Bildung möchte gemeinsam mit edulabs am 6. Juni in Berlin die Debatte um Freies Wissen und zeitgemäßes Lehren und Lernen voranbringen. Im Rahmen des Forum Open:Education möchten sie den Austausch zwischen Zivilgesellschaft, Bildungspraxis und politischen Entscheidungsgremien fördern und laden alle Interessierten herzlich zur Teilnahme ein.

Mit Workshops, Diskussionsrunden und Begegnungsständen erhalten Praktikerinnen und Praktiker, Bildungsinitiativen und -projekte eine Plattform, um ihre Arbeit zu präsentieren und Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen.

Der Parlamentarische Abend rundet die Veranstaltung ab, bei dem das Bündnis Freie Bildung mit Bildungspolitikerinnen und -politikern über die Potenziale digitaler Partizipation und die nächsten Schritte innerhalb der digitalen Transformation der Bildung sprechen.

Im Koalitionsvertrag werden zahlreiche Maßnahmen zur Bildungspolitik wie auch eine umfassende Open Educational Resources-Strategie genannt. Im Dialog mit der Community, den Ehren- und Hauptamtlichen im Bereich Open Education, möchten wir die wichtigsten Bedarfe aufzeigen und erörtern, wie Bildung für eine offene digitale Gesellschaft gelingen kann.

Bereits im Vorfeld wurden Stimmen aus der Community eingefangen, um diese in die Podiumsdiskussion einfließen zu lassen und ihre Fragen an die politischen Entscheidungstragenden zu adressieren.

Am Parlamentarischen Abend selbst diskutieren die Bundestagsabgeordneten Marja-Liisa Völlers (SPD) und Tankred Schipanski (CDU) sowie Gabriele Lonz aus dem Bildungsministerium Rheinland-Pfalz und Markus Neuschäfer von edulabs.de gemeinsam mit dem Publikum.

Die Veranstaltung ist offen für alle, die sich für Veränderungen im Bildungsbereich einsetzen und sich für innovative Ansätze interessieren, um freie Bildung nachhaltig voranzubringen.

Das Forum Open:Education findet am 6. Juni 2018 von 16.00 bis 21.30 Uhr in den Spreewerkstätten, Am Krögel 2 in Berlin statt.

Die Veranstaltung ist kostenlos. Hier geht es zum ausführlichen Programm und zur Anmeldung.

Bild: Nina Schuiki für Wikimedia Deutschland, Logo Bündnis Freie Bildung, CC BY-SA 4.0

June 01, 2018

Wikidata, die freie Wissensdatenbank, ist ein essentieller Datenfundus im Ökosystem des Freien Wissens und wurde (unter anderem) gebaut, um das Leben der Wikipedianerinnen und Wikipedianer zu erleichtern. Es enthält Fakten und Zahlen zu vielen Wissensgegenständen, die auch zu Wikipedia-Artikeln verlinkt sind. Durch seine Mehrsprachigkeit kann Wikidata verwendet werden, um Infoboxen auf Wikipedia-Artikelseiten zu füllen, eine kurze Zusammenfassung zum Thema des Artikels zu geben und den Artikel in anderen Sprachen zu verlinken.

Rawpixel, Vintage illustrations by Miss May Rivers digitally enhanced by rawpixel 109, CC BY-SA 4.0

Brandneue Beobachtungslisten

Wikidata kann manchmal überwältigend sein. Die Freiwilligen der Wikipedia bauen gerne Beobachtungslisten zu Artikeln auf, an denen sie arbeiten, und schauen sich das Protokoll der Änderungen an. In früheren Versionen der Beobachtungsliste wurden alle Änderungen in Wikidata angezeigt, was manchmal die Liste mit Informationen überflutete, die nicht einmal in dem Artikel verwendet wurden.

Wir haben die Beobachtungsliste gründlich aufgeräumt. Jetzt wird nur noch angezeigt, was relevant für den Artikel ist und den Informationen wird ein D vorangestellt, wenn sie aus Wikidata stammen. Sogar verschiedene Farben sind möglich! Das folgende Beispiel stammt aus der deutschen Wikipedia, aber die neue Beobachtungsliste ist auch auf allen anderen Wikis als Beta-Funktion verfügbar, die  manuell aktiviert werden muss. Die Anzeige von Wikidata in der Beobachtungsliste ist jedoch keine Beta-Funktion. Dieses Feld kann sofort in der Beobachtungsliste aktiviert werden.

Wikidata Vandalism Dashboard

Wenn Beobachtungslisten und die letzten Änderungen zu viel sind, gibt es auch das Wikidata-Vandalismus-Dashboard. Damit können Benutzerinnen und Benutzer Wikidata-Bearbeitungen für ihnen alle bekannten Sprachen überwachen. Beschreibungen von Datenobjekten werden in der Wikipedia-App für Mobilgeräte angezeigt und sind manchmal ein Ziel für Vandalen. Vandalismus in diesem Bereich kann für eine Weile unbemerkt bleiben was, gelinde gesagt, suboptimal ist. Mit dem Vandalismus-Dashboard stellen wir sicher, dass keine problematische Bearbeitung lange Zeit unbemerkt bleibt.

Das Wikidata-Vandalismus-Dashboard verwendet ORES, die künstliche Intelligenz, die maschinelles Lernen zur Erkennung von Vandalismus in Wikimedia-Projekten verwendet. Über das Dashboard können unbearbeitete Änderungen in einer Sprache angezeigt werden und fragwürdige Änderungen werden markiert. Auf einen Blick wird so angezeigt, welche kürzlich vorgenommenen Änderungen wahrscheinlich Vandalismus sind — natürlich sollte die endgültige Entscheidung darüber, was Vandalismus ist, von einem Menschen gemacht werden, nicht von einer künstlichen Intelligenz. Für kleinere Wikipedias wie zum Beispiel Persisch ist es eigentlich genug, zweimal am Tag durch das Dashboard zu gehen.

Seiteninformationen

Um den Zusammenhang zwischen Wikidata und Wikipedia zu verstehen, ist es immer eine sichere Sache, sich die Seiteninformationen des Wikipedia-Artikels anzusehen. Hier wird angezeigt, welcher Wikidata-Artikel mit dem Artikel in Verbindung steht und welche Inhalte von Wikidata in diesem Artikel verwendet werden — möglicherweise in einer Vorlage, z. B. in einer Infobox. Das kann eine Menge sein, wie der Ausschnitt aus der englischen Wikipedia-Seite zum South Pole Telescope zeigt.

Es funktioniert auch in die entgegengesetzte Richtung: Welche Wikipedien Daten von einem bestimmten Wissensgegenstand verwenden zeigt die Seiteninformationsseite des Wikidata-Datenobjekts an.

Änderungen überwachen, die einem am Herzen liegen

Es gibt auch einige andere kleine Werkzeuge, um das Leben als Wikipedianerin oder Wikipedianer noch besser zu machen. Schauen wir uns ein paar davon an: Das Wikidata SPARQL Recent Changes-Tool von Magnus Manske zeigt Bearbeitungsunterschiede für Artikel, die einer SPARQL-Abfrage entsprechen, z. B. alle französischen Maler in der ersten Oktoberwoche 2017, ohne Bots-Bearbeitungen.

Es gibt natürlich auch Listeria, auch von Magnus — ein viel verwendetes Werkzeug, um Listen aus SPARQL-Abfragen in Wikidata zu generieren, um sie auf Wikipedia-Seiten anzuzeigen. Listen können verwendet werden, um die Datenobjekte zu überwachen, die besonders interessant sind sind und Änderungen zu erkennen. Zusammen sind beide Tools mächtige Werkzeuge für ein Wiki-Projekt, um alle Änderungen an Dingen zu überwachen, die wichtig sind.

Nicht zuletzt gibt es den Wikidata Concepts Monitor, ein ausgefeiltes Werkzeug für Data Science, das einen Einblick in das Leben von Wikidata gibt.

Und noch viel mehr

Darüber hinaus gibt es viele Datenqualitätstools, die in Wikidata selbst verwendet werden. Die wichtigste davon sind Eigenschaftenbeschränkungen (Contraints).

Sie erlauben es, Regeln für Daten zu definieren (wie „das Geburtsdatum und das Todesdatum einer Person sollten nicht länger als 120 Jahre auseinander liegen — sofern sie nicht Zeitreisende sind“).  Aussagen, die gegen eine dieser Einschränkungen verstoßen, werden markiert, damit sie leicht zu erkennen und zu korrigieren sind.

Natürlich werden wir die Tools kontinuierlich weiter verbessern und neue hinzufügen. Es bleibt spannend!

Ran an die Werkzeuge!

Wikidata gibt Wikipedianern viele Möglichkeiten, um Informationen und Änderungen feingranular zu verfolgen. Editierende sollten sich etwas Zeit nehmen, um mehr über die Werkzeuge zu erfahren und sie zu einem Teil ihres Werkzeuggürtels zu machen. Denn schließlich ist die Arbeit auf Wikipedia guter Handwerkskunst nicht unähnlich.

Community kann Kontext. Filter nicht. Foto: Christian Schneider, CC BY-SA 4.0

Du bist in Berlin und möchtest etwas unternehmen? Am Montag, den 18. Juni 2018 um 15 Uhr, laden wir zu einer Straßenaktion gegen das vor dem Informationsbüro der Europäischen Kommission in Berlin ein. Kommt vorbei, werdet laut!

Adresse: Unter den Linden 78/ Fußgängerinsel Wilhelmstraße

Geht nicht? Dann teile deine Bedenken zu Art. 11 und 13 in den sozialen Medien unter dem #fixcopyright und #savetheinternet.

Der Ausschuss der Ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten (auch COREPER genannt) der Europäischen Union hat letzten Freitag eine gemeinsame Position zur Urheberrechtsreform beschlossen.

Die Deutsche Delegation stimmte im Rat gegen das Verhandlungsmandat. Das hatten wir in unserer Bannerkampagne auf Wikipedia und dem entsprechenden Blogbeitrag gefordert, zu dem wir viel Zustimmung und Unterstützungsangebote bekommen haben. Wer Interesse hat, unsere politische Arbeit zu unterstützen und/oder Informationen dazu zu erhalten, kann sich gern unter politik@wikimedia.de melden.

Nun tritt das Gremium unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit EU-Kommission und EU-Parlament in den so genannten Trilog, um eine endgültige Fassung der Reform zu verhandeln. Hochproblematisch sind dabei zwei Bestandteile: Das Leistungsschutzrecht und Upload-Filter, die klare negative Auswirkungen auf die freien Entfaltungsmöglichkeiten im Internet hätten.

Interessen der Zivilgesellschaft werden ignoriert

Kritikerinnen und Kritiker befürchten, dass die geplanten Maßnahmen zur automatisierten Inhaltserkennung- und Löschung eine Infrastruktur für Zensur im Internet schaffen, die weiteren Filtermaßnahmen Tür und Tor öffnet und so die Meinungsäußerungsfreiheit im Netz schleichend aushöhlen kann.

Eine breites Bündnis aus Fachleuten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Kunst- und Kulturschaffenden, Internetwirtschaft und zivilgesellschaftlichen Initiativen weist daher seit knapp zwei Jahren eindringlich auf die Gefahren hin, die durch eine EU-weite Einführung von Leistungsschutzrecht und Upload-Filtern drohen. Sie machen deutlich, dass sie diese Regelungen nicht wollen. (Siehe auch Offener Brief Europäische Upload-Filter-Regelung verhindern sowie Meldungen unter #Uploadfilter, #lsr oder #fixcopyright)

Währenddessen ignoriert der zuständige Verhandler den immer lauter werdenden Protest der Bürgerinnen und Bürger, deren Interessen er eigentlich wahrnehmen und vertreten sollte.

Schon in der Vergangenheit kritisierten wir etwa Last-Minute-Änderungen an Artikel 13, siehe Pressemitteilung.

Leistungsschutzrecht: Rechtszersplitterung droht

Das in Artikel 11 vorgesehene EU-weite Leistungsschutzrecht bedroht unter anderem das Zitieren in der Wikipedia. Selbst für die Verwendung kurzer Nachrichteninhalte, sogenannter Anreißer, wäre nämlich eine Abgabe an die Urheberinnen und Urheber sowie an die Verlage zu entrichten. Der Europäische Rat ist dafür, und auch europäische CDU-Abgeordnete üben hier offenbar massiven Druck aus, siehe auch https://twitter.com/Senficon/status/1001777223324585984.

Der EU-Rat hat nun entschieden, dass jedes Mitgliedsland die genaue Auslegung zum Leistungsschutzrecht selbst vornehmen soll. Alle 28 Mitgliedsstaaten sollen selbst definieren, was “unerhebliche” Ausschnitte eines Textes sind, bis wann ein Textausschnitt also frei nutzbar bleibt und ab wann eine Schöpfungshöhe erreicht ist.

Dies läuft fatal der eigentlichen Intention der Urheberrechtsreform zuwider, einen einheitlichen digitalen Binnenmarkt mit harmonisierten Regelungen zu schaffen. 28 verschiedene Regelungen bedeuten weitere Rechtszersplitterung statt klarer, einheitlicher Regeln.

Upload-Filter: Infrastruktur für weitere Zensurmaßnahmen

 

Durch die in Artikel 13 vorgesehenen Upload-Filter wird die automatisierte Filterung von Content im Netz weiter vorangetrieben. Die größte Sorge besteht darin, dass die Rechtsdurchsetzung über das Urheberrecht nur der erste Schritt ist, um weitere Filtermaßnahmen vorzunehmen. Ist die gesetzliche Grundlage und die Filter-Infrastruktur erst einmal da, ist die Schwelle, sie für weitere Zwecke zu nutzen, gering. Siehe dazu auch den re:publica-talk “Uploadfilter: Nur die erste Schlacht von vielen”.

Der aktuelle Entwurf für Artikel 13 sieht vor, dass alle Plattformen für Rechtsverstöße haftbar gemacht werden sollen, die Uploads von Nutzenden zulassen und veröffentlichen, das sogenannten Providerprivileg entfiele. Damit drohen Löschungen auch legaler Meinungsäußerung, was sowohl Verstöße gegen Europarecht als auch gegen die Grundrechtscharta bedeutete.
Auch Artikel 3 ist problematisch, da im Rahmen von Text- und Data-Mining maschinengestützte Wissensaneignung empfindlich reglementiert werden könnte.

Österreich bald im Fokus europäischer Netzpolitik

Ab dem 1. Juli übernimmt Österreich den EU-Ratsvorsitz und steht dann im Fokus der europäischen Netzpolitik. Katherine Maher, Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation, diskutiert aus diesem Anlass Ende Juni mit Medien- und zivilgesellschaftlichen Vertreterinnen und Vertretern, auf welche Weise gemeinschaftliche Projekte wie die Wikipedia durch die bevorstehenden Urheberrechts-Maßnahmen gefährdet werden.

Wie geht es weiter?

Neben dem Rat verhandelt auch das Parlament mit. Hier steht im zuständigen Rechts-Ausschuss für den 20.06. eine Abstimmung an. Derzeit ist hier (fast täglich erscheinen jedoch neue Vorschläge) die Upload-Filter-Regelung etwas entschärft, die Mehrheit für das Leistungsschutzrecht bröckelt. Bewegen müssen sich nun Teile der Christlich-Konservativen (EVP) die Liberalen (ALDE) und die Nationalkonservativen (EFDD). Hier hilft auch Druck aus Deutschland – manchmal hängt es aber auch einfach an Einzelpersonen in diesem Ausschuss.

Die Reform, die das Urheberrecht besser von der analogen auf die digitale Welt anpassen sollte, ist inzwischen dermaßen vertrackt und so viele Streitpunkte offen, dass sie sich noch weiter in die Zukunft verschieben kann. Das ist frustrierend. Gerade nimmt die Auseinandersetzung aber an entscheidenden Punkten teils auch eine gute Richtung. Wo die Urheberrechtsreform Zukunftsweisendes wie z. B. Remix-Schranken ermöglichen könnte, schilderte Julia Reda bei unserer Veranstaltungsreihe Monsters of Law. In der Sommerpause kann sich noch viel bewegen. Wir bleiben dran und geben nicht klein bei.

 

Weitere Beiträge zum Thema:


In der Wikimedia:Woche 22/2018 gibt es einen Rückblick auf die 22. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland und eine Antwort an den türkischen Minister Ahmet Arslan zur Sperrung von Wikipedia in der Türkei (über den im Übrigen noch kein Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia existiert ;-)). Außerdem geht es um Gespräche mit Verschwörungstheoretikern über Wikipedia.

Zur Wikimedia:Woche 22/2018 geht es hier.

May 29, 2018


Mensch-Maschine Braunschweig


Im ICE ist Deutschland. Der Zug fährt ein und hält. Das Schild am Gleis behauptet tapfer „Zugdurchfahrt“. Die Türen lassen sich öffnen. Am Zug steht nichts geschrieben, außer Wagennummern, die nicht zu den Reservierungen passen. Das Publikum bleibt irritiert. Etwa die Hälfte der Anwesenden geht in den Zug und bleibt im Wageninnern ratlos stehen. Die andere Hälfte steht ratlos am Bahnsteig. 

Schließlich: Lichter gehen an. Der Zug verkündet mittels seiner Anzeigen nun auch, nach Kassel zu fahren.  Eine Frau entschuldigt sich über die Lautsprecheranlage über die falschen Wagennummern, man solle ich immer zehn wegdenken „Also 22 statt der angezeigten 32.“

Ein Mensch mit re:publica-Bändchen am Arm verscheucht die ältere Dame ohne Reservierung von seinem Platz und liest den gedruckten Spiegel. Ich höre ein angeregtes Gespräch zwischen einem Musicaldarsteller und einer Abteilungsleiterin im Innenministerium, die sich gerade kennenlernen über, den relativen Wert von Musikgymnasien in Berlin. Geht es noch deutscher?

Illustration aus dem Buch ""Le tour du monde en quatre-vingts jours" Alphonse de Neuville & Léon Benett


Passenderweise habe ich ein entsprechendes Buch mitgenommen. Nils Minkmars „Mit dem Kopf durch die Welt.“ Das hat schon auf dem Cover ein ICE-Fenster und geht der Frage nach, was Deutschland bewegt. Minkmar lässt sich über deutsche Normalität aus. Der deutsche Ingenieur, lange Jahrzehnte Sinnbild der Normalität, sei nicht mehr normal. Minkmar erzählt aus seiner französisch-deutschen Kindheit:


„Meine Mutter nannte dann immer eine Berufsgruppe, die uns besonders fern war, nämlich les ingenieurs. Wir waren in Deutschland […] und das ganze frisch aufgebaute Land ruhte auf Säulen, die les ingenieurs berechnet, gegossen und zum Schluss noch festgedübelt hatten. […] Viele Jahre später sollte ich die Gelegenheit haben, diese seltene Spezies besser studieren zu können. Sie saßen direkt hinter mir, zwei ausgewachsene Exemplare: Ingenieure, Familienväter, auf der Rückfahrt von einer Dienstreise. Sie plauderten über die sich verändernden Zeiten. […] Fernsehen, Marken, Politiker, auf keinem Gebiet fanden sich diese beiden braven Männer wieder, alles zu grell und bunt, zu aufgeregt. Ihre spezifischen Werte und Tugenden, Sorgfalt und diese stille Freude an der eigenen Biederkeit, das alles war an den Rand gerückt. Ingenieure waren nun Exzentriker. […] Diese Männer fanden sich kulturell kaum zurecht.“

Wenn „der deutsche Ingenieur“ nicht mehr normal in Deutschland ist, sind es jetzt Ministerialbeamtinnen und Musicaldarsteller?




Forschung Maschinenbau Braunschweig


Minkmar war noch nicht in Braunschweig. Oder Braunschweig ist nicht normal. Da steige ich harmlos aus dem Zug und die Stadt schlägt mir „Deutscher Ingenieur“ rechts und links um die Ohren. Braunschweig hebt das Thema "autogerechte Stadt" in Höhen, die selbst mir als gebürtigem Hannoveraner unerreichbar schienen.

Braunschweig. Bahnhofsvorplatz.


VW ist daran beteiligt, ist klar in der Gegend. Aber nicht nur. Ich wandelte also Freitagabend gegen 21 Uhr auf der Suche nach einem Wegbier durch das verlassene Braunschweig, passierte die Stadthalle und wurde prompt begrüßt mit „Tag des Maschinenbaus. Herzlich Willkommen.“



Vor allem aber  fiel mir bei diesem Wandeln auf, wie unglaublich gepflegt diese Stadt aussieht. Ich erblickte  keine einzige Kippe auf dem Weg. Selbst die Großbaustelle, über die irrte, wirkte irgendwie aufgeräumt. Viel verwunderlicher war, dass selbst die in Braunschweig reichlich vorhandenen 1970er-Großbauten gepflegt und sorgsam hergerichtet wirkten. Die Stadthalle selber, offensichtlicher spät 1960er/früh 1970er-Stil wirkte besser gepflegt als Berliner Gebäude nach zwei Jahren. Die Wege und Lampen darum herum: offensichtlich keine zehn Jahre alt. Sie wirkten wie frisch aus der Packung genommen.

Wegbier. In Braunschweig nur schwerlich aufzutreiben, dann aber stilgerecht,


Selbst die Schwimmbäder sind alle gepflegt(*), alle haben gleichzeitig geöffnet und keines ist aus obskuren Gründen gesperrt. Da spielt nicht nur bürgerschaftliches Engagement eine Rolle, sondern offensichtlich ist auch Geld vorhanden.

Auf dem Hotelzimmer, noch so ein sehr gut gepflegter und hergerichteter Bau, der einem „1970er!“ ästhetisch schon ins Gesicht schreit, mit dem Hotel-Wlan (7 Tage, 7 Geräte) nachlesend, wie das nun ist mit Braunschweig. Bekanntes taucht beim Nachlesen auf: Die physikalische-technische Bundesanstalt mit der Atomuhr; geahntes lese ich (Volkswagen – hey, das ist Niedersachsen und die Technische Universität existiert ja auch) und nicht bekanntes:

„Im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) verfügt die Region Braunschweig über die höchste Wissenschaftlerdichte,[103] im bundesweiten Vergleich über eine hohe Ingenieurquote[104] sowie über die höchste Intensität auf dem Gebiet der Ausgaben für Forschung und Entwicklung. In der Region Braunschweig arbeiten und forschen mehr als 16.000 Menschen aus über 80 Ländern[105] in 27 Forschungseinrichtungen sowie 20.000 Beschäftigte in 250 Unternehmen der Hochtechnologie[106]“

Dazu noch „Braunschweig ist die Stadt mit der niedrigsten Verschuldung Deutschlands.“ Und nach einer obskuren EU-Rangliste ist Braunschweig  die innovationsfreudigste Region der EU vor Westschweden und Stuttgart. Hier lebt der deutsche Ingenieur. Hier lebt die deutsche Technik. Was für ein passender Ort für Jules Verne.


Jules Verne


Jules Verne; französischer Erfolgsautor des 19. Jahrhunderts und vor allem bekannt als "Vater der Science Fiction." Von seinem vielfältigen Werk sind vor allem die Abenteuer-Techno-Knaller wie Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer, die Reise Von der Erde zum Mond oder die Reise zum Mittelpunkt der Erde bekannt. Wikipedia und die Deutsche Jules-Verne-Gesellschaft hatten ein gemeinsames Wochenende organisiert mit einer Tagung zu Jules Verne und Gesprächen zu Wikipedia.

Volker Dehs bestreitet das halbe Programm


Jules Verne, mir vor allem bekannt durch vage Erinnerungen an den 1954er Nemo-Film, Weiß-orange Taschenbücher und einen blau eingebunden Robur-Roman, der mich verstörte, weil er so anders war als die großen mir bekannten Abenteuerromane von Jules Verne. Warum ich überhaupt fuhr: Intuition. Ich hätte nur schwerlich begründen können, was genau mich reizte, aber die Mischung aus Vertrauen in die Veranstalter, Science Fiction und Neugier auf diese andere niedersächsische Stadt nach Hannover, trieben mich dorthin.

Verne selber gilt als Begründer Science Fiction. Und so bringt er als Autor frankophile Literaten und Groschenromanfans, Ingenieure und Naturwissenschaftler zusammen. Besessene Bibliographen waren Thema und Anwesend, ebenso wie die phantastische Bibliothek in Wetzlar – die Mischung der Jules-Verne-Aktiven unterscheidet sich gar nicht so sehr von der Mischung der Wikipedia-Aktiven. Die Perspektiven, aus denen Verne hier unter die Lupe genommen wurden, waren vielgestaltiger als sie es in der Literatur sonst sind. Faszinierend hier war die Neigung unterschiedlicher und leicht besessener Menschen sich zu einem Thema auseinanderzusetzen.

Haus der Braunschweigischen Stiftungen - Veranstaltungsort.



Dementsprechend hatte der Veranstalter, der Wikipedia-Autor Brunswyk das Programm gestaltet: ist Verne eher katholisch oder eher laizistisch? Kam der Wille zur Aufklärung in seinen Büchern durch seinen Verleger Pierre-Jules Hetzel hinein, während auf Verne eher zurückgeht, dass alles menschliche Streben gegenüber der göttlichen Macht sinnlos bleibt? Wen inspirierte er? Ist es eine sinnvolle Frage, dem nachzugehen, welche seiner Voraussagen, sich bewahrheiten? Dazu kamen dann noch Exkursionen zu Friedrich Gerstäcker, Fenimore Cooper, die Ingenieure, die ihre U-Boote dann nach Jules Verne „Nautilus“ nannten – und stark von diesem beeinflusst waren

Für mich brachte das Treffen interessante Erkenntnisse, wie die Tatsache, dass Verne immer Theaterautor oder – produzent werden wollte und wie sehr der Katholizismus sein Denken beeinflusste. Romancier war er eher gezwungenermaßen – und verdiente mit seinen zwei erfolgreichen Theaterstücken in seinem Leben ein Viertel so viel Geld wie mit etwa 80 bis 100 Romanen.

Interessant das Rätseln aller Anwesenden, warum Vernes Roman "der Grüne Strahl" so ein kommerzieller Erfolg war, was niemand der Anwesenden nachvollziehen konnte. Und dann eine Dreiviertelstunde später kam die Bemerkung in einem anderen Zusammenhang, dass "der Grüne Strahl" quasi Vernes einziges Buch mit einer weiblichen Hauptfigur war. Ich ahne einen Zusammenhang, Update: Es kam wie es kommen musst. Da denke ich mal, ich habe etwas entdeckt, dabei habe ich nur etwas falsch verstanden. Tatsächlich ist Der Grüne Strahl nicht das einzige Werk mit einer Protagonistin. Das prägnanteste Buch ist dabei Mistress Branican, da hier die Titelfigur die komplette Handlung quasi im Alleingang bestreitet. Aber auch in anderen Büchern spielen Frauen eine wichtige Rolle (und dieser Umstand war Jules Verne sogar so wichtig, dass er in Interviews darauf hinwies): Die Kinder des Kapitän Grant, Nord gegen Süd, Reise um die Erde in 80 Tagen, Das Lotterielos ... und einige mehr.

Für mich neu war die Erkenntnis, dass ein Großteil von Vernes Werk gar nicht in den Bereich Science Fiction gehört, sondern es (fiktive) Reisebeschreibungen sind. Und selbst dort wo Verne Maschinen und phantastische Gerätschaften erfindet, dienen diese vor allem dem Zweck zu reisen.

Und jetzt recherchiere ich, natürlich, zum Grünen Strahl.

Die Phantastische Bibliothek


Meine beiden Programmhighlights beschäftigten sich nur mittelbar mit Jules Verne. Sie kamen von der Phantastischen Bibliothek Wetzlar: zum einen der Rückblick von Thomas Le Blanc auf Wolfgang Thadewald. Den großen Phantastik- und Jules-Verne-Sammler. Thadewald verstarb 2014. Er lebte in Langenhagen. Mehrere der Anwesenden hatten ihn noch persönlich gekannt. Und die Schilderung seiner Sammlertätigkeit, seiner Liebe zu Büchern und zu Menschen, aber auch die Besessenheit mit der Thadewald an ein Thema heranging und auch von Krankheit schon schwer gekennzeichnet das Arbeiten an Bibliographien nicht lassen konnte – es ließ sich nicht anders beschreiben als bewegend. Sicher war dieser Vortrag mein emotionaler Vortrag des Programms.

Wer auch immer aber auf die Idee kam, den Vortrag von Klaudia Seibel zu Future Life: Wie (nicht nur) Jules Verne dabei hilft, die Zukunft zu gestalten an Ende der Konferenz zu legen: Chapeau! Das Projekt ist, kurz gesagt, ein Projekt der Phantastischen Bibliothek. Die stellt zu bestimmten Themen Dossiers zusammen, wie Science-Fiction-Autoren sie sich vorstellen. Die Berichte  werden manchmal von öffentlichen Stellen, öfter von Großunternehmen bestellt, die damit selber zukunftsfähig werden wollen und in die Zukunft denken.

So als Beispiel: Nanotechnische Ideen in der Science Fiction



Wobei Auftraggeber von Staats wegen selten sind. Die meisten Aufträge kommen aus der Privatwirtschaft. Die allerdings meist gleich umfangreiche Verschwiegenheitsklauseln verlangt, weshalb die Phantastische Bibliothek da wenig zu sagen kann.

Da haben also Autoren und Mitarbeiter der Bibliothek ein profundes Wissen über die Science-Fiction-Literatur und die größte Bibliothek ihrer Art im Hintergrund und seit mittlerweile einigen Jahren eine große Datenbank aufgebaut, was Autoren zu verschiedenen Themen schreiben.

Als jemand, der ich selbst weiß, wie viele Situationen ich durch gelesene Bücher interpretiere – Bilder aus diesen Büchern im Hinterkopf habe und mir immer wieder mal sagen muss, dass ein Roman nur bedingt real ist, glaube ich sofort, dass es nichts gibt, was so sehr Denkprozesse auslösen und Kreativität triggern kann, wie Romane. Der befreit das Hirn gerade vom strikt logisch-folgerichtigen Denken, verrückt die Perspektive etwas nach links oder oben, und schon öffnen sich vollkommen neue Gedankenwege. Die Idee ist so brillant, dass es überraschend ist, dass sie wirklich angenommen wird. Anscheinend wird sie das.


Mensch Maschine Normal


Und nachdem ich dann wieder im Zug saß und das erste Handy-Ticket meines Lebens gekauft hatte, fragte ich mich wieder. Ist diese Stadt – die mir in vieler Hinsicht – so unfassbar „normal“ vorkommt, vielleicht die große Ausnahme? Sind die Musicaldarsteller, die mit „dem Alex“ [Alexander Klaws] telefonieren, normal? Die Menschen im Ministerium? Die größten Jules-Verne-Experten des Landes, die alle noch einen anderen Brotjob haben? Oder eher die Normalität vieler Menschen, die darin besteht, am Ende des Monats zu überlegen, wie denn die letzten 10 Tage mit dem leeren Konto noch überbrückt werden können?





Brauschweig ist die verstädterte Mensch-Maschine-Kopplung. In seiner Normalität sicher schon wieder ein Ausnahmefall in Deutschland. Aber ich sah die Zukunft: sie sitzt in einer Bibliothek in Wetzlar und liest Science-Fiction-Romane.

Weiterlesen


Mit Wikipedianern kann man nicht nur Verne lesen, sondern auch Cocktails mischen: Ramos Gin Fizz für die Enzyklopädie.

Oder man läuft mit Wikipedianern durch den Wedding:Tanz auf dem Guglhupf, Automatenmaden und die „brutalism appreciation society“ im #wedding

Mehr zu Future Life bei der phantastischen Bibliothek: Future Life. 

Zum Jules-Verne-Club

Die Wikipedia-Seiten zur Veranstaltung: Wikipedia:Wiki Loves Jules Verne

Beiträge zur Veranstaltung im Wikipedia-Kurier und im Blog von Wikimedia Deutschland.

Der grüne Strahl im Gesamttext bei zeno.org: Der grüne Strahl

Alle Iberty-Posts zur Kultur stehen unter: Kultur in Iberty!

Anmerkungen


Auch zu Schwimmbädern ein schönes Minkmar-Zitat aus dem Mit-dem-Kopf-durch-die-Welt.Buch:

„Nichts gegen das große Geld und die wenigen, die es genießen können, aber die Stärke mitteleuropäischer Gesellschaften liegt gerade in der Mischung. Für Reiche ist es in Singapur, Russland und Malaysia ideal. […]Glaspaläste und Shopping Malls gibt es auf der ganzen Welt, bald vermutlich auch unter Wasser und auf dem Mond. Öffentliche Freibäder, Stadtteilfeste oder Fußgängerzonen, in denen sich Reiche und Arme, Helle und Dunkle, Christen und Muslime mit ihren Kindern vergnügen und drängeln, gibt es nur hier. Ich fand es immer erstaunlich, dass es in Algerien beispielsweise keine öffentlichen Schwimmbäder gibt oder dass man in den USA oder in Brasilien Mitglied in einem Club werden muss. Das ist eine teure und in vieler Hinsicht sozial sehr voraussetzungsreiche Angelegenheit, nur um mit den Kindern mal schwimmen zu gehen, es sei denn natürlich, jeder hat seinen eigenen Pool im Garten, was, für mich zumindest, wie eine Definition von struktureller Langeweile klingt.“ (s. 104)

Noch bis zum 01.06.18 lädt die UNESCO dazu ein, ihren ersten Entwurf einer Empfehlung an ihre Mitgliedsstaaten zu Open Educational Resources online zu kommentieren. Empfehlungen der UNESCO (englisch: recommendations) müssen von den Mitgliedsstaaten der UNESCO nicht 1:1 ratifiziert werden, sondern sollen als ein Instrument dienen, das die Politik der Mitgliedstaaten beeinflusst (siehe dazu auch die Einführung der UNESCO zu ihren verschiedenen Instrumenten). 

Wer darf den Entwurf kommentieren?

Die UNESCO lädt Einzelpersonen und Organisationen weltweit dazu ein, diesen ersten Entwurf für eine Empfehlung zu OER zu kommentieren und ihre Perspektiven und Einschätzungen mit der UNESCO zu teilen um den weiteren Verlauf der Empfehlung zu beeinflussen. Kommentare sind in englischer oder französischer Sprache über diesen Link möglich.

Warum ist das wichtig?

Open Educational Resources (OER) sind frei lizenzierte Bildungsmaterialien. Das Verwahren, Verwenden, Verarbeiten, Vermischen und Verbreiten von OER ist explizit erlaubt, dieser Beitrag der OER Infostelle führt dies weiter aus. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bildungsmaterialien stehen OER nicht nur innerhalb von Bildungseinrichtungen wie Schulen oder Hochschulen zur Verfügung, sie sind auch für alle anderen Menschen als Freies Wissen nutzbar und anpassbar – ein Grundwert, dem sich auch Wikimedia Deutschland verpflichtet fühlt.

Außerdem sind Empfehlungen der UNESCO zwar nicht bindend, jedoch sind die UNESCO Mitgliedsstaaten angehalten, regelmäßig zum Stand der Dinge in Bezug auf die jeweiligen Themenfelder einer Empfehlung zu berichten, die konkreten Richtlinien dazu sind auf der Seite der UNESCO zu finden. Wird die Empfehlung der UNESCO zu OER also Realität, ist auch jeder Mitgliedstaat angehalten, aktuelle Entwicklungen rund um OER transparent zu machen und zu ihnen Stellung zu beziehen. Die Rahmenbedingungen für OER, und damit für Freies Wissen, können so gestärkt werden und umso wichtiger ist es, welche Maßnahmen und Empfehlungen konkret beschrieben werden.

Wie bringt sich Wikimedia Deutschland zum Entwurf der UNESCO ein?

Südfassade der Bibliotheca Alexandrina, die mit Schriftzeichen aller Schriftarten verziert ist; Kostas Kokkinos from Athens, Greece, Words on a Wall, CC BY-SA 2.0

Wir haben in den Teams Bildung, Wissenschaft und Kultur und Politik und Recht gemeinsam Kommentare zu dem Draft der UNESCO ausgearbeitet und diese online über diesen Link bei der UNESCO eingereicht. Auch wenn noch nicht vollkommen klar ist, inwiefern der Input berücksichtigt werden wird, möchten wir dazu ermutigen, Kommentare und Hinweise einzureichen und die Empfehlung der UNESCO so zu verbessern.

Unsere Einschätzungen zu den einzelnen Punkten der Empfehlung stehen hier am Ende dieses Beitrags und jeder unserer Kommentare ist mit der entsprechenden Kapitelnummer, auf die er sich bezieht, gekennzeichnet:

I. Definition and Scope

1 We encourage UNESCO to explicitly include not only the term “teaching, learning and research materials” in the definition of OER, but to also acknowledge software and data and possibly even hardware to work on as OER.

3 For them to reach their potential regarding equitable and inclusive access, OER should not only be openly licensed but also distributed in open and editable formats. This fact can and should be pointed to in this section.

II. Aims and Objectives

5 We encourage UNESCO to speak of “open teaching, learning and research materials including software, data, and hardware” in this section to prevent potential misreadings of this paragraph.

6 With regards to costs of educational materials, UNESCO is highly encouraged to point out the usefulness of the argument that publicly funded resources should reside in the public domain or should be accessible under an open license.

8 We encourage UNESCO to point out that these global processes of co-creation should not be one-directional (resources from the Global North are adapted in the Global South) but that a multidirectional approach of co-creation is an opportunity to foster diversity in educational contexts all over the world.

9(ii) We want to stress the strategic importance of the equation “public money => public resources”, which we explicitly do not limit to learning and teaching materials but to all resources as pointed out in 1).

9(v) We highly recommend to actively foster adaptation of resources from the Global South in the Global North to prevent potential asymmetries between creation and use.

III. Areas of action

12(a) UNESCO is encouraged to advise member states to ensure that the handling of OER is firmly integrated into the training of anyone teaching others, including but not limited to, formal teaching and study programs.

12(d) Following up on our recommendation in I., we encourage UNESCO to include Open Software and Hardware in the list of policies to adapt and align.

13 & 15 We propose to add a section addressing potential asymmetries in the creation and the use of resources between the Global North and the Global South in order to highlight this problem.

14 We highly encourage UNESCO to include a recommendation arguing that public funds should lead to publicly available and openly licensed goods and resources.

May 27, 2018

Für Wikipedia/Wikimedia reise ich mehrmals pro Jahr durch die Gegend. Dabei muss ich muss ich natürlich auch irgendwo übernachten. Daraus entstand diese Serie.

Die Frühlings-Mitgliederversammlung des Vereins fand diese Jahr in Karlsruhe statt. Die Geschäftsstelle quartierte uns dafür im Schloßhotel Karlsruhe ein. Das Schloßhotel liegt direkt am Bahnhof bzw. am Zoo. Warum die Deutsche Bahn glaubte mich für die max. 200m zwischen Bahnhof und Hotel mit dem Bus fahren zu müssen (beim Rückweg sogar mit 1x Umsteigen) wird für ewig ihr Geheimnis bleiben.

Die Aufmachung des Hotels ist so edel wie der Name klingt. Ein repräsentativer Bau aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Das merkt man auch gleich, wenn man den Aufzug betritt: Er ist ein Denkmal und stammt von 1914. Hohe Räume und Teppichboden fanden sich überall. Die Preise des Hotelrestaurants ließen schlucken, auch wenn die Beschreibung der Gerichte sehr gut klang.

Am Empfang war nichts los und so kam ich direkt dran. Der Zutritt zu den Zimmern wird über Nearfunk Chipkarten gelöst: Hat den Vorteil das man keinen Schlüssel mit sich herumschleppen muss. Das Zimmer war schön eingerichtet: Bett, Schranknische, Schreibtisch, Stuhl, Hocker und Sessel. Das Zimmer war vollklimatisiert, verfügte aber trotzdem über einen großen Heizkörper und man konnte das Fenster – vom Typ französischer Balkon – öffnen. Leider war die Straße vor meinem Zimmer so laut das mit offenem Fenster zu schlafen kein Option war – zum Lüftern aber durchaus geeignet.

Das Bett kam mir etwas schmäler als normal vor, war aber durchaus ok. Ein großes und ein kleines Kissen warteten bereits auf mich. Laut Zimmermappe können diverse andere Kissen dazubestellt werden; auf Wunsch kann auch die Bettwäsche täglich gewechselt werden.

Das Bad scheint ein Teilnehmer um den Preis für die kleinste Bad-Grundfläche zu sein. In den ca. 1,5x1,5m großen Raum wurden eine Dusche, ein WC und ein kleines Waschbecken gequetscht – die Tür ließ sich dabei nur halb öffnen und blieb dann an der Klöschüssel hängen. Bei der letzten Modernisierung wurde die die Duscharmatur wohl falsch herum angeschlossen: Ein Schild weißt auf die Vertauschung hin.

Das Zimmermädchen kommt früh – für meine Verhältnisse zu früh. Am Samstag wollte man schon gegen 9:30 saubermachen: Da lag ich noch im Bett. Als ich am Abend ins Hotel zurück kam, war mein Zimmer aber gereinigt worden. Am Sonntag hatte ich vorsichtshalber das Bitte-nicht-stören-Schild an die Türklinke gehängt – als ich gegen 10:45 das Zimmer zum Auschecken verließ war der Herr von der Zimmerreinigung schon da.

Das Frühstück war auch am Wochenende nur bis 10 Uhr. Für mich war die Auswahl mehr als ausreichend: Verschiedene Arten von Brötchen (auch Sesambrötchen), der übliche Wurstaufschnitt, Käse, Cornflakes und die üblichen Frühstück-Getränke eben.

Das Personal, mit dem ich gesprochen habe, war freundlichen und hilfsbereit.

Alles in Allem kann ich mit dem Aufenthalt nur zufrieden sein. Kann WMDE wieder buchen.

May 25, 2018

Berlin ist groß; deutlich größer als alle anderen deutschen Städte. Berlin bietet seinen Bewohnerinnen und Bewohnern immer wieder neue Straßen, Stadtviertel und ganze Bezirke von denen sie noch nie gehört haben. So fand sich dann vor 10 Jahren eine Gruppe Wikipedistas zusammen, die im Rahmen der KNORKE-Touren Berlin erkundete. (Für mehr Hintergrund, hier der Iberty-Artikel) Einige oder viele Wikipedianer treffen sich, neugierig auf die Stadt um sie herum und erkunden sie. Die Treffen finden dabei unregelmäßig statt. Mal sind sie monatlich, mal alle anderthalb Jahre.

Im Januar 2016 traf sich die erste KNORKE-Runde nach über einem Jahr Pause seit zur Tour entlang der Müllerstraße, dem „Ku’damm des Weddings“. Vom Startpunkt aus, dem Angelgeschäft Koss, beziehungsweise dessen Madenautomaten, ging es weiter zu Gänsen, Enten und Schweinen in der Kinderfarm Wedding. Leider überlebten die Maden im Sägemehl nicht den Gang bis zu den Enten und konnten so nicht mehr als Futterspende dienen. Zwischendurch warfen wir einen Blick auf den Abenteuerspielplatz Telux, laut einem der Knorkisten der erste Abenteuerspielplatz Deutschlands.[citation needed]

Wedding Automatenmaden
Berlin-Weddinger Automatenmaden.

Nach dem Besuch der Schweineställe in der Kinderfarm folgte die Innenbesichtigung des Ernst-Reuter-Hauses mit kurzem Blick auf den Biergarten Eschenbräu, bevor es nach Süden Richtung Bayer Health Care (ehemals : Schering) ging. Am Beispiel des Schering-Parkhauses erörterten wir die Existenz der "brutalism appreciation society" und diskutierten die Frage ob Bauwerken des Brutalismus die Fassadengestaltung mit knalligen Farben eher nutzt oder schadet. An der Dankeskirche am Weddingplatz lebten die wilden Zeiten des Roten Weddings wieder auf, Erich Kästner verewigte den Platz mit seinen wilden Straßenschlachten in seinem Roman Fabian.

Berlin Wedding bayer parkhaus 14.11.2015 13-40-01
Ein Fall fur die brutalism appreciation society.

Danach ging es an der Panke entlang zu einem der ungeplanten Höhepunkte der Tour: dem Tanz auf dem Guglhupf. Das Kunstwerk mit dem offiziellen Namen „Tanz auf dem Vulkan“, das offensichtlich von einer engagierten Kunststudentin im ersten Semester geschaffen wurde, regte auf jeden Fall zur intensiven Diskussion an.

Nachdem einem Blick auf das Stadtbad/Stattbad Wedding - das wegen des Brandschutzes geschlossen werden musste - überlegten wir wann es dem Krematorium Wedding wohl genauso geht. Beide Sightseeingpunkte wurden noch mit Geschichten der jetzigen und ehemaligen Bewohner des Weddings abgerundet. Schnee und Kälte zwangen uns dann zu einem Kaffeestop in einem der zahlreichen inhabergeführten migrantischen Geschäfte der Müllerstraße.

Tanz auf dem guglhupf
Kunst im öffentlichen Raum. Der Tanz auf dem Guglhupf.

Dann noch schnell ein Schinkel-Bau, am interkulturellen Garten Himmelbeet die Überlegung ob es ein nicht nur eines Lokals B in Berlin bedarf, sondern auch eines Lokalen Beets B, noch schnell eine weitere Kirche abgehakt, das Rathaus Wedding auf dem ehemaligen Gelände von Onkel Pelles Rummelplatz - auch dieser mit einer Würdigung durch Kästner. Ob die neu eraute Schiller-Bibliothek schick war oder eher nicht, daran schieden sich die Geister. Am Platz des unscheinbaren AOK-Gebäudes erbargen sich die Pharus-Säle, einst das "Wohnzimmer der KPD" im Wedding und die Schiller-Bibliothek. Abschluss für die frierende Gruppe dann schließlich beim exzellenten "Rebel Burger" mit Coleslaw, Pommes-Twister im stilechten denkmalgeschützten 50er-Jahre-Kiosk. KNORKE kommt wieder. Im Jahr 2016 bestimmt.

Krematorium wedding
This is friend is not the end (anymore): Das ehemalige Krematorium Wedding

May 16, 2018


Nach Wacken geht’s zum Kacken.
Der Antifaschist fährt zum Resist.
Auch wenn es pisst. (Henne, Sänger von Rawside)

Junge Männer klettern auf den Bühnenzaun, schwenken die Fahne der Antifaschistischen Aktion. Die Ordnerin mit Union-Berlin-Käppi rennt herbei, versucht sie wieder herunter zu bewegen. Die dünne junge Frau mit der Rockabilly-Frisur, den Docs und dem „No Pasaran“-Tattoo bindet sich derweil die Haare, während zwei andere junge Frauen mit blonden bzw. blauen Haaren dem Typ mit dem halbnackten Oberkörper Schlamm ins Gesicht schmieren. Auf der Bühne rührt ein Russe mit Eishockeytorwartmaske, weißen Markenturnschuhen (wie hat er die in diesem Schlamm so weiß gehalten) irgendwas über Widerstand.

Nebenan, im Kuhstall, die Punks in den Polizeiuniformen, lassen es sich im Backstagebereich gutgehen.  Verkaufsstände verkaufen „NZS BXN!“-T-Shirts, der Drugstore von der Potse in Berlin Schöneberg verkauft Solischnapps und die tschechische Antifa hat einen eigenen Merchandise-Stand.
Willkommen im Dorfe in Brandenburg.




Resist to Exist, existiert seit 2003. 2.500 Punks und Freunde aus Deutschland und Europa hören Punk, Hardcore, Streetcore, HC-Rap und Ska. Ursprünglich aus Berlin-Marzahn,  findet das Festival mittlerweile in Kremmen statt: 3000 Einwohner, zwischen Berlin und Neuruppin, umgeben von Rhinluch mit Kremmener See, Schloss Schwante, Schloss Grossziethen, viel Lehm, viel Sand ein wenig Wald, ein Spargelhof und ein Selbstpflücker-Gemüsefeld.


Leicht touristisch erschlossen, aber dann auch ein Brandenburger Kleinstädtchen mit einer Kirche, einer Stadtbibliothek die Dienstags und Donnerstags einige Stunden geöffnet hat. Das größte Ereignis im Kremmener Jahr ist das Erntefest mit Traktorparade. Und hier: Punks. Mehrere tausend, so viele wie ich sie zuletzt bei den Chaostagen 1994 sah. Antifas in Mengen, die mich an Großdemos in der sächsischen Provinz um die Jahrtausendwende erinnern. Und in der Nähe liegt unser Kleinsttierzoo/Garten.




2016 im August


Es war letztes Jahr im August. Friedlich im Garten Buttermilch-Margaritas trinkend hörten wir trommeln und röhren. So vage von gegenüber? War die Tochter der Nachbarin mal wieder da und hörte jetzt bei voller Lautstärke im Zimmer Tote Hosen? Nachdem es nach drei Stunden nicht besser geworden war, begannen wir uns Sorgen zu machen – nicht dass die Tochter mittlerweile taub geworden war. Wir wandelten die Straße entlang, auf der Suche nach der Geräuschquelle. Am Ende der Straße. Alles unverändert. Okay, die Geräuschquelle ist von wesentlich weiter weg,  dann aber wohl sehr laut.
.


Deutschpunk? Nazirock? Die Musikrichtung ist, wenn man nur die Drums hört und ein unspezifisches Gebrüll des Sängers, nicht immer leicht zu unterscheiden. Und in Brandenburg auf dem Dorfe? Die Musik kommt vage aus Richtung Kremmen. Ein Ort, der sich musikalisch bisher dadurch hervortat, dass in der "Musikantenscheune" der Brandenburger Landesparteitag der AfD stattfand. Lässt sich was zum Konzert googeln?



Madame fand etwas in Kremmen: Resist to Exist, die Bands kannte sie alle nicht, uneindeutig. Ich schaute. Okay, Sham69, Total Chaos. Das ist kein Nazirock. Aber Oi? So in der Brandenburger Provinz geht vieles. Zweiter Blick: Rasta Knast, Fuckin‘ Faces, Distemper,  ganz sicher kein Nazirock. Eher im Gegenteil. Klingt spannend. Aber ein paar der Bands waren ja schon alt als ich noch jung war. Eine Traditionsveranstaltung? Egal, es gilt Lehmberge zu versetzen, keine Zeit für.Festivals, die eh schon halb vorbei sind. .

2017 


Es ließ mich nicht das ganze Jahr über nicht los. Die Bands klangen spannend. Der Lehmberg ist mittlerweile versetzt. Das Lineup 2017 ist meins. Ach, Rawside, war auch meine Jugend und ist mittlerweile ein Kandidat für Nostalgietreffen; aber die waren hammergeil. Und viele Bands kenne ich nicht. Vielleicht sind die U40. Klingt so. Das sieht groß aus, das sieht cool aus. Ich will da hin. Aber nur als Besucher? Langweilig. Wenn, dann richtig. Eintritte für Konzerte habe ich schon 1998 nicht mehr bezahlt. Gut, dass es diese Internetenzyklopädie gibt.


Der Wikipedia-Festivalsommer


Der Festivalsommer der Wikipedia existiert seit 2013: Wikipedianerinnen und Wikipedianer gehen auf Festivals, die Wikipedia-Spendengelder sorgen dafür, dass es auch professionelles Fotoequipment gibt. Danach laden die Beteiligten Fotos von Festivals und Bands unter Freier Lizenz auf Wikipedia. Mittlerweile entstand eine hohe fünfstellige Zahl an Fotos von über 1.200 Bandauftritten und knapp 100 Artikel über Festivals und Bands. Alles ehrenamtlich, alles DIY, in der Form sehr anders als das Resist im Spirit aber noch so weit voneinander entfernt. Da nehme ich Teil, schieße Fotos, schreibe einige Artikel (das Festival hat noch keinen, diverse relevante Bands auch noch nicht) und laufe durch den Matsch.



Das Resist


Das Resist entstand in Marzahn. Marzahn in den 1990ern war kein angenehmer Ort, wenn man links war. Nazis rannten dort einige herum und die waren wenig zimperlich in ihren Methoden. Punks und Linke - die es in Marzahn immer gab und gibt - trafen sich im geschützten Biesdorfer Park. Bis das Ordnungsamt das nicht mehr wollte und mit massiven Polizeieinsätzen begann zu räumen. Es gründete sich "Resist to Exist" und ein Soli-Festival. In Marzahn ist das Festival nicht mehr, dafür ist es schöner und größer als zuvor.



Die Resistenten mussten mehrfach den Veranstaltungsort wechseln und sind seit 2016 in Kremmen gelandet. Was spontan und ungeplant begann, ist mittlerweile ein eigener Verein, eine Vorbereitung, die fast das ganze Jahre über läuft und trotzdem die Verrückten immer noch alles ehrenamtlich machen, mittlerweile reichlich professionell.



Mehrere tausend Besucher im Jahr, das „größte Festival für DIY-Punk und artverwandtes.“ Autokennzeichen sah ich aus ganz, der Schweiz (u.a. am stylischen schwarzen Anarcho-Wohnmobil), Österreich, Italien, Polen, Tschechien, Berlin, Hamburg, Sachsen und natürlich ganz Deutschland. Das Festival ist bis heute ehrenamtlich organisiert, von einem Verein getragen, und wird größer und größer und professioneller. Anscheinend, für mich – hoffentlich! – bleibt es in Kremmen.


Das Resist 2017


2017. Das Jahr des großen Regens. Dauerregen, Starkregen, Dauerstarkregen. Ich genoss den Luxus des nahegelegenen Bungalows, kam erst nach dem Regen aber zum großen Schlamm. Hinter dem Kremmener Bahnhof gleich rechts, die Feldstraße entlang. Die ersten Punks sind auf dem Weg, meist schlammverspritzt, oft Barfuss. Drei freundliche Jungs im Campingstuhl winken mich irgendwo auf die Wiese zum Parken, neben mir ein Bully mit kleinem Vorzelt. Ein längerer Fußweg. Vorbei an vielen Zelten und Strohballen. Durch die „Winterfütterungsanlage für Mutterkühe“ hindurch, die auch als Backstage dient.



Dann das Festival. Menschen! In Massen! Unbeeindruckt vom Schlamm, sich damit bewerfend, auf Hügel ausweichend. Haarfarben in allen Farbtönen. Die AFD und NZS sind hier nicht beliebt! Bier natürlich. Antifa-Merchandise. Auf der Bühne eine Band in Polizeiuniformen, die über Punks lästert. Das Publikum hat Spaß. Das Publikum: Mein Gott, sind die alle jung. Sehr weiblich auch noch. Nichts mit Traditionsveranstaltung. Nichts mit Alte-Männer-fahren-zum-Camping wie in Wacken. Die Szene lebt. Ist politisch. Die Bands sind politisch. Fast fühle ich mich als ältester Anwesender.  Zum Glück gibt es noch eine handvoll Festivalbesucher, die ihre Originalkuttern von 1977 spazierenführen. Aber nicht viele. Jugend. Mit Energie. Sehr wenig Handies, fast niemand, der auf sein Handy schaut, sehr wenige Leute am Fotografieren, sehr viele Leute am Spaß haben.



Auch der Pressegraben bleibt leer. Wir sind eine handvoll Leute, die versuchen die schlimmsten Pfützen zum umgehen und nicht all zu sehr mit Schlamm beworfen zu werden. Auf der Bühne Siberian Meat Grinder. Sieht geil aus. Aber ich verstehe kein Wort – habe später zu Hause noch mal Videos geschaut, verstehe immer noch kein Wort –aber sie geben coole Interviews. Und ich mag die Musik.

The Kids are alright

Nix mit Traditionsveranstaltung. Junge, politische Menschen mit DIY-Ethos, Hammerbands, viel Spaß, wenig Handies, friedlich und doch entschlossen. Ihr seid super.

Weiteres

Für mehr Hintergrundinformationen gibt es hier und hier Interviews mit den Machern des RTEs. Hier bei Uglypunk.  Der Wikipedia-Artikel ist noch in Arbeit.

Das Festival selbst hat ein umfängliches Archiv über all’die letzten Jahre

Schöne kommentierte Fotostrecke bei Bierschinken.net: Resist to Exist Tag 2

Geradezu niedlich war es wie die Lokalzeitungen über das Treffen der Punker berichteten. Durchaus sympathisch und sympathisierend, aber der kulturele Abgrund den es zu überbrücken galt, war groß. Kein Wunder, dass sich die Zeitungen ganz besonders über das Festivalbaby Silas freuten, das auf dem Festival geboren wurde. "Festival-Baby Silas ist wohlauf."


No Way Back

Und zum Schluss:




March 03, 2018

Pikachu ist ein Pokémon. Nein, Pikachu ist DAS Pokémon. Oder, um es im Wikipedia-deutsch zu sagen:

Das Pikachu (jap. ピカチュウ, Pikachū) ist ein fiktives Wesen und das bekannteste Pokémon aus den gleichnamigen Videospielen der japanischen Spielesoftwarefirma Game Freak, sowie eine Kernfigur im zugehörigen Anime. [...] Japanische Forscher des Osaka Bioscience Institute benannten nach dem Pokémon ein neu entdecktes Protein, Pikachurin, welchem eine Rolle beim Bewegungssehen zugeschrieben wird.

Ana.b747.pokemon.arp.750pix
Bild: Ana.b747.pokemon.arp.750pix Von: Adrian Pingstone Lizenz: Public Domain. Warning: One or more elements in this image are protected by copyrightSome parts of this file are not fully free but believed to be de minimis for this work. Derivatives of this file which focus more on the non-free element(s) may not qualify as de minimis and may be copyright violations. As a direct consequence it might be needed to review the copyright status if you crop the picture.

Außerdem ist Pikachu sehr gelb, sehr niedlich und vermutlich das einzige Pokémon, das auch viele Nicht-Spieler kennen. Pikachu wird seit mittlerweile 11 Jahren in seinem eigenen Wikipedia-Artikel vorgestellt. Pikachu begann sein deutsches Wikipedialeben am 25. Februar 2005.



Pikachu im Jahr 2005


Die damalige Beschreibung in der Wikipedia lautete:

Pikachu (ピカチュウ Pikachu) ist ein sogenanntes Pokémon aus den gleichnamigen Computerspielen der japanischen Spielesoftwarefirma GAME FREAK inc., sowie dem dazugehörigen Anime. Pikachu stellt eine Art Maus dar und besitzt überwiegend elektrische Fähigkeiten.  (Blitze schleudern, etc.) – es gehört deswegen zum Pokémon-Typ Elektro. Seine interne Pokémon-Nummer ist 156 (25 nach alter Zählung).
Damit dauerte es immerhin drei Jahre bis auf den Pokémon-Artikel von 2002 der Pikachu-Artikel folgte. Die Entwicklung des Artikelinhalts von 2005 bis 2016 gestaltete sich typisch für einen Wikipedia-Artikel. Weg von spielinternen Informationen "Blitze schleudern", hin zu Informationen, mit denen auch Außenstehenden etwas anfangen können, wie beispielsweise, die Information über das nach Pikachu benannte ein Protein. Es wird deutlicher, warum Pikachu eine Bedeutung über die enge Pokémon-Welt hinaus hat. 

Es kann nur eines geben


Pikachu bleibt bis heute das einzige Pokémon, der in einem deutschen Wikipedia-Artikel beschrieben wird, weil nach Meinung der deutschen Wikipedianer kein anderes Pokémon die enge Welt des Spielekosmos verlassen hat. Ansonsten blieben Detailinformationen zu den verschiedenen Pokémon-Varianten dort, wo sie die deutsche Wikipedia am liebsten hat. Im - viel zu langen und komplett unlesbaren - Hauptartikel zu Pokémon an sich.

Selbst die "Liste der Pokémon" brauchte acht Jahre vom Entstehen des Pokémon-Artikels bevor sie seit 2010 in der deutschen Wikipedia bestehen blieb. Nicht, dass es nicht Leute versucht hätten und sich die Liste nicht zwischenzeitlich in den Jahren von 2002 bis 2010 immer mal wieder einige Monate halten konnte. Aber sie fiel dann stets einem Löschantrag zum Opfer.

Die erste Löschdiskussion der Liste im Mai 2006 war dramatisch.:

* "Fangeschwurbel", 
* "Wikipedia ist keine Sammlung fiktiver Nerv-Monster", 
* "Gibt es irgendeinen Mehrwert gegenüber der Pokémon-Wiki außer den Pseudoerklärungen des Namens?", 
*"löschen und nirgends einarbeiten, es wird doch wohl genügend Pokemon-Fanseiten im www geben, die solche Listen führen können."

gegen

* "die Informationen machen den Pokémon-Artikel zu lang", 
* "wichtiges Medium um junge Leser an die Enzyklopädie heranzuführen" 
* "hat Zusatzinformationen wie einzelne Namen".

2006 wurde die Liste gelöscht. Vier Jahre nach dieser Löschdiskussion hat sich die Wikipedia anders entschieden. Heute stehen alle Pokémon von Nummer 1 Bisasam bis zum nicht-mehr-nummerieren Lunala (gezählt der 740. Pokémon) nebeneinander in der Liste einschließlich der Bezeichnung auf englisch, französisch, japanisch und koreanisch, der Typ (Bisasam: Pflanze/Gift Lunala: Psycho/Geist) und der Kategorie (Bisasam: Samen Lunala: Mondscheibe). Für Nicht-Pokémonista ist dort nicht erklärt, was Typ und Kategorie bedeuten.

Braucht Bisasam einen Artikel?


Dabei wäre beispielsweise ein Artikel über Bisasam diskutabel. Nach Pikachu ist Bisasam das Pokémon, das auch außerhalb der Szene am bekanntesten ist. In der Szene selbst ist es sogar beliebter als Pikachu selbst. Immerhin heißt das englische Pokémon-Spezial-Wiki Bulbapedia nach Bisasams englischer Bezeichnung Bulbasaur. Im deutschen Pokéwiki wiederum ist Bisasam der einzige Artikel über ein Pokémon, der als lesenswert ausgezeichnet wurde.

Bisasam brachte es in der deutschen Wikipedia hingegen auf 13 Löschungen, bevor die Seite komplett gegen Neuanlagen gesperrt wurde. Hier eine Übersicht über die Löschbegründungen:


Die Begründungen laufen im Wesentlichen auf "Fancruft" hinaus. Oder, länger formuliert, es gibt nichts über Bisasam zu sagen, was außerhalb der Spiele von Relevanz wäre oder für das es andere Quellen als die Spielanleitungen gibt.

Deshalb ist die Frage nicht unspannend, wie Wikipedia-Artikel über Bisasam aussähe. Im Pokéwiki bestehen normale Artikel über einzelne Pokémon vor allem aus langen Listen von Fähigkeiten, Entwicklungen und Stufen, die tatsächlich nur für Spieler relevant sind - und größtenteils auch für diese überhaupt nur verständlich. Bei Bisasam ist der Text länger: Dort erfahre ich zum Beispiel:

Bisasams Knolle ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Fähigkeiten. [...] Da Bisasam seine Knolle kurzzeitig an der Spitze öffnen kann, kann es die in der Knolle enthaltenen Samen auch offensiv nutzen, indem es den Gegner mit Samen bombardiert oder auf den Gegner einen Egelsamen schießt, der ihn bepflanzt und ihm Energie absaugt...

In den Spielen ist Bisasam vor allem bekannt für seine Rolle als Starter-Pokémon, die es in den Spielen Pokémon Rot, Blau, Feuerrot und Blattgrün innehat. Zu Beginn dieser Spiele kann sich der Protagonist bei Professor Eich in Alabastia eines von drei Starter-Pokémon aussuchen, zu denen neben Bisasam auch Glumanda und Schiggy gehören. Wählt der Protagonist Schiggy, wird der Rivale Blau Bisasam als Starter-Pokémon wählen. In diesem Fall kämpft Blau dreimal mit Bisasam gegen den Protagonisten: In Professor Eichs Labor, auf Route 22 und in Azuria City.
Das gibt mir tatsächlich einen ganz guten Eindruck wie Pokémon funktioniert und wie es sich von innen heraus anfühlt. Geschrieben wurde der Text aber deutlich von Spielern für Spieler. Mehr externe Perspektive als in im Pokéwiki sollte es in der Wikipedia geben.

Bisasam in der englischen Wikipedia


Glücklicherweise sieht die englische Wikipedia das anders mit den Pokémon als die deutsche Wikipedia. Ein Blick auf den Text im Englischen lässt den Vergleich zu. Dort hat zwar bei weitem nicht jedes Pokémon seinen eigenen Artikel - die englische Wikipedia kennt 43 Artikel zu Pokémon von denen es über 700 gibt. Aber Bulbasaur schon.

Der Artikel über Bulbasaur existiert in der englischen Wikipedia seit 13 Jahren und hat mittlerweile 25.000 Zeichen. Er ist ein schönes Beispiel, wie es hätte anders laufen können. Dort erfährt der Leser, dass Bulbsaur/Bisasam von Ken Sugimori gestaltet wurde, der Name sich aus "Bulb" (Blumenzwiebel) und "[Dino]saurier" zusammensetzt. Es werden viele Vorkommen in vielen Videospielen nacherzählt, noch mehr Vorkommen als diversestes Werbemittel von Flugzeugbemalungen über McDonalds-Happy Meals aufgezählt und erwähnt, dass es die Insel Niue eine Münze mit Bulbasaur auf der Rückseite ausgegeben hat. Außerdem hat die Games-Fachplattform IGN Bulbasaur zum 52. besten Pokémon aller Zeiten gekürt.

Und ich frage mich: handelt es sich beim englischen Wikipedia-Artikel nicht einfach um eine Nacherzählung von Pressemitteilungen? Steht in der englischen Wikipedia nicht der Pokéwiki-Artikel in schlechter? Menschen drucken/prägen/gießen/virtualisieren ein fiktives Monster um Geld zu verdienen. Das sollen sie machen.. Aber ist es wirklich ein Enzyklopädieartikel nachzuerzählen wann/wo/wer dieses tat? Ist es mehr als eine Rohdatensammlung?

Ist es sinnvoll, eine Spielanleitung nachzuerzählen, die einerseits niemand nutzt, der nicht spielt, andererseits dann doch nicht detailliert genug ist, um als Anleitung zu taugen?

Vermutlich hat die Existenz des Bulbasaur-Artikels in der englischen Wikipedia Leute an Wikipedia gebunden/nicht verschreckt, die sonst gegangen wären. Vermutlich hat es viel internen Streit vermieden, eher offen an das Thema heranzugehen. Die praktische Erfahrung zeigt, dass Artikelschreiben viel einfacher ist, wenn man sich nicht dauernd gedanken machen muss, ob ein Thema relevant ist. Aber ist es das wert, dass Wikipedia sich gleichzeitig als ausgelagerte Pressestelle von Nintendo präsentiert?

Was lässt sich daraus lernen - nicht über Pikachu und Bisasam - sondern über die deutsche Wikipedia?

(1) Der Umgangston in Teilen der deutschen Wikipedia war schon 2006 unterirdisch.

(2) Die deutsche Wikipedia hat ein hohes Grundmisstrauen gegenüber reinen Datensammlungen. Ein Wiki funktioniert mit Text gut, zumindest technisch ist es mit Datensammlungen schwierig.

(3) Die deutsche Wikipedia hat ein hohes Grundmisstrauen gegenüber kontrollierter Information. Bisasam hat das Pokémon-Universum nie verlassen. Alles was je an Information über Bisasam öffentlich wurde und öffentlich werden kann, geht letztlich auf Game Freak und Nintendo zurück. Letztlich läuft jeder Artikel auf eine Umformulierung von Inhalten der Anbieter zurück. Die deutsche Wikipedia versteht sich nicht als Reformulierer von Pressemitteilungen.

(4) Auch in der deutschen Wikipedia ist die Lage seit 2006 deutlich entspannter geworden. Die Liste der Pokémon immerhin steht seit sechs Jahren in der Wikipedia.

Bonus: Pokémon Go


Als Bonus die Aufrufzahlen für den Wikpedia-Artikel zu Pokémon Go. Der Hype ist schon vorbei.



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Die Iberty-Artikel zur Kultur im engeren und weiteren Sinne stehen unter Kultur in Iberty! 

Mehr zu einzelnen Aspekten der deutschen Wikipedia findet sich beispielsweise unter Wikipedia von A bis Z. Ein Versuch.

Ein kurzer Einwurf dazu, wo Wikipedia politisch steht: Wo steht Wikipedia so politisch.

February 26, 2018

Was waren das für Zeiten im Jahre 2005. Die Wikipedia war klein. Die Welt war groß und aufregend. Dabei ging es in der Wikipedia nicht nur um abstrakte Konzepte, tote alte Männer und den Stoff der Schullehrbücher. Zum Wissen der Welt gehörte auch Wissen über das persönliche Umfeld, das pralle Leben direkt vor der eigenen Haustür oder in U-Bahn-Nähe entfernt.

Hermannstraße (Rixdorf) Apollo-Theater-Garten anno 1900 AK gemeinfrei  
Ort des erstes KNORKES: die Hermannstraße.

Neben den Artikeln über Philosophie und Physik oder Barock und Bariton entstanden in jenen Anfangsjahren auch Wikipedia-Artikel über das eigene Umfeld. Gerade in Berlin präsentiert sich dieses Umfeld nicht immer hübsch und geleckt, sondern auch mal rau und nicht für jeden Stadtführer geeignet.

So um 2005 beschlossen verschiedene Berliner unter den Wikipedianern (unter anderem die Autoren Cornelius, Achim., Lienhard, Rainer) einen Artikel über eine Straße zu schreiben. Die Hermannstraße ist eine Hauptstraße in Neukölln. Sie macht alles aus, was eben auch Neukölln ausmacht: historische Friedhöfe, sozialer Brennpunkt, Fahrradfahren im Slalomverkehr, lebendiges Leben des Kleingewerbes und jede Menge Casinos und Cafés.

Wenn man über eine Straße schreibt, die vor der eigenen Haustür liegt, liegt es nahe, sich diese persönlich anzuschauen. Wenn man zusammen am Thema schreibt, liegt es nahe, sich die Straße zusammen anzuschauen. Der erste wikipedianische Stadtbegehung war geboren. Am 4. Dezember 2005 fand die erste "KNORKE"-Tour der Wikipedia statt. Der Benutzer Marbot war noch nicht als der Meister des perfekten Protokolls dabei, der er später werden sollte, so dass die schriftlichen Überlieferungen spärlich blieben. Was uns im Archiv erhalten blieb, kulminierte in dem Satz:

Im Handwerkerstübchen rund 1 Meter hoher Cappuccino mit zwei Meter Sahne drauf und gefühlten 68 Keksen rundrum für schlappe 1,50 oder so und so weiter ..

Was auch immer bei jener legendären Tour noch geschah: der Artikel über die Hermannstraße wurde zu einem Artikel ausgebaut, der innerhalb der Wikipedia als Qualitätsartikel gilt(*). Die Stadtbegehung fand wieder statt, diesmal an anderen Orten.

Wannsee29
KNORKE on Tour: Hier auf dem Weg zum Wannsee. Bild: Jcornelius CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons

Bereits am 26. Februar 2006 folgte die zweite Tour  am und um den Hackescher Markt und einen Monat später der dritte Anlauf durch die Prenzlauer Allee.


Betreut, gepflegt und koordiniert von den Autoren Cornelius und Lecartia fanden innerhalb des ersten Jahres 10 KNORKE-Wanderungen von Wannsee/Kladow über die "Rote Insel" in Schöneberg, den Beusselkiez in Moabit bis hin zum Osktkreuz statt. In den folgenden Jahren sank und stieg die Begeisterung.

KNORKE-Touren gab es unter anderem im Bayerischen Viertel, im Zillekiez, Links und Rechts vom Ku'damm, zu den AEG-Fabriken auf dem Wedding/Humboldthain, nach Friedrichshagen und durch das Botschaftsviertel. WIr gingen rund um das Autobahnkreuz Schöneberg, wir folgten den 1920ern in Schöneberg-Nord und erkundeten zuletzt Mariendorf. Zusätzlich fanden Sonder-KNORKES mit Adventsessen oder Spieleabend statt.

Der KNORKE-Enthusiasmus folgte dabei dem Rhythmus der Wikipedia. Nach enthusiastischen Aufbruchsjahren und schneller Expansion, spielte es sich danach etwas ein und verlor etwas an Energie. Insgesamt gab es 48 KNORKES in stark wechselnder Frequenz:

2005: 1 Tour
2006: 9 Touren
2007: 8
2008: 12
2009: 6
2010: 2
2011: 2
2012: 4
2013: 2
2014: 2
2015: 0
2016: 1 (bisher geplant)

Karte Berlin Landnutzung
Berlin, Berlin, wir laufen durch Berlin. Bild: By Maximilian Dörrbecker (Chumwa) CC BY-SA 2.0 or ODbL, via Wikimedia Commons

Die Touren verliefen recht unterschiedlich. Allen gemein ist: jemand lädt auf der KNORKE-Hauptseite ein, dann kommen Menschen und man läuft zusammen offenen Auges und wachen Geistes durch die Stadt. Mal sind es lange Waldwanderungen mit seltenen Kurzpausen wie bei Lienhards Tour durch die Morellenberge im Berliner Westend. Mal gibt es historisch erschlossenes in dichter Folge wie beispielsweise die Tour durch das Schloss Charlottenburg mit Achim, Cornelius und Ralf.

Mal sind es Touren ins wahre Leben selbst, "Berlin in your face" geradezu wie die KNORKE-Pioniertat in der Hermannstraße, Ralfs Führung durch die Potsdamer Straße oder Denis' Tour durch den szenigen Schöneberger Norden. Auf jeden Fall wird viel geschaut, viel geredet und für eine Gruppe von 5 bis 15 Leuten auch überraschend viel gelaufen.

Ab und an werden in Folge oder Vorbereitung der Tour Wikipedia-Artikel geschrieben und verbessert. Anfangs dokumentierten die Knorkisten, welche Artikel und Bilder entstanden, im Laufe der Gewöhnung an den Event ließ der Enthusiasmus bei der Dokumentation allerdings nach.

Mal sind die Touren minutiös vorbereitet und geplant, mal gehen alle aus davon aus, dass sie nichts wissen, aber neugierig sind (wie zum Beispiel in Reinickendorf) und mal wissen die Mitlaufenden auch deutlich mehr als derjenige der die Tour plante. Manchmal glauben die Mitlaufenden nur mehr zu wissen als die Person, die vorbereitete. Das wird anstrengend.

Berlin Wedding bayer parkhaus 14.11.2015 13-40-01
Für das 49. KNORKE folgt die Müllerstraße im Wedding.

10 Jahre - KNORKE ist nicht tot. Im Januar geht es weiter mit einer Tour entlang der Müllerstraße im Wedding. Vielleicht klappt im Februar ja zum 50. mal die Jubiläumsausgabe wieder durch die Hermannstraße.

Berlin ist groß, jeder Berliner entdeckt wohl immer noch regelmäßig komplett neue Stadtteile. Und die Stadt verändert sich: Neukölln 2015 ist nicht mehr Neukölln 2005. Es bleibt spannend.

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Der Bericht der angesprochenen Tour durch den Wedding findet sich unter Tanz auf dem Guglhupf, Automatenmaden und die „brutalism appreciation society“ im #wedding

Daraus entwickelte sich das WikiWedding-Projekt, um den Wedding mehr in die Wikipedia zu bringen: Randlage.

Zum KNORKE-Jubiläum veranstaltete ich eine Wiederholungswanderung durch die Hermannstraße - die unter anderem zur Erkenntnis führte, dass die Straße kaum besichtigt wurde: Wikipedistas ignorieren wiederholt die Hermannstraße

Alle Posts zu KNORKE und sonstigen kulturellen Aktivitäten liegen unter: Kultur in Iberty. 



November 26, 2017

Mehrfach in der Woche fahre ich mit der Deutschen Bahn (Regionalbahn) und für den Verein und für die Wikipedia fahre ich auch mehrmals im Jahr weite Strecken. Dabei bin ich natürlich auch von Verspätungen und sonstigen Ärgernissen nicht gefeilt – man kennt es ja, und ja, ich schimpfe auch oft.

Heute aber möchte ich die Deutsche Bahn einmal ausdrücklich loben; und zwar dafür, das sie meinen Laptop gerettet haben.

Was war passiert? Ich bin heute vor einer Woche von der Mitgliederversammlung aus Berlin nach Hause gefahren und in Hanau ausgestiegen. Und als ich gerade die Treppe zum Querbahnsteig runtergehen wollte, fiel mir auf, das ich alles mitgenommen hatte – nur die Laptop-Tasche stand noch im Abteil. Zugtüren waren schon zu, der Schaffner hatte schon gepfiffen, der Zug fuhr ohne Erbarmen ab – und mit ihm mein Laptop.

Bahn-Hotline angerufen, relativ schnell jemand am Telefon gehabt. Die haben mich an die 3S-Zentrale in Frankfurt verwiesen. Dort angerufen, gleich jemand dran gehabt. Die haben jemand an den Bahnsteig in Frankfurt (nächster Halt des ICEs) geschickt und den Schaffner informiert. Banges Warten. Dann die Rückinfo: War kein Durchkommen, Zugpersonal hatte Wechsel, Laptop noch im Zug. Nächste Möglichkeit: Mannheim. Dort angerufen, wieder gleich jemand dran gehabt. Gleiches Vorgehen wie in Frankfurt angekündigt. Nach zähen Warten dann der Rückruf: Laptop-Tasche wurde gefunden, und ein Dell-Laptop wäre auch noch drin. Jackpot!

Bin dann am Montag gleich nach Mannheim gefahren. Die Dame im Bahn-Fundbüro war nett, und nach kurzem Suchen hatte sie auch meine Tasche. Die Bahn hatte Inventur gemacht (was man so Alles in so ’ner Tasche hat…), und 5€ später hatte ich meinen Laptop wieder.

Also egal wie sehr ich das nächste Mal wieder fluchen werde, wenn mir ein Anschlusszug vor der Nase wegfährt: Die DB hat wirklich was gut bei mir. Das war echt gute Arbeit.

November 02, 2017

Wie heise bereits gestern meldete, ist Jimbo Wales neues Projekt Wikitribune online gegangen (aktuell wohl noch beta). Ähnlich wie bei wikinews sollen dort wohl Nachrichten entstehen – wobei dort wohl auch neue Nachrichten erstellt werden sollen.

Größtes Problem in meinen Augen ist die Real-Namens-Pflicht – zwar soll es Ausnahmen geben, aber zumindest mein Versuch mich mit Nick anzumelden, wurde von einem Admin abgelehnt; ausgedachte Namen gehen aber durch.

Ob die Welt wirklich noch eine Nachrichten-Seite braucht, bleibt abzuwarten – aber der Lexikon-Markt war ja auch schon mal befriedigt ;-).

October 16, 2017

Wikipedia ist nicht nur eine Enzyklopädie mit dem Anspruch auf Ewigkeit, sondern auch ein Nachschlagewerk für Ephemeres und zeitgemäß Aktuelles. In der Wikipedia stehen nicht nur Artikel über Themen von Bach und Barock bis zu Bismarck oder zur Binomialverteilung. Im Bastelbrockhaus stehen auch Einträge über lebende Künstler, Sänger, Sportler, Unternehmen, Vereine und Stiftungen.

Nun können diese Künstler, Sänger und andere diese Einträge auch lesen und sind – mal zu Recht mal zu Unrecht – nicht glücklich mit diesen Artikeln. Mal sind die Artikel eigenwillig gewichtet, mal lassen sie das Wesentliche aus, mal sind Daten veraltet und ab und an enthalten die Artikel auch echte inhaltliche Fehler.

Artikel über sich selbst oder seine Organisation zu ändern, ist nicht einfach. Manchmal ist es aber für Wikipedia und die Betroffenen hilfreich. Deshalb hier einige Regeln zum Umgang mit dem eigenen Wikipedia-Artikel.

Maze 01
Auf den ersten Blick wirkt Wikipedia unübersichtlich. Bild: Maze01. Von Nevit Dilmen Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

(0) Vorweg: Wikipedia-Artikel sind böse

Die Grundregeln für den Umgang mit der eigenen Person oder Organisation in Wikipedia ist einfach: existiert noch kein Artikel, so ist das gut. Wikipedianer schätzen es gar nicht, wenn Betroffene über sich selbst Artikel anlegen. Die geschriebenen Regeln verbieten die Artikelanlage in eigener Sache nicht explizit. Die - wichtigeren - ungeschriebenen Regeln sprechen sich stark dagegen aus. Umso kritischer werden Wikipedianer die neuen Artikel begutachten, nach Schwächen und Fehlern suchen. Umso schlimmer wird das Spießrutenlaufen für denjenigen, der diesen Artikel anlegt.

Selbst wenn der Artikel durchrutscht, zumindest am Anfang keine Kritik erfährt: Viele der Ersteller und Objekte von Artikeln rechnen nicht damit, was für eine eindrückliche Erfahrung es sein kann, die Kontrolle aus der Hand zu geben, einer anonymen Gruppe von Menschen eine große Bühne zu geben, das eigene Leben oder die eigene Organisation darzustellen. Eine eigene Website oder ein Facebookauftritt kann dasselbe wie ein Wikipedia-Artikel. Aber man behält die Kontrolle.

Wenn eine Person oder Organisation keinen Wikipedia-Artikel hat, dann sollte sie eine Flasche Sekt öffnen, dankbar sein und sich auf andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit verlegen. In vielen Fällen allerdings existiert der Artikel schon, oftmals nicht zur Zufriedenheit der betroffenen Person. Manchmal muss die Person oder Organisation halt damit leben, dass die eigene Existenz nicht nur Feiernswertes enthält. Manchmal hat sie aber auch legitime Gründe zur Kritik: Veraltetes, Unvollständiges, Fehlerhaftes oder eigentümlich Gewichtetes findet sich in vielen Wikipedia-Artikel. Es gibt die Möglichkeit, etwas daran zu ändern.


(1) Transparenz 


Wikipedia ist überaus kritisch gegenüber Bearbeitungen in eigener Sache. Jeder, der Artikel über sich selbst bearbeitet, muss Grundmisstrauen überwinden und Vertrauen gewinnen.Vertrauen gewinnt man durch Offenheit.

(2) Verifizierung 


Speziell für Bearbeiter in eigener Sache und ganz speziell für Menschen, die professionell unterwegs sind, existiert in der deutschen Wikipedia das Mittel der Verifizierung. Bearbeiter melden sich unter dem Namen ihrer Organisation/ ihrer Person an und stellen damit eine Grundtransparenz her. Danach schicken Sie eine Mail an  info-de-v@wikimedia.org und werden dann von Freiwilligen verifiziert. Weitere Details finden sich unter: Wikipedia:Benutzerverifizierung

(3) Diskussionsseiten 

Zu jedem Eintrag in der Wikipedia gehört eine Diskussionsseite, auf der dieser Eintrag diskutiert wird. Um Konflikte und Konfrontationen zu vermeiden, empfiehlt es sich, jede größere Änderung erst auf der Diskussionsseite mit einigen Tagen Vorlaufzeit anzusprechen. Erst wenn dort kein Widerspruch, oder gar Zustimmung, gekommen ist, sollte der Artikel selbst geändert werden. Taucht auf der Diskussionsseite Widerstand auf, so ist die Diskussionsseite zur Diskussion zu nutzen.


(4) Belegen 


Wikipedia ist eine Enzyklopädie, die verlässlich sein will, die aber jeder anonym bearbeiten kann. Zum Ausgleich legt die Community starken Wert darauf, dass jeder inhaltliche Beitrag belegt wird. Als Belege gelten nur Fakten, die anderswo veröffentlicht sind. Sei es in Büchern, Zeitschriften oder Websites. Diese Pflicht geht soweit, dass selbst Aussagen der Person selbst oder amtliche Dokumente nicht akzeptiert werden – sofern diese nicht an einer externen Stelle veröffentlicht wurden.

Belege im Artikel zur Wikipedia (kleiner Ausschnitt)

(5) Klare, harte Fakten. Keine Adjektive 


Artikel über sich selbst zu ändern, ist selbst unter den besten Umständen ein Drahtseilakt. Die Gefahr besteht, auf andere Autoren zu treffen, die dies aus Prinzip ablehnen und versuchen gegen die Edits zu arbeiten. Aber auch diese Autoren sind an Regeln gebunden. Je besser eine Bearbeitung nachgeprüft werden kann und je eindeutiger diese ist, desto höher sind die Chancen, dass sie bestehen bleibt.

Am besten hierfür eigenen sich unstreitige Zahlen und Fakten. Während Fakten einfach und erwünscht sind, ist dies mit Interpretationen schwierig. Diese sind generell in der Wikipedia verpönt. Je niedriger das Vertrauen ist, das ein Autor genießt, desto schwieriger wird es, Text einzubauen, der auch nur entfernt nach Interpretation aussieht. Adjektive sehen immer nach Interpretation und Wertung aus. Sie haben in einem Artikel über einen selbst nichts verloren.

(6) Verständlich bleiben 


Nun gibt es nicht nur die Community, für die ein Text geschrieben wird, sondern auch die Leser. Leser lieben Wikipedia, weil er hier klare, verständliche Informationen gibt, die sich beim ersten Lesen erschließen. Buzzwords, unverständliches, aber auch Fachsprache und Insiderlingo sind verpönt. Die Community achtet darauf dies durchzusetzen. „Geschwurbel“ ist einer der liebsten Begründungen innerhalb der Community um Text zu streichen.

(7) Mit der Community zusammen 


Wikipedia ist ein grundsätzlich offenes System, das von zahlreichen Vandalen, Trollen und Manipulatoren heimgesucht wird. Dementsprechend ausgebildet und etabliert sind mittlerweile die Mechanismen, unerwünschte Bearbeitungen fernzuhalten. Die etablierte Community hat die informellen, formalen und technischen Mittel Text zu verhindern, kann aber auch unglaublich Großartiges vollbringen. Jede Mitarbeit in Wikipedia, die von Erfolg gekrönt sein soll, funktioniert nur im gegenseitigen Vertrauen mit der Community.

(8) Zu vermeiden: Freunde holen 


Manche Autoren fühlen sich von der Wikipedia-Community übermannt oder ungerecht behandelt und versuchen, Freunde zu motivieren, ihnen beizustehen. Kaum etwas ist schlimmer. Die reine Anzahl von Teilnehmenden in der Diskussion hat kaum ein Gewicht. Wesentlich bedeutender ist das Vertrauen, dass den einzelnen Beteiligten in der Community beigebracht wird. Die Community hat ein eingebautes internes Vertrauenssystem, das maßgeblich auf bisherigen Beiträgen beruht. Wenn aus heiterem Himmel plötzlich eine größere Anzahl neuer Nutzer bei einem Thema auftaucht, lässt das bei vielen erfahrenen Wikipedianern Alarmglocken schrillen. Sie reagieren skeptischer und aggressiver. Dabei gilt: gegen eine skeptisch und aggressive Community zu agieren, hat nie Erfolg. Der Versuch, Freunde zu mobilisieren ist bisher immer nach hinten losgegangen.

(9) Das Sichtungsproblem 


Speziell die deutsche Wikipedia hat das Instrument der Sichtungen eingeführt. Das bedeutet: Änderungen an Artikeln werden sofort gespeichert. Wenn diese Änderungen von einem neuen Autor stammen, sind sie aber nicht sofort für die Öffentlichkeit sichtbar. Dafür muss erst ein erfahrener Wikipedianer sein Ok geben. Je einfacher die Edits sind und je einfacher sich ihr Inhalt extern überprüfen lässt, desto schneller wird die Freigabe erfolgen.

Übersicht über die Seiten, die am längsten nicht gesichtet wurden.

(10) Fotos unter freier Lizenz 


Ein einfacher Weg, das Vertrauen der Community zu gewinnen, Inhalte beizutragen und es Wikipedia zu ermöglichen eigene Inhalte zu nutzen, ist das Bereitstellen von Fotos unter freier Lizenz. Das bedeutet, dass diese Fotos im Nachhinein genutzt, verändert und eingebaut werden können. Allerdings muss dabei der Autor genannt werden ebenso wie der Titel des Fotos. So in Wikipedia und von dort aus dann viral durch das halbe Netz.

Rose Stanwell Perpetual バラ スタンウェル パーペチュアル (7887553466)
Ist ein Foto unter freier Lizenz hochgeladen, kann es unter Autoren-Nennung quer durch das Internet gesehen werden. Bild: Rose Stanwell Perpetual バラ スタンウェル パーペチュアル von: T.Kiya Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

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Der Wikipedia mangelt es nicht an Seiten mit Regeln, Vorschriften und Anleitungen. Auch zu diesem Themenkomplex gibt es eher zuviel als zu wenig zu lesen. Als Einstieg empfiehlt sich: Wikipedia:Interessenkonflikt  und die dortigen Links.

Bei Rückfragen zu bestimmten Einzelfällen, gerne auch eine Mail an mich, dirkingofranke@gmail.com

Alle Iberty-Posts zu Netz- und Kulturthemen finden sich unter. Kultur in Iberty! Eine Übersicht.

August 15, 2017

Haben Sie sich für Wikipedia schon einmal ein schöneres Design gewünscht? Vielleicht ein Layout, das nicht an die 80er-Jahre erinnert, eine andere, größere Schrift, vielleicht einfach irgendeine Veränderung?

Dass sich das Design von Wikipedia seit Langem nicht bemerkenswert geändert hat, hat gute Gründe: Eine große, langjährige Community ist mit dem Design gewachsen und hat sich daran gewöhnt. Warum ändern, wenn es so funktioniert? Schwierig wird es, alle in ein Boot zu holen, wenn es darum geht, Veränderungen umzusetzen. Ist anders, neu immer wirklich besser?

Während die Wikimedia Foundation seit 2010 all ihre Projekte auf der Vector Skin laufen lässt, gab es auch Vorschläge wie Athena, die Wikipedia neu zu designen.

Wikipediaredefined.com ist ein externer Vorschlag einer Werbeagentur, Wikipedia von Grund auf umzudesignen. Die Ansätze sind sehr interessant und auch sehr schön und einen Blick wert.

Browser-Reader Wikiwand

Wikiwand ist ein sehr guter Reader für Wikipedia. Als Browserplugin greift er stark in das angezeigte Layout ein und bietet ablenkungsfreies, angenehmes Lesen der Artikel. Manche Detailinformationen von Seiten fehlen hier naturgemäß, es lässt sich aber jederzeit mit einem Klick auf die Originalseite wechseln.

Wikiwand funktioniert auf Chrome, Safari und Firefox, mobil auf iPhone und in beta auch auf Android. Zufälligen Artikel auf Wikiwand lesen.

Alle Bilder: Wikiwand Presskit

Wikiwand Logo Beispielseite NASA Suche Linkvorschau Inhaltsverzeichnis

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July 31, 2017

Wie uns CSteigenberger mitteilt, bekleidet sie seit Anfang Juli eine Position als Community Advocate bei der WMF.

July 30, 2017

Wie uns Tim Moritz Hector als Präsident von WMDE mitteilt hat der Verein begonnen sich – wieder einmal – über die Zukunft von WMDE Gedanken zu machen. Aktuell befragt er dazu externe Dritte, aber in ein paar Monaten dürfen auch wir Normalos uns zu Wort melden.

Meiner Meinung nach sind solch weit-reichende Planungen Zeitverschwendung, weil sie durch die Wirklichkeit eh schnell überholt werden; ich wollte euch aber trotzdem in Kenntnis setzen.

July 20, 2017

Kuebi hat im Kurier eine Analyse über die Einbindungen von Quora – einer Frageseite ähnlich gutefrage.net oder stackexchange.com – als Quelle in der deutschsprachigen Wikipedia gepostet. Von den elf Verlinkungen ist wohl nur Eine wirklich sinnvoll, und das auch nicht als Quelle sondern als Weblink auf eine Primärquelle.

So praktisch solche Seiten auch sein mögen – als Quelle oder Referenz für die Wikipedia sind sie zumeist ungeeignet; Kuebis Text zeigt wieder einmal sehr deutlich, wieso.

July 13, 2017

Heute kam die Reisekostenübernahme-Bestätigung für die WikiCon: Ihr könnt also quasi damit rechnen, mich in Leipzig zu sehen. Für das Programm habe ich die übliche PGP-Keysigning-Party und zwei Vorträge eingereicht; mal sehen, was durchkommt.

Freue mich auf jeden Fall schon 😃.

Die Suchfunktion der Wikipedia war über die Jahre immer wieder Änderungen unterworfen. Mal ging sie jahrelang gar nicht, dann hatte sie mal zwei Buttons, dann wieder nur einen – und wirklich gut suchen kann sie immer noch nicht. Obwohl die Suche mittlerweile diverse Keywords versteht, die die Suche optimieren, sind diese recht unbekannt. Daher gab es auf der letzten WikiCon einen Workshop zu diesem Thema, wo angeregt wurde, die Bedienbarkeit der Suche zu verbessern.

Johanna Strodt ruft nun im Kurier dazu auf, bis zum 20. Juli beim Gestalten der neuen Suchfelder zu helfen. Beteiligt euch, oder meckert nicht, wenn’s euch am Ende nicht gefällt ;-).

July 12, 2017

Holder hat im Kurier Zahlen gepostet die zeigen, wie stark die türkischsprachige Wikipedia unter ihrer Sperrung leidet. Die Zugriffszahlen z.B. fielen von 158 Millionen auf 30,6 Millionen – das ist schon erschreckend.

Und das Alles nur um den Ego-Trip eines Einzelnen zu unterstützen :-(.

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